piwik no script img

Sozialabbau während der WMIm Windschatten der WM

Kersten Augustin

Kommentar von

Kersten Augustin

Große Sportereignisse sind ein günstiger Zeitpunkt, Sozialabbau zu betreiben, weil alle vor den Bildschirmen kleben. Folgt ein Fußballsommer der Sozialkürzungen?

I n den nächsten Wochen entscheidet sich das Schicksal der beiden wichtigsten Amtsträger des Landes. Am 1. Juli trifft sich die Bundesregierung zum Gipfel im Kanzleramt, zehn Tage später beginnt die parlamentarische Sommerpause. Bis dahin will, nein, muss Friedrich Merz zeigen, dass seine Regierung noch handlungsfähig ist und ihre vollmundig angekündigten Reformen beschließen kann. Gelingt ihm das nicht, dürfte er über die Landtagswahlen im Herbst hinaus nicht mehr lange Kanzler bleiben.

WM-taz-Logo
Die taz bei der Fußball-WM

Der Ball ist rund und die taz ist ihm dicht auf den Fersen. Unsere Reporterin Alina Schwermer ist auf einem Roadtrip (meist) per Bus und berichtet in Reportagen und in ihrem Blog – manchmal auch aus den Stadien, aber noch viel öfter über alles drumherum. Alle Spiele werden von ausgeschlafenen tazler:innen für Sie hier in „Alle Spiele“ kurz zusammengefasst. Dann gibt es das ganz geheime Tagebuch von Fifa-Dingsbums Gianni Infantino. Und alles andere rund um die WM finden Sie hier.

Mitte Juli endet auch die Fußballweltmeisterschaft der Männer. Bundestrainer Julian Nagelsmann muss mindestens ins Viertelfinale kommen, um dem Anspruch seines Publikums gerecht zu werden. Gelingt das nicht, wird er wohl seinen Posten verlieren. Merz und Nagelsmann sind nicht zu beneiden. Viel zugetraut wird weder dem einen noch dem anderen. Niemand wird in den kommenden Wochen so im Rampenlicht und so in der Kritik stehen wie Kanzler und Coach.

Auch in ihren Schwächen ähneln sie sich. Beide reden viel und ungeschickt, anders als ihre wortkargen Vorgänger. Sie kündigen mit großen Worten einen Plan an, am liebsten viele Pläne gleichzeitig. Und überfordern ihre Zuhörer und sich selbst. Julian Nagelsmann hat selten mit der gleichen Mannschaft gespielt, er hat öffentlich Stammspieler auserkoren, die am Sonntag auf der Bank sitzen werden. Andere Spieler hat er in Interviews bloßgestellt.

Das Logo der taz: Weißer Schriftzung t a z und weiße Tatze auf rotem Grund.
taz debatte

Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Friedrich Merz hat Reformen angekündigt, und zwar überall gleichzeitig: Er will die Einkommensteuer reformieren und die Rente, die Pflege und die Krankenversicherung. Wobei man aufhören sollte, von Reformen zu sprechen, denn es geht im Wesentlichen um Kürzungen. Ähnlich wie beim Bundestrainer ist auf seine Ankündigungen dabei kein Verlass.

Merz will Methoden vor vorgestern

Erst ließ Merz sich darauf ein, auch Spitzenverdiener zu belasten, dann zog er seine Zusage wieder zurück. Auch die Bafög-Erhöhung hat seine Unionsfraktion zurückgenommen. Und öffentlich vorführen, das macht Friedrich Merz nicht nur mit einzelnen Mitgliedern seiner Mannschaft, sondern mit dem Koalitionspartner oder ganzen Bevölkerungsgruppen.

Bundeskanzler und Bundestrainer geben sich gern auf der Höhe der Zeit. Sie, und auch ihr Publikum, trauern aber einem Deutschland hinterher, das es nicht mehr gibt. Merz will mit Methoden von vorgestern (Neoliberalismus) an die Erfolge von gestern (Exportweltmeister) anknüpfen. Und auch Nagelsmann glaubt, mit den Helden der Vergangenheit (Manuel Neuer) erfolgreich zu sein.

Eine Vermischung von Sport und Politik, wie auch in diesem Text, ist bei Großereignissen heikel. Aber es wäre nicht das erste Mal, dass im Windschatten einer WM weitgehende Reformen, nein, Umverteilungen durchgesetzt werden. Mitten im Sommermärchen 2006 wurde die Mehrwertsteuer erhöht. Dies traf besonders Menschen mit niedrigen Einkommen. Der Bundesrat stimmte dem Gesetz am 16. Juni zu. Zwei Tage zuvor gewann Deutschland gegen Polen, vier Tage danach gegen Ecuador. Vier Jahre später, während der Weltmeisterschaft in Südafrika, einigte sich die Bundesregierung bei einem Gipfel im Kanzleramt auf die Erhöhung der Krankenkassenbeiträge. Einen Tag später spielte Deutschland im Halbfinale gegen Spanien.

Gut möglich, dass es auch in diesem Fußballsommer zu Sozialkürzungen kommt. Wie Friedrich Merz und seine Bundesregierung damit durchkommen, könnte auch davon abhängen, wie erfolgreich die Nationalmannschaft ist. Bundestrainer und Bundeskanzler haben oft voneinander profitiert. Konrad Adenauer spielte lieber Boccia, statt 1954 nach Bern zu fahren. Aber Helmut Kohl sonnte sich im Triumph der WM 1990, Angela Merkel profitierte 2014 vom Titel. Und hätte Gerhard Schröder länger durchgehalten, hätte er mit dem Sommermärchen im Rücken womöglich noch die Wahl gewonnen.

Merz spricht von Wohlwollen, das es im Land für seine „Reformen“ brauche. Er tut wenig dafür, eine solche Stimmung zu begünstigen. Wenn aber die Nationalmannschaft ein überraschend gutes Turnier spielen sollte, könnte die Bundesregierung zumindest kurzzeitig profitieren. Scheidet Deutschland früh aus, dürfte das die Zustimmung zu Kürzungen nicht erhöhen. Und abgelenkt wären die Deutschen auch nicht mehr, wenn Merz’ Regierung Anfang Juli in ihr Endspiel einzieht.

Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 180 Freiwillige, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen

Kersten Augustin

Kersten Augustin Ressortleiter Inland

Kersten Augustin leitet das innenpolitische Ressort der taz. Geboren 1988 in Hamburg. Er studierte in Berlin, Jerusalem und Ramallah und wurde an der Deutschen Journalistenschule (DJS) in München ausgebildet. 2015 wurde er Redakteur der taz.am wochenende. 2022 wurde er stellvertretender Ressortleiter der neu gegründeten wochentaz und leitete das Politikteam der Wochenzeitung. In der wochentaz schreibt er die Kolumne „Materie“. Seine Recherchen wurden mit dem Otto-Brenner-Preis, dem Langem Atem und dem Wächterpreis der Tagespresse ausgezeichnet.
Mehr zum Thema

51 Kommentare

 / 
  • Das Verfahren einer Gesetzesänderung übertrifft die Dauer eines Fußballturniers deutlich.

    Mein Eindruck ist eher, dass Gesetze häufig schnell noch vor der Sommerpause (also zur Fußballzeit) durchgedrückt werden müssen, weil man in Zeitnot gekommen ist...das gleiche passiert vor Weihnachten auch.

  • Dieser Artikel verweigert sich konsequent jeder haushaltspolitischen Realität. Wer so schreibt, tut so, als gäbe es unbegrenzte Mittel – und als sei Sparen per se unsozial. Das ist bequem, aber verantwortungslos. Wenn die Wirtschaft schwächelt, Steuereinnahmen sinken und Schulden steigen, muss auch über Kürzungen gesprochen werden. Alles andere ist Wunschdenken.

    Der moralische Zeigefinger ersetzt keine seriöse Finanzpolitik. So zu tun, als könne man soziale Leistungen einfach immer weiter ausbauen, während weniger Geld zur Verfügung steht, ist genau die Art von Politik, die Haushalte gegen die Wand fährt. Das hat nichts mit sozialer Gerechtigkeit zu tun, sondern mit Realitätsverweigerung.

    • @Zippism:

      Es ist sicher Realitätsverweigerung, fossil-obsoleten Industrien, Dividendendamen und privaten Saugern die Milliarden zuzuschanzen. Und sie von den Vielen wegzunehmen.

      Einigen wir uns vielleicht darauf, dass ein ausgeglichener Haushalt, der zugleich erhält/investiert wie gerechte Chancen ermöglicht, wohl das Ideal wäre. Das heißt, unnütze Ausgaben wie offene und versteckte Autosubventionen sofort einzustellen, aber auch die Steuerbasis wiederherzustellen (etwa Vermögen, Erbe, Millionenboni).

  • Tja. Wenn doch die Parlamentarier ihre Arbeit nur ordentlich machen würden, Gesetz für die Vermögenssteuer ausarbeiten, Investitionen für die Infrastruktur endlich auf den Weg bringen damit Geld in unseren Wirtschaftskreislsuf fließen kann, zum Beispiel, dann brauchte die Bevölkerung nicht so schlau gucken, wo ihnen da auf einmal, völlig unnötiger Weise - Geld von der Regierung aus Rentenkasse, GKV, duch unnötiger Inflation geklaut werden soll.

  • Woher kommt diese panische Angst vor jeder Veränderung ? Das wir Reformen in allen Systemen brauchen müsste doch unbestritten sein. Das Entscheidende ist aber wo gespart werden muss, nicht bei (berechtigten) Leistungen sondern in den Verwaltungen. WARUM brauchen wir in Deutschland weit über 500 verschiedene Posten unter denen man Gelder beantragen kann ? WARUM gibt es wie bei den Jobcentern null Leistung-Erfolgsprüfungen was mit den Milliarden passiert ? Hier gehört angesetzt, von dem eingesetzten Steuergeldern darf nicht immer mehr in den äußerst Ineffizienzen Behörden verschwinden. Hier könnte man den Demografischen Wandel als Chance nutzen, Stellenabbau durch Verrentung und sich so gesund schrumpfen.

    • @Günter Witte:

      Das Problem ist, dass keine wirklichen Reformen an den Strukturen geplant sind. Es geht fast nur um Leistungskürzungen.

      Vor echten Reformen haben nur ein paar Bürokraten Angst.

      • @warum_denkt_keiner_nach?:

        Das ist das Problem. Die Größte Lobbygruppe in Deutschland sind die Bürokraten. Vermutlich könnte man den Großteil der Verwaltungsjobs automatisieren und eine Menge Geld einsparen. Aber da traut sich kein Politiker ran.

        • @Machiavelli:

          Die Größte Lobbygruppe in Deutschland sind die Bürokraten? Gefühlt? Oder belegt?



          Viel wichtiger ist doch die Frage, wer die MÄCHTIGSTE Lobbygruppe ist. Tipp: Geld = Macht.



          Tatsächlich ist der Abbau von Bürokratie (vor allem Personalabbau) ein wesentlicher Grund dafür, daß Anträge jeder Art immer länger auf Bearbeitung warten, Gerichte gar nicht mehr dazu kommen, Verbrecher zu verurteilen, D als Geldwäscheparadies gilt, Steuern im großen Stil hinterzogen werden, Bauanträge kaum noch geprüft werden können, Tierquälerei zum Tierzucht- und Schlachthof-Standart gehört, Studenten monatelang auf BaFöG warten, Kindesmißbrauch nicht auffällt, Boden und Gewässer verseucht werden, marode Brücken nicht bemerkt werden, ... nur als Beispiele.



          Meist ist nicht Bürokratie das Problem, sondern im Gegenteil der Mangel an Personal und Ausstattung in den Ämtern.



          Natürlich gibt es auch unsinnige Vorschriften, aber der größere Unsinn sind sinnvolle Vorschriften, die wegen Personalmangel niemand durchsetzen kann.



          Und das allergrößte Problem sind doch die Vielen, die zum Eigennutz auf Kosten der Allgemeinheit Regeln & Gesetze mißachten.



          $$$-Fußball soll all das vergessen lassen, sogar Korruption.

          • @Selbstauslöser:

            Doch die Bürokratie gehört reformiert und abgebaut!

            Es ist doch ein Wahnsinn das manche Behörden gar keine Informationen austauschen können, das sie verschiedenste Programme benutzen.

            Beispielsweise sind Bauanträge für größere Projekte so kompliziert und durch Einsprüche oft so verzwickt und verwirrend, dass die Ämter selbst in Not kommen. Ein ehem. Amtsleiter hat mir mal gesagt, dass es mit jeder Reform noch schlimmer wird. Seine Mitarbeiter teilweise bei einem Fall 1500-2000 Seiten Akten haben. Das überblickt man kaum noch.

            Teilweise werden auch negativ Entschieden, bei Einspruch muss das dann ein anderer Entscheiden.

            Planungskosten überschreiten Baukosten, auch ein Punkt der nicht sein darf.

            Ebenso gibt es viele Punkte im Bereich von Recycling, Natur- und Umweltschutz, mit denen wir täglich zu kämpfen haben.

        • @Machiavelli:

          Viel der Bürokratie erfolgt, um möglichst glatt und schwer angreifbar von 'oben' nach 'unten' zu schurigeln. Andere ist vielleicht durchaus sinnvoll.

          Hinweis: wie u.a. David Graeber in Bullsh*t Jobs darlegte, sind viele Unternehmen gar nicht mehr effizient, sondern mindestens so verholzt wie eine stereotype Behörde und voller sinnloser Untergebener.

  • Naja, es gibt doch dauernd irgendwelche Fussballspiele und anderen Klamauk.



    Unser Frankfurter Grünen-Bundestagsabgeordneter Omid Nouripour betreibt das Projekt konsequenterweise auf professionellem Niveau. Finde ich nach wie vor erstaunlich, wofür unsere gut bezahlten Abgeordneten so alles Zeit haben.

    Hatte ihn dazu auch auf Abgeordnetenwatch befragt (da ich ihn dummerweise 2021 sogar gewählt hatte): www.abgeordnetenwa...wuerden-sie-sich-0

  • Friedrich Merz ist für 5 Prozent der Deutschen angetreten, der Rest muss den Gürtel enger schnallen und mit Entbehrungen rechnen, weil dieser Kanzler ein Neoliberaler im Sinne der 1980er ist.



    Merz ist ein Rückwärtsprogramm im Sozialen und Kulturellem.



    Da kommt ihm ein Spektatkel genau recht, um Härten durch den Bundestag zu ziehen. Aber Merz ist nicht alleine, die SPD macht aus Ratlosigkeit mit. Die AfD sitzt im Bundestag, verkündet immer deutlicher ihre rechtsextremen Inhalte und empfiehlt sich frustrierten Wählern als Alternative.



    Anstatt für für mehr Zusammenhalt zu stehen, die Wirtschaft mit Investitionen ins Wachstum zu bringen, rockt Merz Deutschland mit Depression und Ausgrenzung nach Unten.



    Diese Union hat wenig intellektuelle Tiefe und wenig ehrlichen und sachlichen Diskurs - viele Abgeordnete sind konstant überfordert und folgen treudumm ihrem 1980er-Politiker.



    Bei dem geht es dann um unerwünschte Ausländer, faule Arbeitslose, angeblich reiche Studenten und Rentenfreudige Arbeitskräfte.



    = Immer negativ, immer sinnentlehrt, immer sachlich-falsch und eigentlich ohne Konsequenzen steuert der Kanzler Deutschland in den Abschwung.



    Schön, dass wir die WM schauen können.

    • @Andreas_2020:

      @ Andreas_2020



      Na, Sie rechnen ja ganz schön großzügig, 5 % - wohl eher , wenn überhaupt 1 %...

      • @Alex_der_Wunderer:

        5 % liegt wirklich daneben. 1 % stimmt, wenn man von Personen ausgeht. Aus diesem Blickwinkel vertritt Merz immerhin 28 % des Vermögens von 80 Millionen.

  • Sorry, aber olle Kamellen schlecht aufgewärmt. Das war vielleicht früher mal von Relevanz, als man entweder Nachrichten oder Fußball schauen konnte und bei einer Heim WM mit Ausnahmezustand im Land, vielleicht auch noch.



    Aber gerade bei dieser WM laufen die allermeisten Spiele nachts. Da klebt niemand den ganzen Tag vor dem TV und kriegt nicht mit, was beschlossen wird. Schonmal gar nicht diejenigen, die politisch interessiert und aktiv sind. Als ob die protestierenden Studenten und ihre Unterstützer beim Thema BaföG Reform, jetzt wegen der WM einmal nur noch Fußball im Kopf hätten und Bär unbemerkt durchgekommen deswegen jetzt würde. Das ist doch fast so schief konstruiert, wie der Vergleich mit dem Bundestrainer.

    • @Deep South:

      Ausnahmezustand nicht. Aber in TV Nachrichten (egal welcher Sender) nimmt Geschwätz über die WM viel Sendezeit ein. Wichtige Nachrichten treten in den Hintergrund.

      • @warum_denkt_keiner_nach?:

        Und wer bitte informiert sich heute noch nur über Tagesschau und Co? Und selbst wenn der Fußball 5 von den 15 Minuten einnimmt, wird über politische Entscheidungen und Anträge doch trotzdem berichtet oder nicht? Die üblichen Polit Talks laufen trotzdem. Und was bitte "tritt da in den Hintergrund?". Wer den Bericht über ein Spiel wahrnimmt, aber den Bericht über Sozialkürzungen nicht, der hat sich auch vorher schon nicht dafür interessiert. Als ob die Menschen in Zeiten ohne große Sport- oder Kulturevents auf einmal alle Politiaktivsiten wären.

  • taz: *Friedrich Merz hat Reformen angekündigt, [...]. Wobei man aufhören sollte, von Reformen zu sprechen, denn es geht im Wesentlichen um Kürzungen.*

    Aber nur Kürzungen bei den Normalbürgern, denn die Reichen bekommen wieder viel Naschwerk und Leckereien vom BlackRock-Mann. Muss man das eigentlich wirklich noch erwähnen, dass Friedrich Merz nur noch Politik für die Reichen und Mächtigen macht?

    • @Ricky-13:

      Na ja. Er macht, wofür er eingestellt wurde.

  • Mich erstaunt, wie schnell und konsequent die SPD daran arbeitet endlich unter die 5% zu kommen.

    • @Pico :

      In einigen Bundesländern wird die SPD mit der 5-Prozent-Hürde kämpfen, mindestens in Sachsen.

  • Die da oben nutzen die WM, um heimlich Gesetze durchzuschieben? Und der deutsche Michel merkt's nicht, weil er vor der Glotze hängt? Ich höre das alle vier Jahre von irgendwelchen Schlaubergern, aber jetzt kommt auf einmal die taz damit, und die ZEIT übrigens auch? Was ist los? Sollen Regierungen und Parlamente den Betrieb einstellen, bloß weil WM ist? Die Sitzungspause des Bundestags beginnt Mitte Juli, bis dahin wird gearbeitet.

    • @Jochen Laun:

      Ja, das hört alle vier Jahre (eigentlich alle zwei).



      Und schöne Beispiele gibt es dafür auch haufenweise, sogar im Text aufgeführt.



      Dürfen sie natürlich gerne weiter ignorieren.

    • @Jochen Laun:

      Der Deutsche und hier lebende Mensch merkt das. In der Kantine reden alle Ü-50 nur noch über die Rente und die Arbeitsbelastung. Wenn das nicht Thema ist, dann die Inflation und wann man das letzte Mal in den Sommerferien war bzw. wirklich verreist war. Der Abstieg ist überall zu merken. Keine Sorge, mal ein WM-Spiel ist nett, mehr aber nicht.

  • Wofür nochmal stand das "S" in der SPD?



    Sozialkürzungen gehen nur mit der SPD. Schuld werden viele Medien dann aber doch nur der CDU geben, obwohl sie es ohne die SPD gar nicht hätte durchsetzen können. Die SPD sollte nur noch PD heißen, das "S" hat sie schon unter Schröder abgegeben.

    • @Hans Dampf:

      Es wäre doch mal schön, wenn der Verursacher des sozialen Kahlschlages, die Union, auch die Folgen tragen würde. Nicht so wie letztes Mal bei der Agenda 2010

      • @Kaboom:

        "Verursacher des sozialen Kahlschlages" ist immer AUCH die Partei, die dem in einer Koalition zustimmt, also namentlich die SPD. So einfach kann man sich nicht raus reden.

        • @Hans Dampf:

          Die Verursacher sind die, die sowas in eine Koalition einbringen (oder, so wie bei der Agenda 2010, in den Vermittlungsausschuss).



          Das macht die Sozen nicht frei von Schuld, aber man sollte Ross und Reiter schon benennen. Und ALLE Kürzungen, Verschärfungen und Streichungen stammen von der Union.

          • @Kaboom:

            Und ALLEN Kürzungen hat die SPD zugestimmt. Für mich ist sie gleich schuld wie die CDU.

    • @Hans Dampf:

      Die böse SPD aber auch, die könnte ja wenn sie nur wollte....SPD, Grüne und Linke haben ja gemeinsam eine Mehrheit von 50% +X. Und in den Betrieben herrscht ein Organsiationsgrad von mindestens 85% so dass ein Arbeitskampf auch wirklich den Betrieb lahmlegt...

      Ironie off, aber die Leut sind selbst schuld, wie gewählt, so geliefert.

  • ich denke, die Regierung sollte sich nicht darauf verlassen dass alle Leute von der WM abgelenkt werden. Ich habe noch keine einzige Deutschlandfahne irgendwo gesehen, auch kein einziges Auto mit den schwarz-rot-goldenen Überziehern an den Rückspiegeln. Anders als beim letzten Mal, ganz anders als davor. Meinen Nachbarn und Kollegen ist das alles ebenfalls total egal. Vielleicht ändert sich das ja wenn die Mannnschaft gewinnt. Aber wie gesagt, verlassen darauf würde ich mich nicht. Auf der anderen Seite befindet sich die Regierung ja offensichtlich in einer anderen, parallelen Realität, es könnte also doch passieren...

  • Die Mwst.-Erhöhung kommt so sicher wie die Armen in der Kirche.

  • Schöner Vergleich von Bundeskanzler und Bundestrainer. Eigentlich sollte uns ein erfolgloser Nagelsmann lieber sein als ein erfolgloser März. Wahrscheinlich kommt es umgekehrt.

    Nur gut, dass Spitzenverdiener nicht betroffen sein werden, sonst müsste ich ja den Gürtel enger schnallen. Und gut, dass unser Sprössling kein Bafög bekommt, weil unser Haushaltseinkommen zu hoch ist. Aber war da nicht was mit der Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze für die Krankenversicherung? Oder ist die auch schon wieder vom Tisch?

    Aber wie will Herr Merz mit einem solchen Firlefanz überhaupt zu einem Erfolg kommen? Da würde ich sagen: Zu wenig, zu spät, zu zögerlich, zu mutlos. Wenn man Geld braucht, muss man es dort abgreifen, wo es vorhanden ist und das sind nun einmal die großen privaten Vermögen. Nebenbei könnte man sich noch über Steuerhinterziehung und Steuerschlupflöcher Gedanken machen. Zu beidem scheint jedoch der politische Wille zu fehlen, weil man angstgetriebene Politik betreibt und nur auf diejenigen schaut, die sich nicht wehren können.

    • @Aurego:

      "Wenn man Geld braucht, muss man es dort abgreifen, wo es vorhanden ist und das sind nun einmal die großen privaten Vermögen."

      Na dann mal ran ans Betriebsvermögen. Jeder kleine Landwirt der aufgibt und jeder Schlossermeister mit zwei Angestellten ist Millionär auf dem Papier. Selbst jeder VW-Mitarbeiter der nächstes Jahr gekündigt wird ist mit seinem hart ersparten EFH im Speckgürtel auf ihrer Liste. Jede Kommune mit 5 Hektar Land, die Soligemüsekisten verkauft, muss dann abdrücken.

      Okok, sie relativieren? Nur die Großen? OK. Und die verkaufen dann jedes Jahr 5% ihres Vermögens? Also der Produktionsmittel, der Gebäude, Maschinen? Oder wie sonst?

      • @Petzi Worpelt:

        FYI: Der Mittelstand reicht bis 2000 Mitarbeiter und / oder 500 Mio Umsatz. Um die geht es hier NICHT.



        Umd um den "Schlossermeister mit zwei Angestellten" schon erst gar nicht.

      • @Petzi Worpelt:

        Ich schrieb von privaten Vermögen. Betriebe kann man als Kapitalgesellschaften organisieren und sie damit aus dem privaten Vermögen herausnehmen. Wer das nicht will, selber schuld.



        In Deutschland haben wir ein Geldvermögen von über 9 Billionen Euro und ein noch größeres Immobilienvermögen.



        Rund zwei Drittel des gesamten Vermögens befinden sich im Eigentum des obersten Dezils der Vermögensverteilung, d. h. im Schnitt liegt das Vermögen des obersten Dezils bei über 1,5 Millionen Euro pro Person - nur in Form von Geld- und Immobilienvermögen. Auch wenn man selbst bewohnte Immobilien als Konsumgüter und nicht als Anlagegüter betrachtet und unbesteuert lässt, wäre es sträflich, wenn die Bundesländer freiwillig auf Einnahmen aus Vermögen- und Erbschaftsteuer verzichten, uns aber gleichzeitig die Ohren vollheulen, dass für nichts Geld da ist.



        Betriebe kann man getrennt betrachten, wenn es sich um Kapitalgesellschaften handelt. Da unterliegen sie ohnehin einer anderen Besteuerung (Gewerbe-/Körperschaftsteuer etc.).

      • @Petzi Worpelt:

        Aurego sprach von großen PRIVATEN Vermögen, Sie schreiben das sogar ab, und dennoch nehmen Sie es nicht zur Kenntnis? ... und verteidigen wie ein Löwe, was gar nicht zur Debatte steht?

        • @Selbstauslöser:

          Leider bestehen die "großen PRIVATEN Vermögen" zum allergrößten Teil aus Betriebsvermögen.



          Da bin ich mal auf den Chor der kleinen Spekulan... äh, ETF-Sparer gespannt, wenn Aktien auf den Markt geworfen werden müssen, um Vermögensteuer zu bezahlen...

          • @sollndas:

            "Leider bestehen die "großen PRIVATEN Vermögen" zum allergrößten Teil aus Betriebsvermögen."

            Gibts dafür Belege?



            Ich behaupte, das Gegenteil ist der Fall. Die größten Vermögen bestehen zum allergrößten Teil aus Fonds, Aktien, Spekulationsgewinnen und den unvermeidlichen Steuervermeidungsstrategien.

            • @Kaboom:

              Der Börsen"wert" von Aktien besteht (a) aus Firmenanteilen (also Produktivvermögen) und (b) aus heißer Luft (Spekulation).



              Sobald ein Großaktionär gezwungen ist, nenneswerte Anteile seiner Aktien zu verkaufen, um seine Steuern zu bezahlen, geht die heiße Luft raus, und es geht ans Produktivvermögen.



              Schlägt dann natürlich auch auf Aktienfonds und ETF durch, und die Dienstmädchenspekulation [1] ist zu Ende. Zur großen Freude der Kleinanleger.



              [1] de.wikipedia.org/w...m%C3%A4dchenhausse

          • @sollndas:

            Schon mal was von Familienstiftungen gehört?



            www.ardmediathek.d...S01M2I5N2VlMzk0NTM



            Nur so als Beispiel ...

            • @Selbstauslöser:

              Auch das Geld von Stiftungen aller Art dürfte letztlich in Produktivvermögen stecken. Es soll ja Geld abwerfen, für die durch die jeweilige Stiftung Begünstigten.

      • @Petzi Worpelt:

        Typisch. Da wird der Kleinunternehmer den großen Vermögen zugeschlagen. Dabei geht es in allen Plänen um Vermögen ab 9 Stellen aufwärts.



        Genau mit der Falschinformationen, dass kleine Unternehmer betroffen wären, sorgen unsere Superreichen dafür, dass sie weiter ungestört ihre Geldspeicher füllen können.

      • @Petzi Worpelt:

        Wer hat behauptet, große Vermögen fangen bei 1 Million an? Die hat heutzutage jeder Zahnarztsohn.

      • @Petzi Worpelt:

        Also sollen es dann doch wieder die kleinen richten?



        Oder gehören sie zu den 0,5%. Um die geht es. Aber es ist ja leichter nach unten zu treten.



        Gucken sie sich mal die Vermögensentwicklung der 0,5%



        der letzten Jahre an.



        Und kommen sie mir nicht mit der Neiddebatte.

  • Die aktuellen Staatsausgaben (und da dominieren die Ausgaben für den Sozialstaat) sind nicht nachhaltig, da sie das Wachstum reduzieren und damit für die Zukunft die Ressourcen verkleinert, die für soziale Aufgaben eingesetzt werden können.

    • @JeanK:

      Zählen die Zahlungen an die Aktionäre von Rüstungsunternehmen auch zu den Sozialausgaben? Dort gibt es immerhin die mit Abstand höchsten Steigerungen.

      • @warum_denkt_keiner_nach?:

        Ich dachte ja bisher, die Rüstungsunternehmen würden beauftragt, und nicht deren Aktionäre. Klären Sie mich auf!

  • Man liest und hört viel über die Probleme in Deutschland. Aber dass das Land derart auf den "absteigenden Ast" geraten ist, wird durch diesen Artikel so richtig bekräftigt. Kann schlimmster Sozialabbau wirklich das Rezept sein für ein florierendes Land mit einer florierenden Wirtschaft? Wenn gleichzeitig Reichtums-Exzesse herrschen und eine totale Selbstbedienungsmentalität in der Bundes- und auch in manchen Landesregierungen immer wie mehr Raum einnimmt?

  • Keine Rentenreform ohne Pensionsreform, liebe CDU-Politiker. Hohe Pensionen und mickrige Renten sind ungerecht und auf Dauer nicht mehr finanzierbar. Die ganzen Privilegien der Politiker und Beamten müssen mit der Rentenreform 2026 mit auf den Prüfstand. Seit 40 Jahren wurde das Pensionsniveau rücksichtslos von von Kanzler Kohl, Schröder und Merkel rücksichtslos gesenkt, während das Pensionsparadies unangetastet blieb.

  • Ach, wäre das schön wenn's nur alle paar Jahre bei Erfolg und guter Stimmung Kürzungen gäbe.