Fußballprofi mit Christusfimmel: Platzverweis für Jesus!
Der deutsche Nationalspieler Felix Nmecha trägt seinen Glauben wie eine Monstranz vor sich her. Dahinter steht ein finsteres Menschenbild.
Ach, Gottchen! Hat er das wirklich gesagt nach dem Spiel? „Wir alle glauben, dass Jesus durch das Spiel verherrlicht wird.“ Man könnte lachen über diese Bemerkung des Nationalspielers Felix Nmecha nach dem 7:1-Auftaktsieg der deutschen Fußballnationalmannschaft gegen Curaçao. Der Fußball mag ja vieles in Bewegung setzen können, aber wie bitte soll ein Kick wie jener der Deutschen gegen Curaçao Gottes Sohn verherrlichen. Na ja, wer's glaubt. Und damit sind wir beim Problem.
Der Ball ist rund und die taz ist ihm dicht auf den Fersen. Unsere Reporterin Alina Schwermer ist auf einem Roadtrip (meist) per Bus und berichtet in Reportagen und in ihrem Blog - manchmal auch aus den Stadien, aber noch viel öfter über alles drumherum. Alle Spiele werden von ausgeschlafenen tazler:innen für Sie kurz zusammengefasst hier in „Alle Spiele“. Dann gibt es das ganz geheime Tagebuch von Fifa-Dingsbums Gianni Infantino. Und alles andere rund um die WM finden Sie hier.
Denn Nmecha, der am Sonntag in Houston im Mittelfeld der Deutschen vor allem in der ersten Hälfte einen sehenswerten Auftritt hingelegt und mit einem wunderbaren Schlenzer die Deutschen in Führung gebracht hat, ist offensichtlich nicht nur als Kicker in den USA unterwegs, sondern auch als Missionar. Er trägt seinen Glauben wie eine Monstranz vor sich her. Wer die Vorberichterstattung zum Spiel der Deutschen verfolgt hat, konnte, besser sollte, sehen, dass er den Teambus mit einer Bibel in der Hand verlassen hat.
Er kniete sich auf den Rasen, formte mit seinen Händen etwas, was vielleicht eine Dornenkrone darstellen sollte und tat so, als legte er diese auf dem Rasen ab. Dann reckte er die Hände gen Himmel. Ein Bild davon postete er auf Instagram mit den Worten „Thank you Jesus!“ Nach der Partie bildete er zusammen mit Jonathan Tah und ein paar Spielern von Curaçao einen Gebetskreis.
Sie nutzen Google? Sie wollen beim Googeln taz-Texte besser finden? Dann können Sie mit einem Google-Konto die neue Funktion „bevorzugte Quellen“ nutzen. Um die taz als „bevorzugte Quelle“ einzustellen, müssen Sie nur diesen Link anklicken und einen Haken setzen. Fertig.
Sie wollen Google meiden? Kein Problem, es gibt zahlreiche Alternativen. Stellvertretend erwähnt seien Ecosia, DuckDuckGo oder Startpage.
Mehr Details zur Funktion „bevorzugte Quelle“ bei Google finden Sie hier.
Es gibt bestimmt Schlimmeres als Fußballer, die gemeinsam beten, ihren Glauben ausleben. Nmecha jedoch ist längst in die Rolle eines Predigers gewechselt. Er ist das deutsche Gesicht einer Gruppe von Fußballern, die sich zu einer Vereinigung namens „Ballers in God“ zusammengetan haben.
Das Spiel und Jesus
Deren Chef, der ehemalige englische Fußballprofi John Bostock, hat zahlreiche prominente Kicker für seine Plattform gewinnen können, darunter etwa den brasilianischen Torhüter Alisson Becker. Auf Instagram folgen den gläubigen Kickern über 750.000 Menschen. „Impacting the beautiful game for Jesus“, ist das Motto der Vereinigung, die man getrost als evangelikale Sekte bezeichnen kann.
Bostocks Verbindungen zu führenden Aktivisten der fundamentalistischen Awakening-Bewegung in Europa, die Homosexualität für eine krankhafte Abart hält und Konversionstherapien anbietet, sind gut belegt. Erst im Mai veröffentlichte Nmecha auf seinem Youtube-Kanal ein langes Interview mit Bostock, in dem er ihn als seinen Mentor bezeichnet.
Das passt nur allzu gut zu den Social-Media-Posts von Nmecha, in denen er Anhänger der Pride-Bewegung mit dem Teufel gleichsetzt oder gegen trans Menschen agitiert hat. Als Screenshots dieser finsteren Instagram-Storys, zu denen auch Interviewschnipsel mit dem Aktivisten Matt Walsh gehören, der sich selbst als „theokratischer Faschist“ bezeichnet, die Runde machten, teilte der DFB mit, Nmecha zum Gespräch darüber zu bitten. Vor drei Jahren war das.
Als Nmecha im Sommer 2023 vom VfL Wolfsburg zu Borussia Dortmund wechselte, verkündete sein neuer Verein nach Fanprotesten, dass er auf die Social-Media-Aktivitäten des Spielers achten wolle. Ein Trauerpost nach dem Mord am christlich-fundamentalistischen Politprediger Charlie Kirk in den USA sorgte im September 2025 dann für erneute Aufregung um Nmecha. Und die Fragen, welches Menschenbild hinter den braven Jesus-Sprüchen steckt, die Nmecha gern postet, steht nach wie im Raum. „Ich bin ein Christ, der Fußball spielt“, ist so ein Spruch, den er gern benutzt.
Bei der Vereinigung „Baller in God“ wird man stolz sein nach Nmechas ersten WM-Auftritt. Die Interviewfetzen nach dem Spiel wurden mit englischen Untertiteln versehen auf Instagram geteilt. Wie sagte ARD-Experte Bastian Schweinsteiger nach Nmechas kleiner Predigt vor großem TV-Publikum nach dem Spiel? „Amen!“ Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen.
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 210 Freiwillige, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
Starten Sie jetzt eine spannende Diskussion!