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Menschenfeindliche VerkehrspolitikNicht nur ein Unfall, sondern unterlassene Hilfeleistung

Ein elfjähriger Junge wird in Hamburg beim Radfahren von einem Lkw-Fahrer getötet. Sein Tod zeigt, wie gefährlich die Straßen für Kinder sind.

Aufschließen und ab die Post: Mit dem Fahrrad durch die Stadt fahren, ist besonders für Kinder gefährlich Foto: imago

A m Mittwoch, während Deutschland über den Tankrabatt diskutierte, wurde in Hamburg der elfjährige Simon bei einem Unfall mit einem rechts abbiegenden Lkw getötet. Er war mit dem Fahrrad unterwegs und trug einen Helm. Seine Kopfverletzungen waren so schwer, dass er am Unfallort starb. So berichtet es der NDR.

Der Lastwagen hatte eine Kamera, um den toten Winkel zu überblicken. Ob sie eingeschaltet war und was genau passiert ist, das ermittelt die Polizei. Am Unfallort liegen Blumen und ein Kuscheltier, Simba aus „Der König der Löwen“. Simon ist der zweite getötete Radfahrer in Hamburg in diesem Jahr.

Ich bin wenige Meter vom Unfallort aufgewachsen, als Kind oft über diese Kreuzung gefahren. Vor allem aber trifft mich die Nachricht, weil mein Sohn, der ein paar Jahre jünger ist als Simon, etwas Ungeheuerliches vorhat: Er will sein Recht wahrnehmen, sich allein mit dem Fahrrad durch Berlin zu bewegen.

Am Donnerstag habe ich ihn zum Fußballtraining gebracht, beim Abschied sagte er: „Papa, du musst mich nicht abholen. Heute komme ich allein nach Hause.“ Ich stammelte, dass er sein Notfallhandy nicht dabeihat. Und dachte: Das hilft ihm auch nicht gegen einen Lkw.

Es muss jemand getötet werden, bevor sich etwas ändert

Der Fußballplatz ist nicht weit entfernt. Aber man muss über eine vierspurige Straße, an der ein weißes Fahrrad steht. Hier wurde ein Radfahrer von einem Lastwagen erfasst und getötet. Am Abend saß ich zu Hause und wartete auf meinen Sohn. Ich sah auf die Küchenuhr und wurde nervös. Im Kopf ging ich die Strecke durch.

Nach der großen Kreuzung muss er an sieben Baustellen vorbei. Rohre sollen ersetzt und Gehwege erneuert werden. Seit Wochen passiert nichts. Alle paar Meter muss er um eine Baustellenabsperrung herumkurven. Einen ordentlichen Radweg gibt es nicht. Zum Teil ist der verbliebene Gehweg so eng, dass kein Kind mit dem Fahrrad durchkommt, geschweige denn jemand, der auf den Rollstuhl angewiesen ist. Man muss auf die Straße ausweichen oder auf die falsche Straßenseite wechseln.

Es ist eine Straße, die dazu einlädt, eher 70 als 50 zu fahren. Am Zebrastreifen fahren viele schnell weiter, statt zu bremsen, auch wenn Fußgänger und Radfahrer schon warten, um die Straße zu überqueren. Eine Ampel würde hier erst gebaut werden, wenn die Straße ein Unfallschwerpunkt wäre. Es muss also jemand getötet werden, bevor sich etwas ändert. So sieht es, kurz zusammengefasst, die Straßenverkehrsordnung vor.

Die Zukunft der Automobilbranche ist im Zweifel wichtiger

In Helsinki gibt es keine Verkehrstoten, seitdem flächendeckend Tempo 30 eingeführt wurde. Und in Berlin? Hängen Plakate mit den selbstgefälligen Gesichtern von CDU-Politikern. Dazu die Zeile „Auto verbieten verboten“.

Ist Verkehrsunfall da noch der richtige Begriff? Besser wäre es, von unterlassener Hilfeleistung zu sprechen. Die Mopo berichtet, dass bei mehreren Hamburger Radtoten die Fahrradwege nicht ordentlich markiert waren, die Lkw-Fahrer sie womöglich nicht gesehen haben. Der rot-grüne Senat hat den Bau von Radwegen gestoppt, aus Angst um Parkplätze. Genau wie der Berliner Senat, der zudem Tempo-30-Zonen wieder aufgehoben hat.

Die größte Angst von Eltern ist, dass ihren Kindern etwas zustößt. Und das Gefährlichste, was meine Kinder machen, ist, sich durch ihre Stadt zu bewegen. Politiker, die mehr Sicherheit im Straßenverkehr aktiv verhindern, denen die Raserei und die Zukunft der Automobilbranche im Zweifel wichtiger sind, tragen dafür eine Mitverantwortung.

Eine Viertelstunde später als erwartet kam mein Sohn vom Fußballtraining nach Hause. Er war so fröhlich, wie man ist, wenn man etwas allein geschafft hat. Und weil sein Trainer noch eine Runde Eis ausgegeben hat.

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Kersten Augustin
Ressortleiter Inland
Kersten Augustin leitet das innenpolitische Ressort der taz. Geboren 1988 in Hamburg. Er studierte in Berlin, Jerusalem und Ramallah und wurde an der Deutschen Journalistenschule (DJS) in München ausgebildet. 2015 wurde er Redakteur der taz.am wochenende. 2022 wurde er stellvertretender Ressortleiter der neu gegründeten wochentaz und leitete das Politikteam der Wochenzeitung. In der wochentaz schreibt er die Kolumne „Materie“. Seine Recherchen wurden mit dem Otto-Brenner-Preis, dem Langem Atem und dem Wächterpreis der Tagespresse ausgezeichnet.
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82 Kommentare

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  • Es ist kJm auszuhalten, mein ganzes Mitgefühl geht an die Familie und die Freunde und Freundinnen. Heute hat mich dann ein gigantischer LKW angehupt, als ich an einem Zebrastreifen für jemanden gebremst habe und ich wäre am liebsten ausgestiegen um an der Person am Steuer des LKW meine ganze Wut auszulassen. Die Straßen müssen umgestaltet werden, es kann doch nicht so weiter gehen.

    Warum kann man nicht zum Beispiel das rechtsabbiegen bei grüner Fußgänger/Radfahrer Ampel abschaffen? Klar, dann muss noch etwas gewartet werden aber wäre es das nicht wert? In meiner Wahrnehmung passieren hier die meisten Unfälle.

  • Während man in Holland auf eine *Fehlervezeihende Strassenplanung* setzt, heißt es hierzulande: "die Eltern müssen ihren Kindern halt beibringen.."

    Während man in Helsinki mit Tempo 30 wirklich auf die Vision Zero setzt, passiert in D-Land außer Lippenbekenntnissen genau: gar nix.







    In Hamburg opfert man offenbar lieber das Leben von Kindern als Parkplätze.







    Und wenn ich jetzt schreiben würde wie ich das wirklich finde, würde dieser Kommentar von der Moderation aussortiert.







    Was stimmt nicht mit den Menschen im Autoland D.??

    ..es ist nur noch zum Fremd schämen und Kopfschütteln.







    ..und Apropos Holland: da ist irgendwann die ständige Trauer um Tot gefahrene Kinder in massive Wut umgeschlagen. Man kann nur hoffen, daß das hier auch irgendwann passiert..

  • Schlimm um den toten Jungen!

    Für den Autor: gibt es keinen befahrbaren Radweg, muss, zumindest von älteren Kindern und Erwachsenen, die Fahrbahn der Autos genutzt werden. Und es ist sicherer, einmal auf die Fahrbahn der Autos zu fahren und dann dort zu bleiben, als sie nach dem Hindernis zu verlassen und drei Meter später vor dem nächsten Hindernis wieder aufzufahren. Dazu kommt, dass Spurwechsel auch von Radfahrern deutlich und rechtzeitig angezeigt werden müssen. Und wenn der Radfahrer dann noch einen Schulterblick macht und auf den fließenden Verkehr, der im Übrigen evtl. Vorfahrt hat, achtet, dann lässt sich auch die Vorbeifahrt an einer Baustelle meistern. Und ja, es ist an den Eltern ihren Sprösslingen das richtige Verhalten im Straßenverkehr beizubringen!

    • @Laura Sophie Schulz:

      Sie sind wahrscheinlich nicht in der Berliner Innenstadt unterwegs? Man kann Kindern wirklich nicht raten, im Zweifel auf die Straße zu fahren. Es wird nicht auf Fahrräder geachtet, wenn Autos sich gegenseitig überholen, noch schnell über die gelbe Ampel gesprintet wird, in 2. Reihe Parkende und sonstige Hindernisse wütend überholt werden. Als Kind hat man einfach noch nicht alles im Blick. Analog zu Ihrem letzten Satz würde ich also sagen: Es ist Sache der zuständigen Behörden, richtiges Verhalten im Straßenverkehr zu überwachen und durchzusetzen...

  • Ein anderes Verständnis von Wirtschaft wäre schön (siehe Martin Oetting). Natürlich bezweifle ich, dass ich jemand aufgrund eines (Liefer-)Termins einen Menschen totfahren möchte. Es geht jedoch beispielsweise um positive Umgangskultur bzw Bewusstsein mit dem, was wir täglich Gefährliches tun, zB Warenlieferung per Kraftfahrzeug und die Straßenverkehrsordnung, und Investitionen, zB von Kommunen in Radwege und baulichen Anlagen für den Personenschutz, Verkehrssicherheitsprojekte (s. auch kommunaler Zusammenschluss 'Lebenswerte Städte').

  • Vor paar Tagen sah ich irgendwo die Headline: „Das Auto ist eine lackierte Ritterrüstung.“ So ist es wohl, und es besteht eine Ähnlichkeit zu den Kommentarzonen deutscher Medien.

  • Ich finde, die Verkehrssituation sollte bestehen bleiben. Desweiteren finde ich, Radfahrer sollten, wie es Aktivisten nunmal tun, ihr Leben dafür einsetzen. Dann sollen sie halt einfach hinter Mauern plötzlich auftauchen, wo nicht einmal Sensoren mehr das Auto rechtzeitig stoppen können!

    Kein Autofahrer soll mehr sicheren Gefühles unterwegs sein, ohne im Hinterkopf zu behalten einen unschuldigen Radfahrer versehentlich ermorden zu können! Wir müssen den Individualverkehr unattraktiv machen, nur DANN wird es keine Autos mehr geben und können Radfahrer und Fußgänger sicher Straßen benutzen!

    • @Troll Eulenspiegel:

      Mit Verlaub, größeren Blödsinn habe ich hier wohl selten gelesen. Sich überfahren lassen um den Individuellen Verkehr zu beenden? Absichtlich Unfälle provozieren und dann auch noch der Verursacher sein? Aber träumen Sie gern weiter den Individuellen Verkehr wird es immer geben und sogar immer mehr davon. Momentan haben wir bei 65 Mio Erwachsenen 50 Mio KFZ plus LKWS, Motorräder etc. Insgesamt 61 Mio. Tendenz weiter steigend. Ich habe sogar zwei, einst für schnell und eins groß.

  • 1. Der Verkehr in Städten ist so dermaßen unübersichtlich durch die verschiedenen Teilnehmer, dass es mich wundert wie wenige dieser Unfälle täglich passieren.



    2. Als LKW Fahrer ist es in vielen Abbiegesituationenen nahezu unmöglich Fahrradfahrer von hinten rechts zu sehen.



    Da kann man noch so viele Sensoren einbauen und Schulungen fordern. Wenn dort ein parkendes Auto kurz vor der Kreuzung steht sieht man das Fahrrad nicht kommen. Ein weiteres Problem sind auch die unterschiedlichen Flussgeschwindigkeiten von Straße und Fahrradweg.

    Die einzige sinnvolle Lösung ist für mich absolut getrennte Ampelphasen. Wenn PKW und LKW fahren (abbiegen) müssen Fahrrad und Fußgänger stehen und andersrum genauso.

    Das ist ganz einfach umzusetzen.

    • @Teleshopper:

      LKW dürfen laut StVO beim Abbiegen nur Schrittgeschwindigkeit fahren. Ob das bei diesem Unfall vom LKW-Fahrer eingehalten wurde, ist zweifelhaft.



      So lange Abbiegeassistenzsysteme abgeschaltet werden können, sind die nächsten tödlichen Unfälle schon programmiert.

    • @Teleshopper:

      Sehr vernünftiger Vorschlag. Und schnell und günstig umsetzbar

    • @Teleshopper:

      Dem stimme ich zu.

      Dazu gehört auch, dass Verkehrsregeln von allen Verkehrsteilnehmer eingehalten werden wissen damit es ein sicheres zusammen gibt und ein wenig sein Hirn einzuschalten.

      Ich fahre hier regelmäßig fast Fahrradfahrer und Fußgänger platt.



      Es ist eine super Idee ungebremst am Berg rechts an Autos die am abbiegen sind vorbeizuzischen, wobei sie schon in der Kurve sind.



      Oder auf einem Parkplatz einfach hinter ein rückwärts ausparkendes Auto zu rennen, ich habe gelernt da zu warten.



      Clever ist es auch, bei einer Ampel links und rechts je 20 m entfernt im dunkeln hinter dem bus über die Straße zu rennen ohne zu schauen.



      Bei rot über die Ampel gehen, als Fußgänger dabei nur aufs Handy starren .

      Man muss inzwischen überall hunderte mal hinschauen und sich absichern, weil viele Verkehrsteilnehmer scheinbar keinen Überlebensinstinkt mehr haben. Und selbst wenn man meint es ist alles frei, kommt irgendwer auf die Idee vor das Auto zu rennen.

      Ich wundere mich ehrlich gesagt, dass nicht wesentlich mehr passiert.

      • @Lio:

        > Es ist eine super Idee ungebremst am Berg rechts an Autos die am abbiegen sind vorbeizuzischen, wobei sie schon in der Kurve sind.



        Nu ja, Vorrang halt …

        > Oder auf einem Parkplatz einfach hinter ein rückwärts ausparkendes Auto zu rennen, ich habe gelernt da zu warten.

        Hoffentlich schon in der Fahrschule. Auch hier Vorrang halt …

        • @rabu:

          § Abs. 1 StVO: „Es ist links zu überholen.“



          Der Rückwärtsfahrende muss warten (vgl. § 9 Abs. 5 StVO)



          = 2 x kein Vorrang

          • @Yes:

            § 5

  • Ich fahre fast täglich in Hamburg von HBF nach Altona und bin imemr wieder erfreut, ohne Unfall angekommen zu sein.



    Dabei finde es besodners ärgerlich, daß so viele gefährliche Situationen alleine aus Gedankenlosigkeit der Planer entstehen. Beispiele: Mülleimer auf dem Fahradweg montiert, Markierung der Fahrradwege kaum erkennbar für die Touris, die einem vor's Rad latschen (für ein paar Eimer Farbe sollte der Hamburger Senat noch Geld haben), Pfosten im Fahrweg und natürlich extrem gefährliche Einmündungen.



    Ich glaube, es ist die allgemeine Bräsigkeit, die alle Bereiche unseres Gemeinswesens verkommen lässt.



    Ich glaube , es fehlt derWille, es fehlt an Menschen, die motiviert sind, Dingen umzusetzen.

  • "Es muss jemand getötet werden, bevor sich etwas ändert"

    Nein, es ändert sich nichts!

    Die Autopolitik bleibt weiterhin ignorant wie arrogant und so viele Autofahrer, die sich von der StVO befreit sehen, überholen Radler trotz solcher grausamen Nachrichten im Dezimeterabstand.



    Ich sitze hier und habe Tränen in den Augen um den kleinen Radfahrer.

    • @Hans-Peter Elbcher:

      Im Allgemeinen ändert sich nichts, das ist richtig.



      .



      Der Autor meint die unsägliche Vorschrift, dass oft erst ein Unfall die Installation eines Zebrastreifens, oder eine lokale Geschwindigkeitsbegrenzung erlauben.



      .



      Der Hinweis "hier ist ein Schulweg und viele Kinder überqueren täglich an dieser Stelle die Straße" reicht hingegen nicht.

  • Mein Beileid der Familie des getöteten Kindes in Hamburg und vollstes Verständnis für die Ängste des Autors. Finde aber gut dass er seinen Sohn trotzdem alleine fahren lässt! Ich bin damals auch seitdem ich 9 Jahre war alleine mit dem Fahrrad durch Teile meiner norddeutschen Heimatstadt gefahren, das hat mich sehr viel gelehrt.



    Mittlerweile empfinde ich aber die verbreitete Aggressivität im Straßenverkehr in Deutschland als sehr unangenehm, vielleicht auch weil ich seit über 30 Jahren in Skandinavien lebe. Einen gewissen Prozentsatz an rücksichtslosen, ignoranten und aggressiven Automobilisten gibt es hier zwar auch, insgesamt ist aber der Verkehr um einiges entspannter, vielleicht auch wegen der vergleichsweise harten Sanktionierung von Verkehrsdelikten. Letztlich spiegelt sich im Verkehr vielleicht auch ein allgemeines gesellschaftliches Klima?

  • Neben der Entschleunigung des Stadtverkehrs und Sicherheitsmaßnahmen ist die Verkehrserziehung ein entscheidender Faktor und zwar für sämtliche Verkehrsteilnehmer und muss als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden werden.

    Ein Umdenken findet nicht von heute auf morgen statt. Ein gutes Beispiel dafür sind hier im dunklen Nordnorwegen die Blinkis für Fussgänger und Radfahrer. Zwei Jahrzehnte hat es gedauert die Bevölkerung dafür zu gewinnen im Winter Blinkis zu benutzen. Es wurde sogar eigens ein nationaler Aktionstag, der Refleksdag eingeführt und von der halbstaatlichen Organisation Trygg Trafikk mit Aufklärungskampagnen in Schulen und Betrieben begleitet. Heute gehören die Blinkis im Norden zum Alltag und die Anzahl der tödlichen Unfälle durch nicht Sichtbarkeit, die häufigste Todesursache im Norden bei Verkehrsunfällen im Winter, ist im Laufe der letzten 15 Jahre um 70% zurückgegangen.

    Tempo 30 allein bewirkt noch keinen massiven Rückgang tödlicher Unfälle sondern kann nur der erste Schritt sein. Für Vision Zero bedarf es einen ganzheitlichen Ansatz hinsichtlich der Verkehrssicherheitsarbeit, der weit über das Strassensicherheitssystem hinaus geht.

    • @Sam Spade:

      Natürlich ist Tempo 30 nur ein Schritt von vielen.



      .



      Aber die Reduktion der Geschwindigkeit reduziert definitiv die Anzahl der Todesfälle massiv.



      .



      Kürzerer Bremsweg, mehr Reaktionszeit und deutlich weniger kinetische Energie beim Zusammenstoß.

  • Ich finde es äußerst grenzwertig, ein totes Kind und die Sorge um das eigene Kind (beides schlimm und jeder Mensch mit Gefühlen kann das nachempfinden) für ein politisches Ziel heranzuziehen, das wenig damit zu tun hat. Zum Glück haben viele Leser sich dennoch getraut zu widersprechen - auch wenn das dann immer gefühlskalt wirkt.

    • @Dr. McSchreck:

      Ich bin grundsätzlich völlig Ihrer Meinung, dass diese anektdotische Form der Meinungsbildung viele Nachteile hat und die Weitsicht trübt. Auf der anderen Seite SIND die Ängste von Eltern und die zuweilen überprotionale Wahrnehmung von und Aufladung von Einzelfällen Teil des demokratischen Meinungsbildungsprozesses. Und so, wie man damit leben muss, dass eine Mehrheit findet, es sollte schon was für's Klima getan werden aber nicht in ihrem Garten, gibt's eben reichlich Eltern (und auch "Nicht-Eltern"), die jedes Risiko emotional so einwiegen, als würde es sich garantiert verwirklichen.



      Menschen halt. Aber Demokratie heißt eben, dass deren Stimmen nicht weniger zählen.

    • @Dr. McSchreck:

      Wenn Sie nicht erkennen, was das durch einen schrecklichen Unfall gestorbene Kind und die Sorge um das eigene Kind mit dem Ziel, tödliche Verkehrsunfälle in Städten zu minimieren, zu tun hat, ist da wohl noch erhebliche intellektuelle Nacharbeit vonnöten.

      • @Aurego:

        Sie wissen schon, dass das Ausnutzen von Fürsorgegefühlen eine populistische Taktik sein kann, um Diskussionen in eine gewünschte Richtung zu lenken? Wenn man Kinder als unverhandelbares Schutzargument vorschiebt, kann man vielleicht eine kritische Würdigung verhindern, womöglich Gesetze durchsetzen, jedenfalls die soziale Kontrolle verstärken, ohne Verständnis und Werte tatsächlich zu verändern. Das ist bequem. Es kann die rationale Abwägung durch ein „Ich fühle es, also ist es.“ ersetzen, ist dann aber überheblich und so ziemlich das Gegenteil von Achtsamkeit und Hinterfragen.

        • @Yes:

          Schreiben Sie öfters solche Collagen von Nicht-Argumenten zusammen?

          Wie Sie vielleicht gemerkt haben, brachte ich relativ früh die Beispiele von Helsinki und Bologna in die Diskussion mit ein. Sollten Sie dagegen argumentieren wollen, würde ich Sie bitten, uns anhand statistischer Daten darüber aufzuklären, warum es nicht sinnvoll ist, Tempo 30 in städtischen Umgebungen als Grenzgeschwindigkeit vorzuschreiben.

          • @Aurego:

            Ich fände es besser, wenn Sie erstmal auf die Beiträge von Dr. McSchreck und mir eingingen.

            • @Yes:

              Auf den Nonsens von "Dr. McSchreck" bin ich bereits eingegangen, auf den Ihren einzugehen, lohnt sich kaum.

              • @Aurego:

                Wie viel hat der Ihnen denn dafür bezahlt?

            • @Yes:

              Tempo 30 würde zu weniger Verkehrstoten führen. Das es beim Abbiegen von LKWs weiterhin zu Todesfällen kommen kann ist auch richtig. Daher ist die Reduktion der Geschwindigkeit auch nur der 1ste Schritt in die richtige Richtung.



              .



              Ob eine generelle Begrenzung auf 30 Stundenkilometern in Ortschaften auch in diesem Fall den Tod verhindert hätte, darüber kann man diskutieren.



              .



              "Nichts mit dem Thema zu tun" ist etwas zu weit gegriffen, denn letztlich hat JEDER Todesfall im Stadtverkehr direkt oder indirekt mit den Verkehrsvorschriften zu tun. Ob nun Tempo 30, Fahrrad-Ampeln, bessere Trennung von Fahrradweg und Straße, Sichtbarkeit oder Abbiegen Assistententen.



              .

            • @Yes:

              Der Witz ist, daß bei generell 30 weniger Ampeln und Schilder nötig wären, und wemmer noch die Verkehrsführung verbessert, der Verkehr u.a. dadurch flüssiger würde, was außer der Nervenbelastung der Verkehrsteilnehmer*innen auch Unfälle minimiert (und deren Schwere). Steht bestimmt auch in den Studien über die erwähnten Helsinki und Bologna.



              DrMcSchreck schrob "Thema verfehlt" als Quintessenz der Kolummne ;) .

              • @Hugo:

                und @sociajizzm:



                Man muss Dr. McSchreck zugutehalten, dass er meinte, es habe „wenig“ damit zu tun. Vorrangig ging es ihm wohl um eine rationale Debatte, frei von Entsetzen und Ängsten, und nicht so sehr um den jeweiligen verkehrspolitischen Standpunkt.

  • Tödlich sind Radwege hinter dem Parkstreifen. Da hat man als LKW oder Kastenwagen keine Chance wenn der Radfahrer auf seiner Vorfahrt besteht.

    Viele Radwege sind aus einer Zeit, wo es darum ging, das langsame Hindernis von der Straße zu bekommen. Davon müssten viele mal hinterfragt werden. Ein gutes Beispiel sind die Ringe in Köln.

    Aber solange es nicht im Kopf des Autofahrers ankommt ist das alles sinnfrei. Kontrolle Kontrolle Kontrolle. Hinter der Kreuzung jeden rausziehen, der einem Radfahrer oder Fußgänger die Vorfahrt genommen hat und sanktionieren. Mit Gefährdung verdoppelt sich der Preis. Habichnichtgesehen zur Nachschulung.



    Aber dafür müsste man ja Polizisten einstellen... sorry dann geht's nicht

  • Vorab: Ich verstehe Ihre Sorge um Ihren Sohn.

    Sie müssten allerdings jetzt bitte noch erklären, was ein Abbiegeunfall eines LKWs mit der Forderung nach Tempo 30 flächendeckend zu tun hat. Ich halte es für ziemlich unwahrscheinlich, dass der LKW beim Abbiegen mehr als 30 fuhr. Diese klassischen Abbiegeunfälle durch LKWs sind IMMER eine Gefahr.

    • @Agarack:

      Eine Entschleunigung macht den Verkehr übersichtlicher und somit können alle Beteiligten fokussierter sein.

  • Und wieder einmal ein nicht mal mehr hinkender Vergleich!



    Berlin mit Helsinki!

    Allein die Menge LKWs, die gebraucht werden Berlin bzw Helsinki zu versorgen, unterscheidet sich gravierend.



    Da brauche ich keine Statistik oder Nachweis, 3,9 Millionen Menschen brauchen mehr Resourcen als 700.000.

    • @Donni:

      Die Anzahl der LKWs ist dabei unerheblich. Einmal Helsinki besuchen und auf die Verkehrsströme achten. Die Strassensicherheitssysteme sind mit denen von Berlin nicht vergleichbar und auch das Bewusstsein der Verkehrsteilnehmer ist dort wesentlich ausgeprägter in Hinsicht auf die Gefahren im Stadtverkehr.

    • @Donni:

      Die Menge der zu bewegenden Waren soll eine Auswirkung haben? Wieso?

      • @Erwin1.:

        Mehr Ware, mehr LKWs, mehr Risiko.

      • @Erwin1.:

        Je mehr Waren transportiert werden müssen, desto mehr Transporter benötigt es. Das ist doch wirklich nicht so schwer zu verstehen.

        • @Walterismus:

          Dadurch, dass die Stadt aber auch größer ist, ist die Dichte an LKWs pro km Straße vermutlich ähnlich hoch.

  • In den 70ern waren sie in den Niederlanden wie in Deutschland: sie träumten von autogerechten Städten und bauten grosse breite Strassen. Das wandelte sich, als Kinder im Strassenverkehr starben. Mit dem Motto „kein Kindermord“, was gesellschafts- und politikübergreifend konsensfähig war, wurden sichere Verkehrswege geschaffen. Es geht also, wenn die Menschen wollen!



    In Frankfurt nutzen nur 13% der Einwohner das Auto für ihre täglichen Wege. Auch hier erlahmt der Enthusiasmus für sichere Radwege und sicheren ÖPNV zusehends und die autofreundlichen Parteien haben Mehrheiten. Ein gutes Beispiel für Wahlen gegen eigenes Interesse. „Kein Kindermord“ leider nicht konsensfähig!

    • @Martin Ziegler:

      "In Frankfurt nutzen nur 13% der Einwohner das Auto für ihre täglichen Wege."

      Hilft halt nicht viel, wenn man einerseits Einpendler (also Nicht-Einwohner) braucht, damit der Laden funktioniert und andererseits im städtischen Verkehrsnetz Frankfurt Enhaltestellen auf der Gemarkungsgrenze hat, teilweise noch mit so schönen sprechenden Namen wie 'Stadtgrenze Offenbach' oder 'Stadtgrenze Neu-Isenburg'. 😎😇

      • @FriedrichHecker:

        Stimmt, hilft leider nicht viel. Wäre schön, wenn in der gesamten Metropolregion 87% ÖPNV und/ oder Fahrrad nutzen könnten und das dann auch wollten. Dann würden wir höchstwahrscheinlich nicht mehr über tote Kinder und Erwachsene im Verkehr sprechen. Wäre es das nicht wert, darüber Konsens finden zu wollen?

      • @FriedrichHecker:

        Die Einpendler:inne müssen ihr Kraftfahrzeug aber eigentlich nicht in die Stadt mitbringen.



        Mit Ausnahme von Handwerker:innen natürlich.

        • @sociajizzm:

          "Die Einpendler:inne müssen ihr Kraftfahrzeug aber eigentlich nicht in die Stadt mitbringen."

          Ach...

          Wo sind denn an der oben genannten Haltestelle 'Offenbach Stadtgrenze' Pendlerparkplätze? 😅

  • Komme aus Freiburg im Breisgau und bin dort als Fahrlehrer tätig. Es wird baulich viel für die Verkehrssicherheit getan. Allerdings gibt es nach wie vor einen gewissen Prozentsatz an motorisierten "Idioten" die kein Gefühl und keinen Verstand für die Situation der schwächeren Verkehrsteilnehmer aufbringen. Bei den LKWs sind dies aus meiner Sicht traditionell die Muldenkipper (waren schon in meiner Jugend bekannt als die Rennfahrer unter den LKWs) und Baustellenfahrzeuge. Ich vermute, dass die Polizei LKWs mehr auf den Fernstraßen kontrolliert und die im Nahverkehr operierenden Fahrzeuge zu sehr in Ruhe lässt. Da in der Führerscheinausbildung stark auf den Schutz der schwächeren Verkehrsteilnehmer geachtet wird kann eine Verbesserung der Situation nur durch dauerhafte Öffentlichkeitsarbeit und starke Kontrollen (mit den entsprechenden Sanktionen) erreicht werden.

  • Warum haben wir eigentlich keine eigenen Ampelphasen nur für Fußgänger, wie zB in Italien?

    • @ANonnyMouse:

      Weil das in dieser Pauschalität (sowohl D als auch I betreffend) einfach falsch ist. 😎

      Womöglich argumentieren sie auch noch mit Berliner Erfahrungen, wo man selbst innerhalb des Autoverkehrs noch Verkehrsströme gleichzeitig fahren lässt die man im Rest beider Republiken wegen Unfallgefahr schon seit 70 Jahren trennt...

  • An der nächsten Schule ist es ähnlich, wie an anderen Schulen, wie man*frau hört, geht eine nicht unwesentliche Gefahr für Kinder auf dem Schulweg von Eltern aus, die Ihre Kinder zur Schule fahren.



    Interessant, dass Eltern im gleichen Atemzug einen besseren ÖPNV fordern - fragt sich für wen .



    Unabhängig vom genannten Beispiel ist auch eine gewisse Leichtfertigkeit im Umgang mit Verkehrsregeln gefährlich.



    Fahrten mit ERollern gegen die Einbahnstraßen, Schneller Wechsel von Fahrbahn auf Gehwege oder wieder zurück, Nichtbeachtung von Vorfahrtsregeln sind nicht nur alltäglich, sondern auch leider Mit Ursache für eine ständig steigende Unfallstatistik in diesem Bereich.



    Das gilt sowohl für Kinder und Jugendliche, als auch für Erwachsene, die das Ebike neu entdeckt haben, aber offensichtlich nicht die Bremse...

  • Die Zahl der verunglückten Hamburger Radfahrer stieg von 2208 im Jahr 2011 auf 3200 im Jahr 2022 (Quelle statistica).

    Trotzdem machten die Hamburger Grünen diesen enormen Anstieg und die hohe Zahl der getöteten Radfahrer und Fußgänger pro Jahr nicht zur Chefsache. Das Verkehrsressort liegt wie immer bei der SPD .

    Chefsache hieße: die Spitzen der Grünen müssten bei jedem im Verkehr getöteten Radfahrer oder Fußgänger vor Ort am Unfallort erscheinen um zu verdeutlichen, dass null Verkehrstote in Hamburg das Ziel ist. Was erst einmal Tempo 30 überall in Hamburg hieße.



    Realität ist, dass auf allen Hamburger Ausfallstraße gerast wird wie nichts Gutes. Gerne mit Handy in einer Hand.



    Handwerker fahren oftmals über 100 Kilometer aus dem Umland an, um zu ihren Hamburger Auftraggebern zu kommen. Macht über 200 Fahrkilometer pro Tag. Folge: Rasende Hetze im Hamburger Verkehrs.



    Große Schlagzeile dann nach dem nächsten toten Raffahrer oder Fußgänger, einen Tag später !



    Insgesamt eine große Bigotterie, denn Simons Schicksal und das seiner Angehörigen kümmert Hamburger und Berliner Politik nicht wirklich!

    • @Lindenberg:

      „Das Verkehrsressort liegt wie immer bei der SPD .“



      Nicht ganz: Die Behörde für Verkehr und Mobilitätswende wird seit ihrer Gründung von dem Senator Anjes Tjarks von Bündnis 90/ Die Grünen geleitet, wo er von einem grünen Staatsrat Martin Bill und zahlreichen anderen Grünen unterstützt wird. Es ist bereits seine zweite Amtszeit. Zuvor waren die Verkehrssenatoren parteilos und davor war es wieder eine Grüne (Anja Hajduk).



      Die Zuständigkeit der SPD für das Verkehrsressort ist allerdings schon seit 35 Jahren beendet.

    • @Lindenberg:

      Wie hat sich in dem Zeitraum die Zahl der mit dem Fahrrad zurückgelegten km geändert? Wie viele Radfahrer gab es 2011 im Vergleich zu heute? Wenn der Radverkehr wesentlich gestiegen ist, was sicher das Ziel war, dann sind höhere absolute Unfallzahlen keine Überraschung.

    • @Lindenberg:

      Da die meisten Radfahrer von LKWs getötet werden, ist ganz sich ein ABSOLUTES LKW VERBOT im gesamten Hamburger Stadtgebiet nötig. Warum PKW Fahrer bestrafen, wenn die Killer LKWs sind?



      War da nicht mal was mit Sippenhaftung?

      • @Donni:

        Naja, einkaufen wäre dennoch schön. Solange jetzt niemand mein Gemüse mit dem Lastenrad in die Innenstadt karrt, kommen wir wohl nicht umhin. Und Ihre Abfalltonne hole ich sicher nicht mit dem Handwagen ab.



        Die wohl wenigsten LKW sind vermutlich privat unterwegs....

  • Was hätte den die Einführung von Tempo 30 am Unfallhergang der beiden tödlichen Abbiegeunfälle in Hamburg vom Mittwoch und heutigen Freitag konkret geändert?

    Meine Kinder sind auch jünger als Simon, fahren sicher Rad und ich lasse sie ganz sicher nicht durch die Stadt und/oder an irgendwelchen Baustellen alleine Radfahren.

    • @DiMa:

      Das Problem ist in Deutschland, dass an sehr vielen Stellen einfach bei der Verkehrsplanung überhaupt nicht auf verschiedene Verkehrsmittel Rücksicht genommen wurde. Hier in meiner Stadt gibt es ein paar Kurven, bei denen man einfach an schlecht übersichtlichen Stellen quer über den Fahrradweg fahren muss, um dort entlang zu kommen. Ich habe da jedes Mal Bammel, wenn ich da rüberfahre - auch wenn ich sehr aufmerksam gucke. Tempo 30 würde da nicht helfen, es bräuchte an vielen Stellen auch einfach sicherere Fahrbahnführung und eine klarere Trennung von Radwegen, wie ich es vielerorts aus meiner Geburtsstadt Hannover kenne.

    • @DiMa:

      Größere LKW sind aktuell verpflichtet mit Schrittgeschwindigkeit (4 -7 km/h) abzubiegen. Kann ich in der Praxis allerdings nicht beobachten.

    • @DiMa:

      In mehreren Städten, in denen einige Zeit lang Tempo 30 getestet wurde (Helsinki, Bologna, ...) ist die Zahl der Verkehrstoten während dieser Zeit deutlich gesunken. Das ist zumindest ein starkes Indiz dafür, dass ein niedriges Tempolimit Verkehrstote zu vermeiden hilft.

    • @DiMa:

      Was hätte den die Einführung von Tempo 30 am Unfallhergang der beiden tödlichen Abbiegeunfälle in Hamburg vom Mittwoch und heutigen Freitag konkret geändert?

      Ziemlich viel. Schwerin hat das Tempo in der Innenstadt rigoros mit Blitzern auf 30 heruntergeregelt. Und oh Wunder. Es wird langsam und zivilisiert gefahren wie in den USA.



      Tempo 30 geht überall in allen Städten, wenn Politik es will.

    • @DiMa:

      Wenn man mit Tempo 30 an die Kreuzung ranfährt, hat man viel mehr Zeit, die Verkehrssituation vor Ort besser einzusehen. Radfahrer kommen ja nicht aus dem Nichts. Die sind schon vorher da. Und bei Tempo 30 ist der Radfahrer nur noch minimal langsamer. Das heißt, der LKW Fahrer hat den Radfahrer neben ihm schon viel früher auf dem Radar.

      Allerdings wird Tempo 30 allein wohl eher nicht zu 0 Verkehrstoten im Jahr führen, wie in Helsinki. Dort ist es ein Mix verschiedener Maßnahmen, die getroffen wurden.

      • @Arafna:

        Man sollte jedoch berücksichtigen, dass es Radfahrer gibt, die an roten Ampeln gerne auch mal LKWs rechts überholen, um als erste vor der roten Ampel zu stehen. Dafür verfügen die allermeisten LKWs und Busse inzwischen über Systeme, mit denen sich der gesamte Raum einsehen lässt und kein toter Winkel mehr entsteht. Sich dabei allerdings auf die Aufmerksamkeit der Fahrer zu verlassen, ist wahrscheinlich zu wenig.

        • @Aurego:

          "Sich dabei allerdings auf die Aufmerksamkeit der Fahrer zu verlassen, ist wahrscheinlich zu wenig."

          Der Fahrer hat zwei Augen, mit denen er nicht nur drei Spiegel sondern durch die Windschutzscheibe den querenden Fußgängerverkehr sowie den vorausfahrenden und/oder entgegenkommenden Fahrzeugverkehr im Auge behalten soll - und das am Besten jeweils in Echtzeit. Das wird definitiv nicht in 100% der Fälle funktionieren...

    • @DiMa:

      Ist schon ziemlich schwer zu verstehen, dass eine Mutter oder ein Vater solche Fragen stellt wie Sie oben. Und Sie haben auch schon gelesen, dass dieses Kind den Wunsch geäußert hat, allein zu fahren? Wie pervers ist das, wenn es heute nicht mehr möglich ist, den Kindern die freie Entfaltung zuzugestehen, weil das Auto immer und immer wichtiger ist?

      • @mwanamke:

        Ja genau, sollen sie doch den Wolf umarmen oder den Löwen streicheln, wenn ihre freie Entfaltung das so wünscht.

        • @Yes:

          Der war richtig gut. Danke dafür.

    • @DiMa:

      Null Verkehrstote bei Tempo 30 ist eine klare Sache. Wir müssen nicht immer alles nachkontrollieren.



      Die Lastwagen fahren in einer 30er Zone aber auch schon vor der Kurve nur 30.



      Damit ist die Differenz zum Radfahrer viel geringer.

  • Tut mir leid, aber: ein paar Jahre jünger als elf? Also acht oder sogar erst sieben?



    Da würde ich ein Kind nichtmal bei perfekter Verkehrsführung allein mit dem Fahrrad fahren lassen.



    In dem Alter geht allein zu Fuß gehen, vielleicht auch allein mit ÖPNV, wenn das Kind es kennt. Aber Fahrrad fahren erfordert so viel Aufmerksamkeit von den Kindern, dass sollte frühestens mit 9 in gut übersichtlichen Bereichen geübt werden. Nicht vorher schon in einer Gegend, die so unübersichtlich ist, wie hier beschrieben.



    (Was nichts daran ändert, dass sich da politisch dringend was ändern muss)

    • @Herma Huhn:

      Ich bin am Unfalltag zwei Mal an der Unfallstelle vorbei gekommen: Vormittags mit dem Bus und nach dem Unfall zu Fuß, weil alles dicht war und der Bus darum nicht durchkam. Die Einmündung des Freudenthalwegs in die Winsener Straße ist nicht unübersichtlich.



      Für die, die das nicht wahr haben wollen:



      So sieht es da aus:



      www.mapillary.com/...54839761354&zoom=0



      Ein LKW-Fahrer, der vorschriftsmäßig mit 5-7 km/h um die Kurve fährt, ist langsamer als Radfahrer - auch langsamer als ein Kind auf einem Fahrrad...



      ... und dann heißt es im Polizeibericht "übersehen"... zum k...

    • @Herma Huhn:

      Ich bin spätestens ab der zweiten Schulwoche in der ersten Klasse alleine zur Schule gegangen.



      In Berlin Schöneberg, mitten in der Stadt, 1964.

    • @Herma Huhn:

      ... ein paar Jahre jünger als 11.



      Mal ein Vergleich aus meiner Kindheit. Mit spätestens 9 war ich in meinem Kiez allein mit dem Fahrrad unterwegs. Mit 7 bin ich mit der Straßenbahn in die Schule gefahren. Ab Anfang der der 70er Jahre war ich also allein unterwegs. Da hielt sich der Autoverkehr aber noch sehr in Grenzen, anders als heute.



      Ja, politisch muss sich einiges ändern. Und warum soll heute nicht möglich sein, was vor 60 Jahren ging?

      • @Minion68:

        Blöd, 1966 also vor 60 Jahren hatten wir 14000 Verkehrstote mehr als heute, bei deutlich weniger Autos und Menschen. Muss wohl subjektives Empfinden sein.

      • @Minion68:

        Weil Fahrradfahren von Kindern andere Aufmerksamkeit, Gefahrenbewusstsein und Einschätzung anderer Verkehrsteilnehmer erfordert als zu Fuß gehen oder Straßenbahn fahren.



        Aus gutem Grund wird der sogenannte Fahrradführerschein an Schulen für 9jährige angeboten, nicht vorher schon.



        Auf eigenen Füßen kann man den Kleinen das durchaus ab der ersten Klasse zutrauen, aber nicht mit dem Rad.

        • @Herma Huhn:

          Und setzt die Politik sich nicht dafür ein, dass Kinder und auch Erwachsene sich gefahrlos im Straßenverkehr bewegen können? Warum sind sogar Fußgänger auf dem Gehweg nicht mehr vor rasenden Autos sicher?

  • Ich frage mich manchmal, ob viele Politiker emotional überhaupt in der Lage sind, den Schmerz zu begreifen.

    Dieses Land ist in vielen Aspekten einfach nur schrecklich.

  • Man kann dem nur zustimmen.

    Bologna wollte kürzlich eigentlich flächendeckend in der ganzen Stadt 30km/h einführen, aber auch dort hat ein Gericht diese Geschwindigkeitsbeschränkung erst einmal aufgehoben, weil die Geschwindigkeitsbegrenzung angeblich präziser und mehr oder weniger für jede Straße einzeln begründet werden muss. Man sollte ja meinen, dass die Vernunft der RichterInnen weit genug reicht, um zu verstehen, dass geringere Zahlen von Verletzten und Toten im städtischen Verkehr eine durchaus gute Begründung darstellen.

    • @Aurego:

      Ja, ich bin bei ihnen. Die Denkfigur dahinter aber scheint mit "Differenzierung muss sein" zu sein und die ist sehr modern. So klare volle Entscheidungen und Regelungen widersprechen der Rechtsentwicklung und auch dem Rechtsempfinden vieler Bürger. Viele wollen dies und jenes differenzieren und deswegen haben die Leute bei jedem wichtigen Thema eine Gleichheit zersetzende Gestaltungskraft.

      • @JK83:

        Differenzierung heißt dann Zusatzschilder wie



        "Mo-Fr 7:00-17:00" wegen einer Schule, unmittelbar gefolgt von (auf derselben Straße) "22:00-07:00" wegen Lärmschutz.



        Wenigstens auf dieser Straße (Elsässer Straße, Freiburg) ist jetzt durchgehend und immer Tempo 30.

      • @JK83:

        Das Lustige in Bologna war übrigens, dass ausgerechnet die Taxifahrer dagegen geklagt haben. Ich hätte ja angenommen, dass den Taxifahrern eine Tempo-30-Regelung eher entgegenkommt, weil die Fahrten dann länger dauern.



        So weit ich weiß, wird schon daran gearbeitet, die Begründung für Tempo 30 nachzuschärfen. Außer einem Haufen zusätzlicher Verwaltungsarbeit hätte das Urteil dann nichts gebracht.

        • @Aurego:

          Ich glaube dass die Taxifahrer:inne vor einer geringeren Nutzung Angst haben.



          .



          Immerhin steigt damit die Attraktivität von Öffis und Fahrrad als Alternative.



          .



          Längere Fahrzeit + höherer Preis = schlechteres Preis-Leistung Verhältnis.

        • @Aurego:

          Das Taxameter passt sich der Geschwindigkeit an. Also mehr Zeit pro Kunde, dadurch weniger Kunden bei gleichen Einnahmen pro Fahrt.