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Verkehrspolitik in der HauptstadtWarum ich als Fahrradfahrer gegen „Berlin autofrei“ bin

In Berlin will ein Bündnis Autos aus dem gesamten S-Bahn-Ring verbannen. Das ist zu radikal – und ein Geschenk an die CDU.

A n diesem Wochenende könnte sich entscheiden, ob Kai Wegner die Wahl in Berlin gewinnt – dabei findet sie erst im September statt. Bis zum Stichtag am Freitag hat die Initiative Verkehrsentscheid Unterschriften gesammelt, sie braucht etwa 175.000 Unterstützer. Ob sie erfolgreich war, stand erst nach Redaktionsschluss fest. Es sah so aus, als könnte sie scheitern. Die Initiative fordert ein weitgehendes Verbot von Autofahrten innerhalb des S-Bahn-Rings.

Eigentlich hätte ich fröhlich klingelnd unterschreiben müssen. Jeden Tag fahre ich 20 Kilometer mit dem Fahrrad durch Berlin. Todesangst, Wut und Abgase sind meine ständigen Begleiter. Ich teile das Ziel einer anderen Verkehrspolitik: weniger Platz für Autos, mehr für Fußgänger und Fahrräder.

Trotzdem hoffe ich, dass die Initiative scheitert und es nicht zum Volksentscheid kommt. Denn das wäre ein Geschenk an die CDU.

Es fängt schon beim Namen des Volksbegehrens an: „Berlin autofrei“ ist mindestens irreführend. 12-mal im Jahr soll man in die Innenstadt fahren dürfen, als vierköpfige Familie 48-mal. Ausnahmen gibt es für Härtefälle und Gewerbe. Das klingt maximal bürokratisch. Vor allem aber stärkt es den Kulturkampf. Und einen Kulturkampf gegen das Auto, den kann man in Deutschland nie, nie gewinnen.

Strategisches Problem

Dabei sind die meisten Menschen nicht nur Autofahrer oder nur Fahrradfahrer, sondern mal das eine, mal das andere. Sie wollen, egal welches Verkehrsmittel sie nutzen, sicher ans Ziel kommen. Es wäre schon etwas gewonnen, wenn das Volksbegehren von Anfang an eine weniger kulturkämpferische Ansprache gehabt hätte, „Berlin für alle“, so in die Richtung.

Das Hauptproblem ist aber ein strategisches: Berlin wird aktuell von der Corruptionsverdächtig Dilettantischen Union (CDU) regiert. Ein Unfall der Geschichte, den die Berliner Franziska Giffey zu verdanken haben. Denn eigentlich gibt es in der Stadt eine Mehrheit für linke Parteien. Man muss sie nur nutzen.

Die Chancen stehen also gut, dass es nach der Wahl im Herbst eine Regierung ohne die CDU gibt, die dann eine fahrrad- und fußgängerfreundliche Verkehrspolitik machen könnte. Mit mehr Tempo 30, Einbahnstraßen, und Fahrradwegen. Wenn es aber parallel zur Wahl zum Volksentscheid kommen sollte, würden bei der CDU die Sektkorken knallen und die Reifen quietschen. Dann würde die Frage „Bist du für oder gegen das Auto?“ den Wahlkampf dominieren.

Was manche Bewohner von Innenstadtkiezen, die den eigenen Lebensstil gern als Vorbild für andere begreifen, vergessen: Es gibt keine Mehrheit für eine radikale Verkehrspolitik. Die Mehrheit der Berliner lebt außerhalb des S-Bahn-Rings. Hier werden Wahlen entschieden. Aber auch innerhalb wohnen viele Menschen, für die ihr Auto Teil des Lebens ist, Ausdruck eines bescheidenen Wohlstands.

Kolleginnen, die unterschrieben haben, sagen, ich sollte „Berlin autofrei“ wie eine gewerkschaftliche Maximalforderung betrachten. Als einen radikalen Anstoß, damit sich etwas bewegt. Aber ein Volksentscheid ist keine Tarifverhandlung, bei der man sich in der Mitte einigt. Wenn es im Herbst zum Volksentscheid kommt und er dann mit Sicherheit scheitert, würde einer besseren Verkehrspolitik auf Jahre die Legitimation entzogen. CDU und SPD könnten sagen: Schaut doch, die Berliner wollen das nicht. Erinnert sich jemand an den Klima-Volksentscheid? Auch der ist gescheitert, weil er vielen zu radikal war.

Schon klar, Autofahren muss unbequem werden. Aber hätte man in Paris vor zehn Jahren das ganze Volk befragt, wäre die Stadt heute nicht so weit, wie sie ist. Gute Verkehrspolitik muss auch gegen Mehrheiten durchgesetzt werden.

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Kersten Augustin

Kersten Augustin Ressortleiter Inland

Kersten Augustin leitet das innenpolitische Ressort der taz. Geboren 1988 in Hamburg. Er studierte in Berlin, Jerusalem und Ramallah und wurde an der Deutschen Journalistenschule (DJS) in München ausgebildet. 2015 wurde er Redakteur der taz.am wochenende. 2022 wurde er stellvertretender Ressortleiter der neu gegründeten wochentaz und leitete das Politikteam der Wochenzeitung. In der wochentaz schreibt er die Kolumne „Materie“. Seine Recherchen wurden mit dem Otto-Brenner-Preis, dem Langem Atem und dem Wächterpreis der Tagespresse ausgezeichnet.
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67 Kommentare

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  • Wie schön es ist andere Menschen kennen zu lernen!



    Wie schön mit Tieren und der Natur in Kontakt zu kommen!



    Sammeltaxis können alle bunt angemalt werden und müssen nicht so mies-grau aussehen wie die aktuellen Porsche.



    Wie die bunten Überlandbusse in Pakistan.



    Weit - eine Geschichte von einem Weg um die Welt - ohne zu fliegen.



    Sie erinnern sich?

  • Übrigens sondern PKWs einen ausgesprochen starken Gestank ab. Haben Sie das schon mal bemerkt?



    Ich erlebe es täglich, weil ich kein Auto jemals hatte.



    Sind Gerüche anderer Menschen schlimm?



    Das Zusammenleben abschaffen?



    Wollen sich nun alle einbunkern?



    Soll das die Regierung dann durchführen?



    Diese Abschottungsphantasien sind alle irrational und absurd, wie diese kapitalistische Produktionsweise.



    Bürgermeister Bovenschulte sagte beim Bürgergesprächsabend: Es gibt nicht genug öffentlichen Raum für immer mehr PKWs.



    Folgerung: behalten Sie ihren PKW nur auf Ihren Privatgrundstück. Dort muss es bleiben.



    Nein zur Subvention von Straßen Autobahnen, usw.



    Hören Sie das durch die Autopanzerung wenn jemand ruft oder klingelt?

  • Der Kommentar Augustins und die Forenbeiträge zeigen wie hartnäckig die Bürger der Gegenwart sich gegen Problemlösungen wehren. Verbissen wird weiter Krieg geführt, auch wenn es unmöglich, ist das Ziel zu erreichen. Die Bereitschaft das einzusehen fehlt. Genauso wie die Trump, Putin und Erdogan sind die Autofahrer.



    Sie parken auf Radwegen, Gehwegen, in Kurven und Kreuzungen. Würde die Polizei alle diese Falschparker abschleppen - wohin damit? Vor die Tore der Stadt auf einen riesigen Berg aus Blech?



    Sie insistieren mit Geschrei und Drohungen darauf, dass das Ihr Recht sei, alles und alle wegzuboxen und im Weg zu stehen mit 2Tonnen-Karossen.



    Der Logik des -weiter Autos bauen und verkaufen- folgend wäre die Sahara voll mit Sondermüll.



    Wenn die PKWs durch öffentlich-rechtliche elektrische Sammeltaxis gefahren von Menschen ersetzt werden, dann kann das Recht auf Mobilität auch für alle erfüllt werden. Fahrräder gehen nicht bei jedem Wetter, nicht jede Strecke.



    Mit elektronischer Kommunikation können in Echtzeit die Fahrziele gesammelt und kombiniert werden. Gebühren nach Einkommen. Flexibler als Buslinien.



    Ja, und Sie können nicht verhindern mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen!

  • Die Berliner Volksentscheide sind der eigentliche Irrsinn! Sie umgehen die Verhandlungen um eine gute Lösung und das Finden eines Kompromisses und ersetzen das durch eine Abstimmung über eine Maximalforderung gegen die aktuelle Regierungsmehrheit. Das wird dann noch der polarisierenden Presse zum Fraß vorgeworfen.



    Hier müsste eine bessere Lösung her. Vielleicht wäre ein Bürgerrat etwas, der aus ausgelosten Bürger:innen besteht, und einen Gesetzesvorschlag erarbeitet, der ein Problem angeht und Lösungen bietet, z.B. also: Wie schaffen wir es, dass möglichst viele Berliner:innen die Bedürfnisse erfüllt bekommen, die hinter dem Wunsch nach Mobilität stecken?



    Die nächste Berliner Initiative sollte sich darauf richten, das System Volksentscheid zum Laufen zu bringen statt immer die gleichen scheiternden Maximalforderungsabstimmungen durchboxen zu wollen.

  • Als Nicht-Berliner der ab und zu nach B. muss (te) um u.a. unhandliche Dinge zu transportieren. Der Autor hat vollkommen recht. ALLE Verkehrsteilnehmer haben das Recht am Selbigen gleichberechtigt dabei zu sein.

  • Meiner Einschätzung nach ist fast allen Personen,die auf Transportmittel angewiesen sind,um von A nach B zu kommen,daran gelegen,dass diese Transportmittel bequem,sicher,preisgünstig und sauber sind.Somit setze ich meine Hoffnungen bei Autos auf autonomes Fahren und gehe davon aus,dass "man" mit einer App das benötigte Transportmittel (groß für Einkäufe beim Baumarkt,klein bei der Fahrt in die Oper) unkompliziert bestellen und je nach Anzahl der MitfahrerInnen zu reduzierten Preisen nutzen kann.Ich weiß aus meinem Umfeld verbindlich,dass mit der Einrichtung einer S-Bahn-Strecke die Anzahl der Menschen,die mit dem eigenen Auto zur Arbeit fuhren,erheblich zurückging.Ebenso wurde mit dem Angebot des TGV nach Paris die Anzahl der Flüge nach Paris,von Notfällen abgesehen,auf "0" reduziert.Insofern denke ich,je weiter die Technik voranschreitet und die Alternativen für "(Noch-)Autofahrer" ausgebaut werden,desto eher kann der Individual-Verkehr,der das Problem zu sein scheint,reduziert werden.Für mich steht fest:An dem Tag,an dem ich eine sichere,bequeme und preisgünstige Alternative zu meinem Auto habe,werde ich es noch am gleichen Tag verkaufen.Ein Auto besitzen ist Unsinn,wenn es Alt

    • @*Sabine*:

      Auch autonom fahrende Autos gehören zum motorisierten Individualverkehr und bringen fast die gleichen Probleme mit sich wie Autos im Privatbesitz.

      • @Francesco:

        Sie haben recht; nur gehe ich davon aus, dass dann nicht mehr so viele Parkplätze benötigt werden und viele Menschen ihre eigenen Autos abschaffen bzw. nur bei Bedarf per App bequem und zielgenau ein Auto bestellen. Ebenso können die Preise gestaffelt werden, indem gleich angeboten wird, wer 1-2-3-4 Mitfahrer akzeptiert (und evtl. eine etwas längere Fahrzeit die Folge ist) erhält Nachlässe. Mir gefällt "meine" ;-) Idee.

        Die Praxis würde zeigen, ob es etwas bringt oder nicht.

  • Als vor paar Jahrzehnten die Volksgesetzgebunhg in Berlin eingeführt wurde war ich Feuer und Flamme, Befürworter der Direkten Demokratie, wo sich gesellschaftliece Mehrheiten quer zur Parteipolitik bilden könnten.

    Die ersten Volksentscheide waren auch schlüssig. Offenlegung von Verträgen zum Wassernetz, Ja oder nein zum Verpflichtenden Religionsunterricht. Alles Sinnvoll, mit Folgen aber nicht verrückt.

    In den letzten Jahren ist alles Quatsch. DW enteignen ist eine unverbindliche Handlungsempfehlung eines Gesetzes das entweder nicht folgenreich, unbezahlbar oder gerichtlich nicht bestand hat. Und alle wissen es. Klimaentscheid, Berlin Auto oder Werbefrei sind maximal extrem. Tegel offenhalten war beim schreibwn sxhon in seiner Wirkungslosigkeit klar.

    Die direkte Demokratie in Berlin ist eine Farce von kompromisslosen Menschen die darauf setzen das Sie eine Zufallsmehrheit durch asymmetrische Mobilisierung bekommen, oder bewusst wirkungslose Gesetze durchwinken damit man Sie im Diskurs verwenden kann.

  • Nunja, mehr als die Hälfte aller Haushalte in Berlin haben ein Auto. Glaubten die Initiatoren denn ernsthaft, dass sich ein Volksbegehren, welches sich letztlich gegen die Mehrheit richtet, erfolg hat?

  • "Gute Verkehrspolitik muss auch gegen Mehrheiten durchgesetzt werden."

    Ja, eben! Deswegen muss unbedingt autofreie Stadt auch gegen Willen der Mehrheit durchgesetzt werden, denn das ist die einzig vernünftige Verkehrspolitik. Jedenfalls wenn man vernünftig so definiert, dass Entscheidungen aufgrund von Fakten, wissenschaftlichen Erkenntnissen, die gesichert sind, getroffen werden und Aspekte, wie Gesundheit, Sicherheit, Gefahren-, bzw. Risikominimierung, soziale Gerechtigkeit, ökonomischer Wert, bewertet sind. Und nicht als Bedienung der Bequemlichkeit/Privilegien eines Teils auf Kosten der Gesamtheit, die gar keinen Nutzen, sondern Mehrkosten davon haben.

    Wobei ich persönlich mit autofreie Innenstadt, lediglich den Individualverkehr meine, Gewerbe, medizinische Versorgung und auch Härtefallgenehmigungen zB bei körperlich mobilitätseingeschränkten, aufs Auto angewiesen sind o.ä., sollen weiterhin möglich sein..



    Der Autor hat in seinem ganz eigenen Demokratieverständnis, einen wichtigen Punkt vergessen: auch Verkehrspolitik muss gerecht sein! Der öffentliche Raum steht allen Bürgern, auch Kindern, gleichermaßen zu und es gibt kein Grundrecht auf Auto oder Parkplatz.

    • @Edda:

      Sie und der Autor scheinen da selbe Ziel zu haben.



      .



      Auch der Autor hätte gerne eine autofreiere Innenstadt, nur fürchtet er eine Wahlkampfhilfe für die CDU durch den Volksentscheid.



      .



      Die macht dann was für eine Verkehrspolitik?



      .



      Und Volksentscheide lassen sich nun Mal nicht gegen die Mehrheit beschließen, vor allem nicht bei polarisierenden Themen.



      .



      Barcelona und Paris haben die Verkehrspolitik ohne direkte Demokratie geändert.

  • "Gute Verkehrspolitik muss auch gegen Mehrheiten durchgesetzt werden."



    Das ist ein interessantes Demokratieverständnis...

    • @Falanyel:

      Ich weiß nicht mehr, wie die Mehrheitsverhältnisse bei der Einführung der Gurtpflicht waren....

    • @Falanyel:

      Wenn es der vermeintlich guten Sache dient spielt Demokratie offenbar keine Rolle mehr. Da dürfen dann ruhig 5% ihre Meinung den anderen 95% aufdrücken. In meiner Jugend haben wir sowas Diktatur genannt. Und dieser Meinung bin ich heute noch. Was wäre es auch sonst?



      Hatten wir übrigens auch schon mal. Ist gescheitert. Gott sei Dank.

      • @Josef 123:

        Bis zu 85% der Deutschen würden die Vermögenssteuer gerne wieder erheben.



        .



        Und was macht die aktuelle Regierung?



        .



        Demokratie bedeutet nicht immer das der Wille des Souveräns umgesetzt wird, manchmal darf auch das Gegenteil gemacht werden.



        .



        Oder gibt es etwa eine Mehrheit für eine Mehrwertsteuererhöhung?



        .



        CO2 Preis? Steuer/Abgabenerhöhung generell?



        .



        Manchmal muss der Mehrheit zu ihrem Glück verholfen werden, gegen deren Wille.



        .



        Siehe Barcelona, Paris, viele Orte in den Niederlanden.



        .



        Manchmal merkt man wie schön etwas ist, erst wenn man es hat ...oder etwas nicht mehr da ist!!!

    • @Falanyel:

      Der letzte Satz den fand ich auch schlimm,. Bei einem ansonsten sehr ausgewogenen Artikel. Er wiederspricht dem Artikel eigentlich

    • @Falanyel:

      Berlin hat einfach eine Riesenchance verpasst... Und solche Artikel wie dieser hier haben auch dazu beigetragen.

      • @draddon:

        Ganz im Gegenteil. Je schneller diese Initiative in der Versenkung verschwindet, um so größer die Chance, dass Berlin eine neue Regierung bekommt, die nicht vor der Autolobby einknickt.

        Wahlkampfhilfe für CDU und AfD braucht die Stadt (und das Land) bestimmt nicht.

    • @Falanyel:

      Genau genau das Gleiche, dachte ich auch! Vor allem nachdem der Autor weiter oben Vertreter der Autofrei-Forderung vorwurfsvoll unterstellt, und auch somit impliziert, dass erstens autofrei, ein Lebensstil sei und zweitens man diesen allen aufdrängen wolle mit der Forderung.

      Doppelmoral ist halt die flexibelste Moral!

      • @Edda:

        Der Autor hätte die Innenstadt eben gerne autofreier. Nur sieht er, realistisch gesehen, den Volksentscheid eher als Hindernis zum gewünschten Ziel.

  • Die Debatte ist so typisch für Berlin und es ist so nervig:

    Immer nur gegen die anderen sein (beide Seiten), ja keine Lösung / Kooperation und vor allem keine positive Idee, in welcher Stadt wir eigentlich leben wollen.

    Damit es nicht missverstanden wird: Das gilt aus meiner Sicht für alle Akteure in diesem Fall.

    • @Stavros:

      Du glaubst gar nicht, wie viele Autobesitzer unterschrieben haben. Dass BZ und Co immer auf Polarisierung zielen, ist kein Fehlverhalten der Aktivisten.

      • @draddon:

        Die Polarisierung ist doch nicht ausschließlich der BZ geschuldet.

        Die Aktivisten mit ihrer Volksentscheidformulierung sind da super komplementär zu.

        Stellt der Autor für mich sehr überzeugend dar.

      • @draddon:

        Ich finde es grundsätzlich eine gute Initiative, allein schon weil es gelebte Demokratie ist.

        Deswegen habe ich auch unterschrieben, unabhängig davon, wie ich abstimmen werde (weiß ich noch nicht).

        Du hast auch Recht, das stumpfe "Dagegen!" kommt eher von den von dir genannten Quellen + CDU + FDP.

        Man sollte trotzdem Rücksicht nehmen auf Leute, die aus Spandau, Eberswalde, Fürstenwalde oder noch weiter weg reinpendeln. Können ja nichts dafür, dass die Mieten so hoch geworden sind.

        Wenn man ihre Erfahrungen und Probleme nicht berücksichtigt, läuft das auf ein aggressives "Innenstadt vs. Peripherie" hinaus.

      • @draddon:

        "Fridays for Future" waren Augenöffner.



        Klimakleber haben polarisiert.







        Eintreten für Reduktion des Autoverkehrs und Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs, mehr sichere Fahrradwege und schnelleren Umstieg auf Elektromobilität ist gerade noch vermittelbar und vielleicht mehrheitsfähig.







        "Berlin autofrei" ist pure Polarisierung.







        Wann hat es jemals eine Initiative geschafft, dass alle Parteien von ganz links bis ganz rechts eine Plakataktion dagegen gestartet haben?

      • @draddon:

        Offensichtlich haben wenig unterschrieben, die Hürde ist echt niedrig. Das massenhaft Autofahrer unterschreiben haben, ist dann wohl eher Einzelfälle als Statistik

      • @draddon:

        Wenn ich (a) dort wohnen würde und (b) einen gewerblich angemeldetes Auto fahren würde, hätte ich vielleicht auch unterschrieben. Sollen die Proleten doch...

        • @sollndas:

          Das ist der Witz der Zahnarzt hätte seinen "gewerblich genutzen" elektronische Mercedes weiterhin jeden Tag fahren dürfen. Die alleinerziehende Mutter ihren alten Diesel nicht damit sie nicht 2h zur Arbeit braucht.

  • Sehr vernünftig. Vielen Aktivisten ist offenbar nicht klar, dass sie, wenn sie immer wieder mit dem Kopf durch die Wand wollen, ihre Ziele nicht nur nicht erreichen, sondern sie sogar unerreichbar machen. Im Ergebnis ist die Aktion, wenn auch natürlich unbeabsichtigt, Wahlkampfhilfe für die Autolobby.

  • "Und einen Kulturkampf gegen das Auto, den kann man in Deutschland nie, nie gewinnen."



    Das ist eine Kapitulation.



    Alle PKWs können durch öffentlich-rechtliche Sammeltaxis ersetzt werden. Finanziert durch monatliche Gebühren die möglich werden, wenn die Leute nichts mehr für ihr Auto ausgeben.



    elektrische 5-, 7- , 9-Sitzer, gefahren von Menschen. Ganz einfach. Stellen Sie sich vor, wie viel Platz es wieder gäbe!



    Wollen Sie den totalen Stau? Dann verkaufen Sie weiter Autos.



    ich ersticke. Ich hatte noch nie ein Auto. Warum diese Aggressionen, diese Unterdrückung? Dieser Krieg?

    • @Land of plenty:

      Neee....lassen Sie mal. So toll sind Ihre Ideen dann doch nicht. Bevor ich mich mit irgendwelchen komischen Typen in ein kleines Sammeltaxi zwängen muss, fahre ich doch lieber entspannt im eigenen Auto zur Arbeit.

    • @Land of plenty:

      Wer setzt sich freiwillig mit anderen Menschen in ein Sammeltaxi? Da könnte man ja gleich den Bus nehmen. Außerdem dauert die Fahrt auch deutlich länger. Und welche Unterdrückung? Wir haben 50 Mio PKW in Deutschland, die Mehrheit möchte wohl eins haben.

    • @Land of plenty:

      "Alle PKWs können durch öffentlich-rechtliche Sammeltaxis ersetzt werden." Wie bitte?!?! >:(



      Ich bin Mitte 40 und habe keinen Führerschein, bekomme mit meinem Autismus zu leicht Reizüberflutung und hätte panische Angst Auto zu lenken (es gibt aber Autisten die auch Führerschein haben). Mit Schwerbehindertenausweis fahre ich mein Leben lang kostenlos mit Bus und Bahn (S-Bahn und RE) und bin fast 8 Jahre lang mit de Bahn gependelt. Und ich HASSE es! Hasse den ÖVPN! Die Reizsüberflutung durch das ständige Reden der Menschen (bevor es Kopfhörer mit Lärmunterdrückung gab), die Berührungen, die Enge, die Gerüche (eher Gestank), dazu die Angst (habe Angst vor Menschen, Wohnung verlassen ist ein Spießrutenlauf für mich!), wegen der Angst die Umwelt/Gefahr7agressionen nicht mitzubekommen nutze ich daher keine Kopfhörer, die Wut und der Hass bei dem was ich zum Teil für Mitmenschen im ÖVPN sehe und hören muss! Wir sind hier leider nicht in Japan wo sich Menschen im ÖVPN, auf der Straße gänzlich anders verhalten.Ich würde liebend gerne Führerschein und Auto haben wenn es ginge, alleine für mich ohne "Sammeltaxis"! Und wenn ich das für mich fordere,habe ich kein Recht das anderen zu verbieten!

      • @Eulennest:

        Auch für Menschen wie Sie hoffe ich darauf, dass sich autonomes Fahren endlich durchsetzt. "Wir" mit einer App "einfach" ein Fahrmobil bestellen, das nach jeder Fahrt geprüft/gereinigt und danach wieder auf den Weg geschickt wird. Kürzlich in den USA sah ich in der Realität zumindest schon einmal eine Vorstufe davon, fahrerlose Taxis. Zwar immer noch für vier Personen gedacht und drinnen saß meist nur ein Fahrgast, aber die können ja mittelfristig auch als 1- oder 2-Sitzer angeboten werden.

        Ebenso sah ich kleine, autonome Kisten, die Transportwege übernommen haben. Das war lustig, zumal sie auch noch in den Farben orange/rosa gehalten wurden. Diese autonom fahrenden "Kisten" können auch die ein oder andere Autofahrt ersetzen, wenn nur eine Kleinigkeit benötigt wird.

    • @Land of plenty:

      Im Land of plenty ist das evtl. eine gute Lösung. In einem Deutschland, in dem Parteien, die bei Wahlen Stimmen brauchen, regieren, nicht. Nicht mit der vorhanden Bevölkerung.

  • Gut erkannt. Es besteht noch Hoffnung.

  • Erst vor wenigen Tagen war auf dieser Website der Artikel "Türöffner



    für die extreme Rechte" von Rudolf Balmer zu lesen, der genauso argumentierte -- Jean-Luc Mélenchon dürfe nicht als Präsidentschaftskandidat auftreten, weil ihn dann alle links von der rechten Mitte wählen, deren Stimmen dann dem "gemäßigten" Kandidaten fehlten.



    Folgt man dieser "Logik", dann kann man auch gleich in die CDU eintreten und deren "realistische" Verkehrspolitik unterstützen.

  • Der allergrößte Teil der Berliner wohnt ja ausserhalb des S Bahn Rings. Und wieso sollten die sich dazu entscheiden nicht mehr in dieses Gebiet mit dem Auto zu fahren. Damit es den Bewohnern dort besser geht wie im Rest von Berlin. Das verursacht nur Mehrkosten, zusätzlich zum Auto muss man dann noch die Kosten für den ÖPNV zahlen. Und das die Menschen dann weniger Auto fahren ist nur ein Traum. Aber die Berliner wollen das nicht. Die Initative hat bis heute Mittag 127000 Stimmen abgegeben und bis Mitternacht müsste sie noch 48000 einreichen Gültige. Das heißt es gibt kein Volksbegehren "Berlin autofrei".

  • Ich habe gehört, in Paris gebe es ebenfalls Bestrebungen, Autos aus der Innenstadt herauszubekommen.



    www.parissansvoiture.org/

    • @Aurego:

      Die Gemeinde Paris besteht quasi nur aus dem Äquivelent was in Berlin innerhalb vom S-Bahn Ring wäre.

      Sämtliche Vergleiche von Politischen Mehrheiten sind damit hinfällig.

      Mit Berlin Verglechbar wäre nur wenn man die 3 Landkreise ses Petit Cordon mitzählt.

      Die sind vermutlich eher dagegen, dürfen aber halt nicht mitstimmen

    • @Aurego:

      Ich habe gehört das in Paris 5 % der Bewohner für "Autofrei" gestimmt haben. Wenn das die Regeln dort so sind ist ja alles richtig, aber in Berlin müssen mindesten 25 % in einer Mehrheit mit "Ja" stimmen . Das nur 5 % zählen davon halte ich nichts. Bei der AfD würden bei so einer Reglung die Sektkorken knallen.

      • @Martin Sauer:

        Genau wie in Berlin dürfte es in Paris viele junge Leute geben, die bewusst auf ein eigenes Auto verzichten. Das sind sicher schon mehr als 5%.



        Bei der Bürgerbefragung stimmte die Mehrheit für 500 autofreie Straßen (www.tagesschau.de/...efragung-100.html). Dass nur 4% der WählerInnen abgestimmt haben, spielt jedoch überhaupt keine Rolle, denn jeder, der dagegen gewesen wäre, hätte ja dagegen stimmen dürfen. Durch Nichtteilnahme an der Bürgerbefragung erklärt man de facto, das es einem egal ist.

        • @Aurego:

          "Durch Nichtteilnahme an der Bürgerbefragung erklärt man de facto, das es einem egal ist."

          Na und genau weil das eben für eine demokratische, relevante Politik nicht ausreicht, gibts hier zumindest ein Quorum. Man muss nur den Fall nehmen, irgendwer macht eine Bürgerumfrage zum Thema "kriminelle Ausländer alle abschieben", "Gendern verbieten", "Kopftuchverbot", "Atomausstieg stoppen" etc. Und dann bestimmen 4 oder 5% Wähler, dass das eben so ist und die Politik muss es umsetzen, weil die Rechten mehr mobilisieren.



          Für solche einfachen populistischen Forderungen, ohne Einbeziehung aller Vorraussetzungen und Konsequenzen gibts in Umfragen durchaus Mehrheiten. Nur weil mir grad ein Thema in den Kram passt, kann man doch 5% nicht als demokratische relevante Mehrheit bezeichnen.

    • @Aurego:

      Wird sich wohl genauso wenig durchsetzen wie in Berlin.

      • @rero:

        Abwarten!

  • Ihr Artikel ist ein Wahlkampfgeschenk an die CDU. Weil Sie als Fahrradfahrer gegen die Initiative Berlin Autofrei sind. Das ist genauso wie die CDU in der Migrationspolitik. Sie will die AFD kleinhalten indem sie deren Migrationspolitik betreibt. Das Ergebnis: Die Rechtsradikalen werden immer stärker.

    • @Tastenpunk:

      Wenn es wie in der Migrationspolitik ist, kann man den Volksentscheid wirklich vergessen.

      Dann hätte Herr Augustin komplett recht.

    • @Tastenpunk:

      Genauso ist es! Wer vertritt noch unsere Position, wenn wir es nicht mehr tun?

      • @draddon:

        Der Autor vertritt eben nicht "eure" Position. Und das hat er auch ganz gut begründet. Man kann sicher für viele Maßnahmen hinsichtlich einer Infrastruktur, die mehr auf Rad und ÖPNV und weniger auf Autos setzt mehrheiten finden.



        Nicht einmal 6% der stimmberechtigten Berliner will überhaupt diesen Volksentscheid. Da haben auch ganz viele Menschen ohne Auto nicht unterschrieben. Nur eine winzige Minderheit ist von dieser Radikallösung überzeugt.

      • @draddon:

        Nur ist das ein Zeitungsartikel.

        Da muss man damit rechnen, dass eine Kolumne mal eine andere Meinung vertritt als die eigene.

  • Warum muss Autofahren unbequem werden?

    Ich wohne auf dem Dorf, da gibt es kaum eine andere Alternative.

    • @Peter Schütt:

      Es geht ja nicht um ein Dorf, sondern um den inneren Berliner S-Bahnring. Hier gibt es genug Alternativen zum Auto.

    • @Peter Schütt:

      Auch in den Dörfern wird viel mehr gefahren als nötig.

      • @Erfahrungssammler:

        Auch auf dem Dorf kann man die meisten Wege zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegen. Von den Entfernungen her meist auch ins Nachbardorf. Das Problem ist da dann der fahrradunfreundliche Autoverkehr.

      • @Erfahrungssammler:

        Diese Aussage beruht auf gesicherten Daten? Und auf welcher Festlegung, was "unnötig" ist?

    • @Peter Schütt:

      Das Volksbegehren, das zwischenzeitlich gescheitert sein sollte, wollte ihnen das Autofahren im Dorf und vom Dorf in die Stadt Berlin nicht verbieten oder unbequem machen. Es wollte ihnen die Autofahrt in die Innenstadt unbequem machen.

      Und auch nach dem Scheitern des Volksbegehrens wird das Autofahren in der Innenstadt auch zukünftig unbequem bleiben, da der Platz einfach mal begrenzt ist. Und eine intelligente Verkehrspolitik darf nicht nur ein Verkehrsmittel bevorzugen (das Auto), wie das der aktuelle Autosenat macht. Das Anwohnerparken wird verschenkt für Beträge, die nicht mal die Verwaltungskosten decken.

    • @Peter Schütt:

      Niemand fordert autofreie Dörfer.

      • @Andreas J:

        Wirklich niemand? Mir sind da ein paar Foristen bekannt...

    • @Peter Schütt:

      Deswegen geht's hier auch nicht um's Dorf sondern um Berlin, das in Autoabgasen, Lärm- und Dreck versinkt.

  • Es ist umgekehrt. Je erfolgreicher der Verkehrsentscheid, desto schwieriger wird es, diese Steinzeit-Autopolitik durchzusetzen. Aber bei Ihrem Artikel, da knallen bei der CDU die Sektkorken. Wenn Menschen beginnen, gegen etwas zu arbeiten, was sie eigentlich gut finden, aus Angst vor der Reaktion der CDU. Das macht mir große Sorge. Möchten Sie morgen die Radwege und Poller abbauen, und so zahlreiche Verkehrsopfer verantworten, um die Auto-Hardliner zu besänftigen? Was soll das helfen?

    • @draddon:

      Der Autor des Artikels hat sehr viel besser Verstanden wie Politik funktioniert.

      Der Volksentscheid wäre Parallel zur Abgeordnetenhaus Wahl gelaufen und abgelehnt worden.

      Als Nebeneffekt hätte er die CDU und ggf AfD gestärkt.

      In Berlin wohnen die meisten Außerhalb des SBahn Rings. Das ist anders als in Paris, das nie ein Äquivalent zum Groß Berlin Gesetz hatte. (Zur gemeinde Paris gehören nur die Zentralen 2 Mio, des 10 Mio Ballungsraumes)

    • @draddon:

      Wer Fahrrad fährt, lernt vorauszuschauen. Kersten Augustin hat ein Gespür für die Entscheidungen der Wähler:innen.

  • Ich sehe das 100%ig genauso so. Es ist mir unbegreiflich, warum sich die Initiatoren nicht der furchtbaren Wirkung ihrer Initiative bewusst sind.



    Ich fahre täglich in der Innenstadt mit dem Rad und ÖPNV. Aber pflege eben zurzeit auch meine Mutter, die am Stadtrand wohnt und früher auch noch meinen Vater. D.h. einen Großteil meines Lebens war ich auch auf die regelmäßige Nutzung eines PKWs angewiesen. Oder kann mir mal bitte einer der Initiatoren erklären, wie er nach Feierabend 50 km mit Fahrrad und Packtaschen samt Einkauf fährt und nebenbei "Opa" im Kinderanhänger zum Arzt bringt?

    • @Olaf Sterner:

      Es ist mir unbegreiflich, wie man gegen etwas sein kann, über das man sich offenkundig nicht einmal informiert hat.

      Sie wären ja gar nicht betroffen.

      Oder Ihre anrührende Erzählung entspricht nicht so ganz der Wahrheit. Aber das unterstellt man ja niemandem ... ^^

    • @Olaf Sterner:

      Zumindest ist für „Pflege“ schon jetzt im Verkehrsentscheid Sondernutzung möglich.

      • @draddon:

        Die man dann beantragen muss. D.h. eine neue Behörde Millionen Euros an kosten und am Ende ist der Bürger frustriert weil Entscheidungen zulange brauchen bzw. Unverständlich negativ ausfallen.