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Streit um InselrepublikDas Risiko, dass Trump bei Chinas Taiwan-Forderungen nachgibt

Chinas Staatspräsident Xi Jinping möchte Donald Trump zu Zugeständnissen in der sogenannten Taiwan-Frage drängen. Möglicherweise wird er Erfolg haben.

Taiwanischer Präsident Lai Ching-te: Kann sich sein Land noch auf die USA verlassen? Foto: Taiwan Presidential Office/ap

US-Präsident Donald Trump würde wohl fast alles dafür geben, um jetzt in Peking einen spektakulären Deal auszuhandeln. Doch wäre er auch bereit, dafür das Schicksal Taiwans in die Waagschale zu legen?

Am Donnerstag wird Trumps Standfestigkeit erstmals ernsthaft auf den Prüfstand gestellt. Während seines Besuchs wird Chinas Staatspräsident Xi Jinping zweifelsohne den Druck deutlich erhöhen. Sollten die USA beispielsweise einen besseren Zugang zu seltenen Erden erwarten, dürfte Peking im Gegenzug Konzessionen bei der sogenannten Taiwan-Frage fordern. Denn die stellt für die Parteiführung den „Kern aller Kerninteressen“ dar.

Tatsächlich ist das Risiko so hoch wie selten zuvor, dass der 72-jährige Xi mit seinen Forderungen durchkommen könnte. Denn kündigte Joe Biden noch unmissverständlich an, im Kriegsfall den Taiwanern zur Seite zu stehen, äußert sich sein Nachfolger deutlich transaktionaler. Noch im Sommer 2024 – wohlgemerkt vor Antritt seiner zweiten Präsidentschaft – verglich Donald Trump die US-Sicherheitsverpflichtungen mit einer „Versicherungsfirma“ – und sagte: „Taiwan sollte für unseren Schutz bezahlen.“

„Falls es bei Taiwan eine Kursänderung geben sollte – das würde für mich die zugrunde liegende Dynamik zwischen den USA und China verändern“, sagt Evan Medeiros, Politikwissenschaftler bei der Asia Group. Als ehemaliger China-Direktor im Nationalen Sicherheitsrat des Weißen Hauses war Medeiros maßgeblich bei mehreren US-chinesischen Gipfeltreffen involviert.

Taiwans strategische Bedeutung ist kaum zu überschätzen

Und tatsächlich ist die Bedeutung Taiwans – sowohl für die Weltwirtschaft als auch geopolitisch – kaum zu überschätzen. Sollte China nämlich die Insel einnehmen, hätte Peking mutmaßlich die Kontrolle über die modernste Chipindustrie der Welt, über eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten überhaupt sowie Zugang zu einem militärisch strategischen Tiefseehafen. Insofern ist Xis Vision von einem „vereinigten Mutterland“ weniger historisch begründet, sondern auch reine Machtpolitik.

Beim Gipfeltreffen mit Trump dürfte Chinas Parteichef vor allem ein im Dezember von der US-Regierung genehmigtes 11-Milliarden-Dollar schweres Rüstungspaket an Taiwan thematisieren. Es wäre der bisher größte Verteidigungsexport der USA an die Insel. Xi wird versuchen, den Deal auf der Zielgeraden noch zu kippen.

„Wir lehnen entschieden ab, dass die Vereinigten Staaten in irgendeiner Form militärische Beziehungen zur Taiwan-Region Chinas unterhalten, und wir lehnen entschieden ab, dass die Vereinigten Staaten Waffen an die Taiwan-Region Chinas verkaufen“, sagte Zhang Han, Sprecherin des chinesischen Büros für Taiwan-Angelegenheiten, am Mittwoch.

Am Vortag des Gipfels hat Zhang ihre Rhetorik gegen die aus Pekings Sicht „abtrünnige Provinz“ weiter verschärft. So beschimpfte sie den taiwanischen Präsidenten Lai Ching-te als „Lügner“, der unter dem Banner der Demokratie die internationale Gemeinschaft täuschen würde. Ebenfalls warf sie Lai vor, eine Regierung mit „autoritärem Charakter“ zu führen, die „fortlaufend politischen Dissens unterdrückt und die Meinungsfreiheit auf der Insel einschränkt“.

Peking nutzt Taiwans demokratische Pluralität aus

Die Kritik wirkt aus dem Mund einer chinesischen Regierungsvertreterin unfreiwillig komisch. Denn tatsächlich rangiert die Volksrepublik China auf der aktuellen Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen auf dem 178. von insgesamt 180 Plätzen. Die Republik China – so die offizielle Bezeichnung Taiwans – schneidet hingegen mit dem 28. Rang so gut wie kein anderes Land in ganz Asien ab.

Und doch versucht Peking, die demokratische Pluralität der Insel gezielt auszunutzen. Denn die politische Landschaft Taiwans ist zutiefst polarisiert: Erst vor wenigen Tagen hat die China-freundliche Oppositionspartei Kuomintang (KMT), die im Parlament die Mehrheit stellt, nur zwei Drittel eines von Präsident Lai vorgeschlagenen Verteidigungsbudgets genehmigt. So sind unter anderem heimische Drohnenprojekte den Kürzungen zum Opfer gefallen – ausgerechnet jene Technologie, die für die Verteidigung der Insel von essenzieller Bedeutung wäre.

Xi dürfte die Budgetkürzung als Beleg dafür nehmen, dass das taiwanische Volk gegen eine militärische Aufrüstung sei – und Trump dazu auffordern, den öffentlichen Willen zu akzeptieren. Möglicherweise treffen seine Worte auf offene Ohren.

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7 Kommentare

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  • Xi Jinping wird wissen, dass er auf nichts was Trump sagt oder unterschreibt länger als 2h bauen sollte.

  • Das wäre schon ein ganz großer Wurf, wenn da diese Woche etwas kundgetan würde. Ich rechne mit gesichtswahrenden Vereinbarungen, die auf dem Papier gut aussehen. Sehr interessant dürfte es mit der Etikette bei Trump werden.



    Taiwan spielt sicherlich in der Indopazifik-Strategie der USA eine Rolle, aber der Fokus liegt auf China und der Konkurrenz. Nur sieht die aktuelle amerikanische Regierung aufgrund des Iran und dem Nicht-Handeln in der Ukraine sehr alt aus.



    Am wahrscheinlichsten bleibt in Bezug auf Taiwan wohl eine demokratische Unterwanderung. In Bezug auf Technologie sehe ich nicht unbedingt einen Vorteil, dass das sehr schnell passieren müsste. Militärisch relevant dürften Aufrüstung seitens Japan und Korea sein, so wie Kooperation.

  • Vielleicht kann man Vance erklären was transaktional bedeutet und er erklärt es seinem Chef. Wenn der dann weiß, dass Xi der Boss ist und er nur ein Bonbon bekommt, wenn er brav ist und macht was Xi möchte, dann überlegt er es sich vielleicht noch mal.

  • Wenn VR China aus der Ukraine und Iran gelernt hat dann folgendes:

    Conquest is over !

    Ich halte Xi für schlau. Die Wolf-Warrier Diplomatie hat China mittlerweile eingestellt

  • Taiwan ist der mit Abstand wichtigste Produzent von Computerchips aller art.

    Und Taiwan hat bereits angekündigt, die Fertigungsanlagen im Falle einer chinesischen Invasion zu zerstören.







    Das wäre dann das abrupte Ende des momentanen KI Booms. Und auch sonst die nächste ganz große Wirtschaftskrise.

    Man kann nur hoffen, daß irgendwer Trump das erklärt hat..

  • Ich halte es für gefährlich das hier wesentliche völkerrechtliche Punkte völlig ausgeblendet werden.

    1.) Taiwan, amtlich "Rebublik China" ist völkerrechtlich Teil Kontinental-Chinas, was allgemeinbekannt sein sollte, siehe UN-Resolution 2758.



    Die UN selbst und fast alle Staaten der Welt sehen das so, letztlich sogar Taiwan selbst in dem Sinne das keine Unabhängikgietserklärung von Kontinental-China gibt (Schlagwort Ein-China-Politik).

    2.) Taiwan ist das was man einen Defacto-Staat auch Defacto-Regime nennt, Zitat Wikipedia:



    "De-facto-Regime (...) – ... – ist eine Rechtsfigur für ein als staatsähnlich bezeichnetes Gemeinwesen. Ein solcher Herrschaftsverband hat durch die de facto bestehende und dauerhafte hoheitsförmige Gewalt einer aufständischen Gruppe oder Partei einen bestimmten, dem eines international anerkannten Staates gleichkommenden Grad an Stabilität erreicht, ohne jedoch in dieser Eigenschaft als Staat anerkannt zu sein ..."

    3.) Ja, China darf Taiwan nicht angreifen, auch ein nicht-anerkannter Staat ohne anerkannte Grenzen wird durch das Gewaltverbot der UN-Charta geschützt.

    In anderen Fällen nehmen wir hin das solche Defaco-Staaten mit Gewalt "einverleibt" verden.

  • Ganz ehrlich: China wird sich Taiwan schnappen.

    Als ob der Westen wirklich in einen Weltkrieg mit Zehntausenden toten Soldaten zieht wegen einer kleinen Insel. Gerade Europa wird doch keinen Finger rühren, höchstens Sanktionen verhängen. Und selbst das ist fraglich angesichts der Abhängigkeit von China.

    Es wird irgendeinen Deal geben und das war’s. Am interessantesten ist noch die Frage was mit der Halbleiterfertigung in Taiwan geschieht.