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Reform der EinkommensteuerNur Besserverdiener würden profitieren

Simon Poelchau

Kommentar von

Simon Poelchau

CDU-Generalsekretär Linnemann will die Spitzensteuer erst ab 80.000 Euro greifen lassen. Bei genauerer Betrachtung ist der Vorstoß eine Mogelpackung.

Linnemanns Vorschlag entpuppt sich wohl für die meisten Beschäftigten als Mogelpackung Foto: Chris Emil Janßen

H at die Union wieder plötzlich ihr Herz für die arbeitende Bevölkerung wiederentdeckt? Nur ein paar Tage ist es her, da sorgten die Partei und ihr neoliberales Umfeld mit Forderungen wie der Abschaffung des Rechts auf Teilzeit oder der Streichung von Zahnersatz als Kassenleistung für Aufregung. Und nun das: Ausgerechnet CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann prescht mit der Forderung nach einer Einkommenssteuerreform zur angeblichen Entlastung der Beschäftigten hervor. Doch keine Sorge! Alles bleibt beim Alten. Denn bei genauerer Betrachtung entpuppt sich Linnemanns Vorschlag für die meisten Beschäftigten als Mogelpackung.

Der CDU-Politiker will die Grenze, ab der der Spitzensteuersatz greift, von derzeit 68.000 Euro brutto im Jahr auf 80.000 Euro anheben. Doch zuletzt lag das mittlere Jahreseinkommen von Vollzeitbeschäftigten bei rund 47.000 Euro. Die Mehrheit der arbeitenden Bevölkerung ist also weit davon entfernt, in den Genuss von Linnemanns Vorschlag zu kommen. Und: Das Ehegattensplitting sowie zahlreiche Abschreibungsmöglichkeiten führen schon jetzt dazu, dass nur eine kleine privilegierte Minderheit wirklich den Spitzensteuersatz zahlt. Stattdessen würden von Linnemanns Vorschlag vor allem auch Superreiche profitieren, weil der Anteil ihres Einkommens, für den sie den Spitzensteuersatz zahlen müssen, dadurch sinkt.

Da hilft es auch nichts, wenn Finanzminister und SPD-Chef Lars Klingbeil nun die Ausarbeitung einer Steuerreform verspricht, mit der er angeblich niedrige und mittlere Einkommen entlasten will. Denn diese haben von einer guten öffentlichen Infrastruktur und einem ausfinanzierten Sozialsystem letztlich mehr als ein paar Euro jährlich netto mehr in der Tasche.

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Stattdessen würde Linnemanns Plan zugunsten einer reichen Minderheit die Haushaltslücke, die ab kommendem Jahr droht, noch größer machen. Allein für 2028 war zuletzt von einem Fehlbetrag von 60 Milliarden Euro die Rede, die irgendwo eingespart werden müssen. Die Angriffe auf den Sozialstaat, wie wir sie jetzt erleben, wären nur der Anfang. Steuersenkungen würden also die Verteilungskämpfe nur noch weiter anheizen und die Gesellschaft weiter polarisieren.

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Simon Poelchau
Redakteur
ist für Ökonomie im taz-Ressort Wirtschaft und Umwelt zuständig.
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128 Kommentare

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  • Moin,



    warum kommt niemand auf die Idee den steuerlichen Freibetrag von 12348,-€ (2026) auf 18000,-€ für alle anzuheben? Da hätten nicht nur Gutverdiener sondern auch Mindestlöhner und Rentner was davon. Wenn gleichzeitig der Spitzensteuersatz von 42% auf 44% steigt könnte man auch diesen ab einer höheren Einkommensgrenze wirken lassen. Und steuerverkürzende Möglichkeiten einschränken, aber das ist ein anderes Thema.

  • Am nächsten Mittag tauchte der zehnte Gast nicht mehr zum Essen in dem Wirtshaus auf. Den übrigen neun war das egal. Sie setzten sich zusammen und aßen und tranken wie gewohnt – nur eben ohne ihn. Aber als es an der Zeit war, zu bezahlen und der Wirt die Rechnung brachte, stellten sie völlig konsterniert fest: Alle neun zusammen hatten nicht genug Geld, um auch nur die Hälfte der Rechnung bezahlen zu können.

    Und wenn sie nicht verhungert sind, dann wundern sie sich noch heute.

  • Es liegt in der Natur der Sache dass die oberen Einkommen bei einer Einkommensseuerreform profitieren.

    War ist aber auch, dass es die selben Einkommen waren, die bei der Nichtanpassung belastet wurden, auf basis von Inflation.

    Der Spitzensteursatz war nie gedacht als ein Steuersatz den man 40% über dem Median verdient.

    • @Tim Hartmann:

      > Es liegt in der Natur der Sache dass die oberen Einkommen bei einer Einkommensseuerreform profitieren.

      Nicht automatisch.



      Die Kurve einfach so anpassen wie vorgeschlagen (dh Spitzensteuersatz erst ab 80000 pro Jahr) und dafür Spitzensteuersatz von 42% auf 45% erhöhen.



      Dann können sie genau ausrechnen ab welchem Jahreseinkommen Sie mehr zahlen als jetzt... ab diesem Jahreseinkommen zahlen sie sukzessive immer mehr und mehr.

  • Der Vorschlag von Herrn Linnemann bewirkt eine Verschiebung bzw. Abflachung der gesamten Steuerkurve. Damit profitieren alle die Steuern zahlen, also auch jemand der 47.000 Euro/Jahr verdient. Die Zahl der Steuerzahler die denSpitzensteuersatz zahlen ist steigt von Jahr zu Jahr. Daher ist es sinnvoll diesen erst ab einem höheren Einkommen greifen zu lassen.

  • Der Autor hat das System der Einkommensteuer leider nicht verstanden. Das ist nicht verwerflich, keiner kann alles wissen. Aber dann sollte er keinen Artikel über das Metier verfassen.

    Wenn man den Spitzensteuersatz erst ab einem höheren Betrag beginnen läßt, profitiert nicht nur eine "reiche Minderheit", sondern ALLE Steuerzahler.

    Die Ersparnis ist ab dem zvE, ab dem die 42% dann gelten, absolut gesehen, immer gleich.



    Für die Superreichen ist die Steuersenkung also sogar, prozentual gesehen, extrem gering.

    • @Debaser:

      > Für die Superreichen ist die Steuersenkung also sogar, prozentual gesehen, extrem gering.

      Ja, prozentual; aber absolut bekommen sie die höchste Steuersenkung.



      Wo soll da der Sinn sein?



      Man kann es auch anders sagen 5000EURO pro Jahr mehr sind für einen "Superreichen" völlig egal.



      Für einen Median Verdiener (47000 EUR) eben nicht.



      Warum gibt man also dem Superreichen den höchsten absoluten Betrag im Jahr, der ihm völlig egal ist und dem Median Verdiener deutlich weniger?



      Das ist einfach nur unsozialer Mist.

    • @Debaser:

      "Wenn man den Spitzensteuersatz erst ab einem höheren Betrag beginnen läßt, profitiert nicht nur eine "reiche Minderheit", sondern ALLE Steuerzahler."

      Das ist eine kurze prägnante Lüge.

    • @Debaser:

      Richtig!

    • @Debaser:

      Klingt richtig, ist es ein wenig, größtenteils aber falsch, denn Staatsleistungen erfolgen für alle, für Ärmere, für die Mittelschicht. Es gibt beide Seiten der Gleichung.

      Was dem Staat fehlt, geht in teure Verschuldung und spätere Zinskosten oder in Sozialkürzungen (die Union kürzt ja nicht bei den Subventionen für Unternehmen oder Beamtenpensionen). Also ist diese deutlich Entlastung v.a. oben ein Minus für die Vielen.



      Lösung: Kurve abflachen, Leistungen sozialer, Spitzensteuergrenzsatz höher - beim Einstiegspunkt wie bei seiner Höhe. Wer das will, muss eine der Parteien links wählen, dann werden nach Institutsberechnungen über 90 % profitieren.

  • Wie soll jemand, der so wenig verdient, dass er schon keine Einkommenssteuerzahlen muss, von der Einkommenssteuer profitieren?

    We an der Stellschraube etwas drehen will muss höhere Löhne in den Niedriglohnbereichen forcieren.Das könnten die Gewerkschaften sein, die höhere Löhne mal nur für diesen Bereich bestreicken.

    • @Prinz Leonce vom Königreiche Popo:

      Tja, dann müssten halt mal wieder mehr Menschen in Gewerkschaften eintreten, oder sich sogar dort engagieren....Aber 1% vom Brutto ist vielen ja zuviel....und wenn gestreikt wird....wie oft hab ich auf Streikposten gestanden und grad die aus den niedrigen Lohngruppen liefen als Streikbrecher an mir vorbei, streik Du mal für mich mit... Ich sag mal, wer nicht will, der hat schon...

  • Wer hätte erwartet, dass Friedrich Merz die Einkommenssteuer progressiv und wirksam einzieht, dass reiche Menschen wirklichen ihren Anteil an den Kosten hier bezahlen?



    Ich definitiv nicht, weil Merz für eine neoliberale Politikwende steht, die auf einem Wahlkampf gegen Migration und für soziale Polarisierung steht.



    Dass Merz Migranten so durch den Dreck gezogen hat, das hatte seinen Grund: Es ging darum von dem abzulenken, was hier ansteht, Steuergeschenke für Menschen, die das gar nicht benötigern.



    Es ist überdeutliche, dass Merz die CDU/CSU in die ganz rechte Ecke führt, um ein Deutschland zu schaffen, das vollkommen polarisiert ist, wo ein ungelernter Arbeiter eine Sozialwohnung und aufstockende Leistungen (SGB 2) braucht, um zu arbeiten, wo Studenten während des Studium wohnungslos sind, in Jugendherbergen schlafen und lange Strecken mit Zügen fahren, weil sie in den Städten keine WGs mehr finden.



    Es ist eine Gesellschaft, wo die Armut rasant ansteigt, wo die Tafeln Aufnahmestopp haben, wo Migranten Angst haben müssen, weil sie zum Sündenbock gestempelt werden.



    = Das alles und noch viel mehr, damit die Superreichen nicht in die steuerliche Pflicht genommen werden.

    • @Andreas_2020:

      "was hier ansteht, Steuergeschenke für Menschen, die das gar nicht benötigern."

      Soso, Sie meinen also, Leute, die z.B., sagen wir 15.000 Euro Jahreseinkommen haben, benötigen das "Steuergeschenk" nicht?

      Mal abgesehen davon, daß es kein Geschenk ist, es wird nur weniger vom Gehalt weggenommen.

      Es ist ja nun schon oft genug durchgekaut worden: Wenn die Kurve flacher verläuft, zahlen ALLE weniger Steuern. Ja, die Geringverdiener profitieren weniger, aber ab den 80k, dem Punkt, wo dann zukünftig 42% Grenzsteuersatz erreicht sind, bleibt die Ersparnis konstant. Einer mit 90.000 zvE spart also den gleichen Betrag wie jemand mit 20 Mio. Prozentual wird es somit immer weniger.

    • @Andreas_2020:

      Es ist Trumpismus, nur so angerichtet dass er dem gemeinen Geutschen mundete. Eine jede Demokratie devolviert zu einem Gerontokraten, der ihr und keiner anderen genehm ist.

  • "Denn diese [Bezieher*innen niedriger und mittlerer Einkommen] haben von einer guten öffentlichen Infrastruktur und einem ausfinanzierten Sozialsystem letztlich mehr als ein paar Euro jährlich netto mehr in der Tasche." - Korrekt!

    • @My Sharona:

      Jedenfalls so lange sie nicht selbst dieses Sozialsystem ausfinanzieren müssen. 😀

    • @My Sharona:

      Na das sagen Sie mal den Niedriglöhnern - "Ihr braucht die paar Kröten mehr nicht, von einer guten öffentlichen Infrastruktur habt Ihr wesentlich mehr"... Die werden Ihnen was erzählen. Es geht darum, ob sie sich am 31. des Monats noch ein Brot kaufen können oder nicht.

  • In Ländern wie Frankreich gibt seinen Steuertarif auf Rädern, sprich jedes Jahr wird er der Inflation angepasst. Das vermeidet dann die bei uns alle paar Jahre wieder geführten Debatten. um Steuerentlastungen.

    • @Eckhard Hanseat52:

      Alle automatischen Inflationsanpassungen verstecken diese und führen zu einem laxeren Umgang mit der unsozialen Entwertung des Gelds gegenüber Sacheigentum und Kapital. Das wäre auch zu bedenken.



      Dass die Grenzen angepasst werden, hat dabei einen anderen Vorteil. Klar die sehr Reichen zu markieren und sie auch heranzuziehen, ohne dass sich Otto Normalverdiener fehlsolidarisiert (wie teils selbst hier zu beobachten).

    • @Eckhard Hanseat52:

      Klingt nach blankem Unsinn.



      Steuerentlastungen ansich sind schon Unsinn.



      Die Allgemeinheit würde immer von hohen Steuersätzen profitieren. Natürlich vorausgesetzt, das Geld wird sinnvoll ausgegeben.

      • @Matt Olie:

        "Natürlich vorausgesetzt, das Geld wird sinnvoll ausgegeben."

        Da haben Sie genau den Knackpunkt genannt, der bei staatlichem Mitteleinsatz zuverlässig den Strich durch das vorhergehende Statement macht. Zum Einen ist das Ausgeben von Geld in adäquatem Verhältnis zum bezweckten Ergebnis nicht gerade die Paradedisziplin staatlicher Apparate. Das macht logischerweise schon einen Teil der Ausgaben sinnLOS.

        Zum Zweiten wachsen mit dem Anteil der verfügbaren Mittel, über der Staat verfügt, zwangsläufig die Differenzen zwischen dem, was der Staat für sinnvoll hält, und dem was die Steuerzahler gern selbst damit anstellen würden. (Das mögen Sie als egoistisch geißeln, aber alle redlichen, brutalen oder auch raffinierten Versuche, es einer Bevölkerung insgesamt auszutreiben, sind jämmerlich gescheitert.) Mal davon abgesehen, dass das Ignorieren dieses Spannungsverhältnisses zuverlässig in Repression und Polizeistaat führt, ist es auch für die Wirtschaftsleistung regelmäßig Gift - und schwupps ist es auch Essig mit dem sinnvollen Einsatz, weil die ausgebbare Masse schwindet.

        Also überlegen Sie doch mal neu, OHNE die zuverlässige Erfüllung Ihrer obigen Bedingung zu unterstellen...

        • @Normalo:

          Aber Repressionsapparat und Polizei schaffen doch Arbeitsplätze. 😁

          • @Carsten S.:

            Das Erschreckende ist, dass manche Leute wirklich so ähnlich denken (halt mehr in Richtung "Verwaltung schafft Arbeit", aber im Prinzip genau so).

    • @Eckhard Hanseat52:

      Das ist bei uns aber ebenso: Jedes Jahr wird der Grundfreibetrag erhöht, der Punkt, ab dem die Besteuerung beginnt, wird nach rechts verschoben, und mit ihm die ganze Kurve. Deswegen ist ja der höchste Grenzsteuersatz bei ca. 68.000 erreicht, und nicht bei 5x.000, wo er war, als das System eingeführt wurde.

  • Auf zur großen workers-for-future Demowelle gegen die CDU-Politik!

  • Also, ich habe meine Arbeitszeit gekürzt weil ich keine Lust mehr habe die Spitzensteuer zu bezahlen. Aus meiner Sicht OK, ob das Volkswirtschaftlich sinnvoll ist, würde ich bezweifeln.

    • @Nachtsonne:

      Das Teure sind ja eher noch die diverse Sozialleistungen auf den Faktor Arbeit. Wenn Sie das allerdings einrechnen, gibt es eine _sinkende Belastung ab den Deckelbeiträgen.



      Wenn Sie mit Ihrem Verhältnis von Geld und Arbeitszeit glücklich sind, ist es doch gut. Verhungern werden Sie nicht. Das Wichtige ist nicht so sehr "viel" Zeugs, sondern "genug"; insgesamt.



      Für generelle Betrachtungen müsste mensch wohl noch eine Idee haben, ob Sie gerade eher der Pharmavertreter oder doch eher der Krankenhausarzt sind (um ein wenig ins Berufsklischee zu gehen), um sich mehr oder weniger Zeit dafür zu wünschen.

      • @Janix:

        Irgendwas mit IT-Technik....

    • @Nachtsonne:

      42% geht doch - unter Kohl lag der Spitzensteuersatz bei 53%.

      Und weil sich der Mythos hartnäckig hält: Mehr Bruttogehalt führt IMMER zu mehr Netto. Nicht das ganze Einkommen wird höher besteuert, sondern nur das Dazuverdiente. Klar erhöhr sich dadurch der Durchschnittssteuersatz, aber es ist nicht möglich, daß bei mehr Brutto weniger Netto herauskommt. Wenn doch, haben sich die SV-Beiträge erhöht.

    • @Nachtsonne:

      Schön, wenn man so viel Geld bekommt, dass man locker auf einen Teil verzichten kann 😁

      Geht aber nur einem kleinen Teil der Menschen so gut...

      • @warum_denkt_keiner_nach?:

        Meiner Beobachtung der nach leidet in Deutschland nur ein sehr kleiner Teil der Menschen an materieller Armut.

        • @Nachtsonne:

          Wo beobachten Sie? Auf Sylt?

          • @warum_denkt_keiner_nach?:

            Nuja, das reingeschuggelte Adjektiv vor Armut könnte auch vom Experten der Regierung für Arbeitsmotivation, Carsten L., stammen ;).

          • @warum_denkt_keiner_nach?:

            1,92% der Arbeitnehmer sind Aufstocker, 3,7% Mindestlöhner🤷



            Deutschen Arbeitern geht's sehr gut - das sieht man auch daran, dass wir die Teilzeit-Lifestyle Debatte haben.



            Teilzeit muss man sich leisten können - können anscheinend genügend🤗

  • Es ist ein einziges „ Rumgedoktere“. Die eigentlichen Ungerechtigkeiten diskutiert der Konservatismus nicht. Weder das Splitting noch die Situation Alleinerziehender wird irgendwann mal in Frage gestellt. Von anderen Minimumbeteiligungen an den Kosten der Gesellschaft durch „Superreiche“ mal ganz abgesehen. Wer könnte es glaubwürdiger ausdrücken als reiche Menschen, die das für ihre Klientel fordern, z.B. von „Taxmenow“ ect.



    Forschung und Wissenschaft hat sowieso schon die Auswirkungen der „Schere“ geklärt. Kein Wunder, dass rechte Kräfte erfolgreich ihre Netze auswerfen. Wohin das führt, will man einfach nicht einsehen.

  • Die Grunthese ist falsch.



    Eine Anhebung der Grenze zum Spitzensteuersatz auf 80.000 Euro würde vor allem die Progression strecken und damit mindestens mal alle Einkommen von knapp 18.000 Euro bis 80.000 Euro entlasten. Das ist einfache Mathematik (oder auch Geometrie: Eine Strecke von einem niedrigen Punkt A zu einem höhergelegenen Punkt B verläuft flacher, wenn man B bei gleicher Höhe weiter weg verlegt).

    • @Normalo:

      Das ist aber auch schon eine Grundannahme, die nirgends formuliert ist.

    • @Normalo:

      Mathematisch aber ein Negativbetrag, wenn nichts sonst geändert wird. Und wer bezahlt das?



      Wenn das die oberhalb 80.000 sind: okay. Sonst macht die Union wieder mal auf ungedeckten Scheck.

      • @Janix:

        Man könnte ja auch mal was sparen (nur BITTE nicht bei der Bürokratie - wo kämen wir denn da hin?? ;-)).

        Außerdem setzt so eine Steuererleichterung auch immer auf den beflügelnden Effekt von "mehr Netto vom Brutto": Es wird lieber gearbeitet, mehr ausgegeben, und die Reizschwelle zur Hinterziehung steigt - hier vor allem die zur Schwarzarbeit. Das Resultat kann durchaus sein, dass der Staat weniger verlangt und dadurch mehr einnimmt.

        Aber ja: So eine Änderung bräuchte Mehrheiten. Eigentlich dürfte die SPD es sich nicht nehmen lassen, Linnemann genau diese Frage genau SO - also einschließlich der Antwortvorstellung - zu stellen.

    • @Normalo:

      Ihre Aussage basiert auf der Prämisse, dass Politiker wie Friedrich Merz rationale Entscheidungen treffen. Es ist gar nicht sicher, dass es eine langsame Progression gibt, Ines Schwerdtner (Linke) hat so als eine Art Gag vorgeschlagen.



      Außerdem sagen selbst die SPD-Politiker, dass sie entlasten wollen, sprich der Staat senkt seine Steuereinnahmen zu gunsten der Steuerzahler.

      • @Andreas_2020:

        Das hat nichts mit Rationalität zu tun. Das System mag komplex sein, aber es ist mathematisch logisch: Die Progression ist heute so auskalkuliert, dass sie genau beim Grenzsteuersatz 42% ankommt, wenn sie die Grenze bei 68k Einkommen erreicht. Würde die Progressionsformel NICHT passend zu einer Anhebung der Grenze zum Spitzensteuersatz abgeflacht, ergäbe das also MEHR Steuerlast für die Leute, die zwischen 68.000 und 80.000 verdienen, weil die weiterlaufende Progression sie in dem Bereich ÜBER 42% Grenzsteuersatz drücken würde. Zum Einen kann so blöd (und das eigene Anliegen konterkarierend) kaum einer sein, und zum Zweiten würde das Verfassungsgericht ihn im Zweifel auch zurückpfeifen.

    • @Normalo:

      Diese Überlegung ignoriert den "Mittelstandsbauch", das Phänomen, dass der Grenzsteuersatz zunächst steil ansteigt um erst später abzuflachen.

      • @PeterArt:

        Nein, ignorieren tut sie nichts (da steht das Wort "mindestens"). Natürlich könnte man die Abflachung auch in den "steilen" Teil der Progression bis etwa 18.000 EURO hineinwirken lassen.

        Meine zentrale Aussage war, dass IN JEDEM FALL die Progressionsentwicklung insgesamt flacher würde, weil sie nunmal eine Progression bliebe und ihre höchsten Punkt von 42% Grenzsteuersatz erst bei 80k erreichen würde statt schon bei 68k. Das würde den Mittelstandbauch nicht beseitigen, aber es wäre eine Chance, ihn zu verkleinern.

    • @Normalo:

      So ist es.



      Und ich frag mich seit Anno Dunnemals, warum man damals nicht so eine Art Inflationsausgleich eingebaut hat. Unten und oben. Jährliche Angleichung des Erreichens des Spitzensteuersatzes gemäß der offiziellen Inflationsrate und Untergrenze, ab der Steuern anfallen ebenfalls.

      • @Kaboom:

        Die kalte Progression ist ja nur ein Problem des aktuellen Steuergefüges. Aber natülich haben Sie Recht. Ich fürchte, man hat schlicht eingeplant, dass der Staatsapparat immer schneller hungriger wird als die Inflation voranschreitet und deshalb absichtlich die Leute in den "Bauch" hineinwachsen lassen.



        Kann aber auch sein, dass man einfach nur der laufenden Statistik nicht die Staatsfinanzen anvertrauen wollte.

        • @Normalo:

          "Ich fürchte, man hat schlicht eingeplant, dass der Staatsapparat immer schneller hungriger wird "

          Vermute ich auch. So nach dem Motto "Mehr Einnahmen schaden nie".

      • @Kaboom:

        Genauso funktioniert es auch. Der Grundfreibetrag erhöht sich jedes Jahr, wandert also nach rechts, und mit ihm die gesamte Kurve.

        Jedes Jahr ein höherer Grundfreibetrag und ein höherer Betrag, ab dem der Spitzensteuersatz greift. Wer alle Jahre ein konstantes zu versteuerndes Einkommen hat, erhält dadurch jedes Jahr ein wenig mehr heraus.

        • @Debaser:

          Nee, es funktioniert "so ähnlich". Der Grundfreibetrag wird zwar jedes Jahr erhöht, aber die Erhöhung ist mehr oder weniger willkürlich. Deshalb ist der Grundfreibetrag z.B. 2022 und 2023 inflationsbereinigt zurückgegangen.

          • @Kaboom:

            Ich habe nichts anderes behauptet. Es ist auch nicht gesetzlich geregelt, daß der GFB an irgendeinen Index gekoppelt ist. Die Erhöhung erscheint tatsächlich willkürlich und ist öfter mal geringer als die echte Inflationsrate - zumal die für die Bezieher von geringen und hohen Einkommen ohnehin verschieden ist.

    • @Normalo:

      Von welcher Gerade sprechen wir? Wir haben kein lineares Steuersystem. Und Herr Linnemann hat auch nur davon gesprochen, dass er die Grenze des Spitzensteuersatzes verschieben will. Von den anderen Steuersätzen habe ich nichts gelesen. Oder fehlen mir da Informationen?

      • @warum_denkt_keiner_nach?:

        Möglicherweise. Es ist textlich auch nicht so einfach darzustellen. Ich versuch's mal:

        Tatsächlich ist die Funktion, die den "Grenzsteuersatz" (vom jeweils LETZTEN zu versteuernden Euro anfallender Prozentssatz) in der Progression bestimmt, durchaus linear. Sie geht (für 2026) einmal von 14% bei 12k bis ca. 18k mit wachsendem Einkommen steil auf 24% nach oben, und verläuft dann bis 68k in einer flacheren Linie, die bei 42% endet. Die korrespondierende Steuerlast auf das Gesamteinkommen ist dagegen eine parabolische Kurve. Sie hat aber mit dem linear steigenden Grenzsteuersatz gemein, dass sie am gleichen Punkt ankommen muss, nämlich beim fließenden Übergang zum Geltungsbereich des konstanten Grenzsteuersatzes von 42% ab 68.000 Euro.

        Um diesen fließenden Übergang zu gewährleisten, müsste die Linie bei einer Erhöhnung der Untergrenze für den Spitzensteuersatz auf 80k merklich flacher verlaufen, da sie erst da bei 42% ankommen dürfte, nicht schon bei 68k. Entsprechend würde jeder Euro zwischen 18k und 80k proportional weniger hoch besteuert (was entsprechend zu einem Sinken der Gesamtsteuerlast für das jeweilige Einkommen führen und damit auch diese Kurve "strecken" würde).

        • @Normalo:

          Also würde die Linnemann Idee Einkommen < 18k nicht entlasten?

          • @warum_denkt_keiner_nach?:

            Nicht per se, da haben Sie Recht. Es käme darauf an, wie man die Abflachung der Progression verteilt - ob man insgesamt Neigung wegnimmt, oder nur für den Bereich ab 18k.

            Die Union - und insbesondere Merz - wettert freilich seit über zwanzig Jahren gegen den "Mittelstandsbauch", der genau aus jenem steilen Anstieg der Grenzsteuersätze von 12k bis 18k Einkommen resultiert. Deshalb sollte es eigentlich ein Leichtes sein, sie koaltionsintern darauf festzunageln, dass die Streckung der Progression auch bis in diese Einkommensregionen runtergezogen wird. Einziges Problem (und Hauptgrund, warum Alle den Mittelstandsbauch beklagen aber keiner was dagegen tut): Das würde richtig teuer für den Fiskus.

            • @Normalo:

              18 k im Jahr - das sind 1500 im Monat.



              Steuern weg, Sozialabgaben weg, Miete weg. Was bleibt da noch zum Leben?

            • @Normalo:

              Genau da liegt ja mein Problem. Linnemann hat den unteren Teil nicht erwähnt. Natürlich könnte die SPD darauf dringen, alle einzubeziehen. Aber wo soll das Geld herkommen?

              Es geistern ja einige Vorschläge durch die Medien, die alle auf Kürzungen von (im weitesten Sinne) Sozialleistungen hinaus laufen. Aber auf die sind gerade Menschen mit geringem Einkommen angewiesen. Wird z.B. der Zahnarzt nicht mehr über die Kasse bezahlt, nützen 10€ weniger Steuern im Monat herzlich wenig.

              • @warum_denkt_keiner_nach?:

                Gegenfinanzierung ist immer ein Problem - aber keines, das so eine Initiative per se delegitimiert. Natürlich kann man bei Entlastungen immer aufjaulen, das sei doch nicht bezahlbar. Gleiches gilt ja (nicht ganz zu Unrecht) auch immer wieder für linke Wunschlisten mit erhöhten Ausgaben. Und ja, das Zaubermittel der Union, Sozialkürzungen, ist genau so begrenzt praxistauglich wie umgekehrt das ewige Liebäugeln mit dem beherzten Griff in die Säckel der "Reichen".

                Davon abgesehen ist der Topf nie konstant. Die Steuerlast zu optimieren gleicht der Kunst der Zinsbestimmung durch die Zentralbanken: Eine wohldosierte und -platzierte Senkung kann Impulse in die Wirtschaft senden und so tatsächlich zu MEHR Einnahmen führen.

                • @Normalo:

                  " Und ja, das Zaubermittel der Union, Sozialkürzungen, ist genau so begrenzt praxistauglich wie umgekehrt das ewige Liebäugeln mit dem beherzten Griff in die Säckel der "Reichen"."

                  Es ist schon ein Unterschied, ob man Geld bei Leuten holen will, die es in großen Mengen haben.

                  Unsere Haushaltsschieflage kommt übrigens hauptsächlich daher, dass man ohne jeden Plan Geld in die Rüstung pumpt. Statt sich Gedanken zu machen, was wirklich gebraucht wird, veranstaltet man Wettbewerbe, wer das meiste Geld auf den Kopf haut. Und bezahlen sollen es dann die, die wenig haben, während oben die Dividenden sprießen...

      • @warum_denkt_keiner_nach?:

        Ja. Wenn man den Spitzensteuersatz später greifen läßt, zahlen alle weniger Steuern. Googeln Sie mal nach der Kurve der Einkommensteuer, dann wird es klar.

        • @Debaser:

          Google spuckt viele Kurven aus. Welche ist gemeint?

          • @warum_denkt_keiner_nach?:

            Nein, Google spuckt nur eine Kurve über die ESt aus. Meine Güte...

            X-Achse das Einkommen, Y-Achse der Grenzsteuersatz. Der BMF-Steuerrechner kann helfen.

  • Alleine die 68.000 sind nur ne kleine Version der Wahrheit, da kommen auch für die*den Alleinstehenden ohne Kinderverpflichtungen noch diverse Freibeträge (für Altersvorsorge z.B.) hinzu, mensch macht ne Steuererkärung etc. pp., also daß mer da realistisch sich eher gen 80k zvE mit anfangendem 42%-Steuersatz bewegt. Und ob durch alle Einkommenssteuertatbestände bis zu den ca. 80 für einen Tatbeständler unter den 42% da individuell viel bei rumkommt; bezweifel ich. So dreifuffzich bei mir weniger Steuern würden halt auch pfff machen oder sich sinnlos sammeln*lol* (ich hab so die Hälfte der theoretischen 67000 zvE.).

  • 2020 (neuere Daten liegen noch nicht vor) zahlten 92,2 Prozent (Einzelveranlagung) bzw. 91,3 Prozent (Splittingverfahren) der Steuerpflichtigen KEINEN Spitzensteuersatz, d.h. der Vorschlag von Linnemann würde lediglich die oberen 8 bis 9 Prozent begünstigen. Außerdem ist nicht das Bruttoeinkommen, sondern das "zu versteuernde Einkommen" ausschlaggebend, den Spitzensteuersatz zahlt man 2026 erst ab 69.879 Euro zvE. (§ 32a Abs. 1 Nr. 4 EStG). Man muss schon mindestens 6.000 Euro pro Monat verdienen, um überhaupt in den Bereich des Spitzensteuersatzes zu kommen. Und das ist definitiv nicht mehr die Mittelschicht.

    • @Björn E. Kevalonen:

      Nein! Alle zahlen weniger! Die Kurve fängt am gleichen Punkt an und verläuft flacher, weil sie den Betrag, ab dem 42% gelten, später erreicht.

      Und nochmal muß ich widersprechen: 6.000 brutto (je nach Steuerklasse 3.500-3.800 netto) sind definitiv Mittelschicht.

      • @Debaser:

        Zur Mittelschicht: In Steuerklasse I sind 6000 € brutto 3.648 € netto. Laut dem Institut der Deutschen Wirtschaft sind bei diesem Nettogehalt 83 % der Bevölkerung ärmer, bei Vollzeiterwerbstätigen sind es 74 Prozent. Mittelschicht?

      • @Debaser:

        Erstens hat Linnemann nur von einer Erhöhung des Beginns gesprochen, ab dem der Spitzensteuersatz wirken soll, es kommt also auf die konkrete Ausgestaltung an. Details hat er freilich nicht genannt. Zieht man tatsächlich eine gerade Linie von unten nach oben, sinkt zwar auch darunter die Steuerbelastung, allerdings bei denen, die bislang noch gar nicht vom Spitzensteuersatz betroffen waren, in Euro und Cent natürlich um einen viel geringeren Betrag. Darüber, wie Linnemann das Ganze finanzieren will, hat er meines Wissens nichts gesagt. Billig wird das nämlich nicht. Im Übrigen könnte man, politischen Willen vorausgesetzt, die Steuerkurve auch so gestalten, dass die mittleren Einkommen gezielt entlastet werden, ohne die Besserverdienenden zu beschenken.

    • @Björn E. Kevalonen:

      Die Beitragsbemessungsgrenze zur Renten- und Arbeitslosenversicherung liegt für Arbeiter und Angestellte inzwischen bei 101 400 Euro im Jahr, die Beitragsbemessungsgrenze für Kranken- und Pflegeversicherung bei 69 750 Euro. Man zahlt also bei 60 000 Euro noch die vollen Sozialversicherungsbeiträge, liegt aber mit einem Grenzsteuersatz von 39,4 % schon nahe der Grenze zum Spitzensteuersatz, der dann bei 69 879 Euro erreicht wird. Das ist ziemlich genau die Grenze für den Kranken/Pflegekassenbeitrag. Die Bemessungsgrenze zur Renten- und Arbeitslosenversicherung wird dann erst viel später erreicht.



      Da können sie sich selber ausrechnen, was in dem Bereich zwischen 60 000 und 100 000 Euro Jahreseinkommen bei einer Bruttolohnerhöhung netto übrig bleibt.

    • @Björn E. Kevalonen:

      "d.h. der Vorschlag von Linnemann würde lediglich die oberen 8 bis 9 Prozent begünstigen"

      Das ist schlicht sachlich falsch. Es würde JEDEN Steuerzahler begünstigen.

    • @Björn E. Kevalonen:

      Irrwitzigerweise hat der Vorschlag einen kleinen Funken Sinn. Als die Grenze von 68k eingeführt wurde, waren 68k Euro mehr wert als heute (Inflation).



      Aber sonst ist natürlich wenig Sinnvolles am Vorschlag außer, die paar Betroffenen auf die Seite zu bekommen (auf der sie vermutlich schon sind als Gutbetuchte).

      Würde man dem im Grundgesetz festgeschriebenen Sozialstaat folgen, sollte man vor allem die Freibeträge unten ebenfalls heraufsetzen, da auch deren Grenzen durch die Inflation nicht mehr den gleichen Wert repräsentieren.

      Und um dann tatsächlich etwas Gutes zu tun, müsste man endlich den leistungslosen Reichtum (Immobilien, Kapitalertrag, Schenkungen, Erbschaften) gerecht besteuern. Aber das ist natürlich nicht von der cdU/csU zu erwarten. Dafür müsste man schon eine Partei wählen, die am Wohl ganz Deutschlands interessiert ist, nicht nur dem der Reichen.

      • @Jalella:

        Bevor Sie sowas schrieben sollten Sie sich informieren. Eine Hochsetzung des Grundfreibetrags spart bei allen, also 100% der Steuerpflichtigen die über der Grenze liegen Geld. Relativ gesehen in den unteren Gruppen viel, absolut gesehen in den oberen. Eben nicht nur bei den Betuchten wie Sie schreiben.

      • @Jalella:

        Bei Einführung des Systems lag der Punkt wesentlich tiefer, 5x.000 Euro.

        Die Kurve verschiebt sich Jahr für Jahr weiter nach rechts, sowohl der Grundfreibetrag als auch der Punkt, ab dem 42% fällig werden, steigen jedes Jahr um den gleichen Betrag. DAS ist der Inflationsausgleich.

        Und es sind nicht nur "ein paar Betroffene". Alle zahlen weniger, weil die Kurve flacher verläuft.

    • @Björn E. Kevalonen:

      Guten Tag. Ich arbeite in einem Ingenieurbüro, und verdiene die von Ihnen genannten 6000€ brutto. Das sind ca. 3800€ netto. da mein*e Partner*in momentan nicht arbeiten kann, haben wir nur dieses Gehalt, plus ALG I.



      Unsere Miete in einer deutschen Großstadt sind 2000€ warm mit Nebenkosten. Abos, strom, ÖPNV etc. kosten ca. 200€ pro monat. Das heißt es bleiben zum Leben ca. 1600€, davon muss essen gekauft werden, Kleidung etc. Sicherlich leben wir priveligiert und haben keine existenziellen Sorgen. Allerdings sind wir weit davon entfernt, einen "oberschichts-lifestyle" zu haben.

      • @Sybille Bergi:

        Hallo Sybille, wenn ihr verheiratet seid und zusammen veranlagt werdet, beträgt der Spitzensteuersatz auch nicht 69.879 Euro zvE., sondern das Doppelte. Der Durchschnittssteuersatz (die effektive Steuerlast) ist bei euch geringer als 42 Prozent, den Grenzsteuersatz zahlt man ohnehin nicht für das gesamte Gehalt.

        • @Björn E. Kevalonen:

          Der Durchschnitssteuersatz ist IMMER unter 42%. Auch bei 200k Einkommen. Ab dem Reichensteuersatz von 45% kann er dann irgendwann die 42% überschreiten, wird aber auch nie 45% erreichen.

          Es muß unterschieden werden zwischen Grenzsteuersatz und dem sich lediglich rechnerisch ergebenden, aber völlig irrelevanten Durchschnittssteuersatz.

    • @Björn E. Kevalonen:

      Und das war sie auch früher schon nicht.

    • @Björn E. Kevalonen:

      Die Verschiebung des Spitzensteuersatzes würde aber durch die damit einhergehende Verschiebung der gesamten Steuerprogressionskurve tatsächlich viel mehr Steuerzahler entlasten als nur die von Ihnen genannten Gutverdiener.

      • @Winnetaz:

        Ich verzichte gern auf die 5 Euro mehr im Monat, wenn der Staat dadurch viele Millionen von den Reichen einnimmt... Soviel Patriotismus darf sein. :)

  • Die tazzies und die Wirtschaft...



    Ja, auch alle unter 80k Jahreseinkommen profitieren aufgrund der progressiven Einkommensteuer.



    Nein, Superreiche sparen durch die Nummer so wenig, dass es ihnen egal ist.



    Und welche großartigen "Abschreibungen" der Autor von seiner Einkommensteuer machen kann würde mich mal interressieren (und eventl. das Finanzamt :)



    Fakt ist, dass in den gut bezahlenden Branchen derzeit auch der Facharbeiter bereits den Spitzensteuersatz bezahlt. Das kann weder gerecht noch der Sinn eines Spitzensteuersatzes sein.

    • @Samvim:

      Der sogenannte Spitzensteuersatz lag in den 1970er/80ern bei 56 Prozent und er ist über die nächsten Jahrzehnte auf 42 Prozent gesunken. Sprich der Staat hat hier deutlich niedrigere Einnahmen als noch 1978, Und die Facharbeiter, die richtig viel verdienen?



      Produktionsmitarbeiter bei der Volkswagen AG verdienen im Durchschnitt etwa 49.400 € bis 56.000 € brutto pro Jahr. Ok, das ist dann am Ende mit 60 Jahren vielleicht im Bereich von hohen Steuersätzen, aber moment mal, wie sieht es mit Kindern, Hausfrauen, gekauften Häusern etc aus. Selbst solche Arbeiter, die definitiv ganz oben verdienen, jedenfalls im Bereich der Metall- und Elektronidustrie sind noch ein ganzes Stück von reichen Arbeitnehmern entfernt. Manager bei VW können Gehälter von 160.000 EUR schaffen. Die zahlen vermutlich auch den Spitzensteuersatz, aber nicht die Leute an den Fließbändern und wenn dann nur die letzten Jahre, wenn die Tabelle wirklich in der höchsten Stufe angelangt ist.

      • @Andreas_2020:

        Facharbeiter bekommen bei VW im Durchschnitt 75k im Jahr und zahlen somit den Spitzensteuersatz (Fließbandarbeiter sind keine Facharbeiter) Über dessen Höhe habe ich nichts geäußert

      • @Andreas_2020:

        scheinbar kenne Sie dann nur den einen Teil der Produktionsmitarbeiter… ich kenne welche bei BMW und die lachen Sie aus, wenn Sie mit den Summen ankommen … Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld, Gewinnbeteiligung, Schichtzuschläge, … da ist aber deutlich mehr drin

    • @Samvim:

      Stimmt. Entsprechend müsste man



      1. die gesamte Kurve nach oben verschieben



      2. einen wirklichen Spitzensteuersatz einführen. Der lag selbst unter dem dicken Helmut nämlich weit jenseits des heutigen Steuersatzes.



      Das bisherige System sorgt nämlich nur dafür, dass sich die "produktive Mitte" für die Interessen der oberen Zehntausend verkämpft. Und wie gut das funktioniert, sieht man in den Kommentaren unter diesem Artikel.

    • @Samvim:

      Anschließe mich.



      Hätte von einem Wirtschaftsredakteur schon etwas mehr mathematisches Grundverständnis erwartet (oder dass er wenigstens erklärt, wie er zu der populistischen These kommt, die Anhebung sei nur für die 68k-80k Verdienenden relevant...).

  • Nahezu jeder Hochschulabsolvent, der in die Industrie geht verdient im ersten Job so viel, dass er im Spitzensteuersatz landet. Jeder gut gehende Handwerksbetrieb eines Meisters ebenso. Daher gibt es auch so viel Schwarzarbeit.

    Dies sind beides tragende Säulen unsere Gesellschaft.

    Keiner dieser beiden Fälle kann aber seine Einkünfte in Steueroasen auslagern oder steuerbegünstigt Containerschiffe kaufen.



    1960 betrug der Spitzensteuersatz das 18-Fache des Durchschnittseinkommens. Heute das 1.5 fache.

    Mit dem aktuellen Spitzensteuersatz werden nicht die "Spitzen" sondern die produktive Mitte der Bevölkerung gemolken.

    • @Volker Jaenisch:

      Richtig. Und: Gerechterweise war damals auch der Spitzensteuersatz viel höher. Das wäre der eigentlich wichtige Ansatz, um die echten Spitzenverdiener auch wirklich mehr beitragen zu lassen.

  • Es ist doch so: Die ganze Steuerkurve ist total willkürlich - und unnötig kompliziert.



    Sinnvoll wäre ein Einheitssteuersatz (Flat-Tax), in Kombination mit einem BGE ergibt sich eine faktische Progression.



    Damit gäbe es keine Kalte Progression mehr und auch das doch wirklich bizarre (und vielleicht auch "ungerechte") Phänomen, dass Menschen bei gleichem Lebenseinkommen unterschiedliche Beträge Einkommenssteuer zahlen müssen - je nach Verteilung über die Lebensspanne - wäre weg.



    Außerdem wäre das ganze Ding viel verständlicher für die "kleinen Leute" (z.B. für mich), was ich für keinen kleinen Pluspunkt halte (je komplizierter man die Dinge macht, desto weniger kann demokratische Kontrolle gelingen).

    • @Eric Manneschmidt:

      Ein Einheitssteuersatz (Flat Tax) ist das Gegenteil einer Steuerprogression und wird gerade deswegen gern von radikalen Neoliberalen gefordert.

      • @Budzylein:

        Kombinierte man sie mit einem ordentlichen BGE, fiele eine Flat Tax aber effektiv so hoch aus (um das BGE zu finanzieren), dass von einem "neoliberalen Traummodell" nicht mehr die Rede sein könnte - eher im Gegenteil: Die Neoliberalen würden fürchten, dass dann JEDER vor der Frage stünde, ob er bei solchen Steuren überhaupt noch richtig arbeiten will (nicht nur die Leute, die heute zwischen Spitzensteuersatz und Teilzeit wählen können).

  • Jede Steuersenkung nützt auch denen, die ein hohes Brutto haben. Selbst wenn Lebensmittel von der MwSt befreit werden würden.... bezahlen die auch Gutverdiener nicht mehr.



    Ich verstehe die Aufregung mal wieder nicht. Wollen die Kritiker jede Neuerung so gestalten, dass Reichere davon nicht profitieren. Das ist magisches Denken und unmöglich. Wäre mal schön schlichte Fakten anzuerkennen. Schont auch die Nerven.

    • @Tom Farmer:

      Die sogenannten Reichen und die wirklich ein hohes Gehalt erhalten, sind a nicht unbedingt die gleiche Gruppe und dann ist es so, dass Deutschland zwei Jahre hatte mit Minuswachstum und die Zahl der Insolvenzen wirklich hoch ist. Vor so einem Hintergrund muss der Staat seine Investitionen steigern und zwar so, dass sie wirkungsvoll sind. Es reicht nicht, eine Holzbrücke über den Weier zu bauen. Der Staat muss agieren können und dazu bedarf es eines ergiebigen Steuersystems. Mit Steuergeschenken wird das nicht unbedingt erreicht, weil die ärmsten Menschen, die immer alles ausgeben / ausgeben müssen, davon nur marginal profitieren. Und dann spielt das eine Rolle, ob Topmanager noch mehr Netto behalten oder nicht. Es ist auch ein falsches Signal.

      • @Andreas_2020:

        Wie gesagt.... Emotionen rausnehmen! Wie Sie sagen, 'die Armen', die also sowieso keine Steuer bezahlen. Dann kann Steuerreduktiom kommen wie will.... die zahlen dann eben immer noch keine. Es geht aber nicht um ganz arm oder ganz reich, sondern um Ottonormalbürger der als Familie 80 k oder so im Jahr hat. Und wenn man den Freibetrag erhöht, und denen mal 1000€ Steuern nachlässt...., ja, dann hat eben auch einer der 120000€/a hat etwas gespart. Das sind Fakten.



        Alles andere sind andere Themen, und daher kann ich das Ungerechtigkeitsgejammer, das ein Herr Linnemann über höher Freibetragsgrenzen redet eben so nicht gut finden.



        Dann muss ein anderer Vorschlag her. Freibeträge abschaffen? Alles ok, aber aufhören zu jammern wenn ein sachlogischer Vorschlag kommt der auf unserem Jahrzehntealten Steuersystem beruht, das Herr Linnemann nun mal nicht zu verantworten hat. Da war schon Grün, SPD und sonstwelche auch dabei und haben an den genau gleichen Schrauben gedreht,

    • @Tom Farmer:

      Die Nerven würden deutlich weniger blank liegen, wenn man nicht seit Schröder/Fischer begonnen hätte, sich von einer progressiven Einkommenssteuer immer weiter zu verabschieden, und v.a. auch alle Einkommensarten adäquat besteuern würde.



      Dazu kommen noch die Möglichkeiten kreativer Steuergestaltung, die v.a. denjenigen offenstehen, die höhere Einkommen haben. Und die systematische Unterbesetzung der Finanzbehörden, die zur Steuervermeidung/-hinterziehung fast schon einlädt.



      Die Abstellung dieser Umstände würde die Nerven erheblich schonen.

      • @Libuzzi:

        "alle Einkommensarten adäquat besteuern würde."

        Macht man ja. Es gibt sieben Einkunftsarten, alle werden zusammengerechnet, daraus ergibt sich der Gesamtbetrag der Einkünfte. Dann kommen die ganzen Abzüge z.b. Sonderausgaben, außergew. Belastungen etc., und irgendwann landet man beim zu versteuernden Einkommen.

        Es werden also alle Einkünfte besteuert.

  • Die Anhebung der entsprechenden Steuertarife nützt ja auch denen, die etwas unter der genannten Grenze verdienen. Den "Superreichen" ist es relativ egal, ob sie auf 12.000 EUR ihres Einkommens etwas weniger Steuer bezahlen. Und das Ehegattensplitting hilft ja nicht allen. Von daher halte ich den Artikel für unsinnige Polemik.

    • @undnix:

      So sehe ich das auch!



      Die Löhne steigen durch die Tarifabschlüsse also sollte das auch steuerlich angepasst werden.

    • @undnix:

      Nein, lesen Sie den Artikel bitte erneut.



      Freibeträge nützen immer denen mit dem höchsten Grenzsteuersatz, müssen also von denen gefälligst auch kompensiert werden.

      • @Janix:

        Ich kann in dem Artikel nichts von Freibeträgen lesen, nur von der Anhebung der Grenze für den Spitzensteuersatz - ohne diesen anzuheben, vermute ich mal. In der Arithmetik der progressiven Besteuerung hieße das aber zwingend, die Progressionskurve bis zu dieser Grenze entsprechend zu strecken (sprich: schwächer ansteigen zu lassen), was natürlich auch zu einer Entlastung der Einkommen zwischen dem Einstiegssteuersatz und der bisherigen Grenze führt. Letztlich ist das ein Schritt in Richtung des von der Union immer wieder versprochenen Abbaus des "Mittelstandsbauchs".

        Davon abgesehen kann man höhere Freibeträge auch als vorteilhafter für niedrigere Einkommen sehen, da bei ihnen ein größerer Teil des Einkommens steuerfrei bliebe als bei Leuten, wo der Betrag bis zur Freigrenze nur ein "kleiner Sockel" ist. Wenn man Armut relativ definiert sollte man das auch bei der Besteuerung tun...

        • @Normalo:

          Da gebe ich Ihnen Recht, doch auch hier ist der Effekt: Weniger Geld für die Allgemeinheit, mehr Geld für die Reichen. "Entlastung" für die Reicheren heißt entweder noch höhere Verschuldung oder weniger Geld für Investitionen und Soziales. Außer sie wird durch höhere Sätze wieder aufgefangen.



          Ich bin ja auch für eine höhere Grenze (sie ist zu niedrig, um ihren Namen zu verdienen), nur eben mit wieder angemessen hohen Besteuerungen auch der Reicheren.

          Nee, Ärmeren gibt man als Staat mehr als den Reichen, wenn sozialer Zusammenhalt und Frieden denn ein wichtiges Gut ist, das gilt auch für Steueränderungen des Hrn. Linnemann, der vielleicht beim Teil Volkswirtschaft und Wirtschaftspolitik nach dem 1. Semester nicht mehr zugehört haben mag und sich im versimpelte Angebotspolitik zu retten sucht.

          • @Janix:

            Es gibt einen feinen Unterscheid zwischen Geben und Nehmen. Hier geht es nicht darum, den Reichen etwas zu geben, sondern Allen - auch(!) ihnen - weniger abzunehmen. und da wäre es für den Lebensstandard von Menschen mit Durchschnittseinkommen im Zweifel wichtiger, wenn sie z. B. 10.000 Euro ihres Jahresbrutto weniger versteuern müssten und so 2.000 EUR mehr in der Tasche hätten, als ob irgendeiner aus den top 5% AUCH 10.000 weniger versteuern muss. Denn die maximal 4.700 EUR, die der behalten dürfte, gingen sonst erstmal an den Staat (und nicht etwa 1 zu 1 in die Umverteilung) und kämen ohnehin pro nicht-reichen Kopf auf gerade mal etwa 235 Euro (4.700/20). 2000 Euro sind in meiner kalten, neoliberalen Welt immer noch mehr als 235 Euro, aber ich bin sicher, jemandd sieht das anders...

            Dass alle dieses Weniger an Nehmen irgendwie gegenfinanziert werden müsste und das nicht in dem Maße über Sozialkürzungen gehen kann, wie Linnemann sich das im Zweifel vorstellt, ist ein anderes Thema. Aber dass jeder Euro, den man den Reichen NICHT wegnimmt, den sozialen Frieden gefährde, ist allenfalls ein Argument für den Einwand "Neiddebatte".

            • @Normalo:

              Korrektur: Hatte mich verrechnet der 45k-Durchschnittsarbeitnehmer dürfte bei 10k zusätzlichem Freibetrag etwa 3.200 Euro mehr Netto haben, nicht bloß 2.000. 😇

  • Ein Single mit einem Bruttoeinkommen von 98 Tsd Euro, ergo ein zu versteuererndem Einkommen von ca 80 Tsd Euro, also genau die neue Grenze fuer den Spitzensteuersatz, kommt auf eine Entlastung von 917 Euro.

    Ein Single mit einem Bruttoeinkommen von von 232.000 Euro, hier sprechen wir von dem Ein-Prozent-Spitzenverdienern, muss 963 Eruo weniger Steuern zahlen.



    Das heisst, obwohl er mehr als doppelt soviel verdient, sprich 134 Tsd Euro, sinkt seine Steuerlast nur um Sage und Schreibe zusaetzliche 46 Euro.



    Wenn im Artikel steht, dass vor allem Superreiche profitieren, dann sind diese 46 Euro gemeint. Unerwaehnt bleibt, dass der Ein-Prozent-Spitzenverdiener trotzdem noch ca 80 Tsd Euro Steuern zahlt.

    Im Koalitionsvertrag wurde eine Steuersenkung fuer die Mitte der Legislatur vereinbart - also Anfang 2027. Es handelt sich also nicht um ein Vorpreschen von Linnemann, sondern um die Umsetzung des Koalitionsvertrags von Union und SPD.

    Noch ist garnicht geklaert wie das finanziert wird. Moeglich waere ein hoeherer Spitzensteuersatz, zB von 47% - spaetestens dann faellt die Kritik in diesem Artikel wie ein Kartenhaus zusammen.

  • Linnemann möchte die Lohn- und Einkommensteuer für alle im gleichen Prozentsatz absenken - außer für diejenigen, die heute den Spitzensteuersatz zahlen und auch nicht bei der Abgeltungssteuer. So könnte man seinen Vorschlag einer erhöhen Grenze, ab der der Spitzensatz gilt, nebst abgesenktem Tarifverlauf auch formulieren. Ich verstehe nicht, warum er selbst so ungeschickt formuliert. Rechnerisch ist es dasselbe.

  • "Superreiche" würden da nicht signifikant profitieren - da macht es nämlich keinen grossen Unterschied ob für ca 13.000 € ihres Einkommens jetzt einige Prozent weniger Einkommenssteuer anfallen.



    Am meisten profitieren würden tatsächlich Einkommen bis 80.000€. Und darunter, wenn man die anderen Steuergranzen ebenfalls verschiebt.



    Wobei, die Steuersenkung wird wohl sowieso von den höheren Krankenkassenbeiträgen aufgegessen. Bei den Gesundheitskosten scheinen fast alle Parteien nur danach zu schauen, wie man noch mehr Geld ins System holen kann. Anstatt mal die Ausgabenseite anzugehen.

    • @T-Rom:

      Das Problem ist, das jedes Mal, wenn die Ausgabenseite angegangen wird, sofort Zeter und Mordio geschrien wird, weil in Deutschland niemand auf die Klinik in Hinterposemuckel verzichten möchte, weshalb man seit Jahren verschlafen hat, eine sinnvolle Krankenhausreform durchzuführen. Diese wurde unter der Ampel endlich angestoßen, bis die sich allerdings in der Praxis auswirkt, dauert es noch Jahre.

      • @Agarack:

        "...sofort Zeter und Mordio geschrien wird, weil in Deutschland niemand auf die Klinik in Hinterposemuckel verzichten möchte..."

        In Berlin haben wir immer irgendein Krankenhaus um die Ecke. Auf dem Land sind schon einige Kliniken geschlossen worden, so dass es sein kann, dass Frau sich nachts 50 km auf den Weg machen muss, wenn die Wehen losgehen. Für den Schlaganfall und Herzinfarkt kann es bedeuten, dass zwischen Alarmierung und Ankunft in der Rettungsstelle wegen der immer längeren Anfahrtswege und immer weniger sinnvoller Anlaufstellen (nicht jedes Haus hat eine stroke unit) an die zwei Stunden vergehen, wo doch eigentlich jede Minute zählt. Auf der Ausgabenseite gibt es viel Sparpotential, aber Krankenhausschließungen sind ein Eigentor.

      • @Agarack:

        Klaro, bis dahin zahlen die GKV Versicherten den Anteil für die Krankenhaussanierung für die PKV Versicherten mit, sie haben ja. Das Defizit für die Klinik in Hinterposemuckel bezahl ich auch schon über die Kreisumlage mit der Grundsteuer.

        • @Axel Schäfer:

          Lassen Sie sich mal eine Privatrechnung für einen Krankenhausauftenhalt zeigen und halten das Äquivalent nach Kassen-DRGs daneben. Sie werden Augen machen, wer da wen querfinanziert. Früher haben sich an der Differenz die Chefärzte gesundgeschossen, aber das ist heute weit weniger der Fall. Das Krankenhaus behält das meiste, und das ist nahezu immer deutlich mehr, als es für den gleichen Fall auf Kasse bekäme - auch und gerade, wenn es den Privatpatienten wie ein Studienobjekt durch Alles durchjagt, was an teurer Diagnostrik da ist.

          Aber schön, dass hier, wo wir schon einen unnötig Neid befeuernden Kommentar über das Steuersystem kommentieren dürfen, auch gleich die nächste liebgewonnene "Reiche sind alle Abstauber"-Klischeesau durch's Dorf getrieben wird...

          • @Normalo:

            Die DRGs sind keine "Kassen"-DRGs. Sie gelten in den Krankenhäusern, die einen Versorgungsauftrag in der gesetzlichen Krankenversicherung haben, nicht nur für die gesetzlich Versicherten, sondern auch für die Behandlung von Privatpatienten. Die Privatpatienten zahlen nur dann mehr, wenn sie über das GKV-Niveau hinaus zusätzliche Leistungen - die medizinisch in aller Regel unnötig sind - in Anspruch nehmen.

  • "Das Ehegattensplitting sowie zahlreiche Abschreibungsmöglichkeiten führen schon jetzt dazu, dass nur eine kleine privilegierte Minderheit wirklich den Spitzensteuersatz zahlt." - So so. Herr Poelchau, fragen Sie doch mal den früher typischen SPD-Wähler, nämlich den Industriefacharbeiter. Der/die hat die 68.000 brutto schnell erreicht bzw. überschritten. Da er/sie dann aber als Besserverdiener bzw. -verdienerin verunglimpft wird, wählt er/sie dann eben auch nicht mehr SPD.

    • @Manfred MIlde-Büttcher:

      Wieso sollte er nicht? Die Vielen solidarisch gegen die ganz Wenigen.



      Der Spitzensteuersatz muss hoch. Aber von denen da oben mehr als gegenfinanziert.

    • @Manfred MIlde-Büttcher:

      1. Kurze Recherche bei Stepstone. Gehälter von Industriemechanikern bei ca. 49.000 EUR / Jahr. Angebote um die 60.000 EUR sind da eher die Ausnahme.



      2. Vielleicht sollten wir uns auch daran gewöhnen, dass der Industriefacharbeiter nicht mehr das alleinige Maß aller Dinge ist. Bei einem Durchschnittslohn von 47.000 EUR /Jahr müssen doch einige Menschen darunter liegen.

      • @Libuzzi:

        Median ist da immer auch interessant.

        Der westdeutsche männliche Industriefacharbeiter mit Erfahrung, Zuschlägen, evtl. Fachleitung, in Chemie oder Auto oder einem ähnlich durch verbilligte Strompreise etc. bezuschussten Bereich wird Vollzeit das vielleicht erreichen. Sei ihm gegönnt. Der "Spitzensteuersatz" sollte höher anfangen. Ganz klar. Dann aber auch wirklich greifen.

        Denken wir nämlich an die Vielen. Dann wählen wir alle eher eine Partei links von der Mitte.

  • Manchmal frage ich mich, warum Politiker so arbeiten, wie sie arbeiten? Ist das Unkenntnis über die wahren Bedingungen, in denen der Großteil der Bevölkerung lebt? Oder wirklich Verachtung für den Plebs, der halt dummerweise auch wählen darf?



    Ich versuche wirklich diese Menschen zu verstehen und es gelingt mir nicht.

    • @Semon:

      Die CDU hat sich schon immer an den bürgerlichen Schichten orientiert und daraus rekrutiert. Herr Linnemann ist Sohn einer Buchhändlerfamilie -- alte paderborner Honoratioren. Durchaus typisch für die CDU.



      Von daher sind vielen in der CDU die Lebenswelten und -realitäten der Unterschichten einfach nicht zugänglich. Und von den unteren Mittelschichten (="Kleinbürgertum") grenzt man sich gerne ab.



      Eigentlich also nichts neues. Neu ist nur, dass die Wählerschaft der CDU auf genau diese Klientel zusammenschrumpft.

  • Es ist richtig, die Grenze wieder weiter nach oben zu schieben - aber eben gegenfinanziert durch deutlich höhere Sätze und Schließen von Schlupflöchern.



    Sonst sind "Freibeträge" vor allem eines: Geld zu denen schieben, die vor lauter Geldsäcken hohe Grenzsteuersätze haben.



    Die Union ist sonst und überhaupt steuertechnisch unseriös, da sollte wir nicht abstumpfen.

    • @Janix:

      "Schlupflöcher" - würden Sie bei jemandem, der bei Grün die Straße überquert auch sagen "er hat ein Schlupfloch in der Straßenverkehrsordnung ausgenutzt"? Es gibt eben Dinge, die sind erlaubt und andere, die sind verboten. Schlupflöcher gibt es nicht.

    • @Janix:

      Man könnte zunächst mal einfach die Beitragsbemessungsgrenze komplett abschaffen.

    • @Janix:

      Die Grenze bei gleichzeiger Erhöhung des Spitzensteuersatzes nach oben zu schieben, wäre nur effektive eine Stuererhöhung und würde für die Einkommen darunter nichts verändern. Insbesondere würde das auch nicht den Mittelstandsbauch abbauen, der einer der wichtigsten Gründe ist, dass sich immer weniger Mittel- bis Gutverdiener in der Lage sehen, nennenswert Vermögen aufzubauen.

      • @Normalo:

        Es würde etwas Last vom Mittelstand auf die Reichen schieben, ganz evident.



        Wieso es keinen Vermögensaufbau gibt? Weil die Profite oben gepusht werden, die Immobilien im Schwarzgeld- und Erbgeldmeer teurer und teurer werden. Kosten hingegen auf den Faktor Arbeit geschoben werden. Bei gleichzeitig zu hohen Staatsschulden für den gehobenen Konsum von Quandt, Klatten und Albrechts.

        Allgemein noch zum Mittelstandsbauch: Die Mittelschicht erhält auch diverse Leistungen des Staats stärker als Ärmere, das sei fair erwähnt.

        • @Janix:

          Vielleicht wären aber durchschnittliche 45.000 (oder bessere 60.000) Euto im Jahr eigentlich gar nicht sooo wenig und z. B. zum Einstieg auf der pösen Besitzerseite der Wirtschaft durchaus geeignet - WENN man mehr davon behalten dürfte. Schonmal sorum gedacht?

          Und ganz ehrlich: Ob Kosten "auf den Faktor Arbeit geschoben werden" ist einem Unternehmer völlig egal. Er muss schauen, dass er für den "Faktor Arbeit" ein attraktiver Partner ist und seine, die Sach- und Finanzkosten irgendwie von den Umsätzen bezahlt bekommt. Dass da mal 0, mal 8 oder oder auch mal 15 Prozent oben drüber bleiben, macht niemanden arm. Und die Immobilien kosten, was Leute bereit sind, für sie zu zahlen - zum Kauf wie zur Miete.

          Tun Sie uns beiden doch mal einen Gefallen und denken Sie nicht so monokausal! Ich schreibe wenigstens "einer der wichtigsten Gründe". Bei Ihnen gibt es nur den einen, der in Ihre Agenda passt. Das ist intellektuell traurig.

          • @Normalo:

            Nö, ich darf kurz das m.E. Selbstverständliche benennen. Nicht gegenfinanziertes Schlaraffia auch mal platzen lassen.



            An flankierenden Märchen des 1. Semesters Wirtschaft (die ich alle kenne wie als meistenteils ideologisch belächle) muss ich nicht glauben.

            Ich hätte gerne weniger Steuern und Abgaben auf den Faktor Arbeit. Hatte ich etwas anderes behauptet?



            Das heißt, Erben, Grund, Vermögen, Umweltschädigung und Kapital auch mal wieder angemessener einzubeziehen (und günstige Einheitskassen).

            Denn wir brauchen staatliche Investitionen in Bildung, Integration, Umwelt, Sicherheit, Infrastruktur, Soziales.



            Schuldenmachen für Steuergeschenke an Reichere brauchen wir hingegen gar nicht.

  • Die wenigen Superreichen merken es nicht mal, wenn der Höchststeuersatz bei 80.000 statt bei knapp 70.000 € beginnt.



    Es merkt aber die arbeitende Mittelschicht, die zu viel verdient um von den 502 Sozialleistungen des Bundes profitiert, aber zu arm ist um wirklich reich zu sein.



    Bei genaueren Hinschauen merkt man, dass eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes die komplette Einkommenssteuertabelle flacher macht - es profitieren alle mit einem zu versteuernden Jahreseinkommen ab 12.348 €.

    • @MK:

      Stimmt -- manche halt mehr, andere weniger. Und genau darauf will der Artikel hinaus.

      • @Libuzzi:

        Nein, der Artikel (nicht nur die reißerische Überschrift) ignoriert den Progressionseffekt komplett und tut so, als würden Menschen mit einem Einkommen unter 68k nichts von der vorgeschlagenen Änderung merken. Das stimmt so einfach nicht.



        Und das anteilige Stuererleichterungen bei hohen Einkommen mehr absolute Entlastung bedeuten ist richtig, kommt aber nur daher, dass sie von vornherein "fairerweise" auch absolut NOCH mehr einzahlen (woran sich relativ auch nichts ändert). Ihnen daraus umgekehrt eine Strick zu drehen, würde aus "Solidarität" eine Einbahnstraße machen.

  • Na, wer hätte da etwas anders erwartet? One of the Kind.

  • Na das ist eine Überraschung. Wer kaum Steuern zahlt, kann von einer Steuerreform kaum profitieren.

    • @Strolch:

      Also wenn Leute nur wenig profitieren kann man es auch gleich bleiben lassen? Oder wie ist das gemeint?



      Dass seit Jahrzehnten immer nur die „profitieren“, die eh schon genug haben ist dafür aber in Ordnung?

  • Klingt als würde Linnemann planen, den Lindner zu machen: am Anfang Geld mit beiden Händen rausgeben, um dadurch einen Sachzwang zu schaffen, mit dem in der zweiten Hälfte der Legislaturperiode soziale Projekte geschreift werden können.