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Völkerrecht und Angriff auf IranEinfach mal nicht die Klappe halten

Völkerrecht, Regime und reale Bedrohung: Wie stehen die Aussichten auf eine Nach-Mullah-Ordnung für den Nahen Osten und die Welt?

Zerstörtes Amia-Gebäude der Jüdischen Gemeinde in Buenos Aires: Suche nach Überlebenden des Bomben-Attentats am 18.Juli 1994 Foto: Ali Burafi/afp

E s ist seltsam, mit welcher Vehemenz sich Völkerrechtsexperten nach dem Angriff auf das iranische Terrorregime nun zu Wort melden. Sie verurteilen in großer Schar den Angriff von Israel und USA auf den Hauptaggressor im Mittleren Osten. Es heißt, ein vorbeugender Angriffsschlag gegen Mullahregime und Revolutionsgarde sei nicht gerechtfertigt, da Iran nicht mehr über die Mittel für einen erfolgversprechenden Angriff auf Israel oder andere Staaten in der Region verfüge.

Auch, dass das Regime zuletzt Zehntausende Zivilisten im eigenen Land massakrierte, schwer verletzte und/oder in Foltergefängnisse warf, sei kein Interventionsgrund. Denn selbst wenn ein Regime Verbrechen gegen die Menschlichkeit begehe, so prominente Kritikerinnen wie Kai Ambos oder Wolfgang Kaleck, bedürfe es eines Mandats des Uno-Sicherheitsrats, um militärisch intervenieren zu dürfen.

Doch wie dieses zustande kommen sollte, darüber schweigen sich die Mahner aus. Oder nehmen es achselzuckend so hin. Mit China und Russland sitzen zwei Vetomächte als ständige Mitglieder im Sicherheitsrat, die aktuell imperiale Angriffskriege gegen die Ukraine führen oder wie gegen Taiwan ankündigen. Es sind zudem wichtige Verbündete Irans, die die Menschenrechte in ihren Machtgebieten selber systematisch unterdrücken, also nicht nur das Völkerrecht mit Füßen treten.

Expansiver Extremismus, passive UNO

Die Nachbarstaaten vor einer aggressiven Theokratie wie Iran zu schützen, ist der UNO seit 1979, der Machtergreifung der Islamisten in Iran, hingegen kaum bis gar nicht gelungen. Im Gegenteil, das expansive iranische Mullahregime und die Islamische Revolutionsgarde destabilisier(t)en unter den Augen der Weltöffentlichkeit nicht nur den Mittleren Osten. Sie lösten auch weltweit einen Wettlauf um die Führung im radikal-islamistischen Spektrum aus.

Ein demokratischer, nicht-islamisch verfasster Staat wie Israel dient dabei als das alles überragende Symbol für den Hass. Mit ihren Verbündeten in Syrien (früheres Assad-Regime), Libanon (Hisbollah), Gazastreifen (Hamas), Jemen (Huthis) und Irak (Schiitenmilizen al-Haschd asch-Schabī) gelang es dem iranischen Staatsterrorismus, ein militärisches Netz um Israel zu spinnen, aber auch für Staaten wie Saudi-Arabien zur immer größer werdenden Bedrohung zu werden.

Hätte sich die multinationale, kosmopolitische israelische Nation nicht immer wieder wehrhaft wie nach dem Überfall am 7.10. gezeigt, kein Völkerrecht der Welt hätte den Fortbestand dieses seit seiner Gründung 1948 mehrfach überfallenen Staates geschützt.

Kleptokratie und Korruption, Atomprogramm und Kriegsökonomie haben den potentiell reichen Iran ruiniert. Nicht die Juden, nicht die Amerikaner.

Unreformierbare Theokratie

Das Scheitern der Reformbewegung von 2009 markierte den letzten großen Versuch in Iran, die Islamisten innerhalb ihres Systems zu einer Kurskorrektur zu bewegen. Es folgten viele kleinere Proteste, Streiks und Aufstände.

Zuletzt etwa die große Frau-Leben-Freiheit-Bewegung 2022. Und diesen Januar dann die Erhebung im ganzen Land, worauf das Regime zehntausende Zivilisten umbrachte, schwer verletzte, Zehntausende erneut in ihre Foltergefängnisse verschleppte.

Mit den Phrasen eines kulturkämpferischen Dekolonialismus verdeckten die Islamisten 1979 ihre feudalen Macht- und Besitzansprüche, setzten diese im Schatten des Iran-Irak-Krieges in den 1980er Jahren und einer fortwährend gegen Israel gerichteten Vernichtungsrhetorik durch. Die soziale und demokratische Revolution erstickten sie 1979 im Blut ihrer Gegner.

Mit den reichlich sprudelnden Öl- und Gaseinnahmen des Landes finanzierten sie stattdessen fortan kostspielige Stellvertreterkriege in Irak, Syrien, Libanon, Jemen und im Gazastreifen. Im Namen eines Allahs, als deren Stellvertreter auf Erden sich Chomeini und später sein Nachfolger und Kampfgefährte Ali Chamenei ausgaben.

Kulturkampf und Terrorismus

Um an die Herrschaft zu gelangen, agierten die Islamisten bereits unter Ayatollah Chomeini frei jedweder Skrupel. Bei einem ihrer terroristischen Anschläge verbrannten 1978 vierhundert Menschen im Cinema Rex in Abadan. Den heimtückischen Brandanschlag auf das Kino schoben sie dem Schah und seinen Geheimdiensten unter, um so die Bevölkerung aufzuwiegeln.

Mit Fatwas, wie 1989 dem Mordaufruf gegen den britisch-indischen Schriftsteller Salman Rushdie, setzten Irans Islamisten auch später weiterhin auf antiwestlichen Kulturkampf und Revolutionsexport.

1989 starb Chomeini. Sein Nachfolger, der jetzt bei einem Luftangriff getötete Ali Chamenei, soll in den 1990er Jahren eine Fatwa gegen Entwicklung und Einsatz von Atomwaffen erlassen haben. Dies wurde zumindest in den 2000er Jahren behauptet.

War es eine List, eine Täuschung, oder wechselnder Opportunität geschuldet? Schwer zu enträtseln. Anderes jedoch weniger.

Der Anschlag auf die Amia

Am 18.Juli 1994 wurde die argentinische Hauptstadt Buenos Aires von einer gewaltigen Explosion erschüttert. Der Bombenanschlag galt dem Gebäude der Amia, der Asociación Mutual Israelita Argentina. Allein bei diesem Attentat wurden in Südamerika 85 Menschen getötet, über 300 zum Teil schwer verletzt. Argentinien und die jüdische Gemeinde standen unter Schock.

Langwierige juristische Untersuchungen belegten, dass die Planung des Anschlags auf Führungszirkel des iranischen Machtapparats zurückgingen. Bei der Ausführung halfen Agenten der libanesischen Hisbollah. Argentinien hatte das iranische Atomprogramm in den 1980er Jahren unterstützt, laut Presseberichten die Lieferung von auf 20 Prozent angereichertem Uran dann aber 1993 auslaufen lassen.

Als einer der prominenten Drahtzieher des Amia-Attentats gilt Ahmad Vahidi. Gegen ihn liegt ein internationaler Haftbefehl vor. Vahidi war in seiner Karriere iranischer Verteidigungsminister, Innenminister, Chef der für Auslands- und Spionageeinsätze zuständigen Al-Kuds-Brigade – und seit März ist er nun der amtierende Chef der Islamischen Revolutionsgarde (IRGC), des Staats im Staate des Mullahregimes.

Wer soll jetzt die Klappe halten?

Die Bedrohung durch die in Iran regierenden Schwerverbrecher ist real. Für die Menschen in der Region ohnehin, aber auch außerhalb. Unangemessen scheinen von daher Kommentare, die sich auch in dieser Zeitung finden. Mit Überschriften wie „Einfach mal die Klappe halten“ richten sie sich gegen die Haltung des Zentralrats der Juden in Deutschland.

Dessen Präsident, Josef Schuster, hat es gewagt, den Waffengang gegen das Regime in Teheran zu befürworten. Wie der übergroße Teil der vielen Millionen Exiliraner sowie wahrscheinlich die Mehrheit der 90 Millionen Iraner im Land. Sollen diese jetzt alle die Klappe halten?

Israel, „die“ Juden, sind für Islamisten die globale Chiffre im Kampf gegen Menschenrechte und Andersgläubige. Antisemitischer Wahn sowie vulgärer Antiimperialismus sind ihr ideologisches Schmiermittel.

Finster agierende ausländische Mächte – "großer Satan USA" und "kleiner Satan Israel" – hatten schon die religiösen Führer Irans für sämtliche Klassenwidersprüche und Ungerechtigkeiten in der Schah-Epoche vor 1979 verantwortlich gemacht. Nur um sich mit göttlichem Recht die Reichtümer des Landes anzueignen und die Nation zu unterwerfen. Doch damit scheint es nun zu Ende.

Gerechter Krieg und Tyrannenmord

Die meisten iranischen Oppositionellen glauben derzeit wohl kaum, dass ihre Interessen in jeder Hinsicht deckungsgleich mit denen Israels oder Amerikas unter Trump sind.

Aber die meisten wissen, dass eine weitgehende Entwaffnung des iranischen Regimes – und die seiner mörderischen Komplizen Hisbollah und Hamas – die Voraussetzung für die Chance auf eine friedliche und demokratische Entwicklung in der Region bilden.

In Iran haben Antisemitismus und Antiamerikanismus abgewirtschaftet. Mit etwas Glück auch die ideologischen Grabenkämpfe zwischen demokratischen Linken und säkularen Rechten.

Die tatsächlichen Kräfteverhältnisse werden sich jedoch wohl erst einige Zeit nach dem Ende der jetzigen Bombenkampagne zeigen. Wenn die großen Strukturen des Repressionsapparats zerschlagen sind und ein demoralisiertes Regime nicht mehr in der Lage sein wird, seine Repressionskräfte entsprechend zu entlohnen. Der Glaube allein macht auch diese nicht satt.

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Andreas Fanizadeh
Chefkorrespondent Kultur
Andreas Fanizadeh, geb. 1963 in St.Johann i.Pg. (Österreich). Kulturpolitischer Chefkorrespondent der taz. Von Oktober 2007 bis August 2024 Leiter des Kulturressorts der taz. War von 2000 bis 2007 Auslandsredakteur von „Die Wochenzeitung“ in Zürich. Arbeitete in den 1990ern in Berlin für den ID Verlag und die Edition ID-Archiv, gab dort u.a. die Zeitschrift "Die Beute" mit heraus. Studierte in Frankfurt/M. Germanistik und Politikwissenschaften.
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76 Kommentare

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  • Weiter so und es werden alle Dämme der Vernunft und des Rechts brechen. Die zivilen Opfer sind längst kein Hindernis mehr, den Krieg nach Lust und Laune (Trump) auszuweiten. Er wird nicht zum demokratischen Umsturz in Iran führen. Er wird dort bei den Menschen die Freude über die Decapitation in Verbitterung, Erniedrigung, Erschrecken und Hilflosigkeit verwandeln. Wir werden mit angeschossenen religiösen Apokalyptikern und Söldnern, die durch die Straßen Irans patrouillieren und nichts und alles zu verlieren haben, alleine gelassen. Ich schaue nicht auf die Totenstatistik, ich war als Iraner entsetzt und beschämt bei dem Anschlag in Buenos Aires, wo ich mal kurz gelebt habe und ich kann den Tod von so vielen Schulmädchen und Lehrerinnen in Minab nicht fassen. Es werden weitere Tote folgen. Dieser Krieg, der auch in Israel und in den USA die Demokratie längst in Gefahr gebracht hat, stößt so nebenbei auch die Tür für einen neue und zynischen Kulturkampf auf.

  • Ja, ja immer feste druf. Wie heißt es doch so schön "Auge um Auge ".



    Wir es diese Menschheit es jemals schaffen ein Zusammenleben hinzukriegen ohne sich gegenseitig umzubringen und das auch noch mit vielen Argumenten zu rechtfertigen?



    Ist mir schon klar das das niemand hören will, wir wollen ja schließlich nicht in unserem primitiven Dasein, ausgestattet mit modernsten Tötungswerckzeugen gestört werden. Erinnert mich ein wenig an Donald Trump, der möchte auch nicht gestört werden.



    Also immer weiter so, die Männer dieser Welt werden es schon richten. Das nenne ich waren Fortschritt.



    Tschüss

  • Gestutzt habe ich bei dem Satz



    "Ein demokratischer, nicht-islamisch verfasster Staat wie Israel dient dabei als das alles überragende Symbol für den Hass".



    Nein: Die Palästinenser in den besetzten Gebieten haben kein Wahlrecht. Ihnen wird sogar eine Staatsangehörigkeit vorenthalten.



    Das ist der eigentliche Grund, weshalb es seit Jahrzehneten weder eine Einstaatenlösung, noch eine Zweistaatenlösung gibt.

    Dieses Besatzungs"recht" , das gilt als Symbol für den Hass.

    Es ist eine Erfahrung aus dem Leid des 30-jährigen Krieges: Man mischt sich nicht in anderer Länder Dinge ein. Alles andere erzeugt nur noch mehr Leid.



    Es ist die Aufgabe der Iraner, sich von dieser Theokratie zu befreien. Niemandes sonst. Und sie werden das schaffen.

    Der Feind von Außen stärkt nur das Regime.

  • Vielen Dank, ich unterschreibe jeden Satz... Sehr erfrischend, das in der taz zu lesen! Als Linker kriegt man echt einen Rappel bei alldem, was sich heutzutage links nennt, auch in der taz.

  • Klar..in einer idealen Welt hätten wir eine mit robusten Mitteln ausgestattete UN die sich ohne blockierende Vetomächte auf allen Ebenen und dem Mandat der gesamten Weltgemeinschaft Unrechtsregimen wie z.B. den Mullahs widmen würde..







    In der wahren Welt ist die UN allerdings noch weit davon entfernt. Aber immerhin der einzige Internationale und Friedensstiftende Rechtsrahmen, den wir haben.







    Jetzt zu argumentieren, die Mullahs seien ja soo böse, da müssen wir halt zum Faustrecht zurück kehren ist ein ziemlicher kurzsichtiger Rückfall in vorzivilatorische Zeiten.







    Daß dieser Krieg das Mullah Regime stürzt und sich danach eine bessere Ordnung im Iran etablieren kann, ist allenfalls eine sehr sehr vage Hoffnung, die auch nicht mit den realen Machtverhältnissen (insbesondere der "Revolutionsgarden") im Einklang steht.







    Und ließe sich die NATO auf T. Pläne ein, die Strasse von Hormus zu verteidigen, wäre das gleichsam der schleichende Beginn eines neuen Weltkriegs.

    Der Autor macht es sich hier doch etwas zu einfach.

    Es wäre jetzt an der Zeit darüber nachzudenken, wie man die UN weiter entwickeln kann, aber ganz sicher nicht der Zeitpunkt um sie de Facto zu entmachten..

    • @Wunderwelt:

      Sie befürchten den Sieg des Fausrechts. Da muss man schon mal fragen, bei welcher Handlungsalternative es wahrscheinlicher siegt:

      Mal grundsätzlich steht auf der einen Seite das Handeln einer - lückenhaften aber vorhandenen - internationalen Gemeinschaft, die der Verletzung von Menschenrechten in abertausenden bis Millionen Fällen auch um den Willen eines formalen Rechtsbruchs Einhalt gebieten möchte. Auf der andern Seite stehen die, denen Menschenrechte und regelbasierte Ordnung ohnehin schnurz sind, weil sie längst an den Sieg des Faustrechts glauben, und die ihren Gegnern eine Nase drehen, weil sie die nötige Minimalzahl von ähnlich skrupellosen Gleichgesinnten im Sicherheitsrat hinter sich wissen, um einen LEGALEN Eingriff in ihr Tun zu verhindern.



      Ja, es ist ein wenig "Den Teufel mit dem Belzebub Austreiben" - gerade wenn ausgerechnet die Vorkämpfer der Menschenrechtsfraktion Netanjahu und Trump heißen und selbst gerne mal zwischen den beiden Seiten hin- und herwechseln. Aber am Ende fahren wir kleinen Regelfreunde, glaube ich, besser mit einer Politik, die Leuten wie Putin, Xi oder eben den Chameneis dieser Welt das Leben möglichst schwer und riskant gestaltet.

    • @Wunderwelt:

      ""Jetzt zu argumentieren, die Mullahs seien ja soo böse,...""



      =



      Sind sie sicher das sie sich in der Wortwahl eines Adjektives nicht kräftig vergriffen haben? Die Massakermullahs waren nicht nur für das Morden von vielen Zehntausenden Iranern am 7-8. Januar 2026 zuständig - sondern auch für das Hamas Progrom in Israel am 7. Oktober.



      =



      Ansonsten - Gauck einfach mal zuhören -- würde Ihnen helfen und Ihnen erklären um was es eigentlich geht.



      =



      Das Massaker von Srebrenica 1995 bei dem über 8.300 bosnische Muslime von bosnisch-serbischen Truppen ermordet wurden, gilt als der schwerste Völkermord in Europa seit WW2. Es ist untrennbar mit dem Versagen der internationalen Gemeinschaft und der UN-Friedenstruppe verbunden, die die Stadt als „Schutzzone“ nicht offensiv verteidigen durfte - weil sich die Friedenstruppe an die Bedingungen ihres Auftrags - also proaktive Massnahmen zu vermeiden - und sich damit an das Völkerrecht hielt.



      =



      Das Internationale Tribunal für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) und der Internationale Gerichtshof (IGH) stuften das Massaker offiziell als Völkermord ein.



      =



      Das Völkerrecht zu ergänzen & Massakerregime den Schutz zu entziehen - das ist die Aufgabe.

      • @zartbitter:

        Danke daß Sie mir helfen und erklären wollen worum es eigentlich geht..







        Aber mal im ernst: glauben Sie wirklich mit irgendwelchen Differenzierungen wo und wann welches Recht zu gelten hätte kämen wir Frieden und Wahrheit irgendwie näher.?

        Die Legitimität jedes Rechtssystems..ob nun im Personstrafrecht oder auf internationaler Bühne resultiert nunmal daraus, daß es für jede/n, für jedes Land usf. gleichermaßen gilt. Hier nun eine Ausnahme im Völkerrecht zu konstruieren weil das Mullah Regime ja soo böse ist (was es im Übrigen ja auch ist), untergräbt die Glaubwürdigkeit und Legitimität eben jenes Völkerrechts.







        Und auch wenn das vlt schwer zu ertragen ist: dieser Krieg ist ein klarer Verstoß und fügt der internationalen Rechts- und Friedensordnung einen unabsehbaren Schaden zu.

        Der einzig vielversprechende Weg die Situation für die Weltgemeinschaft (inklusive der Menschen im Iran) nachhaltig zu verbessern besteht nunmal darin die UN Institutionen weiter zu stärken.







        Stellen Sie sich doch bitte einmal vor wir hätten eine UN mit einem, auch militärischen Gewaltmonopol nebst Kriseninterventionsteams, etc.







        Darauf sollten wir doch hinarbeiten..auch wenn es etwas länger dauert..

  • Genau so ist es. Und wer es jetzt nicht verstanden hat, der will es nicht.

  • Israelisches Militär knüpft an Beziehungen zwischen Iran und Israel von vor 1979 an



    =



    Die israelischen Streitkräfte (IDF) haben erklärt, dass der Sturz des iranischen Regimes nicht zu ihren Kriegszielen gehört.



    =



    In einer Pressekonferenz gestern Abend erklärte IDF-Sprecher Effie Defrin, dass der Sturz des iranischen Regimes aus militärischer Sicht kein Kriegsziel sei.



    =



    „Wir als Armee haben nicht das Ziel, ein Regime zu stürzen. Wir stürzen kein Regime. Wir schaffen die Voraussetzungen und untergraben es, damit das iranische Volk mit der Zeit sein Schicksal selbst in die Hand nimmt und dieses Land zurückerobert, das von diesem Terrorregime in Geiselhaft genommen wurde. Das ist die Botschaft“, erklärte Effie Defrin auf eine entsprechende Frage von Pressevertretern.

    • @zartbitter:

      Der Wechsel müsste schon von innen kommen. Es wäre jedenfalls Blödsinn, wenn ausgerechnet die verhassten Israelis selbst diesen Sturz des Mullah-Regimes vollführen wollten. Die iranische Bevölkerung mag ja in großen Teilen nicht so fanatisch sein wie ihre Noch-Herrscher, aber israelische Soldaten als Befreier zu begrüßen, dürfte dann wohl doch ein, zwei Welten von dem entfernt sein, was man von ihr erwarten kann. Was auch immer die Israelis also stattdessen einsetzten, könnte im Zweifel anlässlich des Abzugs ihrer Truppen gleich sein Grab schaufeln.

  • Alles ist im Wandel und das rasend schnell. Dass in Zeiten einer längst globalisierten Welt und neuer Machtverhältnisse, auch ein Gremium wie der Weltsicherheitsrat dringend einer Reform bedarf, ist unübersehbar. Er schützt weder die Menschen in Diktaturen vor brutalen Menschrechtsverletzungen, noch schützt es souveräne Staaten vor militärischer Gewalt von (militärischen) Großmächten.



    Und nur wegen dieser offenkundigen Machtlosigkeit der UN ist die Lage im Iran so wie sie ist. Wer es ernst meint mit Völker- und Menschnrecht, der muss hier ansetzen und nicht mit der Bagatellisierung eines Krieges, dessen Folgen sich weder für die Iraner noch für den Rest der Region abschätzen seriös lassen.

  • Vielen Dank Herr Fanizadeh für diesen Beitrag, den ich komplett unterschreiben kann. Lustigerweise wird es ja auch in den Kommentaren stark bestätigt, da sich hier ja auch wieder Viel wegen dem Völkerrecht echauffieren. Allerdings zeigt sich doch einfach mal wieder das diese "Völkerrecht" lediglich eine Farce ist, um irgendwelche Interessen durchzusetzen. De facto ist es also eh nicht existent, so sehr das einzelne Staaten jeweils bemühen, sofern es in ihren Kram passt. Das gilt im übrigen insbesondere auch für NATO Staaten. Von daher sind also Alle die jetzt ganz laut "Völkerrecht" rufen, vor allem faktische Unterstützer der Mullah-Diktatur. Kann man ja meinethalben sein, aber dann tut nicht so scheinheilig. Ich verstehe alle Iraner und all anderen, die hoffen dass die "Islamische Republik" endlich auf den Misthaufen der Geschichte befördert wird, egal wie, damit die Menschen im Iran danach etwas anderes aufbauen können.

    • @Egil:

      Da kann ich mich nur anschliessen.

  • Schön, das in der TAZ zu lesen.

  • Mit den Phrasen eines kulturkämpferischen Dekolonialismus verdeckten die Islamisten 1979 ihre feudalen Macht- und Besitzansprüche.



    Das ist zu jedem Regime dieser Art zu sagen.

  • www.theguardian.co...e_AndroidApp_Other

    Ist auf englisch, aber es gibt ja Übersetzungshilfen.

    Wir haben als Beispiel Irak. Ein Foto von Mossul 2015, eine Trümmerwüste soweit das Auge recht - da überlegt man schon, ob es denn das wert ist. Ja, Hussein ist Geschichte. Nur, wie geht es den Irakern?

    Im Moment sagt Israels Regierung, es hat noch tausende von Zielen zu bombardieren und sie finden immer wieder neue.

    Das freut jeden, der die Ayatollahs hasst, dafür lässt man sich schon mal ausbomben?

    Mit dem Völkerrecht ist es wie mit anderem Recht auch - nicht immer kommt dabei was Gescheites heraus.

    Nur ist die Abwesenheit einfach Brutalität und oft schlimmer. Und im "Plattmachen" sind die US-Amerikaner Spitze. Vietnam, Irak, Afghanistan - wer möchte so "befreit" werden?

    Im Moment werden Abertausende von Menschen und tausende Jahre alte Zeitgeschichte zerlegt. Es ist der komplette Wahnsinn.

    • @petross:

      ""Und im "Plattmachen" sind die US-Amerikaner Spitze. Vietnam, Irak, Afghanistan ......""



      =



      Und im Plattmachen sind die Deutschen Spitze. 6 Millionen Juden - schon vergessen? Anscheinend. Schon bemerkt das es um Juden in Israel geht?



      Da passt es wunnbar ins Bild und ist vor allem allem seltsam, das sämtliche Drohungen und Aktivitäten Israel auszulöschen - und vor allem Kriege, Überfälle, Massaker und Genocide gegen Juden in Israel und anderswo kein Kriterium mehr sind - und in der Fülle der Anschläge gegen Israel ungenannt bleiben. -



      Das ist Ihnen noch nicht einmal die Frage wert"" - "Nun wie geht es Israel" - nach 2000 Jahren Antisemitismus?



      =

  • Wir leben in einer widersprüchlichen Zeit. Ich verstehe den Autor. Alles, was er schildert, ist so passiert. Die Menschen des Irans wurden geschunden und Israel und die ganze Region wurden jahrzehntelang durch das iranische Regime bedroht.



    Ich würde mir nun wünschen, dass die USA auch den Ukrainern in ihrem Kampf um Freiheit und Demokratie so beistehen würden, wie sie es für die Sache Israels gegenwärtig tun.



    Und was wird sein, wenn China demnächst Taiwan ins Mutterland zurückholen wird. Wird Trump den Menschen dann dort beistehen oder nur mit den Achseln zucken. Ich glaube fast, so wird es sein.



    Und die Mittelmächte werden hilflos zugucken. Machtmittel, um sich gegen die Politik der "Großen" zu stemmen, haben sie nicht.

  • Na dann hoffen wir alle mal, dass der Spuk bald ein Ende hat. Und damit meine ich alle Kleptokraten. Egal ob sie aus dem Iran, den USA oder Israel stammen.

  • "inter arma enim silent leges". Wer wie der Autor derart geschichtsvergessen über das Völkerrecht schreibt, sehnt sich wahrscheinlich nach den Zeiten zurück in denen es hieß "unter den Waffen schweigen die Gesetze".

    Vor dem Inkrafttreten der UN-Charta 1945 war die sogenannte "humanitäre Intervention" sowohl Staatenpraxis als auch Völkerrechtsdoktrin, obwohl schon damals umstritten.

    Gerade in Deutschland sollte der Missbrauch der damit betrieben wurde bekannt sein. Wenn nicht, dann empfehle ich zum Studium Hitlers Abschlussrede auf dem Nürnberger Parteitag der NSDAP v. 12 September 1938.

    Wer daher heute eine Aufweichung des Gewaltverbots durch die Konstruktion eines "Rechts auf humanitäre Intervention" ohne UN Mandat fordert, der sollte auch die Folgen einkalkulieren. Er würde damit nämlich nicht nur eine Rechtfertigung sondern auch eine rechtliche Grundlage für Interventionen Russlands in der Ukraine, Chinas in Taiwan oder hypothetisch der Türkei in Syrien oder des Iran im Irak usw, liefern.

    Richtig an dem Artikel ist lediglich: Das in der UN-Charta verankerte Vetorecht der Ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats bedarf dringends einer rechtspolitischen Korrektur.

    • @Sam Spade:

      " Er würde damit nämlich nicht nur eine Rechtfertigung sondern auch eine rechtliche Grundlage für Interventionen Russlands in der Ukraine, Chinas in Taiwan oder hypothetisch der Türkei in Syrien oder des Iran im Irak usw, liefern."

      Mal davon ab das "Intervention" ein ziemlicher Euphemismus für einen unbegründeten Angriffskrieg wie auf die Ukraine ist...

      Wie wir sehen, verliert das Völkerrecht an Autorität, wenn Aggressionen wie der russische Angriff auf die Ukraine nicht konsequent sanktioniert werden. Russland greift die Ukraine weiterhin an, obwohl der Krieg völkerrechtswidrig ist, weil internationale Rechtsnormen allein eben nur Papier sind. Solange die internationalen Reaktionen, wirtschaftliche Sanktionen, diplomatischer Druck, militärische Unterstützung der Ukraine, nicht existenzbedrohlich für Moskau sind, kann das Land den Krieg fortsetzen, obwohl er nach Völkerrecht illegal ist.

      (Und die Ukraine bei all ihren Fehlern auch nicht mit dem Iran zu vergleichen ist)

      • @Pawel_ko:

        Sie scheinen das Völkerrecht mit einer Art Weltpolizei gleichzusetzen.

        Bei einem Angriffskrieg steht es jedem Staat frei dem Angegriffenen militärisch beizustehen. Völkerrechtlich legitimiert.

        Beschweren sie sich also im Falle des russischen Angriffskriegs bei den Staaten, die von außen lediglich die Beobachterposition einnehmen, anstatt aktiv einzugreifen.

        An Autorität verlieren immer nur die Staaten, die es geschehen lassen, nicht das Völkerrecht.

        Der IStGH hat gegen Putin einen Haftbefehl erlassen, Aufgabe der Staatengemeinschaft wäre es diesen zu vollstrecken.

        Verhält sich international nicht großartig anders als national. Für den Vollzug ist nicht die Judikative sondern die Exekutive zuständig.

        Wenn diese versagt, können sie nicht das Recht dafür haftbar machen oder als überflüssig betrachten.

        Und von wegen ihrer Bemerkung "unbegründeter Angriffskrieg" Russlands. Da sollten sie sich nochmal schlau machen. Russland hat sehr viele Alibigründe angegeben, ähnlich wie Hitler 1938. Läuft nämlich meistens nach dem selben Muster ab.

    • @Sam Spade:

      Danke! Ich dachte schon, ich lese hier nur Kommentare, die ein sehr gestörtes Verhältnis zum Rechtsstaat haben. Denn das Völkerrecht ist das internationale Pendant zum Rechtsstaat.

      Wer diesen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gutheißt, findet es auch ok, Verbrecher zu foltern wenn man anders nicht weiterkommt in den Ermittlungen. Es ist die Absage an die wichtigsten Prinzipien der Demokratie.

      Aber auch innenpolitisch habe ich den Eindruck, dass die Demokratie im Untergang begriffen ist. Und es scheint nur noch eine Minderheit zu geben, die das schlecht findet. Die Menschen, die so denken, werden sich noch umschauen, wenn sie es sind, die auf der anderen Seite von Selbstjustiz und Verrohung stehen. Dann rufen sie nach Anwalt und Berufung, aber wer wird dann für sie einstehen?

      Vermutlich sind es die gleichen, die nach Gericht und Gefängnis rufen wenn die harmlose "Letzte Generation" sich vor sie auf die Straße klebt, um daran zu erinnern, dass wir gerade den Planeten verbrennen. Dann ist der Rechtsstaat plötzlich super wichtig. Ich habe unsere Bevölkerung ehrlich gesagt zunehmend satt.

    • @Sam Spade:

      "Er würde damit nämlich nicht nur eine Rechtfertigung sondern auch eine rechtliche Grundlage für Interventionen Russlands in der Ukraine, Chinas in Taiwan oder hypothetisch der Türkei in Syrien oder des Iran im Irak usw, liefern."

      Diese Interventionen bzw Angriffe haben ohnehin stattgefunden oder werden voraussichtlich stattfinden. Autoritäre Staatsführer starten Kriege, weil sie die Gelegenheit für günstig halten und an einen Sieg glauben.



      Ob der 'Werte-Westen' auch schon mal das Völkerrecht überdehnt hat oder nicht, spielt dabei keine Rolle.

      • @C. Avestruz:

        "Ob der 'Werte-Westen' auch schon mal das Völkerrecht überdehnt hat oder nicht, spielt dabei keine Rolle."



        Oh, doch, durchaus. Aktuelles Beispiel eben Iran. Wenn der Überfall im Rahmen des Völkerrechts stattgefunden hätte, müsste Donald nicht vergebens um Hilfe betteln.



        Und wenn die USA nicht jetzt das Völkerrecht zertöppert hätten, wäre eine multinationale Front gegen einen Einmarsch in Taiwan deutlich wahrscheinlicher.

  • Danke für diesen sehr informativen Artikel.



    Es ist ein Dilemma, da die Machthaber im Iran Menschenrechtsverletzungen und Völkerrechtsverletzungen begehen. Israel und die USA machen das Gleiche.

    Die Lösung kann nur lauten, dass es ein Völkerrecht gilt und zwar für Alle.



    Es zeigt sich, dass wenn man*frau die Umgehung des Völkerrechts einmal gutheißt, bei der nächsten Gelegenheit die Argumente fehlen, die Einhaltung des Rechts einzufordern.

  • Also einen imperialen Angriffskrieg gegen Taiwan kann die Kommunistische Partei China gar nicht erklären, denn offiziell ist Taiwan ja schon Teil von China. Ist übrigens auch die international vorherrschende Position, und vermutlich aus genau diesem Grund. Auch die Bundesrepublik erkennt Taiwan nicht an.

    Wenn, dann wäre das ein "Bürgerkrieg". Deshalb ist ein Szenario wie in Venezuela viel denkbarer und gefährlicher. Man muss nicht für alles den Präzedenzfall liefern. Das Völkerrecht muss eingehalten werden!

    Taiwan ist ein Land geschützt durch einen Status quo den es nur mit Völkerrecht gibt. Keine internationale Ordnung und ihr macht es kaputt!

    • @Schatten:

      Aus Ihren eigenen Ausführungen geht doch hervor, dass Taiwan gegen eine Eroberung durch China gerade nicht durch das Völkerrecht geschützt wird. Es ist die militärische Unterstützung durch die USA, die Taiwan schützt. Und diese Unterstützung ist freiwillig; das Völkerrecht verpflichtet die USA keineswegs dazu.

  • Andreas Fanizadeh stellt das internationale Völkerrecht beim Angriff der USA und Israel auf den Iran in Frage.

    Laut dem Verfassungsrechtler Marko Milanović ein Unding. Der Jurist ist u. a. Inhaber des Raoul-Wallenberg-Gastlehrstuhls für Menschenrechte und humanitäres Recht an der Universität Lund.

    Wenn also laut dem Juristen in diesem Krieg eine Verletzung der UN-Charta offen zutage liegt, "wie es deutlicher kaum sein könnte", wie sieht es mit der Nutzung der US-Base Ramstein durch die USA in Bezug auf das Völkerrecht in diesem Krieg aus?

    Der iranische Botschafter in der BRD hat laut dem Bericht aus Berlin dazu Fragen an die Bundesregierung gestellt, die der deutsche Außenminiister im Bericht aus Berlin sogleich als Bedrohung auslegte.



    Ein Schüler äußerte im Bericht aus Berlin Angst, dass aufgrund dessen iranische Raketen auf Ramstein fliegen könnten.



    Utopisch? Eher nicht, wenn man bedenkt, aus welchen Gründen der erste Weltkrieg entstand.

    Kein Grund also, einen kritischen Diskurs mit dem Verweis "Einfach mal die Klappe zu halten" abzuwürgen.

    verfassungsblog.de...rrechtswidrig-ist/

    • @Lindenberg:

      Herr Fanizadeh würgt den Diskurs nicht durch "Einfach mal die Klappe halten" ab, ganz im Gegenteil kritisiert er diese Aussage einer Kollegin in der TAZ als Überschrift in einem anderen Artikel.



      Wie kommen Sie also darauf, das wäre seine Aussage gewesen?

      • @Birger Gerling:

        Danke für dem Hinweis. Da ist etwas beim formulieren total durcheinandergegangen. Letzten Satz also gedanklich streichen!

    • @Lindenberg:

      Der Autor würgt den Diskurs nicht ab.

      Im Gegenteil, er leistet einen Beitrag und spricht sich genau gegen " Klappe halten" aus.

      Iranische Raketen gegen Deutschland und der Versuch Irans, einen Weltkrieg auszulösen, kann man auch genau als Begründung ansehen, um diesen Angriff auf den Iran gut zu finden.

      Vor faschsistischen Regimen mit Weltkriegsambitionen möchte nicht jeder kuschen.

      Selbst dann nicht, wenn Sie mit Gott argumentieren.

      • @rero:

        Danke für den Hinweis. Der letzte Satz macht keinen Sinn. Bitte gedanklich streichen.

      • @rero:

        Nun hat Iran weder Raketen auf Deutschland abgeschossen noch versucht, einen Weltkrieg zu beginnen (wie auch?). Stattdessen würde er von zwei Regierung überfallen, die man gut und gerne auch als faschistisch bezeichnen kann und die ebenfalls mit Gott argumentieren. Gut ist daran gar nichts, außer man wünscht sich eine voluntaristische globale Ordnung, in der Legitimität allein durch Macht definiert wird.

        • @O.F.:

          Wo der Iran gerade überall Raketen hinschickt, dass ist schon der Versuch, möglichst viele andere Länder mitreinzuziehen.

          Ich meine gelesen zu haben, es seien inzwischen 10 Ländern.

  • Die paradoxe Lage kann ich durchaus nachvollziehen.



    Aber das Ganze auf ein simples „Selbstverteidigungsrecht Israels, weil demokratisch“ zu reduzieren, greift mir zu kurz. Zur Geschichte gehört eben auch das koloniale Erbe der Region und die Rolle amerikanischer Politik, die ihren Anteil daran hatte, dass Figuren wie Ruhollah Khomeini überhaupt erst an die Macht kamen – mit den bekannten Folgen für den Iran und den Krieg gegen den Irak mit Hunderttausenden Toten.

    Und dass die Regierung von Benjamin Netanyahu politisch vor allem deshalb überlebt, weil permanenter Kriegszustand innenpolitisch vieles überdeckt, ist auch kein großes Geheimnis.

    Dass die United Nations strukturell blockiert sind, sobald Großmächte involviert sind, ist ebenfalls keine neue Erkenntnis. Vielleicht sollte der Autor einmal die Ausführungen von General Wesley Clark 2001 lesen, der damals schon den Iran als letztes Ziel militärischer Intervention sah. Clark kritisierte in dieser Doktrin des Pentagons, dass das Militär hierbei als Instrument für politische Umstürze (Regime Change) zweckentfremdet wurde, anstatt nur zur Verteidigung zu dienen.

    • @Stefan Schmitt:

      "koloniale Erbe der Region" - Sie meinen die Rolle der ehemaligen Kolonialmächte Türkei und Iran die beide niemals (europäische) Kolonien waren?

      • @Chris McZott:

        Der britische Imperialismus hinterließ tiefe Spuren in der Grenzziehung und der politischen Struktur, was zu andauernden inneren Konflikten führte. Auch für die Kurden.

      • @Chris McZott:

        Es ist nicht ganz zutreffend, dass Osmanische Reich als Kolonialmacht an die Seite der europäischen Kolonialstaaten zu stellen, zumindest nicht für die imperialistische Phase in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Da war die osmanische Türkei schon längst Spielball der imperialistischen Interessen der europäischen Staaten um Vorherrschaft im Nahen Osten und für Europa längst kein Player auf Augenhöhe mehr, auch wenn sich große Gebiete in Nordafrika und Nahost nominell noch unter Kontrolle der „Hohen Pforte“ befanden. Ägypten (mit dem Sudan) beispielsweise hatte sich schon lange vorher dem Einfluss des Reiches entzogen, verfolgte im nördlichen Afrika eine eigene regionale Machtpolitik, um dabei dann selbst unter die Räder der Kolonialmächte Frankreich und GB zu geraten.



        Für den Iran gilt im Grunde dasselbe. Nominell unabhängig wurde er in dieser historischen Phase vollends zum Spielball der konkurrierenden russischen und britischen Kolonialinteressen.



        Das Osmanische Reich und Persien als Kolonialstaaten zu bezeichnen, verkennt daher das, was Hostoriker gemeinhin unter Kolonialismus verstehen.

        • @Abdurchdiemitte:

          "Das Osmanische Reich und Persien als Kolonialstaaten zu bezeichnen, verkennt daher das, was Hostoriker gemeinhin unter Kolonialismus verstehen." - Ja aus einer eurozentrischen Sicht mit der Intention, die Europäer als Krone der Schöpfung darzustellen.

          Immerhin hat es noch für die Osmanen gereicht um auf der Kongo-Konferenz und ähnlichen Veranstaltungen vertreten zu sein.

          Die bloße Machtfülle kann auch nicht das einzige Kriterium sein. Portugal, Spanien, Dänemark oder die Niederlande waren in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch zu schwachen Playern herabgestiegen. Belgien (bzw. dessen König Leopold II) war nie ein mächtiges Imperium...trotzdem waren es alles (zu dieser Zeit noch) Kolonialmächte.

          • @Chris McZott:

            „ Ja aus einer eurozentrischen Sicht mit der Intention, die Europäer als Krone der Schöpfung darzustellen.“

            Richtig. Das gleiche sieht man auch in anderen Zusammenhängen: Kritik an Europäern fällt oft deswegen besonders hart aus, weil man impliziert, dass man von diesen im Grunde besonders edlen Menschen besseres erwarten kann als von Nichteuropäern.

            „Das Christentum wurde durch Missionierung und Kolonisierung als Machtinstrument verbreitet“ - „Der Islam hat sich ausgebreitet.“

            Oder die relative Nichtbeachtung des arabischen Sklavenhandels.

            Oder: Russland wird implizit zugebilligt, das Völkerrecht zu brechen, bzw. werden Gründe dafür gesucht, warum es das tat, und diese Gründe liegen eben im Westen. Nach dem Motto „Weil der edle Europäer für den Russen kein gutes Vorbild mehr ist, tut der Russe eben das, was Russen so tun.“

            Als könnte man von Nichteuropäern eben nichts anderes erwarten und als seien sie nicht imstande, aus eigener Kraft und Willen Böses zu tun.

  • Viele wohlfeile Worte, um letztlich doch nur zu sagen, dass man das Völkerrecht einfach mal Völkerrecht sein lassen kann, wenn es um das Greater Good geht, wenn also ein Regime zur Rechenschaft gezogen wird, weil es seine Einwohner tötet und den Terrorismus fördert.

    Diese edlen Motive sind aber halt nicht die Motive von Trump und Netanjahu. Trump geht es (vielleicht, man weiß es nicht genau) um die iranischen Ölvorkommen, und Netanjahu geht es darum, die politische (nicht in erster Linie: militärische) Macht, die ein atomare bewaffneter Iran für die Region dargestellt hätte, zu verhindern, würde diese doch seine aggressiv-expansorische Likud-Politik eingrenzen.

    • @EffeJoSiebenZwo:

      "Netanjahu geht es darum, die politische (nicht in erster Linie: militärische) Macht, die ein atomare bewaffneter Iran für die Region dargestellt hätte, zu verhindern, würde diese doch seine aggressiv-expansorische Likud-Politik eingrenzen."



      Gar so simpel-einseitig ist dann natürlich nicht. Israel hat Richtung Iran tatsächlich ein reales Interesse an Selbstverteidigung. Auch wenn man Netanjahu mal völlig außen vor lässt und unterstellt, dass Israel keine expansorische Politik hat.

    • @EffeJoSiebenZwo:

      Ein atomar bewaffneter Iran würde nicht die Likud-Politik "eingrenzen", sondern Israel mit dem Ziel seiner Vernichtung angreifen - unabhängig davon, wer in Israel regiert.

      • @Budzylein:

        Genau das ist die Argumentation von Netanjahu. Aber genau das denke ich eben nicht. Was sich ergeben würde, wäre die Nahost-Variante eines ‚Gleichgewicht des Schreckens‘.



        Nur um es klarzustellen: ich will nicht, dass Iran die Bombe bekommt. Aber der Casus Belli, dass Iran dann sofort Israel auslöscht, ist me eben vorgeschoben. Mit wäre am liebsten, wenn kein Land im Mittleren Osten die Bombe hat. Eigentlich überall.

        • @EffeJoSiebenZwo:

          Das ist nicht die Argumentation von Netanjahu, sondern die Staatsideologie des Mullah-Regimes, die auch schon (religiös begründete) Staatsdoktrin war, als Netanjahu noch nicht Ministerpräsident Israels war.

    • @EffeJoSiebenZwo:

      Ich finde der Autor nimmt wunderbar Bezug auf Ihren Kritikpunkt:

      - Die meisten iranischen Oppositionellen glauben derzeit wohl kaum, dass ihre Interessen in jeder Hinsicht deckungsgleich mit denen Israels oder Amerikas unter Trump sind.

      "Netanjahu geht es darum, die politische (nicht in erster Linie: militärische) Macht, die ein atomare bewaffneter Iran für die Region dargestellt hätte, zu verhindern, würde diese doch seine aggressiv-expansorische Likud-Politik eingrenzen."

      Befürworten Sie also einen Iran mit Atomwaffen, weil er einen dringend benötigten Antagonisten zu Israel in der Region darstellen würde?

      • @Pawel_ko:

        ‚Befürworten Sie also einen Iran mit Atomwaffen, weil er einen dringend benötigten Antagonisten zu Israel in der Region darstellen würde?‘

        Nein, sicherlich würde ich keinen Iran mit Atomwaffen befürworten. Aber Sie kratzen schon am Thema: gerade weil Israel ja Atommacht ist, kann es sich so aggressiv aufführen, wie es es eben macht. Insofern würde ich auch für ein Israel ohne Atomwaffen und sonstige WMDs plädieren.

        • @EffeJoSiebenZwo:

          Da sind wir uns einig. Ich wünschte auch, Israel würde keine Atomwaffen brauchen.



          Aber Israel wurde seit seiner Staatsgründung mehrfach militärisch angegriffen. 1948 griffen nach der Gründung Israels die Armeen von Ägypten, Jordanien, Syrien, Irak und Libanon an, um den neuen Staat zu zerstören. 1973 folgte der Jom-Kippur-Krieg, als Ägypten und Syrien Israel überraschend angriffen. Zusätzlich kam es später immer wieder zu Angriffen nichtstaatlicher Gruppen wie Hamas oder Hisbollah, etwa durch Raketenbeschuss.



          Diese Angriffe gelten im Übrigen überwiegend als völkerrechtswidrig, auch wenn einzelne Staaten sie politisch als legitim darstellten.



          Das heißt jedoch nicht, dass Israel keine Kriegsverbrechen begeht. Es ist leider davon auszugehen, dass solche in Kriegen immer wieder vorkommen. Dennoch sind die sicherheitspolitischen Motive Israels für mich in Teilen nachvollziehbar, besonders mit Blick auf den Iran.



          Und nein, Israel handelt dabei nicht primär im Interesse der Iraner, sondern vor allem zum Schutz der eigenen Bevölkerung und auch aus innenpolitischem Kalkül.



          Am Ende ist die Realität selten nur schwarz oder weiß, oft liegt sie irgendwo im Graubereich.

    • @EffeJoSiebenZwo:

      Eine Interessenkongruenz ist schon offensichtlich.

      Die Unterstützung des Terrorismus ist Netanjahus Hauptproblem mit dem Iran.

      Ohne den 7.10. würde es gerade diesen Krieg mit Iran nicht geben.

      Die Hamas ist noch da.

      Bislang hat Netanjahu versagt.

      Trotz vieler Toter.

      Dass man in Israel das Völkerrecht "distanziert" betrachtet, ist nicht verwunderlich.

      Wo war denn das Völkerrecht beim Massacker?

      Hat es Israel unterstützt?

      Insofern geht es aus israelischer Sicht nicht mal um "Greater goods".

      Es geht für Israel um leere Worte versus Selbstschutz.

      Wer auch immer ein Form von Verständigung (Ich möchte nicht mal von Frieden reden.) schaffen will, darf das Sicherheitsbedürfnis Israels nicht ignorieren.

      Wie wenig man auch immer Netanjahu leiden kann.

      Da bieten die UN und das Völkerrecht nichts.

      Jedes " Good" ist " greater" als " no good".

      • @rero:

        Dem wäre ja leichter zuzustimmen, wenn Israel ein Musterstaat wäre. Aber da ist Gaza und die Westbank

  • Btr. dem Terror-Vorwurf, Artikel-Zitat:

    "Als einer der prominenten Drahtzieher des Amia-Attentats gilt Ahmad Vahidi. Gegen ihn liegt ein internationaler Haftbefehl vor.



    ... und seit März ist er nun der amtierende Chef der Islamischen Revolutionsgarde (IRGC), des Staats im Staate des Mullahregimes."

    Zitat Wikipedia-Artikel des Attentats dazu:

    "Version des israelischen Geheimdienstes

    Der israelische Geheimdienst Mossad kam in seiner internen (und von der New York Times 2022 teils veröffentlichten) Untersuchung zu dem Schluss, .... Der Iran war laut der Mossaduntersuchung am Anschlag nicht direkt beteiligt, hieß jedoch die Aktion gut. ..."

    "Als Urheber und Auftraggeber werden die Hisbollah und Iran vermutet; die Ermittlungen hinsichtlich der Urheberschaft sollen, nach Angaben von Wikileaks, von der US-Botschaft beeinflusst worden sein,[5][6] und „nicht auf in Argentinien selbst ermittelten Beweisen, sondern auf Informationen der US-amerikanischen und israelischen Geheimdienste beruhen“.

    Ich denke man sollte damit forsichtig sein den Iran die Hauptschuld an dem Anschlag zu-zu schreiben.

  • Iran, der "Hauptaggressor im Mittleren Osten"? Dass die Atommacht Israel regionalen Hegemonialanspruch geltend macht und dazu andere Staaten systematisch destabilisiert, wie Libanon und die antiiranische Revolutions-Regierung in Syrien, scheint dem Autor entgangen zu sein.



    Natürlich ist das Mullah- Regime nach demokratischen Kriterien eine blutige Diktatur, die gestürzt werden sollte. Aber eben nicht von aussen, durch den möglichen Kriegsverbrecher Netanjahu oder den Möchtegerndiktator Trump, denen nicht das Schicksal der Bevölkerung des Iran am Herzen liegt, sondern allein ihre eigene imperialistische und suprematistische Agenda.



    Es hätten sehr wohl andere Optionen zur Destabilisierung des Regimes zur Verfügung gestanden, z.b. die konsequente politisch-organisatorische Unterstützung von angeblichen, jetzt toten Alternativpolitikern im Regime selber, Verhandlungen und logististische Unterstützung/Einigung der Opposition.



    Nein, Trump und Netanjahu, besoffen von ihren militärischen Erfolgen in Venezuela oder Gaza/Westbank, wollen, ganz in Putins Sinne, der Welt ihre neue Brutalo-Ordnung aufdrücken, koste was es wolle, im Sinne des Rechts des Stärkeren

    • @Rinaldo:

      Der Libanon wird durch den Iran-Proxy Hisbollah destabilisiert. Ohne die Hisbollah-Angriffe auf Israel wäre zwischen Israel und dem Libanon gar nichts los.

      Iran destabilisiert den Nahen Osten auch durch die Houthis, die Hamas und früher auch durch die Unterstützung des Assad-Regimes. Israel hat hingegen in keinem Staat des Nahen Ostens destabilisierende Kräfte installiert oder unterstützt.

    • @Rinaldo:

      "Hegemonialanspruch geltend macht und dazu andere Staaten systematisch destabilisiert"

      Ich weiß ja nicht wie Sie das sehen, aber Terrororganisationen zu finanzieren und fördern, Oppositionelle weltweit umzubringen, Waffen an Russland zu liefern finde ich auch sehr destabilisierend.

      "z.b. die konsequente politisch-organisatorische Unterstützung"

      Spannende Theorie. Wäre von innen ein Change möglich gewesen...vielleicht. Dies lässt sich im Nachhinein leider nur spekulieren. Aber für zig tausend getötete Protestanten war es leider nicht möglich von innen heraus.

      "der Welt ihre neue Brutalo-Ordnung aufdrücken, koste was es wolle, im Sinne des Rechts des Stärkeren"

      Keine Frage verfolgen Netanjahu und Trump egoistische Ziele. Schreibt ja selbst der Autor. Trotzdem besteht eine Chance, dass diese mit einem Regimechange korrelieren

  • Es geschehen noch Zeichen und Wunder: Eine Stimme, die sich klar gegen die Heuchelei mancher Fans des Völkerrechts wendet. Solcher Fans, die sich natürlich nur auf dasselbe beziehen, wenn sie meinen, es gegen Israel oder die USA wenden zu können. Danke.

  • "Es ist seltsam, mit welcher Vehemenz sich Völkerrechtsexperten nach dem Angriff auf das iranische Terrorregime nun zu Wort melden."



    Es ist viel seltsamer, davon auszugehen, dass jemand wie Trump aus Menschenliebe Kriege anzettelt.

    Bei allem Verständnis für den Autor. Weil es gerade nützlich erscheint, ist es in Ordnung, Recht zu brechen? Wenn es so sein sollte, braucht niemand eine Rechtsordnung. Dann kann der Iran - falls er die Macht hätte - ebenso handeln. Dann ist der Überfall auf die Ukraine durch Russland auch ok. Wäre ja alles nur eine Frage der Perspektive - vorausgesetzt die eigenen geeigneten Nordwerkzeuge stehen zur Verfügung.

    • @Nansen:

      Niemand geht davon aus, nicht mal die BILD.

    • @Nansen:

      Das irnaische Mullahregime hat jeden Tag das Völkerrecht verletzt. Wo waren die gleichen Experten da mit ihren salbungsvollen Vorträgen? Es geht einfach nur darum einmal realistisch zu sein und nicht Israel als einziges Land der Region an einer fiktiven Elle zu messen.

      • @Šarru-kīnu:

        China und Russland verletzen ebenfalls jeden Tag die Menschenrechte. Sollen die Ihrer Ansicht nach demnächst ebenfalls vom Gottkönig Trump angegriffen werden?

      • @Šarru-kīnu:

        Billige Polemik.



        Können Sie eine:n dieser Völkerrechtler:innen zitieren, wie sie/er die Mullahs rechtfertigt?

      • @Šarru-kīnu:

        "Das irnaische Mullahregime hat jeden Tag das Völkerrecht verletzt"



        Da ist es mit Israel in guter Gesellschaft.

    • @Nansen:

      "Es ist viel seltsamer, davon auszugehen, dass jemand wie Trump aus Menschenliebe Kriege anzettelt."

      Darauf nimmt der Autor Bezug:

      "Die meisten iranischen Oppositionellen glauben derzeit wohl kaum, dass ihre Interessen in jeder Hinsicht deckungsgleich mit denen Israels oder Amerikas unter Trump sind."

      Aber dennoch bietet sich eine Chance sich von diesem System zu befreien.

      Und der Angriff von Russland ist natürlich nicht okay, findet aber ja trotzdem statt. Als ob der Iran Israel nicht angreifen würde wenn er die Mittel dazu hätte weil es gegen das "Völkerrecht" verstößt. Die finanzieren Terrorbanden und begehen Massenmord am eigenen Volk. Jemand der solche furchtbaren Dinge seit Jahrzehnten tut, wird sich dann nicht von einem "Völkerrecht", von dem erklärten Ziel Israel zu vernichten, abhalten lassen.

      • @Pawel_ko:

        Ich finde auch, Völkerrecht wird überbewertet. Wenn wir z.B. in 30 Jahren Schlesien wieder mit uns vereinigen wollen oder unsere Missbilligung über die Benes-Dekrete ausdrücken wollen, dann wäre es nur hinderlich. /s Wir hatten schon wenige rote Linien, auf die "wir" "uns" im Völkerrecht einigen konnten - das Verbot des Angriffskrieges gehört(e?) dazu. Wenn das weg fällt, dann nimmt sich jeder Staat, was er als seines betrachtet. Und zwar dieses Mal, weil es inzwischen richtig ist.

        • @Peter Rabe:

          „Völkerrecht wird überbewertet.“



          Kein Zitat von mir. Ich habe geschrieben, dass sich „Schurkenstaaten“ ohnehin nicht an das Völkerrecht halten. Wenn Deutschland in 30 Jahren in Schlesien einmarschieren wollte, würde es dafür einen Vorwand finden. Vielleicht schickt dann ja jemand 5000 Helme nach Schlesien, um die Menschen dort beim Widerstand gegen den völkerrechtswidrigen Angriff zu unterstützen.

  • Wer nun die schlimmeren sind, die Mullahs oder Ben Gvir und seine Freunde, eigentlich könnte es uns ja egal sein ... wenn nicht hier ein Szenario ausgespielt würde, welches uns vor 50 Jahren als ein möglicher Anfang des dritten Weltkrieges beschrieben wurde.

    Ich glaube immer noch nicht, daß dieser Krieg notwendig oder eine gute Idee war. Und ich bin mir nicht sicher, wie das ausgeht. Die Bedrohung der Entsalzungsanlagen als mögliche Eskalation könnte über 100 Millionen Menschen in die Flucht treiben. Eine Atombombe kann kaum schlimmer sein, der Iran braucht sie zur Erpressung gar nicht.

    Die Erfahrungen aus dem Irak-Krieg, der ja so ganz anders sein sollte als der Vietnam-Krieg, lassen mich heute halt bezweifeln, daß der Iran-Krieg so ganz anders als der Irak-Krieg ausgehen werden.

    Am 13. Dezember 2003 verkündete Paul Bremer mit den Worten "We got him" die Verhaftung von Saddam Hussein ... unter Applaus, weil jetzt ja alles besser würde. Danach brach im Irak die Ordnung völlig zusammen und es folgten Jahrzehnte des Terrorismus, eigentlich bis heute.

    Also vielleicht doch lieber die Klappe halten und beten: Herr, schmeiß Hirn vom Himmel?!

  • Dem kann ich nur zustimmen. Die regierenden kosmopolitischen Schwerverbrecher aus den USA und Israel werden mit ihrer Kleptokratie, Korruption, ihrem Atomprogramm und ihrer Kriegsökonomie schon wissen, was sie im Iran machen. Wir sollten es auf jeden Fall nicht kritisch angehen. Wer es tut, ist verdächtig.

  • Vielen, vielen lieben Dank Herr Fanizadeh

    Ich hoffe Ihr Text erreicht den ein oder anderen der mit Scheuklappen immer auf "Völkerrecht" pocht und die Gefahr und die Verbrechen des Regimes stur ausblendet.

    Mit Russland und China als Verbündeten des Irans wird es immer ein Veto geben.

  • Niemand sollte das Recht haben, sich über die internationale Weltordnung zu erheben, auch nicht die USA und Israel. Hier wird schlicht und einfach Selbstjustiz verübt bzw. das "Recht des Stärkeren" über internationales Recht erhoben.

    • @Weitsicht80:

      Bis 1977 galt im deutschen Eherecht ein Modell, in dem der Mann rechtlich eine Vorrangstellung hatte. Er galt als „Haushaltsvorstand“, und eine verheiratete Frau durfte nur arbeiten, soweit dies mit ihren Pflichten in Haushalt und Familie vereinbar war. Erst mit der Eherechtsreform von 1977 wurde dieses Leitbild abgeschafft und die rechtliche Gleichstellung der Ehepartner umgesetzt.



      Auch männliche Homosexualität war lange strafbar. Der §175 StGB stellte sexuelle Beziehungen zwischen Männern unter Strafe. In der Bundesrepublik wurden zwischen 1949 und 1969 rund 50.000 Männer verurteilt. Der Paragraph wurde 1969 und 1973 schrittweise gelockert und schließlich 1994 vollständig gestrichen.



      Beides zeigt: Etwas kann rechtlich zulässig sein und dennoch aus heutiger Sicht ungerecht oder diskriminierend wirken. Gesetze spiegeln die Werte ihrer Zeit wider und können sich ändern. Vor diesem Hintergrund stellt sich auch auf internationaler Ebene die Frage, ob bestehende Strukturen noch zeitgemäß sind, etwa wenn einzelne Staaten durch Vetorechte Entscheidungen blockieren können (China/Russland)

      • @Pawel_ko:

        Das internationale Recht ist sehr dynamisch und einem stetigen Wandel unterzogen, bedingt schon durch das Völkergewohnheitsrecht.

        Sie vermischen in ihrem Kommentar zwei Komponenten die nicht zusammen gehören und unabhängig voneinander betrachtet werden müssen.

        Wenn sie ein Gesetz erlassen, kann es noch so gut ausformuliert sein, wird jedoch wirkungslos bleiben, wenn sie nicht auch einen Gerichtshof einrichten, der die Rechtssprechung übernimmt.

        Das Gewaltverbot gemäß UN Charta und die Souveränität der Staaten kann eigentlich kein vernunftbegabter Mensch in Frage stellen.

        Es ist daher nicht das Recht welches modernisiert werden muss, sondern der Prozess seiner Durchsetzung und der kann wiederum nur von der internationalen Staatengemeinschaft ausgehen und nicht von einzelnen Staaten.

        Insofern zielen ihre Beispiele hinsichtlich des Verhältnisses von Recht und Zeitgeist in dieser Angelegenheit ins Leere bzw sind ein unpassender Vergleich.

        • @Sam Spade:

          Das Problem ist, dass die Staaten erstens nicht gleich mächtig sind. Warum sollten sich die "Starken" den "Schwachen" unterordnen? Zweitens gibt es (mehr oder weniger) demokratisch verfasste Staaten und welche, die nicht so demokratisch sind. Die internationalen Institutionen werden auch mit Vertretern undemokratischer Staaten bestückt.



          Der Begriff "Internationale Staatengemeinschaft" suggeriert ein Gemeinschaft von Gleichen, ähnlich der (formal) gleichen Bürger:innen eines Rechtstaates.



          Die Staatsbürger werden auch durch diesen Staat geschützt. Eine "Weltpolizei" gibt es nicht. Bzw. dies Rolle wird durch den (Noch-)Welthegemon USA eingenommen.



          Das kann man schlecht finden.



          Ob eine "multipolare Weltordnung" besser wäre?

        • @Sam Spade:

          "...sondern der Prozess seiner Durchsetzung, der wiederum nur von der internationalen Staatengemeinschaft ausgehen kann und nicht von einzelnen Staaten."



          Und ist das passiert? Zeit genug gab es schließlich. Der Iran destabilisiert schon lange eine ganze Region.



          "Das Gewaltverbot gemäß UN-Charta und die Souveränität der Staaten kann eigentlich kein vernunftbegabter Mensch in Frage stellen."



          In der Theorie haben Sie wieder einmal vollkommen Recht. Nur tun das schon die Russen, die Iraner durch ihre Proxys, China wahrscheinlich bald mit Taiwan, Nordkorea würde es mit Südkorea tun, wenn es militärisch könnte, China mit Japan … Glauben Sie wirklich, dass das Wort "Völkerrecht" diese Nationen davon abhält? Sind Sie echt davon überzeugt, dass der Iran Israel nicht direkt angreift, weil es fürchtet, gegen das Völkerrecht zu verstoßen? Oder liegt es eher am militärischen Potenzial und an Israels Verbündeten?

    • @Weitsicht80:

      Massenmord, Terrorismus und Proxy wars sind auch gegen das Völkerrecht schert den Iran nicht.

      • @Machiavelli:

        "Massenmord, Terrorismus und Proxy wars sind auch gegen das Völkerrecht schert den Iran nicht."



        Unrecht gegen Rechtsbrecher wird kein Recht. Die betreffende Nation wird nur selber zum Schurkenstaat.