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Volksabstimmungen gegen DemokratiekriseÜbers Kreuz

Die Unzufriedenheit mit der Politik wächst, die AfD profitiert. Bundesweite Volksabstimmungen könnten das ändern – worauf warten wir noch?

Mehr direkte Demokratie wagen und den Menschen signalisieren: Eure Meinung zählt, wir nehmen euch als mündig wahr Foto: Karsten Thielker

E s ist noch gar nicht lange her, im Sommer 2021, da lag die AfD in den Umfragen bei harmlosen 10 Prozent. Die Pandemie war noch bestimmendes Thema und Angela Merkel die letzten Monate im Amt. Im Zeitverlauf sieht man, wie sich die blaue Linie seitdem nach oben schlängelt. Im Frühsommer 2023 – die Ampelregierung zerlegt sich öffentlich wegen des Heizungsgesetzes – kreuzt sie den Weg von Grünen und SPD. Sie windet sich hinauf, bei der Bundestagswahl 2025 nähern sich die schwarze und die blaue Linie weiter an.

Heute, nach nur einem Jahr an der Macht, ist die schwarz-rote Regierung so unbeliebt wie die Ampel kurz vor dem Bruch. Inzwischen hat die blaue Linie auch die schwarze überwunden. Die AfD liegt bei 27 Prozent, sie erhält mehr Zustimmung als alle anderen Parteien.

Die blaue Schlange hebt den Kopf. Und man fragt sich schaudernd, was noch kommt.

Die Sorge, was die Zukunft oder ganz konkret: die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt bringen wird, ist bei Gesprächen mit Freund*innen am Kneipentisch so präsent wie in den Kommentaren der Zeitungen. Die taz titelte vergangene Woche „Alarmstufe Blau“, im Text warnte der Autor vor einem „gesellschaftlichen Kipppunkt“. In der Zeit wird eine Wand zwischen Regierenden und Volk beschrieben, eine „Systemmüdigkeit, die größer ist als jede Koalition“.

Was aber tun? In der Kneipe folgt auf diese Frage bedrücktes Schweigen. Auch die meisten Kommentator*innen bleiben eine Antwort schuldig. Das ist nicht verwunderlich, schließlich reden schon sehr viele schlaue Leute schon sehr lange darüber, was nötig wäre, um der AfD und der Politikverdrossenheit beizukommen. Es hat alles nicht geholfen.

„Die Leute würden sich ernst genommen fühlen“

Eine alte neue Forderung machte zuletzt die Runde. Gregor Gysi von der Linkspartei brachte im Februar im Spiegel bundesweite Volksabstimmungen ins Gespräch. „Die Leute würden sich ernst genommen fühlen“, sagt er. Das sei wichtig, „sonst kämpfen die nicht um die Demokratie“. Anfang Mai forderte auch Wolfgang Kubicki, der an diesem Wochenende FDP-Chef werden will, Volksentscheide auf Bundesebene. Das wäre „für den inneren Frieden im Land ein Segen“.

Was stimmt: Das Problem ist so grundlegend, so systemisch, dass auch die Antwort darauf grundlegender sein muss, als nur den nächsten Sommer/Herbst/Winter der Reformen auszurufen.

Nun sehen viele direkte Demokratie auf Bundesebene skeptisch. Auch ich dachte früher, das könnte riskant sein. Es schien zudem nicht nötig, die repräsentative Demokratie funktionierte ja. Doch die Zeiten sind andere. Heute könnten bundesweite Volksabstimmungen tatsächlich genau das sein, was fehlt. Sie könnten dem politischen System wieder zu jenem Vertrauen verhelfen, das gerade Stück für Stück verloren geht.

Die Forderung danach ist so alt wie die Bundesrepublik selbst, sie wurde im Laufe der Jahrzehnte immer populärer. Noch in den 10er Jahren sah es so aus, als könnten bundesweite Volksabstimmungen bald Wirklichkeit werden. SPD, Grüne, Linkspartei, FDP hatten sie in ihrem Programm, selbst die CSU, nicht aber die CDU. Für eine entsprechende Änderung des Grundgesetzes bräuchte es eine Zweidrittelmehrheit in Bundestag und Bundesrat. Es kam nicht dazu.

Könnten sich Populist*innen das zunutze machen?

Die ehemalige Verfassungsrichterin Gertrude Lübbe-Wolff hat sich intensiv mit den Vor- und Nachteilen der direkten Demokratie beschäftigt und 2023 ein kluges Buch darüber veröffentlicht: „Demophobie. Muss man die direkte Demokratie fürchten?“

Dass die Idee bundesweiter Volksabstimmungen in Deutschland in den vergangenen Jahren in den Hintergrund gerückt ist, führt sie auf das abschreckende Brexit-Votum 2016 zurück, auf den Wahlsieg Donald Trumps im selben Jahr und auf die AfD, die sich das Thema zu eigen gemacht hat. Diese „Schocks“ hätten zu einer „neuen Angst vor dem Bürger als Entscheider“ geführt.

Womit wir bei den Argumenten gegen Volksabstimmungen auf Bundesebene sind. Wären die Fragestellungen wirklich zu schwierig, um von normalen Menschen entschieden zu werden? Könnten sich Populist*innen das zunutze machen? Gertrude Lübbe-Wolff hält dagegen. Sie fragt: Warum sollte man den Menschen die viel komplexere Wahl von Repräsentanten für eine ganze Legislaturperiode zutrauen, aber nicht, über einzelne Sachthemen zu entscheiden?

Die Forschung zeigt: Volksabstimmungen gehen Debatten über das jeweilige Thema voraus, sie sind eine Form von politischer Bildung. Die Leute wissen am Ende mehr, als wenn die Frage nur im Parlament verhandelt würde. Der Politikwissenschaftler Wolfgang Merkel spricht in diesem Zusammenhang von „intensivierten Diskursen“.

Manche halten das Volk, wenn sie ehrlich sind, schlicht für zu dumm für direkte Demokratie

Auch Positionen außerhalb des etablierten Politik- und Medienbetriebs hätten Chancen, Gehör zu finden. Die Diskurse, sagt Merkel, „befreien sich dabei häufig von den üblichen Personaldebatten und verlagern sich auf Sachfragen“.

In der Schweiz, wo Volksabstimmungen eine lange Tradition haben, wird eine Broschüre an alle Haushalte verteilt mit Argumenten der Befürworter*innen und der Gegner*innen. Auch die Berliner*innen haben vor den Volksentscheiden auf Landesebene, zum Erhalt des Tempelhofer Felds oder zur Enteignung großer Wohnungskonzerne, Post erhalten mit Infos, ebenso die Bayern, bevor sie für ein striktes Rauchverbot in der Gastronomie stimmten. So soll die Verbreitung von Fake News vermieden werden.

Unter anderem wegen der Fake News taugt auch das Brexit-Votum nur begrenzt als Negativbeispiel für Volksabstimmungen. Die Verbreitung von groben Fehlinformationen durch Amtsträger wie damals in Großbritannien hätte unterbunden werden müssen, schreibt Gertrude Lübbe-Wolff. Wie genau, lässt sie offen. Die Brexit-Abstimmung sei jedenfalls ein Beispiel, „wie direkte Demokratie auf keinen Fall organisiert sein sollte“.

Intensive Debatten hin oder her: Manche halten das Volk, wenn sie ehrlich sind, schlicht für zu dumm für direkte Demokratie. Daraus spricht allerdings eine Herablassung, die mit Demokratie an sich schwer vereinbar ist. „Alle Gewalt geht vom Volke aus“, heißt es bekanntlich im Grundgesetz. Wer meint, Politiker*innen wüssten es per se besser als die Bevölkerung, der gibt letztlich jenen recht, die auf das abgehobene Establishment in Berlin schimpfen und die sich über „betreutes Denken“ beschweren.

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Ein gewichtigerer Einwand ist die Angst vor einer Tyrannei der Mehrheit – also die Sorge, dass über den Weg der Volksabstimmungen Minderheitenrechte beschnitten werden könnten. Auch das hinge von der Ausgestaltung ab.

Das Verfassungsgericht müsste vorab prüfen, ob das jeweilige Anliegen mit dem Grundgesetz vereinbar ist. Wenn nicht, wird es gar nicht erst zugelassen. Minderheitenrechte blieben gewahrt. Ein „Minarettverbot“, wie 2009 in der Schweiz beschlossen, wo eine Verfassungskontrolle auf Bundesebene nicht existiert, würde so verhindert.

Umgekehrt kann direkte Demokratie Minderheiten auch zu mehr Rechten verhelfen. Wie in Irland, wo 2015 die Homoehe per Referendum eingeführt wurde. Die Schweizer*innen beschlossen 2020 ein Verbot von Hass und Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung. Ein Jahr später sagten auch sie Ja zur Ehe für alle. Das Volk ist nicht per se minderheitenfeindlich.

Bleibt das Argument, dass direkte Demokratie die soziale Schieflage verstärke. An Volksabstimmungen beteiligen sich im Schnitt weniger Menschen als an Wahlen. Eine geringere Beteiligung gehe zu Lasten der unteren Schichten, schreibt der Politikwissenschaftler Wolfgang Merkel.

„Nicht das Volk in seiner Gesamtheit, sondern die höheren und mittleren Schichten, die Gebildeten und überproportional die Männer stimmen typischerweise bei Referenden ab.“ Wolfgang Merkel kommt deshalb zu dem Schluss: Die Interessen des unteren Drittels der Gesellschaft „sind in repräsentativen Institutionen besser aufgehoben“.

Mitbestimmen statt meckern

Wie vergleichbar die Zahlen der verschiedenen Länder und Abstimmungen allerdings sind, da gehen die Meinungen auseinander. Angesichts von Umfragen müsste man auch als Linke Hoffnung haben dürfen: Vier von fünf Deutschen finden es aktuell ungerecht, wie der Wohlstand im Land verteilt ist. Die Ungleichheit nimmt stetig zu, das repräsentative System hat es bislang nicht vermocht, daran etwas zu ändern. Könnte die Einführung direkter Demokratie hier endlich Bewegung reinbringen?

Vor allem aber, und das ist angesichts der aktuellen Lage der wichtigste Punkt, könnten bundesweite Volksabstimmungen das Vertrauen der Menschen in die Demokratie insgesamt stärken. Sie könnten bei konkreten Fragen mitentscheiden, sie würden sich als selbstwirksam erleben.

Das hätte Auswirkungen auf das ganze System: In jenen Ländern, in denen es mehr direkte Demokratie gibt, ist auch das Vertrauen in die Repräsentanten und in die Institutionen größer. „Das demokratische System erhält dadurch eine notwendige Legitimationszufuhr“, schreibt Wolfgang Merkel. Das gilt insbesondere, wenn es sich nicht um Referenden von oben handelt, wie sie Gregor Gysi ins Gespräch gebracht hat, sondern wenn die Themen aus der Zivilgesellschaft kommen, wie es dem Verein „Mehr Demokratie“ vorschwebt.

Die Verantwortung für getroffene Entscheidungen könnte dann nicht mehr „denen da oben“ zugeschoben werden, auch nicht, wenn sie sich rückblickend als falsch erweisen. „Es hat große Vorteile, wenn man seine Fehler selber machen darf“, schreibt Lübbe-Wolff. Das beuge „der vulgären Politikverachtung vor, die alles Missliche der Inkompetenz oder dem schlechten Charakter der politischen Repräsentanten anlastet“.

Ralf-Uwe Beck, langjähriger Aktivist beim Verein „Mehr Demokratie“, bezeichnet Volksabstimmungen denn auch als „Frustschutzmittel“ der Demokratie.

Bürgerräte reichen nicht

Obwohl mit Bärbel Bas eine langjährige Verfechterin bundesweiter Volksabstimmungen zurzeit SPD-Chefin ist, fokussiert sich die Partei heute auf Bürgerräte, ebenso die Grünen. Wie schade. Denn der Effekt dürfte hier ungleich geringer sein, einfach weil in einem Bürgerrat nur sehr wenige Menschen mitwirken können.

Mit direkter Demokratie auf Bundesebene würde man dagegen allen Abstimmungsberechtigten im Land signalisieren: Eure Meinung zählt. Es hieße, jenen die Hand zu reichen, die sich von den etablierten Parteien nicht mehr repräsentiert sehen und die sich innerlich teils schon verabschiedet haben. Die Einführung von Volksabstimmungen würde ihnen die Chance bieten, sich wieder als Teil des Ganzen zu begreifen.

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Das könnte der blauen Schlange die Kraft nehmen. Sicher, wer die AfD aus tiefer Überzeugung wählt, wird das weiter tun. Andere könnte man aber erreichen. Man sollte darüber nachdenken.

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111 Kommentare

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  • „ Wären die Fragestellungen wirklich zu schwierig, um von normalen Menschen entschieden zu werden? Könnten sich Populist*innen das zunutze machen?“

    Ein Wort:

    Brexit.

  • Wir haben jetzt seit fast 80 Jahren dieses System und das ist gut so.



    Das einzige was man ändern könnte sind die Zyklen der Wahlen. Man sollte alle Regierungen, Bund und Länder, auf 6 Jahre wählen. Ob der Regierungschef dann noch mal antreten darf (1X, 2X ) ist dann Auslegungssache.



    Gewählt werden Bund und Landtage dann immer am selben Tag,



    weil Momentan ist ja das größte Problem das sich keine Partei im Bund mehr irgendwelche Entscheidungen zutraut weil ja irgendeine Landtagswahl ansteht. Außerdem



    erspart es der Bevölkerung einen Haufen sinnlosen Wahlkampfes und Umfragewerte. Scheitert eine Regierung früher, regiert die Nachfolgeregierung nur in der Restzeit bis zum nächsten Termin.



    Das ganze währe auf jeden Fall Demokratischer als Bürgerräte oder Bürgerentscheide.

  • Warum werden im Artikel nicht Bürgerforen als Alternative zu Volksabstimmungen genannt?



    Wo immer bis jetzt Bürgerforen abgehalten wurden, waren die Ergebnisse wohlausgewogen und teilweise überaschend- siehe in Irland mit der Abtreibung und der weitergehenden Gleichstellung.



    Das wäre mit einer Volksabstimmung nicht so gekommen.

    • @The Calif:

      Weil Bürgerforen nichts entscheiden.

      Wenn ich die Grundmeinung hätte, "die da oben" würde nur in die eigene Tasche schaufeln, und mir mehr Mitbestimmung wünschen würde, dann würde mir ein Bürgerforum gar nichts bringen.

      Dann würde nur der elitäre Kreis durch Losverfahren erweitert.

      Während sich immer noch niemand für meine Meinung interessiert.

      Mein Vertrauen in den Staat oder die Politik würde dadurch kein Stück größer.

      Bürgerforen sind was für Leute, die das Vertrauen bereits haben.

  • Das Grundmissverständnis ist glaube ich, dass man unterstellt, dass die Diskurse in der Zivilgesellschaft grundsätzlich besser - also offener, sachbezogener und weniger profit- und interessengelenkt seien. Das halte ich für falsch.

    Politiker stehen sehr wohl stellvertretend für die Gesellschaft. Schön ist immer zu sehen, dass je mehr sich Privatmenschen für Politik interessieren, desto ähnlicher werden sie in der Argumentation den Berufspolitikern -> Freund-Feind-und Nullsummen-Denke. Die Gegenseite ist auch immer dumm und moralisch verkommen. Und wenn man genau hinschaut geht es den meisten bei "Gerechtigkeit" nur um mehr Vorteile für sich selbst.

    Echte Demokraten, also jene die auch einen Mehrheitsbeschluss, den selbst ablehnen, trotzdem aus Überzeugung mittragen sind eher selten.

    Hier im Forum kann man das auch gut sehen. Es wird bei den Befürwortern davon ausgegangen, dass die eigenen politischen Interessen durch Plebiszite besser zur Geltung kommen. Man ist auch hier eher auf den (vermeintlichen) strategischen Vorteil des eigenen Lagers aus, als auf die Umsetzung partizipatorischer Prinzipien....

    • @Chris McZott:

      Richtig.

      Speziell die Grünen mussten zB feststellen, dass Volksentscheide auch richtig nach hinten losgehen können. In Hamburg hatten sie sie durchgesetzt. Gleich der erste Volksentscheid machte dann ihre lang erkämpfte Schulreform rückgängig, nachdem eine gut mit der Springerpresse vernetzte Minderheit aus Blankeneser Eltern eine monatelange Kampagne dagegen gefahren hatte.

    • @Chris McZott:

      Ich pflichte Ihnen bei.

    • @Chris McZott:

      Theoretisch sollten Politiker für die Gesellschaft stehen. Die Praxis sieht leider anders aus.

      Das kann man zum Beispiel an der Frage einer höheren Besteuerung von Milliardären und Superreichen sehen. 80% der Bevölkerung sind dafür. Wenn Politiker wirklich die Gesellschaft repräsentieren würden, wäre das schon längst Gesetz.

      Volksabstimmungen sind auch garantiert kein Allheilmittel. Manches Mal dürften viele von den Ergebnissen enttäuscht sein. Trotzdem würden im Durchschnitt mehr Menschen mit der Politik zufrieden sein.

      Noch besser wäre es allerdings, wenn Politik laut Grundgesetz die Aufgabe bekäme, eine Politik zu machen, bei der zumindest 70% der Bevölkerung nicht über längere Zeit (z.B. 1 Jahr) sagen: "Naja, das ist zumindest ok" Oder umgekehrt höchstens 30% der Bevölkerung über längere Zeit (z.B. 1 Jahr) sagen: "Ich möchte sofort neu wählen". Dann wüssten Politiker, es kann ihnen nicht egal sein, ob 70% der Bevölkerung unzufrieden sind. Und dann gäbe es schon längst eine höhere Besteuerung von Superreichen, auch ohne Volksabstimmung. Denn wenn man die auch nur mit100 Mrd. € zusätzlich besteuert, könnte man eine Politik machen, mit der 80% zufriededen sind.

      • @EchteDemokratieWäreSoSchön:

        Bei Entscheidungen die zu lasten Dritter gehen ist das immer leicht.

        80% wären nur dafür wenn sichergestellt wäre, dass sie selbst finanziell nicht betroffen wären. Von der Steuer selbst, OK - das wäre wohl leicht zu erreichen. Aber was wenn Betriebsvermögen von Unternehmens betroffen wären, in denen die Menschen selber arbeiten...Da wird es dann schon wieder schwieriger.

        • @Chris McZott:

          Die Menschen, denen Die absprechen, fair zu sein, haben über Jahrzehnte verzichtet für das Wohl des Ganzen.

          Das kann man von den Milliardär Eh und Superreichen nicht behaupten. Und auch nicht von den Politikern, die ja angeblich das gesamte Volk repräsentieren sollen. Aber dann doch oft die ärmeren 50% vergessen, sondern die nur Als Manövriermasse behandeln.

  • Bin ich komplett dafür, wird aber nicht kommen, da es gegen die Interessen der Oligarchen gehen würde. Solange Geld das Mittel der Macht bleibt, wird es unter anderem weder eine richtige Demokratie noch Klimaschutz geben. Mensch darf aber natürlich träumen.

  • Volksabstimmungen sind ein grobes Instrument, welches Meinungsmanipulationen und Hetze Tür und Tor öffnet, wenn nicht eine lange Tradition und demokratische Tiefenstrukturen festigend und mäßigend dahinterstehen. Klar, die Eliten versagen aktuell in den liberalen Demokratien, aber das Volk nicht minder - zunehmend algorithmisiert, verbubbelt und der Rationalität verlustig. Eine Wahnidee, jetzt mit populisitshc aufladbaren Mechanismen dagegen halten zu wollen. Partizipative Demokratie fängt unten auf der kommunalen Ebene an und ist kleinteilig und lästig, dafür fehlt den meisten Menschen die Zeit, Kraft, Lust und/oder Bildung. Und wir erziehen ja seit Jahrzehnten auch gezielt Konsumenten statt Citoyens. Insofern ist mehr direkte Demokratie in dieser Form auch keine Lösung.

    • @hessebub:

      wer als höchstes Ziel ausruft, "Populismus" zu verhindern, der ist kein Anhänger der Demokratie.



      Populismus gehört zur Demokratie genauso wie widersprüchliche Entscheidungen, rationale Entscheidungen, irrationale Entscheidungen usw.

  • Der Artikel macht denselben Fehler, der so oft gemacht wird. Er stellt nicht die entscheidenden 3 Fragen: "Ist es in einer Demokratie in Ordnung, wenn eine Partei, die 28% der Wähler bekommen hat - das sind 17% der Bevölkerung - danach das Recht hat, für den nächsten 4 Jahre die Richtung der Politik für 100% der Bevölkerung zu bestimmen? Selbst wenn dann 70-80% der Bevölkerung damit nicht einverstanden sind? Ist das dann überhaupt eine Demokratie, d.h. eine Herrschaft des Volkes?"

    In unserem Land hat man sich daran gewöhnt, dass das so ist. Aber ist es deshalb demokratisch?

    Ein einziger zusätzlicher Artikel im Grundgesetz würde reichen, damit das grundlegend anders wird. Fehlt also vielleicht einfach nur dieser 1 Artikel im Grundgesetz?

    • @EchteDemokratieWäreSoSchön:

      Es ist ziemlich erzerrt was sie bemängeln, aber dennoch werde ich ihnen etwas erwidern.

      Es ist derzeit keine Partei mit 28% da, die zu 100% die politische Richtung bestimmt. Es sind 2 Parteien und beide bestimmen nicht 100%, nichtmal zusammen.

      Ich gebe ihnen völlig Recht, dass repräsentative Demokratie nicht einfach "Demokratie total" ist. Es ist ein Hybrid aus 2 Dingen:

      Liberalismus und Volkssouveränität, wobei es sehr einfach ist, zu zeigen, dass der Liberalismus in bspw. unserer Demokratie (dann eher treffend Republik) die Volkssouveränität deutlich bremst. auf Wahlen alle 4 Jahre und vielleicht plus den politischen Möglichkeiten, die der Liberalismus selbst öffnet (Meinungsäußerung, Demonstrationsrecht usw.)

      Das ist etwa die treffendere Charakterisierung unserer "Demokratie". Kein Geheimnis, aber das zu verstehen wird einem nicht in der Zeitung, nicht in Gemeinschaftskunde vorgelegt. Denn unser Staat mit seiner Regierungsform braucht wie jeder Staat "Magie" d.h. er ist immer da, ist immer der gute Staat, soll immer bleiben; Natur. Das ist die Magie.

      Keinen Platz mehr, viel zu viele Gedanken, das ist das los der 1200 (vorgeprüften) Zeichen.

      • @JK83:

        Naja, den Anspruch haben CDU/CSU schon, die Richtung der Politik zu bestimmen. Und die gilt dann für 100% der Bevölkerung. Z.B. die Abschaffung des 8= Stundentages, die Rentenreform, die Gesundheitsreform etc.

        Und dass sowohl die letzte als auch diese Regierung mit 80% Unzufriedenen regiert, ohne ihre Richtung gross zu ändern, zeigt, dass diese Demokratie mit einer Herrschaft des Volkes nicht viel zu tun hat.

  • Die Schweiz ist für ihre gelingenden Volksabstimmungen zu beneiden. Allerdings dürfte sich das Schweizer Erfolgsmodell auf das heutige Deutschland nicht so einfach übertragen lassen. Zum einen haben Volksabstimmungen in der Schweiz eine lange Tradition, die Leute sind quasi geschult im Umgang damit. Zum zweiten ist Demokratie in der Schweiz generell eher von unten nach oben organisiert, wie sich z.B an der starken Stellung der Kantone zeigt. Zum dritten ist der Zeitpunkt für eine Einführung auf Bundesebene in Deutschland ungünstig: Die Gemüter sind erhitzt, die Ränder stark, die Debatten polarisiert. Wenn das Volk ohnehin auf der Palme ist, wieso soll es sich bei Volksabstimmungen plötzlich nüchtern und rational verhalten? Und wie genau will man eigentlich verhindern, dass sich populistische Strömungen durchsetzen? Allen vermeintlichen Populisten den Mund verbieten? Ich halte das für unmöglich. Also, führt meinetwegen Volksabstimmungen ein, aber erwartet - jedenfalls kurzfristig - nicht zu viel davon.

    • @Jochen Laun:

      Und auch in der Schweiz sind die Diskussionen um Volksabstimmungen und die Abstimmungen selbst von Populismus geprägt.

  • Vielen Dank für diesen Artikel.

    Die Einführung von Volksentscheiden genügt nicht, wenn man die in vielen Beiträgen angesprochenen Gefahren minimieren oder gar vermeiden will.



    Dazu bräuchte es verschiedene Gremien, die die Themen für einen Volksentscheid festlegen, andere, die die Volksentscheide argumentativ mit pro und kontra vorbereiten, und wieder andere, die das Zustandekommen und die Zusammensetzung dieser Gremien steuern und im Blick behalten

    In vielen der Kommentaren erkenne ich die leider weitverbreitete Skepsis gegenüber neuen Ideen und Gedanken. Ich hätte für die Skeptiker eine Buchempfehlung: „Gegen Wahlen – Warum Abstimmung nicht demokratisch ist“ von David van Roybrouk, eine Buchbesprechung gibt es hier => oya-online.de/article/read/2750.html



    Geloste Bürgerräte z.B. würden die Bevölkerung in ihrer Zusammensetzung viel genauer abbilden als unsere Parlamente. Und der Lobbyismus hätte wesentlich weniger Angriffsfläche als bei den derzeitigen Konstellationen.



    Und wie man sich eine Volksabstimmung vorstellen könnte findet man hier => www.abstimmung21.de/



    Oder hier => www.youtube.com/wa...C7lKyI68cMs&t=431s

    • @Karl Theurer:

      Wie sollen denn GELOSTE Bürgerräte ein genaueres Abbild der Bevölkerung darstellen? GELOST, nicht bestimmt.

      Ach ja, kleine Gruppen lassen sich noch besser von charismatischen Personen manipulieren als große. Gefährlich.

      Zum Thema Volksabstimmungen bin ich bei Ihnen, aber offiziell, nicht organisiert von irgendwelchen Aktivisten oder NGOs.

  • "Zerfall der Demokratie"



    Sich in einer solchen Zeit an die Demokratie zu klammern und alle Antworten in ihr zu suchen, erscheint mir fatal und überflüssig, da sich die politischen Verhältnisse ständig verändern.



    Die US-Politikwissenschaftler Steven Levitsky und Daniel Ziblatt analysieren den Zerfall der Republikanischen Partei in den Vereinigten Staaten sowie die Machtkonzentration in den Händen einer einzelnen Person – eine Entwicklung in Richtung Totalitarismus, und das in einer der ältesten demokratischen Verfassungsordnungen der Welt.



    Die Entwicklung hierzulande ist nicht grundlegend anders. Die sogenannten Volksparteien – CDU/CSU, SPD und auch Bündnis 90/Die Grünen – haben sich verändert. Teile ihrer Mitgliedschaft argumentieren populistisch, einige vertreten sogar völkische Positionen.



    Die über 80-jährige Dame ist müde und zeigt bereits Erinnerungslücken. Um sie wieder zu stärken, brauchen wir Empathie und gegenseitiges Vertrauen, statt schon die Beerdigungskarte zu entwerfen.



    Wach auf, Deutschland!

    • @Okay:

      Das Problem ist meiner Meinung nach nicht in erster Linie, dass Demokratien grundsätzlich nicht funktionieren oder alt werden.



      Das Problem ist, dass sie immer weniger funktionieren, je mehr Geld und Macht sich konzentrieren. Dann kann sie nicht mehr funktionieren. Und dann wenden sich viele normaler Menschen davon ab. Die USA sind dafür ja ein schönes bzw. schreckliches Beispiel. Aber auch hier in Deutschland kann eine Demokratie auf Dauer nicht funktionieren, wenn die Superreichen (also die mehr als 100 Mio. $ besitzen) in einem Jahr um 400 Mrd. € reicher werden, der Bundeshaushalt aber wegen 20-50 Mrd. € zu wenig drastische Maßnahmen wie Rentenkürzungen, Kürzungen im Gesundheitssystem, etc. beschließen muss. Das empfinden immer mehr Menschen als ungerecht und sie sind nicht mehr bereit, so etwas weiter mitzutragen. Dass die AfD die völlig falsche Partei ist, um diese Probleme zu lösen, ist klar. Aber es ist auch klar, dass viele Menschen das nicht so genau analysieren, sondern einfach sagen: Die andereen Parteien versagen seit Jahrzehnten. Jetzt soll mal jemand anderes ran. Deshalb ist Trump in den USA und Milei in Argentinien gewählt worden

  • Tatsächlich wird ein solcher Prozess am Ende das Bundesverfassungsgericht infragestellen, sollte dieses immer wieder ähnlich gelagerten Volksabstimmungen die Zustimmung verweigern. Die Schweiz kennt kein solches Gericht, das Volk macht die Verfassung. Im ersten Anlauf sollte man daher auf kommunaler Ebene und vor allem auf Landesebene Volksentscheide vereinfachen, der Bund wäre der letzte Schritt.

  • Hier wird viel um den heißen Brei herumgeredet.



    Das System, das uns vorliegt, ist die Fortführung des Kapitalismus- der Neoliberalismus.



    Die aktuelle Regierung und auch schon die Vorangegangenen sind seit den 80zigern auf diesen Zug aufgesprungen.



    Seitdem wird alles, was einen intelligent ausgeglichenen Staat ausmacht, vernichtet.



    Man muss sich die katastrophalen Auswirkungen auf der Zunge vergehen lassen: Infrastruktur, Gesundheitswesen, Schulen, Bildung, einfach alles, was der Staat zum Überleben braucht. Mit welchem Konzept dahinter, wurde alles vor die Wand gefahren? Ich finde keine Antwort.



    Die Hauptprobleme des Neoliberalismus lassen sich auf wenige systemische Schwachstellen reduzieren: extreme Vermögensungleichheit, die Ausbeutung ökologischer Grenzen durch den Zwang zu unendlichem Wachstum, eine starke Konzentration von Marktmacht sowie die oftmals Sklaven ähnliche Entlohnung.



    Die Bürger, die arbeitender Mehrheit, wird momentan komplett hinters Licht geführt, sprich verarscht. Obendrauf stehen jetzt auch noch die Faschisten auf der Überholspur.



    Kann eine Volksabstimmung die Situation entschärfen?



    Sie könnte sogar eine Revolution auslösen, wenn die Menschen es wollen.

    • @Andreas Flaig:

      Sie sind in Ihrer eigenen Glaubenswelt gefangen.

      Die "breite Masse" will nicht den Kapitalismus abschaffen, sondern endlich selbst Kapitalist sein.

      • @Chris McZott:

        Vermutlich sind sie in Ihrer eigenen Glaubenswelt gefangen. Denn erstens bedeutet die Abschaffung des Neoliberalismus nicht die Abschaffung des Kapitalismus. Im Gegenteil. Nur indem man den Neoliberalismus abschafft, wird man den Kapitalismus retten können.

        Und zweitens will die breite Masse nicht endlich selbst Kapitalist sein. Die breite Masse will lediglich ein halbwegs gutes und sorgenfreies Leben zusammen mit ihrer Familie und Freunden. Kapitlismus könnte da helfen, so wie er nach dem Kriege in der Wirtschaftswunderzeit geholfen hat. Aber Neoliberalismus, wie er jetzt seit den 80-er Jahren vorherrscht, mach das immer schwieriger und zunehmend unmöglich.

        • @EchteDemokratieWäreSoSchön:

          Neoliberalismus ist auch nur ein politisches Schlagwort ohne konkrete Empirie. Wo herrscht der denn vor und ab wann ist eine Gesellschaft neoliberal.



          Was Sie als neoliberal bezeichnen, werden manche Briten oder Amerikaner als puren Sozialismus bezeichnen.

          "Die breite Masse will lediglich ein halbwegs gutes und sorgenfreies Leben zusammen mit ihrer Familie und Freunden." - Das ist in den EU-Staaten für die Mehrheit der Menschen der Fall. Das gilt sogar in manchen Diktaturen...

      • @Chris McZott:

        Ich finde Herr Flaig macht Punkte. Es ist nicht nur eine Glaubenswelt was er da schildert, dazu gibt es endlos gute Literatur und sie kennen sicher auch die Geschichte vom Aufstieg des Neoliberalismus.

        Wir können was er geschrieben hat an eine entscheidende Kippe stellen: Europäische Union. Das Projekt ist der Walter und Garant des Neoliberalismus n Europa und der Entsouveränisierung der Nationalstaaten also auch der Parlemente. Alles keine Phantasie, lässt sich erschliessen auch mit Lektüre.

        Ich geben Ihnen McZott insofern Recht, als dass es viele gibt, auf die das zutrifft und zweitens, dass man nicht dvaon sprechen kann, dass wir kein Problem mit "falschem Bewusstsein" haben (meine ich nicht marxistisch, trifft trotzdem den Punkt um den es geht; das Konzept der Welt und der eigenen Position darin sowie der Interessen udn wer sie vertritt; da gibt es wirklich viel Seltsames). Wenn sie übrigens sagen viele wollen selbst Kapitalisten sien, dann haben sie etwas Rceht, aber wie sie sicher wissen kann nicht jeder von Kapitalrendite leben. Ding der Unmöglichkeit. Sowas also geht wohl vorüber.

  • Man muss das "Rad" in diesem Fall nicht neu erfinden.







    Die direkte Demokratie in der Schweiz funktioniert auch deshalb so gut, weil die Menschen dort gelernt haben, daß ihre Stimme wirklich zählt. Entsprechend gut informiert sind die Schweizer❤️innen über die anstehenden Sachthemen.







    Sprich: das Volk ist nur deshalb (vermeintlich) "dumm" wenn man es nur alle 4 Jahre zu anstehenden Wahlen ernst nimmt..

    ..und die gewählten Repräsentanten in der Zwischenzeit allein entscheiden wem sie überwiegend zuhören (derzeit vor allem irgendwelchen wirtschaftsnahen Lobbyorganisationen).







    Es gibt auf einzelne Personen bezogen den wichtigen Begriff der *Selbstwirksamkeit*. Dieser lässt sich aber auch gut auf Gruppen oder ganze Gesellschaften übertragen.







    Das schweizerische Modell der direkten Demokratie ist weit stabiler und in vielem besser, als das hiesige repräsentative.



    Und es gibt keinen Grund warum es nicht auch in hierzulande funktionieren sollte..

    • @Wunderwelt:

      "Die direkte Demokratie in der Schweiz funktioniert auch deshalb so gut, weil die Menschen dort gelernt haben, daß ihre Stimme wirklich zählt."

      Das sieht vielleicht von nördlich des Mains so aus.

      An "reinen Referendumstagen" (ohne zeitgleich stattfindende Wahl) liegt die Stimmbeteiligung niedrig, teilweise unter 50%. Ob da wirklich alle "gelernt haben, dass ihre Stimme wirklich zählt"?

      • @FriedrichHecker:

        50% finde ich jetzt nicht dramatisch niedrig. Diejenigen, die mitstimmen, können ja trotzdem ihre Selbstwirksamkeitserfahrung haben.

        • @derzwerg:

          Exakt.

          Und es sei verwiesen auf das Buch von Mair "Ruling the Void", dass sich dem Thema sinkende Teilhabe an Wahlen d.h. der repräsentativen Seite der Demokratie und deren Gründen in den Demokratien annimmt.

          Man muss nicht so tun, als seien alle bedeutenden Wahlen so viel von Teilhabe besser getragen.

  • Gerd Grözinger , Autor , Prof., Europa-Univ. Flensbu

    Allen Kritikern direkter Demokratie sei empfohlen, das extrem kenntnisreiche und materialgesättigte Buch 'Demophobie' der ehemaligen Verfassungsrichterin Lübbe-Wolff einmal zu lesen, auf das in dem Beitrag dankenswerter Weise explizit hingewiesen wurde. Die 'letzte Patrone der Demokratie' liegt nicht in einer klein-großen Koalition mit aktuell keiner Mehrheit mehr laut Umfragen, sondern dass diese den Weg freimacht, dass sich politische Fragen in stark gespaltenen Gesellschaften auch jenseits von Parteifestlegungen klären lassen. Denn Parlamentsmehrheiten bedeuten eben nicht, dass in jeder wichtigen Frage diese auch eine Mehrheit in der Bevölkerung haben. So konnten in den USA fast überall dort, wo politische Majoritäten in konservativen States die Abtreibungsgesetze stark verschärften und Volkabstimmungen dazu möglich waren, diese per Referenden wieder korrigiert werden. Das ist nicht nichts!

    • @Gerd Grözinger:

      Ja, direkte Demokratie kann in Einzelfällen helfen, die Politik zu korrigueren. Aber man kann nicht 20: Bundesweite Volksabstimmungen pro Jahr abhalten. Denn die wenigsten Menschen haben Zeit, sich 20 Mal im Jahr mit schwierigen Fragen auseinanderzusetzen.

      Deshalb muss man dafür sorgen, dass Politiker von sich aus eine Politik machen, die sich mehr an den Intersessen und Wünschen der Bevölkerung orientiert. Dies ginge so:

      innn.it/diedemokratiemussbesserwerden

  • Diese Debatte wirft so viele wichtige Fragen auf, dass alleine das schon wertvoll ist. Ein Beispiel für eine Frage, die sich herauskristallisiert hat und von manchen Kommentatoren aufgeworfen wurde:

    Geht es in der Demokratie um Konflikt oder Konsens? Da kann die einzige Antwort nur sein, um beides! Das bedeutet, man sollte es nicht in eine Richtung auflösen. Das nämlich schadet. So einfach und doch so schwer. Es ist nämlich schwer, mit dieser "Erkenntnis" die politische Arbeit von Institutionen zu bewerten. Es muss heissen: Streit ermöglichen und mehrheitlich konsensual entscheiden. Das ist aber auch mit Volksabstimmungen zu bewerkstelligen und zwar sehr viel transparenter als im parlamentarischen Verfahren. Dies ist so offensichtlich, dass man zurückfragen darf: Was ist denn nun der große Vorteil des parlamentarischen Verfahrens in solchen Streitfragen? Darauf müssen die Verfechter der repräsentativen Demokratie eine gute d.h. klar verständliche und Transparenz aufzeigende Antwort geben. Ich bitte darum.

  • Ein hervorragender Beitrag. EInes der Gegenargumente von Merkel, was genannt wird, überzeugt mich nicht: Dass die ärmeren und unteren Gesellschaftsangehörigen bei der repräsentativen Demokratie mehr Einfluss hätten. Denn ich sehe die Zusammensetzung des Bundestages, der Repräsentanten, dann habe ich dabei gehörige Zweifel.

    • @JK83:

      @JK83



      Genau, wo repräsentieren - also von vertreten der Interessen - anstatt der Bevölkerung, unsere Parlamentarier die Wähler ? Kaum auszumachen.



      " Repräsentative Demokratie " kann aber auch folgendermaßen gelesen, interpretiert werden : Eine Demokratieform wurde für die Bevölkerung von den Mächtigen installiert, die aussieht, wahrgenommen wird / wahrgenommen werden soll, als ob , also wie eine wie Demokratie - also nennt sich dann : eine repräsentative Demokratie. Interessante Vorträge findet man zur repräsentativen Demokratie auch von Rainer Mausfeld unter anderem auf YouTube.



      Ein Schelm der Böses dabei denkt....

  • Meiner Meinung nach kommt der Verdruss aus der Unfähigkeit Reformen UMZUSETZEN.



    Die Ampel hatte viele Pläne. Geschafft sehr wenig. Und das Wenige wird jetzt wieder zurückgenommen - von der Partei, die es als Kanzlerpartei vor ein paar Jahren beschlossen hat.



    Dass die SPD keine 4 Jahre später Beschlüsse mitträgt, die das genaue Gegenteil der Ampel bedeuten, verstört viele.



    Das vermittelt den Eindruck: die wollen nur regieren. Wie ist egal, Hauptsache regieren.



    Und die Union hat vor der Wahl großmäulig behauptet, es brauche nur einen Herbst der Reformen und dann wären alle Krisen gelöst.



    Herbst und Frühling sind vorbei und die Krisen sind MEHR statt weniger.



    Ich sehe kein Problem mit dem System, ich sehe menschliches Versagen und handwerkliche Unfähigkeit in allen Parteien, die die letzten Regierungen gestellt haben.



    Es fehlt nicht das Vertrauen ins System, es fehlt das Vertrauen in die AKTEURE !



    Umfragen spiegeln das auch wieder. Die AfD ist das Sammelbecken der Frustrierten. Die wollen andere Köpfe, kein anderes System.



    Direkte Demokratie hilft nicht, wenn das Vertrauen in die Politiker fehlt. Da ist es egal ob direkte oder indirekte Demokratie.



    Der Kopf stinkt, nicht das Skelett.

    • @Astrid Sehnefeld:

      @Astrid Sehnefeld



      Sehr viele Überlegungen von Ihnen, nur - was nützen andere Köpfe, die dieses System bedienen ?



      An die Strukturen der Parteien - innerhalb der Parteien muss sich etwas ändern. Parteien sind im Grunde wie Vertiebsagenturen - hierarchisch strukturiert. Dazu die permanente Einflussnahme von den Vertretern der Industrie-,Wirtschafts- & Kapitalstrukturen auf unsere Regierenden. Da müsste ein ganz konsequenter Riegel vorgesetzt werden. Strikte Trennung von Politik und keine Bevorzugung von Industrie-, Wirtschaft & Kapitalstrukturen- mehr Ausgewogenheit mit den Interessen der Bevölkerung. Poltik geht nicht mit Politikern mit Aufsichtsratsmandaten in Unternehmen zusammen und führt oftmals zu Loyalitätskonflikten.

      • @Alex_der_Wunderer:

        Ich stimme Ihnen voll und ganz zu. Der Einfluss von Außen, also von Privatunternehmen, ist viel zu groß auf Parteien.



        Und mich stört überdies ganz massiv, dass "Politiker in Berlin" für viele mittlerweile ein Beruf ist, keine Berufung mehr.



        Die planen regelrecht ihr Leben bis zur Pension in Berlin zu verbringen.



        Amthor als Paradebeispiel, wobei es derlei Personen leider in jeder Partei gibt

        • @Astrid Sehnefeld:

          @Astrid Sehnefeld



          Genau 👍👍



          Eine Legislaturperiode ist genug.



          Aber zur Sicherung ihrer Position wird dann ja gerne die Einarbeitungszeit in die Materie vorgeschoben, was selbstverständlich völliger Humbug ist und völlig vom Sinn der Demokratie abweicht.

    • @Astrid Sehnefeld:

      Sehr gute Analyse.

    • @Astrid Sehnefeld:

      "Die AfD ist das Sammelbecken der Frustrierten. Die wollen andere Köpfe, kein anderes System."



      Puuh, klar, und immer wieder die rechte Verharmlosung: Natürlich will die AFD ein anderes System als unsere Demokratie! Beispiele wie das von rechter Seite bei Machtergreifung funktioniert gibt es doch jetzt echt genug: Trump, Ungarn, NSDAP, usw usw

      • @will mitreden:

        Wer ist dümmer? Die, die die AfD wählen, obwohl es genug Beispiele dafür gibt, dass die nichts zum Besseren wenden wird (Trump, Ungarn, NSDAP usw.)

        Oder die, die nicht kapiert haben, dass man Menschen nicht davon abhalten kann, solche Personen und Parteien zu wählen, indem man ihnen erzählt, das sei dumm?

        Wenn man Menschen davon abhalten will, solche Personen und Parteien zu wählen, dann gibt es nur eine einzige Möglichkeit: Ein Politik zu machen, bei der sie sagen: Das ist ok, damit kann ich leben.

        Stattdessen macht man eine Politik, die ihnen das Leben immer schwerer macht: Rentenkürzung, Kürzungen im Gesundheitswesen, stetig steigenden Mieten , Lebensmittel- und Ernegiekosten, Abschaffung des 8-Stundentages, .....

        Zu glauben, dass man die dadurch dazu bringt, zu sagen: "Das ist super. Diese Parteien wähle ich wieder". Das ist in jedem Fall wirklich dumm.

      • @will mitreden:

        @will mitreden



        Tja, will man in " schlaue " Gesichter schauen



        🥵🥶😴😱🙉👺🥳, fragt man AfD Wähler, warum sie für stagnierende Löhne & Renten sind, warum sie weniger Leistungen aus der GKV bekommen möchten, warum sie für höhere Mieten sind, weniger Schulbildung für ihre Kinder möchten, also sich insgesamt für weniger Geld im Portemonnaie aussprechen und sich gegen Freiheit - sondern für mehr Autorität entscheiden.

        • @Alex_der_Wunderer:

          Bis auf den Part mit "weniger Freiheit gegen Autoritätc (meinten sie vllt eher Autokratie?) bekommt man das leider auch mit jeder anderen Partei in Deutschland zur Zeit🤷🤷🤷



          Alle aktuellen Missstände und Kürzungen wurden ja von Union, SPD, Grüne, FDP (und Die Linke zumindest in Bremen und Berlin) beschlossen.



          Die Brandmauer, die die politische Landschaft vor der AfD schützen soll, schützt vor allem die AfD, weil da jeder Bürger sofort sieht - DIE haben noch nicht mitgemacht, alle anderen schon...



          Die Brandmauer ist unfreiwillig der beste Teflonschutz für die AfD, mit Missständen können Sie nicht in Verbindung gebracht werden.



          Das reicht wohl vielen schon aus für Ihr Kreuz bei denen

          • @Astrid Sehnefeld:

            @Astrid Sehnefeld



            Nur, die Brandmauer schützt uns Bevölkerung noch vor einer - noch restriktiveren Regierung, als wir sie eh so schon haben.



            Die " etablierten " haben sich inzwischen die Existenz der AFD zunutze gemacht und ziehen eine völlig kranke, am Bürger / Souverän vorbei laufende Politik, ohne Rücksicht auf die Bevölkerung durch. Mit der AFD wird es noch dunkler für uns Bürger werden.

      • @will mitreden:

        Das die hinterher alles mögliche tun würden, nicht mehr von der Macht zu kommen, bestreite ich nicht.



        Ändert aber nichts daran, wie sie jetzt zur Macht kommen.



        Und darum gehts doch.



        Den Karren vor die Wand fahren und fuhren Union, SPD, FDP und Grüne - das waren und sind die Regierenden.



        Was würde direkte Demokratie ändern?



        Es fehlt ja nicht an Ideen zu Reformen, sondern an Umsetzungskompetenz.

        • @Astrid Sehnefeld:

          Nein, es fehlt an der Bereitschaft, diese Gesellschaft wieder zu einer gerechten zu machen. Das wäre gar nicht so schwer.



          Dazu bräuchte man 100 - 200 Mrd. € zusätzlich im Bundeshaushalt. Dann könnte man wieder eine Politik machen, bei der die Menschen sagen: OK, damit kann ich leben.

          Wenn man sich ansieht, dass nur die reichsten 5000 Personen 2025 um 300-500 Mrd. € reicher geworden sind, ist es nicht schwer, 100-200 Mrd. € zu bekommen. Es fehlt nur die Bereitschaft. Und vielleicht deshalb, weil man immer noch nicht kapiert hat, das eine Gesellschaft auf Dauer nicht existieren kann, wenn man es einer kleinen Gruppe von Menschen gestattet, so viel Geld aus der Wirtschaft zu ziehen, ohne sie vernünftig zu besteuern. Oder glaub irgendjemand, dass diese 300-500 Mrd. € auch nur mit einem Steuersatz von 30-40% besteuert worden sind, wie ihn jeder Facharbeiter zahlen muss?

      • @will mitreden:

        Guten Tag "will mitreden"

        Astrid Sehnefeld hat nicht geschrieben, was die AfD will. Sie hat geschrieben, was ihrer Beobachtung nach die Menschen wollen, die die AfD wählen. Das ist erstmal ein großer Unterschied. Leider ist es so, dass es tatsächlich welche gibt, die die AfD wählen, weil sie ein völkisch-nationales Programm haben, das die freiheitliche Grundordnung zwangsläufig zerstören muss, um umgesetzt zu werden.



        Ich beziehe meine Hoffnung dennoch daraus, dass viele AfD-Wähler die Konsequenzen ihrer Frust- oder Denkzettelwahl nicht überschauen. Das liegt nicht an Dummheit, sondern daran, dass über Jahrzehnte politische Bildung als Randthema, Wirtschaftswachstum als Hauptthema behandelt wurde. Wirtschaft interessiert sich aber nicht für die Beteiligung der Menschen an der Staatsform. Wirtschaft interessiert sich dafür, dass der Staat möglichst wenig Regeln aufstellt, die das Wirtschaften hindern.



        Auch ein Problem: Die Möglichkeit zur Transformation zu einer Bürgergemeinschaft wurde nicht eingebaut.



        Artikel 116GG in der immer noch gültigen Form und die damit verbundene Betonung des Begriffes Volk ist, glaube ich, bis heute ein Grundfehler



        in unserer Verfassung.

  • Danke für den erfrischenden Artikel. Ja der blauen Schlange würde das das Genick brechen. Wir würden als Staatsbürger:innen endlich erwachsen werden. Insbesondere Diejenigen, die sich selbst oder ihren Mitbürger:innen keine Verantwortung zutrauen. Die Linke würde wahrscheinlich enttäuscht, in der Schweiz tendieren die Menschen bei Volksabstimmungen eher zu bürgerlich konservativen Positionen aber eben nicht zu extremistischen. Erstaunlich ist auch, dass die Schweizer bei Volksabstimmungen für Steuererhöhungen gestimmt haben. Über die Verwendung der Steuergelder stimmen sie ja dann auch selbst ab. Allen german-Angsthasen, eine Volksabstimmung ist ein Riesenaufwand, der bis zur Abstimmung 2 Jahre dauern kann, je nach Ausgestaltung. Also nichts für Schnellschüsse...und ihr Superschlauen, die ihr eure Mitbürger:innen für zu dumm haltet, wäre es eine Herausforderung für euch, mit euren "dummen" Mitbürger:innen zu sprechen, ihnen zu helfen?

  • "In jenen Ländern, in denen es mehr direkte Demokratie gibt, ist auch das Vertrauen in die Repräsentanten und in die Institutionen größer".

    Ja, gilt besonders für die USA, Italien, Bulgarien oder Albanien (ironie aus).

    Einmal einen Blick in die Niederlande werfen, die haben die plebiszitären Vetos ganz schnell wieder abgeschafft.



    Wenn in parlamentarischen Demokratien das Volk Opposition ausübt, liegt es nahe das Oppositionparteien diese Instrumente für ihre Zwecke nutzen. Diese Mechanismen widersprechen der Grundlogik der deutschen Regierungsform.

    Ich bin mir ziemlich sicher das auf Grundlage eines plebiszitären Vetos auf Bundesebene keine Wiedervereinigung stattgefunden hätte und auf die heutige Zeit ausgelegt, das individuelle Recht auf Asyl Geschichte wäre. Leitentscheidungen lassen sich nunmal nicht von Regierung zu Volk delegieren.



    Das deutsche Regierungssystem ist zudem nicht mit dem des Musterbeispiels Schweiz vergleichbar. Es steht sogar im Widerspruch dazu.

    Zum Schluß sei angemerkt. Demokratie lebt von Debatten, nicht von Konsens. Es fehlt Deutschland an einer vernünftigen Debattenkultur, die für die Bürger nachvollziehbar ist. Die gegenwärtige Streitkultur ermüdet

  • Hm, im Grunde ist es gut, aber die Fragen und die zur Auswahl gestellten Antworten wären nie einfach genug für die Wut der AfD-Wählenden. Und dann hieße es immer "Über die wirklich wichtigen Fragen lassen die uns ja gar nicht abstimmen!" Und es gibt ja wirklich Fragen, über die man die Abstimmung nicht _riskieren_ möchte.

  • „Die Ergebnisse der modernen Volksabstimmung beweisen, dass die von der möglichen Wahrheit getrennten Menschen dazu gebracht werden können, gegen sich selbst zu stimmen."



    (Herbert Marcuse)

    • @Thomas Böttcher:

      Das dürfte auf direkte und indirekte Demokratie gleichermaßen zutreffen. Schon Platon sah die Schwäche einer jeden Demokratie in einer von geschickten Rednern in die Irre geführten Mehrheit. Das gilt wohl unabhängig davon, welcher Teil des Volkes sich mit den jeweiligen Wahrheiten befasst (das „wahrheitsgetrennte“ Volk, nur das Wahlvolk, die Parlamentarier oder ausschließlich die begabtesten Philosophen und Staatskünstler). Was sind außerdem Wahrheiten und was die Irrtümer? Die Relativitätstheorie widersprach früher als sicher geltenden Überzeugungen. Waren die früheren Wissenschaftler im Irrtum, sind es die heutigen oder künftige? Wir wissen es nicht wirklich, aber Diskussion und Debatten können Irrtümer aufdecken und Volksabstimmungen können Diskussionen und Debatten anregen. Ob sie wahrer sind als Parlamentsbeschlüsse, lässt sich schwer sagen. Demokratie dient aber letztendlich weniger der Wahrheitsfindung als vielmehr dem Ausgleich unterschiedlicher Interessen und Perspektiven. Dafür müssen jeweils auch die Interessen anderer berücksichtigt werden. Dass das den Wählenden wenigstens genauso leicht fällt wie den Gewählten, würde ich jedenfalls nicht grundsätzlich ausschließen.

    • @Thomas Böttcher:

      Genau das tun viele bei den üblichen Wahlen doch auch.

      • @Erfahrungssammler:

        Eine Wahl zwischen Themenpaketen (Wahlprogrammen) und eine Rechts- oder Sachabstimmung über eine Politische Angelegenheit ist doch schon ein eklatanter Unterschied.

  • Naja...

    "Warum sollte man den Menschen die viel komplexere Wahl von Repräsentanten für eine ganze Legislaturperiode zutrauen, aber nicht, über einzelne Sachthemen zu entscheiden?" - Was ist an einer Personenwahl komplex? Die Leute entscheiden nach Partei oder Nase - die allermeisten Menschen haben ihren Bundestagsabgeordneten noch nie gesehen, geschweige denn gesprochen oder wüssten auch nur wer das ist.

    "In der Schweiz, wo Volksabstimmungen eine lange Tradition haben..." - Die Schweiz ist insbesondere aus linker Sicht ein mieses Beispiel, wird da doch regelmäßig gegen die Interressen der Ärmeren votiert.

    "Das Verfassungsgericht müsste vorab prüfen, ob das jeweilige Anliegen mit dem Grundgesetz vereinbar ist. Wenn nicht, wird es gar nicht erst zugelassen." - Huch?! Bin gespannt, ob diese Meinung der tazzies auch bei der "Vergesellschaftung" ala DWE gilt...

    Mal ganz ehrlich: Was glaubt ihr denn, was rauskommt, wenn die AffenFürDeutschland einen bundesweiten Volksentscheid in Richtung "Ausweisung aller Ausländer die ihren Lebensunterhalt nicht selbst betreiten können" initiieren? Oder "Absenkung der Sozialleistungen auf reine Existenzsicherung"? Oder Verbot des Genderns, etc pp?

  • Meinung ersetzt keine Sachkenntnis - gleich ob beim Souverän oder Repräsentant - für die meisten Fragen genügt kein "ja oder nein" um die zugehörigen Abhängigkeiten/Komplexitäten (bis hin zur Finanzierung) adäquat zu berücksichtigen.

    • @gundi:

      Darin liegt aber kein Unterschied zum Bundestag, wo die Beschlussfassungen ebenfalls praktisch immer dem Schema von Ja, Nein oder Enthaltung folgen.

      • @Yes:

        Ein Bundestagsabgeordneter sollte aber über sämtliche Information zu pro und contra verfügen, Debatten zum Thema in der Partei und im Bundestag hinter sich haben und zumindest theoretisch aufgrund seiner beruflichen Erfahrungen die Folgen einer Entscheidung besser abschätzen können, als der Maurer, Arzt oder Bäcker.







        Und wenn er dreimal die vermeintlich falsche Entscheidung getroffen hat, ist er bei der nächsten Wahl weg vom Fenster, muss sich also auch irgendwie für seine Entscheidungen verantworten, während der Normalo sich anonym hinter der Masse verstecken kann und selbst für die falscheste, exotistischste oder menschenverachtendste Entscheidung keinerlei Konsequenzen zu fürchten hat.

        • @Sisone:

          Sie haben ja vielleicht naive Vorstellungen von Bundestagsabgeordneten.



          Es gibt ein paar Umfragen unter Bundestagsabgeordneten nach einer Abstimmung im Bundestag, wo die sinngemäß gefragt wurden, ob sie wüssen, worüber sie gerade abgestimmt haben. Und zwar nicht bei irgendwelchen unwichtigen Abstimmungen, sondern bei Abstimmungen, bei denen es um hunderte von Milliarden ging, also etwas in der Größenordnung des Bundeshaushalts, was also für Deutschland und jeden einzelnen ziemliche schlimme Konsequenzen haben kann. Das war so peinlich, was da an Antworten kam. Seitdem habe ich keine Hoffnung mehr, dass die Bundestagsabgeordneten irgendwas im Sinne der Bevölkerung machen. Den meisten fehlt dazu schlichtweg die Kompetenz.

        • @Sisone:

          @Sisone



          Nun ja, wenn die Partei - die die Wähler aus Uninformiertheit gewählt haben, die Pflegekräfte und Kassiererin aus dem Land gejagt hat, spürt der Wähler schon ganz extrem die Konsequenzen seiner Dummerhaftikeit.

        • @Sisone:

          Ein Abgeordneter mittlerer Art und Güte hat bei vielen parlamentarischen Vorlagen ebenfalls keine eigenen Fachkenntnisse, sondern vertraut dafür auf die Arbeit von Ausschüssen, Wissenschaftlichem Dienst, Sachverständigen und der Einschätzung seiner Fraktion. Diese Hilfen kann auch das Volk zur Entscheidungsfindung heranziehen, da die aus ihnen hervorgebrachten Erkenntnisse ihm ebenfalls zur Verfügung stehen.



          Und wo „der Normalo sich anonym hinter der Masse verstecken kann“, schafft das der Abgeordnete hinter der Fraktionsdisziplin. Unter seinen Fehlentscheidungen muss dieser nur selten mehr leiden als ein Durchschnittsmensch.



          Die größte Gefahr mehr direkter Demokratie bestände wohl darin, dass sich das Volk von fehlenden, irreführenden, einfachen oder emotionalen Botschaften zu Fehleinschätzungen verführen ließe (vgl. z. B. die Kampagne des Hamburger Senats zur Olympiabewerbung). Nicht jeder ist dazu imstande, sich umfassend zu informieren. Das ist bei Berufspolitikern mitunter kaum anders als bei Normalbürgern, die manchmal wiederum auch gut informiert sind, so dass sich die Risiken unter Umständen lediglich vom Parlament auf diese verlagern.

        • @Sisone:

          Ein Bundestagsabgeordneter sollte die Informationen aber nicht nach eigenem Gutdünken bis hin zur glatten Lüge verdrängen oder verdrehen und dann noch bei allen möglichen Beweisen dafür ungestraft davonkommen.



          Und dass er sich wegen seiner Parteizugehörigkeit gegen seine Meinung, sein Wissen und Gewissen entscheiden soll/muss, ist auch bezüglich der über allem stehenden Demokratie sehr fragwürdig.

        • @Sisone:

          Der Abgeordnete entscheidet fast immer entlang der Parteilinie.



          .



          Welche Argumente vorliegen spielt nur eine sehr untergeordnete Rolle.



          .



          Und auch der normale Bürger würde eine Entscheidung am Ende wohl hauptsächlich danach ausrichten, wer diese richtig und wer diese falsch findet. Vor allem wenn er/sie vom Thema wenig Ahnung hat.



          .



          Sowohl bei Bürger:innen, wie bei Abgeordneten spielen sachliche Argumente also kaum eine Rolle.



          Im Endergebnis gibt es also keine Unterschied.

      • @Yes:

        siehe "gleich ob beim Souverän oder Repräsentant"

        • @gundi:

          Ja, das eine betrifft die Grundlage der Entscheidung, das andere ist die Entscheidung.

  • Obwohl, - - - wenn sich jetzt schon bei den Vertretern der Industrie- Wirtschaft-, & Kapitalstrukturen ein " geraune " bezüglich des agieren unseres Bundeskanzler vernehmen lässt & durch die Medien geht, sollten wir da als Bevölkerung nicht ganz wachsam werden und genau hinsehen & hinhören ? Vielleicht gar nicht mal so schlechte Anzeichen für uns, bezüglich unseres Bundeskanzler - für uns als Volk...



    Überlegenswert allemal - schwer zu durchschauen zur Zeit 😇

  • Die Autorin macht den gleichen Fehler, wie die demokratischen Parteien: Sie geht davon aus, dass Volksabstimmungen von der aufgeklärten linksorientierten Mehrheit genutzt werden würden.



    Was wäre denn, wenn die AfD eine Volksabstimmung zum Thema Remigration organisieren würde und das Volk entsprechend entscheiden würde?



    Ach ja, dass Bundesverfassungsgericht sollte ja vorher entscheiden, ob es ein „guter“ oder „schlechter“ Entscheid ist.



    Der Bürger wird also weiter bevormundet. So wird das nichts.

    • @Dirk Osygus:

      Ich denke, eine der ersten Volksabstimmungen wäre die Einführung einer Vermögenssteuer für Milliardäre und Superreiche, denn dafür gibt es ca. 80% Zustimmung. Und wenn dann auch nur eine konstruktive Schuldenbremse durchkommt (also dass Haushaltsdefizite über 3% durch eine höhere Besteuerung der Superreichen ausgeglichen werden muss), würde es danach zu einer vernünftigen Politik kommen und die Menschen würden sich nicht aufstacheln lassen mit dem Argument "Ohne Migranten würde es euch besser gehen"

    • @Dirk Osygus:

      "Was wäre denn, wenn die AfD eine Volksabstimmung zum Thema Remigration organisieren würde und das Volk entsprechend entscheiden würde?"



      Wenn (wie im Artikel genannt) Fakenews und Hetze aus dem Prozess rausgenommen werden, bin ich nicht überzeugt das die Menschen hier so menschenverachtend wählen würden wie du es ankündigst.



      Und: mit Fakenews und Hetze funktioniert unsere jetzige Demokratie ja offensichtlich auch nicht.. also: why not?

    • @Dirk Osygus:

      natürlich gehörht zu einer Demokratie immer das Risiko, dass Ergebnisse von Abstimmungen auch entgegen des eigenen Wunsches sind.

  • Die Volksabstimmungen sind erstmal nur die Entscheidung für oder gegen einen Vorschlag. Beim Brexit oder der Ehe für alle in Irland war nach der Auszählung der Stimmen UK noch Teil der EU und Irland hätten zwei Männer nicht am nächsten Tag heiraten können.



    Politiker mit Fachwissen wird es trotzdem weiter geben um die Entscheidung der Abstimmung in Gesetze zu fassen und umzusetzen. Diese Gesetze müssten natürlich Minderheitenrechte berücksichtigen, sonst wären sie verfassungswidrig.



    Ich denke die Informationen zum Thema und die Willensbildung sollte über die Parteien laufen. Die würde zu mehr Mitgliedern und damit einem höheren politischen Organisationsgrad führen.

    • @Jesus:

      Die Brexit-Abstimmung war eine Meinungsumfrage, die von den Brexiteers flugs in eine Volksabstimmung mit Auftrag umgedeutet wurde.



      Die Ehe für alle und die Legalisierung der Abtreibung in Irland war das Ergebnis eines moderierten Bürgerforums, nicht das eines Plebiszits.

  • Eine Diskussion, die kurzfristig nicht umsetzbar scheint, auf lange Sicht nützlich ist und auf paktikable Modelle hin diskutiert werden sollte. Deutschland hat mit Volkabstimmungen schlechte Erfahrungen, die sich in den Skepsis-Argumenten spiegeln. Ist dem deutschen Volk zu trauen? Erfahrungen auf Landesebene in Hamburg (Schulreform: Kampagnengeld von Antilobby), Berlin (Wohnungskonzernenteignung: Senat sitzt das aus) finde ich nicht ermutigend. Im Grunde sind Debatten wie diese eine Hilflosigkeitsreaktion auf den Umstand, dass in diesem Land ein AFD-Verbot nicht angegangen und offenbar aufgegeben wurde.

  • Das Linke Spektrum hat sich von der direkten Demokratie abgewendet, weil klar ist dass das Asylrecht nicht demokratisch unterlegt ist, und dieses Kernthema des linken spektrums sich mit dem Demokratiedefizit der repräsentativen Demokratie besser vertreten lässt.

    Früher (vor 20 Jahren) war das linke Spektrum noch ganz hinter der direkten Demokratie.

    Was wieder nur die Vermutung stärkt das jeder die Entscheidung auf die Ebene schieben will wo er vermutet das seine Themen eine Mehrheit haben.

    Der Trend im linken Spektrum geht dahin der Demokratie als solches Entscheidungen zu entziehen und mehr auf Gerichte zu verschieben, da sieht man noch Mehrheiten, da mit dem Gang durrch die Institutionen in Vielen Themen die Richterschaft links von dem Souverän ist.

    Der Prominente Hinweis auf die Gerichte in dem Beitrag trägt dem Rechnung: Linke Volksentscheide zulassen, rechte Volksentscheide verbieten

    Für Verteilungspolitik sind Volksentscheide ohnehin nicht geeignet, da Steuern & Co zu komplex sind.

    • @Tim Hartmann:

      Sie haben ihren Hauptpunkt überzeugend dargelegt, gut.

      #Zur Verteilungspolitik widerspreche ich ausdrücklich. Ob es z.B. eine Vermögenssteuer geben soll, das ist eine bestimmbare, nicht zu komplexe Frage, besonders, weil es bereits einmal eine gegeben hat.

      • @JK83:

        Eine Vermögennsteuer ist nur auf dem ersten Blick keine komplexe Frage.



        Bis es darum geht wie man Vermögen definiert, wie hoch der Satz ist, was ausgenommen wird. Wie die höhe der anderen Steuern sind.



        Auch die Idee wir machen eine Steuer und passen sie dann nie an, weil z.B.

        - nicht intendierter Wirtschaftlicher Schaden entsteht

        - kreative Buchhaltungs/Vermögensmanagementmethoden Umgehungen herbeiführen.

        - nicht erwartete Gerichtsurteile Umstände ändern

        => Es ist keine ja/nein Frage die dann erledigt ist

        • @Tim Hartmann:

          Sie haben Recht aber sie verfehlen den grundlegenden Punkt: Soll es eine Vermögenssteuer geben oder nicht. Das ist die erste Entscheidung, danach kommen alle Details. Keiner hat gesagt, die gesetzliche Regelung wäre lciht. Es ist die erste Frage um die es geht. So gesehen sind ihre Argzumente sogar Ablenkung.

          Zu den gerichten: Das ist der nächste Vorteil. Wenn ein Plebiszit durchgeführt wurde, kann ein Gericht nicht einfach daherkommen und dieses ignorieren. Es setzt der politischen Seite von Gerichten - die es gibt und zwar zunehmend, das ist in der Politikwissenschaft aber auch in den guten Zeitungen der BRD ab und an thematisiert - Grenzen! Das geht dann einfach nicht, dass Plebiszite auf Bundesebene (DEMOS; Demokratie) ignoriert werden können.

          Ich behaupte ja nicht, dass alles gelöst wäre durch Plebiszite; aber das kann doch niemals der Anspruch sein? Dem anspruch wird die repräsentative Demokratie ja auch überhaupt nicht gerecht. Politik ist Zukunft, Ungewissheit, Balance und Anpassung. Wenn das Volk in Gänze sich äußert, kann dahingehend viel gewonnen werden.

          Da stehe ich und ich glaube da stehe ich erstmal ganz gut.

          • @JK83:

            Ich glaube Sie sehen den Punkt nicht. Ein Ja zu einer Vermögenssteuer durch Plebeszit, und dann die Ausgestaltung der Vermögenssteuer an die Parlamente geben (den man ja nicht zu trauen scheint, deswegen Plebeszit) wäre ein Scheingewinn. Gerade für die Reichsten würde ein Schlupfloch offengelassen / nicht geschlossen durch das die Durchschlüpfen. Diese komplexe und Ständige sache geht nur mit dem Parlament.



            Schau dir dazu die Plebeszide an die funktionieren, das waren stets welche wo eine Entscheidubg getroffen wurde, die dann abgeschlossen ist ( Pro Reli Berlin, Rauchverbot BY, Abschaffung Senat BY); welche wo ständig nachjustiert werden muss passen nicht in dieses Format.

  • "worauf warten wir noch?"

    Zynisch könnte man antworten: "Auf Volksentscheide zu Migration, zu Windrädern, zur CO2 Umlage, zum Kopftuch oder zum (ja ich weiß) Brexit"

    Prinzipiell ist mehr direkte Demokratie zu befürworten, schon allein um das Gefühl zu vermitteln, wieder mehr Teilhabe zu ermöglichen und -ja- ernstgenommen zu werden. Politikverdrossenhaeit kann das sicher entgegen wirken.



    Man muss dann aber auch damit rechnen und leben können, dass es nicht immer so läuft, wie man es sich hier erwartet.

  • Wozu "Bürgerräte", wenn wir diese unter dem Namen "Politiker" eh schon selbst bestimmt gewählt haben. Oder ist diese Volksvertretung nicht mehr das Volk?

    • @Hans Dampf:

      Die Idee bei den Bürgerräten, zumindest so wie sich die Grünen das vorstellen,.ist ja, dass die Herrschenden diese Gruppe geloste Tropfe als Isolationsmaterial zwischen sich und die Beherrschten schiebt: das beste Beispiel ist die Idee, dass, weil Klimaneutralität das (fix vorgegebene) Ziel ist, den Räten eine Reihe sämtlich für die Bürger unangenehme Optionen vorgelegt werden, aus denen sie dann zu wählen haben. Dann kann verkündet werden, dass der Bürgerrat beschlossen habe, Flugreisen zu verbieten oder Autofahrten zu rationieren etc.

  • Danke schön, guter Artikel.



    Volksabstimmungen werden aber in Deutschland auf absehbare Zeit nicht kommen. Die Politiker müssten dafür viel zu viel Macht abgeben.

  • Ein sehr guter Input. Die Konzepte von Bürgerräten und Mehr Demokratie e.V. zeigen hier gute Richtungen und Konzepte auf. Die Frage ist nicht, ob Volksabstimmungen bzw. Referenden stattfinden, sondern vor allem wie. Und vor allem wie darüber informiert wird. Ein simples Konzept und ja oder Nein (wie beim Brexit) sollte es nicht geben. Stattdessen vernünftige Kampagnen und Beteiligung, sowie Transparenz bei der Information über das Thema. Mit guten Veranstaltungen und Diskussionsformaten. Dann wäre die Möglichkeit sich zu informieren, aber auch die Motivation abzustimmen größer. Gleichzeitig sollte aber auch der Schutz von Grundrechten und demokratischen Institutionen gewährleistet sein.

    • @Hamburger in Istanbul:

      Keine Frage, der Brexit war auch eine Folge von massiven Kampagnen, falschen Versprechungen und dreisten Lügen. Ich würde dennoch behaupten, dass es durchaus möglich war sich gut, unabhängig und fundiert zu informieren. Wenn alle Macht von der Bevölkerung ausgeht, gilt eben auch, dass mit Macht Verantwortung einhergeht, nicht zuletzt für die eigenen Entscheidungen und damit eben auch die Pflicht diese reflektiert und informiert zu treffen.



      Wenn aber vernünftige Kampagnen, die schon allein deshalb nicht zu erwarten sind weil sie eben niemals neutral sind, sondern von Interessengruppen geführt werden, und die Abwesenheit von Populisten und Demagogen zur Möglichkeitsbedingung von Demokratie werden stellt das das gesamte System in Frage. Wer der Souverän ist, muss es eben auch intellektuell sein, andernfalls wird Demokratie zu jener "Herrschaft des Pöbels" vor der schon Aristoteles warnte.

    • @Hamburger in Istanbul:

      Es ist nichts gegen Beteiligung, Transparenz, Veranstaltungen und Diskussionsformaten einzuwenden. Aber ich bezweifle dass sich die meisten Menschen genau informieren und intensiv mit den Abstimmungen auseinandersetzen werden. Dazu fehlt die Zeit und das Interesse.

  • Grundsätzlich d’accor. Wie sähen denn konkrete Szenarien aus? Abstimmung über eine Autobahnmaut? 70% dagegen.



    Abstimmung über Abschaffung des CO 2 Preises? 80% dafür.



    Abstimmung über schnelle Abschiebung straffälliger Asylbewerber? 55% dafür. Und nun?



    Komplexere Szenarien sind, zB Erhöhung des Elterngeldes müssten einen Gegenfinanzierungsvorschlag enthalten, der dann Steuern binden würden (was wohl nicht geht). 49% dafür. Und nun?

    Angesichts möglicher Ergebnisse dann wohl doch eher nicht.

    Aber vielleicht sollte man erstmal das erwähnte Buch lesen.

    • @fly:

      Bin ganz bei Ihrer Argumentation. Vorsichtig sein mit den Wünschen, das geht schnell nach hinten los politisch. Weil es wird eben nicht immer so von der Mehrheit gewählt, wie man selbst das gut finden würde.

    • @fly:

      Vielleicht sollte man einfach mal kurz die parlamentarischen bzw Regierungsentscheidungen der letzten Jahre dagegenhalten.



      Zusätzliche Ausgaben / Subventionen ohne Gegenfinanzierung? Da 10 Finger nicht zum Aufzählen.



      Unsinnige Entscheidungen bzgl Autobahnmaut? Fragen Sie mal die CSU.



      Sonderschulde für Investitionen, die dann aber im Kernhaushalt landen...



      Die Liste liesse sich lange fortsetzen.



      Schwer vorstellbar dass Volksabstimmungen da zu schlechteren Ergebnissen führen würden.

    • @fly:

      Gleichzeitig gibt es klare Mehrheiten für Klimaschutz und Einhaltung der Menschenrechte. Vielleicht würde es helfen die Abstimmungsfragen so zu formulieren, dass sie die Menschen explizit mit den Dilemmata und Widersprüchen in ihren Positionen konfrontieren. Wenn die Mehrheit dann trotzdem für Barbarei und Klimakollaps stimmt war es wenigstens eine informierte Entscheidung.

  • Macht nur Sinn, wenn Fake News und Irrsinn wie bei Brexit draußen bleiben. Wenn das Volk gut informiert abstimmt und kein verfassungsfeindlicher Mist rauskommen kann: warum nicht?

    • @FtznFrtz:

      Warum nicht? Weil Fake News und Irrsinn wie bei Brexit eben nicht draußen gehalten werden können! Alles andere ist Wunschdenken.

  • Ich bin es leid zu lesen, dass man die AfD-Wähler ernst nehmen müsse. Seit Jahren wird die politische Debatte dauerhaft von den egozentrischen Bedürfnissen sozial inkompetenter AfD-Wähler bestimmt. Die aktuelle Regierung mach seit ihrer Konstitution dauerhaft teilweise illegale Flüchtlingspolitik, um diese Wähler zurückzuholen, die aber trotzdem ihrer Sekte treu bleiben. Währenddessen fantasieren Vertreter der AfD fortwährend darüber, dass sie Leute wie mich trotz unserer deutschen Pässe "remigrieren" wollen (Höcke nennt diese "20-30%", ohne die Deutschland gut leben könne – diese Zahl entspricht ungefähr genau der Zahl aller Menschen mit Migrationshintergrund in DE – toleriert und gebilligt von der Spitze) und es bleibt maximal eine Randnotiz oder ein paar Wochen Demos, danach Business as usual.

    Ich finde, es ist langsam mal an der Zeit, UNSERE Bedürfnisse ernstzunehmen und ein Verbotsverfahren gegen diese Verfassungsfeinde einzuleiten. Vielleicht habt ihr es noch nicht begriffen, aber derzeit steht nicht weniger als der Fortbestand unserer Demokratie auf dem Spiel, zu dem wir, vielleicht habt ihr es noch nicht bemerkt, auch gehören.

    • @Besorgte_Bürger:

      Genau so ist es.



      Mein Traum: ein einwöchiger Generalstreik dieser 20-30 %



      Vielleicht würde das den Einen oder die Andere, die den Mist der AfD nachplappern zur Besinnung bringen?

  • Ich war früher auch dagegen. Aus Gründen wie sie auch im Artikel stehen. Hab keine besonders hohe Meinung von den Menschen, zumindest nicht wenn es mehrere sind, und fürchtete immer das es der Bildzeitung einfach zuviel Macht geben würde.

    Aber die Befürchtung ist irrelevant geworden, denn wenn wir nix tun ist es sowieso bald vorbei, wir haben nichts mehr zu verlieren.



    Die Menschen wollen in der Mehrheit eindeutig etwas anderes als das was in den letzten Jahrzehnten, besonders den letzten Jahren, Politisch geschehen ist. Umsetzen kann das aus den etablierten Parteien aber niemand, weil es durchaus moralisch Fragwürdig ist, welche Richtung der Wähler eigentlich wünscht und das wiederrum kostet einen dann schon den Kopf bevor man überhaupt in der Lage wäre etwas zu ändern.



    So drehen wir uns dann allerdings im Kreis, der Wähler will immer noch seinen Willen, kriegt ihn aber partu nicht, kann ein Berufspolitiker der an seiner Karriere hängt nicht umsetzen, und so steuern wir direkt auf eine Afd Herrschaft zu. Nur ne Frage der Zeit.

    Volksabstimmungen wo die Bürger eventuell unschöne Entscheidung treffen, werden hart zu ertragen sein, aber sind möglicherweise das kleinere Übel.

    • @Rikard Dobos:

      Ich kann Ihnen genau sagen, was dann passiert, die unterlegen Partei wird vor Gericht ziehen. Und dieses wird die »unschöne Entscheidung« sofort unterbinden.



      Den Aufwand können wir uns sparen.



      Es gibt einfach Entscheidungen, die dürfen nicht getroffen werden, ob richtig oder falsch, egal.

  • Bürgerräte können Volksabstimmungen vorbereiten, so geschehen in der hier zitierten Volksabstimmung mit dem Ergebnis Ehe für alle in Irland. Bürgerrät können das vesser als Parteien, da sie auf begrenzte Zeit ausgewählt wurden und Lobbies keinen direkten Zugriff auf sie und ihre Themensetzung / Vorbereitung von Volksentscheidungen haben. Beides zusammen macht also Sinn in si stark Lobbydominierten Parteiendokratien wie es in Deutschland nunmal der Fall ist.

    • @Nina Janovich:

      Der Bürgerrat in Irland bestand zur Hälfte aus Parlamentsabgeordneten.

    • @Nina Janovich:

      Sorry, aber wenn ich Bürgerräte höre, graut es mir.



      Welche demokratische Legimitation haben die denn? Wer wählt die aus?



      Das sind/werden dann nur Handlanger irgendwelcher Interssenvertretungen, also gleichzusetzen mit den anderen heutigen Lobbys.

      • @Donni:

        Loswahl wie bei den Schöff*innen. Demokratischer geht es wohl kaum.

        • @marilyn.hanson:

          Schöffenwahl demokratisch?

          In München* muss man sich als Schöffe bewerben und dann trifft der Schöffenwahlausschuss die Wahl.



          Da ist absolut nichts mit Demokratie!

          *Ich gehe davon aus, in anderen Städten ist es ähnlich.

          stadt.muenchen.de/...rtstrasse/1080614/

          • @Donni:

            In München wird noch ausgewählt?

            Ich kenne aus anderen Metropolen hierzulande die Geschichte, dass Neubürger bei der Anmeldung der neuen Adresse gleich das Bewerbungsformular als Schöffen "untergejubelt" wird, um überhaupt soviele Bewerber wie Plätze zu haben...

            • @FriedrichHecker:

              Mia san mia. :))

              Laut offiziellem Stadtportal JA.

  • Nur Wenige würden sich mit dem anstehendem Thema intensiv auseinandersetzen und aus einem "Bauchgefühl" heraus ihr Kreuzchen setzen.



    Deshalb sage ich nein, nein, nein und nochmal nein.

    • @Il_Leopardo:

      Alle Einwände sind berechtigt. Auch ich bin nicht zu allen Punkten in den Parteiprogrammen im Detail informiert und kenne die Konsequenzen, die eine Umsetzung nach sich ziehen.



      Trotzdem, wenn ich mir vorstelle, dass jetzt "der Bürger" über Fragen der Migration und Sicherheitspolitik entscheiden könnte, dreht sich mir die Magengrube um.

    • @Il_Leopardo:

      Ein grosses Vertrauen in unsere Berufspolitiker, wenn man glaubt dieses würden sich intensiv mit den meisten Entscheidungen auseinandersetzen, über die sie in den Parlamenten abstimmen.

    • @Il_Leopardo:

      Aber so ist es doch bei den jetzigen Wahlen auch schon.

    • @Il_Leopardo:

      Danke. Ich traue den Leuten, die unser Grundgesetz derzeit an die AfD verkaufen, keine gut durchdachten Entscheidungen zu. Den derzeitigen Politikern allerdings auch nicht. Im Gegensatz zu den Wählenden, kann man Politiker für ihre Entscheidungen aber zur Rechenschaft ziehen.

    • @Il_Leopardo:

      Mit dem Argument kann man das mit der Demokratie auch ganz lassen.

      Die wenigsten Leute setzen sich vor der Wahl intensiv mit den Wahlprogrammen der Parteien auseinander, kaum jemand kennt die Direktkandidaten und ihre genauen Positionen.

      Und trotzdem machen wir alle unserer Kreuzchen.