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Merz' Beschwerde über KrankenstandZu wenig Erholung macht krank

Eva Fischer

Kommentar von

Eva Fischer

Mit seinen Aussagen zu Krankmeldungen und Arbeitszeit ignoriert der Kanzler arbeitspsychologische Erkenntnisse – Zeit für einen Crashkurs.

Bei einer hohen Arbeitsbelastung wird das Stresshormon Cortisol vermehrt ausgeschüttet, wodurch die Regeneration gehemmt wird Foto: MacRein/picture alliance

M enschen, die permanent Unreflektiertes von sich geben, sind bisweilen etwas anstrengend. Einer dieser Menschen ist Friedrich Merz. Seine jüngste Aussage, sinngemäß: Menschen, die sich krankmelden, sollten dies bitte lassen. Diese Forderung passt zu Merz’ Ansicht, dass die Deutschen generell mehr arbeiten sollen, um die Wirtschaft anzukurbeln.

Es ist erstaunlich, dass Merz bei seinen Forderungen wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Arbeits- und Gesundheitspsychologie ignoriert. Denn sonst würde er wissen, dass ein hoher Krankenstand ein Hinweis auf Arbeitsüberlastung ist. Er würde auch wissen, dass mehr Arbeitszeit nicht automatisch mehr Output bedeutet, sondern gar das Gegenteil, insbesondere bei Wissensarbeiten. Dass generell nicht Druck, Kontrolle und das Ermahnen, sich zusammenzureißen, zu einer besseren Arbeitsleistung führen, sondern Wertschätzung, Motivation, körperliches und seelisches Wohlbefinden. Dass die Menschen dafür auch Erholung, Bewegung und ein erfülltes Leben neben der Arbeit benötigen, für das sie die entsprechende Zeit brauchen.

Beispiel Erholung: Bei einer hohen Arbeitsbelastung wird das Stresshormon Cortisol vermehrt ausgeschüttet, wodurch die Regeneration gehemmt wird; mehr Erholungszeit wird benötigt. Durch Mehrarbeit ist die Erholungszeit aber zusätzlich verkürzt. Zu wenig Schlaf, Erholung und Bewegung führen zudem zu einer erhöhten Infektanfälligkeit, da das Immunsystem geschwächt wird (Stichwort Erkältung, häufigster Grund für eine Krankschreibung). Zum anderen führt es zu einer kognitiven Verlangsamung. Die Folgen sind beispielsweise Unaufmerksamkeit, Lustlosigkeit, weniger Kreativität. Die Arbeit wird weniger schnell und gut erledigt. Zudem steigt das Risiko für Unfälle und Fehlentscheidungen – sehr teuer für Unternehmen.

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Dies sind nur wenige der vielen Beispiele dafür, welchen immensen Einfluss Arbeits- und Erholungszeit auf Gesundheit und Arbeitsergebnisse haben. Erholung ist ein wesentlicher Faktor einer funktionierenden Wirtschaft, kein ärgerlicher, unnötiger Kostenfaktor, den man zusammenstreichen kann.

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Eva Fischer
Chefin vom Dienst
Jahrgang 1989; seit Anfang 2025 bei der taz, derzeit als Nachrichtenchefin und Chefin vom Dienst bei taz.de. Vorherige Stationen: u.a. EU-Korrespondentin in Brüssel beim Handelsblatt, Redakteurin für Internationale Politik beim Tagesspiegel, Redakteurin bei der ZDF-Talkshow "Markus Lanz". Wirtschaftspsychologie-Studium mit Schwerpunkt Arbeits- und Organisationspsychologie und dem Nebenfach Politikwissenschaft, Besuch der Holtzbrinck-Journalistenschule, gelernte Medienkauffrau Digital und Print beim Spiegel-Verlag.
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