Hohe Ernteausfälle : Klimawandel, wie das brutzelt
Der Bauernverband rechnet mit hohen Ernteausfällen in diesem Jahr, höhere Preise für Essen inklusive. Für ihn ist das dennoch kein Grund für mehr Klimaschutz.
D as Essen hierzulande dürfte wieder teurer werden. Das machen Zahlen deutlich, die der Deutsche Bauernverband am Dienstag veröffentlichte. Aufgrund von Dürre und Hitze wird die Getreideernte in diesem Jahr unterdurchschnittlich ausfallen, so der Verband: um 3,3 Millionen Tonnen weniger als im Vorjahr, ein Rückgang von sieben Prozent. Am stärksten betreffen die Ernteausfälle aber Winterraps mit einem Rückgang von 20 Prozent, was zusätzlich auf Schädlingsbefall zurückzuführen sei.
Auch Heu, Stroh und Futtermittel werden knapp. Demnach müsse man entweder mehr importieren oder den Tierbestand reduzieren, Ergo: Die Kosten für tierische Lebensmittel steigen.
Damit zeigt sich, worauf die Klimaforschung schon lange aufmerksam macht: Der Klimawandel bedroht unsere Ernährungssicherheit.
Hierzulande ist die Landwirtschaft laut Umweltbundesamt der fünftgrößte Emittent von Klimagasen mit ungefähr 8,8 Prozent der Gesamtemissionen. Bei den Landwirtschaftsemissionen handelt es sich allerdings kaum um CO₂, sondern zu mehr als 95 Prozent um das noch klimaschädlichere Methan und Lachgas. Sie werden durch die Bearbeitung der Böden, den Einsatz von Stickstoffdüngemittel sowie Nutztiere freigesetzt. Dementsprechend gilt eine andere Ernährung als wirkungsvollste Maßnahme zur Treibhausgasreduktion des Sektors, was aber für die stark von der Viehzucht geprägten deutsche Landwirtschaft Einbußen bedeuten würde.
Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.
So nahm auch Verbandspräsident Joachim Rukwied bei der Pressekonferenz das Wort Klimawandel nicht von selbst in den Mund. Die Bauernbranche betreibe bereits ambitionierten Klimaschutz, so seine Antwort auf Nachfrage.
Statt von der Politik mehr Maßnahmen gegen den Klimawandel zu verlangen, fordert der Bauernverband lieber ein „Sofortpaket“: mehr EU-Millionenhilfen für Düngemittel, ein früheres Auszahlen der meisten Direktzahlungen, Steuer auf Diesel runter. Ohne im Gegenzug Klimazusagen machen zu wollen. Eine Zukunft der Landwirtschaft auf einem wärmer werdenden Planeten sieht anders aus.
Gemeinsam für freie Presse
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen
meistkommentiert