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Haushalts- und KlimapolitikMit Vollgas rückwärts

Anja Krüger

Kommentar von

Anja Krüger

Statt in Öko-Heizungen zu investieren, präferiert die Bundesregierung fossile Heizungen. Investitionen in klimafreundliche Anlagen werden unattraktiv.

W ie bezeichnend: Ausgerechnet den „Klimabonus“ will die Bundesregierung bei ihrem weitreichenden Kürzungsplan für Ökoheizungen abschaffen. Sie streicht hier Milliarden und einigt sich fast gleichzeitig auf ein Gesetz, mit dem das weitere fossile Heizen forciert wird. Parallel will Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) dem Klima- und Transformationsfonds allein im kommenden Jahr 2,7 Milliarden Euro entziehen – dem zentralen Instrument zum klimagerechten Umbau von Wirtschaft und Gesellschaft.

Vielen wichtigen Klimaprojekten wird damit der Stecker gezogen. Und das vor dem Hintergrund, dass Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) ein ganzes Paket an Neuregelungen im Köcher hat, mit denen die Energiewende brutal ausgebremst und die Verlängerung fossiler Geschäftsmodelle gesichert wird. Werden ihre Pläne realisiert, wird der Bau neuer Windanlagen oder Dachsolaranlagen finanziell unattraktiv.

Das alles konterkariert die bisherige Klimapolitik. Die Förderkürzungen und das neue Heizungsgesetz werden zu einem fatalen Zusammenspiel führen. Viele Menschen werden sich für den Einbau einer neuen fossilen Heizung entscheiden, weil es ihnen billiger erscheint. Wenn die extrem hohen Betriebskosten sie an die Grenze der Belastbarkeit oder darüber hinaus führen, ist es zu spät. Kri­ti­ke­r:in­nen warnen, dass etwa soziale Einrichtungen in Zukunft dazu gezwungen sein werden, neue fossile Gasheizungen einzubauen, weil sie die kurzfristig günstigste Lösung wählen müssen. Dass ist zwar langfristig sehr teuer, aber das interessiert deutsche Verwaltungsvorgaben genauso wenig wie die Wirtschaftsministerin.

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Diese rückwärtsgewandte Politik passt leider hervorragend ins Gesamtbild. Die Regierung hat keine, wirklich keine Idee, wie sie das Land in eine bessere Zukunft führen könnte. Der vorgelegte Bundeshaushalt offenbart eine erschreckende Bereitschaft zum sozialen Kahlschlag und zur falschen Weichenstellung. Gerade hat die Bundesregierung 1,6 Milliarden Euro für den Tankrabatt lockergemacht, damit Autofahrende zwei Monate lang vergleichsweise günstig klimaschädlichen Sprit kaufen konnten. Aber für Investitionen in eine klimaneutrale Welt und den Erhalt des Sozialstaats ist angeblich nicht genug Geld da.

Das Kürzen von Zuschüssen für klimafreundliche Umbauten ist genauso destruktiv wie das massive Herunterfahren von Sozialleistungen. Beides schafft das Gegenteil von Resilienz von Bür­ge­r:in­nen und Staat, denn es verschärft die bevorstehenden ökonomischen und ökologischen Krisen.

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Anja Krüger

Anja Krüger Parlamentskorrespondentin

Schwerpunkte Wirtschaft- und Energiepolitik
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7 Kommentare

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  • Es ist nur leider auch so, dass wir in Deutschland trotz oder sogar durch die Förderung die höchsten Preise bei Wärmepumpen haben.

    Darin liegt das eigentliche Desaster. Der Staat zahlt eine Förderung für ein Produkt, und dieses ist hier dann immer noch teurer als im Nachbarland.



    Also kommt das Fördergeld nicht demjenigen oder derjenigen zu Gute für den/die es gedacht war.

  • Eigentümer nicht noch mehr zu bezuschussen ist durchaus bedenkenswert. Der Staat muss wieder den Mut zu angemessenen Steuern haben.



    Aber inklusive angemessener Steuern auf fossile Dreckserei von Unternehmen und Privat. Dann geht der Umstieg auch ab.

  • "Das Kürzen von Zuschüssen für klimafreundliche Umbauten ist genauso destruktiv wie das massive Herunterfahren von Sozialleistungen. Beides schafft das Gegenteil von Resilienz von Bür­ge­r:in­nen und Staat, denn es verschärft die bevorstehenden ökonomischen und ökologischen Krisen."



    Das ist richtig und das hat sowohl Deutschland als auch Europa erkannt - denn deshalb schottet sich Europa zur Festung ab, Außenlager, Stacheldraht, Geldzahlungen an Schergen von Lybien bis Ankara und gleichzeitig wird massiv aufgerüstet, freilich zum Schutz gegen Putin, aber natürlich auch um zukünftig geopolitisch mit mehr Nachdruck die eigenen Rohstoffbedürfnisse und deren Zufuhr sichern zu können.



    (Letzteres mag vielleicht nicht Grundgedanke der Initiatoren gewesen sein, aber zukünftige eher rechte Regierungen werden mit dem Equipment sicherlich nicht nur im Heimathafen liegen wollen...🤷)



    Die EU und Deutschland haben sich für diesen Weg entschieden um so den ökonomischen und ökologischen Krisen der Zukunft zu begegnen - und bevor jetzt jemand mit Rechtsruck kommt - ALL DIESE WEICHEN wurden während der Ampel gestellt, Grüne, SPD und FDP haben das in Berlin wie Brüssel abgesegnet.

  • Ab 2045 sollen fossile Heizungen in Deutschland verboten werden, was nutzt es, dass sie bis dahin "billiger" sind?

    Ja, die Förderung der Wärmepumpen fällt, bald muss also der reale Preis für eine Heizung bezahlt werden. Also teuer wird es so oder so.

    Wenn ich mir die Häuser hier so auf dem ostdeutschen Land anschaue, bezweifele ich die Eignung von mehr als der Hälfte der Gebäude für Wärmepumpen. Was werden deren Besitzer bei der nächsten Wahl wohl ankreuzen?

  • Auch hier wird blind vorausgesetzt, Wärmepumpen seien im Betrieb billiger. Das scheint oft so, weil sie derzeit meist in Neubauten mit geringem Wärmebedarf verbaut sind.



    Ich sammle alle Nebenkostenabrechnungen, die ich im Bekanntenkreis erbetteln kann, und werte sie aus. Bezogen auf die abgegebene Nutzwärme sind Wärmepumpen tatsächlich das Zweitteuerste nach der Fernwärme und liegen etwa gleichauf mit Gas. Das Günstigste ist Heizöl. Das gilt für Zentralheizungen im Mehrfamilienhaus. Nur dort liegen die nötigen Meßwerte vor.



    Was aus allen Abrechnungen deutlich hervorgeht, sind die großen und fast immer weit unterschätzten Bereitschafts- und Verteilungsverluste. Die fallen bei kleinen Gasetagenheizungen mit Durchlauferhitzer komplett weg. Damit sind die vermutlich die günstigste Heizungsart.



    Das gilt auch für die Kohlendioxidemission. Die Stromerzeugung emittiert im Winter mehr als 400 g/kWh. Mit der Arbeitszahl einer Wärmepumpe kann man das dritteln und kommt auf 133 g/kWh. Das ist weniger als bei Gas, aber nicht so viel weniger. Rechnet man die Verteilungsverluste dazu, für eine kWh Nutzwärme werden deutlich mehr als 1.5 kWh Wärme erzeugt, ist auch der Klimavorteil weg.

  • Naja, wenn es mit den Wärmepumpen etwas langsamer voran geht, haben Gaskraftwerke und Netzausbau noch eine Chance, hinterherzukommen. Damit es den Wärmepumpenheizern im Winter nicht kalt wird.



    Energiepreise: Da haben manche Leute anscheinend keine Vorstellung davon, wie die Systemkosten für Sonne und Wind auf den letzten 30, 10, 5 und 1 Prozent exponentiell ansteigen.



    Abbau der Gasnetze: Der ist weder technisch noch wirtschaftlich begründet. Das ist eine rein politische Entscheidung, die sich korrigieren lässt. BTW: Vor 25 Jahren, bevor das damals umweltfreundliche Erdgas kam, standen hier in allen Gärten (außer in meinem) Propantanks. Die kann man wieder hinstellen.

  • Ich halte die Kürzung der Förderungen ja auch nicht für ein Ruhmesblatt, aber ein derart faktenfremder Kommentar provoziert Widerspruch:

    Nein, fossile Heizungen werden nicht "forciert". Das könnte man so einschätzen, wenn es plötzlich eine Förderung dafür gäbe. Gibt es aber nicht. Und die Annahme, dass die Leute zu blöd zum Rechnen sind ist zumindest überheblich. Stattdessen sollte man sich fragen wie sinnvoll Heizsysteme sind, die ohne massiven steuerlichen Zuschuss nicht wirtschaftlich sind.

    Und sich angesichts eines Sozialetats von 1,3 Billionen Euro über einen Mangel an Sozialem zu beschweren ist geradezu irrwitzig. Auch sich über den "Tankrabatt" (der keiner war, sondern eine Minderung der steuerlichen "Übergewinne" des Staates) in Höhe von 1,6 Milliarden zu mokieren ist kaum zu begreifen, enspricht er doch den deutschen Sozialleistungen von kaum 11 Stunden...