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Angriffskrieg in der Ukraine Die Russen rüsten um

Gastkommentar von

Alexander Gogun

Trotz aller jüngsten Mutmaßungen dürfte die Ukraine den brutalen Angriffskrieg Russlands nicht gewinnen können. Putins Regime hat dazugelernt.

N och Ende Juni wähnten der stellvertretende US-Außenminister Jeremy Levin und Bundeskanzler Friedrich Merz die Ukraine schon auf der Straße des Sieges. Entsprechende Vermutungen schienen nicht ganz unberechtigt. Die russische Bodenoffensive in der Ukraine war gescheitert, Kyjiw hingegen hatte Erfolge bei Angriffen mit Drohnen großer und mittlerer Reichweite zu verbuchen. Doch so einfach ist es nicht: Die vergangenen drei Monate haben zu einer brutalen Eskalation geführt, die nicht nach einem Sturm vor der Ruhe aussieht. Ende Juni hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj eine 40-tägige Operation angekündigt, um Russland an den Verhandlungstisch zu zwingen. Doch auch das ist bislang nicht von Erfolg gekrönt.

Laut UN-Daten verzeichnete die Ukraine in diesem Mai mit 274 Toten jeden Monat im Vergleich zum Jahresbeginn einen heftigen Anstieg ziviler Opfer. Der Juni war mit 293 Toten der blutigste Monat seit April 2022. Im Juli waren sogar 437 Getötete zu beklagen. In den Sommermonaten wurden mehrere Tausend Zivilisten verletzt. Die Ukraine hat ihre Patriot-Raketenbestände ausgeschöpft. Demgegenüber haben die Russen dazu gelernt – und rüsten völlig veraltete, ausgemusterte Flugabwehrraketen so um, dass die sogar Kyjiw erreichen. Darüber hinaus hat der Aggressor alte Fliegerbomben in noch größerem Ausmaß zu gelenkten Munitionstypen mit Gleitmodul umfunktioniert. Die russische Luftwaffe wirft diese Bomben zunehmend aus sicherer Entfernung ab und muss so nicht mehr verstärkt mit Bodentruppen vorrücken. Dennoch bleiben die Verluste für die ukrainische Armee an der Front weiterhin hoch.

Alexander Gogun

wurde 1980 in Russland geboren, ist Militärhistoriker und Totalitarismusforscher und lebt in Berlin. Sein aktuelles Buch „Durchdachter Weltuntergang: Wie Stalin den Dritten Weltkrieg vorbereitete“ wurde bisher unter anderem in Estland und der Ukraine veröffentlicht.

Hinzu kommt, dass ein wachsender Teil der Ukrainerinnen und Ukrainer den Eindruck hat, das Mobilisierungspotenzial des Landes sei erschöpft. Davon zeugen Gewaltausbrüche von zunehmend radikal agierenden Zivilisten gegen Regierungsvertreter. Der brisanteste Vorfall ereignete sich Anfang Juli in der westukrainschen Stadt Lwiw. Zwischen Anwohnern und dem Personal eines Rekrutierungszentrums kam es zu handfesten Auseinandersetzungen. Bis zu 200 Menschen stellten sich dem Militär und der Polizei entgegen. Diese war angerückt, um die Menge zu beruhigen. Aber die aufgeregten Menschen stürzten einen Militärkleinbus um.

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Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Laut den Angaben eines Kyjiwer Anwalts, der auf die Verteidigung von Männern im wehrpflichtigen Alter und von aktiven Militärangehörigen spezialisiert ist, hätten die Razzien zur Erfassung von Männern im Sommer selbst in der Hauptstadt ein beispielloses Ausmaß angenommen. In den östlichen Stadtbezirken seien wahllos alle aufgegriffen worden: Männer mit Ausnahmegenehmigungen oder Zurückstellungen von der Wehrpflicht, Menschen mit Behinderungen sowie Reserveoffiziere, die älter sind als 50 Jahre.

Darüber hinaus seien Personen nicht wie früher vom Militär, sondern mittlerweile häufig auch von Polizeibeamten festgesetzt worden. Die Betroffenen seien aber nicht in Rekrutierungszentren, sondern in Untersuchungshaft gebracht worden. Dort wurden sie mitunter fünf Tage lang festgehalten, nur um ihre Identitäten festzustellen. Das Gesetz sieht hierfür lediglich drei Tage vor. In den Hafteinrichtungen wurden die Männer untersucht, um ihre Diensttauglichkeit festzustellen. Ein Zeuge berichtete, wie Reservisten im Rang eines Polizeimajors als einfache Soldaten an die Front gesendet wurden, weil sie keinen Offiziersrang der ukrainischen Armee hatten. All das sorgt für zusätzlichen Unmut.

Die Ukraine kämpft de facto allein

Dass sich viele Ukrainer dem Dienst in der Armee zu entziehen versuchen, ist nachvollziehbar. Und genau darin liegt Kyjiws Dilemma. Denn trotz der Unterstützung durch die westlichen Staaten führt das Land bereits seit über viereinhalb Jahren einen Kampf auf Leben und Tod gegen das flächenmäßig größte Land der Erde – allein und quasi im direkten Duell.

Eine Nachricht, die die Bürgerinnen und Bürger der noch jungen Demokratie kürzlich erreichte und zusätzlich für Bestürzung gesorgt haben dürfte, schaffte es übrigens nicht in die deutschen Medien: Die derzeit von Kyjiw kontrollierten Landesteile der Ukraine zählen inzwischen nur noch 22 bis 25 Millionen Einwohner. Bis 2025 schätzten die Behörden etwa 29 Millionen. Diese Zahlen nannte unlängst der ukrainische Sozialminister Denys Uljutin. Demgegenüber leben in Russland und in den von Putin annektieren ukrainischen Gebieten, darunter die Krim, über 140 Millionen Menschen – circa sechsmal so viele.

Doch auch für den Kreml läuft es allenfalls mäßig. Angesichts der zunehmenden Zahl ukrainischer Angriffe auf russische Luftabwehrsysteme, militärische Einrichtungen und Ölraffinerien, darunter in Moskau, St. Petersburg, Sibirien, wird deutlich, dass Putin den technologischen Rüstungswettlauf gegen den Westen allmählich verliert. Putins Zustimmungswerte in der Bevölkerung sind gesunken – der Mangel an Benzin ist dafür lediglich ein Grund.

Dennoch liegt der Zuspruch für den Staatschef weiterhin noch bei über 60 Prozent. Zudem berichtete der ukrainische Nachrichtendienst, dass bereits im kommenden Herbst erneut nordkoreanische Soldaten in den russischen Grenzregionen stationiert werden sollen, diesmal könnten es Zehntausende sein. Sie sollen für direkte Angriffe vorgesehen sein, oder zumindest, um die in die Ukraine gesendeten russischen Truppen aufzufüllen.

Unterm Strich bleibt: Selbst schmerzhafte Angriffe der Ukraine auf die kritische Infrastruktur und militärische Ziele in Russland werden in absehbarer Zeit nicht zu einem Waffenstillstand, geschweige denn zu ernstzunehmenden Friedensverhandlungen führen. Tod und Zerstörung gehen weiter. Ein Ende des Krieges ist nicht in Sicht.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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93 Kommentare

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  • Dorian Müller

    Die Ukraine muss den Krieg nicht gewinnen, sie darf ihn nur nicht verlieren. Es ist gut und informativ, dass der Autor auf die immensen Schwierigkeiten in der Ukraine und den Anstieg ziviler Opfer dort hinweist. Die Rekrutierungsprobleme hat aber auch Russland und auch die Ukraine setzt Tausende an Söldner ein. Das Geld dafür könnte noch stärker aus dem Westen kommen. Die Ukraine sollte sich nicht zu verlustreichen Offensiven hinreißen lassen, die Verteidigung ist immer personalschonender. Besetzte Gebiete werden nach dem Zusammenbruch des Putinregimes ohne Blutvergießen zurückkommen.

    Die enorme Zähigkeit des ukrainischen Widerstandes sollte nicht unterschlagen werden: Bei 24 Millionen Einwohnern kämpfen 900.000 aktive ukrainische Soldaten, die direkte militärische Reserve wird auf etwa 1,2 Millionen Menschen geschätzt. Etwa 16.000 ausländische Freiwillige aus 70 verschiedenen Ländern unterstützen die ukrainischen Streitkräfte. Man vergleiche das mal mit der Bundeswehr bei über 80 Millionen Deutschen.

  • Black & White

    Die USA hätte aus meiner Sicht der Gamechanger sein können. Aber das Interesse von Trump ist wohl inzwischen erloschen, da für die USA nichts mehr zu holen war und sich Trump andere Themen (Iran etc.) zugewandt hat. Vermutlich wird der Krieg -auch aufgrund der Unterstützer der Ukraine und von Russland- wohl noch ziemlich lange dauern.

    Ich frage mich, ob Gespräche stattfinden: insbesondere mit und zwischen den Konfliktparteien, mit Europa, der USA und China? Zumindest im Hintergrund.

    Ob Gespräche kurzfristig Erfolg haben würden, wage ich zu bezweifeln. Aber man könnte zumindest eine Basis für ein Mindest-Vertrauens-Niveau schaffen. Vielleicht schafft man es, sich anzunähern. Oder sogar den Krieg früher beenden. Der Versuch wäre es auf jeden Fall wert. Die Alternative: ein langer, langer Krieg mit vielen Toten.

  • zartbitter

    Momentan führt die Ukraine eine zunehmend aggressive Drohnen- und Raketenoffensive gegen Ziele weit hinter der Front in Russland aus. In den vergangenen Tagen gab es beispielsweise sehr große ukrainische Drohnenangriffe auf Moskau und andere russische Regionen sowie Angriffe auf militärische und industrielle Infrastruktur gegen die sich Putin kaum oder garnicht wehren kann. Die russische Landmasse ist anscheinend zu groß als das Putin in der Lage wäre die russische Infrastruktur effektiv zu schützen.



    =



    Momentan sieht es eher nach einer Verschiebung des Kräfteverhältnisses zugunsten der Ukraine aus als nach einer vollständigen ukrainischen Gegenoffensive. Ukraine gewinnt lokal Gelände zurück, bremst russische Angriffe und greift zunehmend die russische Logistik und Rüstungsindustrie im Hinterland an. -



    =



    Peinlich für den Versager Putin der unfähig ist die eigene Bevölkerung und die Wirtschaft des größten Landes der Welt nicht schützen kann.

  • Sybille Bergi

    Sobald das tägliche Leben der Menschen in Moskau und St. Petersburg nicht mehr problemlos funktioniert kommt richtig Druck in den Kessel.

    • metalhead86

      @Sybille Bergi:

      Unterstützend könnte die EU den russischen Eliten/Oligarchenfamilien ja mal die Visa entziehen/verweigern. dann fielen zumindest Shoppingausflüge nach Paris ins Wasser.



      London ist in diesen Kreisen wohl auch sehr beliebt, aber das muss UK beschließen.

  • Surfbosi

    Schon etwas einseitiger Artikel. Mit den russischen Ressourcen ist es auch nicht so weit her. Sieht man jetzt an der Petrochemie, die am Boden liegt. Stellenweise sind die russischen Verluste neun mal höher an der Front als die der Ukrainer. Eine russische Mobilmachung steht bevor.



    Im Prinzip ist das ein Abnutzungskrieg, wer als erstes nicht mehr weiterkämpfen kann, muss verhandeln. Kann bald passieren oder erst in Jahren, das kann niemand vorhersehen.



    Vielleicht kann man es auch so sehen: die alte zentralistisch organisierte, autoritäre und fossile Welt kämpft gegen die Neue, die sich schnell anpassen kann und neue Technologien und Organisationsformen nutzt.



    Ok, etwas idealisiert, aber Russland wird den Krieg verlieren, weil sie sich nicht an die neue Zeit anpassen konnten. Das ist wie bei den Dinosauriern.

  • Hans Dampf

    "...dürfte die Ukraine den brutalen Angriffskrieg Russlands nicht gewinnen können. "



    Wenn es so ist, dass die Ukraine diesen Krieg nicht gewinnen kann, wieso unterstützen die USA und die EU nebst GB ihn dann trotz all der dann völlig unnötigen Opfern.



    Ist es wirklich so, oder macht der Kampf doch Sinn?

    • test_name

      @Hans Dampf:

      >wieso unterstützen die USA und die EU nebst GB ihn<



      .



      Was soll der Westen machen? Man stelle sich vor, Putin gewinnt und besetzt die Ukraine. Millionen ukrainische Flüchtlinge würden den gesamten Westen destabilisieren.



      .



      Putin darf nicht gewinnen.

      • Axel Berger

        @test_name:

        Die sind doch ohnehin alle schon weg, siehe den massiven Bevölkerungsrückgang. Die arme Landbevölkerung hat sich schon immer mit allen Machthabern arrangiert, die bleibt.

        • Machiavelli

          @Axel Berger:

          Es leben immer noch Millionen Menschen in den Städten. Die die da sind sind oft Idealisten. Natürlich würden Millionen mehr fliehen. Und Russland gefangen in der Kriegswirtschaft würde weitermachen.

          • Metallkopf

            @Machiavelli:

            Das ist der eigentliche Punkt. Wenn die Ukraine verliert, verliert Putin jeden Grund, mit seiner Expansion aufzuhören. Dann geht er weiter. Moldawien, Baltikum, Finnland, Polen...

            Und es wird immer Menschen geben, die glauben, die wahren Kriegstreiber seien jene, die der Meinung sind, dass man sich gegen solche Aggression wehren muss.

  • Justus Niebur

    Zum Artikel, der Autor lamentiert über sndere Mutmaßungen und deren Bewertung, bringt jedoch selbst kein echten Fakten.



    Zur Einordnung: Ein deutscher ReserveOffizier kann bis zum sechzigsten, höhere Dienstgrade bis zum 65 Lebensjahr dienstverpflichtet werden. Bei den Kameraden würde ich dann nicht von letztem Aufgebot sprechen.

    • Gerald Müller

      @Justus Niebur:

      Da Durchschnittsalter der UA-Soldaten beträgt etwas über 47 Jahre, das Mindestalter ist 25, das Höchstalter zur Zwangsverpflichtung 60. Es dürfte also da der Krieg schon 4 Jahre dauert etliche Soldaten geben die älter als 60 sind. Einen Schnitt von 47 ereicht man da wohl kaum mit ein paar älteren Offizieren.

  • Land of plenty

    Das kann man ja alles herstellen: wenn Europäer und andere Mächte wollten, dass die Ukraine den Krieg gegen den Kreml gewinnt, dann wird das gehen. Das ist nur eine Frage des politischen Willens. Das heißt sich nicht von Moskaus Drohgebärden einschüchtern lassen.



    Schließlich hängt von der Rückgewinnung aller von Moskau eroberten Territorien und von der Befreiung der Einwohner für die ganze Welt ganz viel ab.



    Kapitulieren und oder Ukraine zu einer Halbierung zu zwingen ist keine Option.



    Die antimoderne Rassenideologie des Eurasiertums darf nicht siegen.



    Die Fossilokraten auch nicht.



    Zukunft gestalten, statt mit Sehnsucht nach gestern resignieren.

  • mdarge

    Redakteure der TAZ haben die Situation schon früher sehr düster für die Ukraine dargestellt. Doch dieses Jahr wurde der Vormarsch der Russen immer langsamer. Es ist direkt an der Frontlinie, wo sich gemäß Militär-Blogger die Ukraine gut behaupten kann. Tatsächlich sind die Gleitbomben ein großes Problem, doch keineswegs ein neues. Im Gegenteil ist es den Ukrainern gelungen ähnliche Waffen einzusetzen. Auch wenn es sich nicht so leicht wiederholen lässt, war der Abschuss einer Su-35 ein richtungweisender Erfolg.

    Hierzulande darf man das nicht sagen, doch die aktuell laufende Mobilisierung wird wohl weniger dafür gebraucht, in der Ukraine weiter vorzurücken, sondern Moskau ist es leid, wenn die Ukraine Material aus dem Westen bekommt. Daher wird man im Baltikum einmarschieren. 2029/2030 wäre Deutschland kriegsfähig, so die Planung. Darauf will man nicht warten. Nach den Parlamentswahlen wird sich der Ton weiter verschärfen. Dann kommen die grünen Männchen.

    • Dorian Müller

      @mdarge:

      Russland ist militärisch natürlich lernfähig, aber mir kamen dessen aktuellen Probleme auch zu kurz: Der Verlust von Starlink und damit praktisch einer effektiven Kommunikation an der Front, die extrem marode Logistik und der Verlust zehntausender Trucks, die Blockade der Krim, die Dezimierung der Flugabwehr und fast totale Hilflosigkeit gegen die Abwehr von Drohnenschwärmen, die fast komplette Zerstörung der Schwarzmeerflotte. Die Geschichte zeigt: Russland kämpft bis zum Zusammenbruch, und der kommt ökonomisch oder über den Zusammenbruch der Logistik. Putin ist weder willens noch fähig diesen irrsinnigen Krieg zu beenden.

  • zartbitter

    Wadephul sieht russische Drohungen als Ausdruck von Verzweiflung



    =



    Außenminister Wadephul hat Drohungen des russischen Außenministers Lawrow als »absurde Propaganda« einer zunehmend verzweifelten russischen Führung bezeichnet. »Angesichts der in Russland immer schmerzhafter spürbaren wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen des erfolglosen Eroberungskrieges gegen die Ukraine versucht der Kreml verzweifelt, die internationalen Unterstützer der Ukraine durch Drohungen und Desinformation unter Druck zu setzen«.



    ==



    "Keine der russischen Aktivitäten wird Erfolg haben. Wir werden stets die richtigen Antworten finden. Wir zeigen europäische Geschlossenheit."



    Johann Wadephul bezog sich auf Lawrow der gesagt hatte, Russland werde alles zerstören, was aus dem »Westen« zur Unterstützung der Ukraine in ihrem Abwehrkampf komme.



    =



    Die SPD-Abgeordnete/Verteidigungsexpertin Siemtje Möller: "Wir sollten uns von diesen wiederholten martialischen Drohungen weder provozieren noch einschüchtern lassen." Lawrows Drohungen sind Ausdruck einer zunehmenden Verzweiflung des russischen Regimes angesichts des ausbleibenden Erfolgs an der Front & der vielen Drohnentreffer der Ukraine in Rußland.

    • Justus Niebur

      @zartbitter:

      Regelmäßig wir von russischer Seite gedroht, wenn es schlecht läuft.



      Als es um den Küstenbereich zwischen Odessa und Cherson ging (Der von den Russen geräumt werden musste, weil man der Ukraine verbot, dort den Sack zuzumachen), fuhren die leeren Atomwaffen Züge an der originären ukrainischen Grenze rum.



      Die an sich festgesetzten russischen Soldaten durften abziehen.



      Von daher ist Herrn Wadepuhl zuzustimmen

  • TomDePhazz

    Ich finde auch, es war ein guter Artikel, aber auch Russland wird den Krieg nicht gewinnen. Am Ende wird es irgendeinen dreckigen Kompromiss geben wie schon so oft in der Historie.

    Was für mich unerwartet war, das ist die Nennung der 'geschrumpften' Bevölkerung, das hatte ich nie auf dem Schirm. Für mich war die Ukraine immer noch ein Land mit rund 40 Mio Einwohnern.

    Die Meldungen in den Medien, der gewollte Fluß von bestimmten Informationen, das ist ja auch Teil dieses Krieges. Wenn Russland in einer Nacht 30 Raketen in die Ukraine schießt, keine abgefangen wird und dann die Meldung kommt, es sein ein Wohnhaus zerstört worden, wo sind die andern 29? Sicher nicht auf der grünen Wiese gelandet, die werden irgendwo Logistik- oder militärische Ziele anvisiert haben. Dieses Ausmaß kennen wir nicht für eine reale Beurteilung der Lage. Wir als 'Zeitungspublikum' müssen das auch nicht wissen. Insofern ist eine Beurteilung der Lage durch uns Laien sehr schwer.

    • Abdurchdiemitte

      @TomDePhazz:

      „Wenn Russland in einer Nacht 30 Raketen in die Ukraine schießt, keine abgefangen wird und dann die Meldung kommt, es sei ein Wohnhaus zerstört worden, wo sind die anderen 29?“



      Gute Frage. Nun veröffentlichen die offiziellen ukrainischen Stellen schon seit Tagen keine Zahlen mehr, was den russischen Raketenbeschuss betrifft, vor allem die abgefangenen Raketen. Man möchte dem russischen Kriegsgegner keine Aufschlüsse darüber ermöglichen, wie (wenig) erfolgreich die eigene Luftabwehr ist.



      Kluge Informationsstrategie oder reine Verzweiflung angesichts fehlender Patriot-Abfangraketen (die die USA offensichtlich auch nicht liefern können, weil ihr Vorrat im sinnlosen Krieg gegen den Iran schlicht verschossen wurde)?

  • tehabe

    Das Problem ist halt immer noch, dass die Ukraine nicht aufhören kann zu kämpfen ohne alles zu verlieren. Russland muss bloß aufhören zu schießen und seine Soldaten aus der Ukraine abziehen.

  • ToMuch

    Es war von Anfang an klar, die Ukraine ist im Recht. Und genauso war klar, sie kann aber nicht gewinnen.

    Wir hätten so viele Tote auf beiden Seiten vermeiden können, wenn man es gleich eingesehen hätte.

    • metalhead86

      @ToMuch:

      Nein. Wir hätten Tote auf russischer und nordkoreanischer Seite vermieden. Die Ukrainer würden im Falle einer Eingliederung ins russische Imperium dort Wehrdienst leisten müssen und für andere russische Kriege herangezogen werden. Beispielsweise im Baltikum. Oder in russischen Folterkellern sterben falls sie sich weigern.

    • Encantado

      @ToMuch:

      "Es war von Anfang an klar, die Ukraine ist im Recht. Und genauso war klar, sie kann aber nicht gewinnen.



      Wir hätten so viele Tote auf beiden Seiten vermeiden können, wenn man es gleich eingesehen hätte."



      Sie plädieren demnach dafür, Unrecht zuzulassen und die wiederum daraus folgenden weiteren Eroberungskriege mit den daraus resultierenden Toten ebenfalls?



      Nur damit ich Sie nicht falsch verstehe.

    • Kaboom

      @ToMuch:

      Die Ukraine muss nicht gewinnen. Bei den aktuellen russischen Verlusten muss Putin in spätestens einem Jahr an den Verhandlungstisch kommen.

    • Abdurchdiemitte

      @ToMuch:

      Die ukrainischen Streitkräfte befinden sich derzeit in einer 60-Tage-Offensiv-Operation, die die russische Schattenflotte und die Kriegsmarine im Schwarzen Meer schon empfindlich dezimiert sowie der russischen Energie-Infrastruktur (Öltaffinerien) erhebliche Schäden zugefügt hat. Dazu die Schläge gegen militärische Einrichtungen bis weit in das russische Territorium hinein.



      Jetzt sehen wir gezielte Drohnenangriffe auf große Wildberries-Logistikzentren, die die russische Zivilbevölkerung spüren lassen, dass der Krieg ins eigene Land zurückkehrt und der ukrainische Gegner sich durchaus zu wehren und sogar den Spieß umzudrehen weiß.



      Natürlich kann die aktuelle Kampagne ebenso verpuffen wie alle vorherigen Offensivaktionen der ukrainischen Armee. Und die Russen passen ihre Strategie der ukrainischen an.



      Dass russische Zivilisten bei Luftangriffen zu Tode kommen ist ebenso entsetzlich wie die Toten in Kiew, Charkiw, Odessa oder andernorts in der Ukraine. Es bleibt nur die Hoffnung, dass jede in Moskau oder anderswo in Russland eingeschlagene ukrainische Drohne das Kriegsende wenigstens ein Stückchen näher bringt.

    • Axel Schäfer

      @ToMuch:

      Genau und sie hätten sich hingestellt und dem lieben Russen gesagt: hier ist jetzt Schluss und ihr lasst auch Polen mal hübsch in Ruhe....



      ... und der liebe Onkel Putin hätte dann auch wirklich aufgehört.

      • ToMuch

        @Axel Schäfer:

        Der wollte vorher Polen nicht und der will auch jetzt Polen nicht.

        • Kaboom

          @ToMuch:

          Putin hat im Gegenteil schriftlich erklärt, dass er die geopolitische Lage von vor 1998 wiederherstellen will. Was schlicht bedeutet, dass er Polen angreifen wird. Ebenso wie die baltischen Staaten. Und noch ein paar andere Länder.

        • Axel Schäfer

          @ToMuch:

          Seine Vordenker haben die westliche Grenze der Ausdehnung der russischen Einflusszone bei Lissabon festgelegt, danach kommt nur noch der Atlantik.

  • Egil

    Guter Artikel, der die Realität dieses vermaledeiten Konfliktes aufzeigt. Solidarität mit der Ukraine bedeutet für mich jedenfalls Solidarität auch und vor allem mit denjenigen Männern, die keinerlei Ambitionen zeigen in diesem Krieg ihr Leben einzusetzen und sich wie in dem Artikel geschildert gegen die Zwangsrekrutierungen zur Wehr setzen.



    Auch wenn das Putinregime in Russland eindeutig abscheulich und verachtenswert ist, empfinde ich viele "westlichen" Initiativen in diesem Konflikt sehr scheinheilig und heuchlerisch. Da sind sehr viele, teils sehr widersprüchliche Interessen im Spiel, den Preis bezahlen die Menschen vor allem in der Ukraine und teils auch in Russland. In der EU bezahlen "wir" lediglich mit Wohlstandsverlust und Rechtsruck, dafür steigen aber einige Aktienkurse und viele Oberschlaue können sich im Glanze ihrer Einsichten sonnen..

    • zartbitter

      @Egil:

      ""Da sind sehr viele, teils sehr widersprüchliche Interessen im Spiel - weil scheinheilig und heuchlerisch.""



      ==



      de.wikipedia.org/w...Ukrainischen_Krieg

  • Zippism

    Allein der erste Absatz strotzt vor Zweckoptimismus. Aus dem Scheitern einer russischen Offensive folgt noch lange keine ukrainische „Straße des Sieges“. Russland ist der Ukraine bei Bevölkerung, industrieller Kapazität, Rüstungsproduktion und militärischen Ressourcen weiterhin deutlich überlegen. Das hat sich nicht dadurch geändert, dass die russischen Geländegewinne 2026 bislang gering sind.

    Der eigentliche Befund ist wesentlich nüchterner: Russland hat einen enormen Ressourcenvorteil, kann ihn aber nur mit sehr hohen Verlusten und äußerst langsamen Geländegewinnen in militärischen Erfolg übersetzen. Die russische Offensive ist also keineswegs ein Durchmarsch – aber ebenso wenig steht die Ukraine kurz vor dem Sieg.

    Gerade deshalb wirkt die im Artikel kritisierte Vorstellung, die Ukraine sei Ende Juni bereits „auf der Straße des Sieges“ gewesen, ist doch absurd. Man sollte einen Krieg nicht anhand dessen beurteilen, welche Seite gerade weniger schlecht dasteht. Die Ukraine kann russische Offensiven abwehren und sogar örtlich Gelände zurückerobern, ohne strategisch in einer Position zu sein, Russland militärisch aus allen besetzten Gebieten zu vertreiben.

  • Bauer Gerry

    Nein, Russen, die immer noch hinter Putin und diesem irren Krieg stehen, haben rein gar nichts dazu gelernt, außer vielleicht an Unmenschlichkeit und Bösartigkeit.

  • zartbitter

    ""Putins Regime hat dazugelernt.""



    ==



    Mit Sicherheit nicht. Ansonsten - Ukraine versucht durch Drohnen die Putin nicht abwehren kann Blueberry in die Pleite zu bomben - wobei das Kalkül mitschwingt das dabei auch eine russische Bank wegen Überschuldung abstürzt und noch größeren wirtschaftlichen Schaden in Russland anrichtet.



    Quelle: Pleitgen /CNN der gerade erst aus Moskau zurück gekehrt ist

    • Abdurchdiemitte

      @zartbitter:

      Das ukrainische Kalkül könnte aufgehen, da stimme ich zu.



      Allerdings: falls Putin einknicken muß wegen der wirtschaftlichen Schäden, die die gezielten und mittlerweile den russischen Drohneneinsatz bei weitem übersteigenden ukrainischen Drohnenangriffe bewirken, geht es auch dann nur um ein Einfrieren der aktuellen Frontlinie. Und hier sehe ich nicht, wie die Ukraine militärisch in Vorhand kommen soll.



      Zwar höre und lese ich einiges über ein Abschneiden der russischen Versorgungslinien auf der Krim, aber das ist angesichts der realen militärischen Kräfteverhältnisse wohl eher als pro-ukrainische Propaganda zu werten (wir haben in diesem Krieg schon oft davon gehört).



      So sind die Krim und der Donbas für die Ukraine wohl endgültig verloren, auch dann, wenn Putin schon bald an den Verhandlungstisch gezwungen werden könnte.



      Seine ursprünglichen Kriegsziele hat er dennoch nicht erreicht und der Kriegsausgang wird alle lügen strafen, die die Russen schon unterm Brandenburger Tor oder gar in Lissabon gesehen haben

      • Outis

        @Abdurchdiemitte:

        "Lügen strafen" halte ich hier für eine extrem irreführende Formulierung.



        Dass Russland sich (hoffentlich) übernommen hat, liegt gerade daran, dass a) die Ukraine trotz der sehr langsam anlaufenden und auch in Verlauf des Krieges immer wieder stockenden Unterstützung Widerstand geleistet haben und b) eben auch an der materiellen Unterstützung, die die Ukraine immerhin doch bekommen hat. Insofern kann ein wie auch immer geartetes Kriegsende nicht im Nachhinein Szenarien "Lügen strafen", die eben diese zukünftigen Entwicklungen noch nicht beinhaltet haben.

        Dass die RF Krieg gegen den "kollektiven Westen" führt, ist ja leider unstrittig, immerhin hat die aktuelle Entwicklung die Erfolgsaussichten einer klassisch-militärischen Ausweitung auf Nato-Gebiet deutlich verringert. Daran ist nichts fair und es heißt auch nicht, dass ein Regime unter innenpolitischem Druck nicht doch irgendwelche Verzweiflungszündeleien anzetteln könnte. Weiß auch nicht, wer hier angesprochen sein soll, in erster Linie ging es bei "Lissabon" um den von Ideologen der "russischen Welt" formulierten Hegemonieanspruch.



        Hier ein relevanter Artikel:



        www.lvivherald.com...-geopolitical-plan

  • Encantado

    "Trotz aller jüngsten Mutmaßungen dürfte die Ukraine den brutalen Angriffskrieg Russlands nicht gewinnen können."



    Immer dieses Auf und Ab je nach Kriegsglück... durch den jahrelangen Widerstand hat die Ukraine bereits gewonnen.

    • Zippism

      @Encantado:

      „Durch den jahrelangen Widerstand hat die Ukraine bereits gewonnen“ – das halte ich für eine ziemlich fragwürdige Definition von Sieg.

      Natürlich hat die Ukraine verhindert, dass Russland seine ursprünglichen Maximalziele erreicht. Das ist ein Erfolg. Aber ein Land, das einen erheblichen Teil seines Territoriums verloren hat, dessen Städte und Infrastruktur massiv zerstört wurden und aus dem Millionen Menschen geflohen sind, hat deshalb noch keinen Krieg „gewonnen“. Rund 20 Prozent des ukrainischen Staatsgebiets stehen weiterhin unter russischer Kontrolle.

      Widerstand zu leisten und eine Niederlage zu verhindern ist nicht dasselbe wie einen Krieg zu gewinnen.

      Mir scheint, hier wird der Begriff „Sieg“ inzwischen so weit gedehnt, dass am Ende jede Entwicklung als ukrainischer Erfolg verkauft werden kann.

      Die Realität ist nüchterner: Russland ist militärisch weiterhin die stärkere Partei, konnte diese Überlegenheit aber bislang nicht in einen entscheidenden Sieg umsetzen. Die Ukraine wiederum konnte ihre Niederlage verhindern, ist aber weit davon entfernt, ihre ursprünglichen Kriegsziele vollständig zu erreichen.

      • Encantado

        @Zippism:

        "Natürlich hat die Ukraine verhindert, dass Russland seine ursprünglichen Maximalziele erreicht."



        Und das ist kein (Teil-)Sieg?



        "Aber ein Land, das einen erheblichen Teil seines Territoriums verloren hat, dessen Städte und Infrastruktur massiv zerstört wurden und aus dem Millionen Menschen geflohen sind, hat deshalb noch keinen Krieg „gewonnen“."



        Die Ukraine existiert noch. Das über mehr als vier Jahre einem übermächtigen Gegner abzutrotzen, ist respekteinflößend.



        "Widerstand zu leisten und eine Niederlage zu verhindern ist nicht dasselbe wie einen Krieg zu gewinnen."



        Wenn Sie nur einen totalen Sieg als Sieg akzeptieren, dann ja, steht das Urteil noch aus.



        Wie würden Sie denn einen Sieg der Ukraine definieren? Kapitulation Moskaus, Rücktritt Putins?



        Es sei daran erinnert, dass Afghanistan gegen die UdSSR gewann, ohne dass in diesem Sinne verloren hätte.

    • Mopsfidel

      @Encantado:

      Was hat die Ukraine in den letzten 5 Jahren gewonnen? Außer dem massiven Geländeverlust und den circa 120.000 Toten (plus circa 300.000 Verletzten)?



      Bis dato hat doch nur die Kriegsindustrie richtig viel gewonnen.

      • nihilist

        @Mopsfidel:

        Komische Frage. Die Ukraine hat diesen Krieg nicht angefangen und nie vorgehabt, dabei etwas zu gewinnen.

      • Encantado

        @Mopsfidel:

        "Was hat die Ukraine in den letzten 5 Jahren gewonnen?"



        Angesichts der Unkenrufe zu Beginn des Krieges: jeder Quadratmeter, den Russland nicht besetzt hält, jeder Tote, der nicht gestorben ist. Nach Butscha sollte sich die Frage nach Leben oder Tod anders stellen, finden Sie nicht? Dass Sie die dortigen Toten und die Konsequenzen für andere eroberte Gebiete in Ihren Betrachtungen außen vor lassen, finde ich zynisch.

      • Alterchen

        @Mopsfidel:

        Genau so isses. Die Gewinne der Rüstungsindustrie sind der Hauptantrieb deutscher Diplomatie.

      • Drissejal

        @Mopsfidel:

        Die Ukraine hat die Bewunderung weiter Teule der Weltöffentlichkeit gewonnen, die nicht nachlassende Unterstützung der NATO minus USA.



        Die Russen haben, nicht zuletzt aufgrund ihrer komplett menschenverachtenden Militärtaktik, weitaus mehr Gefallene zu beklagen.



        Was wäre ihre Alternative? Kapitulation, damit Putin das nächste Land angreifen kann? Widerwärtige Einstellung.

      • Abdurchdiemitte

        @Mopsfidel:

        Naja, in der Drohnentechnologie hat die Ukraine Russland mittlerweile überflügelt und exportiert diese auch erfolgreich in andere Staaten (Israel, Gilfstaaten).



        Außerdem setzt die Ukraine mit ihrem inzwischen auch quantitativ höheren Drohneneinsatz auf russischem Territorium (und zwar in einem Radius von mehreren tausend Kilometern) der russischen Ökonomie ziemlich zu. So sehr, dass die wirtschaftlichen Folgen für die russische Bevölkerung richtig spürbar werden. Ob aber die Unzufriedenheit der Russen über Benzin-Engpässe Putin gegenüber der Ukraine zum Einlenken bewegen wird? Ich fürchte nicht.



        Aber unterm Strich haben Sie natürlich recht: in erster Linie verdient die Rüstungsindustrie an diesem Krieg. Die Bevölkerung in beiden Ländern kann nur verlieren, wie in jedem Krieg.

      • Encantado

        @Mopsfidel:

        "Was hat die Ukraine in den letzten 5 Jahren gewonnen?"



        Neben dem abstrakten Begriff 'Freiheit' seien einfach die vielen Toten genannt, die Russland _nicht_ a la Butscha hat abschlachten können. Die Kinder, die über vier Jahre hinweg _nicht_ nach Russland verschleppt wurden.



        Brauchen Sie mehr Beispiele, oder definieren Sie Sieg nur über Geld und Land?

      • Suryo

        @Mopsfidel:

        Jeder einzelne Tag, den man nicht von Russland beherrscht wird, ist ein Gewinn.

        • Drissejal

          @Suryo:

          Exakt!

  • Cornelia Gliem

    Der Artikel selbst sagt es: der Krieg wird andauern, wahrscheinlich bis die Russen selbst sich Putin entledigen. Aber im Titel einfach zu behaupten, dass die Ukraine nicht gewinnen kann, ist plakativ und falsch. Das wurde und wird wie man sieht seit dem ersten Tag des Krieges behauptet.



    Der Titel sollte besser lauten: Russland kann dem Krieg nicht gewinnen.

    • Andreas Schulz

      @Cornelia Gliem:

      Könnte es auch sein, dass Julian Assange mit seiner Aussage, "Kriege werden nicht geführt um sie zu gewinnen, sondern um sie endlos andauern zu lassen", vielleicht zumindest in diesem Fall nicht ganz daneben liegt? Jedenfalls geht keine Kriegspartei "all in". Die westliche Unterstützung für die Ukraine beträgt über die Jahre zwar schwindelerregende Euro-Summen, jedoch scheinen, wenn man den Nachrichten traut, erfolgten Waffenlieferungen nur mit angezogener Handbremse. Ebenso scheint Russland zurückhaltend zu agieren. Vielleicht will aber jede Kriegspartei Ressourcen für einen weiteren oder einen sich deutlich ausweitenden Konflikt zurück behalten. Oder aber Assanges Ansatz des endlosen Wirtschaftsmotors Krieg ist der Grund. Who knows?

      • Encantado

        @Andreas Schulz:

        "Jedenfalls geht keine Kriegspartei "all in"."



        Zum Glück! Die reale Gefahr durch Atomschläge haben Sie vergessen?

    • Abdurchdiemitte

      @Cornelia Gliem:

      „Russland kann den Krieg nicht gewinnen.“



      Die Ukraine aber auch nicht. Putin dagegen kann es schon als Sieg verbuchen, wenn die Waffenstillstandslinie an der aktuellen Front eingefroren wird (zuvor wird er noch versuchen, die Städte Slowjansk und Krammatorsk einzunehmen). Das war im vergangenen Jahr schon Trumps Vorschlag. Momentan ist der allerdings aussenpolitisch anderweitig engagiert.



      In den schon okkupierten Gebieten der Ukraine arbeitet die Zeit indes für die Russsn. Die Russifizierung schreitet dort unaufhaltsam voran. Darin haben die russischen Imperialisten seit Jahrhunderten Erfahrung.

    • Encantado

      @Cornelia Gliem:

      "Der Titel sollte besser lauten: Russland kann den Krieg nicht gewinnen."



      Ist halt die Frage, wie man 'gewinnen' definiert.



      Aber das ist mittlerweile so oft durchgekaut worden...

  • economista

    Die Kurzfassung nicht nur dieses Artikels zum Krieg in der Ukraine ist ein wenig irreführend.

    "Trotz aller jüngsten Mutmaßungen dürfte die Ukraine den brutalen Angriffskrieg Russlands nicht gewinnen können."

    Nein, natürlich kann die Ukraine den von Russland geführten Krieg nicht gewinnen. Höchstens ihren eigenen Abwehrkampf.

    oder im themenverwandten Artikel ohne offene Kommentare: "Moskau warnt London vor dem Einsatz britischer Drohnen Kyjiws."

    Tatsächlich geht es in diesem Artikel um britische Drohnen, die von der Ukraine eingesetzt werden. Moskau warnt London vor der Lieferung, und vielleicht die Ukraine vor dem Einsatz.

  • Leon Kaz

    Der Artikel beleuchtet die Schwierigkeiten auf ukrainischer Seite, wischt sie auf der russischen Seite aber zur Seite. Russische Soldaten überleben im Schnitt 20 - 30 Minuten an der Front. Der Verlust an Soldaten ist enorm gestiegen und liegt mittlerweile bei 1,4 Mio. Männern. Und die Zahlen steigen stetig weiter. Putin müsste eigentlich wieder großflächig Soldaten einziehen, gleichzeitig kann er sich das kaum erlauben, weil die Bevölkerung es ablehnt

    Viele Ölraffinerien sind beschädigt oder fallen gänzlich aus. Die Folge: Massive Einbußen bei der Produktion Benzin, Diesel und Kerosin. Das bekommen Russen auch in Moskau oder SPB zu spüren. Hinzu kommt, dass die Krim weitgehend isoliert ist und anscheinend sich bereits ein Machtkampf unter den Eliten anbahnt.







    Dies bedeutet alles nicht, dass der Krieg für die Ukraine gewonnen sei oder das er bald enden wird. Es erzeugt aber den völlig falschen Eindruck, die massiven Schwieirigkeiten der Russen zu unterschlagen. Es erzeugt den Eindruck, die Ukraine sei schon verloren. Das ist sie mitnichten.

    • Barnie

      @Leon Kaz:

      Also, die "Schwierigkeiten" auf russischer Seite sind hier in der taz ebenfalls ausführlich behandelt worden. Nur weil in diesem Artikel nichts dazu vorkommt, heißt das nicht dass es keine Beiträge dazu gibt.

    • Abdurchdiemitte

      @Leon Kaz:

      Schließe mich Ihrem Kommentar weitgehend an, was die Folgsn dieses Krieges für die russische Wirtschaft und die Zivilbevölkerung betrifft.



      Und nein, die Ukraine ist nicht verloren. Aber die von Russland besetzten Gebiete sind für die Ukraine verloren.

      • Drissejal

        @Abdurchdiemitte:

        Kurz- bis mittelfristig wohl schon. Langfristig wird die "Russische Föderation", was nur ein Euphemismus für ein Kolonialreich ist, komplett implodieren, wie alle Kolonialreiche zuvor.

    • Zippism

      @Leon Kaz:

      Man sollte also durchaus hinterfragen, wie belastbar die ukrainischen offiziellen Angaben sind. Und wenn man schon die enormen russischen Verluste hervorhebt, sollte man die erheblichen ukrainischen Verluste nicht einfach ausblenden.

      Russland hat bislang eine zweite formelle Massenmobilisierung vermieden und versucht, die Lücken durch hohe finanzielle Anreize zu schließen.

      Die Ukraine wiederum hat ebenfalls massive Rekrutierungsprobleme; selbst der neue ukrainische Armeechef bezeichnete einen funktionierenden Mobilisierungsprozess als eine zentrale Priorität. Berichte über gewaltsame Praktiken ukrainischer Rekrutierungsbeamter gibt es ebenfalls.

      Kurz gesagt: Russland hat gewaltige Probleme mit Personal, Material und Treibstoff – daran besteht kein Zweifel. Aber daraus folgt eben nicht, dass die Ukraine „eigentlich schon gewonnen“ hätte. Beide Seiten zahlen einen enormen Preis. Der Unterschied ist vor allem, dass Russland seine personellen Lücken bislang ohne eine neue offizielle Massenmobilisierung zu schließen versucht, während die Ukraine ebenfalls mit erheblichem Mobilisierungsdruck und einer wachsenden Personalkrise kämpft.

      • Sam Spade

        @Zippism:

        Das ist ein Äpfel mit Birnen Vergleich den sie hier in ihren Kommentaren betreiben.

        4 zu 1 beträgt das Zahlenverhältnis zwischen Angreifer und Verteidiger. 6 zu 1 bei Durchbrechen einer Frontlinie. Diese Richtwerte können sie jeder Militärdoktrin entnehmen.

        Es ist daher unerheblich auf welche Art der Mobilmachung die Russen setzen. Die Verluste werden ähnlich groß sein wie bisher und die Geländegewinne werden klein bleiben.

        Der Unterschied zur Ukraine liegt darin was der russische Ökonom Andrej Klepatsch auf den Punkt gebracht hat. Die russische "Niederlage" wird früher oder später durch den Kollaps der russischen Wirtschaft erfolgen. Der Krieg wird dann schlichtweg nicht mehr finanzierbar und durchführbar sein.

        Da gleicht es doch eher einem Ablenkungsmanöver einen Nebenschauplatz in Form ukrainischer Rekrutierungsprobleme zu eröffnen. Die bestehen durchaus, werden aber nicht kriegsentscheidend sein. Das einzige was für die Ukraine gefährlich werden könnte, wäre wenn der Westen seine Unterstützung zurückfahren würde. Militärisch und wirtschaftlich. Und davon ist nicht auszugehen, schon aufgrund der Eigeninteressen der Europäer.

      • Abdurchdiemitte

        @Zippism:

        Danke für Ihre zutreffende Einordnung. Ich schätze es so ein, dass beide Kriegsparteien ziemlich bald das Ende der Fahnenstange erreichen, was die Zustimmung ihrer Bürger zu diesem Krieg betrifft.



        Niemand weiß, wie lange Putin noch den Deckel auf dem brodelnden Topf halten kann. Auch Selenskyi muss die Unzufriedenheit seiner Bevölkerung fürchten, gerade weil die Ukraine ein grundsätzlich demokratischer Staat ist.



        Die russische Autokratie hingegen bedeutet nicht, dass sich Putin seiner Macht unangefochten, auf ewige Zeiten sicher sein kann, wenn die Dinge für ihn weiter schief laufen.

  • Bürger L.

    Eine ehrliche Unterstützung der Ukraine bestünde jetzt darin, dass die Europäer, - von mir aus auch angeführt von Deutschland - einen konkreten Plan zur Beendigung des Krieges auf diplomatischer Ebene entwickeln.

    Zu lange hat sich unsere Regierung hinter den wirren Initiativen der USA versteckt und im weinerlichen Ton beklagt, dass die Europäer nicht mit am Verhandlungstisch sitzen. Ohne selbst einen konkreten Plan zu haben, hätte das wohl auch nicht viel Sinn gemacht.

    Einzelne Poliker*innen, die es gewagt haben, mögliche Optionen zur Erreichung (wenigstens) eines Waffenstillstands öffentlich zu machen, wurden bisher mit der Ausrede abgebügelt, man müsse es den Ukrainern überlassen, die Bedingungen allein zu bestimmen. Ich kenne niemanden, der das bisher infrage gestellt hat.

    Wirkliche Unterstützung eines angegriffene europäischen Nachbarn sieht für mich allerdings anders aus. Sich aus sicherer Entfernung auf die Lieferung von Waffen und Geld zu beschränken reicht nicht aus.

    "Wehrfähige" ukrainische Männer die bei uns Schutz suchen zurückzuweisen, damit sie dann in der Ukraine - "auch für uns" - ihr Leben aufs Spiel setzen, grenzt schon an Zynismus.

    • metalhead86

      @Bürger L.:

      Die diplomatische Lösung bestünde darin dass Russland einfach seine eigenen Grenzen akzeptiert. Vorzugsweise die die 1991 von so ziemlich allen Staaten der Welt anerkannt wurden. Dann bleibt afaik noch so ein bisschen Konfliktpotenzial mit Estland. Da ist die Grenze bisher nicht so genau, eindeutig und einvernehmlich festlegt.

    • C. Avestruz

      @Bürger L.:

      Sie suggerieren eine Lösung, die nicht existiert.



      Wie sollte ein Abkommen aussehen, das sowohl der Ukraine langfristig Überlebensfähigkeit, Sicherheit und Eigenständigkeit bietet, und gleichzeitig Russlands hegemoniale Ansprüche befriedigt?

    • Encantado

      @Bürger L.:

      "...dass die Europäer, - von mir aus auch angeführt von Deutschland - einen konkreten Plan zur Beendigung des Krieges auf diplomatischer Ebene entwickeln."



      Schöne Worte. Welchen diplomatischen Vorschlägen hat sich Putin bislang auch nur ansatzweise offen gegenüber gezeigt?



      Ach ja, richtig: überhaupt keinen. Na dann.

      • Bürger L.

        @Encantado:

        Dass Russland seine ursprünglichen Ziele erreicht, die gesamte Ukraine zu besetzen, kann man, nach Stand der Dinge ausschließen.



        Dass es der Ukraine gelingt, den Russischen Aggressor aus allen bisher besetzten Gebieten mit militärischen Mitteln zu vertreiben ist auch unrealistisch.



        Tag für Tag wird in diesem Krieg zerstört und gestorben. Es sterben Ukrainische und Russische Soldaten und in letzter Zeit vermehrt Zivilisten - Männer, Frauen, Kinder.



        Ich teile nicht die etwas eingeschränkte Sichtweise, dass Herr Putin, weil er bisher nicht zu Verhandlungen bereit war, auch künftig nie für Kompromisse und Verhandlungen offen sein wird.



        Da beide Länder, weder der Angreifer noch die Angegriffenen den Krieg zu ihren Bedingungen gewinnen können, wird es zwangsläufig irgendwann Gespräche und Verhandlungen geben müssen. Es wäre fahrlässig, wenn wir als direkte Europäische Nachbarn dann nicht wenigstens eine Idee hätten, wie zumindest ein Waffenstillstand aussehen könnte. Auf Herrn Trump und seine "Gang" sollten wir uns besser nicht verlassen, wenn's um unsere europäischen Friedensinteressen geht.

        • nihilist

          @Bürger L.:

          Und wie kommt man da hin, dass Putin seine Meinung zu Verhandlungen irgendwann doch ändert?

        • Encantado

          @Bürger L.:

          "Ich teile nicht die etwas eingeschränkte Sichtweise, dass Herr Putin, weil er bisher nicht zu Verhandlungen bereit war, auch künftig nie für Kompromisse und Verhandlungen offen sein wird."



          Oh, diese Sichtweise dürfte niemand wirklich haben. Allerdings ist Putin noch nicht bereit. Sie können davon ausgehen, dass auf allen Kanälen auch auf unterschwellige Signale aus Moskau geachtet wird. Aber da kommt nix, weil Putins eigene Existenz davon abhängt.

        • Claude Nuage

          @Bürger L.:

          "Ich teile nicht die etwas eingeschränkte Sichtweise, dass Herr Putin, weil er bisher nicht zu Verhandlungen bereit war, auch künftig nie für Kompromisse und Verhandlungen offen sein wird."



          Natürlich wird Putin verhandeln. Wenn genug Russen gestorben sind. Das dauert noch.

        • Abdurchdiemitte

          @Bürger L.:

          Ich behaupte mal frech, die Europäer HABEN eine Idee, die weit über einen Waffenstillstand (mit eingefrorener Demarkationslinie in den von Russland okkupierten Gebieten der Ukraine) hinausgeht. So weit dachten Trump und seine Verhandler nicht, als sie im vergangenen Jahr die US-Vorschläge für einen Friedensschluss präsentierten.



          Dazu meine Erwiderung zu Ihrem Kommentar weiter oben.

  • Fritz Müller

    ... natürlich war es nur eine Frage der Zeit, bis Russlands Militärführung soweit dazu gelernt hat, bis es zu einem Abnutzungserscheinung/Stellungskrieg kommt. Da Russland weiterhin genug Geld für Söldner ausgeben kann, wird Die Ukraine irgendwann aufgeben müssen, weil schlicht kein Personal mehr vorhanden ist.

    Es wäre evtl. an der Zeit über eine russisch-europäische Pufferzone von Blockfreien Staaten nachzudenken.

    • metalhead86

      @Fritz Müller:

      Und welche Staaten sollen das sein?



      Wer bestimmt die?



      Wer sagt diesen Staaten das?



      Und wer tut was dagegen falls diese Staaten das nicht wollen?

      Ich dachte ja eigentlich die Zeiten des Imperialismus wären für die meisten Deutschsprachigen vorbei.

    • rero

      @Fritz Müller:

      Dann fragen Sie mal rum, welcher Staat denn gerade blockfreie Pufferzone sein möchte.

      Schweden und Finnland schon mal nicht, dort hat man Zuviel Angst.

      • Abdurchdiemitte

        @rero:

        Wenn man sich die ‚Fortschritte‘ der russischen Kriegsführung in der Ukraine genauer anschaut, zweifle ich doch stark daran, dass Schweden oder Finnland vor der wahrlich beeindruckenden russischen Kriegsmaschinerie Angst haben müssen. Außer wahllos und heimtückisch ukrainische Zivilisten und Infrastruktur zu bombardieren, kann die nämlich nicht viel ausrichten.



        Polen muss übrigens schon gar nicht Angst vor der russischen ‚Übermacht’ haben. Dort leistet man sich derzeit sogar anti-ukrainische Ressentiments.

        • Blechgesicht

          @Abdurchdiemitte:

          Ja warum sollte man auch vor einem Feind Angst haben der "wahllos und heimtückisch Zivilisten und Infrastruktur bombardiert". Da gibt es wirklich nichts was weniger angsteinflößend ist.

      • Encantado

        @rero:

        "Dann fragen Sie mal rum, welcher Staat denn gerade blockfreie Pufferzone sein möchte."



        Da die nächste Ausweitungszone Russlands bereits NATO-/EU-Staaten sind, fiele mir nur Moldawien ein. Ob's das bringt?

        • Abdurchdiemitte

          @Encantado:

          Zumal zwischen Russland und Moldawien geografisch die Ukraine liegt, deren Fortexistenz als souveräner, pro-westlicher Staat Putin gerade NICHT zerstören kann (was seine ursprüngliche Absicht war).



          Moldawien wäre im Fall einer Okkupation (oder als Satellitenstaat) also nur eine russische Enklave, ähnlich Kaliningrad. Es reicht die russische Enklave in Transnistrien, um dort Druck auszuüben. Aber die pro-europäisc Haltung Moldawiens kann das auch nicht beeinflussen, eher im Gegenteil.



          Da erscheint es aus russischer Sicht doch lohnenswerter, Georgien aussenpolitisch entsprechend zu ‚bearbeiten‘. Dann hätte man im Südkaukasus wieder einen Fuß in der Tür, nachdem der Einfluss in Aserbaidschan futsch ist und der über Armenien schwindet (wegen der fehlenden russischen Unterstützung im Kampf um Nagorny-Karabach).



          Ein Blick auf die geopolitische Situation um Russland herum reicht nämlich aus, um zu sehen, dass an der Umzingelungs/Einkreisungs-These (die Putin als Vorwand benutzte, um sich die Ukraine einverleiben zu können) doch etwas dran ist. Nur hat sich Russland wegen seiner imperialistischen Absichten in der Region selbstverschuldet in diese Lage gebracht.



          Die NATO freut‘s trotzdem.

          • rero

            @Abdurchdiemitte:

            Ich befürchte, die NATO freut es kein Stück.

            Der war der Putin lieber, der nett Gas lieferte und sich mit der Krim begnügte.

            Warten wir mal ab, ob es in 20 Jahren noch eine NATO gibt.

  • XXX

    Wenn das Fazit ist, dass die ukrainischen Angriffe "in absehbarer Zeit nicht zu einem Waffenstillstand, geschweige denn zu ernstzunehmenden Friedensverhandlungen führen", warum versucht man es nicht einmal mit etwas anderem und zwar ernsthaften Friedensverhandlungen, welche die eigentlichen Probleme, nämlich die beabsichtigte NATO-Einbindung der Ukraine in den Blick nehmen?



    Ich könnte mir vorstellen, dass man durchaus einen Kompromiss mit den Russen finden könnte, der umsomehr besetzte Gebiete bei der Ukraine belässt, je mehr sie sich Russland annähert.

    • metalhead86

      @XXX:

      Das eigentliche Problem ist nicht die potentielle NATO-Mitgliedschaft der Ukraine sondern die Tatsache das Moskau der Meinung ist in dieser Frage mitreden zu dürfen. Denn es handelt sich um eine souveräne Entscheidung der Ukraine. Hat sogar Putin schon mal so in der Art gesagt. Das Problem das Russland mittlerweile damit hat besteht darin, dass die Ukraine dann wirklich souverän wäre und kein Teil Russlands. Und nein, die Ukrainer wollen kein teil Russlands sein. Nicht nach den Erfahrungen der Sowjetzeiten.

    • Moby Dick

      @XXX:

      Welche beabsichtigte NATO-Einbindung der Ukraine? Es gab im Vorfeld des Krieges keinen Plan, die Ukraine in die NATO zu holen.

      "Zur Einordnung sei an dieser Stelle erwähnt, dass [...] ein NATO-Beitritt der Ukraine im Vorfeld des aktuellen Krieges nicht zur Debatte stand. Wenngleich ein solcher aus Sicht der Ukraine gewünscht war und zum Ziel erklärt worden war."

      www.lpb-bw.de/ukraine-eu-nato

      Zum anderen wäre das gar kein Problem gewesen, hatte doch Rußland der Ukraine die freie Bündniswahl bereits zugestanden:

      "Bedeutet das Recht auf Souveränität etwa für Georgien und die Ukraine auch, dass Russland nichts gegen deren Beitritt zur EU und zur Nato hätte?

      Lawrow: Das ist deren Wahl. Wir achten das Recht jedes Staates – unsere Nachbarn eingeschlossen –, sich seine Partner selbst zu wählen, selbst zu entscheiden, welcher Organisation sie beitreten wollen."

      www.handelsblatt.c...-nato/2460820.html

    • Encantado

      @XXX:

      "...die eigentlichen Probleme, nämlich die beabsichtigte NATO-Einbindung der Ukraine in den Blick nehmen?"



      Ach ja... der Popanz der Einbindung der Ukraine in die NATO...



      Russland hat einem möglichen Beitritt der Ukraine in die NATO ausdrücklich zugestimmt. Wieviel Verlässlichkeit mag ein Vertrag bieten, der nun Frieden gegen Nicht-NATO-Beitritt verspricht?

    • Leon Kaz

      @XXX:

      "ch könnte mir vorstellen, dass man durchaus einen Kompromiss mit den Russen finden könnte, der umsomehr besetzte Gebiete bei der Ukraine belässt, je mehr sie sich Russland annähert."

      Das ist richtig wie zynisch. Sofern die Ukraine de facto aufhört zu existieren, ist Russland sicher bereit zu verhandeln. Wie die russischen Besatzer gegen die Bevölkerung vorgehen mit Mord, Vergewaltigung und Folter haben wir zu Genüge gesehen. Schwer verwunderlich, dass die Ukrainer das nicht möchten.

    • Machiavelli

      @XXX:

      Das Angebot auf die NATO Mitgliedschaft zu verzichten liegt lange auf dem Tisch. Aber Putin will die Ukraine haben. DAher geht der Krieg weiter.

  • Forist Grump

    Der Zyniker Putin hat keinerlei Skrupel, weiterhin Hunderttausende Soldaten aus dem fernen Osten Russlands als Kanonenfutter zu verheizen, und solange das nicht auch die Bevölkerung von Moskau und St. Petersburg betrifft, wird sich dort auch kein Widerstand regen. Im Gegenteil, die können sich jetzt sogar als Opfer fühlen, weil die Ukraine es wagt, sich mit eigenen Drohnenangriffen zu wehren.

    • Forist Grump

      @Forist Grump:

      P.S. Was würden Sie denn anstelle der ukrainischen Regierung machen? Kapitulieren?

    • Zippism

      @Forist Grump:

      Der Zynismus Putins und die hohen russischen Verluste sind völlig zu Recht zu kritisieren. Aber warum wird dabei so getan, als bestünde das ukrainische Heer aus Freiwilligen?

      Auch ukrainische Soldaten sterben und werden verwundet. Und die Ukraine hat inzwischen erhebliche Probleme, überhaupt genügend Soldaten für die Front zu finden. Die Mobilisierung wird teilweise unter massivem Zwang durchgesetzt – die vielfach dokumentierten Auseinandersetzungen zwischen TCC und Männern auf offener Straße sind eben nicht sämtlich russische Erfindungen. Selbst der Menschenrechtskommissar des Europarats hat über systematische Menschenrechtsverletzungen bei der Mobilisierung berichtet.

      Dazu kommen Millionen Ukrainer, die das Land verlassen haben. Rund 5,7 Millionen waren laut UNHCR bereits Mitte 2025 als Flüchtlinge im Ausland, weitere Millionen waren innerhalb der Ukraine vertrieben. Im Juni 2026 standen noch 4,41 Millionen Ukrainer unter vorübergehendem Schutz in der EU.

      Dieses moralische Doppelbild ist doch bemerkenswert: Die Russen werden als „Kanonenfutter“ beschrieben, während ukrainische Männer, die nicht kämpfen wollen, offenbar einfach als notwendiges Menschenmaterial behandelt.

      • Forist Grump

        @Zippism:

        P.S. Was würden Sie denn anstelle der ukrainischen Regierung machen? Kapitulieren?

      • Forist Grump

        @Zippism:

        Als Doppelmoral empfinde ich eher, wenn jemand den Aggressor und den Verteidiger, der sich notgedrungen wehren muss, gleichsetzt.

      • Arafna

        @Zippism:

        Mich stört die Gleichsetzung in diesem Satz. Es gibt einen moralischen Unterschied zwischen Soldaten, die von einem Aggressor rücksichtslos verheizt werden, und Bürgern, die sich der Pflicht entziehen, ihre eigene Heimat zu schützen. Wer den Schutz und die Privilegien eines Staates beansprucht, kann sich in dessen Stunde Null nicht einfach heraushalten und andere die Arbeit mit dem Leben bezahlen lassen.

  • FtznFrtz

    Seit viereinhalb Jahren läuft dieser verfluchte Krieg schon. Ein Land von der Größe der Ukraine ist nicht militärisch gegen den Willen der Bevölkerung zu erobern und dauerhaft zu besetzen.



    Vietnam, Afghanistan, der Irak, es gab in den letzten Jahrzehnten diverse Beispiele, wo angeblich haushoch überlegene Großmächte militärisch jämmerlich gescheitert sind, freilich nicht ohne Tod und Verwüstung zu hinterlassen. So wird es auch hier wieder sein, nur wann? Entscheidend wird die russische Innenpolitik sein. Wann haben die Russen genug? Vom Krieg, von Putin, von allem was damit zusammenhängt? Erst dann endet der Krieg. Geht man von der jetzigen Situation aus wird das noch lange dauern, leider.

    • Arafna

      @FtznFrtz:

      Wann haben die Russen genug?

      Ich stimme Ihren Ausführungen voll und ganz zu. Die russische Bevölkerung spürt die Folgen des eigenen Angriffskrieg erst jetzt so richtig deutlich und zeitgleich sinkt die Zustimmung für Putin und seiner Vasallen. Wo wäre die Ukraine heute, wenn sie diese Strategie von Anfang an verfolgt hätte?

      Die Frage ist, wie lange kann sie einerseits an der Frontline weiterhin Paroli bieten, während sie zusätzlich Menschen und Material für die Bombardierung russischer Infrastruktur aufbringen muss?



      Fakt ist aber auch, dass die Ukraine mit dieser Strategie jeden einzelnen ihrer Staatsbürger braucht.