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Standorte für Musterungszentren stehenBundeswehr mustert in der Shoppingmeile

Weil Musterung zur Pflicht wird, bekommen Hamburg und weitere Städte eigene Bundeswehr-„Karriere-Center“. Linke warnt vor Überrumpelung junger Leute.

Noch keine Wehrpflicht, aber eine Musterungspflicht hat der Bundestag bekanntlich beschlossen. Um rund 300.000 junge Männer im Jahr dieser Prozedur unterziehen zu können, hat das Verteidigungsministerium nun Standorte für 24 Musterungszentren festgelegt. In Norddeutschland soll in Schwerin, Kiel, Hamburg, Braunschweig und Oldenburg je ein Zentrum entstehen. Und pro „Karriere-Center“ sollen 50 zivile Dienstposten geschaffen werden, darunter für Ärzte, Psychologen und medizinisches Personal.

Um die Musterungen an gut erreichbaren Orten durchzuführen, werden auch Gebäude angemietet. In Oldenburg zum Beispiel soll laut NDR die Bundeswehr in mehrere Stockwerke einer früheren C&A-Filiale ziehen. In Hamburg, wo das ehemalige Kreiswehrersatzamt 2012 nahe der Alster nach Aussetzung der Wehrpflicht geschlossen wurde, ist das Landeskommando auf der Suche nach attraktiven Räumen in der Innenstadt, wie ein Sprecher mitteilt. Bislang müssen die Hamburger Bewerber für die gesundheitliche Untersuchung nach Kiel oder Hannover fahren.

Der Hamburger CDU-Abgeordnete Ralf Niedmers begrüßt, dass mit Hamburg nun auch die zweitgrößte Stadt Deutschland zu den Musterungsstandorten gehört. „Damit wird die Präsenz der Bundeswehr in Norddeutschland gestärkt.“

Dass sich alle jungen Männer mit dem Thema befassen, dafür sorgt ein Fragebogen, auf dem seit diesem Januar alle ab 2008 geborenen Männer auf einer Skala von 0 bis 10 ihre Bereitschaft zum Wehrdienst erklären müssen. Wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) berichtet, haben bisher 72 Prozent geantwortet und laut auf t-online zitierten Bundeswehrkreisen hatte etwa die Hälfte Interesse bekundet.

Vor einigen Jahren bekam ich nur Werbung für die Bundeswehr. Jetzt muss ich die Briefe zwangsweise beantworten und nächstes Jahr muss ich zur Musterung. Was ist in drei Jahren?

Golo Kirsch, Schulstreik gegen Wehrpflicht

Für Schüler, die zuletzt am 8. Mai gegen eine Wehrpflicht auf die Straße gingen, ist die bevorstehende Pflichtmusterung ein Ärgernis. „Vor einigen Jahren bekam ich nur Werbung für die Bundeswehr. Jetzt muss ich die Briefe zwangsweise beantworten und nächstes Jahr muss ich zur Musterung. Was ist in drei Jahren?“, fragt der 18-jährige Kieler Golo Kirsch von der Gruppe „Schulstreik gegen Wehrpflicht“.

„Für mich stellt sich die Musterung als Schikane dar“, sagt er. „Nach den Berichten aus der Vergangenheit ist es ein Eingriff in meine Selbstbestimmung. Ich möchte nicht, dass die Bundeswehr weiß, ob ich tauglich bin, um für dieses System mein Leben zu geben“, sagt der Schüler. Und er befürchte, dass die Musterungspflicht „doch eine Vorbereitung auf die Wehrpflicht ist“.

Was zur Pflichtmusterung gehört, ist noch nicht ganz klar. „Bis zum Aufbau der geplanten Musterungszentren führen wir zunächst das bisherige Verfahren weiter“, sagt eine Sprecherin der Bundeswehr in Köln, die für die Beantwortung von Personalfragen zuständig ist. Die Stelle verschickt den Link zu einem Erklärfilm, in dem die beiden Bewerber Jan und Madleine das „Assesment“ für den Wehrdienst im Kariere-Center der Bundeswehr Berlin durchlaufen.

Nach einer ärztlichen Begutachtung nehmen die beiden dort an einem Computertest, CAT genannt, teil, wo etwa logisches Denken, Reaktionsfähigkeit und Rechnen unter Zeitdruck getestet werden. „Das war’s schon, damit hast du das Assessment für den Wehrdienst abgeschlossen“, sagte der Sprecher aus dem Off. „Warst du erfolgreich, geht es weiter mit der Planung.“ Der Film zeigt, wie Madleine mit einem Bundeswehrangehörigen, dem Einplaner, in ein Zimmer geht und darüber spricht, wie sie ihre Wünsche mit den Möglichkeiten bei der Bundeswehr in Einklang bringen kann.

Gefragt, ob dieses „Einplanungsgespräch“ ein Teil der Musterungspflicht oder freiwillig ist, bekam die taz noch keine eindeutige Antwort. Die Sprecherin schrieb: „Zunächst werden wir diejenigen ärztlich untersuchen, die ihre Bereitschaft für eine freiwillige Wehrdienstleistung mittels des avisierten Fragebogens bekundet haben und die nach einer Auswertung des Fragebogens potenziell dem Bedarf entsprechen.“

Erstes modernes Musterungszentrum 2026 fertig

Der Aufbau der Musterungsorganisation solle bis zum 1. Juli 2027 erfolgen, das erste moderne Musterungszentrum noch 2026 die Arbeit aufnehmen. „Ich bitte um Verständnis, dass wir darüber hinaus zum jetzigen Zeitpunkt keine weiteren Informationen zu den genauen Zeitlinien bereitstellen können“, schreibt die Sprecherin. Das Ergebnis der Musterung werde in einem „Musterungsgespräch“ erläutert. Nur ist das das Gleiche wie jenes „Einplanungsgespräch“? Klare Antworten gibt es immerhin zur unbeliebten Hodenuntersuchung. Die kann auch ein Facharzt durchführen.

Wir empfehlen, jetzt zu verweigern, dann kommt man um die Musterung herum

Yannick Kiesel, Deutsche Gesellschaft der Kriegsdienstverweigerer

Yannick Kiesel von der Deutschen Gesellschaft der Kriegsdienstverweigerer (DFG-VK) sagt, die Bundeswehr lege sich nicht fest und wisse womöglich in Teilen selber noch nicht, wie mit der Musterungspflicht verfahren wird. „Wir empfehlen, jetzt zu verweigern, dann kommt man um die Musterung herum.“

Laut einer Kannbestimmung aus Paragraf 13 des Kriegsdienstverweigerungsgesetzes müssten Verweigerer, die vor dem 1. Januar 2010 geboren sind, nicht zur Musterung. „Aber wenn spätestens im Juli 2027 die Kapazitäten der Musterungszentren aufgebaut sind, gehen wir davon aus, dass auch Verweigerer wieder gemustert werden.“ Denn für nach 2010 Geborene verfalle diese Regelung.

Die Linke-Bundestagsabgeordntete Desiree Becker sagt: „Die Bemühungen der Bundeswehr, das Musterungsverfahren so schnell und effektiv wie möglich zu gestalten, birgt das Risiko der Überrumpelung der Wehrpflichtigen.“ Deswegen sei es um so wichtiger, dass sich die jungen Leute über ihre „Rechte und Pflichten im Musterungsverfahren informieren“.

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32 Kommentare

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  • Laut aktuellen Studien und Berichten besitzen die reichsten 10 % der Haushalte rund 60 % des gesamten Nettovermögens. Das habe ich so gerade nachgeschlagen. Na, dann sollen deren Söhne (und Töchter) unser Land verteidigen. Aber von denen wird man niemanden in der Wehrmacht finden. Neins was aber auch!

    • @Il_Leopardo:

      Es ist ja auch ein Merkmal des Krieges, dass die Menschen die sich letztendlich in den Schützengräben gegenüber stehen und aufeinander stehen, in der Regel in ihren jeweiligen Macht-Systemen die Ausgebeutetsten, Wehrlosesten und Mittellosesten sind und eigentlich mehr mit einander gemeinsam haben, als mit denjenigen von denen sie in den Krieg geschickt werden.

      • @Dima77140:

        Zumindest haben "sie" heute in der Regel noch das Geschlecht gemeinsam und vielleicht oft auch eine Denkweise, wie man Aggressionen begegnen kann.



        Hier hatte aber der Ruhrbischof und Militärbischof (katholisch, männlich) neulich eine [(fehl)zündende?] Idee:



        Unlängst bei waz.de 4.5.26



        "Katholischer Bischof ruft Frauen an die Waffen – echt jetzt?



        Essen. Die Männerfantasie von der Frau am MG ist gerade hip und kleidet sich gern als männlicher Feminismus. Nun fordert sogar ein katholischer Bischof die Wehrpflicht für alle."



        Ist das auch ein im Klerus konsensierter Auswuchs eines falsch verstandenen christlichen Sendungsbewusstseins?



        Ich wollte das beim besten Willen erst gar nicht glauben, aber der Bischof Overbeck scheint hier streitbar aufzutreten.



        www.schwaebische.d...ieg-sprach-4579953

      • @Dima77140:

        Erst sind sie "factory fodder" *, später dann "cannon fodder".

        * Das ist ein Begriff, den es im Deutschen nicht gibt. Beispiel: Without education, these children will end up as factory fodder.

    • @Il_Leopardo:

      Es ist die Bundeswehr, nicht die Wehrmacht, das war einmal.

      • @Filou:

        Das habe ich so gewollt - weil es immer die Alten sind, die die jungen in den Kampf schicken wollen.

        • @Il_Leopardo:

          Die Bundeswehr ist eine Parlamentsarmee, da ist ein sehr großer Unterschied.

  • Jeder der nicht will, kann verweigern, wir brauchen auch Leute im Zivildienst.



    Ja, die jungen Leute müssen jetzt etwas aus ihrer Komfortzone und etwas für das Land tun, das ihnen Freiheit, Demokratie und ein angenehmes Leben bietet. Auch die sogenannten Boomer wurden gemustert und haben Wehrdienst geleistet.



    Nicht gut finde ich, dass nur Männer gemustert werden, irgendwie diskriminierend.

    • @Filou:

      Statistisch gesehen können sich 11,4 Prozent der deutschen Haushalte nicht mal jeden zweiten Tag eine vollwertige Mahlzeit leisten. Bei von Armut gefährdeten Menschen sind es sogar fast 25 Prozent. Jedes 7. Kind ist von Armut betroffen…



      Erzählen Sie denen gerne mal, dass sie doch endlich mal was für das „Land“ tun sollen, weil es ihnen Freiheit und ein so angenehmes Leben beschert, während mehr als die Hälfte des Gesamtvermögens auf die oberen 10% fällt.

      • @Dima77140:

        Für Freiheit ist schon einem großen Rahmen gesorgt und für ein angenehmes Leben sollte jede Person schon selbst sorgen. Für Notfälle ist auch gesorgt, die jedoch für ein angenehmes Leben nicht reichen und dies auch nicht sollen.

  • Ich denke, wir sollten mehr Mütter als alte weiße Männer fragen, was opportun für die Landesverteidigung aus ihrer Sicht ist.



    Zum Konsens einer demokratisch legitimierten und allgemein akzeptierten Kosten-Schaden-Nutzen-Rechnung und -Bilanz gibt es für nicht nur einen Weg, schon gar keinen Königsweg aus der Unionszentrale.



    In vielen Gesprächen mit unterschiedlichen Generationen habe ich die deutliche Ambivalenz in diesem Kontext gespürt.



    Was der Ruhrbischof und Militärbischof dazu unlängst äußerte, konnte ich zunächst beim besten Willen gar nicht glauben.



    www.sueddeutsche.d...-frauen-li.3477624

  • Ich kann die Frage von Golo Kirsch gerne beantworten: Als nächstes bleibt nur die Wehrpflicht. So wie es über 8 Millionen Männer in der Bundesrepublik schon getan haben.



    Und sollte es wirklich so sein, daß Wehrpflichtige "überrumpelt" werden und ohne es zu verstehen eine Uniform anziehen, so schlage ich vor, die volle Geschäftsfähigkeit und das Wahlrecht auf 21 Jahre anzuheben.

    • @Puky:

      @Puky: Vollkommene Zustimmung.



      Mir stellen sich alle Nackenhaare auf, wenn ich so etwas lese und ich bin leicht fassungslos.

      „Für dieses System mein Leben zu geben“ klingt fast so, als hätte Deutschland eine autoritäre Regierung oder würde Menschen grundlos in Kriege schicken.

      Dabei reden wir von einem demokratischen Rechtsstaat, in dem jeder frei demonstrieren, die Regierung kritisieren und sogar gegen die Bundeswehr protestieren darf. Genau diese Freiheit existiert nicht einfach von selbst.

      Sie wird geschützt. Auch von Menschen in Uniform.

      Und genau deshalb halte ich die Haltung problematisch, jede Form staatsbürgerlicher Verpflichtung sofort als „Schikane“ zu bezeichnen. Niemand wird automatisch zum Dienst an der Waffe gezwungen. Es gibt Alternativen wie Katastrophenschutz, Feuerwehr oder soziale Dienste.

      Aber ein Staat kann auf Dauer nicht funktionieren, wenn immer mehr Menschen nur Rechte einfordern, gleichzeitig aber jede persönliche Verantwortung ablehnen.

  • Auch der Geist und die Widerstandskraft sind Schlachtfelder, die es vor dem eigentlichen Krieg schon zu besetzen gilt.



    Es hat längst begonnen.

  • Die Wehrpflicht wird heute oft dargestellt, als wäre sie ein Angriff auf die Freiheit. Dabei ist eher das Gegenteil richtig.

    Ich habe selbst Wehrdienst geleistet und mich danach ehrenamtlich engagiert. Deshalb bin ich überzeugt: Unser demokratischer Staat ist kein Selbstbedienungsladen, sondern ein Mitmachprojekt. Wer in Frieden und Freiheit leben will, muss bereit sein, seinen Beitrag zu leisten.

    Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, Männer zum Dienst an der Waffe zu zwingen. Es gibt Alternativen wie Feuerwehr, Katastrophenschutz oder soziale Dienste. Entscheidend ist die Bereitschaft, Verantwortung für das Gemeinwesen zu übernehmen.

    Seit über 80 Jahren leben wir in Europa weitgehend in Frieden und Freiheit. Dass das so ist, liegt auch daran, dass Menschen in Uniform unsere demokratische Ordnung schützen. Dafür, dass in diesem Land jeder frei seine Meinung sagen, demonstrieren und sogar den Staat kritisieren kann, sorgt eben auch die Bundeswehr.

    Eine allgemeine Wehrpflicht würde nicht nur unsere Verteidigungsfähigkeit stärken, sondern auch Zusammenhalt, Disziplin und Verantwortungsbewusstsein fördern. Genau das fehlt mir gerade in diesem Land und dieser Debatte.

    • @Oliver Kröll:

      Du meinst, Wehrpflicht müsse sein. Du kannst es dir vermutlich gar nicht vorstellen, aber es gibt Menschen, die das anders sehen. Und für Menschen, die eine ehrlicher als "Kriegsdienstzwang" zu benennende gesetzliche Pflicht ablehnen, stehen dann Strafgerichte und ggf Gefängnis an - das als "Freiheit" zu verkaufen ist angesichts der Geschichte der staatlichen Verfolgung von Totalen Kriegsdienstverweigerern schon reichlich zynisch - oder halt ahnungslos, je nachdem. Gegen Ahnungslosigkeit hilft uris-tkdv.de - eine Sammlung von hunderten von Urteilen gegen Totalverweigerer. Nix Freiheit...

      • @Detlev Beutner:

        Jeder der will kann verweigern, dann würde er möglicherweise Zivildienst leisten, aber darauf haben viele auch keinen Bock.Man müsste dann ja was für die Allgemeinheit tun , was für eine Zumutung.

        • @Filou:

          Das im Ernstfall so ein Recht noch existiert, kann doch niemand ernsthaft glauben…

    • @Oliver Kröll:

      „Die Wehrpflicht wird heute oft dargestellt, als wäre sie ein Angriff auf die Freiheit"



      Sie ist ein Angriff auf die persönliche Freiheit aller Bürger:innen. Sie ist dazu da, das System von Befehl und Gehorsam einzuüben. Wohin solche Systeme - im schlechtesten Falle mit einem Oberbefehlshaber, führen, ist zur Zeit in den USA zu beobachten.

      • @Mondschaf26:

        Danke für den Hinweis!



        Legendäre Szene in 'Full Metal Jacket':



        Der berüchtigte Sergeant Hartman



        "Marines-Ausbilder Sergeant Hartman (R. Lee Ermey) terrorisiert seine Rekruten mit gnadenlosem Drill für den Dschungelkrieg in Vietnam.



        (...)



        Stanley Kubrick hielt exotische Drehorte für unnötig: Er filmte in den Londoner Docks. Seine fast menschenleeren Schlachtfelder wirken unheimlicher als jeder leichenübersäte Kriegsschauplatz. Was seine Geschichte des Krieges so einzigartig macht: Die Grausamkeit beginnt nicht erst dort, an der Front, sondern schon hier, im Camp."



        Quelle: cinema.de



        Am Ende steht:



        "Fazit



        Kompromisslos und zynisch, aber wahr!"

        • @Martin Rees:

          Das beste Zitat aus dem Film:



          „Here you all equally worthless.“

          Das ist die Freiheit auf die man die einem zunächst genommen werden soll, für die es sich dann aber lohnen soll, sein Leben auf‘s Spiel setzen.

    • @Oliver Kröll:

      Dass Menschen ihre Meinung sagen, demonstrieren und den Staat kritisieren dürfen liegt nicht an der Bundeswehr oder an Armeen, sondern vor allem an sozialen Kämpfen: Arbeiterbewegungen, Frauenbewegungen, antifaschistischen Widerständen, Gewerkschaften und zivilgesellschaftlichem Druck. Die meisten der demokratischen Rechte, die du hier hervorhebst wurden in der Geschichte mit sehr viel Widerstand gegen (!) staatliche Gewalt erkämpft, nicht durch militärischen Gehorsam, Drill und Disziplin.

      • @Dima77140:

        Ganz konkret haben wir diese Rechte in Deutschland aber weil die amerikanischen und britischen Streitkräfte West-Europa befreit haben und dann 40 Jahre lang im Verbund mit der Bundeswehr die Soviets abgeschreckt haben.

        • @Machiavelli:

          Das ist jetzt ein völlig anderer Punk und widerlegt mein Argument nicht. Armeen sichern erstmal Grenzen, keine Rechte.



          Es ging ja gerade um Meinungsfreiheit, Demonstrationsrecht als scheinbares Argument für militärische Abschreckung.



          Die US-Army hat sicher nicht das Streikrecht erkämpft, sondern die Gewerkschaften, das Frauenwahlrecht ‚ die Meinungsfreiheit, oder z.B. die Bürgerrechte der schwarzen Bevölkerung in den USA wurde auch nicht von der NATO erkämpft, sondern von Menschen, die sich in der Regel mit sehr viel Widerstand vehement gegen die Staatsgewalt durch setzten mussten - oft verknüpft mit brutaler Gewalt, harten Strafen und Ausgrenzung.

      • @Dima77140:

        Antifaschistischer Widerstand wie in der SED, KPD, DKP und der Roten Armee praktiziert, hat keine Freiheiten gebracht. Wir können froh sein, dass die Soldaten der Bundeswehr eine Abschreckung aufgebaut haben, die uns davor bewahrt hat.

        • @Puky:

          Wann habe ich denn von der SED oder der DDR gesprochen?



          Davon war überhaupt nicht die Rede…



          Antifaschismus bedeutet in erster Linie Widerstand gegen den Faschismus und Nationalsozialismus u.a. von Gewerkschaftern, Sozialisten, Kommunisten, Sozialdemokraten, Christen etc. die dafür hingerichtet wurden.



          Von diesen Kämpfen auf die Notwendigkeit Militärischer Abschreckung zu schließen, widerspricht der Tatsache, dass die Kämpfe in der Regel von unten und gegen den Widerstand der Staatsgewalt geführt wurden.

  • neben den ganzen Unklarheiten und Widersprüchen, die der Artikel benennt:



    dieses Wehrpflicht- und Musterungsgesetz ist ein eklatanter Rückschritt in bezug auf die Gleichberechtigung. Möglicherweise sogar verfassungswidrig.

    • @T-Rom:

      Verfassungswidrig ist gut – genau dieses Grundgesetz verhindert zurzeit (noch) die Gleichberechtigung, wie Sie sie offensichtlich verstehen.

      • @Markus Wendt:

        Nö, ein verpflichtender Fragebogen auch für Frauen wäre ohne weiteres auch heute schon möglich.



        Eine verpflichtende Musterung ebenfalls.



        Nur eben kein verpflichtender Wehrdienst.



        Aber da ja alle demokratischen Parteien im Bundestag für Gleichberechtigung eintreten, dürfte diesbezüglich die Verfassungsänderung ja eigentlich kein Problem sein (?).

    • @T-Rom:

      Die eigentliche Ungleichbehandlung wäre doch, wenn ein demokratischer Staat von seinen Bürgern immer weniger Pflichten erwarten darf, gleichzeitig aber weiterhin Sicherheit, Freiheit und Stabilität garantieren soll.

      Dass die Wehrpflicht aktuell nur für Männer möglich ist, liegt am Grundgesetz. Eine geschlechtsunabhängige Lösung ist politisch derzeit kaum durchsetzbar. Unabhängig davon leisten Frauen schon heute überdurchschnittlich viel gesellschaftliche und familiäre Verantwortung.

      Außerdem wird bei der Debatte ständig so getan, als ginge es ausschließlich um den Dienst an der Waffe. Dabei kann gesellschaftlicher Dienst genauso Katastrophenschutz, Feuerwehr, Rettungsdienst oder soziale Arbeit bedeuten.

      Wollen wir eine Gesellschaft sein, in der jeder nur Rechte einfordert, oder eine Gesellschaft, in der Menschen bereit sind, Verantwortung für das Gemeinwesen zu übernehmen?

      • @Oliver Kröll:

        Warum wird gesellschaftliche Verantwortung eigentlich vor allem von jungen Menschen, Beschäftigten oder Pflegekräften - also generell von unten- eingefordert und nicht von Vermögenden, Großkonzernen oder Erben großer Vermögen?



        Und wenn Feuerwehr, Pflege oder Rettungsdienste so wichtig sind: Warum werden diese Berufe dann seit Jahren schlecht bezahlt, überlastet und kaputtgespart?



        Oder geht es vielleicht doch einfach darum Personalmangel billig durch Pflichtdienste auszugleichen?



        Paradoxerweise erleben ja gerade sehr viele junge Menschen ein radikalen Abbau von sozialer Sicherheit, stoische Verweigerung jeglicher Klimaschutzvorhaben, Politische Ignoranz hinsichtlich sämtlicher Interessen junger Menschen und nun soll ihnen glaubhaft gemacht werden ihre Freiheit werde durch Millitarisierung geschützt und sie sollten sich ganz selbstlos endlich mal für ein nationales "Wir" einsetzen?

        • @Dima77140:

          Was hat das jetzt mit Einkommen oder Vermögen tun tun, kann ich nicht nachvollziehen.