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Konsequenzen aus dem IrankriegFlugverzicht gegen die Ölkrise

Kommentar von

Jost Maurin

Wer nicht unbedingt fliegen muss, sollte nun darauf verzichten, damit der Ölverbrauch sinkt. Die Bundesregierung muss mit gutem Beispiel vorangehen.

Die Fliegerei ist für mehr als 3 Prozent des Treibhausgas-Ausstoßes in der Europäischen Union verantwortlich Foto: Carsten Koall/dpa

D ie Bundesregierung muss wegen der Ölkrise an die Bevölkerung appellieren, auf nicht unbedingt nötige Flüge zu verzichten. Der Staat sollte mit gutem Beispiel vorangehen, indem er Flugreisen für Beamte und Kabinettsmitglieder stärker begrenzt. Bahn fahren oder Videokonferenzen – das geht auch.

Denn die Welt muss angesichts des Irankriegs Rohöl einsparen. Sollten die Ölpreise weiter so hoch bleiben, wird die Inflation auch in Deutschland nochmal zunehmen, die Wirtschaft könnte schrumpfen, die Arbeitslosenquote steigen. Umso wichtiger ist es, den Ölverbrauch dort zu senken, wo es vergleichsweise leicht fällt. Der Luftverkehr gehört dazu. Schließlich werden bisher laut Internationaler Energieagentur (IEA) weltweit rund 7 Prozent des Rohöls für Kerosin verbraucht.

Gleichzeitig ist ein großer Teil des Flugverkehrs verzichtbar. Das Gros der in diesem Sommer geplanten Starts hierzulande geht dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt zufolge nach Spanien, in die Türkei, nach Italien und Griechenland. Die Mehrheit der Passagiere dürften Urlauber sein. Sie könnten ihre Ferien auch im Inland oder in Nachbarstaaten verbringen, die sich gut mit der Bahn erreichen lassen.

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Inlandsflüge haben immer noch einen Anteil von 14 Prozent. Selbst die Strecke Berlin-Stuttgart schafft der ICE in etwa 5 bis 6 Stunden, in denen sich auch gut im Zug arbeiten lässt. Innerdeutsche Flüge sollten gerade während einer Ölkrise stark reduziert werden.

Hände weg vom Emissionshandel

Auf keinen Fall darf die Politik dagegen Forderungen der Flugbranche nachgeben, den Emissionshandel im EU-Luftverkehr einzuschränken. Die Fliegerei ist für mehr als 3 Prozent des Treibhausgas-Ausstoßes in der Europäischen Union verantwortlich. An diesem Problem hat sich durch den Irankrieg nichts geändert. Die Emissionen der Jets ließen sich verhältnismäßig leicht senken, weil sie eben zu einem großen Teil Luxus sind. Etwa in Frankreich statt in Indonesien zu urlauben, mindert die Lebensqualität kaum.

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Redakteur für Wirtschaft und Umwelt
Jahrgang 1974. Er schreibt vor allem zu Ernährungsfragen – etwa über Agrarpolitik, Gentechnik und die Lebensmittelindustrie. Journalistenpreis "Faire Milch" 2024 des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter. 2018, 2017 und 2014 gewann er den Preis "Grüne Reportage" des Verbands Deutscher Agrarjournalisten. 2015 "Bester Zweiter" beim Deutschen Journalistenpreis. 2025 nominiert für den Deutschen Journalistenpreis, 2022 nominiert für den Deutschen Reporter:innen-Preis (Essay "Mein Krieg mit der Waffe"), 2013 für den "Langen Atem". Bevor er zur taz kam, war er Redakteur bei der Nachrichtenagentur Reuters und Volontär bei der Süddeutschen Zeitung.
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61 Kommentare

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  • Wer "muss" denn fliegen? Da fällt mir kein wichtiger Grund ein. Auch außerhalb einer Ölpreis-Krise.

  • Mal abgesehen von all den Argumenten, die hier schon gebracht wurden:

    Viele der üblichen Urlaubsländer leben nahezu vom Tourismus. Wenn man also immer auch den anderen Ländern Gutes tun möchte, sollte man gerade nicht seinen Türkei-Urlaub ausfallen lassen. Bei ner Inflation von teilweise um/über 70% brauchen die Menschen dort jeden Gast.

  • Innerdeutsche Flüge sind jetzt nur ein Tropfen, doch wie beim ähnlichen Tempolimit nähme ein kühler Kopf auch das einfach mit. Merz könnte ankündigen, dass er Privatjets auch mal rannimmt. Kerosin auch mal beitragen lässt.



    Außer man ist bei der Partei der obsoleten Fossilindustrie unterwegs.

  • "Bestrafen wir damit nicht wieder die Falschen? Wer viel Geld hat wird eh , auch wenns teuer ist, fliegen."

    Zieht sich wie roter Faden durch. CO2? Teurer machen! Benzin? Teurer machen! Ungesunder Konsum? Teurer machen! Fliegen? Teurer machen! Reisen? Teurer machen! Müll auf Berlins Straßen? Pfand auf alle Konsumartikel!



    Man erzählt den Leuten immerwährend, dass die oberen 3 Prozent, 50% des Vermögens besitzen und gleichzeitig den größten Anteil an Verbrauch und CO2 Austoß haben. Und trotzdem glaubt man, bei jeden Thema die Probleme nur über den Geldbeutel regeln zu können. Und dann wird gejammert, dass die Menschen nicht mitziehen und zu den Populisten rennen.



    Man könnte auch zuerst mal fordern, kurze Inlandsflüge oder Privatfliegerei massiv zu beschränken/hoch besteuern, da diese - wie man selbt festgestellt hat ( taz.de/CO-Fussabdr...reichen/!6047725/) bei geringen Steuern immer mehr zunehmen. Aber warum denn, wenn man einfach der breiten Masse erklären kann, dass ihr Urlaubsflug verzichtbar ist.

  • Also ab an den Ostseestrand.



    Das kühlere Wasser dort ist im Hochsommer eh viel angenehmer als die lauwarme Plörre im Süden

    • @Arafna:

      Die Ostsee ist aber voll. Nicht nur voll Wasser und Walfisch, sondern im Sommer auch voll Menschen. Und wenn dann am Rand vom Vogelschutzgebiet ein neues Feriendorf für die vormaligen Tunesien- und Thailandurlauber gebaut wird, ist es auch wieder nicht recht.

    • @Arafna:

      Glücklicherweise darf das bis jetzt noch jeder für sich entscheiden, was als angenehmer empfunden wird.

  • Ich fürchte nur, Appelle laufen ins Leere. Ich sehe zwei Möglichkeiten: Das Ganze regelt sich marktwirtschaftlich über den Preis, was bedeutet, dass ärmere Menschen in die Röhre gucken, oder aber jede*r Bundesbürger*in erhält ein festgelegtes Kontingent an Flugkilometern. Sind diese zurückgelegt, ist Schluss. Wer nicht fliegen will, kann ihre/seine Kilometer veräußern.

    • @Klabauta:

      Soso und wie ist es dann mit einem Abflug in Wien, Zürich oder Schipol?



      Dann muss ja wieder eine neue Anti-Flug-Mauer gebaut werden um D!

  • Bestrafen wir damit nicht wieder die Falschen? Wer viel Geld hat wird eh , auch wenns teuer ist, fliegen.

    Doch gerade wir in Deutschland haben doch viele Menschen aus anderen Nationen, die gerne mal ihre Familie besuchen wollen. Ich spreche hier aus eigener Erfahrung. 2,5h mit dem Flieger oder 24h mit 4 mal umsteigen und Bahn/Bus bei fast 4mal so teueren Ticketpreisen.

    Und genau hier liegt doch der Fehler. Ok das die Fahrzeit erheblich länger ist egal, aber der Preis ist übel.

    Wenn das Fliegen reduziert werden soll, was wirklich in Zeiten der Klimakriese sinnvoll ist, dann müssen zuerst die Alternativen geschaffen werden. Gerne auch über treuere Ticketpreise beim Fliegen, die 1:1 in alternative Verkehrsmittel gesteckte werden müssen.

    Die Einzigen, die sich wieder über die Rückkehr in die Kleinstaaterei freuen sind gewisse Parteien. Nur wenn wir es schaffen die Völkerverständigung /Kontakte zu erhalten, dann schaffen wir Verständnis für einander. Aber Reisen darf kein Luxusgut für auserwählte sein.

    • @Marco Peter:

      Das ist absolut korrekt. Wer Bus und Bahn nutzt, gehört eher zu einer Kaste, die nicht unbedingt das Klientel einer csdU oder inzwischen auch der sPD ist. Leute die fliegen, womöglich gar in Privatjets, sind ein anderes Kaliber. Und das sind auch die Gründe, wieso der ÖPNV total vernachlässgt wird und auch der Transport über längere Strecken mit Bus oder Bahn. Das Deutschlandticket ist ein Pflaster auf die Wunde, damit man die nicht sehen kann und es wird eh immer teurer.

      • @Perkele:

        Sorry, was hat ein Langstreckenflug mit dem D-Ticket zu tun?

    • @Marco Peter:

      Diese Erfahrung kann ich teilen.



      Meine Frau fliegt auch drei- bis viermal im Jahr zu ihrer Mutter. Einmal in den Ferien mit den Kindern, damit diese die Oma/Verwandtschaft auch mal sehen. Da Auto oder Zug nicht möglich sind, wird halt geflogen. Und nein, Online chatten ersetzt diese persönlichen Kontakte nicht. Es ergänzt diese nur.



      Und ob wir dann noch mal einen Familienurlaub zusammen machen, ist durchaus möglich. Und da interessiert der Ticketpreis oder Kerosinsteuer eher wenig. Notfalls wird dann von Salzburg oder Zürich geflogen. Aber ob und wie wir den Urlaub verbringen ist halt immer noch nur eine Entscheidung der Familie und der Urlaubsplanung beim Arbeitgeber.

  • Bundesregierung mit gutem Beispiel vorangehen. Der war gut! Wie bewegt sich denn z.B. unsere Wirtschaftsministerin, das alte Fossil, so wenn sie zu ihren Auftraggebern aus der Fossilindustrie geht? Oder soll ich gleich sagen: fliegt?



    Was Flugreisen angeht, war die Regierung noch nie ein Vorbild. Ich denke an Baerbock, die mit der Flugbereitschaft zu einem Fußballspiel (superwichtig!) flog und dafür sogar das Nachtflugverbot am Frankfurter Flughafen aussetzen ließ.

  • "Die Bundesregierung sollte mit gutem Beispiel vorangehen!" Schöne Idee! Nur ist nicht erkennbar dass ausgerechnet DIESE Lobbytruppe das initiiert....

    • @Perkele:

      Dieses Verhalten der Bundesregierung (verallgemeinert, mit Ausnahmen) ist notwendig, damit große Teile der Bevölkerung "Die da oben" als "Vorbilder", als Erklärung für das eigene fragwürdige Verhalten haben.

      • @Erfahrungssammler:

        Es tut weh - aber es stimmt, leider.....

  • Die wirklich wenig Geld haben fliegen ohnehin nicht, daher wäre eine Kerosinsteuer richtig.

  • Hinsichtlich des Urlaubes in Deutschland (und Nachbarländer) ist das Fehlen passender Angebote das Problem. Cluburlaub mit AI, direktem Strandzugang, Warmwassergatantie und Sport- und Kinderangeboten zu einem fairen Preis sind hierzulande Mangelware (und Magelware ist noch positiv ausgedrückt).

    Besser ist es, bei der alternatiben Urlaunsplanung mit Zwischenstopp über Dubai zu fliegen. Das ist dann zwar etwas weiter, jedoch leiden die Verbindungen nie an Kerosinmangel.

    • @DiMa:

      Nach Dubai fliegen, ist im Moment eine klasse Idee 😁

      • @warum_denkt_keiner_nach?:

        Durch die Änderungen wird der Sommerurlaub in den Winter verlegt. Bis kommenden Februar wird sich das gegeben haben. Das sehe ich nicht als Problem. Im Sommer geht es dafür dann auf den Gletscher.

        Wenn man der hiesigen Strandpromenade mit den allgegenwärtigen Strandkörben nichts abgewinnen kann, dann muss man halt ein wenig flexibel bleiben.

  • "Die Bundesregierung muss wegen der Ölkrise an die Bevölkerung appellieren, auf nicht unbedingt nötige Flüge zu verzichten."

    Zu kurz geschossen. Sie muss appellieren, auf unnötigen Öl- und Gasverbrauch zu verzichten. Flüge sind nur ein Teil.

  • "Schließlich werden bisher laut Internationaler Energieagentur (IEA) weltweit rund 7 Prozent des Rohöls für Kerosin verbraucht."



    Die Überlegungen von Jost Maurin zu den Konsequenzen sind zwar grundsätzlich anschlussfähig, aber für viele Urlauber*innen höchst unbequem. Auf der Basis von Einsicht und Freiwilligkeit wird es nicht funktionieren.



    Die Argumente der Tourismusindustrie und der Verfechter*innen der Regelfähigkeit der Märkte werden im Konzert mit den Lobbyist*innen ihre Strategien entfalten, der Angriff auf andere Themenfelder ist schon erkennbar.



    Plastisch müsste die Menge Rohöl, die als Kerosin veredelt in die Atmosphäre verpufft, einmal als Volumen dargestellt werden.



    Die Destinationen der aktuellen Planungen von Urlaubsreisen berücksichtigen oft besonders den Aspekt Sicherheit.



    Wie volatil Sicherheit ist, zeigte sich bei den festliegenden Kreuzfahrtschiffen und vor wenigen Wochen bei den vielen stornierten Flügen in die Krisenregion im Nahen Osten.



    Ein Umdenken ohne Umlenken ist schwierig.

    • @Martin Rees:

      " tionaler Energieagentur (IEA) weltweit rund 7 Prozent des Rohöls für Kerosin verbraucht."

      Die Überlegungen von Jost Maurin zu den Konsequenzen sind zwar grundsätzlich anschlussfähig, aber für viele Urlauber*innen höchst unbequem."

      Nicht nur für Urlauber...

      Die leichteren Bestandteile des Rohöls, aus denen Kerosin entsteht, sind nun einmal vorhanden und werden in den Raffinerien weiterhin als "Nebenprodukt" entstehen, solange die betrieben werden.

      Wir können - egal wieviel Aufwand wir in bauliche Ausgestaltung und Prozessführung der Anlagen stecken - die Herstellung von Kerosin nicht ohne Kollateralschäden signifikant herunterfahren...

  • Wer es sich leisten kann, wird weiter in den Flieger steigen. Da helfen alle Appelle nichts.

    • @FraMa:

      Wenn es uns - den richtig Guten - wirklich um eine bessere Welt geht, sollten wir dieses Gerechtigkeitsgesäusel endlich sein lassen.

      Die Welt ist besser wenn Fliegen ein Luxus für Reiche ist weil dann in der Summe weniger geflogen wird - und allein darauf sollte es ankommen.

    • @FraMa:

      Stimmt! Schmerzt zwar auch ist aber für mich realisierbar.

  • Sorry, verstehe die Argumentation jetzt nicht so wirklich.



    Beim Fliegen sparen um eine Ölkrise zu vermeiden??



    Gut und ja wir sollen unnötigen Verbrauch vermeiden, aber bitte in allen Verkehrsmitteln. Nicht nur die „Anderen“ beim Fliegen, sondern auch „Wir“ alle beim Autofahren, wenn es geht auch beim Heizen. Und als Motivation dafür sollte das Klima völlig ausreichend sein

  • Wer fliegt denn noch 2026 mit einem halbwegs intakten Gewissen?

    • @Zuversicht:

      Ich!

    • @Zuversicht:

      Ich kenne Leute die an zb. Greenpeace spenden um ein gutes Gewissen für ihren Inlandsflug von Hamburg nach Stuttgart zu haben. Das wogegen Martin Luther damals gekämpft hat ist noch immer aktuell: der Ablasshandel für ein gutes Seelenheil.

    • @Zuversicht:

      Ich. Und das mehrmals im Jahr

    • @Zuversicht:

      Meine Familie, wenn wir einmal im Jahr die Eltern/Geschwister/Großeltern auf einem anderen Kontinent besuchen für 2 Wochen - andere Flugreisen gibbet hier nicht, manchmal auch keinen anderen Urlaub.



      Und natürlich die Arbeitskollegen und Bekannten, die ihre Urlaubsfernreisen für selbstverständlich halten.

      Aber mal ernsthaft: Wenn ich sehe, was ich für einen Familienurlaub an deutscher Nord- oder Ostsee oder am französischen Atlantik ausgeben müsste in den Sommerferien, fällt mir auch der Stift aus der Hand. Ferienwohnung oder -haus? Ich will das nicht für immer kaufen ;) Hotel? Pah! Wie lang soll ich denn für den einen Urlaub sparen? Drei Jahre? Und dann womöglich ne Woche mit Regen?



      Und nicht jede will im Zelt schlafen oder kann frühzeitig genug den Jahresurlaub klären, um eine der wenigen günstigen Unterkünfte (inkl. Jugendherberge) zu buchen. Verständlich, dass Leute eher für ne Woche Fuerteventura oder Kreta All-In buchen. Nicht gut, aber verständlich.

    • @Zuversicht:

      Wenn Sie jemanden brauchen, an dem Sie sich abarbeiten können: Ich bin in den letzten Osterferien für eine Rundreise an die Westküste der USA geflogen, im Sommer hab ich eine Über-Nacht-Fähre genutzt um in unser Ferienhaus in Irland zu kommen, im Herbst waren wir im Aldiana-Club auf Fuerteventura (und ja, wir haben den Flieger genommen und sind nicht hingeschwommen), im Winter waren wir Skifahren in Österreich und in den diesjährigen Osterferien waren wir nur zu einem Kurztrip in Straßburg, weil wir Urlaube nach New York und Japan planen, und wir dafür nunmal ansparen müssen. Hab ich ein schlechtes Gewissen? Nein. Sollte ich es haben? Wahrscheinlich schon. Aber ich habe die Möglichkeit meiner Tochter Teile der Welt zu zeigen, die sie sonst nur in Medien kennenlernen würde und das nutze ich aus solange es noch geht. Ich weiß, alles ganz furchtbar unmoralisch (zumindest offensichtlich in Ihren Augen). Aber ich bin Zyniker (oder bemühe mich zumindest darum im besten Sinne einer zu sein) und zum Thema Moral zitiere ich Julia Kristeva (polnische Philosophin): „Moral ist Empörung und Empörung ist negativer Narzissmus“...

    • @Zuversicht:

      Hat man überhaupt noch ein Anrecht auf Urlaub, wenn man nicht fliegen will??

  • fallen denn die Flüge aus, wenn nicht genug Tickets verkauft wurden? Fliegen die dann nicht einfach leer...?

    • @nutzer:

      Ja. Und ganz nebenbei bemerkt ist auch die Vorstellung "ich fliege, denn die fliegen ja sowieso, da spart man kein CO2" falsch. Denn jedes Kilo Payload (Passagiere und Gepäck) kostet Kerosin.

      Die Reichweite eines Fliegers hängt auch von der Ladung ab. Manchmal werden Passagiere sogar abgeladen, damit genug Kerosin an Board ist, um den Flug überhaupt zu machen.

      Jeder Passagier kostet Kerosin und erzeugt damit CO2!

      • @Jalella:

        Wo haben sie das denn her? Passagiere raus, Kerosin rein?

    • Jost Maurin , Autor des Artikels, Redakteur für Wirtschaft und Umwelt

      @nutzer:

      Ja, da würden dann Flüge gestrichen, weil das sonst zu teuer werden würde für die Fluggesellschaften.

      • @Jost Maurin:

        Linienflüge können nicht einfach spontan gestrichen werden, wenn es zu wenig Ticketverkäufe gibt. Das ist wie mit Linienbussen, die unabhängig von der Anzahl der Passagiere fahren müssen.

      • @Jost Maurin:

        Das stimmt nicht ganz: wenn es (auch) Positioning Flights sind, dann gehen die - das Flugzeug ist in einem Rhytmus eingeplant.

      • @Jost Maurin:

        Das ist nicht ganz richtig. Wenn die Airline Flüge zu oft ausfallen lässt, verliert sie den reservierten Slot an den Flughäfen. Das ist insbesondere an den großen Airports, die kaum freie Start- und Landungsslots haben, ein Problem. Ergo: die Airline lässt lieber ein leeres Flugzeug fliegen, als den Slot zu verlieren.

    • @nutzer:

      Zu gering ausgelastete Flüge fallen, wenn möglich, aus. Fluglinien wollen Geld verdienen.

    • @nutzer:

      Gespräch unter Profs an meiner Uni: „Ein Flug nach Australien verursacht 10t CO2-eq Treibhausgasemissionen.“ – „Pro Person oder pro Flugzeug?“ – „Pro Passagier natürlich!“ – „Najaaa, aber das Flugzeug fliegt ja eh…“

      • @derzwerg:

        Und gestern auf so einem March for Science sinngemäß, „Hört auf die Wissenschaft!“

        Aber es sind nicht alle so

      • @derzwerg:

        Es wird höchste Zeit, dass Frau Bär mal richtig zum Zug kommt - dann würde auch das Gewicht der Piloten eingespart werden.

    • @nutzer:

      Ja, selbe Frage: Und die ganze Urlaubsfliegerei ist lange vorher verkauft. Pauschalreiseanbieter kaufen Jahre vorraus große Kontingente an Tickets. Aber nicht Fliegen ist natürlich immer besser,

      • @Tinus:

        Tschuldigung - "fast" immer besser. Solange man nicht auf einem schwimmenden Plattenbau rumsitzt...

  • Als ob irgendwas, was wir in Deutschland machen auch nur irgendwas global ändert

    • @Klaus Schwarzmüller:

      So ist es!

    • @Klaus Schwarzmüller:

      Es ist frustrierend, so weit runterscrollen zu müssen, um endlich auf DAS Argument der Argumente zu stoßen.

  • Die hier vorgeschlagenen Maßnahmen würden doch vor allem jene treffen, die vom gegenwärtigen System ohnehin nicht profitieren und auch deren Probleme kaum zu verursachen haben: Lohnabhängige, die sich einmal im Jahr einen Auslandsurlaub leisten oder Menschen, die vielleicht einmal im Jahr ihre Verwandten in der Türkei oder sonst wo besuchen.



    Gut verdienende Vielreisende und Reiche hingegen werden sowieso andere Wege finden.



    Wie wäre es anstatt Verzichtsmoral zu predigen mal mit echter, basisdemokratischer Kontrolle über Energieinfrastruktur und ein Ende der imperialistischen Ressourcenkriege?

    • @Dima77140:

      Die Lohnabhängigen tragen kaum zum Problem bei? Die machen die große Masse der Flüge notwendig. Und auch der tägliche Konsum der Durchschnittsverdiener trägt zum Problem bei, wenn auch meist nicht direkt vom Konsumenten beeinflussbar.



      Natürlich müssen auch die Reichen ihren oft maßlosen CO2-Ausstoß verringern. Ich befürworte einen zulässigen pro Kopf Verbrauch. Geld sollte nicht das alleinige Kriterium für CO2-Ausstoß sein.



      Aber wenn wir den jährlichen Urlaubsflug und die Heimatbesuche als gottgegeben und nicht verhandelbar sehen, wird das nichts mit Klimaschutz. Klimaschutz ist unbequem. Der Klimawandel auch. Und manchmal tödlich.

    • @Dima77140:

      Ein Ende von imperialistischen Ressourcenkriegen, generell keine Ausbeutung der Ressourcen wird zwangsläufig auf Verzicht dieser Ressourcen hinhauen.

      Also: Gleich wieder die Moralkeule auspacken. Ist dann wenigstens brutal ehrlich.

      • @Troll Eulenspiegel:

        Statt hinhauen: hinauslaufen.

  • Was sind denn nicht notwendige Flüge? Darf das jeder für sich selbst definieren? Nach Frankreich fliegen?

    "Innerdeutsche Flüge sollten gerade während einer Ölkrise stark reduziert werden."



    Oha, in der Ölkrise Inlandsflüge stark reduzieren! Weil eine Rezession droht....? In der Klimakrise sollten Flüge dann auch - ein bisschen - reduziert werden ...? Weil die Erderwärmung droht.



    Fakt ist doch, die Wirtschaft muss laufen. Und Tourismus ist Wirtschaft. Außerdem mögen wir keine Verbotsparteien. Den Urlaub haben wir uns schließlich verdient!

  • Nicht die fucking öLkRiSe, sondern der Klimawandel sollte der Grund sein, nicht zu fliegen, aber sicher, ja, warum nicht deswegen.

    • @Hubertus von Mainberg:

      Paradoxerweise verbraucht das Militär, das für diese neue "Sparsamkeit" sorgt, unsagbar viel Treibstoff. Von den CO2 Auswirkungen, die die Zerstörungen bewirken, ganz abgesehen.

    • @Hubertus von Mainberg:

      Wenn es denn so einfach wäre. Aber was ist mit all denen die Familie in anderen Ländern haben?

      Wir suchen schon seit zehn Jahren vergeblich nach vernünftigen Alternativen und mit der Bahn längere Strecken zurückzulegen. Vergebens.

      Wir können ja gerne wieder zur deutschen Kleinstaaterei zurückkommen, und keiner bewegt sich mehr aus seinem Land heraus. Das sollte aber nicht das Ziel sein, weil diejenigen die Geld haben werden, so oder so fliegen. Um eine Akzeptanz zu erzeugen weniger zu fliegen, ist es sinnvoll, zuerst Alternativen zu schaffen aber daran hat man ja eh kein Interesse.

      Nur als Beispiel. Es hat bis 2025 gedauert, bis man eine Direktverbindung von Berlin nach Paris mit der Bahn eingerichtet hat. Das muss man sich mal überlegen in der heutigen Zeit