Zahl der Todesopfer in Gaza : Leugnen, bis es nicht mehr geht
Die israelische Armee räumt nun die Zahl 70.000 Getöteter in Gaza ein. Die Kommunikationsstrategie der IDF folgt einer Propagandalogik.
Foto: Abdel Kareem Hana/ap/dpa
J ahrelang haben viele deutsche Medien die Opferzahlen aus dem Gazastreifen unter Vorbehalt gestellt. Das Gesundheitsministerium werde „von der Hamas kontrolliert“, die Zahlen könne man nicht unabhängig überprüfen, hieß es. Dabei hielten viele Experten, auch die UN, die Zahlen für plausibel. Denn das Gesundheitsministerium in Gaza listet die Toten mit Namen, Identifikationsnummer, Alter und Geschlecht auf. Das lässt sich gut überprüfen, doch gerade in Deutschland wollten das viele nicht wahrhaben.
Jetzt hat die israelische Armee bestätigt, dass rund 70.000 Menschen im Gazastreifen getötet wurden. Das folgt der Propagandalogik: Zahlen leugnen und Quellen in Zweifel ziehen – und Verbrechen erst dann einräumen, wenn die Indizien erdrückend sind oder weil sich die Aufmerksamkeit längst verlagert hat. Die tatsächliche Zahl könnte noch höher liegen: Forscher des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung gehen von über 100.000 Getöteten aus. Nicht einberechnet sind dabei die Vermissten, die unter Trümmern begraben liegen, und jene, die an den indirekten Folgen des Krieges gestorben sind – an Mangelernährung und Krankheiten, die unter anderen Umständen nicht tödlich sein müssen.
Hinzu kommen laut UN über 170.000 Verletzte, meistens durch Bomben. Sie treffen häufig Kinder: Unicef geht davon aus, dass im Gazastreifen in den vergangenen zwei Jahren mehr als 50.000 Kinder getötet oder verletzt wurden. Der Gazastreifen weist zudem, gemessen an seiner Bevölkerung von 2,1 Millionen, die höchste Zahl an Kindern mit amputierten Gliedmaßen auf.
Nach dem Überfall der Hamas am 7. Oktober 2023 startete das israelische Militär eine Offensive in Gaza, 2024 folgte der Vorstoß gegen die Hisbollah im Libanon. Der Konflikt um die Region Palästina begann Anfang des 20. Jahrhunderts.
Doch das Grauen hört nicht auf: Noch immer bombardiert die israelische Armee den zerstörten Küstenstreifen, wann immer es ihr passt. Seit Beginn des „Waffenstillstands“ hat sie dort über 500 Menschen getötet. Am Samstag starben dort 30 Menschen, darunter wieder Frauen und Kinder. Haben Israel-Apologeten nicht immer gesagt, die Hamas könne den Krieg sofort beenden, wenn sie die letzten Geiseln freiließe? Noch eine Propagandabehauptung, die sich als Lüge entpuppt.
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