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US-Kongresswahlen im NovemberMillionen US-Amerikaner:innen könnten Wahlrecht verlieren

US-Präsident Trump fordert eine Ausweispflicht für Wähler:innen, um angeblichen Wahlbetrug zu bekämpfen. Notfalls wolle er die umstrittene Wahlreform per Dekret durchsetzen.

Will offenbar noch vor den Kongresswahlen im November möglichst viele Gegenstimmen von der Wahl ausschließen: US-Präsident Trump Foto: Jonathan Drake/reuters

Aus München

Hansjürgen Mai

US-Präsident Donald Trump drängt im Zuge der bevorstehenden Kongresswahlen im November auf die Einführung einer landesweiten Ausweispflicht für Wähler:innen. Damit will er angeblichen Wahlbetrug bekämpfen und es De­mo­kra­t:in­nen erschweren, die Kontrolle des US-Kongresses zurückzugewinnen.

Wählerorganisationen haben in der Vergangenheit immer wieder erklärt, dass eine solche Regelung vor allem Minderheiten benachteiligen würden, da diese proportional öfter als weiße US-Bürger keine Ausweisdokumente besitzen.

„Es wird eine Ausweispflicht für Wähler bei den Kongresswahlen geben, ob vom Kongress genehmigt oder nicht!“, postete Trump am Freitag auf seiner Plattform „Truth Social“. Gleichzeitig will er auch den Zugang zur Briefwahl deutlich einschränken.

Da die US-Verfassung die Durchführung von Wahlen als Aufgabe der einzelnen Bundesstaaten sieht, wird damit gerechnet, dass jeder Versuch einer landesweite Ausweispflicht zu einer Welle von Klagen führen würde.

Auch demokratische Abgeordnete stimmen zu

Laut dem Brennen Center, einem linksgerichteten Thinktank, und dem Zentrum für Democracy and Civic Engagement der University of Maryland, besitzen schätzungsweise 21 Millionen US-Amerikaner:innen keine Dokumente, die ihre Staatsbürgerschaft ohne Weiteres belegen. Rund 2,6 Millionen US-Bürger:innen besitzen überhaupt keinen amtlichen Lichtbildausweis. Eine landesweite Ausweispflicht könnte also Millionen von Menschen das Wahlrecht entziehen. Trotzdem haben jüngste Umfragen ergeben, dass die Mehrheit der US-Amerikaner Trumps Kurs zustimmt.

Eine Umfrage des Pew Research Center von 2025 fand heraus, dass 83 Prozent der Befragten die Pflicht zur Vorlage eines amtlichen Lichtbildausweises für alle Wäh­le­r:in­nen befürworten würden. Und dass sowohl unter demokratischen (71 Prozent) als auch unter republikanischen Wäh­le­r:in­nen (95 Prozent) gab es eine klare Mehrheit.

Zudem gibt es jetzt schon in 36 US-Bundesstaaten Gesetze, die Wäh­le­r:in­nen auffordern oder verpflichten, am Wahltag einen Identitätsnachweis vorzulegen. „Wir dürfen nicht länger zulassen, dass die Demokraten mit Wahlen ohne Ausweispflicht davonkommen“, schrieb Trump in einem weiteren Post.

Erst vor wenigen Tagen hatte das von Re­pu­bli­ka­ne­r:in­nen kontrollierte US-Repräsentantenhaus einen Gesetzestext verabschiedet, der sich mit dem Thema der Ausweispflicht bei Wahlen beschäftigt. Der SAVE America Act würde von Wäh­le­r:in­nen verlangen, bei der Wahlregistrierung einen gültigen US-Reisepass oder eine Geburtsurkunde vorlegen.

Als Nächstes geht der Gesetzesentwurf an den US-Senat. Ob auch die Se­na­to­r:in­nen für den SAVE America Act stimmen werden, ist aktuell fraglich. Falls der Entwurf im Kongress scheitere, wolle Trump die Wahlreform per Dekret durchsetzen.

Seit Jahren behauptet Trump, dass es in den US zu systematischen Wahlbetrug kommen würde. Noch immer behauptet er, dass er die Präsidentschaftswahl im Jahr 2020 nur aufgrund von Wahlbetrug verloren hätte. Bis heute habe weder er noch seine Un­ter­stüt­ze­r:in­nen Beweise dafür vorgelegt. Untersuchungen im Jahr 2024 hatten gezeigt, dass in den vergangenen 25 Jahren in sieben wichtigen Swing States der Anteil von Wahlbetrug bei weit unter einem Prozent lag.

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8 Kommentare

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  • Naja, Grundunterstellungen vom Trump mal außen vor: Stimmabgabe mit Ausweispflicht koppeln ist ja schon nachvollziehbar. Wenn ich mich richtig erinnere ist das bei uns doch auch Standard.

  • Und wo ist das Problem? In Deutschland besteht ja auch eine Ausweispflicht. Und nicht nur bei den Wahlen.

  • Gegen die Ausweispflicht ist an sich nichts zu sagen, nur sollten dann auch alle Einwohner, etwa wie in Deutschland, meldemaäßig erfasst werden. Ausweispflicht für alle und niedrigschwelliger Zugang zum Wahlrecht, da könnten die Amis mal von uns lernen.

  • Im Übrigen, der Titel ist falsch. Die Wähler verlieren nicht ihr Wahlrecht, sie müssen nur eine ID vorweisen um dieses ausüben zu können. So eine ID braucht man auch wenn man Medikamente kauft, oder um z.B. beim Bundesparteitag der Demokraten reingelassen zu werden.

  • "besitzen schätzungsweise 21 Millionen US-Amerikaner:innen keine Dokumente, die ihre Staatsbürgerschaft ohne Weiteres belegen. "

    Heilige 💩.



    Das ist doch kein tragbarer Dauerzustand, mal ganz abgesehen von Wahlen.



    Rund 6.6% der US Bürger haben also keinen Ausweis?

  • Nun ja, wenn man sich die Regelungen in Minnesota (Gov, Tim Walz, Dem) anschaut wo ein Wähler für bis zu acht (!!) andere Wähler bürgen kann dass diese wahlberechtigt sind dann muss man schon sagen dass da eine ganze Menge schief läuft. Und, ein Ausweis ist bei Wahlen in allen anderen Ländern Pflicht, von daher ist gegen so ein Gesetz eigentlich nichts einzuwenden. Die Proteste der Demokraten sind allerdings etwas merkwürdig, man könnte fast meinen die profitieren von den gegenwärtigen Zuständen.

  • Ausweis zu Wahl soll ein problem sein?



    Sorry, aber wenn ich keinen habe, besorge ich mir einen.



    Im übrigen auch für Deutschland gilt, ohne ausweis keine Wahl.

    Ich zitiere aus der mir vorliegenden Wahlbenachrichtigung zu Kommunalwahl :

    Bitte bringen Sie dieses Schreiben mit. Nehmen Sie auch Ihren Personalausweis, Reisepass oder Ihren Identitätsausweis mit.

    Wo ist also das Problem?

  • Hat irgendwer geglaubt das diese Wahlen frei und gerecht sein werden, falls sie überhaupt statt finden?