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Umbau des Programms „Demokratie leben!“Die Familienministerin zerlegt das Fundament der Demokratie

Meron Mendel

Gastkommentar von

Meron Mendel

Priens Schritt erinnert an die Trump-Regierung: eine Exekutive, die ohne Rücksicht auf bestehende Strukturen ihre Macht durchsetzt und Misstrauen sät.

Vom Familienministerium zu Grabe getragen Foto: Kay Nietfeld/dpa

S tellen Sie sich vor, es herrscht Wohnungsnot, Sie sind Ar­chi­tek­t*in und bekommen den Auftrag, ein Haus zu bauen. Nach einem intensiven Bewerbungsverfahren gehen Sie motiviert an die Sache, suchen in Zeiten des Fachkräftemangels geeignete Mitarbeiter*innen, stellen Teams mit diversen Expertisen zusammen. Alle nehmen ihre Arbeit auf, kalkulieren, entwerfen, mischen Beton. Die ersten Monate verlaufen vielversprechend, das Fundament ist gegossen, der Rohbau fertig.

Doch dann wird das gesamte Projekt plötzlich vom Auftraggeber gestoppt. Dass die Abrissbirne schon auf dem Gelände steht, erfahren Sie aus der Presse. Bis Jahresende dürfen Sie die Baustelle räumen. Es heißt, man müsste noch einmal ausschreiben. Es heißt, Wohnungen würden zwar immer noch gebraucht, nur mit dem begonnenen Haus dürften Sie sich nicht noch einmal bewerben. Aber Sie seien herzlich eingeladen, erneut am Verfahren teilzunehmen – es stehe Ihnen frei, sich für den Bau einer Brücke zu bewerben.

Was absurd klingt, ist Realität: Wie unser Architekt fühlen sich derzeit rund 200 Demokratieprojekte in ganz Deutschland. Die Pläne von Bundesfamilienministerin Karin Prien, das Programm „Demokratie leben!“ komplett umzustrukturieren und in weiten Teilen zu streichen, haben mich schockiert.

Meron Mendel

Der Deutsch-Israeli ist Pädagoge, Historiker und Publizist. Seit 2010 ist er Direktor der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt und Kassel.

Das Vorhaben schockiert mich als Leiter einer Einrichtung, die seit mehr als 30 Jahren Fachexpertise in der politischen Bildung gesammelt hat und die nun zwei erfolgreiche Projekte stoppen muss, die ausgerechnet in dem Bereich liegen, den Karin Prien stärken will: Antisemitismusprävention und Stärkung der Demokratie im Netz.

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Die Pläne schockieren mich aber auch als Demokraten, weil wir eine Exekutive erleben, die ohne Rücksicht auf bestehende Strukturen ihre Macht durchsetzt, Misstrauen sät und die engagierte Zivilgesellschaft zum Feindbild erklärt. Das erinnert mich an eine Mentalität, wie wir sie aktuell eher aus den USA kennen. Hier fräst sich Loriots Steinlaus längst durch die Demokratie. Aber so weit wird es hierzulande doch niemand kommen lassen, denkt sich der Architekt.

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69 Kommentare

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  • Eigentlich ist die Ideen und Massnahmen von Frau Prien, die immer einen eher liberalen Eindruck machte unfassbar, wenn sie sich dazu hinreissen lässt, unterschiedliche Initiativen abwürgen zu wollen. Ist das ein weibliches Zugeständnis an die reaktionären Hinterbänkler der CDU, die sie immer noch diesseits der Brandmauer halten möchte angesichts der Tatsache, dass Viele schon eine rechte Mehrheit planen, wenn es demnächst keine Mehrheit mehr mit der SPD geben sollte ? Geht es nur noch nach rechts, wo sind denn die aufrechten Frauen ?

  • Die Absicht Frau Priens ist Zeitgeist (der Geistlosen). Peux-à-peux ruckelt die union sich an die "Leistungsanforderungen" der afd heran. Es gab die "Überdehnungen" des Vormals-Unsagbaren (um in Karlsruhe "gerade-mal-so-durchzugehen"). Es gibt die „minimal-invasiven” Einflussnahmen maßgeblich der unions-Ministerinnen. Das soziale Milieu wird "sauer" und zielt auf den Kettensägen-Liberalismus. Das Project20-25 in der Sauerland-Edition.

    Bemerkung zur Seite: der Staat prüft (noch) nicht WEM er die Stütze überweist. Es gilt die Unschuldsvermutung vor der Schuldunterstellung. :“wird das so bleiben?“ – Frage an den afd-Blockwart Ihres Herzens…

  • Frau Prien will nun "die Mitte" stärker fördern: Brauchtumsvereine (wie "Verein der Biefreunde..."), Feuerwehren, Schützenvereine, Sportvereine... und was alles noch für die Mitte der Gesellschaft steht.



    Feuerwehren sind wichtig, auf dem Land existenziell wichtig, und sind auf den Dörfern oft einer der wenigen lebendigen und funktionierenden Vereine mit Nachwuchsförderung, mit Kindern und Jugendlichen als Mitgliedern. Auch rechte, rechtsextreme, also undemokratische Menschen, engagieren sich dort - bevor die NPD sich umgründete zur "Heimat" und aus den Landtagen verschwand, haben NPD Mitglieder sich auch mit Erfolg um die Mitgliedschaft in den Freiwilligen Feuerwehren bemüht. Vielleicht sind demokratische Bildungsbemühungen also dort gut am Platz, ebenso auch in Sportvereinen. Erst recht in Schützen- und Motorsportvereinen - in einer Veranstaltung der Gleichstellungsbeauftragten zu Demokratie und Integration nicht-deutscher Menschen in einer deutschen Kleinstadt bekannte der langjährige Vorsitzende des Motorsportvereins: "Wir sind national"! Vielleicht sagt man ja dort dann nach der Prinschen Demokratieförderung: "Wir sind weltoffen und demokratisch"?

  • Die Regierung kann, darf und soll Zusagen, Gesetze, Regeln anpassen, wenn sie Mehrheiten dafür hat – für die Zukunft! Rückwirkend Entscheidungen aufzuheben, die einem nicht passen, erodiert das Vertrauen in den Rechtsstaat, was wahrscheinlich gefährlicher ist als ein Vertrauensverlust in die Demokratie, die zudem von interessierten Kreisen gerade als Diktatur der gefühlten Mehrheit missdeutet wird. So, und nicht anders, wird ein Schuh aus dieser neuesten Unverschämtheit der Merz-Regierung!

    • @Zangler:

      >Rückwirkend Entscheidungen aufzuheben<



      Dafür gibt es Regeln im VerwVerfG. Wenn es einen Verwaltungsakt gibt, geht das in der Regel nicht. Gibt es hier aber anscheinend nicht.

  • Demokratie hat ganz viel mit 'selbst gestalten' und Selbst- und Gruppenverantwortung zu tun sowie freiem Wahlrecht,



    "Ich benötige dafür Geld vom Staat..." schafft ungesunde Abhängigkeiten. Wir sind in diesem Lade auf keinem guten Wege wenn wir so argumentieten wie im Artikel.



    Leider ist das in allzu vielen Themenbereichen so. Ohne Staatsknete null Veränderung? Das wäre natürlich bedenklich!

    • @Tom Farmer:

      Bitte sofort die staatliche Unterstützung aller Parteistiftungen abschaffen. Weben Abhängigkeiten.

  • Wer dieses Förderprogramm als Fundament der Demokratie betrachtet, hat Böckenförde nicht verstanden. Eine Demokratie, die ihren Erhalt dadurch sichert, dass die Regierung private Organisationen für Dinge bezahlt, die dem Staat selbst verboten sind, ist eigentlich keine mehr.

    • @Bunte Vielfalt:

      Demokratie ist kein Naturgesetz, sondern erfordert Teilhabe und Aufklärung. Antidemokratische Tendenzen/Propaganda hingegen, werden massiv vom Kapital gefördert. Demokratieprojekte halten dagegen.

    • @Bunte Vielfalt:

      Ist mir unverständlich, was Sie meinen.

    • @Bunte Vielfalt:

      Und das ist Desinformation.

      • @schnarchnase:

        Die Meinung anderer Leute einfach als Desinformation abzutun, ist zwar überaus bequem, aber wenig überzeugend. Nicht schnarchen, versuchen Sie lieber, gute Argumente zu finden!

        • @Oma:

          Desinformation. Gute Argumente? s. @Francesco hier:



          taz.de/Umbau-des-P...bb_message_5194303



          --



          „Wer sie nicht kennte,



          die Fundamente,



          Ihre Kraft



          und Eigenschaft,



          wäre kein Meister



          über die Geister-"



          (frei nach Goethe - Faust I)

          • @Mondschaf26:

            Der Mond ist aufgegangen,



            dem Reimzwangschäflein sprangen



            der Verse große Schar



            vom Mund, der niemals schweiget,



            und aus den Zeilen steiget



            der eitel Nonsens sonderbar.

            Seht Ihr den Geist dort stehen?



            Er ist nur halb zu sehen



            und ist doch wunderschön.



            So sind wohl manche Sachen,



            die wir getrost belachen,



            weil unsre Augen sie nicht sehn.

            • @Oma:

              Danke für die schöne Überleitung zu den oft nicht sichtbaren Fundamenten, die aber so bedeutend sind. Alle Architekt:innen und alle Bauarbeiter:innen wissen um ihre Wichtigkeit.



              „Nur weil die unsichtbar sind, darfst Du da nicht pfuschen!" (Opa, gelernter Maurer)

    • @Bunte Vielfalt:

      Seit wann ist dem Staat Demokratiebildung verboten?

  • Warum braucht eine Nicht-Regierungsorgsnisation die Finanzierung durch den Staat aka den Steuerzahler?



    Wie wäre es mit der Suche nach privaten Spenden und Förderern?



    Dieser NGO "Wirtschaftszweig" ist fragwürdig und demokrariegefährdend, weil er die Skepsis gegen den Staat in vielen Teilen der Bevölkerung fördert.

    • @Querbeet:

      Ich vermute eher dass das Problem rechte Desinformation ist die auch Sie hier streuen.

    • @Querbeet:

      Das ist eine hervorragende Idee: sobald die engagierten Bürger*innen keine Hilfe des Staates (der neutral sein sollte!!!) mehr bekommen und die Wirtschaft das Sponsoring übernimmt, ist die Allmacht der Konzerne endlich bis in die Wurzeln der Gesellschaft fest verankert. Das mag ganz nach dem Geschmack der derzeitigen Regierung sein, es ist fatal und sehr sicher das endgültige Ende der Demokratie. Oder glaubst Du im Ernst, dass dann noch etwas anderes unterstützt wird als allein die Interessen der Wirtschaft?

      • @Perkele:

        Es muss schlimm sein, wenn man in so einer negativen Welt lebt, wo man sich und das Gute als moderner Goliath ständig gegen das Böse verteidigen muss als.

        • @Querbeet:

          Meinen sie nicht moderner David?

  • Was treibt die Exekutive an - sich als Abrissbirne zu verhalten? Was geht in diesen Köpfen vor? Einfalt anstatt Vielfalt?

  • Bei Frau Merkel hieß es - sie, als Physikerin "bedenkt alles vom Ende her". Und die Söder`sche Potenzierung: alles hat ein Ende - nur die Wurst...



    Das ist so eine Sache mit dem Ende der Union. Frau Merkel ließ Dauerumfragen aufsetzen und entsprechend den Empfindlichkeiten wurde etwas getan (und zwar in Mengen): Nichts. Man wollte die Bürger nicht durch Tätigkeit verschrecken. Dann sitzen die Plaudertaschen bei Lanz und berichten voll Stolz, was alles (und zu Recht) nicht getan wurde. Mehr vom Falschen, mehr Zurück, mehr Verschleiß, mehr Attentismus.



    Die Rückabwicklung der Ampel auf jedem Gebiet. Mit Inbrunst und Unverstand.



    Anstatt einen Verkehrsminister im Amt zu belassen (der "im Thema" war) wird das Bahn-Chaos neu aufgesetzt, - eine Gesundheitsreform zurückgerollt, ausgesetzt, verhindert - und gesellschaftliche Veränderung in die muggeligen Zeiten unionesken Rigorismus versetzt. Keine Demokratie wagen!



    Frau Prien fährt da im Geleitzug ihrer Unionisten, die zerschlissen wirken, abgehalftert, fremdgesteuert, stoned.



    Mit all dem, was diesen Leuten nicht passt – haben sie geschafft eine Gesellschaft zu ihren Gunsten zu formen…

    • @Pas fute-fute!:

      Danke, das haben Sie sehr schön zusammengefasst und ich habe 2 neue Worte gelernt.

    • @Pas fute-fute!:

      Die Union macht das, wofür sie demokratisch gewählt wurde - eine andere Politik als die Ampel. Wieso Sie das als "keine Demokratie wagen" bezeichnen, ist Ihr Geheimnis.

      • @Jochen Laun:

        Die hinterhältige Politik von Merz, Reiche sowie der Familien-, Verkehrs- und Kulturministerien (usw.) wird doch nicht dadurch richtig, daß die Mehrheit sie gewählt hat. Gerade in Deutschland sieht man immer wieder, daß Mehrheiten durchaus irren können. Leider stimmt dieser Spruch, den ich mal auf einem T-Shirt las: "Don't underestimate the power of stupid people, if they appear in big quantities."

      • @Jochen Laun:

        Demokratie ist ebenfalls die angemessene Berücksichtigung der vitalen Interessen der übrigen Wähler: innen. Beispiele dafür sind, dass erhalten Demokratie und Mitbestimmung verbessert werden, sowie eine lebenswerte intakte Tier- und Pflanzenwelt. Dies resultiert nach meiner womöglich unmaßgeblichen Auffassung aus der Pflicht zur Achtung der Menschenwürde, als auch dem Rechts- und Sozialstaatsprinzip. Wenn Demokratie nur wäre, wer "dir" den Hals zudrückt, oder wie schnell, dann wäre dies keine Demokratie, sondern nur die Wahl des einen oder anderen "Henkers". Dies gilt auch wirtschaftlich. Soweit also der User Pas.fute.fute darauf abstellen wollte, hat er meiner Meinung nach recht.

  • Dort wird nichts zerlegt. Das Program läuft weiter. Wie unter der Vorgängerregierung schon werden die Projekte evaluiert, erfolgreiche weitergeführt, nicht erfolgreiche eingestampft nd neue Projekte angeschoben.

    Die aktuellen Projekte bis zum Stankt Nimmerleinstag festszuschreiben hat mit Demokratie nichts zu tun. Dadurch werden nur auch Fehler festgeschrieben.

    Bezeichnend am Artikel ist deshalb auch, dass kein Projekt genannt wird, das offensichtlich nicht fragwürdig. Stattdessen werden Vergleiche zum Hausbau bemüht.

    Der Vergleich zur Trump-Regierung ist zudem perfide. Dort werden solche Programme nicht qualitätskontrolliert, sondern stumpf nur eingestampft.

    • @Prinz Leonce vom Königreiche Popo:

      ? Meron Mendel ist Chef der Anne-Frank-Bildungsstätten und erwähnt des auch als Betroffener der "Umschichtungen".

    • @Prinz Leonce vom Königreiche Popo:

      Soweit mir bekannt wurde das Ergebnis einer aktuell laufenden Evaluierung nicht abgewartet. Erstmal schön alles gegen die Wand fahren um dann zu sagen schaut, bewegt sich gar nicht. Kompetenz wäre anders, habe ich von den reaktionären Postfaschisten allerdings auch nicht erwartet.

    • @Prinz Leonce vom Königreiche Popo:

      Ich frage mich, ob Sie den Artikel überhaupt gelesen haben. Auch der Bildungsstätte Anne Frank, die, nebenbei bemerkt, hervorragende Arbeit auf dem Gebiet Demokratieförderung leistet und der der Verfasser dieses Artikels vorsteht, wurden die Mittel gestrichen. Meron Mendel weiß also sehr genau, wovon er spricht und was das für die Betroffenen bedeutet.



      Was bitte ist an der Arbeit dieser Einrichtung fragwürdig?



      Von Festschreiben der Projekte „bis zum zum Stankt Nimmerleinstag„ ist überhaupt nicht die Rede, sondern davon, ein bereits genehmigtes und im Aufbau befindliches Projekt einfach abzusägen.

      Und übrigens, das Beispiel eines im Bau befindlichen Hauses ist kein Vergleich, sondern eine Metapher.

  • Demokratie lebt von Abwechslung und auch vom Recht einer gewählten Regierung, Schwerpunkte so zu setzen, wie es sich die demokratische Mehrheit wünscht. Das ist nach Regierungswechseln vollkommen normal und üblich. Wenn Linke an die Macht kommen, machen sie es ganz genau so. Die Aufregung ist überzogen. Es gibt auf dieser Welt kaum eine Demokratie, die stabiler dasteht als die in Deutschland. Die Macht ist durch den Föderalismus gut verteilt. Die Justiz ist unabhängig. Der Wähler kann auf Bundesebene jederzeit (mindestens alle 4 Jahre) die Karten neu mischen, wenn er es denn wünscht.

    Mein Fazit: Hier jammern schlechte (Wahl-)Verlierer auf ganz hohem Niveau.

    • @Winnetaz:

      @ Winnetaz



      Mehrheit der demokratischen Wähler ? 71,48 % der an der Bundestagswahl 2025 , von den 82,5 % an der Bundestagswahl teilgenommen Wähler, haben nicht den Unionsparteien CDU / CSU ihre Stimme abgegeben.



      Und dem von den legitimierten Parlamentarier gewählen Bundeskanzler im 2. Wahlgang schonmal gar nicht❗️

      • @Alex_der_Wunderer:

        Grüne, Linke und SPD hatten glücklicherweise noch deutlich weniger Stimmen. Wenn man jetzt noch die Stimmen von AFD und FDP ( ich weiß nicht im BT) dazu zählt, hat die Mehrheit konservativ gewählt.

      • @Alex_der_Wunderer:

        Dann hat die Bundesregierung nach Ihrer Auffassung also keine demokratische Mehrheit? Wie ist sie denn dann an die Macht gekommen? Durch einen Militärputsch?

        • @Jochen Laun:

          Grundsätzlich sollte eine Regierung versuchen Politik für alle Bürgerinnen und Bürger zu machen und nicht nur für ihre Wähler:innen. Insbesondere in einer Koalition, mit einer 2ten Partei mit ganz anderen Wahlprogramm.



          .



          Und in einer Demokratie gibt es zudem feste Regeln, unabhängig von Mehrheiten. Es ist eben keine. "Diktatur der Masse". Bereits bewilligte Fördergelder zu entziehen schafft nicht gerade Vertrauen in den Staat. Bei einer Regierung, die sogar Gerichtsurteile missachtet, ist das aber wenig verwunderlich.

      • @Alex_der_Wunderer:

        Ich finde das immer spannend, die nicht gewonnen Stimmen zu nehmen, da liegen die anderen Parteien noch schlechter da über 85% haben die Grünen nicht gewählt - merken sie es?

    • @Winnetaz:

      Es geht um bereits genehmigte Projekte, nicht um beantragte. Vielleicht erkennen Sie den Unterschied?

      • @Klabauta:

        Sie sind bis Ende des Jahres genehmigt und werden bis dahin selbstverständlich bezahlt. Bloß für die kommenden Jahre erhält der Verein halt keine 600.000 € pro Jahr mehr.

  • Also, ganz klar. Die Auszahlung an Steuermitteln an nicht staatliche Organisationen, und damit zur „Erfüllung“ nicht staatlicher Pflichtaufgaben, ist m. E. eine Untreuestraftat gegenüber dem Steuerzahler. Ich zahle jedenfalls meine Steuern nicht für private „Bauvorhaben“.

    • @Dr. We Franziskus:

      Wären die Projekte nicht gemeinwohlorientiert, wäre das korrekt.



      .



      Der Staat kann nicht alles erledigen und es gibt weitere sinnvolle Dinge die nicht nur durch private Spenden und ehrenamtliches Engagement getragen werden können.



      .



      Oder kurz: Es entsteht ein echter Mehrwert . Das ist nicht bei allen staatlichen Subventionen der Fall.

  • Wenn ich es richtig verstanden habe, will Frau Prien das Programm weder absetzen noch kürzen, sondern mit anderen Schwerpunkten fortsetzen. Das muss man nicht gut finden, und es ist verständlich, dass Einrichtungen, die von den Veränderungen betroffen sind, Kritik üben. Aber das Programm in der jetzigen Form (und damit die eigenen Projekte) zum Fundament der Demokratie und damit für sakrosant zu erklären, geht zu weit. Zu viel Drama, zu viel Hybris.

    • @Jochen Laun:

      Nein, keineswegs. Es werden bestehende Zusagen für bereits laufende Projekte zurückgezogen. Das macht einen gravierenden Unterschied.



      Wobei man durchaus auch über die geplante Neuausrichtung streiten kann. Ich fürchte Schlimmstes.

      • @Klabauta:

        Die Ergebnisse , wenn man sich die Ergebnisse der AfD ansieht, sind nicht besonders.

        Alle kämpfen, und am Ende bekommt die AfD mehr Stimmen.

        Ergo ist das aktuelle Konzept nicht zielführende und die Menschen, die man erreiche müsst, werden NIcHT erreicht.

        Es wird viel im eigenen Milieu gearbeitet.

  • Nüchtern betrachtet sind Nichtregierungsorganisationen deren Existenz von Zuwendungen der Regierung abhängen keine wirklichen Nichtregierungsorganisationen sondern Regierungsorganisationen im Vorfeld der Regierung. Neue Regierungen haben hier nunmal andere Prioritäten. Seht es sportlich und greift zu den altmodischen Methoden der Finanzierung über Mitgliedsbeiträge oder das Einwerben von Spenden- und Sponsorengeldern. Ist zugegebenermaßen nicht einfach, was man bei den aktuellen Schwierigkeiten von Attac sieht, die auch unter der Ampel keine signifikante Unterstützung mehr erfuhren.

    • @Thomas Müller:

      Nein, Sponsoring ist keine Lösung, weil auch hier natürlich private Interessen im Spiel sind. Mitgliedsbeiträge auch nicht, wie man mithilfe einer kurzen Überschlagsrechnung feststellen kann. Grundsätzlich aber stellen Sie Staat und Projekte zur Demokratiebildung etc. in einen Gegensatz. Das ist sehr befremdlich. Der Staat kann nur durch solche Förderung von Projekten, die von Regierungen uabhängig sind, demokratisch bleiben und demokratische Bildung, die nicht durch sachfremde und/oder egoistische Interessen verfälscht werden, in der Breite sicherstellen.

      • @T 1000:

        Das ist eine totale Überschätzung der NGOs.



        Inwiefern wirken diese den tatsächlich demokratiefördernd, wenn die AFD stetig wächst, oder mindestens bei hoher Zustimmung verbleibt?

        • @Birger Gerling:

          Und was ist, wenn es ohne diese Projekte in Deutschland wie in Italien aussehen würde? Oder wie in GB? Oder in den USA?



          .



          Natürlich ist das alles Spekulation, aber 1 ist sicher! Rechtsradikale Propaganda gegen NGOs zu verbreiten legitimiert die AFD nur noch weiter!

          • @sociajizzm:

            Sind Sie ernsthaft überzeugt, hier in den Kommentaren "rechtsradikale Propaganda" gelesen zu haben?

  • Sehr geehrter Herr Mendel,



    ich freue über Ihren optimistischen und humoristischen Ende des Kommentars. Es wird Zeit mal wider Biedermann und die Brandstifter zu lesen, denn Frau Prien ist genau die, die meinte, dass Sie auswandert, wenn die AFD an die Macht komme! Sie und ihresgleichen in der Regierung schaffen gerade die Voraussetzungen dafür.

    • @oldleft:

      Und wo bitte haben die letzen Jahre etwas im Kampf gegen die AfD gebracht?

      Auch die letze Regierung hat hier auf voller Länge versagt.

      Ich habe schon bei den letzen Wahlen gedacht: was soll das bitte!?

      Auf jedem Plakat: wir sind gegen Rechts! Und weiter??? Das alleine als Inhalt aufzubauen, und damit zu werben , das fängt niemanden. Und das hält erstrecht niemanden ab, der sich alleine gelassen fühlt. Und diese Menschen lesen sich nicht die Programme durch, wenn das schon die Headline ist…

      Für mich tragen die ganzen Parteien eine große Mitschuld am Aufstieg der AfD, Weil sie es nicht schaffe diese Menschen zu erreichen

    • @oldleft:

      Tatsächlich habe ich schon des Öfteren das Argument gelesen, man dürfe doch grade jetzt nicht umstrukturieren oder andere Schwerpunkte setzen wo doch die AfD an Zustimmung gewinnt und nur eben diese ganzen Projekte helfen würden dem entgegenzuwirken. Ich finde das nicht stichhaltig: offensichtlich gewinnt die AfD trotz dieser ganzen Projekte in jetziger Form an Zulauf, insofern ist ein „weiter so“ töricht. Neue Schwerpunkte sind vielleicht kein Garant, dass sich dem weiteren Aufstieg der AfD so entgegenwirken lässt, aber doch immerhin ein Versuch es bessere zu machen, oder?

  • Als Architekt darf ich sagen, dass die Situation keinesfalls selten ist; auch öffentliche Bauherren machen so was.



    Warum sollte es in anderen Bereichen anders sein, wenn das Projekt eben nicht finanziert wird?



    Aber die Überschrift?



    Wenn staatsfinanzierte NGOs und deren Projekte das Fundament unserer Demokratie wären, hätte ich echt Angst um diese. Was wäre das für eine Demokratie?



    Da herrscht eine echte Selbstüberschätzung in den Kreisen.

    • @Herbarius Zunichten:

      Das sehe ich genauso.

    • @Herbarius Zunichten:

      So ist es.

    • @Herbarius Zunichten:

      Da kann ich nur beipflichten.

  • Danke Herr Mendel - für Ihren Kommentar und Ihre langjährige Arbeit.



    Ich teile die Empörung und protestiere gegen die antidemokratische Regierung, die nur ausgrenzt und stigmatisiert.



    Wie Prien schon im taz-Interview sagte: „Vielfalt sehe ich nicht als staatliches Förderziel“.



    Dass dabei nun Projekte der Antisemitismusprävention gestoppt werden ist so zynisch wie die Abschiebung von zwei Syrern kürzlich, die bereits einen Ausbildungvertrag haben und nichts anderes tun als sich entwickeln und einer Arbeit nachgehen.

  • Da Merz einen konsequenten Neoliberalismus-Kurs fährt, scheint die Demokratie immer mehr im Weg zu stehen.

    "Die Konsequenz aus dieser Demokratieskepsis sei „nicht unbedingt, dass man Demokratie abschaffen will, aber doch, den möglicherweise schädlichen Einfluss von demokratischen Institutionen auf wirtschafts- und finanzpolitische Entscheidungen sehr stark einzugrenzen.“ Sei es durch den Vorrang von Expertenmeinungen vor Mehrheitsentscheiden oder durch die Begrenzung der staatlichen Finanzierungsmöglichkeiten."

    Das beste Vorbild ist hier natürlich Trump. Allerdings ist der schon viel viel weiter.

  • Wenn "das Fundament der Demokratie" in Förderprojekten gründet, die die Menschen kontinuierlich von der Radikalisierung abhalten müssen, und nicht von in der Breite der Gesellschaft verwurzelten Werten und Wünschen muss man doch ohnehin annehmen, dass die Unterstützung dieser Regierungsform ebenso stark bröckelt wie die Brandmauer.

    • @Ingo Bernable:

      Das ist der Kern des Problems, kurz und knapp erzählt.

  • Konservative und Rechte tun genau das was sie schon immer umtreibt: Statt Demokratie zu leben, beginnen sie sie zu zerstören. Und in Deutschland hat das "Ausrichten" der Gesellschaft eine geradezu gruselige Tradition. Aber - und das muss man leider ebenfalls sagen: Es liegt an den vielen Wählern, denen Demokratie scheißegal ist.

  • Will man den Sumpf austrocknen, lässt man nicht die Frösche darüber abstimmen.

    • @Offebacher:

      Das ist richtig. Wer den "Sumpf der Demokratie" austrocknen will, wird sicher nicht engagierte demokratische Institutionen um Erlaubnis fragen oder sie gar demokratisch beteiligen. Da wird autoritär und rücksichtslos durchgezogen. Die Frage ist nur, wer diesen Sumpf warum so gnadenlos austrocknen will.

  • Das ist unzweifelhaft eine Vorbereitung der csdU / AgD Koalition in Bund und Land. Es sind die gleichen Ziele beider Parteien: Schwächung der Demokratie - denn das bedeutet Macht auch für Andersdenkende - das kann eine rechtslastige Einstellung nicht dulden.

    • @Perkele:

      Liebe Kommentaren, es wird übersehen, das auch der CDU sehr nahestehende Gruppen betroffen sind z.B. die Konrad-Adenauer Stiftung. Das doppelt bestehende Strukturen wie hier FfM und KS nicht unbedingt bestehen müssen sollte klar sein. Zumal ich als Kasselaner zum ersten Mal in diesem Text gelesen habe, das dies in Kassel existiert! Was auch noch gerade für die Wirksamkeit spricht, da ich in diesem Segment seit 25 Jahren in Kassel tätig bin.



      Die Idee, Projekte zu hinterfragen und zu schauen, wo das Geld effizient eingesetzt werden kann ist an und für sich nicht schlecht sowie in der Industrie absolut üblich.

      • @Reinero66:

        Worauf beziehen Sie sich? In diesem Text ist nirgendwo von konkreten Projekten die Rede außer von der Bildungsstätte Anne Frank. Was ist mit KS?

        • @Francesco:

          KS ist die offizielle Abkürzung von Kassel sowie FfM für Frankfurt am Main steht.

      • @Reinero66:

        Wir sind auf dieser Ebene allerdings nicht in der Industrie sondern in einer -bislang noch- freien, demokratischen Gesellschaft. Natürlich muss auch der Staat darauf achten, dass Zuwendungen effizient genutzt werden, doch der Staat hat kein Recht zu bestimmen, welches Ziel anzustreben ist, das ist allein Sache der Aktiven. Freilich darf es keine Hetze sein und auch keine Arbeit hin zur Abschaffung der Demokratie - doch das muß fair, neutral beurteilt werden und keineswegs allein von einer Seite dieses Komplexes.

        • @Perkele:

          Natürlich darf der Staat darauf schauen, wofür die Gelder verwendet werden oder ist es ok, wenn sie eine Jacke bestellen und stattdessen einen Blumenstrauß bekommen?