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Proteste von „Rheinmetall entwaffnen“Kampfansage an den „deutschen Imperialismus“

In Köln und Hamburg wollen sich Ak­ti­vis­t:in­nen Aufrüstung und Krieg widersetzen. Letztes Jahr ging die Polizei rechtswidrig gegen die Proteste vor.

Mit zwei Massenaktionen will das linke antimilitaristische Bündnis „Rheinmetall entwaffnen“ im September gegen die Aufrüstung in Deutschland und weltweit protestieren. Kommende Woche, vom 1. bis zum 6. September, veranstaltet das Bündnis in Köln ein Protestcamp im Inneren Grüngürtel am Fuß des Fernsehturms. Vom 24. bis zum 26. September wollen die Ak­ti­vis­t:in­nen sich dann in Hamburg dem Nato-Übungsmanöver „Red Storm Charly“ widersetzen.

Seit einiger Zeit schon steht Rheinmetall im Fokus linker Ak­ti­vis­t:in­nen – weil der Konzern zu den größten Pro­fi­teu­r:in­nen der sogenannten „Zeitenwende“ gehört sowie wegen Vorwürfen, Waffen des Unternehmens würden auch von der israelischen Armee in Gaza eingesetzt. Bereits am Freitag blockierten Ak­ti­vis­t:in­nen der Gruppe „Peacefully Against Genocide“ das Rheinmetall-Werk in Bonn. Die Gruppe ist von ehemaligen Ak­ti­vis­t:in­nen der Letzten Generation gegründet worden und blockiert regelmäßig Rheinmetall-Standorte, zuletzt etwa immer wieder ein neues Rheinmetall-Werk in Berlin.

Kommende Woche wird es dem Protestbündnis „Rheinmetall entwaffnen“ noch einmal grundsätzlicher um die neue deutsche Militärstärke gehen. Sprecher Luca Hirsch sprach gegenüber der taz von einem „neuen deutschen Imperialismus“, gegen den Widerstand zu leisten sei. Er verwies dabei auf Aussagen von Bundeskanzler Friedrich Merz, die Bundeswehr solle die „stärkste konventionelle Armee Europas“ werden.

Das sei nicht mehr mit dem Argument der Verteidigungsfähigkeit gegenüber Russland zu erklären, so Hirsch: „Offensichtlich will man strukturell angriffsfähig sein, um auf dem globalen Schachbrett mitzumischen.“

Blockaden, Banner, Sabotage

Auf dem Camp selbst sind zahlreiche Workshops geplant, in denen etwa über Kriegsdienstverweigerung informiert werden soll. Zum Campauftakt, dem Antikriegstag am kommenden Dienstag, findet in Köln zudem eine gemeinsame Demonstration mit lokalen Gruppen statt. Über den Verlauf der Woche ist dann mit dezentralen Aktionen des zivilen Ungehorsam gegen militärische Orte in der Umgebung zu rechnen – also etwa mit Blockaden, Banneraktionen oder auch Sabotage. Am 6. September ist eine große Abschlussdemo geplant.

Bereits vergangenes Jahr fand das Camp in Köln statt. Die Rückkehr hat für die Ak­ti­vis­t:in­nen zum einen wohl praktische Gründe: Rund um Köln haben zahlreiche Waffenkonzerne ihre Sitze. Neben Rheinmetall selbst, das den Hauptsitz in Düsseldorf hat, ist da zum Beispiel das Unternehmen Dynamit Nobel Defence in Burbach, das einem israelischen Waffenkonzern gehört und Panzerfäuste herstellt. Zudem hat das Verteidigungsministerium einen seiner Hauptsitze im benachbarten Bonn. Auch mehrere Kasernen befinden sich in der Umgebung.

Die Rückkehr nach Köln ist aber wohl auch als Seitenhieb in Richtung Polizei zu verstehen, die das Camp vergangenes Jahr zunächst verbieten wollte – damit aber vor Gericht scheiterte. Auf der Abschlussdemo kesselten die Be­am­t:in­nen dann hunderte Demonstrierende auf brutale Weise ein und hielten sie bis zu 12 Stunden lang fest. Die Rede war im Anschluss von über 100 verletzten Demonstrierenden. Gegen das Vorgehen ist aktuell noch eine Klage am Kölner Verwaltungsgericht anhängig.

In Verfahren gegen einzelne Ak­ti­vis­t:in­nen wurde das polizeiliche Handeln bereits als rechtswidrig eingeschätzt, sagte Rechtsanwältin Anna Busl zur taz. Der taz liegt ein entsprechendes Urteil vom Amtsgericht Köln vor. In diesem wird bemängelt, dass die Be­am­t:in­nen bereits gegen 20 Uhr Dixie-Klos und Wasser heranschafften, um sich auf einen langen Kessel vorzubereiten.

Erst das Klo, dann die Genehmigung

Den richterlichen Notdienst zur juristischen Absegnung der Maßnahme habe die Polizei aber erst viel später zu erreichen versucht; zu einem Zeitpunkt, von dem die Po­li­zis­t:in­nen laut dem Gericht wussten, dass die Stelle nicht mehr besetzt war. Dieses Jahr gab es noch keine Versuche, das Camp zu verbieten.

In Hamburg ein paar Wochen später soll dann ein Übungsmanöver der Bundeswehr gestört werden, mit dem eine großangelegte Truppenverlegung an die Nato-Ostflanke geprobt werden soll – unter Beteiligung von Organisationen wie Polizei und THW, aber auch von Krankenhäusern und privaten Unternehmen. Bereits im September vergangenen Jahres hatte das kleinere Manöver „Red Storm Bravo“ in Hamburg für Diskussionen gesorgt.

Man sehe in dem Manöver eine „riesige Propagandashow“, kritisiert „Rheinmetall entwaffnen“-Sprecher Hirsch. Einem großen Teil der Bevölkerung machten solche Kriegsvorbereitungen Sorgen. Dass eine Abschreckung Russlands auch notwendig ist, bezweifelt er: „Russland ist eine Atommacht. Es gibt kein Szenario, in dem eine deutsche Aufrüstung das Kriegsrisiko senkt“, sagt er. Stattdessen führe die Aufrüstung nur zu Kürzungspolitik und der Aufgabe von Klimazielen. Man wolle deshalb in Hamburg zeigen, „dass die Stadt kriegsuntauglich ist“, sagt der Aktivist.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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8 Kommentare

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  • Fran Zose

    Diese Leute machen mich wütend in ihrer ideologischen Blindheit. Wer das Aggressionspotenzial Russlands verneint, der hat im wahrsten Sinne des Wortes den Schuss nicht gehört. Es gibt keinen deutschen Imperialismus von dem sie schwadronieren, der russische Imperialismus hingegen zeigt seine mörderische Fratze schamlos.

  • Machiavelli

    Deutschland kauft weder landungsschiffe noch großraumtransportflugzeuge, noch eine große Anzahl tankflugzeuge. Damit ist das Argument es ginge bei der Aufrüstung darum global imperialistischen unterwegs zu sein widerlegt. Ohne diese Dinge geht das nicht. Im Kalten Krieg hatten vermeintliche friedensaktivisten sehr viel Fachwissen über militärische Belange die heutige Generation wirkt ignoranter und ihre Argumente dadurch deutlich schwächer.

  • Ruediger

    Der Wunsch nach einer Welt ohne oder mit weniger Waffen ist verständlich und richtig, ebenso wie der Wunsch, Konflikte nicht mit Waffen zu lösen.



    Nur muss man doch auch Augen dafür haben, wer der Aggressor ist, wer sich einer Verhandlunslösung verweigert. Entwaffnet werden müssen first and foremost Putins Russland und die Hamas, die Aggressoren des 24. Oktober 2022 und des 7. Oktober 2023. Und nicht diejenigen, die sich gegen diese Angriffe zu Wehr setzen.

  • Axel Schäfer

    In der derzeitigen Situation sollte man auf eine innereuropäische Rüstung setzen und die Staaten die Zusammenarbeit* ihrer nationalen Rüstungsindustrien festlegen um mit eigenen Mittel die Verteidigungsfähigkeit unabhängig vom außereuropäischen Ausland sicher zu stellen. Die Exportzahlen von Rüstungsgütern der EU erscheinen immer so hoch, sind aber in Relation zum BIP und den sonstigen Exportsummen eher klein.

    *) es muss sich ein Desaster wie beim deutsch-französische Kampfjet ja endlich mal vermeiden lassen, notfalls mit staatlichen Eingriffen zumal die Konzerne ja hauptsächlich von staatlichem Geld leben.

  • vieldenker

    Das Problem sind doch nicht Rheinmetall und seine Freunde, sondern der Kaspar in Moskau, wenn die Friedensforumsfreunde einfach keine wirklich praktikable Antwort gefunden haben. Es reicht einfach nicht mehr alte Feindbilder zu pflegen, wenn die alten Freunde die Zukunft aus Eigennutz in Frage stellen.

  • Jan Röser

    Als würde es Dobrindts Polizei noch in irgendeiner Weise interessieren, ob sie rechtswidrig handeln.

    • Jochen Laun

      @Jan Röser:

      Wen meinen Sie denn mit "Dobrindts Polizei"? Die Bundespolizei? Um die geht's hier nicht, sondern um die Polizei Köln. Die gehört zur Landespolizei. Aber wer will sich schon mit Kleinigkeiten aufhalten, Hauptsache, man hat einen rausgehauen...

    • Ohne_Mitte_geht_nix

      @Jan Röser:

      Als hätte es die Mitglieder der letzten Generation, das linke antimilitaristische Bündnis „Rheinmetall entwaffnen“ oder die Gruppe „Peacefully Against Genocide“ jemals in irgendeiner Weise interessiert, ob sie rechtswidrig handeln.