Die Fußball-Wettmeisterschaft: Da hilft nur Beten
Unser Kolumnist hat auf jedes WM-Spiel diverse Wetten laufen. Damit nichts schiefgeht, setzt er wie manche Fußballer auf Unterstützung von ganz oben.
Foto: Kichner-Media/Imago
W ährend der Fußball-Weltmeisterschaft hat sich unsere Halle 4 in ein großes Wettbüro verwandelt. Jeder wettet gegen jeden. Allein für das heutige Spiel Kroatien-Ghana habe ich mit 37 Kollegen gewettet – natürlich zu 37 verschiedenen Wetteinsätzen. Mit Hasan um einen Döner, mit Hans um einmal Volltanken, mit Nedim um vier Sommerreifen und so weiter.
Bei jedem WM-Spiel geht es um mehr als drei Dutzend Wetteinsätze. Das muss bestens organisiert werden. Das ist auch der Grund, weshalb während der WM niemand in Urlaub fährt.
Bei so hohen Wetteinsätzen wäre es grob fahrlässig, keinen Einfluss auf die Spiele zu nehmen. Wenn wir an den jeweiligen Spielorten wären, wäre es einfach, zumal bei jenen Spielen, die in den USA und in Mexiko stattfinden. Aber von Deutschland aus muss man andere Mächte als die Mafia um Beistand bitten: zum Beispiel den lieben Gott.
Allerdings kamen bei mir Zweifel auf, als ich vor einigen Jahren vor dem Spiel Frankreich–Italien sah, wie der französische Spieler Franck Ribéry mit offenen Händen eifrig zum Himmel betete, sich kurz darauf das Bein brach und Frankreich das Spiel auch noch mit 2:0 verlor. Seitdem weiß ich, dass nicht alle Gebete erhört werden.
Die religiösesten Länder werden nie Weltmeister
„Vielleicht haben die Italiener ja noch intensiver gebetet, aber es nicht so an die große Glocke gehängt wie dieser Angeber Ribéry“, argumentierte mein Kollege Hasan.
„Nach dieser Theorie müssten ja die religiösesten Länder ständig alles abräumen. Aber habt ihr jemals gehört, dass Saudi-Arabien, der Iran, die Türkei, Polen oder Israel Weltmeister wurden?“, hielt mein Kumpel Nedim dagegen.
Er hatte recht. Würden alle Gebete Trophäen bringen, hätte der DFB längst einige Pfarrer für die Verteidigung, zwei Imame fürs Mittelfeld und einen Rabbiner als Mittelstürmer verpflichtet und der WM-Pokal wäre sicher im Schrank.
Ich habe es meinen Kollegen nicht verraten, aber damit die Gebete erhört werden, muss man ein ganz reines Herz haben – so wie ein kleines, unschuldiges Kind. Deshalb lasse ich immer meine kleine Tochter Hatice für mich beten.
Für Deutschlands Auftaktspiel gegen Curaçao wollte sie fünf Euro, damit sie die Deutschen gewinnen lässt – was ich natürlich sofort bezahlt habe.
Nach einer halben Stunde stand es allerdings immer noch 1:1.
„Hatice, was soll denn das? Streng dich doch ein bisschen an“, rief ich empört.
„Warum sollte ich? Für fünf Euro bete ich bei dieser WM nur 30 Minuten! Für die nächsten 30 Minuten musst du noch einen Fünfer drauflegen“, antwortete sie trotzig.
Sie wusste natürlich genau, dass ich keine andere Wahl hatte, als zu zahlen. Und prompt erzielten die Deutschen in der 38. Minute noch ein Tor.
Nach 60 Minuten musste ich erneut blechen und sie gewannen am Ende sogar 7:1. Für insgesamt 15 Euro.
Das nenne ich echtes Schnäppchen, wenn man bedenkt, dass ich für dieses Spiel 37 sehr kostspielige Wetten am Laufen hatte.
Es macht mich nur ein wenig traurig, dass der DFB meine Verdienste für die deutsche Nationalmannschaft kaum öffentlich würdigt, obwohl ich sportlich, finanziell und spirituell stets vollen Einsatz zeige.
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