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Bettelverbot in deutschen StädtenWeit im Abseits

Immer mehr Städte erlassen Bettelverbote. In Dortmund dürfen Menschen mit einem Becher nicht mal still vor Restaurants sitzen. Löst das die Probleme?

Aus Dortmund

Marvin Kalwa

P udel und seine zwei Kumpels fallen sofort auf. Mit blondiertem Irokesenschnitt sitzt er mit den anderen beiden Punks nicht weit entfernt von „Bon'n Frietjes“, ein paar Becher stehen vor ihnen. Sie halten zehn Meter Abstand von der Pommesbude, vielleicht 15. Auf jeden Fall mehr als fünf – mittlerweile ist das entscheidend.

Es ist ein Samstag Mitte August in Dortmund. Der Westenhellweg, die große Einkaufsstraße in der Stadt, ist gut frequentiert, aber nicht überlaufen. Auch bei „Bon'n Frietjes“ mit seinem breiten Verkaufsfenster und den vier Stehtischen davor läuft das Geschäft, wie es seit Jahren schon läuft. Typisch Ruhrgebiet eben: Currywurst und Pommes gehören hier dazu.

Trotzdem müssen Pudel und die anderen Punks hier besonders vorsichtig sein. Denn nachdem sich Gastronomen öffentlich über die Zustände in der Stadt echauffiert haben, ist das Betteln seit Anfang August im Umkreis von fünf Metern um Außengastronomie verboten. Was Pudel, so würden ihn alle auf der Straße nennen, aus gut zehn Metern Entfernung aber erstaunlich gelassen kommentiert: „Mir können die gar nichts.“ Seine Freunde schweigen.

Acht Becher haben die auf der Straße sitzenden Punks vor sich arrangiert, davor acht Schilder mit acht „Spendenzwecken“: Essen, Bier, Tabak, Gras, Schwarzfahren, Rente, Haftbefehl, Puff. Hinter ein neuntes Schild kann man sein Geld praktischerweise für einen „neuen Becher“ legen. Ein Mann kommt von der anderen Seite der Einkaufsstraße herübergelaufen, inspiziert die Schilder mit einem Lächeln im Gesicht und wirft seine Münze in den Becher fürs „Essen“.

„Gerade noch ist das Ordnungsamt hier vorbeigelaufen. Zivis, die erkenne ich alle“, sagt Pudel. Seit Einführung des Verbots am 1. August sollen Streifen in der Innenstadt verstärkt ein Auge auf bettelnde Personen in Nähe von Gastronomien werfen, am Wochenende bis in den Abend hinein. In den ersten zwei Wochen beließ es die Stadt bei Ermahnungen. Inzwischen drohen Verwarngelder bis zu 50 Euro oder, bei Nichtzahlung, auch Ersatzfreiheitsstrafe.

Bettelverbote gibt es inzwischen in vielen Städten, etwa in München, Köln oder Düsseldorf. Auch in Hamburg und Bremen gelten Verbote – dort allerdings nur in Bussen und Bahnen.

Mediale Aufmerksamkeit bekam Dortmund nun, weil es eine recht einschneidende neue Verordnung erlassen hat: Wie in München ist hier nicht mehr nur sogenanntes aggressives, sondern auch passives Betteln verboten – also etwa, wenn jemand einfach still mit einem Becher auf dem Boden sitzt. In München gilt das Verbot in der Altstadt-Fußgängerzone, in Dortmund seit August sogar überall dort, wo Gastronomen draußen Stühle und Tische vor ihre Restaurants und Cafés stellen.

„Wir betteln nicht, wir schnorren“

Pudel ist bisher noch nichts passiert. „Wir betteln ja nicht, wir schnorren“, erklärt er. Wo da der Unterschied sei? „Na, Betteln ist auf Mitleid machen, wir schnorren.“ Von dem Verbot habe er natürlich gehört, sagt Pudel. „Lächerlich“ sei das, wobei manche Bettler sich wirklich danebenbenehmen würden. Die Wut der Gastronomen könne er verstehen, wenn Kunden sich beschweren. Still zu schnorren sei aber weiterhin in Ordnung, da ist er sich sicher. „Das ist ja auch Straßenkunst, was wir machen.“ Seine Freunde schweigen weiter und grinsen.

Bastian Pütter schmunzelt, als er von Pudel hört. „Natürlich können die gegen ihn vorgehen.“ Ein paar Tage später steht der Redaktionsleiter von bodo, einem vor allem von obdachlosen Menschen verkauften Straßenmagazin aus Bochum und Dortmund, vor dem Buchladen des Magazins am Innenstadtring. Pütter, ein hochgewachsener Mann, redet und lacht oft gleichzeitig. Beim Thema Bettelverbot bekommt sein Lachen allerdings etwas Sarkastisches.

„Das ist der neue Dobrindt-Style“, sagt er gleich zu Beginn. Einfach mal politisch hart durchgreifen, auch wenn zahlreiche Experten rechtliche Bedenken äußern. So wie es der Innenminister von der CSU mit seiner Grenzpolitik mache. Denn bis Gerichte gegen die Entscheidungen urteilten, dauere es meistens sehr lange.

Dabei gibt es Gerichtsurteile zu Bettelverboten in Städten bereits. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte erklärte im Jahr 2021 im Fall einer bettelnden Frau in Genf, dass diese das Recht habe, auf ihre finanzielle Notlage aufmerksam zu machen. In der Stadt galt damals ein generelles Verbot, das daraufhin abgemildert wurde. Doch nach wie vor ist Betteln in Einkaufszonen oder an Bahnhöfen dort nicht erlaubt.

Auch in Deutschland lassen sich die Kommunen offenbar nicht von drohenden Gerichtsurteilen beeindrucken. Die Stadt Dortmund teilt auf Nachfrage mit, dass sie kein allgemeines Bettelverbot erlassen habe, sondern lediglich eines, das vor Gastronomiebetrieben gilt. Ziel sei es, die Situation vor Ort zu entspannen. Weder Armut noch Obdachlosigkeit würden kriminalisiert.

Bastian Pütter findet das rechtlich zweifelhaft. Ein Bettelverbot müsse mit Gefahren für die öffentliche Sicherheit begründet werden, meint er. Das sei hier nicht der Fall. Ein Problem für ihn und andere Helfende ist aber, Personen zu finden, die wie in Genf dagegen klagen. „Die Lebenssituation der Betroffenen ist meist so, dass sie sich das nicht zutrauen“, sagt er.

Für Pütter ist das Bettelverbot der nächste Versuch, arme Menschen aus dem öffentlichen Raum zu verdrängen. Schon vor Jahren verbot die Stadt Dortmund Obdachlosen, nachts draußen zu schlafen. Die Bußgelder dafür schaffte sie 2018 nach öffentlichem Druck wieder ab. Seit der Covid-Pandemie habe die Repression jedoch zugenommen – etwa durch einen Weckdienst frühmorgens für Obdachlose und höhere Bußgelder für das bereits verbotene aggressive Betteln. Mit dem im vergangenen Jahr gewählten CDU-Oberbürgermeister, sagt Pütter, werde der Ton noch schärfer.

Von der bodo-Redaktion ist es nicht weit bis zum Alten Markt. Der Platz im Herzen der Stadt rückte im Zuge der Diskussion um das Bettelverbot besonders in den Blick. Auf drei Seiten säumen Restaurants und Kneipen den Platz, ihre Tische und Stühle machen aus der Fünf-Meter-Regel praktisch eine große Verbotszone. Bettler sind zur Mittagszeit nicht zu sehen.

Zwei Frauen sitzen dort bei einem Steak. Eine von ihnen sagt: „Sonst saß man hier, da kamen die alle zwei Minuten, das ist jetzt viel besser.“ Das Verbot findet sie richtig: „In Deutschland muss doch auch niemand verhungern.“

Im Juni wandten sich die Gastronomen am Alten Markt mit einem Brief an die Stadt. Auch medial wurde er verbreitet, Pütter nennt ihn einen „Aufschrei“. Darin beklagen sie jahrelange Störungen durch „verwahrloste Bettler und/oder Drogenkonsumenten“. Mitarbeitende und Gäste würden täglich hundertfach belästigt. Als Beispiele nennen sie Männer, die Drogenbesteck auf dem Marktplatz auspackten oder nackt im Brunnen badeten. Polizei und Ordnungsamt, beklagen sie, würden nicht durchgreifen. Es bleibe „ein Gefühl der Frustration und Machtlosigkeit“.

Recht der Gäste vs. Recht auf Bettelei

Und die Stadt, die seit vergangenem Jahr erstmals seit 80 Jahren von der CDU geführt wird, wurde aktiv. „Die Menschen fühlen sich schon lange unwohl“, sagte Oberbürgermeister Alexander Kalouti im Interview mit den Ruhr Nachrichten. Und Rechtsdezernent Norbert Dahmen meinte: „Für mich ist das Recht der Gäste und der Gastwirte höher zu bewerten als das Recht auf Bettelei.“ Die Hoffnung offenbar: Wo Betteln verboten ist, bleiben Drogenkonsumenten fern.

Anfang Juli beschloss der Rat das Bettelverbot mit großer Mehrheit. CDU, AfD und FDP/Bürgerliste stimmten für den Entwurf der Stadtspitze. Auch die SPD stimmte dafür, allerdings unter der Bedingung, das Verbot zunächst für ein Jahr zu testen und anschließend zu evaluieren. Grüne, Linke und die Satirepartei Die Partei stimmten dagegen.

Tatsächlich scheint das Verbot eine Wirkung zu zeigen. Rund um den Alten Markt, wo früher Gäste im Minutentakt angesprochen wurden, ist Mitte August kaum aktives Betteln zu beobachten. Nur wenige Menschen sitzen still mit ihren Bechern da, in einigem Abstand zu den Lokalen. Auch die Stadt zieht eine erste positive Bilanz: Im August stellten die Ordnungskräfte gerade einmal drei Verwarnungsgelder wegen Bettelei vor Gastronomiebetrieben aus.

„Ich verstehe die Gastronomen schon, die wollen auch nur ihr Business machen“, sagt Pütter. Ihn stören aber politische Heilsversprechen. „Die Vorstellung ist immer: Wir wollen, dass das Problem weg ist.“ Auch wenn es oberflächlich gerade so aussehen mag, werde das Problem, so sagt es Pütter, nicht verschwinden.

Ohne die üblichen Klischees vom Ruhrgebiet als Strukturwandelverlierer auszupacken: Armut ist natürlich etwas, das sich im Stadtbild – um auch mal dieses verbrannte Wort zu benutzen – von Dortmund nicht leugnen lässt. Die Arbeitslosenquote liegt hier seit den 1980er-Jahren fast immer über zehn Prozent. 2018 und 2019 lag sie kurzzeitig darunter, doch die Corona-Pandemie verschärfte die Lage wieder.

Und auch die Drogenprobleme in der Stadt sind deutlich sichtbar. Vom Alten Markt zum Café Kick sind es nur knapp zehn Minuten zu Fuß. Der rot-braune Klinkerbau am westlichen Rand der Innenstadt dient als Drogenkonsumraum. Er soll Abhängigen einen geschützten, hygienischeren Ort bieten und den Konsum von der Straße holen. Zur Einkaufsstraße Westenhellweg sind es nur wenige Meter. Ein bisschen erinnert der Ort an eine TV-Serie im Drogenmilieu in den USA. Sichtbar abhängige Menschen stehen und sitzen auf der Straße vor dem Haus. Auch auf einer Treppe hinunter zum direkt angrenzenden Einkaufszentrum lungern Menschen.

„Diese krasse räumliche Nähe ist definitiv ein Punkt“, sagt Pütter. Die Stadt sucht seit Längerem nach alternativen Standorten. Im Herbst soll vorerst ein zweiter Raum außerhalb der Innenstadt öffnen. Die CDU will das Café Kick aber eigentlich perspektivisch schließen. Pütter hält das für falsch: Hilfe müsse dort sein, wo die Klienten sind. Das Drogenproblem war eines der zentralen Wahlkampfthemen im vergangenen Jahr.

„Crackwelle“ in Nordrhein-Westfalen

Das hat mit Sicherheit auch mit Crack zu tun. Dieses Wort fällt in Gesprächen zum Bettelverbot immer wieder. Crack ist Kokain, das mit Wasser und Backpulver erhitzt wird, zu kleinen Steinchen erstarrt und mit einer Pfeife geraucht wird. Es gehört zur Kategorie der Upper-Drogen, putscht also auf – oder, wenn man es negativer formulieren will: kann impulsives und enthemmtes Verhalten begünstigen. Weil die Wirkung schnell nachlässt, ist auch der Suchtdruck groß – und damit die Not, schnell Nachschub zu besorgen.

Von einer „Crackwelle“, die gerade in Nordrhein-Westfalen, aber auch in anderen deutschen Großstädten Spuren hinterlässt, spricht auch Lea Fischer. Sie forscht am Dortmunder Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung (ILS) zu marginalisierten Gruppen in Innenstädten, aktuell besonders in Dortmund, Bochum und München. Sie sei keine Drogenexpertin, betont Fischer. In Zusammenhang mit dem Suchtdruck beobachtet sie aber, dass „aufdringliches Betteln oft die einzige Möglichkeit ist, die abhängige Personen für sich sehen“.

Bastian Pütter nimmt einen jetzt mit auf einen „Spießrutenlauf“. Eigentlich spaziert man nur vom Café Kick zurück auf den Westenhellweg, in Richtung Zentrum. Aber so würden das Leute von außerhalb vielleicht empfinden, wenn sie diesen Teil der Innenstadt betreten, meint Pütter. Denn hier, in Schlagdistanz zum Drogenkonsumraum, scheint es an diesem Tag, als wäre nie ein Bettelverbot erlassen worden.

Ein junger Mann, vielleicht Ende 20, schlurft mit verfilzten dunkelblonden Haaren über die Straße. Trotz sommerlicher Temperaturen trägt er einen dicken Baumwollpulli. Die Augen hat er weit geöffnet, der Körper spindeldürr. „Habt ihr vielleicht einen Euro?“ Wahrscheinlich nicht zufällig kreuzt er den Weg: Die Tische einer amerikanischen Kaffeehauskette stehen rund fünf Meter entfernt.

Jetzt hast du einen dieser schrecklichen, aggressiv bettelnden Crack-Zombies gesehen, sagt Pütter mit erkennbar ironischem Unterton

Hatte er schon Stress wegen des neuen Bettelverbotes? „Ach, geht eigentlich.“ Zweimal sei er schon kurzzeitig „in PG“ (Polizeigewahrsam, d. Red.) gekommen, allerdings vor dem verschärften Bettelverbot, Ersatzfreiheitsstrafe habe er aber noch nie bekommen. „War ja vorher schon alles streng, ne.“ Von den Tischen bleibe er auf jeden Fall immer fünf Meter weg. „Ok, ich hau dann ab, wa“, sagt er und verabschiedet sich freundlich.

„Jetzt hast du einen dieser schrecklichen, aggressiv bettelnden Crack-Zombies gesehen“, sagt Pütter mit erkennbar ironischem Unterton. „Das sind die Leute, über die wir hier reden, aber klar, ein paar Unverschämte gibt es auch.“

An eine langfristige Wirkung des Bettelverbots auf Crack-Konsumenten glaubt Pütter nicht. Diese Menschen hätten ganz andere Probleme, da sei es „ihnen eigentlich egal, was für Ordnungsstrafen sie bezahlen müssen“. Nun würden sie „halt noch regelmäßiger eingesperrt“.

Innenstädte durchleben einen Funktionswandel, sagt die Stadtforscherin Lea Fischer: weniger Besucher, mehr Leerstand. Kommunen müssten sich deshalb fragen, womit sie Menschen in die Zentren locken können. Vor sechs Jahren hat ihr Institut dazu eine Umfrage gemacht. Demnach halten Kommunen Sauberkeit und Sicherheit mittlerweile für das wichtigste Attraktivitätsmerkmal.

„Ich glaube, das spielt auch beim Bettelverbot eine Rolle“, sagt Fischer. Ein Freiburger Soziologe hätte es mal so beschrieben, dass das Hausrecht von Geschäften immer mehr auf den öffentlichen Raum ausgeweitet wird. Die Forschung des ILS zum Bettelverbot in München zeigt übrigens vor allem eines: Es kommt zu Verdrängungseffekten. Statt in der Altstadt würden die Menschen nun am nahe gelegenen Isartor betteln und campieren. „Die Probleme lassen sich so vielleicht kleinräumig verlagern, aber bestimmt nicht lösen“, sagt Fischer.

Am Alten Markt sind sie damit aber vielleicht erst einmal zufrieden. Wiederum ein anderer August-Tag, wieder zur Mittagszeit. Die Plätze draußen sind zur Hälfte gefüllt. Menschen vom Teenageralter bis ins Rentenalter genießen das perfekte Wetter zum Draußensitzen: nicht zu heiß, nicht zu kalt.

Der Inhaber eines Restaurants hatte zugesagt, mit der taz zu sprechen. Eine Bedingung: keine Namen, weder von ihm noch von seinem Lokal. Das Thema sei einfach zu brisant. Auch Audioaufnahmen möchte er nicht. Zwischen den Sätzen macht er oft lange Pausen. Zitiert werden will er im Nachhinein doch nicht.

Im Gespräch zeichnet er das Bild von sich und den anderen Gastronomen als Kämpfer für eine Stadt in einem miserablen Zustand. Das Bettelverbot sei unvermeidbar gewesen, damit sich Gäste sicher fühlten und Gastronomie sowie Ordnungsamt rechtliche Klarheit hätten. Ohne den Brandbrief hätte die Politik wohl nicht reagiert. Vor allem die linken Parteien seien total verbohrt bei dem Thema.

20 bis 40 drogenabhängige Personen verhielten sich problematisch, meint er. Die restlichen Bettler völlig okay. Trotzdem sei die Belastung für die Gäste zu hoch gewesen. Und auch für die Mitarbeiter: Er spricht unter anderem von aufgekratzten Armen in Folge einer Auseinandersetzung. Beweise liefert er nicht.

Die Situation sei nun deutlich besser, bereits seit der Ankündigung des Verbots. Zugleich sei ihm bewusst, dass das Problem dadurch nur verdrängt werde. Er hoffe deshalb auf eine umfassende Lösung der Stadt.

Tatsächlich beobachte der Gastronom, dass in seinem Bistro im Kreuzviertel, einem studentisch geprägten Barviertel nördlich der Innenstadt, inzwischen immer mehr Bettler auftauchten. Das berichten auch weitere Gastronomen aus dem Kreuzviertel in den Ruhr Nachrichten.

Inzwischen wabert in der Diskussion um das Bettelverbot noch immer ein anderer Begriff durch Dortmund: das Zürcher Modell. Eine Praxis, die eigentlich aus den 1990er-Jahren stammt und mit der die Schweizer Stadt, einst selbst eine Hochburg der Drogenszene, bis heute erfolgreich arbeitet.

Zürcher Modell als Vorbild

Das Zürcher Modell besteht aus vier Säulen: Prävention, Therapie, Schadensminderung und Repression. Dortmund hat mit dem Bettelverbot vor allem bei der Repression angesetzt. Für die anderen Bereiche soll angeblich bis Herbst ein Konzept entstehen. Eine Teillegalisierung des Drogenhandels in Drogenkonsumräumen wie in Zürich ist in Dortmund allerdings nicht geplant.

Für breitere Aufstellung, zum Beispiel mit Sozialarbeitern, und nicht zuletzt die Versorgung mit Wohnraum plädiert auch die Stadtforscherin Lea Fischer. Das könne dann vielleicht auch erfolgreich mit repressiveren Maßnahmen kombiniert werden. Fischer glaubt, dass das vordergründige Funktionieren des aktuellen Verbots mit einem kommunikativen Effekt zu tun hat: „Als Ordnungskraft lässt sich dieser Fünf-Meter-Abstand viel leichter vermitteln und auch für die Angesprochenen ist es greifbarer.“

Wichtig sei aber vor allem, dass man eher das Gespräch suche als zu verbieten. In München, berichtet Fischer, gebe es zum Beispiel ein Konfliktmanagement, bei dem Teams vor Ort aktiv werden, wenn Menschen sich belästigt fühlen, und den Konflikt zunächst vor Ort aushandeln. Das sei sicherlich nicht mit allen Bettlern möglich, keine Frage. Aber trotzdem: „Einfach mehr miteinander reden, sagen, okay, du darfst zwei Meter vor meinem Laden sitzen, benimmst dich aber. Und dann bringt man als Gastronom auch mal einen Kaffee vorbei.“

Vielleicht, sagt auch Bastian Pütter zum Abschluss, „muss man akzeptieren, dass manche Aspekte der Großstadt eben dazugehören“. Dazu gehörten auch Armut und die Notwendigkeit, Gegensätze politisch zu moderieren. Und nicht diese „Null-Toleranz-Schiene“, wie die Politik sie gerade fahre.

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72 Kommentare

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  • FtznFrtz

    Leider ein Trend, die Starken, Wohlhabenden, Gesunden entziehen sich immer der Solidariät mit denen, denen nicht die Sonne aus dem Hintern scheint. Bettler, die ich sehen oder mit denen ich reden muss während ich doch in meiner Blase Pizza essen oder Cappuccino trnken will? Unzumutbar. Arbeitslose? Nur zu faul. Grundsicherungsempfänger? Eigentlich arbeitsfähig. Pflegebdürftige und Kranke? Abspeisen mit dem Mindestmaß. Rente? Nur noch Basis.



    Die immer dreistere Übergriffigkeit der Politik und ihrer Vooreiter, vor allem auf der rechten, zerstört den Grundkonsens in der Gesellschaft, was wiederum den Nazis Auftrieb gibt. EIn Teufelskreis.

  • derzwerg

    »…acht Schilder mit acht „Spendenzwecken“: Essen, Bier, Tabak, Gras, Schwarzfahren, Rente, Haftbefehl, Puff. Hinter ein neuntes Schild kann man sein Geld praktischerweise für einen „neuen Becher“ legen.«

    Als ich das gelesen habe, dachte ich, das ist weder Bettelei noch Geschnorre, das ist Kunst, und weiter unten wird das dann ja auch erwähnt.

    Wie bitte, ach so, Dortmund hat CDU-Bürgermeister? Schon klar, Kunst im Sinne von Kunst, nicht Weimerkunst.

  • AlexA

    Vor 2 Wochen stand ich vielleicht eine Stunde mit Freunden an einem Stehtisch vor einer Kneipe am Rand der Dortmunder Innenstadt. Wir wurden im 5-Minuten-Takt angebettelt von Druffis und sind irgendwann trotz des schönen Wetters ins Innere geflohen. Von daher finde ich es interessant zu lesen, dass diese massive Bettelei theoretisch nicht erlaubt sein soll.

    • DerLurch

      @AlexA:

      Wie? Und das obwohl es nicht erlaubt ist? Unvorstellbar. Das heißt, Waffenverbotszonen helfen auch nicht? Ich fand den Postillon letztens gut, als er Unfallverbotsschilder vorstellte.

      Aber das Wort "Druffis" ist n bisschen daneben find dich. Aber sonst nachvollziehbarer Kommentar

      • derzwerg

        @DerLurch:

        Nachvollziehbar, naja. Kanzler sagt, wir sollen mehr arbeiten, nicht stundenlang an Stehtischen verweilen, noch dazu mit Freunden

        • Mondschaf26

          @derzwerg:

          Wer stundenlang am Sehtisch weilt,



          Wird als Wache eingeteilt. 👮🏽‍♂️

        • Encantado

          @derzwerg:

          "Kanzler sagt, wir sollen mehr arbeiten, nicht stundenlang an Stehtischen verweilen, noch dazu mit Freunden."



          Wieso, das schließt sich doch nicht aus? Man kann doch mit Freunden an Stehtischen arbeiten? Zwei Fliegen mit einer Klappe, das freut den Kanzler.

  • elektrozwerg

    Der oeffentliche Raum ist fuer alle da. Wer damit ein Problem hat muss eben in seinen 4 Waenden bleiben.

    Was das aktive Betteln betrifft kommt es immer auf den Einzelfall an.

    • Ohne_Mitte_geht_nix

      @elektrozwerg:

      Und warum sollte ich dann akzeptieren, dass ich im öffentlichen Raum belästigt werde? Auch wenn Sie aktives Betteln auch noch unter dem Einzelfallaspekt betrachten wollen. Ich darf den öffentlichen Raum so nutzen, wir es mir zusteht....

    • Zippism

      @elektrozwerg:

      „Der öffentliche Raum ist für alle da“ – ein bemerkenswertes Argument, wenn man im nächsten Satz denjenigen, die sich dort von aggressivem Betteln oder ständiger Ansprache gestört fühlen, empfiehlt, einfach zu Hause zu bleiben. Nach dieser Logik gehört der öffentliche Raum offenbar vor allem dem, der andere am hartnäckigsten belästigt.

      Und „kommt auf den Einzelfall an“ klingt verdächtig nach: Wir schaffen erst einmal keine Regeln und wundern uns anschließend, warum die Betroffenen jeden Einzelfall selbst austragen müssen. Öffentlicher Raum ist für alle da – auch für diejenigen, die einfach nur in Ruhe durch ihn hindurchgehen möchten.

      • elektrozwerg

        @Zippism:

        Die ersten 2 Saetze bezogen sich aufs passive Betteln. Jeder hat das Recht sich im oeffentlichen Raum aufzuhalten, vollkommen unabhaenig ob er sich dabei hinhockt und nen Becher vor sich hinstellt.

        Es gibt einen Unterschied zwischen aktivem und aggresivem Betteln. Ich habe schon oft wirklich nette Menschen getroffen, die mich hoeflich fragten ob sie mich stoeren duerfen. Diesen dies zu verwehren weil ein paar schwarze Schaffe nervtoetend aggresiv sind, halte ich fuer nicht verhaeltnismaessig. Deshalb meine Aussage, dass das eine Einzelfallentscheidung seien muss. Und dabei bleibe ich.

  • Land of plenty

    Danke für diese Reportage.



    Viele Blicke ins Ruhrgebiet!



    Die autoritären Maßnahmen greifen um sich, wie vom "Kommunalen Vollzugsdienst Nordhausen", um die Arbeitslosen abzuholen.



    Wo sollen die Obdachlosen hin?



    Nur verschwinden.

  • Klabauta

    Früher saßen die Bettelnden vor den Gotteshäusern, da das Geben von z.B. Almosen im Christentum oder Zakāt im Islam für die Gläubigen fromme Pflicht war. In Zeiten der Säkularisierung sitzen die Bedürftigen nun eben vor den Tempeln der Wohlstandsgesellschaft.



    Was sich gleich geblieben sein dürfte, ist das Unbehagen derer, die um eine "milde Gabe", vulgo "'nen Euro" gebeten werden, zeigt uns doch die wachsende Zahl der Armen den stetig zunehmenden Grad an Ungleichheit in unserer Gesellschaft auf.

    • Linke Socke

      @Klabauta:

      "Früher" gab es aber auch noch kein Bürgergeld und sonstige Transferleistungen, die einen vom Betteln unabhängig machten.

      • Abdurchdiemitte

        @Linke Socke:

        Ja, dafür gab es eben Almosen und Zakat.



        Ob das aber zum Überleben, z.B. in den mittelalterlichen/frühneuzeitlichen Städten, gereicht hat? Für die Geber jedenfalls war es religiöse Pflicht, den Bedürftigen auf diese Weise zu helfen - schließlich postulieren alle relevanten Religionen, dass das Almosengeben die ‚Schätze im Himmel‘ für den Geber vermehren. Vermutlich die zentrale Antriebsfeder, den Armen unter die Arme zu greifen.

    • Katharina Reichenhall

      @Klabauta:

      Zu den Zeiten, von denen Sie sprechen, gab es noch kein Sozialsystem, wie wir es heute kennen.



      Genau deswegen ist Ihr Schluss "eines stetig zunehmenden Grad an Ungleichheit in unserer Gesellschaft" gerade im Vergleich zu dem "Früher", von dem Sie sprechen, gerade nicht zutreffend.

      • Land of plenty

        @Katharina Reichenhall:

        Genau dieses Sozialsystem wollen die Autoritären ja aber abschaffen und sind antihumanistisch und kirchenfeindlich.

      • Klabauta

        @Katharina Reichenhall:

        Da haben Sie natürlich recht. Allerdings steigt die Zahl der Armen bzw. armutsgefährdeten Menschen und die der Obdachlosen in Deutschland stetig an, und nicht jede*r wird durch das soziale Netz aufgefangen. Zudem werden Leistungen gekürzt und zunehmend sanktioniert.



        Insofern kann man nicht behaupten, dass das Problem gelöst sei und dass es keine Ungleichheit gäbe.



        Wir können es verdrängen, versuchen, es durch Bettelverbote oder bauliche Maßnahmen aus unserer Wahrnehmung zu verbannen, aber deshalb ist es nicht verschwunden.

        • ToMuch

          @Klabauta:

          Man muss aber auch den Teil der Wahrheit dazu sagen, dass viele Obdachlose nicht hier geboren wurden, sondern zum betteln herkamen. Die bereits im eigenen Land gescheitert sind und hier nun betteln. Rund um den Münchner Hauptbahnhof sind das überwiegend Bulgaren und Rumänen.

          • DerBlondeHans

            @ToMuch:

            Was soll das Hass schüren auf Nationalitäten? Bettler kommen in allen Ländern vor auch Schweiz oder So IKEA Länder.

    • Ricky-13

      @Klabauta:

      Vor einigen Wochen habe ich eine Frau vor einem Dom (von Domus Dei = "Haus Gottes") gesehen, die dort um eine milde Gabe gebeten hatte. Ich bin dann zu ihr hin und habe ihr einen Euro gegeben. Ich fragte sie dann noch, ob die Leute, die in den Dom gegangen sind, ihr denn auch etwas gegeben haben. Sie schüttelte nur den Kopf. Da sagte ich zu ihr: "Ja, so sind die gläubigen Christen."

      • Lowandorder

        @Ricky-13:

        Empfehle St. Maria in der Kupfergasse - NevenDumontstr



        Kölle

        Die 1715 erbaute Kirche St. Maria in der Kupfergasse befindet sich in der Kölner Innenstadt an der Neven-DuMont-Straße, Ecke Schwalbengasse. Sie ist eines der wenigen barocken Kirchengebäude der Stadt Köln. Die Kirche umschließt seit ihrer Einweihung im Jahr 1715 die in ihrem Inneren zwischen 1673 und 1675 errichtete Laurentinische oder Loretokapelle, in der seit dieser Zeit ein Gnadenbild der Schwarzen Muttergottes verehrt wird. wiki



        Bettelnde & Gebende längs der Mauer gehören zum beeindruckenden kölschen Alltag

        • Ricky-13

          @Lowandorder:

          *Bettelnde & Gebende längs der Mauer gehören zum beeindruckenden kölschen Alltag*

          In Köln war ich schon lange nicht mehr und da kenne ich auch nur den DOM und St. Pantaleon, wo das Grab der Kaiserin Theophanu ist. Wie ich weiter unten aber schon geschrieben hatte, dürfte es solche extreme Armut (Obdachlose und Bettler) in diesem reichen Land gar nicht mehr geben.

          Diese Woche bin ich in der Hamburger U-Bahn wieder einmal von einer weiblichen Obdachlosen angebettelt worden. Momentan gebe ich nur noch obdachlosen Frauen etwas Geld, nicht weil ich mit den männlichen Obdachlosen kein Mitleid habe, sondern weil die Bettler immer mehr werden und ich nach einer Fahrt (fahre zwar selten mit dem HVV) 'nicht selbst arm' dastehen will. Von welcher "Würde" spricht man in Art. 1 GG eigentlich, wenn sogar Frauen bei uns in Deutschland schon obdachlos auf der Straße sitzen oder in U-Bahnen betteln müssen?

          Die zunehmende Armut erblickt man aber nicht nur in Großstädten wie Berlin, Hamburg und Köln, sondern auch schon in Kleinstädten. Gegen Bettler und Obdachlose wird zwar täglich etwas "unternommen", aber nicht so wie es sein sollte, denn sie bekommen Platzverweise anstatt Unterkünfte und Hilfe.

          • Tankens inerti

            @Ricky-13:

            "Von welcher "Würde" spricht man in Art. 1 GG eigentlich, wenn sogar Frauen bei uns in Deutschland schon obdachlos auf der Straße sitzen oder in U-Bahnen betteln müssen?"

            Wieso sind den arme Frauen schlimmer als arme Männer?

            • Silber Silberigel

              @Tankens inerti:

              @Tankens inerti

              Sie fragen ernsthaft, wieso es für obdachlose Frauen gefährlicher als für Männer ist, auf der Straße zu schlafen?! Ist das gespielte Naivität?

          • ToMuch

            @Ricky-13:

            Wenn Sie Unterkünfte und (monetäre) Hilfe anbieten, wird das weitere Obdachlose aus anderen Ländern anziehen.

            Man selbst würde es ja genauso machen, wenn man in so einer Notlage steckt.

            • Lowandorder

              @ToMuch:

              Heiliger St Florian



              Verschon mein Haus



              Zünd andre an!



              Echt too much



              “Sozialer Rechtsstaat oder Diktatur“



              ©️ Hermann Heller

          • Alex_der_Wunderer

            @Ricky-13:

            @ Ricky-13



            Zur Zeit wird man ja sogar schon von rechtsextremistischen AfD Wählern, bei unerquiklichen Diskussionen von diesem Abschaum unserer Gesellschaft auf Artikel 1 unseres Grundgesetz hingewiesen, welches die AfD aber selber nicht achtet.



            Münzensammler bekommen von uns nur noch ein belegtes Brötchen, wenn gerade ein Bäcker in der Nähe ist. Neulich erzählte mir ein Münzensammler, so nennen wir hier diese armen Menschen hier, man habe sogar ihm seinen Teller mit Kleingeld vor seiner Nase weggemopst.



            Es ist ein Unding was hier in unserem Deutschland abgeht.

            • Ricky-13

              @Alex_der_Wunderer:

              Ist Ihnen aufgefallen, dass unsere konservativ-neoliberalen Freunde hier sofort wieder ihre "sozialen Weisheiten" zum Besten geben? 😄

              • Ohne_Mitte_geht_nix

                @Ricky-13:

                Na ja....Ihre Weisheiten sind auch nicht besser.

            • Leuchtathlet J So

              @Alex_der_Wunderer:

              Menschen = Abschaum?

      • Mondschaf26

        @Ricky-13:

        Die in den Dom gehen, das sind kaum noch Christen.



        Die allermeisten sind Touristen... Und eben die sollen ja nicht alles sehen.

  • Uwe Kulick

    Bürgergeld aka Grundsicherung wird demnach an Wohnungslose also in Tagessätzen gezahlt. BettlerInnen brauchen eine Bettellizenz - evtl. reduziert das deren Tagessatz? Keine Ahnung, vor etwa 12 Jahren war es offenbar so, wie mir damals ein Bettler erzählte. Es gab laut diesem 10€/Tag und in einigen Städten eben nix, während der Hartz4satz geteilt durch 31damals mindestens schon über 12€ hätte sein müssen.

    Einige deutsche Stadtverwaltungen sind, oder waren damals zumindest berüchtigt, diesen Tagessatz nicht an jeden neuen Berechtigten auszuzahlen. Das kam dem Versuch gleich, die Anzahl der BettlerInnen in einer Stadt rechtswidrig zu regulieren, nur um das Stadtbild für Herrn Merz gefälliger zu machen.

    Evtl. gibt es vereinzelt heute noch solche Ungerechtigkeiten, durch Behörden oder schwarze Schafe darinnen.

    Im Artikel geht es sehr um Drogensüchtige, deren Erscheinungsbild je nach Drogenhärte auch mehr oder weniger erbärmlich sein kann. Nehmen wir an die meisten sind von ihrer Umwelt zum Drogenkonsum verführt worden, sind an ihrem Anblick nicht schuld.

    Schlimm: Anblick Bettler, der sich in Eigenwürde eliminierende Bückhaltung begibt. Nur 5m Abstand zur Gastronomie, evtl. doch OK?!

    • LuckyLulu

      @Uwe Kulick:

      In den 1990ern habe ich mal ein Praktikum in der Wohnungslosenhilfe in Koblenz gemacht. Ewig her, aber Verwaltungsvorschriften haben ja oft eine ziemliche Beharrungskraft. Damals wurden jedenfalls unterschiedliche Tagessätze an Obdachlose ausgezahlt, einen geringeren Tagessatz bekamen jene, die als Durchreisende nicht Ortsansässig waren. Wer immer in der gleichen Stadt zum Sozialamt ging erhielt etwas mehr Geld.



      Soweit zumindest die Regelung auf dem Papier und ich vermute die steht hinter der 10€ am Tag Erzählung die der Betroffene ihnen berichtet hat.... Was von dem Geld dann in der Praxis, in welcher Stadt wirklich bei den Obdachlosen ankommt ist sicher sehr unterschiedlich ... Kann mir sehr gut vorstellen, dass die Behörden bzw. Einzelne Mitarbeiter hier gerne versuchen eigenmächtig zu regulieren ... Von den Schwächsten ist wie der Artikel schon weiß kaum eine Beanstandung etwa mit Unterstützung von Sozialarbeitern oder gar eine Juristische Klage zu erwarten.

      Wäre aber eine wirklich spannende Frage für Journalist*innen mit sozialem Fokus wie Städte sowas umsetzen, und ob aktive Wohnungslosenhilfe hier lokal einen Unterschied macht ...

    • Abdurchdiemitte

      @Uwe Kulick:

      Danke für die Info zu den Tagessätzen für Bettler. Ich habe das nicht gewusst.



      Selbstkritisch muss ich einräumen, dass ich mich - obwohl ich mich politisch links orientiere und soziale Ungleichheit hierzulande bei jeder sich bietenden Gelegenheit anprangere -, mit dieser Facette von Armut bisher kaum auseinandergesetzt habe. Obwohl mir Armut und Bettelei auf dem Weg zum Bahnhof meiner Heimatstadt fast täglich ins Auge springen.



      Andererseits würde ich auch nicht den Aussenbereich einer Gastronomie in Bahnhofsnähe oder anderer ‚neuralgischer‘ aufsuchen, in der Erwartung, dort in Ruhe mein Steak zu essen und mein Bierchen zu trinken, ohne von Bettlern angesprochen zu werden oder sie gar direkt gegenüber der Restauration sehen zu müssen.



      Das Bier würde mir dann nicht schmecken, das Steak im Halse stecken bleiben. Nicht aus Verdruss über diese ‚Stadtbild‘-Störung, sondern weil sich mein christliches Gewissen regen würde und ich beim Anblick eines Bettlers nie ungerührt-teilnahmslos Geld zwecks Eigenkonsums ‚verprassen‘ könnte.



      Ich verstehe nicht, wieso das manchen Mitbürgern so einfach gelingt, möchte dazu aber auch kein Werturteil abgeben.

  • vieldenker

    Der Artikel beschreibt sehr gut die unterschiedlichen Facetten des Themas und der Autor verzichtet glücklicherweise auf eine zu einfache moralisierende Gesellschaftskritik.Als ich letztens mal wieder von einem „Schnorrer“ um eine milde Gabe fürs Essen gebeten wurde, war ich froh direkt mit einem Essensgutschein einer naheliegenden diakonischen Einrichtung helfen zu können. Vielleicht auch eine Lösung für das Unbehagen vieler „Angebettelter“. Denn oft ist es ja nicht die mangelnde Hilfsbereitschaft, sondern der Zweifel am vorgebrachten Verwendungszweck.

  • David Lejdar

    Ja, wirklich was geklärt ist mit solchen Regelungen nichts. Dabei kann ich das Motiv verstehen - z.B. in "meiner Stadt" wäre unerlaubtes Campen in Parks usw. nicht erlaubt - und aber, einfach nur wegscheuchen verbessert nicht die Lage der betroffenen Bürger/innen (von hier oder anderswo), wobei es dieser Tage noch umso weniger der Fall ist, dass die Leute wie Familienbauernhof hätten, wohin zurückkehren könnten.

    Und da bin ich halt so, dass das Camping-Verbot hauptsächlich als Anlass herhält, damit Beamte nach Personalien fragen dürfen - mit anküpfendem System, wo Sozialämter Kontingent an Wohnungen verfügbar haben, für Personen die in deren Zuständigkeit fallen, und dies idealerweise in ganz Schengen - bzw. zumindest provisorisch, Camping-Platz, wo man Post empfangen kann, und auch Leute vor Ort als Ansprechpartner, wie z.B. vom Sozialamt. Und somit zumindest klar, dass wenn jemand bettelt, nicht existentiell darauf angewiesen ist.

  • Ricky-13

    Eigentlich dürfte es in diesem reichen Land gar keine Bettler und Obdachlose geben. Aber wer interessiert sich in diesem kapitalistischen Land schon für extrem arme Menschen, die auf der Straße sich ein paar Euro zusammenbetteln müssen, weil das Sozialgeld, was sie vom Staat bekommen, nicht zum Essen ausreicht? Es reicht nämlich nicht aus, weil diese Leute sich draußen etwas zu Essen kaufen müssen und keinen Kühlschrank, keine Vorratskammer, keinen Herd und schon gar keine feste Wohnung haben.

    Der Bürger schimpft aber lieber auf Obdachlose/Bettler und fühlt sich belästigt, anstatt sich mal zu fragen, weshalb es im 21. Jahrhundert in einem der reichsten Länder dieser Welt überhaupt Obdachlose und Bettler gibt.

    Ich sehe immer mehr junge aber auch sehr viele alte Obdachlose, die von dem "Leben" auf der Straße gezeichnet sind. Ich sehe auch immer mehr obdachlose und bettelnde Frauen, die im 21. Jahrhundert in einem der reichsten Länder dieser Welt auf der Straße sitzen. Ich habe aber noch keinen Politiker gesehen, der sich für diese mittelalterlichen Zustände schämt und endlich etwas für diese armen Leute macht – und sie nicht nur von der Polizei und dem Ordnungsamt vertreiben lässt.

    • Zippism

      @Ricky-13:

      „In einem der reichsten Länder der Welt dürfte es keine Obdachlosen geben“ klingt erst einmal schön moralisch, ist aber erstaunlich wenig präzise. Denn der deutsche Sozialstaat lässt einen unfreiwillig obdachlosen Menschen nicht einfach mit einem Schulterzucken auf der Straße sitzen: Unterkunftskosten können nach SGB II bzw. SGB XII übernommen werden, und die Kommune ist zur ordnungsrechtlichen Unterbringung unfreiwillig obdachloser Menschen verpflichtet.

      Eine eigene, dauerhaft vom Staat zugewiesene Wohnung ist daraus allerdings nicht automatisch abzuleiten. Wer aus einer gesetzlichen Möglichkeit eine Vollkaskogarantie macht, sollte vielleicht vorher einmal ins Gesetz schauen.

      Und aus jedem Bettler auf der Straße gleich den Beweis für das „Versagen des Kapitalismus“ zu basteln, ist ohnehin eher politische Weltanschauung als Sozialanalyse. Der Sozialstaat kann Hilfen anbieten – er kann einen Menschen aber nicht per Gesetz dazu zwingen, sie anzunehmen oder jede persönliche, psychische, soziale oder suchtbedingte Ursache seiner Obdachlosigkeit beseitigen.

    • economista

      @Ricky-13:

      Etwas off topic, aber zum draussen essen kann ich was beitragen. Als ich letztens am Flughafen Frankfurt ankam und noch eine Stunde auf den gebuchten Zug nach Berlin warten musste, bin ich, statt in die überteuert wie schlechten Flughafenrestaurants, ins Tiefgeschoss in den Lebensmittelladen, mir eine Brotzeit zu besorgen. Die habe ich dann am Fernbahnhof auf einer Sitzbank ausgepackt und die Polizei hat sich sofort auf mich gestürzt.

      Ich vermute, sie hielten mich für obdachlos, denn sie verlangten bei der Personenkontrolle einen Nachweis, von wo ich angereist wäre.

      Fazit: acab. Als Obdachloser darf man offenbar nicht am Flughafen Fernbahnhof rumlungern, die Bullen assoziieren Brotzeiten auf Bahnhofsbänken mit Wohnungslosigkeit und wissen nicht, dass Reisetaschen aus Zeltplanen genäht, die unter den Sitz passen, die Wunderwaffe für Fernreisen nur mit Handgepäck sind :D

      Als Obdachloser hat man's wirklich nicht leicht. Nicht nur, dass preiswertes Essen sich auf kalte Küche beschränkt, sondern man wird von unseren Ordnungshütern obendrein grundlos belästigt.

      • Zippism

        @economista:

        Eine bemerkenswert kurze Reise von der belegten Brotzeit zur Staatskritik: Jemand wird am Flughafen kontrolliert, vermutet, die Polizei habe ihn für obdachlos gehalten – und fünf Zeilen später steht „ACAB“. Belege: keine. Begründung: Vermutung. Pointe: Weltanschauung.

        Besonders hübsch ist dabei der argumentative Kunstgriff, aus einer völlig unklaren Personenkontrolle gleich einen Beleg dafür zu basteln, wie „Obdachlose“ angeblich von unseren Ordnungshütern behandelt werden. Warum sollte man auch zwischen dem, was passiert ist, und dem, was man sich dazu denkt, unterscheiden?

        Aber immerhin hat die Brotzeit ihren gesellschaftspolitischen Zweck erfüllt: Sie wurde nicht nur gegessen, sondern zur vollständigen Weltanschauung verarbeitet. Guten Appetit.

        • economista

          @Zippism:

          Nennen Sie es anekdotische Evidenz für acab. Irgend etwas an meinem Äußeren und / oder meinem Gepäck hat die Streife getriggert und ich bin in einer Personenkontrolle vorher wirklich noch nie gefragt worden: "Na von wo sind SIE denn heute angereist!?" Und sollte sonst schon mal jemand am Bahnhof seine Flugtickets vorzeigen? Welche andere Erklärung gäbe es denn für dieses sonderbare Polizeiverhalten, wenn nicht Repressalien gegen Obdachlose?

  • llorenzo

    Ich bin nicht immer gewillt Geld zu geben. Aber jedesmal ist es eine interne Frage an meine Menschlichkeit. Nicht immer ist diese so weit und warm wie ich es mir wünsche und wie sie mir gut tun würde. Also hier auch noch mal ein generelles Dankeschön an die Bettler und Schnorrer. Ihr habt eine wichtige Funktion in unserer Gesellschaft.

    • DerBlondeHans

      @llorenzo:

      Welche denn?

    • Katharina Reichenhall

      @llorenzo:

      Bei allem Respekt, welche "wichtige Funktion" soll das sein?

      • Günter Picart

        @Katharina Reichenhall:

        Dieselbe wie eh und je. Der Bettler stellt deine Menschlichkeit auf die Probe. Früher waren Bettler wichtig, weil sie den Menschen die Möglichkeit gaben, sich für das Himmelreich zu qualifizieren. Das ist heute im Prinzip nicht anders, auch wenn man es heute korrekterweise als gesellschaftliche Funktion erkannt hat und weniger als eschatologische. Llorenzo hat das ausgezeichnet erfasst.

  • Lindenberg

    Exellenter Artikel.

  • PartyChampignons

    Naja Bettelverbote lösen keine Probleme das ist richtig, aber die Erlaubnis zu betteln löst ebenfalls keine Probleme....

  • Astrid Sehnefeld

    "In Dortmund dürfen Menschen mit einem Becher nicht mal still vor Restaurants sitzen. Löst das die Probleme?"



    Optisch definitiv.



    Es macht auch Innenstädte für die Bettelmafia unattraktiv.



    Und in Deutschland muss niemand betteln. Das Grundgesetz verankert das Sozialstaatsprinzip im Art 20 GG und garantiert damit jedem Menschen ein rechtlich einklagbares Existenzminimum für ein menschenwürdiges Leben.

    • Xanyd

      @Astrid Sehnefeld:

      Welche Menschen in solch einer Ausnahmesituation hat noch das Wissen und die Ressourcen sein Recht einzuklagen? Das ist weltfremd.

      • Zippism

        @Xanyd:

        Dass Menschen in einer schwierigen Lebenssituation Unterstützung brauchen, ist unstrittig. Aber aus „manche schaffen es ohne Hilfe nicht, ihre Ansprüche durchzusetzen“ gleich „das Recht auf Hilfe ist eine weltfremde Theorie“ zu machen, ist schon ein bemerkenswerter Kurzschluss.

      • Ricky-13

        @Xanyd:

        Da haben Sie vollkommen recht. Wer obdachlos ist und sogar betteln muss, hat nicht mehr die Kraft - und die finanziellen Möglichkeiten - sich juristischen Beistand zu holen, denn ohne Rechtsanwalt kann man das alles gleich vergessen.

        • Zippism

          @Ricky-13:

          „Ohne Rechtsanwalt kann man das alles gleich vergessen“ – schön dramatisch, aber schlicht falsch. Das Sozialrecht sieht ausdrücklich Beratung und Unterstützung vor, einschließlich Unterstützung bei der Beantragung von Sozialleistungen und, wenn nötig, Begleitung zu sozialen Diensten. Für Menschen mit geringem Einkommen gibt es zudem Beratungshilfe.

          Vor allem aber wird hier so getan, als müsse sich ein obdachloser Mensch erst mit Aktenordner und Anwalt unter eine Brücke setzen, bevor der Staat überhaupt tätig wird. Das Gegenteil ist der Fall: Kommunen müssen unfreiwillig Obdachlose grundsätzlich unterbringen; der Deutsche Verein empfiehlt darüber hinaus ausdrücklich eine Basisberatung, die den Weg in eigenen Wohnraum und weiterführende Hilfen ebnen soll.

          Dass diese Hilfen nicht jeden Einzelfall sofort und perfekt lösen, ist ein reales Problem. Daraus aber zu machen, Betroffene hätten keinerlei Zugang zu staatlicher Hilfe und müssten deshalb zwangsläufig betteln, ist keine Sozialanalyse – sondern Sozialromantik mit möglichst düsterem Anstrich.

          • Ricky-13

            @Zippism:

            Sie schreiben: *Das Sozialrecht sieht ausdrücklich Beratung und Unterstützung vor, einschließlich Unterstützung ...*

            „In der Theorie gibt es keinen Unterschied zwischen Theorie und Praxis. In der Praxis schon.“

            Dieses bekannte Zitat, oft Benjamin Franklin zugeschrieben, bringt das Spannungsfeld zwischen Theorie und Wirklichkeit sehr gut auf den Punkt. Oder anders formuliert: Die Wirklichkeit korrigiert die Theorie.

            Sie schreiben auch: *... und müssten deshalb zwangsläufig betteln, ist keine Sozialanalyse – sondern Sozialromantik mit möglichst düsterem Anstrich.*

            Wenn Sozialanalyse nur am grünen Tisch, also rein theoretisch, bürokratisch und ohne Praxisbezug getroffen wird, geht sie oft völlig an der Lebensrealität der Menschen vorbei. Und wer "sozialromantisch" denkt, blendet die harte, oft zerstörerische Realität von Armut, Existenznot und sozialer Ungerechtigkeit völlig aus. Sie beschreiben hier also eher die Denkweise der Konservativen und Neoliberalen, die ja bekannt für 'düsteren Anstrich' ist.

            Aber wie ich sehe, sind Sie fleißig dabei, hier jeden sozialen Kommentar mit Ihren "Weisheiten" gezielt auseinanderzunehmen, deshalb möchte ich Sie dabei auch nicht weiter stören.

            • Zippism

              @Ricky-13:

              Dass zwischen Anspruch und Wirklichkeit manchmal eine Lücke klafft, ist tatsächlich eine bahnbrechende Erkenntnis. Nur folgt daraus eben nicht, dass der Anspruch nicht existiert oder Menschen deshalb zwangsläufig betteln müssen.

              Genau diesen Strohmann bauen Sie hier auf: Ich habe weder behauptet, dass staatliche Hilfen immer reibungslos funktionieren, noch dass Armut mit einem Formular verschwindet. Ich habe lediglich darauf hingewiesen, dass es in Deutschland eben staatliche Hilfen, Beratungsangebote, Unterstützung bei Anträgen und rechtliche Möglichkeiten gibt. Das ist keine „Theorie am grünen Tisch“, sondern die konkrete Struktur unseres Sozialstaats.

              Wenn diese Angebote im Einzelfall nicht erreicht werden, schlecht funktionieren oder Menschen durch das Raster fallen, ist das ein ernsthaftes Problem und durchaus diskussionswürdig. Aber daraus „In Deutschland muss niemand betteln“ kurzerhand zu „Dann ist Betteln eben notwendig und alles andere ist Sozialromantik“ umzudeuten, ist auch keine besonders praxisnahe Sozialanalyse.

              Und dass Sie meine politische Einordnung gleich noch mit „Konservativen und Neoliberalen“ garnieren, ersetzt dabei ebenfalls kein einziges Sachargument.

    • 121314

      @Astrid Sehnefeld:

      Das ist aber in der Lebenssituation von Obdachlosen eine recht theoretische Option, die ohne viel Unterstützung, Begleitung und Hilfe nicht zu erreichen ist. Weil an der Hilfe massiv gespart wurde, hat die Anzahl unversorgter und oftmals drogenabhängiger Obdachloser in Dortmund in den letzten Jahren sehr zugenommen. Natürlich ist es nicht 'schön' beim Warten auf jeden Zug von drei bis vier Personen um Geld gebeten zu werden und auch beim Sitzen in der Außengastronomie sehr oft mehrfache Anfragen zu haben. Aber: Daran hat auch die Regulierung nichts geändert. Vielleicht auf dem alten Markt in Dortmund, wenn dort jetzt patrouilliert wird. Überall anders bleibt es gleich. Wie soll es auch anders sein, wenn nicht grundlegend geholfen wird? Das ist leider peinliche Symbolpolitik, die am Geschehen nichts ändert und das Geschehen ist auch nicht vornehmlich durch eine Bettelmafia geprägt.

      • Zippism

        @121314:

        „Symbolpolitik“, weil Regulierung das Problem nicht grundlegend löst – das ist ungefähr so, als würde man eine Geschwindigkeitsbegrenzung als Symbolpolitik bezeichnen, weil sie keine Autounfälle abschafft.

        Natürlich kann und sollte man über die Ursachen von Obdachlosigkeit, Sucht und fehlende Hilfsangebote sprechen. Aber daraus folgt nicht, dass andere Menschen deshalb ungefragt mehrfach angesprochen werden müssen. Beides sind unterschiedliche Probleme.

        Und die Behauptung, das Geschehen sei „nicht vornehmlich durch eine Bettelmafia geprägt“, wird hier einfach in den Raum gestellt, als wäre sie selbstverständlich bewiesen. Wenn es tatsächlich um organisierte Strukturen geht, sollte man sie untersuchen und bekämpfen. Wenn es um individuell Bedürftige geht, braucht es Hilfe. Und wenn Menschen beim Warten auf den Zug oder beim Essen mehrfach bedrängt werden, darf man auch das begrenzen.

        • Francesco

          @Zippism:

          Was heißt denn hier genau "bedrängt"? Bei mir genügt es immer, dass ich den Kopf schüttle.

  • gyakusou

    Menschen müssen das Recht haben zu Betteln und zu Schnorren. Aber passiv.

    Der Rest der Bevölkerung muss das Recht haben, nicht ständig in aggressiver Weise angesprochen zu werden. Ich finde es in Ordnung, wenn Städte in diesem Punkt Richtlinien festlegen und Maßnahmen ergreifen, um den Aufenthalt in der Stadt so angenehm wie möglich zu gestalten.

  • Šarru-kīnu

    Bei uns braucht es zum Glück noch kein Bettelverbot. Hier gibt es sowieso kaum Bettler aus unterschiedlichen Gründen. Das Gros der Osteuropäer zieht es in die Großstädte, da bei uns nichts zu holen ist und die Leute hier spenden wegen der sehr niedrigen Einkommen sowieso deutlich weniger. Das Ausmaß an Schmutz und Verwahrlosung in westdeutschen Großstädten ist deshalb für uns Provinzler dann oft ein Schock. Mein Hamburger Kunde letzte Woche hat mich jedenfalls persönlich vom Hotel am Hansaplatz abgeholt aus Sicherheitsgründen, da meine Firma mich gern bahnhofsnah unterbringt und er das nicht verantworten wollte für mich als Landei. Vielleicht liegt es an dem Sitz der Kunden in Industriegebieten aber Geschäftsreisen in die alten Länder fühlen sich inzwischen oft an wie eine Falloutreminiszens.

  • Troll Eulenspiegel

    Bettler entkriminalisieren! Wo Reiche schlendern, dürfen Arme von ihnen betteln dürfen!

  • TronaldDumb

    Wirklich beschämend. Eine Gesellschaft sollte die Armut, welche sie produziert, zumindest ertragen können, wenn sie es schon nicht schafft, diese zu beseitigen.

    • Zippism

      @TronaldDumb:

      „Die Armut, welche die Gesellschaft produziert“ – da wird es dann doch etwas bequem. Gesellschaftliche Ursachen und soziale Probleme gibt es zweifellos. Aber den einzelnen Menschen vollständig aus seiner eigenen Verantwortung zu entlassen, ist deshalb noch lange nicht zwingend.

      Wer sich für Alkohol oder Drogen entscheidet, trägt zumindest einen Teil der Verantwortung für die Folgen seines Konsums. Gleiches gilt für andere finanzielle Entscheidungen: Wer dauerhaft mehr ausgibt, als er einnimmt, kann die daraus entstehenden Probleme nicht automatisch der „Gesellschaft“ in Rechnung stellen.

    • Astrid Sehnefeld

      @TronaldDumb:

      Wo produziert unsere Gesellschaft Bettler?



      Wir haben einen Sozialstaat der jedem ein Existenzminimum zusichert. Dafür beneiden uns viele Staaten.



      Zusätzlich haben wir gerade einen akuten Arbeitskräftemangel - nicht nur Fachkräfte, auch Unqualifizierte im Niedriglohnsektor werden durchaus gesucht. Statt betteln könnten diese Menschen auch Pakete ausfahren oder mit dem Fahrrad für einen der Essenslieferanten anheuern, Spargel stechen, etc



      Weder produziert noch macht unsere Gesellschaft Betteln nötig.

      • Bolzkopf

        @Astrid Sehnefeld:

        Es mag ja sein, dass es unter den Bettlern welche gibt die arbeiten könnten.



        Reden sie mal mit den Streetworkern: Viele sind so kaputt und krank (auch psychisch) dass es für Arbeit nicht mehr reicht.

        Und die Frage ist: Warum sind die so kaputt ?

        • aujau

          @Bolzkopf:

          Misshandlung und andere für die seelische und geistige Entwicklung eines Menschen schädliche Umstände sind weiter verbreitet, als die schöne Fassade einer Gesellschaft vermuten lässt. Hinzu kommen Bildungsmangel, Armut und nicht zuletzt der Faktor Sucht, welcher Selbsthilfe zusätzlich erschwert. Wenn dann noch weitere Gewalterfahrungen und längere Obdachlosigkeit hinzukommen, ist das Ergebnis auf den Straßen und Bahnhöfen zu sehen. Hilfsangebote sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

    • Oleg Fedotov

      @TronaldDumb:

      Da stellt sich dann aber schon die Frage, was denn die Gesellschaft ist? Und ist der, der durch Drogen in die Armut/Wohnungslosigkeit rutscht, oder jede Art von staatlicher Hilfe ablehnt (meine Ex Schwiegermutter z.B.) dann ein Opfer der Gesellschaft, oder nicht eher seines eigenen Willens? Und ist diese gesellschaft dann auch noch für die Armen zuständig, welche sie nicht "produziert", z.B. Bettler aus Rumänien?

      • Sonderzeichen

        @Oleg Fedotov:

        Es ist ja meistens eine Kombination aus Ursachen die einen Menschen zum Bettler oder Obdachlosen macht.



        Unfähige oder "schlechte" Eltern, traumatische Erlebnisse, keine oder zu wenig Hilfe von Umfeld oder Staat, Drogenkonsum als "Ausweg", dann verliert man schnell mal die Arbeit oder lernt garnicht erst etwas richtiges, psychische Erkrankungen haben auch oft ihren Anteil...



        Was war nun zuerst da? Wer oder was ist "Schuld"?



        Ist der Betroffene nun "Schuld" wenn er unter schwierigen Umständen zum schwierigen Menschen wird und sich einem "normalen Zugang" verweigert, Misstrauen hegt gegen Staat und andere Menschen?



        Wenigstens ein Minimum sollten Gesellschaft und Staat dann doch anbieten, eben mit Schlafmöglichkeiten, Konsumräumen und ähnlichem. Und wer fit und willig für eine Therapie oder ähnliches ist sollte auch das in Anspruch nehmen dürfen. Da weiß ich dann wenigstens dass meine Steuern einem Menschen helfen der Hilfe benötigt.



        Dass dann beim Betteln ein paar Meter Abstand gehalten wird zu Restaurants ist denke ich fair. Denn das jeden Tag neu aushandeln zu müssen würde ich als Restaurantbesitzer/Gast auch als belastend bis störend empfinden, Verständnis hin oder her.

        • aujau

          @Sonderzeichen:

          So ist das zu sehen.

        • Katharina Reichenhall

          @Sonderzeichen:

          Die Frage nach einer möglichen Schuld führt vermutlich nicht zur Lösung. Kommentare wie der von TronaldDumb machen es sich sehr leicht, denn ein einfaches "die Gesellschaft ist schuld" ist einfach wie banal, da es das Individuum aus der persönlichen Verantwortung entlässt und den einfachen Konter "der Bettler ist selbst schuld" geradezu herausfordert, da man sich als Teil der Gesellschaft leicht von diesem Vorwurf angegriffen und in einer Rechtfertigungssituation sieht. Das führt meist nicht zu einer konstruktiven Diskussion.

  • Bolzkopf

    Die Geschichtskundigen unter uns wissen ja wer die Begriffe "Gammler" "arbeitsscheu" "asozial" maßgeblich geprägt hat.

    Also kann diese verschärfte Gangart ja nur mit dem Erstarken der Rechten begründet werden.

    In den genannten Städten hat die AfD sicher ganz schön viele Sitze im Stadtrat.

    • Martin Sauer

      @Bolzkopf:

      in Dortmund hat die AfD 18 von 111 Sitzen. Es waren die Gastwirte und Gäste in der Dortmunder Innenstadt die sich beschwert haben.Manchmal kamen Bettler im 10 Minuten Takt an die Tische wenn man beim Essen war oder sich unterhalten hat. Niemand hat sich beschwert wenn ein Bettler vor einen Restauranteingang saß. Man muss nicht alles tolerieren. Ich spende öfters an Bettler die auf dder Straße sitzen.

      www1.wdr.de/politi...eaktionen-100.html



      "Ich wurde in zehn Minuten zwölfmal angebettelt"

      Für Özgür und Erkan ist das Bettelverbot eine große Hoffnung. Sie arbeiten in einem Dönerladen in der Dortmunder Inenstadt. An Sommerabenden sind hier manchmal genau so viele Bettler unterwegs wie es Imbissbuden auf der Straße gibt. "Wir haben wegen sowas enorm viele Kunden verloren," sagt Özgür.