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Berlin und Mecklenburg-VorpommernFünf Lehren aus den Wahlen

Es gibt ein Rezept gegen die AfD, und das größte Problem der CDU ist nicht der Kanzler: Fünf Lehren aus den Landtagswahlen.

1. Das Rezept gegen die AfD lautet: Zusammenhalt und Bezahlbarkeit

Auf den ersten Blick sind Elif Eralp und Manuela Schwesig sehr unterschiedlich: Die eine ist mittige Sozialdemokratin mit Herz für den Tankrabatt, die andere eine Sozialistin mit Herz für Enteignung, die eine Provinz, die andere Großstadt. Die eine hat ihre Wahl knapp verloren, die andere gewonnen.

Auf den zweiten Blick haben beide einiges gemeinsam. Sie zeigen, wie man gegen die AfD gewinnen kann. Auch wenn Schwesigs SPD nun doch hinter der AfD liegt: Ihre Aufholjagd war beeindruckend, und sie kann weiterregieren. Sie hat fast dreimal so viel Prozentpunkte geholt wie ihre Bundespartei in Umfragen.

Die Linke in Berlin und die SPD in Mecklenburg-Vorpommern haben auf das Thema Bezahlbarkeit gesetzt – und verhindert, dass das elendige Thema Migration die Wahlkämpfe dominiert.

Manuela Schwesig hat die Pläne zur Kürzung der Rente schon immer abgelehnt, sie steht als Ministerpräsidentin einer rot-roten Koalition für eine SPD, die sich um Familien und sozialen Zusammenhalt kümmert. Elif Eralp und die Berliner Linke haben die hohen Mieten in den Mittelpunkt ihrer Kampagne gerückt. Das dominierende Thema der Wahl in Berlin war eine soziale Frage. Und wenn es um soziale Fragen geht, hat die AfD wenig zu bieten.

Beide Wahlergebnisse zeigen: Es gibt Alternativen zur AfD. Parteien, die auf Zusammenhalt und Bezahlbarkeit setzen, können die Rechtsextremen besiegen. Zwei Frau’n gegen Braun – wenn das mal kein gutes Zeichen ist.

Die AfD vermittelt ihren Wählern ein Gefühl: Alles ist möglich, und dafür kommt es auf deine Stimme an. In Berlin hat die Linke es nun geschafft, dieses Gefühl von links zu besetzen. Sie wurde laut Wählerwanderung von so vielen ehemaligen Nichtwählern gewählt wie keine andere Partei.

Dafür hat die Linke ganz viel Gefühl gewagt. „Für die große Liebe kämpft man“, heißt es in einem Wahlspot der Partei über Berlin. Emotionalisierung geht auch positiv, ohne auf Spaltung zu setzen und eine rechte Revolution zu erträumen.

Die Linke hat gezeigt, wofür sie steht, nicht nur, wogegen. Ihr wurde vorgeworfen, dass ihr Plan, große Wohnungskonzerne zu enteignen, zu radikal und nicht realistisch sei. Das hat ihre Wählerinnen nicht abgeschreckt, sondern zu einer Trotzreaktion motiviert: Das wollen wir doch mal sehen!

3. Demokraten nehmen es persönlich

Die guten Wahlergebnisse für die Schweriner SPD und die Berliner Linke waren nur möglich, weil Manuela Schwesig und Elif Eralp als Persönlichkeiten überzeugt haben. Schwesig, die seit neun Jahren im Amt ist, hat einen komplett auf ihre Person zugeschnittenen Wahlkampf absolviert und ist als Kümmerfrau durch alle 36 Wahlkreise getingelt. Wer mit ihr reden wollte, hatte dazu reichlich Gelegenheit.

Die Linke hat sich mit Elif Eralp getraut, nach dem Vorbild von Zohran Mamdani in New York voll auf eine Person zu setzen: Eine postmigrantische Kandidatin für eine postmigrantische Stadt. Die Social-Media-Kampagne fokussierte auf ihre Biografie, und auch auf den analogen Plakaten dominierte Eralps Vorname. Früher war so ein Personenkult in linken Parteien verpönt. Heute weiß man, dass Sozialismus und Celebrity keine Gegensätze sind.

Die persönliche Glaubwürdigkeit von Eralp war auch der Grund, warum die Linke trotz des Skandals um linken Antisemitismus so gut abgeschnitten hat. Eralp war glaubwürdig, sie hat als Kandidatin die Schwächen ihrer Partei überstrahlt.

Wie wichtig glaubwürdige Personen sind, zeigt sich umgekehrt im Abschneiden von CDU und SPD. Die Union hat kurz vor der Wahl hektisch ihren Kandidaten ausgetauscht, die SPD einen Re-Import aus Niedersachsen aufgestellt.

Nur die Rechtsextremen brauchen offenbar kein überzeugendes Personal: Die AfD hat diesmal ohne einen Sonnyboy eine Landtagswahl gewonnen. Das macht das Ergebnis im Nordosten besonders beunruhigend.

4. Die Probleme der CDU sind größer als Friedrich Merz

Der Kanzler ist unbeliebt wie keiner vor ihm. Er war im Wahlkampf nicht nur keine Hilfe, er hat sogar geschadet, sein Fischbrötchen-Auftritt war eher peinlich.

Aber Merz ist für die Union nun auch ein willkommener Blitzableiter. Die Landesparteien können so kaschieren, dass sie selbst ein Problem haben. In Mecklenburg-Vorpommern wird die CDU derzeit nicht gebraucht – und in Berlin eigentlich auch nicht.

Im Flächenland führte die Partei einen Wahlkampf, der Ratlosigkeit hinterließ. Sie hat sich an Rot-Rot abgearbeitet und konnte keine Ideen vorlegen, was sie besser machen will. Ein Zuschuss zum Führerschein und ein Baukindergeld? Mal ehrlich.

In Berlin hat die Union ihre programmatische Leere immerhin selbstironisch zusammengefasst: „Muss man wohl wieder CDU wählen“ stand auf ihren Plakaten. Aber wer sich selbst als kleineres Übel anpreist, kann keine Wahlen gewinnen. Es reicht nicht, die Linke als Extremisten zu karikieren, aber selbst keine Antwort auf die Frage zu haben, wie man sich noch eine Wohnung in Berlin leisten kann.

Nach dem Ende der Merkel-Ära hat die CDU ihre neoliberale und migrationskritische Seite ausgelebt, als sie Merz zum Vorsitzenden und Kanzlerkandidaten machte. Nun wird es Zeit, sich auf die sozialliberale Tradition zu besinnen, denn „CDU pur“ schmeckt einfach zu bitter für gute Wahlergebnisse.

Blöd nur, dass ausgerechnet der Bundeskanzler das nicht verstanden hat, wie sein Auftritt am Wahlabend zeigte. Merz will an den Sozialkürzungen festhalten und glaubt offenbar wirklich, dass man die Dosis nur erhöhen muss, bis die Medizin wirkt.

Tatsächlich demonstriert die CDU in anderen Ländern, dass ihr eine gewisse Breite steht. In Nordrhein-Westfallen etwa ist ein Law-and-Order-Mann Innenminister, und gleichzeitig der ehemalige, langjährige Vorsitzende des Arbeitnehmerflügels, CDA, Sozial- und Arbeitsminister. In einem halben Jahr wird in NRW gewählt, Hendrik Wüst, der eine schwarz-grüne Koalition anführt, hat gute Chancen, wiedergewählt zu werden. Eine andere CDU ist möglich.

5. Rot-Rot-Grün kann sich nur selbst schlagen

In beiden Bundesländern gibt es jetzt die Chance für Regierungen links der Mitte. In Schwerin kann Manuela Schwesig ihre Regierung mit einer sehr angepassten Linken nicht weiterführen. Aber ein Dreierbündnis mit den Grünen wäre möglich.

In Berlin hat Rot-Rot-Grün zwar eine klare Mehrheit, aber die Verhandlungen dürften schwierig werden: Ein bisschen Enteignung geht nun mal nicht. Die Berliner SPD müsste umsetzen, was die Partei auf Bundesebene verbieten will und ihr Spitzenkandidat im Wahlkampf ausgeschlossen hat. Und auch in der Linkspartei gibt es einige, die beim Blick in die leeren Kassen lieber in der oppositionellen Reinheit bleiben wollen, als sich die Finger an Kompromissen schmutzig zu machen.

Sollte Rot-Rot-Grün scheitern, wäre das nicht nur für die linke Mehrheit der Berliner fatal, die weiter mit einem CDU-Bürgermeister leben müsste. Es wäre auch ein tragisches Signal für die nächste Bundestagswahl: Wenn es keine demokratische Alternative gibt, erschwert das den Kampf gegen die AfD.

Die taz schreibt, redet und diskutiert für Pluralismus und eine freie, offene Gesellschaft – besonders jetzt, wo der Rechtsextremismus weiter erstarkt und demokratische Institutionen angreift. Dort wo rechtsextreme Kräfte an Zustimmung gewinnen, wächst auch die Befürchtung vor zunehmenden Angriffen und Diffamierungen gegen Gegner*innen extrem rechter Politik. Besonders selbstverwaltete Orte spüren diesen Druck, dabei brauchen wir gerade jetzt Orte der Kritik, (Sub)Kultur und der Solidarität. Gerade jetzt müssen wir zusammenhalten und uns solidarisch mit denjenigen zeigen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit „Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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59 Kommentare

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  • Bauer Gerry

    Hätte nicht gedacht, dass ich mir mal Angela Merkel reaktiviert in der CDU wünschen würde. Nicht dass ich mir eine CDU wieder an der Regierung wünschen würde, aber in dieser Partei gibt es niemanden, der auch nur annähernd an sie heranreicht.

    Übrigens auch bei allen anderen Parteien.

    Dem Einzigen, dem ich in den letzten Jahren wirklich etwas zugetraut hätte, war Robert Habeck. Aber der wurde von der CxU so mies getreten und schlecht gemacht, dass er sich zurecht verabschiedet hat.

  • ttronics

    Das Rezept ist gefährlich: Die charismatische Kandidatin. Die AfD schwächelt da eher noch, aber es ist denkbar, dass sie an anderer Stelle ganz schnell die absoluten Mehrheiten hat. Vor allem bei mehreren Parteien unter 5 Prozent. Die eine Spitze kann auch bei den kleinsten Fehlen die ganze Partei in den Abgrund ziehen.

    Aber sonst freuen wir uns alle über die Chancen, die sich links von der Mitte auftun!

  • GaGaZar

    3 Wahlen, drei Wahlsieger. Auf Instagramm und TikTok wurde den Wählern das Blaue vom Himmel versprochen und es gab genügend Menschen die dem gefolgt sind.



    Ich hoffe mal, dass das nicht die 6ste Lehre aus dem Wahlkampf sein wird. Das Blaue vom Himmel. Das größte und ''schönste''Luftschloss gewinnt.

  • mumba

    Ich kann die Lobhuddelei über Schwesig nicht mehr hören. Was hat sie denn wirklich in MV geleistet? Mir fällt da vor allem ihre seltsame Rolle bei der Nord-Stream-Stiftung ein. Und die Wahl hat die AfD gewonnen. Das jetzt in einen SPD-Sieg umzudeuten, bestätigt die Erzählung vom politisch-medialen Komplex sowie die Opferhaltung der AfD. Allerdings muß man ihr eins lassen: Sie hat ein Chuzpe, von der sich einige in allen Parteien eine Scheibe abschneiden könnten. Den Verlust von nahezu 4% in einen glasklaren Wählerauftrag zur Regierungsbildung erfolgreich, wenn auch mit reichlich medialer Unterstützung (s.o.): Chapeau.

  • Wunderwelt

    Um noch 2 Lehren zu ergänzen:







    1) Schaut man sich die Ergebniskarte von MV an. Fast überall braun..nur in ein paar Städten sowie am westlichen Rand: rot.



    Was ein interessantes Schlaglicht darauf wirft, wie weit das *Zusammenwachsen* der einst getrennten deutschen Staaten, Stand jetzt, gekommen ist, nâmlich offenbar noch nicht ganz so weit.



    Und es zeigt etwas über die Wichtigkeit der direkten Kommunikation der Menschen in Ost und West.







    -> es braucht mehr/neue zusammen führende Gesprächsformate.











    2) In Berlin haben in der Gruppe der16-24 jährigen Wähler❤️innen etwa 45% die Linke gewählt, gefolgt von den Grünen. (braun kommt hier nur auf ca 10%).



    Was deutlich aufzeigt wie wenig sich die momentane Politik um die Interessen der jungen Menschen schert. Das wird diese Gruppe langfristig nicht hinnehmen. Zwar kann man sich fragen wo sich das bislang in politisches Engagement auszahlt. Aber eines ist klar: es gibt (bei dieser Gruppe) ein großes Bedürfnis- und ein ebenso großes Potenzial Dinge grundlegend zu ändern. Im Sinne von mehr Verteilungs- und Zukunftsgerechtigkeit.



    -> dieses Ergebnis könnte die jungen Menschen ermutigen, ihre Interessen stärker einzufordern. Schaun wer mal..

  • zartbitter

    ""--postmigrantische Kandidatin (Eralp) für eine postmigrantische Stadt. Die Social-Media-Kampagne fokussierte auf ihre Biografie, und auch auf den analogen Plakaten dominierte Eralps Vorname.""



    =



    Eralp ist in der bayrischen Landeshauptstadt München aufgewachsen - so ähnlich wie Özdemir in Bad Urach in Baden-Württemberg -- mit dem Unterschied, das er im Gegensatz zu Eralp eine Menge Leitungserfahrung in politischen Ämtern vorweisen kann und er als Persönlichkeit unangefochten alle Wähler in Ba - WÜ unabhängig von der politischen Haltung vertreten zu wollen. Postmigrantisch? Wen interessiert das ?



    =



    Eralp wurde in den Innenstadtbezirken Berlins und hauptsächlich in Neukölln/Kreuzberg gewählt. Die Linke hat bei der Berliner Wahl besonders bei muslimischen Wählern Stimmen für sich gewinnen können. Im vorläufigem Endergebnis kommt die Linke auf 25,7 Prozent aller Stimmen, unter Muslimen waren es 51 Prozent, berichtete die Katholische Nachrichten-Agentur auf Basis einer Auswertung der Forschungsgruppe Wahlen.



    =



    Die Wahlergebnisse in Berlin zeigen einen Flickenteppich unterschedlicher Wählergruppen wie einen Gemischtwaren.



    Kann Eralp -- wie Özdemir -- auch damit umgehen?

    • zartbitter

      @zartbitter:

      Korrektur - vorletzter Satz



      ""Die Wahlergebnisse in Berlin zeigen einen Flickenteppich unterschedlicher Wählergruppen wie ein Gemischtwarenladen.""

    • Dorothea Pauli

      @zartbitter:

      Frau Eralp ist in München geboren, aber ist in Dortmund und Hamburg aufgewachsen.

      • zartbitter

        @Dorothea Pauli:

        Danke für den Hinweis -



        www.munzinger.de/r...ien/_/00/000034343



        - - leider fehlen selbst bei Munzinger genauere Angaben über Schulbesuch und Orientierung nach dem Abi bevor sie ihr Studium der Rechtswissenschaften begann.

  • Machiavelli

    Was wir zunehmend erleben ist die CSU-isierung der Bundesländer, d.h. jedes Bundesland hat eine mächtige etablierte Partei um die sich die anderen etablierten Parteien die knapp über 5% sitzen scharen und die AFD als Volkspartei, die den anderen Machtblock repräsentiert. Mittelfristig bedeutet das eine politisch tief gespaltene Gesellschaft und politische Lähmung.

  • Christ

    Ein interessantes Experiment in MV: Politik in Deutschland ganz ohne CDU. Und man hat den Eindruck, dass da auch niemand etwas vermisst.



    Auf eine Partei, die sich zwar "christlich" nennt, aber nicht christlich ist, können wir ja tatsächlich getrost verzichten ...

    • Vigoleis

      @Christ:

      Als Partei und Politiker "christlich" zu handeln, bedeutet wohl, seine Politik an einem christlichen Menschenbild auszurichten und die zwei Säulen der christlichen Soziallehre (Subsidiarität und Solidarität, in dieser Reihenfolge) als Grundlage zu haben. Ich würde da kein Urteil wagen.



      Sich hier zum Richter aufzuschwingen, ist schon sehr forsch. Eigentlich hat einer doch damit mehr als genug zu tun, sich nicht nur "Christ" zu nennen, sondern auch einer zu sein, ganz für sich erstmal, als Mensch und armer Sünder.

    • ttronics

      @Christ:

      Am Ende hat die Bundes-CDU in dem Bundesland immer noch mehr Einfluss als ein paar Angeordnete. Je nach Reform in Berlin steht eine Regierung Schwesig auch doof da, wenn sie da auch garnichts zu sagen hat, hat sie doch ganz schön Erwartungen geweckt..

    • Traditioneller Sozialist

      @Christ:

      Danke!

      Der bisherige Fraktionsvorsitzende Harry Glawe hat es nicht mal in der "CDU-Hausmacht" Grimmen/Süderholz gegen den AfD-Kandidaten geschafft und auch nicht Bauer Kliewe gegen T. Thormann (www.ndr.de/nachric...an,afdmv-108.html).



      Und das waren noch die besten CDU-Ergebnisse in MV.

      Ganz sehr ermutigend war für mich jedoch die Ansprache des Pastors der St.-Marien-Gemeinde zu Barth auf dem großen Demokratiefest in Barth am Samstag vor der Wahl.



      Leider hat das danach nicht die erhoffte Wende gebracht.

    • Šarru-kīnu

      @Christ:

      In Berlin wurde jetzt dagegen mehrheitlich eine Partei gewählt, die offiziell noch ein säkulares, streng laizistisches Modell mit einer kritischen Haltung gegenüber Religionen befürwortet aber trotzdem aktuell von fast 2/3 der Berliner Muslime gewählt worden ist. Auf den Spagat in den nächsten Jahren bin ich sehr gespannt.

      • nihilist

        @Šarru-kīnu:

        Welchen Spagat? Muslime werden in Deutschland bereits laizistisch behandelt und kritisch betrachtet.

  • Okti

    Die Menschen, auch in der taz Redaktion, sollten langsam verstehen, dass wir in keiner Demokratie leben, sondern einer Oligarchie/(Geld-)Aristokratie. Egal welche Parteien in den letzten Jahrzehnten an der Macht waren, immer wurden die Gesetze und politischen Leitlinien zugunsten der reichen Klasse gestaltet. Entsprechend wurden diese beständig reicher und mächtiger.



    Wenn aber die Wahl des Volkes keinen Unterschied macht, da nur die Interessen einer kleinen Gruppe beachtet werden egal wer regiert, dann ist die Wahl qualitativ so einzuordnen wie die Wahlen in Russland.



    Das Verständnis der damit einhergehenden Implikationen macht es dann auch einfacher zu verstehen warum die Altparteien die AfD nicht aufhalten werden können. Die Linke hat das Potenzial dazu, aber sie müsste sich vollständig vom Erhalt des aktuellen Systems verabschieden, sonst bleibt es nur bei Achtungserfolgen.

    • hedele

      @Okti:

      Ich verstehe Sie nicht ganz: Wer, außer der FDP, ist denn noch mehr Garant des Geldadels und der harten Umverteilung von unten nach oben, wenn nicht die AfD?

  • EchteDemokratieWäreSoSchön

    Vielleicht würde es schon reichen, wenn man Immobilienkonzerne dazu verdonnert, die Mieten drastisch zu senken, wenn es irgendeinen Grund zu Beschwerden gibt.



    Denn soviel ich gehört habe, investieren die kaum etwas in Wohnungen und lassen die eher verfallen. Bei einem Gesetz, dass Mieter die Miete halbieren dürfen, bis alle Mängel beseitigt sind und das zur Not auch selbst reparieren dürfen und dann die Kosten und ihre aufgewendete Zeit dafür*50€ von der Miete abziehen können , dürfte für sehr viele Mieter die Situation drastisch verbessern.

    • Normalo

      @EchteDemokratieWäreSoSchön:

      Das Gesetz gibt es schon. Es heißt BGB. Es wird aber nicht von in allen Mietverhältnissen seinem Zweck entsprechend angewandt. Manchmal übertreiben es die Mieter mit der Durchsetrzung ihrer Rechte, manchmal sind sie zu zurückhaltend oder es ist zu teuer. Vor allem aber erstreckt sich der Schutz vor Mängeln nicht auf eine Pflicht der Vermieters, die Gebäude im Laufe der Mietzeit besser zu machen, als sie bei Anmietung waren.

    • Walterismus

      @EchteDemokratieWäreSoSchön:

      Gibt es doch schon, nennt sich Mietminderung bei Sachmangel und ist gängige Praxis.

      Das Problem ist nicht die fehlende Investition in vermietete Immobilien, sondern dass das Angebot die Nachfrage in keinster Weise decken kann und jeder Neubau um der Nachfrage gerecht zu werden aufgrund von absurden Bauvorschriften finanziell für die Nachfrager unerschwinglich ist. Berlin muss endlich Anfangen im ganz großen Stil zu bauen (Halbes Tempelhofer Feld mit mind. 5 Stöckigen Häusern mit 1-2 Zimmer Wohnungen) nach Baustandards von 2005.

      Das ist das einzige, was gegen die Mietenhöhe hilft und wäre die Lösung vieler Probleme.

    • hedele

      @EchteDemokratieWäreSoSchön:

      Außer dem Stundensatz von 50 EUR für die Selbstvornahme, den Sie jetzt vorschlagen, ist das übrigens bereits geltendes Recht in §§ 536, 536a BGB mit dem Zurückbehaltungsrecht aus § 273 BGB bei erheblichen Mängeln. Allerdings traut sich kaum jemand, dies vor dem Amtsgericht auszufechten. Denn wenn man sich am Ende auch nur um ein paar hundert EUR verrechnet hat, ist am Ende womöglich die Wohnung wegen erfolgreicher fristloser Kündigung weg.

  • Ruediger

    Eine wichtige Lehre der letzten Landtagswahlen ist auch: Persönlichkeit gewinnt. Mindestens Özdemir und Schwesig haben wegen ihrer Persönlichkeit gewonnen, Schweitzer und Schultze verloren, weil sie blass waren.



    Schwesig und Özdemir sind sympathisch, wirken nicht abgehoben, sprechen eine Sprache, die die Menschen verstehen, sind in ihrer Heimat verwurzelt, haben Erfahrung als Bundesminister und Schwesig auch als Landesschefin.



    Ich wage zu behaupten, wenn die SPD in Berlin eine Kandidatin aufgestellt hätten, für die genau das zutrifft, dann hätte das Ergebnis ganz anders aussehen können. Wir wissen alle, wer das ist. Aber nein, man stellt einen langweiligen Verwaltungstypen aus Niedersachsen auf, gegen den am Rnde auch noch ermittelt wurde.

    • EchteDemokratieWäreSoSchön

      @Ruediger:

      Wenn Sie Giffey meinen, dann ist die im Gegenteil dafür verantwortlich, dass die SPD in die Koalition mit der CDU gegangen ist statt in die mit Linken und Grünen. Und damit hat die ganz wesentlichen Anteil daran, dass die SPD so abgestürzt. Von daher gut, dass die nicht mehr gewählt wurde.



      Denn Persönlichkeit reicht nicht. Wenn Schwesig nicht gegen die Reformpakete der Bundesregierung geschossen hättte, sondern gesagt hätte, dass sie das alles gut findet. Wäre sie auch eher bei 15-20 % weniger gelandet.

  • DHM

    Zu den Fakten:



    Die "Voll"-Besteuerung der Renten musste ab 2005 erfolgen aufgrund eines Urteils des Bundesverfassungsgerichts vom März 2002:



    www.bundesverfassu...002/bvg02-028.html

    Die Meinung von Frau Schwesig dazu wurde damals sicher nicht abgefragt. Sie war bis 2008 "nur" Stadtvertreterin für Schwerin (und nicht Abgeordnete im Bundestag).

     

    Kommentar gekürzt, bitte bleiben Sie sachlich

    Die Moderation

  • Andreas_2020

    Die Linke hat Erfolg, das stimmt. Aber das Kernthema ist auch sehr extrem, weil die Berliner Politik seit 2000 eine Fiesta für Anleger und Immobilienspekulanten zugelassen hat: Binnen zehn Jahren (2010 bis 2020) stiegen die Nettokaltmieten im Schnitt um etwa 70 Prozent. Während der Berliner Mietspiegel für bestehende Verträge moderate Steigerungen anzeigt, schossen die Angebotsmieten bei Neuvermietung (Inserate im Internet) von 9,02 € (2016) auf 15,25 € je m² im Jahr 2025 empor – der höchste Zuwachs unter allen deutschen Großstädten. Dazu kam der Rückgang der Sozialwohnungen von ca. 220.000 um 2000 auf 107.000 2025.



    Es gibt in Deutschland keine andere Stadt, die Neumieter derart hart anfässt wie Berlin, zumal Berlin jedes Jahr 35-40.000 Studienplätze zur Verfügung stellt, sprich gerade Studienanfänger werden in Berlin inzwischen sozial aussortiert.



    Damit wären wir beim Thema Linke in Berlin: Die Partei dürfte sehr an gebildeten Schichten hängen, die dort verarmen oder durch Verarmung bedroht sind. Ob das eine Blaupause für München, Frankfurt/M oder Düsseldorf sein kann? Ich vermute nicht.



    Aber klares Programm, klare Person und klare Ansagen helfen. Mehr aber auch nicht.

    • Fairchild670

      @Andreas_2020:

      "Es gibt in Deutschland keine andere Stadt, die Neumieter derart hart anfässt wie Berlin"

      Das mag für Leute gelten, die innerhalb von Berlin umziehen müssen. Aber für alle, die von außen kommen - zum Beispiel für's Studium - zählt der jeweils aktuelle Mietpreis, nicht dessen Steigerungsrate. Und da ist Berlin noch lange nicht Spitzenreiter.

  • eine Stimme

    Dass viele Bürger die AFD wählen, obwohl sie damit überwiegend gegen ihre eigenen Interessen stimmen, muß die "etablierten" Parteien doch endlich aufwecken. Der deutsche Mischel hat inzwischen scheinbar verstanden, dass die neoliberale Sozial-und Wirtschaftspolitik der CXU nicht in seinem Sinne ist, weil er nicht zu den 5% -10% der Bevölkerung gehört, die davon wirklich profitiert. Die SPD trifft mit ihrem Konzept die bessere CDU zu sein auch nicht den Wählerwillen. Das oberlehrerhafte Auftreten der Grünen und die Überbetonung Minderheitenrelevanter Themen kommt, obwohl inhaltlich richtig, bei großen Teilen der nicht holistisch denkenden Bevölkerung nicht an. Die Linke verschreckt mit wenigen, teils extremen, Lautsprechern große Teile ihrer potenziellen Wählerschaft. Die AFD schafft es hingegen mit einigen wenigen emotionsgeladenen Botschaften die niederen Instinkte eines Teils der Gesellschaft zu aktivieren und von ihren ansonsten inhaltsleeren, völkischen und wirtschaftlich extrem neoliberalen Positionen abzulenken. Setzt endlich eure Schwerpunkte im Sinne der 90% und verweist die AFD zurück in die rechte Ecke.

    • sociajizzm

      @eine Stimme:

      Der Großteil der AFD Wähler:innen lehnt linke Sozialpolitik und Steuermodelle ab. Zwar findet auch bei diesen eine Mehrheit die Vermögensverteilung ungerecht, aber eine Vermögenssteuer lehnt man ab. Zuspruch gibt es hingegen für Steuersenkungen.



      .



      Das mag nüchtern betrachtet unlogisch sein, aber Menschen sind grundsätzlich eher schlecht darin logische Entscheidungen zu treffen.



      .



      Die Wahl der AFD basiert auf Emotionen und nur mit Emotionen kommt man dagegen an.

  • PeterArt

    "Merz will an den Sozialkürzungen festhalten und glaubt offenbar wirklich, dass man die Dosis nur erhöhen muss, bis die Medizin wirkt."



    Nein - es wäre ja auch reichlich blöd, Reformen, die man aus Überzeugung von deren Richtigkeit beschlossen hat zurückzunehmen, nur weil Populisten dagegen sind. Genau das spielt der AgD in die Hände: Erstens: Es zweigt den Wählern dass AgD wählen wirkt. Zweitens: Es suggeriert, dass die Reformen anscheinend nicht aus Überzeugung beschlossen wurden, sondern nur um die Bürger zu ärgern.

    • nihilist

      @PeterArt:

      "nur weil Populisten dagegen sind" wäre in der Tat ein Fehler.



      Es ist aber auch der Großteil der Wähler dagegen.

    • EchteDemokratieWäreSoSchön

      @PeterArt:

      Mag sein, dass Merz die Reformen aus Überzeugung macht. Trotzdem sind sie falsch. Und darüber sollte auch ein Merz mal gründlich nachdenken.

      Die wichtigste Reform, die gemacht werden müsste, wäre dafür zu sorgen, dass die 5000 Superreichen (>100 Mio. $) und Milliardäre prozentual mindestens genau so viel Steuern und Abgaben zahlen wie normale Arbeitnehmer. Denn die zahlen mehr als 50% (Einkommenssteuern, Sozialabgaben, Mehrwertsteuer, Mineralölsteuert, etc.). Während die Superreichen und Milliardäre oft weniger als 20% bezahlen.

      Wenn man die Steuern von Superreichen und Milliardären nur um 1,5-3,5 % ihres Vermögens erhöhen würde, wären dies 50-100 Mrd. €. Da deren Vermögen alleine seit 2024 um 400 Mrd. $ gestiegen ist, wäre dies problemlos von diesen zu leisten. Und damit müsste man die Leistungsträger in diesem Land, nämlich die normalen Arbeitnehmer nicht immer weiter belasten (z.B. um 10 Mrd. wegen Wegfall der Rente nach 45 Beitragsjahren, Verteuerung Gesundheits- und Pflegesystem etc.). Denn genau das ist es, was Wähler von CDU/CSU/SPD wegtreibt und zur AfD hintreibt.

  • yohak yohak

    Schweswig soll die AfD zurckgedrängt haben? Wenn man das AfD-Wahlergebnis von 38,2% vergleicht mit vorangegangenen Umfragewerten (zu finden auf www.wahlrecht.de), dann sieht man: Das aktuelle AfD-Ergebnis übertrifft alle vorigen Umfragewerte.



    Nein, die AfD wurde nicht zurückgedrängt. Schweswig ist es gelungen, den SPD-Anteil zu Lasten von CDU, Grünen und Linkspartei zu steigern.

  • Dietmar Rauter

    Friedrich Merz ist nicht allein schuldig an den Wahlergebnissen seiner CDU: Wir müssen uns schon alle fragen, wo die versprochenen blühenden Landschaften, die viele WählerInnen gern der CDU glauben wollten, geblieben sind. Die inzwischen Enttäuschten wählen heute wohl eher die AfD, die ihnen erklärt, dass es ohne zusätzliche Klimakosten und Sozialaufwendungen für Geflüchtete -zum Beispiel aus der Ukraine- allen besser gehen könnte. Alle anderen Menschen erleben genauso wie die Wessis eine gewisse Hilflosigkeit der 'Parteien' im Umgang mit der Bewältigung der Klimakatastrophe, der Frage, wer in Zukunft die Renten der älteren Menschen erwirtschaften könnte und wie bei zurückgehendem Steueraufkommen die Infrastruktur instandgehalten werden und und gleichzeitig die Zinsen der immer weiter auflaufenden Schulden aufgebracht werden können. Es ist noch nicht bei allen WählerInnen angekommen, dass diese Probleme, die ja auch das Leben in den Ballungsräumen teurer machen können, eigentlich nicht von (leider oft abgehobenen) Politikern allein, sondern nur solidarisch gelöst werden können. Brauchen wir da neue gesellschaftliche Initiativen zur Rettung unserer Demokratie ?

    • Thomas Böttcher

      @Dietmar Rauter:

      "Wir müssen uns schon alle fragen, wo die versprochenen blühenden Landschaften...."

      Ich weiß ja nicht, wie alt, oder jung Sie sind.



      Ich hab 31 Jahre in der DDR zugebracht, bin jezt 67 und hab, seit meinem 14zehnten Lebensjahr 49 Jahre ohne Unterbrechung malocht.



      Ich kannte in den 70 - 80zigern Unterwellenborn, Halle/Bitterfeld und meine Heimatstadt Jena, wo jeden Mittwoch pünktlich 17:00 Uhr die "Abwässerhähne" vom VEB Jenapharm geöffnet wurden und die ungeklärte Brühe schillernd in die, unterirdisch durch die Stadt fließende Leutra, Saale sich ergoß. Aus jedem Kanaldeckel in der Innenstadt stieg ein beißender, ekelerregender Gestank für mindestens 2 Stunden auf. Man sagte sich zu dieser Zeit: "Wenn man einen ORWO Film an der Paradiesbrücke in die Saale warf, konnte man ihn entwickelt an der nächsten Brücke wieder herausziehen.



      Wir machten immer Urlaub in Mecklenburg mit der Bahn. Auf der Heimreise, wenn man schlief und fuhr auf den Bahnhof Halle zu, wurde man vom Bitterfelder Gestank munter und wusste, jetzt ist es nicht mehr weit nach Jena. usw. usw. Und Sie wollen hier jedem ernsthaft weismachen, dass es jetzt keine "blühenden Landschaften" gibt?? Ich fass es nicht.

  • Don Geraldo

    Was soll eigentlich so außergewöhnlich daran sein, daß es in Berlin eine rotrotgrüne Mehrheit gibt ?



    Die gab es bei absolut jeder Wahl zum Abgeordnetenhaus seit 1990.



    Und immer hat die SPD entschieden, welche Koalition dann gebildet wird.



    Nach der Wiederholungswahl wollte die SPD lieber Juniorpartner bei der CDU werden, als die seit 2016 regierende rotrotgrüne Koalition unter ihrer eigenen Führung fortzusetzen.



    Das Problem für Berlin ist, daß sie, egal wie aie auch wählen, diese abgewirtschaftete Partei nicht loswerden.



    Eine ähnliche Konstellation gib tes auch in Mecklenburg-Vorpommern. Die Regierung Schwesig wurde klar abgewählt. Sie wird aber mit neuem Mehrheitsbeschaffer trotzdem an der Regierung bleiben.

    Wie in Berlin zeigt sich:



    Egal wie gewählt wird, es ändert sich nichts. Und nichts hilft der AfD langfristig mehr als dieses Gefühl der Ohnmacht bei vielen Wählern.

  • behr Behr

    Der CDU/Merz wurde immer vorgeworfen, Wahlversprechen (zB.



    zur Verschuldung) gebrochen zu haben. Die Linke in Berlin hat so



    viele Wahlversprechen zum bezahlbaren Wohnen und zur Enteignung der Wohnungsbaukonzerne abgegeben, dass es schon Wunder braucht, dass es nicht solche Vorwürfe am Ende auch gegenüber der Linken gibt.

    • Francesco

      @behr Behr:

      Das sind keine Versprechen, sondern Ziele.

    • nihilist

      @behr Behr:

      Das ist das Los des Wahlgewinners. Es hilft nichts, man muss seine Wahlversprechen wohl auch ein Stück weit halten.

    • Günter Witte

      @behr Behr:

      Selbst wenn es die Linke jetzt schafft eine Regierung mit ihrer Maximalforderung Enteignung zu bilden wird in Berlin noch einige mal gewählt werden, bis diese Sache bis zur höchsten Instanz durchverhandelt ist. Oder es kommt zuvor ein Bundesgesetz welches das Grundliegend verhindert.

  • Bürger L.

    "Rot-Rot-Grün kann sich nur selbst schlagen".... das war auch mein erster Gedanke bei all der Freude über die beiden realen Beispiele, wie man der sogenannten Alternative eine echte, linke Alternative entgegensetzen kann.



    Es bleibt abzuwarten, wie die offensichtliche Chance jetzt genutzt wird.

    • behr Behr

      @Bürger L.:

      „Rot-Rot-Grün kann sich nur selbst schlagen“ - oder die



      Zinsentwicklung. Das Projekt Vergesellschaftung von



      Wohnungsbaukonzerne für das Hauptanliegen „bezahlbares



      Wohnen“ rechnet sich nun mal etwas anders bei dem gegenwärtigen Zinsniveau von 4 % als mit einem Zinssatz von 1% vor 3 Jahren. Wo soll denn der Spielraum für Mietreduzierungen vergesellschafteter Wohnungen herkommen, wenn die Zinslast um 300% gestiegen ist.

  • Vigoleis

    "...beim Blick in die leeren Kassen lieber in der oppositionellen Reinheit bleiben wollen, als sich die Finger an Kompromissen schmutzig zu machen." Ich denke, das ist der Knackepunkt.



    Gestern Abend sahen wir im TV einige Linkenpolitiker, die absolute Kompromisslosigkeit bei der Erfüllung linker politischer Wahlversprechen ankündigten. Man darf gespannt sein, wie das bei der Konstellation laufen wird.



    Hr. Gysi, der den Weg seiner Partei ja schon vor Ende der DDR und dem Fall des antifaschistischen Schutzwalls mitgegangen ist, machte dankenswerterweise gestern darauf aufmerksam, dass man als Oppositionspartei nur die Interessen seiner Klientel vertreten muss, als Regierungspartei jedoch die Interessen aller Bürger.



    Außerdem sagte er (was auch im Taumel gern untergeht), dass die erste Volksabstimmung über die Enteignungen nur eine Empfehlung war und jetzt eine zweite verbindliche folgen müsse, wenn es zu einem Gesetz kommen soll.



    Ich frage mich auch, mit wessen Geld die Linke ihre Wahlverprechungen (ein Fass ohne Boden) bezahlen möchte (die Entschädigungen s.o. noch nicht eingerechnet). Ich hoffe, Bund und die anderen Länder drehen so weit wie möglich den Geldhahn zu.

    • nihilist

      @Vigoleis:

      Das hoffe ich auch, aber dann bitte den Flächenländern im Osten gleich mit.

      • Strolch

        @nihilist:

        Meinen Sie Mecklenburg-Vorpommern? Warum wollen Sie denen das Geld wegnehmen?

  • Strolch

    Die Linke in Berlin verspricht wie die AfD Punkte, die man nicht halten kann, da sie nicht bezahlbar sind. Ich meine, die Linke ist der beste Freund der Immobilienhaie. Anfang der 2000er die Wohnungen billig verkaufen, um sie jetzt teuer zurück zu enteignen. Aber wir leben in einer Demokratie: Jetzt sollen die Linken in Berlin und die AfD in Sachsen-Anhalt zeigen, was sie können. Aber ich merke schon an dem Artikel, so wie sich die AfD in Sachsen-Anhalt vor dem regieren ziert, so ziert sich die Linke in Berlin.... Der Wähler könnte ja bei der nächsten Wahl nachschauen, was von den Versprechen gehalten wurde.

    • N. Ietsche

      @Strolch:

      Gute Beobachtung. Wahrscheinlich ist das auch schon länger von den entsprechenden Konzernen eingeplant. Entsprechend werden dann Sanierungen und Modernisierungen grade wenig durchgeführt. Zum Kaufpreis kommt dann für die Staatskasse eben das noch hinzu. Und dann wenns halbwegs saniert ist, braucht der Staat wieder Geld und verkauft dann die Wohnungen mit Verlust wieder. Aber dann ist das jetzige Personal der Linken auch schon über alle Berge...

    • Abdurchdiemitte

      @Strolch:

      Wie kommen Sie denn auf das schmale Brett, dass Die Linke in Berlin sich ziert, dort Regierungsverantwortung zu übernehmen. Das Gleiche könnten sie schließlich auch von der SPD behaupten - wenn die sich ziert, hat sie allerdings auch ein Motiv: liebend gern würde sie nämlich weiter mit der CDU regieren..



      Zu dumm nur, dass sich der zweite potentielle Koalitionspartner, die Grünen, inzwischen auf Rot-Grün-Rot festgelegt hat. Eine Haltung, die zu goutieren ist, werden die Koalitionsverhandlungen wahrscheinlich elendiglich zäh werden.



      Aber warum sollten bei einem Ergebnis von 26% für Die Linke und 12% für die SPD ausgerechnet die Linken die diejenigen sein, die Abstriche an ihrem Programm vornehmen? SPD und Grüne zählen in Berlin klar zu den Wahlverlierern.



      Und mit der Show, die der gute AfD-Siggi jetzt in Magdeburg abzieht, haben die Verhältnisse in Berlin schon mal garnichts zu tun. In SAH geht es schließlich um eine rechtsextremistische, verfassungsfeindliche Partei, mit der niemand anderes koalieren will.

      • Strolch

        @Abdurchdiemitte:

        Zu Ihrem ersten Absatz, das steht im Artikel:

        "Und auch in der Linkspartei gibt es einige, die beim Blick in die leeren Kassen lieber in der oppositionellen Reinheit bleiben wollen, als sich die Finger an Kompromissen schmutzig zu machen."

        Zu meinem zweiten Punkt, wo das Geld herkommen soll, schweigen Sie leider. Und auch die Frage, die die böse CSU stellt: Entsteht dadurch neuer (sozialer) Wohnraum? Kommt nie die klare Antwort: Nein, den wollen wir nicht, den Geld haben wir dann keins mehr. Wegen mir soll Berlin das machen. Aber Berlin kann es gar nicht zahlen. Aber warten wir ab, was die Linke umsetzt - und wer es bezahlen soll. Spätestens beim Verfassungsgericht ist eh Schluss.

  • So,so

    Gute Analyse der Wahlergebnisse: Zitierfähig für die DLF Presseschau.

    Die WählerInnen wünschen sich endlich wieder Selbstwirksamkeit.



    Das müssen Schwesig und Eralp jetzt liefern.

    Rente nach 45 Beitragsjahren bleibt.

    Vergesellschaftung:



    Das wird schwierig und die Linke braucht jetzt v.a. kompetente JuristInnen um die zu erwartende Welle an Lobbywiderstand durch €DU, spd, Mietkonzerne und Reichenlobby (INSM-Kampagne ist vermutlich bereits gedruckt und startet wahrscheinlich ab heute in bild und auf Plakaten!) zu brechen.

    Für beides braucht man Geld.

    Noch mehr Sozialkürzungen sind keine Option.



    Gerechtere Steuereinnahmen (nicht von Arbeitnehmern und auch nicht vom lokalen Handwerk/Betrieben!) müssen endlich kommen.



    Die "Wohlhabenden" müssen jetzt auch ihren Beitrag zur Gesellschaft leisten.



    Und wollen das z.T. auch selber, denn ohne eine gerechtere Gesellschaft fliegt dieses Land bald auseinander.







    Multinationale Konzerne müssen zu ihrem Glück gezwungen werden z.B. durch Annahme (und nicht Sabotage!) der UN tax Konvention Vorschläge:



    taxjustice.net/top...un-tax-convention/



    BMF Klingbeil muss diesen Kampf gegen die Steuerdiebstahl-Windmühlen jetzt endlich aufnehmen.

  • shitstormcowboy

    Tja Merz hat fertig jetzt, wie auch die neoliberalen Hardliner, alle wollen es aber noch nicht wahrhaben, und reißen die Partei in den Abgrund. Ist das Gut? Nein, ist es nicht. Es braucht eine verantwortungsbewusste Mitte, aber die ist momentan in der CDU nicht zu finden.

  • Sonntagssegler

    Sehr schön zusammengefasst und bemerkenswert umfassend.

    Bei "Inhaltsleere" ist die CDU allerdings nicht alleine.



    Also CSU und SPD können sich da durchaus einreihen.



    (Nicht das Markus Söder aus diesem Artikel herausliest, dass die Bayern ja was Besseres sind.)

    Lesen wird er ihn ja voraussichtlich.

    • Georg Sonntag

      @Sonntagssegler:

      Inhaltsleer passt eigentlich am besten zu den Grünen. Es liest und hört sich alles an wie Copy and Paste von der Linken. Die Elif Begeisterung ist grenzenlos und bei dem Israel bezogenen Antisemitismus holt man auch kräftig auf..

  • DiMa

    Wie kommt man bei den Wahlergebnissen zu der Erkenntnis, dass man gegen die AfD irgendwas gewonnen habe?

  • Stavros

    Die Linke muss erwachsen werden. Grundsatzdiskussionen über Außenpolitik hintenanstellen, Kompromisse schließen und sich auf konkrete Verbesserungen für konkrete Menschen konzentrieren.

    Dann gehört ihr die Zukunft.

  • FtznFrtz

    Mag ja sein, dass Merz nicht das einzige Problem der Union ist, dennoch: er ist nunmal der Kanzler, die mächtigste politische Figur in Deutschland. Wenn man dort derart miserabel arbeitet wird man zum Problem, für die Partei, für die Demokratie, am Ende auch fürs Land.



    Was ist moderner Konservatismus? Was moderne Sozialdemokratie? Sollten die Damen und Herren Parteivorsitzende und GeneralsekretärInnen mal klären.



    Aber das Hauprproblem liegt nicht auf rationaler Ebene: der Vertrauensverlust berührt das Emotionale, die irrwitzige, fast hündische Begeisterung für die AfD hat fast etwas Popstar-Sektenhaftes. Die etablierten demokratischen Parteien müssen Vertrauen aufbauen, einfach einmal sagen was man tut und tun was man sagt, so banal das auch klingen mag. Die Leute ernst nehmen und sich für sie interessieren, ohne jedem nach dem Mund zu reden, klar in der eigenen Position sein und trotzdem kompromissfähig. Eher die Basics für einen Politiker, die aber anscheinend deutlich zu kurz kommen. Sonst wäre der bratwurstspenden Selfieclown der AfD nicht so billig so erfolgreich.

  • StevenK

    Soweit ich weiß, hat Frau Schwesig von der SPD vor einigen Jahren für die Besteuerung der Renten gestimmt.

    • Kunoberti

      @StevenK:

      Ich denke, ab einer bestimmten Höhe ist das auch ok, odwer?

    • nappy

      @StevenK:

      "Am 6. März 2002 hatte das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass die unterschiedliche steuerliche Behandlung von Beamtenpensionen und Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung gegen den Gleichheitsgrundsatz des Art. 3 Abs. 1 GG verstoße und daher verfassungswidrig sei. Das Gericht forderte den Gesetzgeber deshalb auf, spätestens bis zum 1. Januar 2005 die Rentenbesteuerung verfassungskonform neu zu regeln."

      Und:



      Wenn man glaubwürdig gegen die Abschaffung der Vermögens- und Erbschaftssteuer sein will, wie das die AfD propagiert, dann muss man KONSEQUENT sein! Und das Sankt-Florians-Prinzip macht da keinen schlanken Fuß!