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Arbeitspolitik des KanzlersArbeit haben oder nicht Arbeit haben, das ist hier die Frage

Friedrich Merz redet gerne darüber, dass die Deutschen mehr arbeiten sollen. Weniger gerne redet er darüber, dass viele verzweifelt einen Job suchen.

Arbeitslose befinden sich schnell in einem neurobiologischen Teufelskreis Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

I m Karrierenetzwerk LinkedIn tummeln sich viele Verzweifelte. Damit sind hier nicht jene gemeint, die versuchen, Leadership-Influencer zu werden oder die für einen Positionswechsel nach Glückwünschen lechzen. Es sind die vielen Arbeitslosen, die auch gern eine neue Stelle verkünden würden, aber nichts in Aussicht haben. Stattdessen müssen sie posten, ob vielleicht jemand an all ihren Skills und Erfahrungen Interesse hätte.

In Deutschland suchen derzeit so viele Menschen Arbeit wie seit zehn Jahren nicht mehr. Zugleich ist die Chance, etwas zu finden, historisch niedrig, weil die Zahl vakanter Stellen abnimmt. Auch die Vereinbarkeit der Arbeitssuchenden mit dem, wonach Unternehmen suchen, lässt nach.

Trotzdem lässt Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) verlauten, dass die Deutschen wohl alle keine Lust hätten zu arbeiten; das aber gefälligst tun sollten, damit die Wirtschaft wieder brummt. Nur: Merz’ Menschenbild ist falsch.

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Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten, linken Meinungsspektrums.

Tatsächlich ist es ein menschliches Grundbedürfnis, etwas zu erschaffen. Wenn wir dazu keine Möglichkeit haben, fehlen im Gehirn viele Belohnungsbotenstoffe, darunter Dopamin, das einen wahren Schaffensrausch auslösen kann. Bei einem Mangel ist dagegen Antriebslosigkeit die Folge. So löst Arbeitslosigkeit einen neurobiologischen Teufelskreis aus: Dopaminmangel bewirkt mangelnde Motivation, die zu weniger Aktivitäten führt – noch weniger Dopamin wird ausgeschüttet.

Kritik an Arbeitgeber richten

Dies hat zudem einen negativen Einfluss auf das Selbstwertgefühl, das ohnehin schon durch Scham- und Schuldgefühle aufgrund der Arbeitslosigkeit immens angegriffen ist. Alles sehr ungünstig in einer Situation, in der es darum geht, Bewerbungen zu schreiben und sich als der:­die beste Mit­ar­bei­te­r:in der Welt zu verkaufen. Zumal jede vergebliche Bewerbung zusätzlich selbstwertschädigend ist.

Statt die Bevölkerung zu fragen, ob Krankmeldungen wirklich notwendig sind, und den Wunsch nach Teilzeit-Arbeit zu diskreditieren, sollte Merz seinen Unmut über die Wirtschaftslage an Unternehmen adressieren. Und sie zum Beispiel auffordern, von aufwendigen Bewerbungsprozessen abzusehen. Er könnte ihnen sagen, dass sie mehr Leute einstellen und höhere Gehälter zahlen sollen, damit die Binnennachfrage wieder so richtig brummt. So simpel funktioniert das mit dem Wirtschaftswachstum, oder etwa nicht?

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Eva Fischer
Chefin vom Dienst
Jahrgang 1989; seit Anfang 2025 bei der taz, derzeit als Nachrichtenchefin und Chefin vom Dienst bei taz.de. Vorherige Stationen: u.a. EU-Korrespondentin in Brüssel beim Handelsblatt, Redakteurin für Internationale Politik beim Tagesspiegel, Redakteurin bei der ZDF-Talkshow "Markus Lanz". Wirtschaftspsychologie-Studium mit Schwerpunkt Arbeits- und Organisationspsychologie und dem Nebenfach Politikwissenschaft, Besuch der Holtzbrinck-Journalistenschule, gelernte Medienkauffrau Digital und Print beim Spiegel-Verlag.
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74 Kommentare

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  • Es gibt genügend Arbeit, natürlich nicht, wenn man Geisterwissenschaft studiert hat, aber systemrelante Arbeitskräfte wie Handwerker sind Mangelware!

  • "Dopamin, das einen wahren Schaffensrausch auslösen kann."



    Schaffen ohne was zu schaffen...:



    --



    „Freizeit und Konsumieren waren noch nie so anstrengend wie heutzutage. Dafür braucht mensch (Frei)Zeit - und WLAN:



    Auspacken, Installieren, Ausprobieren, Anprobieren, Retournieren, Reklamieren, Voten, Posten, Liken...



    Es zählt der Mensch am End



    nur als Konsument." (Eigenzitat)



    taz.de/Gen-Z-auf-dem-Jobmarkt/!6004738/



    Und dann kommen noch SM und Messengers dazu.



    taz.de/tomkariseit...017-05-06/tom.webp



    --



    Damit das mit dem Konsum funktioniert, stammte logischerweise die BGE-Idee aus der Konsumwirtschaft:



    de.wikipedia.org/wiki/G%C3%B6tz_Werner

  • Liebe Autorin, Sie haben vollkommen Recht, so funktioniert's.

  • Dein Wort in Merzens Ohr. Kann nicht jeder mit Privatjet allen Problemen davonfliegen

  • Einerseits sagt Merz, dass die Deutschen dringen mehr arbeiten müssen.



    Anderseits fordert seine Partei einen Wehrdienst bzw ein Dienstjahr, wodurch alle jungen Leute ein Jahr später ins Berufsleben starten würden. Die Logik dahinter ist jetzt nicht jedem auf Anhieb klar.

    • @T-Rom:

      Wenn mehr vom BIP und vom Zeitkonto in Militär gesteckt werden muss, bleibt weniger für anderes.



      Es kann sein, dass wir das bewusst so wollen, weil wir z.B. Putin nicht trauen.

      Wenn weniger vom BIP und vom Zeitkonto in z.B. Autoherstellung gesteckt werden muss, bleibt umgekehrt mehr für anderes.



      Eine gesellschaftliche wie ökonomische Frage.

    • @T-Rom:

      Da Mehrarbeit nicht zwangsläufig mehr Zeit benötigt, ist das Problem kein logisches. Ich denke Merz und Umfeld hätten nichts gegen die Wiedereinführung der Sklaverei, ein passendes anderes Wort fällt den Werbetextern schon ein.

  • Wie wär's denn, wenn Merz mal härter bzw. überhaupt arbeiten würde? Redenschwingen meine ich nicht, sondern harte Analyse, Personalauswahl, Strategiesetzung, Beziehungspflege mit Frankreich & Resteuropa.



    Schauen und verstehen, warum die Ampel gewisse kritisierte Sachen machte und wie er das unauffällig auch machen kann.



    Statt Frau Reiche teuer taumeln zu lassen, um nur ein Beispiel zu nennen.

    Früher gab es ferner einen Sozialflügel der Union, der seine Bibel kannte und auch Dinge durchbrachte. Heute: Konfirmandenlook, aber neoliberale Durchideologisierung.

    • @Janix:

      Man kann sicher viel an Merz kritisieren, aber in Europa gibt er sich schon Mühe.

      • @Sybille Bergi:

        @ Sybille Bergi



        Also wenn wir nach Ende seiner Kanzlerschaft über Friedrich lesen dürfen " Er gab sich Mühe " dann " Gut's Nächtle " ...

    • @Janix:

      @ Janix



      GENAU 👍👍❗️

    • @Janix:

      So ist das zu sehen.

    • @Janix:

      Jetzt nicht noch aufs Sauerland schimpfen, sonst gibts Merz.

      • @TV:

        Warum sollte ich denn? Das Sauerland schuf Franz Münteferings Lakonik, Jochen Busses Humor und viele Weihnachtsfichten, inzwischen auch in Ökovariante erhältlich. Woll?

  • Ist doch irgendwie eine Ablenkungsdebatte. Gegenüber den großen Brocken - Wachstumsschwäche, Energiepreise, Weltmarktverwerfungen - verharrt die Regierung in Hilflosigkeit. (Es ist auch objektiv schwierig damit umzugehen, das wäre es auch für eine Linksregierung.) Stattdessen wird mal wieder die altbekannte Sau durchs Dorf getrieben.

    • @Kohlrabi:

      Richtig, DIE WIRTSCHAFT MUSS WACHSEN!

  • Das mit der Binnennachfrage ist so eine Sache. Zum Einen fließt hierzulande viel "freies" Privateinkommen in konsumierbare Importgüter und Urlaube, wo zumindest ein Teil der Wertschöpfung gar nicht jenen deutschen Unternehmen zugute kommt, die hier in Deutschland die höheren Löhne dafür zahlen sollen. Umgekehrt hilft auch eine bessere Binnennachfrage nicht, die Nachfrage nach Exportgütern anzukurbeln. Die sinkt im Gegenteil eher, weil durch höhere Löhne ja auch die Abgabepreise auf dem Weltmarkt steigen.

    Wer auch immer Keynes als der Weisheit letzten Schluss zitiert, sollte nicht vergessen, dass seine Theorien von stark abgeschotteten Binnenmärkten mit (fast) ausschließlich inländischer Wertschöpfungskette ausgingen, die umgekehrt wenig Mehrwert aus dem Export ziehen. Es gibt kaum eine Industrienation, auf die das schlechter passt als auf Deutschland.

    Binnennachfrage ist natürlich nichts schlechtes. Aber sie sollte aus organisch erwirtschafteteten Umsatzmargen gespeist und nicht quasi als Anschubkredit der Unternehmen an den Markt gewährt werden.

    • @Normalo:

      Nuja, wemmer Plan A, also daß D. mit Clever und Toll seinen Wohlstand auch in der Zukunft sichert, verkackt, sollte mensch wenigstens Plan B in mehreren Varianten in der Schublade haben. Die Welt lockt mer halt nimmer mit z.B. CNC-Fräsen für Zylinderköpfe hinterm Ofen vor, da muß mer schon die Liga wie diese niederländischen Druckmaschinen für superdicht beieinanderliegenden Leiterbahnen bespielen.



      Es ist auf Keinen ein Plan, auch noch die letzten aufrichtigen, für nen Appel und ein Ei hart arbeitenden, CxU-Wähler*innen mit Verdächtig- und Beschimpfungen zu verprellen.

      • @Hugo:

        Die niederländischen Druckmaschinen finden ihr Äquivalent in der Mess-und Lasertechnik aus Jena, ohne die meines Wissens in der Chipherstellung auch nicht viel liefe. Auch haben Sie z. B. selbst in Shanghai ein gute Chance, im Supermarkt einen Wanzl-Trolley vor sich herzuschieben. So ganz weg vom Fenster ist die Exportwirtschaft also nicht.

        Aber ja, ein paar Leuchttürme reichen natürlich nicht, um unseren Wohlstand zu sichern und unsere aufwendigen Sozialsysteme zu finanzieren. Nur: Wennschon Plan B, dann vielleicht doch besser einen, der nicht gleich zum Scheitern verurteilt ist. Ein Wechsel zum Keynesianismus würde bedeuten, Zölle massiv raufzuschrauben (was die Rest-EU nicht mitmacht, also bliebe da nur der Austritt), bis nur noch unbedingt benötigte Rohstoffe importiert würden. Für die gäbe es im Zweifel aber wegen Gegenzöllen auf unsere Produkte kaum noch gegenfinanzierenden Export. Ein Fernseher würde dann kosten, was er heimisch produziert nunmal kostet (ca. 3.000 EUR für den Einstieg). Die Reallöhne würden also eine "bereinigende" Bauchlandung ohne echte Erholungssaussicht machen.

        Klingt Merz' "auf die Hinterbeine und Ranklotzen" da im Vergleich immer noch so daneben?

        • @Normalo:

          Für den hastigen Deal mit Indien fiel uns nix besseres ein als Autos gegen Generika und Klamotten. Aus der Nordsee als "energy hub" werden wohl dann auch noch der letzte Tropfen Öl und der letzte Furz Gas rausoperiert um dann CO_2 zu verklappen (die Bilder vor den WKA sind nur Show). Es gibt ned ma ne Ahnung von Idee, digital unabhänger zu sein, im Gegenteil, ein Nebenberufs-MP hat seinen Freistaat für die näxten Jahrzehnte nach Redmont/WA mit ner jährlichen Aussteuer verheiratet. Ebenjener hat zuviel unterm Strauß-Poster gepennt und weniger Ahnung als FJS von Kernkraft, was ne ned davon abhält, Märchen zu erzählen, das D-Äquivalent zum MP glaubt, Methusalem zu werden und mitzuerleben, wie Kernfusion wirtschaftlich läuft etc. pp. .



          Da kommt halt irgendwie nix Gescheites, also irgendwas, wo mer quer durch die demokratieaffinen bubbles mal ein "endlich!" in die Runde schmeißen kann.

  • Danke.

  • "Er könnte ihnen sagen, dass sie mehr Leute einstellen und höhere Gehälter zahlen sollen, damit die Binnennachfrage wieder so richtig brummt. So simpel funktioniert das mit dem Wirtschaftswachstum, oder etwa nicht?"



    Nein, so simpel funktioniert es allerdings nicht.



    Schön, daß die TAZ bemerkt hat, das aktuell Arbeitslosigkeit langsam aber stetig, was eine m.E. sehr vertauenswürdige Person, Frau Nahles, eigentlich bei jedem ihrer Aussagen zum Arbeitsmarkt seit mehr als einem Jahr sagt.



    Damit zeichnet sich die TAZ tasächlich in soweit aus, wie sie sich selbst als "links" versteht, Gratulation.



    Bedenken wir nun, daß es im Bundestag 3 Parteien gibt, die sich als "links" verstehen, aber keine davon glaubhaft machen kann, eine Arbeiterpartei zu sein, insbesondere die SPD nicht mehr, die Grünen nie und die LINKE genausowenig.



    Arbeitgeber können nicht Menschen anstellen, für die sie nichts zu tun haben und, bei den Löhnen ist bisweilen noch Luft nach oben, aber die wird stetig dünner, je größer das Angebot an Arbeitskräften wird.



    Der Arbeitsmarkt ist ein Markt, was kann man durchaus als Makel ansehen, aber nur, wenn man das Gesellschaftssystem tatsächlich ändern möchte.

    • @Klaus Franz:

      Es gibt kaum Märkte im neoklassischen Sinne. Der Kapitalismus strebt fast immer nach Monopol oder Oligopol oder Schaffung von Untermärkten. Der Mensch strebt fast immer nach Solidarität, Fairness und so. Und da stützt fast immer ein Staat mit Polizei und Verwaltung das Ganze.



      Alles andere ist das nette Märchen für Erstsemester.

      Politik für die Arbeiter (und fast alle anderen auch gleich mit) machen in der Tat Linke, SPD und Grüne, wenn wir mal die Steuerkonzepte im Bund ansehen. Es lohnt sich.

      Warum in großen Betrieben und Organisationen so manche Menschen angestellt sind, die nichts zu tun haben, finden Sie in David Graebers Artikel (oder seinem etwas umfangreicheren Buch) zu Bulls_it Jobs. Grund: siehe erster Absatz + Ego/Gier von Managern.

  • "Und sie zum Beispiel auffordern, von aufwendigen Bewerbungsprozessen abzusehen."

    Also von aufwändigen Bewerbungsprozessen kann hier aber nicht die Rede sein, man hat mitlerweile so viele Möglichkeiten, Bewerbung klassich per post, Bewerbung per Mail, Bewerbung über eigene Bewerbungsseiten der Firmen, Bewerbung über Whatsapp, über Zoom, über Kleinanzeigen etc etc, dazu findet man vorgefertigte Bewerbungsschreiben im Internet, man kann sich ne komplette Bewerbung von der KI schreiben lassen, also sorry aber wer zu blöd ist ne Bewerbung zu schreiben ist wirklich selber schuld, aufwändig ist daran überhaupt nichts, das kann man in fünf Minuten erledigen

    • @PartyChampignons:

      Mit "aufwendigen Bewerbungsprozessen" ist wohl eher gemeint, dass die Firmen überhaupt Fragen stellen (statt sofort Jedem einen Vertrag auf den Tisch zu knallen, der Interesse an einem Job bekundet).

      • @Normalo:

        Nein, so ist es leider nicht. Manche Firmen scheinen Ausschreibungen zu veranstalten, um einen Pool anzulegen. Da wird man nicht innerhalb des nächsten Monats eingestellt, sondern hört, dass in einem halben Jahr oder ähnlichen Zeiträumen Stellen zu besetzen sind. Das ist dann in der Tat aufwendig, wenn man nach der Bewerbung, Telefoninterview und erstes oder zweites Vorstellungsgespräch hinter sich hat und auch noch ein Probeprojekt vorzulegen war.



        Mitunter wird man plötzlich am Freitagabend per WhatsApp gefragt, ob man nächste Woche spontan in XYZ einspringen könnte. Macht man dann vielleicht sogar auch noch (muss man Betreuung, Anfahrt, Zimmer etc. organisieren und weiß nicht mal, wann und ob gezahlt wird.)



        Und dann bekommt man mit etwas Glück irgendwann eine Standard-E-Mail vom Junior-Recruiter "...wir haben uns entschieden, den Bewerbungsprozess ohne Sie fortzusetzen ...". Besonders hübsch ist das, wenn die Kopiervorlage vor orthographischen Fehler nur so wimmelt. - Niemand erwartet sofort einen Arbeitsvertrag, aber sechs Monate und dann vielleicht ...

        • @Niemals:

          Ah, ok. Danke für die Erklärung!

          Unternehmen, die so umständlich einstellen, haben freilich im Zweifel auch keine Probleme mit Fachkräftemangel.

    • @PartyChampignons:

      Mit „Bewerbungsprozess“ ist nicht die Bewerbung gemeint, sondern die mehrstufigen Vorstellungsgespräche, Rückfragen beim utterkonzern. Wissenstests, Praxistests, Probearbeiten, Challenges, Kennenlerngespräche und sogar Persönlichkeitstests, die viele, vor allem größere, Unternehmen anwenden. Bei einem Großunternehmen kann dieser „Prozess“ vom ersten Gespräch bis zur Einstellung bis zu sechs Monate dauern. Dabei wird von den Firmen auf Kosten der Bewerber versucht, das Risiko zu minimieren, dass jemand nach dem „Onboarding“, während der Probezeit, gehen gelassen werden muss, weil Einarbeitung Zeit und Geld kostet — Schande, wenn man das bei jemandem tut, der nicht „perfekt“ ist.

      • @Leslie Gurkensalat:

        "Dabei wird von den Firmen auf Kosten der Bewerber versucht, das Risiko zu minimieren, dass jemand nach dem „Onboarding“, während der Probezeit, gehen gelassen werden muss, weil Einarbeitung Zeit und Geld kostet."

        Dieses Prozedere kostet aber auch jede Menge bezahlte Arbeitszeit bei den damit befassten Mitarbeitern. Dem muss irgendein Nutzen gegenüberstehen - durch Vermeidung von vorzeitigen "Offboarding" und/oder nach sonstigen (unternehmens)politischen Maßstäben, die dann mehr als finanziell ins Gewicht fallen...

    • @PartyChampignons:

      Korrekt, wie einfach soll es denn noch werden?

      Und wem diese Möglichkeiten immernoch zu schwer sind, da kann man dem Unternehmen dann wirklich keinen Vorwurf machen, wenn diese den/die Bewerber nicht wollen. Denn mal im Ernst, wenn das Bewerben bereits bei den ganzen Möglichkeiten zu schwer ist, wie kann der/die Berwerber/in dem Unternehmen weiterhelfen?

  • taz: *Trotzdem lässt Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) verlauten, dass die Deutschen wohl alle keine Lust hätten zu arbeiten; das aber gefälligst tun sollten, damit die Wirtschaft wieder brummt.*

    Friedrich Merz kann ja mal Tipps geben, wie man einen Job findet, wo man dann ein paar Hunderttausend Euro Jahresgehalt bekommt und dafür nur maximal 2 Tage die Woche arbeiten muss.

    "Für seine Tätigkeit bei BlackRock (etwa ein bis zwei Tage pro Woche) erhielt Merz ein Gehalt im sechsstelligen Bereich. Laut Insiderberichten bestand seine Hauptaufgabe darin, politische Kontakte zu knüpfen und Zugang zu Ministerien zu verschaffen." [DER SPIEGEL]

    Merz ist anscheinend der Meinung, dass er kein gewählter Volksvertreter ist, sondern der oberste Chef der deutschen Bevölkerung. Mit der Merz-Union wird jetzt wohl die 'ganz große Brechstange' an den Sozialstaat angesetzt; und das merken sogar diejenigen Leute, die jahrelang das Bashing gegen Hartz4/Bürgergeldempfänger mitgemacht haben - denn jetzt soll es auch ihnen auch an den Kragen gehen. Zuerst hat die Union monatelang auf Bürgergeldempfänger geschimpft und jetzt erzählt CDU/CSU das Märchen von "Blaumachern" und "faulen Arbeitnehmern".

    • @Ricky-13:

      Er bekam von NRW auch mal diesen Auftrag zu einem Tagessatz von Unfassbar: nie zuende gebracht, aber das Geld erhalten.

      • @Janix:

        *Nach seinem Amtsantritt als Bundeskanzler im Jahr 2025 führt Merz keine aktiven Posten in der Privatwirtschaft mehr aus.* [Wikipedia]

        Ich fand diesen Satz sehr lustig 😂

  • Nein, so simpel funktioniert das mit dem Wirtschaftswachstum tatsächlich nicht. Dann könnte die taz doch einfach höhere Löhne zahlen oder mehr Angestellte beschäftigen. Tut sie aber nicht. Weil die dadurch kein einziges Abo mehr als vorher verkauft.

    • @Ignaz Wrobel:

      Wir befinden uns in einer Konsumkrise. Wenn höhere Löhne bezahlt werden, steigt der Konsum, es wird mehr investiert und das BIP wächst.

      Kein Unternehmen investiert wenn die Auftragsbücher Lehr sind.

      Das ganze wird Keynesianismus genannt.

      • @makei1200:

        "..steigt der Konsum, es wird mehr investiert und das BIP wächst."



        Tja, es sei denn, die gekauften Konsumgüter kommen aus dem Ausland. Was sehr oft der Fall ist.



        "Das ganze wird Keynesianismus genannt."



        ...und funktioniert in dieser simplen Form einfach nicht.



        Dass Herr Keynes durchaus auch noch tiefergehende Gedanken hatte, spielt dabei keine Rolle. Diese politisch versimplifizierte Wirtschaftspolitik hat ihre Untauglichkeit bereits in den 1970ern bewiesen.

    • @Ignaz Wrobel:

      Guts gesehen.

    • @Ignaz Wrobel:

      Wenn es mal ein vernüftiges Konjunkturpaket in Krisenzeiten geben würde, könnte es ziemlich simpel sein.

  • "Er könnte ihnen sagen, dass sie mehr Leute einstellen und höhere Gehälter zahlen sollen, damit die Binnennachfrage wieder so richtig brummt. So simpel funktioniert das mit dem Wirtschaftswachstum, oder etwa nicht?"

    Vielleicht in einer Planwirtschaft, aber in der freien Marktwirtschaft stellen Firmen Leute ein, wenn sie sie brauchen. Und ob sie sie brauchen, haengt zum Grossteil von der Wirtschaftspolitik der letzten Jahre ab.

  • Zum Teilzeitthema: Vermutlich geht es Friedrich Merz um das Rückkehrrecht. Wenn ein Beschäftigter die halbe Stelle eines anderen besetzt, der mehr Rechte hat als er und er wieder gehen muss, wenn der andere wieder Vollzeit arbeiten will, dann kann das zum Problem werden. Wenn in einer Bäckerei zwischen 6-8 Uhr doppelt so viele Kunden kommen als zwischen 8-10 Uhr, dann kann sich der Bäcker nur dann lauter Vollzeitstellen leisten, wenn alle Kunden bereit sind, für das Brötchen den doppelten Preis zu zahlen.

    • @Johann63:

      Oh. Beim Bäcker machen also die Personalkosten 100 % der Kosten aus. Jetzt weiß ich endlich, warum manche Brötchen so viel Luft enthalten.

  • Eine Wirtschaft, die Umwelt und Menschen respektiert und sinnvolle Produkte sowie vernunftorientierte Verwaltung etabliert könnte auch hilfreich sein. Stattdessen gibt es stressige nutzlose gefährliche Überproduktion und Verwaltung, die nutzlose stressige Sachzwänge und Arbeit mit dementsprechendem Energiekonsum und krankmachenden Faktoren erzeugt. Das für einen Profit, der die Überreichen auch nicht zum Mars bringt.

  • Teilzeitarbeit und Arbeitsverweigerung wären eine geeignete Protestform, wenn damit ein freiwilliger Verzicht auf Konsum einherginge.

    Längerfristig betrachtet befinden sich im Schland die Zahlen für Bevölkerung, Erwerbstätigenquote, Automatisierung und Digitalisierung auf historischen Höchstständen. Trotzdem mangelt es überall an Fachkräften und weniger qualifizierten Arbeitenden, gilt die deutsche Wirtschaft als weniger konkurrenzfähig, da weniger produktiv als vergleichbare Länder.

    Könnte es nicht sein, dass wir an einen Überkonsum leiden? Dass Marktwirtschaft die Bereiche wachsen lässt, wo kurzfristig höhere Profite erzählt werden, statt das zu produzieren, was die Menschen und die Gesellschaft wirklich dringend brauchen?

    Jegliche Form von Protest, wie Konsumverzicht, Arbeitsverweigerung oder Teilzeitarbeit als Lifestyle, ist vergebene Mühe, denn die Herrschaft der Oikodizee ist, worauf sich alle IdeologInnen, RealpolitikerInnen, Wirtschaftenden, LeistungsträgerInnen und Konsumierenden einigen können.

  • Das RECHT AUF ARBEIT ist das Thema der Stunde: Schließlich sind es ja die Investoren, denen manpower im Produktionsprozess zu teuer werden und durch Automatisierung Menschen praktisch überflüssig werden, die Ärmsten gerade auf der Straße überleben müssen, von Tafeln abhängig sind oder die immer weniger werdenden kirchlichen Hilfestellungen in Anspruch nehmen MÜSSEN. Wenn jetzt den ArbeitGEBERN das Recht auf Ausbeutung mangels geeigneter Arbeitsplätze verloren geht, muss die Frage erlaubt sein, für wen sich das Raffen überhaupt noch lohnt, wenn es für die Produkte mangels Einkünften keine Abnehmer für die Produkte der kapitalitischen Produktion mehr gibt. Da zeigt sich, ein Ende einer Profitwirtschaft und gleichzeitig auch ein Ende demokratischer Prozesse, denn ohne den mit ihr verbundenem Wohlstand funktioniert kein Gemeinwesen. Der einzig mögliche -demokratisch legitimierte- Ausweg: Ökonomie muss sich nach den Bedürfnissen ALLER Menschen richten: Nachhaltig organisierte Arbeit für jeden, deren Ergebnisse nicht nur Couponschneidern zugute kommt, Eigentum, das öffentlich und eben nicht privaten Interessen dient und es darf nicht mehr verbraucht werden, als zum Überleben nötig ist !!

  • Guten Tag.



    Ich arbeite für einen etablierten DAX-Konzern, der in seiner derzeitigen strategischen Situation entgegen aller Versprechen die 40h-Regelung nicht verlängert, sondern uns auf 35h zurück fallen lässt.



    Ich frage: Wissen die Linnemänchen im KA-Haus, (K.)Reiche am Tegernsee und die Fehlbeleger im Kanzleramt, wie es real in der Wirtschaft abläuft? Raten sie mir, zusätzlich einen Mini-Job anzunehmen?

    • @Olne:

      Wirtschaftskompetenz und reaktionäre Mentalität passen nicht zwangsläufig zusammen...

  • Guten Tag Frau Fischer,

    wir suchen aktuell selbst u.a. über LinkedIn und die Erfahrungen sind ernüchternd.

    Es geht um eine Anstellung in der Kundenbetreuung 50% Homeoffice, 50% im Außendienst, 13. Gehalt, 30 Tage Urlaub, PKW, Bonus.



    Dazu eine Definition, welche Eigenschaften wir voraussetzen und das ist kein Studium oder allzu spezifisches Wissen.

    In der Stellenanzeige sind Kontaktdaten angegeben, mit der Bitte die Unterlagen dorthin zu senden.

    Es kamen mittlerweile ca 40 „Bewerbungen“



    -80-90% erfüllen keine 50% der geforderten Eigenschaften.



    -0% haben Unterlagen wie Zeugnisse oder Bescheinigungen beigefügt



    -0% sind der Bitte nachgekommen die Unterlagen an über die angegebenen Kontaktdaten zu senden



    -Keine 10% haben sich die Mühe gemacht, außer dem autom. über LinkedIn erstellten Lebenslauf noch etwas zu ergänzen.



    -Nur 1 Person hat nach der Bewerbung eine Nachricht an uns gesendet.

    Wir haben um es zu verstehen dennoch Gespräche geführt. Einige hatten def. die Anzeige nicht richtig gelesen. Andere haben wohl lediglich Bewerbungen nachweisen müssen.

    Es wird ein von LinkedIn generierter Lebenslauf versendet, weiterhin erfolgt NICHTS.

    Wie soll das zum Erfolg führen?

    • @Sole Mio:

      Sowie Šarru-kīnu



      Ich schreibe als ehml. Langzeitarbeitsloser, in Bezug auf die Verpflichtung, in Eigensuche in Zeitraum X eines bestimmte Anzahl von BW´s nachzuweisen, bzw. verpflichtete Stellenangebote des JC wahrzunehmen. Damit will ich die geschilderten Eindrücke um einen ergänzen.

      Nach meinem Verständnis: So gut wie alle BW´s hier weisen Mängel auf, die zur Frage führen: Sind sie deshalb noch akzeptabel?



      Dennoch sind sie noch soweit aussagekräftig, um feststellen zu können, dass bestenfalls 20% also 8 BW´s die geforderten persl. u. fachl. Voraussetzungen evtl. noch mitbringen könnten. In der Tat, das wird schwierig.

      Bin ich in der Situation, bei einem für mein Profil in der Zahl kleines Stellenangebot, eine bestimmte Zahl BW´s zu schicken, muss ich auf „Randbereiche“ ausweichen, wo es noch so halbwegs passen könnte. Ich muss mich aber nicht total verweigern! Zynisch gesagt: Ich werde dann erst recht meine Arbeitszeugnisse beifügen – wo andere über mich sagen, dass ich für die ausgeschriebene Stelle gar nicht in Frage komme, weil anders qualifiziert.

      Bleibt das schale Gefühl, bei einem Unternehmen den Eindruck mangelnder Selbsteinschätzung zu hinterlassen.

    • @Sole Mio:

      Wenn sie keine Qualifaktionen abfordern, werden sie mit Bewerbungen der Kandidaten geflutet, die nur nachweisen müssen sich überhaupt irgendwo beworben zu haben aber gar nicht arbeiten wollen. Traf bei uns auf etwa 50% alle Bewerbungen zu wenn wir Callcenteragenten gesucht haben für den technischen Support. Kandidaten die vom Arbeitsamt kommen wollen zu 50% nur den Stempel. Wer das erlebt hat, sieht die Totalverweigererdebatte immer mit anderen Augen. Mit dem Amt direkt kooperieren wir deshalb schon lange nicht mehr im Assesmentcenter.

      • @Šarru-kīnu:

        "Wenn sie keine Qualifaktionen abfordern... wenn wir Callcenteragenten gesucht haben für den technischen Support."

        Finde den Fehler!



        Leider denken offenbar viele Firmen, dass für den technischen Support keine Qualifikationen erforderlich sind. Merkt man, wenn man solche "Firmen" anruft.

      • @Šarru-kīnu:

        Kleine Einführung in die Theorie der Marktwirtschaft: Wenn die Nachfrage nach Arbeitskräften keine entsprechenden Angebote generiert, dann muss die Nachfrageseite sich flexibel anpassen. Sie wollen als UnternehmerInnen ja auch nicht gezwungen werden, ihre schlamperten Produkte oder Dienstleistungen zum niedrigsten Preis anzubieten.

        Ich weise hier auf die merkwürdige 180°-Wende der Begrifflichkeiten von „Angebot und Nachfrage“ auf dem Arbeitsmarkt hin: Hier wird aus der Nachfrage nach Arbeitskraft ein Stellenangebot und aus dem Angebot von Arbeitskraft eine Stellensuche. Den Wirtschaftswaisen in eben jener Wirtschaft und Politik scheint diese Wendung keine Kopfschmerzen zu bereiten.

        • @DemokratischeZelleEins:

          Kleiner Einblick in die Praxis des Arbeitsmarkts:



          Wenn ich Stellen zu überdurchschnittlichen Gehältern zu vergeben habe - aber im Gegenzug darauf hinweise, dass regelmäßig Nacht- und Wochenendarbeit anfällt, weil in Schwachlastzeiten an (angeblich wichtiger) Infrastruktur gearbeitet wird, kann ich durchaus akzeptieren, wenn mir Bewerber sagen, dass sie gerne bereit sind für dieses Gehalt zu arbeiten - aber für kein Geld der Welt nachts und am Wochenende. Nur hört da die Nachfrageseite nicht auf. Wenn ich das nicht mehr anbieten kann, müssen sich auch die Infrastrukturbetreiber, die bei mir nachfragen, flexibel anpassen. Und letzten Endes auch die Kunden, die deren Infrastruktur nutzen wollen.



          Wir alle wissen, wie das endet: großer Aufschrei über die Unfähigkeit Deutschlands Infrastruktur zu betreiben. Und die nötigsten Lücken werden von Unternehmen aus dem näheren und ferneren europäischen Osten geflickt, die dank der EU-Freizügigkeiten hierzulande tätig sind und damit - im Gegensatz zu den bisher tätigen Unternehmen - nicht in die hiesigen Steuer- und Sozialkassen einzahlen, sondern in die ihres Heimatlands...

      • @Šarru-kīnu:

        Mit Totalverweigeren sind nicht die von Ihnen beschriebenen Leute gemeint, die den groessten Anteil der Verweigerer darstellen: Die Proformabewerber. Die Totalverweigerer sind ein Strohmmann in der Debatte. Sie wurden durchs Dorf getrieben, um von den Proformabewerbern abzulenken.

        • @elektrozwerg:

          Ich weiß was mit Totalverweigerern gemeint ist von der Seite, die diese Zahl für die eigene Argumentation gern klein rechnet. Wer mit der Realität konfrontiert ist bei Bewerbungen, muss etwa die Hälfte aller Bewerber für solche Totalverweigerer halten, obwohl es sich angeblich ja nur um eine winzige Minorität handeln soll.

          • @Šarru-kīnu:

            Ich stelle das einfach mal ein. Will kritischen Stimmen zum Thema Taotalverweigerer ja auch nicht aus dem Weg gehen. Und Stimmen aus der Praxis anzuhören soll auch sein.

            Focus-online:



            „Analyse über Bürgergeldempfänger - Was Langzeitarbeitslose wirklich hemmt: Forscher legt Typen von Verweigerern offen“

            Andreas Herteux / Donnerstag, 24.07.2025

            „Sozialforscher Andreas Herteux untersucht die inneren Antriebe langzeitarbeitsloser Bürgergeldempfänger – mit überraschenden Ergebnissen. Seine Forschung entlarvt Klischees.“

            Link:

            www.focus.de/finan...-691643b4251f.html

      • @Šarru-kīnu:

        Wir haben durchaus Qualifikationen angegeben. So wie es sich gehört. Bei einer 6-stelligen Anzahl an Mitarbeitenden im Konzern, weiß man ungefähr wie es geht 😉

        Es bewerben sich jedoch sehr sehr viele, die ganz genau wissen, dass sie keine Chance auf den Job haben.

        - keinen Führerschein obwohl so angegeben



        -sprechen kaum deutsch, obwohl verhandlungssicher gefordert

        Einige sagten auch wenige Stunden vor dem ersten Kennenlernen am Bildschirm ab.



        Zwei sogar krankheitsbedingt, auf unsere Nachfrage nach einem Nachfolgetermin erhielten wir keine Antwort.

        Das Arbeitsamt verwaltet ja auch zu mind 95% nur noch.

        Ich möchte hier nicht alle über einen Kamm scheren. Jedoch gibt es frustrierenderweise viele Alibi-Bewerber

        • @Sole Mio:

          Alibi-Bewerbungen – Alibi für wen und was?



          Ich möchte hier noch mal fragen. Klar, es geht Ihnen nicht um über den Kamm scheren. Kamen denn ein Teil oder alle Bewerbungen von Personen in Arbeitslosigkeit? Waren teilweise BA und Jobcenter Vermittlungsinstanz?



          Bewerber haben dann die Auflage, BW´s zu schreiben, bzw. einem konkreten Stellenangebot der genannt Folge zu leisten. Einem Bewerber, dem klar ist, dass sich sein Profil nur zur Hälfte mit dem ausgeschriebenen deckt, Sie schreiben es, lässt eine Bewerbung, wenn er frei entscheiden kann, wahrscheinlich sein. Oder nutzt seine letzten Chancen. BA/JC tun das mit Blick auf ihre zu erzielenden Vermittlungserfolge auch. Dann werden Arbeitslose zur BW verpflichtet, die das geforderte Profil kaum erfüllen. Zum verständlichen Ärger der „gefluteten“ Personaler. Ich sage ja offen, dass auch ich keine Lust hätte, eine Stelle, die ich nicht ausfüllen kann, anzutreten. Weil das sachlich gesehen Unsinn ist mit schlechten Folgen für ALLE (@Šarru-kīnu). Trotzdem kommt das von Ihnen beschriebene dabei heraus. Mein Gedanke: Ein Teil von „Verweigerung“ solcher Bewerber gilt eigentlich der Arbeitsvermittlung.

          • @Moon:

            "Waren teilweise BA und Jobcenter Vermittlungsinstanz?"



            Aus meiner Erfahrung: es reicht manchmal schon, dass die Stellenausschreibung in einem der bekannten Internetportale sichtbar ist. Und manchmal liegt es auch an Mitarbeitern von Transfergesellschaften, die ihre "absehbar hoffnungslosen Fälle" zu sinnfreien Bewerbungen anstiften und weismachen, sie hätten dann irgendwo (beispielsweise beim Arbeitsamt nach Abwicklung der Transfergesellschaft) bessere Karten, wenn sie jede Menge Bewerbungen vorweisen können.

            • @FriedrichHecker:

              Dank für die Antwort. Die Erläuterung hilft, manches zu erklären. (Was ich Ironie frei meine.) Und: Solche Berater sind schlecht beraten. Aus Bewerbungstrainings kenne ich solches Denken nicht. In den JC´s werden wie gesagt Auflagen gemacht, die, das muss man schlichtweg so sagen, auch der Disziplinierung dienen. Ich weiß es von JC-Mitarbeitern. Jedoch kann man da auch Bedacht feststellen: Bei Auflagen hinsichtlich der Anzahl der BW´s wird geraten, gezielt zu handeln und entsprechend wird die Anzahl der Bewerbungen auch nicht gleich irrational festgelegt. Ist immer von jeweiligen Personen u. Umständen im JC abhängig.

  • Sehr geehrte Frau Fischer,

    Sie schreiben: "Tatsächlich ist es ein menschliches Grundbedürfnis, etwas zu erschaffen." Diese Aussage würde ich zu hundert Prozent unterstützen.



    Aber das Problem ist, dass viele Jobs in der kapitalistischen Wirtschaft Bullshit-Jobs im Sinne David Graebers sind.



    In einer nicht-kapitalistischen Wirtschaft, in der (nach Marx) freie Individuen sich frei assoziieren und in der Folge sich in ihrem Schaffen selbst verwirklichen können, würde die Schaffensfreude hingegen geradezu explodieren.

    Gruß, T

    • @Zeitraumreisender:

      Wo hat so etwas in der Praxis jemals funktioniert?

      • @Sole Mio:

        In linken Studenten-WGs der 70erJahre jedenfalls nicht. Da hat nie jemand geputzt ...

      • @Sole Mio:

        Die Frage ist doch auch: Hat das je irgendwer wirklich versucht?

        • @Klaus Franz:

          Hätte es noch keiner versucht, wäre die Menschheit vor zigtausend Jahren ausgestorben. Marx hat nicht (nur) eine Zukunft beschrieben.

        • @Klaus Franz:

          Aus gutem Grund nicht!

  • Erinnert sich noch jemand an Corona? Wer waren die Helden? Die Angestellten im Einzelhandel und die Pflegekräfte! Heute will man ihnen in den Arsch treten, weil sie angeblich zu wenig arbeiten. Das sagen Leute, die vor leeren Bundestagssitzen reden, weil die lieben Kollegen durch Abwesenheit glänzen. Ja, geht's noch ...

    • @shitstormcowboy:

      Diese wurden nie angesprochen und waren sicherlich nie gemeint.



      Macht da jemand seinen Namen zum Programm, oder anders herum?

      • @Sole Mio:

        Wenn es gegen Teilzeit geht, sind die Angestellten im Einzelhandel sicherlich gemeint.

        • @warum_denkt_keiner_nach?:

          Das kann sein, war aber in diesem Beitrag nicht das Thema

          • @Sole Mio:

            Doch. Weil im Einzelhandel Teilzeit weit verbreitet ist.

    • @shitstormcowboy:

      Schwierigkeiten am Arbeitsmarkt haben doch vor allem momentan die Berufseinsteiger mit Studienabschluss in Fächern wie Marketing etc.



      Noch schwerer wird es dann, wenn Homeoffice gewährt werden soll und am liebsten ungeregelte Arbeitszeiten (zwar auch 8 Std. aber zu eigenen Uhrzeiten).

      Der Einzelhandel und die Corona-Helden Berufe suchen noch händerringend. Es sind die Verwaltungsjobs die Probleme machen, weil Wünsche der Arbeitnehmer auch oft nicht mit den Arbeitgebern zusammenpassen und halt auch die Bewerbungen echt oft sehr schwach sind. Zb Canva Lebensläufe..

  • Ja und Nein.

    Selbst wenn Teile des Artikels richtig sein sollten, ist die Herangehensweise der Autorin falsch. Falsch ist das "Statt die Bevölkerung zu fragen,...".

    Richtig wäre eine Kombination aus beidem. Wenn also eine "Vereinbarkeit der Arbeitssuchenden mit dem, wonach Unternehmen suchen, ..." nicht gegeben ist, dann müssten sich beide Seiten aufeinander zu bewegen, wobei man ehrlicherweise auch dazu sagen muss, dass dies in vielen Fällen nicht möglich ist.

    Es bringt auch nichts, untaugliche Arbeitnehmer einzustellen um damit die Binnenwirtschaft anzukurbeln, den im Zweifel verlagern Unternehmen Artbeistplätze einfach lieber ins Ausland; Wirtschaftswachstum hin oder her.