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Angriff auf Reporter von „Apollo News“Pressefreiheit gilt auch für Rechte

Leon Holly

Kommentar von

Leon Holly

Am Rande der Anti-AfD-Proteste in Erfurt kam es zu Angriffen auf rechte Journalisten. Diese Gewalt zu verurteilen, sollte nicht schwer fallen.

M anchmal ist es gut, eine gewaltbereite Antifa zu haben: Wenn Nazis sich zusammenrotten, um Linke oder Geflüchtete anzugreifen, wenn der Staat mit dem rechten Auge mal wieder wegschaut oder die Polizei nicht rechtzeitig auftaucht, dann müssen Linke sich im Ernstfall selbst wehren können – notfalls auch mit Gewalt.

Nichts vom alledem trifft aber auf die Angriffe auf drei rechte Journalisten am vergangenen Wochenende in Erfurt zu. Auf Videos, die in sozialen Medien geteilt werden, ist zu sehen, wie Reporter des rechten Portals Apollo News am Rande der Anti-AfD-Proteste von einer Gruppe von Demonstranten verfolgt werden. Erst werden sie bepöbelt, dann körperlich bedrängt – ein Bild zeigt schließlich, wie einem der Reporter gegen den Kopf getreten wird, bevor die Polizei einschreitet.

Es sollte nicht schwerfallen, diese Angriffe zu verurteilen. Wer eine öffentliche Veranstaltung dokumentiert und darüber berichtet, sollte dafür nicht attackiert werden, egal welche politischen Positionen er oder sie vertritt. Vonseiten des antifaschistischen Aktionsbündnisses Widersetzen hieß es dagegen über den Vorfall: „Faschist:innen mit Presseausweis sind immer noch Faschist:innen.“

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Nun kann – und sollte – man über die Scharnierfunktion von Portalen wie Apollo News zwischen bürgerlichem Konservatismus und rechtem Rand sprechen – das ist für den Fall aber irrelevant. Nicht einmal ein Presseausweis sollte nötig sein, um vor solchen Übergriffen verschont zu bleiben.

Zum Gesamtbild der Gewalt am Wochenende gehört allerdings auch die Polizeigewalt. Die Einsatzkräfte gingen mit Schmerzgriffen, Schlagstöcken und verstärkten Handschuhen gegen friedliche Blockierer vor. Das eine wie das andere zu benennen und anzuprangern, ist keine Relativierung und kein Whataboutismus. Es ist schlicht die konsequente Linie, die den zivilen Ungehorsam in Thüringen als das verteidigt, was er sein sollte: als friedliche Blockade und friedlichen Protest gegen die rechtsextreme AfD.

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Leon Holly

Leon Holly

Schreibt über gesellschaftliche Konflikte und internationale Politik, mit besonderem Fokus auf die USA und die Levante. Von 2023 bis 2024 Volontär der taz Panter Stiftung. Davor Studium der Politikwissenschaft und Nordamerikastudien in Berlin und Paris.
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6 Kommentare

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  • Da wo rechte Journalisten nicht sicher sind, sind bald auch andere Journalisten nicht sicher. Wer anderen die Grundrechte abspricht, wird am Ende genau zu dem was es zu bekämpfen gilt, als Demokrat, als Antifa, als anständiger Mensch.

  • Man kann Nietzsche gar nicht oft genug zitieren:



    "Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehn, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird. Und wenn Du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in Dich hinein."

  • „Faschist:innen mit Presseausweis sind immer noch Faschist:innen.“

    Mag sein. Ich sehe da zwar eher Rechtspopulisten und Libertäre, aber das spielt auch gar keine Rolle. Wer glaubt, sich selbst das Recht zu geben, aus dem Mob heraus Andersdenkende anzugreifen und am Boden liegend gegen den Kopf zu treten, begibt sich selbst in das Lager, wo er seine Gegner sieht.



    Ähnliche Relativierungen gabs auch nach dem Angriff auf das Heute Show Team. Um so wichtiger, dass der Artikel hier dahingehend auch mal klare Kante zeigt.

  • Verrückt, dass man das überhaupt nochmal klarstellen muss.

  • Die Erfurter Blockieraktion wird wohl eher durch ihre Wirkungslosigkeit erinnert werden. Aber auf Wirksamkeit zielende Blockadeaktionen werden auch gerne von Krawalltouristen aufgesucht, die rücksichtslos mit ihrer Gewalt mehr oder weniger Desavouierung der Demo als Ganzes bewirken können.

    Aktionsbündnisse sollten sich daher absolut deutlicher distanzieren von den Krawallmachern. Das ist absolut total essenziell, um nicht die 30000, die dezidiert zu gewaltlosem Widerstand angetreten waren, zu vergrätzen. Wenn die Aktion als gewaltfrei geplant und die TeilnehmerInnen mental darauf eingestellt worden sind, aber ein Grüppchen da drauf geschissen und ihr Gewaltding durchgezogen hat, ist das eineindeutig ein Solidaritätsbruch durch dieses Grüppchen.

  • Danke für die klaren Worte! Wenn wir mit den falschen Methoden kämpfen, schaden wir dem eigenen Anliegen. Der Zweck heiligt niemals die Mittel.