piwik no script img

„Volksbad“ der Volksbühne Verstörender Paternalismus

Kommentar von

Gunnar Hinck

Die Idee der Volksbühne, ihr Freibad nur für Schwarze Menschen zu öffnen, war verständlich, die Kritik daneben. Doch ein Beigeschmack bleibt.

A ls die Berliner Volksbühne in der vergangenen Woche ankündigte, ihr temporäres kleines Schwimmbad für einen Nachmittag exklusiv für Menschen mit schwarzer Hautfarbe zu öffnen, war das Drehbuch praktisch schon geschrieben. Es dauerte nicht lange, bis CDU-KommunalpolitikerInnen reichlich erwartbar und scheinheilig von „Diskriminierung“ sprachen – sie durften als Weiße nicht rein und fühlten sich angeblich ausgeschlossen. Und dass Alice Weidel ausgerechnet das Wort „Apartheid“ fallen ließ, hätte auch von einer kulturkämpferisch rechtsradikal gespeisten KI stammen können.

Aber auch die Reaktionen von links waren erwartbar: Natürlich war demnach jedwede Kritik am Konzept rassistisch, und eine rechtsradikale Hetzkampagne habe schließlich die „Safe-Space“-Aktion verhindert.

Doch man tritt Volksbühnen-Intendant Matthias Lilienthal nicht zu nahe mit der Vermutung, dass sein Haus die Eskalation mit einkalkuliert hat; beim identitätspolitischen Kulturkampf wissen beide Seiten, wo die Stöckchen sind, über die man vermeintlich springen muss. Was das Reiz-Reaktions-Schema leider an den Rand gedrängt hat, ist die berechtigte Kritik am verstörenden Paternalismus der Aktion: Weiße, akademisch geprägte Theaterleute wissen vermeintlich am besten, was für Minderheiten gut ist. Ob Schwarze Familien wirklich voller Vorfreude den Termin notiert haben, um wie auf dem Präsentierteller in einem kleinen Schwimmbad in der Berliner Innenstadt Runden zu drehen?

Das Logo der taz: Weißer Schriftzung t a z und weiße Tatze auf rotem Grund.
taz debatte

Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Solange Diskriminierung und Rassismus herrschen, ist es richtig, wenn benachteiligte Gruppen besondere Räume für sich haben. Doch sollten antirassistische AktivistInnen und AnhängerInnen der Identitätspolitik einmal über das Paradox nachdenken, dass mit der Betonung von „race“ zwar Sichtbarkeit erzeugt wird, gleichzeitig aber das universalistische Ideal, dass alle Menschen gleich sind und die Herkunft egal ist, in weite Ferne rückt.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Gunnar Hinck

ist Redakteur im taz-Ressort Meinung.
Mehr zum Thema

52 Kommentare

 / 
  • Cornelia Gliem

    Ja, mit der rechten hetze war zu rechnen. Und gerade DAS ist beschämend. Mussten so viele Berliner wirklich diesem Klischee folgen?

    Und ja: es hat schon ein bissl Geschmäckle wenn weiße Theaterleute für die schwarze Community was entscheiden...



    Ist es denn so, dass dieser Poc-Verein nicht einbezogen wurde im voraus?

    • Iguana

      @Cornelia Gliem:

      Als Links sollten wir wirklich anfangen, uns auf intelligentere Art und Weise mit Identitätspolitik & Diskriminierung auseinander zu setzen. Leider sehe ich das gerade auch in den Sozialwissenschaften Nachholbedarf.



      Ich kann mir kein Verständnis von "links" vorstellen, das sich nicht für die Rechte von diskriminierten Menschen einsetzt. Und ich sage diskriminierten Menschen nicht, wie sie damit umgehen sollen. Aber wenn einem die Rechte von diskriminierten Gruppen, deren Wohlergehen & eine gerechte Gesellschaft wichtig sind, sollte man sich schon auch fragen, wie das am besten erreicht wird & was die Folgen bestimmter Strategien sind. Weder sich von Rechten einschüchtern zu lassen noch möglichst sichtbar seine eigene progressive Haltung zu signalisieren, trägt langfristig etwas zur Verbesserung bei. Wir liefern uns seit Jahren einen Kulturkampf mit Rechten & springen auf alles an. Und im Hintergrund werden Reformen durchgesetzt, der Sozialstaat abgebaut, das Klima zerstört während wir über das Volksbad oder Danger Dan diskutieren. Das Leben von Trans- oder rassifizierten Menschen ist nicht fähig besser geworden, dass wir uns ins MAGA-Playbook reinziehen lassen.

  • Land of plenty

    ja, bedenkenswert. Mh.

  • White_Chocobo

    Es wurde dazu ja schon viel gesagt, aber ich habe mich entlang dieses gewünschten Safe-Spaces auch gefragt, wie das überhaupt realisiert werden sollte. Also, wenn das ein Ort für "Schwarze Communities" sein soll, ab wann ist ein:e Besucher:in denn "Schwarz", wer liest das? Ab wann ist eine Person aus dem PoC-Spektrum z.B. Schwarz genug oder eben nicht-mehr-Schwarz genug? Die bloße Selbstidentifikation kann hier ja nicht entscheidend sein, sondern die Lesart einer Autorität, die den rechtmäßigen Zutritt legitimiert.

    Daraus folgt dann aber auch, dass die Zugehörigkeit zu dieser Art der Community an Anerkennungsordnungen geknüpft ist, die ein paternalistisches Legitimierungsproblem haben, denn wenn du nicht anerkannt wird, weil du z.B. als 'mixed-Person' zu hell bist (was auch immer das konkret bedeuten mag), bist du eben trotzdem raus. Stuart Hall hat das alles prinzipiell schon in den 1980er Jahren durchgearbeitet (z.B. "Das verhängnisvolle Dreieck. Rasse, Ethnie, Nation").

  • Oma

    Sowohl die Aktion des Theaters als auch die Medienreaktion sind an den eigentlichen Problemen völlig vorbeigegangen. Ich gehe fast täglich schwimmen und treffe dabei jede Menge gut gelaunter PoCs an. Die werden da nicht ausgegrenzt. Was mir aber auffällt: die Mädchen gehen überhaupt nicht ins Wasser. Es sind nur die Jungs, die da rumtoben und die können auch nicht richtig schwimmen. Es ist eine völlig unbeholfene kraulähnliche Technik, bei der sie die Köpfe krampfhaft über dem Wasser halten und mit den Armen völlig ineffizient auf das Wasser einprügeln. Mehr als 4 oder 5 Meter schaffen sie nicht, danach sind sie völlig ausser Puste.



    Statt exklusiver Badetermine für PoC wäre tausendmal wichtiger verpflichtender Schwimmunterricht gemeinsam für Jungen und Mädchen, idealerweise in der Grundschule, mindestens ein halbes Jahr lang. Und die Übernahme von Schwimmkursgebühren für alle Empfänger von Transferleistungen, nicht nur PoC, sondern z.B. auch für allein erziehende Mütter. Im Schwimmbad nach Hautfarbe zu trennen, ist völliger Quatsch. Die Kinder sollen miteinander spielen und miteinander lernen.

  • Ureinwohner

    sehr einverstanden mit dem Kommentar

    so naiv wie die Volksbühne hier tut, kann man gar nicht sein

  • MarsiFuckinMoto

    Wenn ich als Veranstalter für ein Freibad schreibe „exklusiv für Schwarze Communities geöffnet“ und dann NICHT damit rechne, dass aus der rechten Ecke Gegenwind kommt, bzw. dies nicht konsequent von vornherein mit einplane: Dann sollte ich lieber den Job wechseln und zwar besser heute als morgen... Wie schon andere geschrieben haben: NIEMAND hätte etwas gesagt, wenn lediglich „heute exklusiv für Mitglieder des EOTO-Vereins geöffnet“ am Volksbad gestanden hätte. So aber war der Aufschrei vorprogrammiert und das wussten auch die Betreiber, bzw. Veranstalter. Genauso groß wäre der Aufschrei in der TAZ gewesen, wenn ein Schrebergartenverein ein Freibad für eine Privatveranstaltung bucht, dann aber statt des Vereinsnamens ein Hinweis steht „Heute nur für Weiße“ (und das dann natürlich ohne die Vereinsmitglieder selber zu fragen ob man das genau SO kommunizieren soll). Was für ein Bullshit...

  • Stefan Haker

    Wenn es so wäre, das die „Eskalation einkalkuliert“ wurde, nur um angebliche Rassisten vorzuführen, wäre das schon eine besondere Form von Erbärmlichkeit, dies durch eine Instrumentalisierung von Kindern,Jugendlichen und einem Verein für das Empowering von afrikanisch-stämmigen Menschen zu tun.

    „Afrikanisch-stämmige Menschen“ ist im übrigen eine Selbstzeichnung der Vereins EOTO auf ihre Webseite.

  • Jürgen Klute

    Ich sehe vor allem darin ein Problem, dass Menschen, denen das Angebot galt, die Erfahrung machen mussten, dass die Berliner/deutsche Gesellschaft nicht willens und nicht fähig war, ihre vom Grundgesetze garantierten Rechte durchzusetzen und für deren Sicherheit zu sorgen.

    • Iguana

      @Jürgen Klute:

      Ein Recht auf exklusive Schwimmterlebnisse gibt es nicht und inwieweit die Sicherheit bedroht war oder die Menschen "nur" mit Anfeindungen rechnen müssten ist auch nicht klar. Das macht es ganz sicher nicht okay. Aber ich habe durchaus den Eindruck, dass Berliner Unis immer wieder angebliche Sicherheitsbedenken vorschieben, um Kritiker zu diskreditieren. Da werden dann Veranstaltungen abgesagt, weil es im Vorfeld Proteste gab oder die Polizei wird gerufen, um harmlose Proteste aufzulösen - jedesmal mit maximaler medialer Präsenz, um gerade linke Kritik als radikal, undemokratisch oder gewalttätig darzustellen (und um PR-Problemen vorzubeugen). Die Aktion des Theaters und die Kommunikation drumherum erschien mir sehr öffentlichkeitswirksam. Da wirkt eine Absage wie "Wir können die Sicherheit nicht gewährleisten: ein rechter Mob könnte auftauchen" besser als "Unsere Kommunikation hat zwar die erwünschte Aufmerksamkeit erzeugt, aber es könnte sein, dass dafür Kinder angefeindet werden."



      Das ändert nichts daran, dass die Kritik an der Aktion daneben ist & es für die Community schlimm ist. Aber man sollte sich auch an der Volksbühne reflektieren.

  • Axotono

    Das ist doch kein Paradox, dass der Universalismus von vielen Vertretern identitärer Symbolpolitik abgelehnt wird, sondern systematisch. Im schlimmsten Fall wird er doch ganz "antikolonial" als Produkt westlich-weißen Denkens völlig abgelehnt und soll durch angeblich "reine bzw authentische" Tribalismen und (völkische) Partikularinteressen ersetzt werden.

  • Klabauta

    Wir sollten zur Kenntnis nehmen, dass "Allyship" ein Feld voller Fallstricke ist. Nicht alles, was gut gemeint ist, ist gut gemacht. Mehr dazu in Emma Dabiris Buch "Was weiße Menschen jetzt tun können".

    Trotzdem möchte ich dem Autor widersprechen, wenn er abschließend schreibt:

    "Doch sollten antirassistische AktivistInnen und AnhängerInnen der Identitätspolitik einmal über das Paradox nachdenken, dass mit der Betonung von „race“ zwar Sichtbarkeit erzeugt wird, gleichzeitig aber das universalistische Ideal, dass alle Menschen gleich sind und die Herkunft egal ist, in weite Ferne rückt."

    Solange Hautfarbe und Herkunft eben nicht egal sind, muss man sie thematisieren. Allein das universalistische Ideal von Gleichheit aller Menschen bleibt ein frommer Wunsch, wenn man nicht daran Arbeitet, sie herzustellen. Über das *Wie* lässt sich streiten, über das *Ob* aber nicht.

    • Encantado

      @Klabauta:

      "Solange Hautfarbe und Herkunft eben nicht egal sind, muss man sie thematisieren."



      Da sind wir dann bei der Frage des 'Wie' angelangt, die - anders als Streit um Grundsätzlichkeiten - auch konstruktiven Meinungsaustausch gestattet.



      Grundsätzlich würde ich dazu meinen, dass ein Vorhaben, Unrecht durch Unrecht auszugleichen, ein Irrweg ist.

  • Volker Racho

    Wie ich schon unter einem anderen Artikel schrieb:



    Den Verein einzuladen und die Veranstaltung als " "Exklusiv für schwarze Communities" reserviert anzukündigen spricht vor allem für das Geltungs- und Sendungsbedürfnis der Volksbühne, für das schwarze Menschen dann mehr oder weniger instrumentalisiert wurden. Ich stimme dem Artikel also zu, das es nahe liegt, das zumindest ein bisschen Aufregung auch einkalkuliert war.

    Ein kurzer Blick in die Programmvorschau auf der Website zeigt ein Beispiel für eine "normale" Vereinsbuchung:

    VOLKSBAD x GANGWAY



    Das VOLKSBAD ist heute für die GANGWAY-Crew reserviert.

    Keine Ahnung wer die Leute von Gangway sind, aber ich wünsche ihnen viel Spaß. Hätte die EOTO Buchung genauso ausgesehen hätte kaum ein Hahn danach gekräht, auch weil die ganzen rechten Schneeflöckchen die davon getriggert waren wahrscheinlich nicht mal gewusst hätten wer oder was EOTO ist.

  • Khani

    Dieser Meinungsbeitrag von Herrn Hinck ist viel zu kurz und daher auch unpräzise.

    Aber ich finde es auch bedenklich, wenn das Volksbad verkündet nur Schwarze haben Zutritt, so sollen sie es wohl am Anfang dargestellt haben. Auch wenn sich dann alles anders darstellt bei genauer Betrachtung, worauf der Autor hier leider gar nicht eingeht, verrät das etwas über die Haltung der Betreiber bzw. derjenigen, die das so öffentlich geschrieben haben: Sie spielen das schwarz-weiß-Spiel mit und zwei Sätze im Artikel von Herrn Hinck passen dann meines Erachtens gut:

    "Ob Schwarze Familien wirklich voller Vorfreude den Termin notiert haben, um wie auf dem Präsentierteller in einem kleinen Schwimmbad in der Berliner Innenstadt Runden zu drehen?"

    "Doch sollten antirassistische AktivistInnen und AnhängerInnen der Identitätspolitik einmal über das Paradox nachdenken, dass mit der Betonung von „race“ zwar Sichtbarkeit erzeugt wird, gleichzeitig aber das universalistische Ideal, dass alle Menschen gleich sind und die Herkunft egal ist, in weite Ferne rückt."

  • hedele

    Wenn ich diesen Vorwurf zuspitzen darf, dann lautet er, dass Lilienthal das Volksbad als Volksbühne missbraucht hat und fast kindlich naiv von der Rampe heruntergefragt hat: "Warum seid Ihr so?" -



    Woraufhin ein Sturm der Entrüstung im Publikum ausbricht, das ihm mit Schaum vor dem Mund vorwirft, diese Frage wäre ja wohl völlig unerlaubt und eine Frechheit!



    Das wiederum ist nun doch schon ein wenig komisch im Loriot'schen Sinn. Wenn es nicht so traurig wäre möchte man fast schmunzeln.

    • Deep South

      @hedele:

      Das kann und wird höchstwahrscheinlich auch genau so gewesen sein. Schließlich war Lilienthal mit Schlingensief befreundet und hat zum Beipsiel an dessen berühmter Container Aktion mitgewirkt, die ja in die gleiche Kerbe schlägt.



      Das Hauptproblem an dieser Nummer hier ist, dass die "schwarze Community" und ziemlich sicher auch der EOTO e.V. vorher gar nicht gefragt wurden, ob sie Teil dieser Inszenierung eines - um mal im Duktus der identitätspolitischen Linken zu bleiben- "alten, weißen Mannes" sein wollen. Kann man drüber schmunzeln, aber auch mal drüber nachdenken.

  • Yoriko N.

    Ganz ohne Schuld darf die linke Seite ja auch nicht sein. Sie hat den Klimawandel offenbar nicht richtig erklärt – also gehen die ausbleibenden Maßnahmen auf ihre Kappe. Eine überzeugende Alternative zur AfD habe sie auch nicht geboten und damit deren Aufstieg mitverursacht. Und jetzt ist sie auch noch schuld am Rassismus, weil die Volksbühne etwas geplant hat?

    Dass fossile Lobbygruppen, rechte und faschistoide Kreise sowie Rassistinnen und Rassisten – unterstützt durch die Stimmungsmache von Bild, Nius, der AfD und Teilen der Union – Verantwortung tragen könnten? Schwamm drüber. Hauptsache, man nutzt die Gelegenheit noch einmal für ein ordentliches Bashing der linken Seite.

    Und wenn es dafür einer Annahme bedarf, wird diese kurzerhand als Tatsache behandelt. Ich glaube nicht, dass die Volksbühne mit einer solchen Bedrohungslage gerechnet hat oder gar bewusst mit ihr gespielt hat. Aber für den Autor scheint diese Unterstellung interessanter zu sein als die eigentlichen Täter und die Motive hinter den Drohungen. Statt über Rassismus, Einschüchterung und diejenigen zu sprechen, die ein solches Klima befördern, wird die Verantwortung verschoben.

    • Bmit

      @Yoriko N.:

      In dem Fall ist die Linke zu 100% Schuld.



      Ein privater Verein wollte eine geschlossene Gesellschaft veranstalten. Zutritt wird über den Verein organisiert der seine eigenen Kriterien anlegt. Der Verein ist ein Verein zur Unterstützung der Schwarzen Gemeinde. Es dürfte sogar für die AfD schwer fallen sein dagegen Empörung auszulösen.

      Und dann kommt die Volksbühne und veröffentlicht aus eigener Initiative eine Pressemitteilung die einen falschen Eindruck vermittelt und garantiert eine breite negative Reaktion hervorruft. Rassentrennung ist Rassentrennung, es gibt keine gute Variante davon.

      Am Ende wird die Veranstaltung abgesagt. Gewinner sind die Volksbühne die sich in linken Zirkeln feiern lassen kann, Gewinner ist die Rechte die ein neues Thema für den Kulturkampf auf dem Silbertablett serviert bekommt. Verlierer ist die schwarze Gemeinde die ihren Termin verloren hat, deren Mitglieder bedroht werden, und die zum politischen Streitthema gemacht wird.

    • Suryo

      @Yoriko N.:

      Ich lese das eher als Zuweisung einer geteilten Verantwortung. Wie der Kommentar schon sagt: beide Seiten wissen, über welche Stöckchen sie springen sollen. Meinen Sie wirklich, die Volksbühne hätte absolut nicht mit dieser Reaktion gerechnet?

      Dann frage ich mich ehrlich, was so eine Naivität eigentlich für den politisch-linken Anspruch dieses Hauses bedeutet.

    • Martin Sauer

      @Yoriko N.:

      Man hätte auf das Schild am Schwimbad schreiben können von 13 - 18 Uhr Vereinsschwimen. Die Anmeldung lief über einen Verein schwarzer Menschen. Nein das Theater schreibt auf das Schild am Bad "nur für schwarze Menschen". Man wusste ganz genau das das Widerstand gibt. Und was macht der Theater Direktor gibt 3 Tage Interviews an Zeitungen Zeitschriften und TV. Hängt ein Schild auf "Fickt euch". Das Theater hat jetzt kostenlose PR.

      Die Verlierer sind die schwarzen Jugendlichen und Kinder, die mussten jetzt den ganzen widerlichen Hass über sich ergehen lassen, und das Theater ist demnächst gut ausverkauft.

      Welchen Vorteil hat denn das Theater den Jugendlichen geschaffen. Ein Safe Space? Nein noch mehr Hetze.Selbst wenn die Veranstaltung stattgefunden hätte, hätte sich dort die Presse und Schaulustige versammelt. was für ein Safe Space wer das gewesen, man hätte die Kinder wie im Zoo betrachtet, und fotografiert. Auch hier hätte das Theater eine gute PR gehabt.

      Da können Sie Nius, Bild oder die AfD noch so viel und mit Recht kritisieren wie sie wollen, die Leidtragenden sind die dunkelhäutigen Kinder.

      Ich hoffe das die Aktion ohne jeder PR in komunalen Hallenbädern durchgeführt

      • Andreas J

        @Martin Sauer:

        "Nur für schwarze Menschen" wurde nicht geschrieben, sondern " „exklusiv für Schwarze Communities geöffnet“.

        • Encantado

          @Andreas J:

          ""Nur für schwarze Menschen" wurde nicht geschrieben, sondern " „exklusiv für Schwarze Communities geöffnet“."



          Ich bin ja sprachlich nicht so feinsinnig. Wo genau liegt der Unterschied?

          • Gruphus

            @Encantado:

            gehören auch Sympathisanten oder Unterstützer zur Community? Was ist mit weissen Partnern schwarzer Menschen? Wie ist diesbezüglich die Praxis bei EOTO?



            eine Bitte an die Mehrzahl der Diskutanden hier: Bitte mehr Recherche, bevor ihr einen Standpunkt besetzt, den ihr dann krampfhaft verteidigen 'müsst'!

    • rero

      @Yoriko N.:

      Das Letzte, was Sie in der Taz finden, dürfte pauschales Linkenbashing sein.

      Es geht nicht um das, was Sie oder Ich glauben oder nicht glauben.

      Interessant ist, wie die Volksbühne kommuniziert hat.

      Aus welchen Gründen kommuniziert man so?

      Da liegt die Annahme, dass der Eclat ein Stück weit beabsichtigt war, nahe.

      Man hätte es nämlich auch anders kommunizieren können.

      Nur hätte die Volksbühne dann nicht diese Aufmerksamkeit bekommen.

      • Yoriko N.

        @rero:

        Genau hier liegt für mich der entscheidende Punkt: Sie schreiben selbst von einer „Annahme“ und davon, dass etwas „nahe liegt“. Das ist als Interpretation legitim – aber daraus wird noch lange keine Tatsache und schon gar kein Beleg für eine bewusst herbeigeführte Provokation.

        Problematisch wird es, wenn aus einer möglichen Interpretation eine Schuldzuweisung entsteht. Der Effekt dieser Behauptung ist offensichtlich: Die Verantwortung wird nach links verschoben. Statt über Rassismus, Drohungen und diejenigen zu sprechen, die ein solches Klima schaffen, wird darüber diskutiert, ob die Volksbühne die Reaktion nicht selbst provoziert habe.

        Ich hatte geglaubt und gehofft, dass wir als Gesellschaft in Fragen von Diversität und Teilhabe weiter wären. Umso mehr entsetzt es mich, dass dieser Entwicklung nicht gemeinsam und entschlossen entgegengetreten wird. Stattdessen sucht man bei der linken Seite eine Mitschuld, die es in diesem Fall für mich nicht gibt. Und selbst wenn es eine Provokation gewesen wäre:

        Dieser Rassismus ist unerträglich!

        Weniger Bild, mehr Realität – nicht nur in dieser Debatte.

        • Lowandorder

          @Yoriko N.:

          Liegt in der Wortwahl / hm?!



          🤖Schwarze Communities in Deutschland sind vielfältige, engagierte Zusammenschlüsse von Schwarzen, afrikanischen und afrodiasporischen Menschen. Sie bieten geschützte Räume für den Austausch, stärken das gegenseitige Empowerment und setzen sich aktiv gegen antischwarzen Rassismus sowie für gesellschaftliche Teilhabe ein.“



          Get it? Fein



          Mit letzterem sind Vereinigungen gemeint.



          Schwarze Menschen können gemäß zB Vereinsrecht beliebig Vereinigungen bilden.

        • Suryo

          @Yoriko N.:

          Kein Mensch hätte irgendwas gesagt, wenn das Bad einfach nur ein paar Stunden für die Öffentlichkeit geschlossen und von einem den allermeisten bislang sicherlich völlig unbekannten Verein genutzt worden wäre. Aber die Volksbühne musste eben groß tönen, dass sie einen Safe Space exklusiv für Schwarze aufmache. Sorry, aber so widerlich der rassistische Shitstorm auch ist: die Volksbühne wusste genau, dass er kommen würde.

          Man kann es auch ganz hart ausdrücken: Die Volksbühne hat Kinder und Jugendliche missbraucht, um sich ins Gespräch zu bringen.

  • Herma Huhn

    Hat jetzt auch die linke Seite vergessen, dass es sich um eine Vereinsveranstaltung gehandelt hätte, die von schwarzen Menschen für schwarze Menschen organisiert wurde? Ist es jetzt schon paternalistisch, wenn weiße Menschen ihr ok geben, wenn schwarze Menschen selbst etwas organisieren???

    • Suryo

      @Herma Huhn:

      Warum hat man dann nicht einfach gesagt, dass das Schwimmbecken am betreffenden Tag nicht für die Öffentlichkeit zugänglich ist, sondern dort eine geschlossene Veranstaltung stattfindet? Wozu überhaupt Race thematisieren?

      Tatsache ist doch, dass sich die Volksbühne damit schmücken wollte, einen "Safer space" für Schwarze zur Verfügung zu stellen. Was denn sonst?

    • DiMa

      @Herma Huhn:

      Die Veranstaltung "Schwimmbad" ist vom Land Berlin als Träger organisiert. Die Intendanz der Volksbühne hatte in einer Pressemitteilung mitgeteilt, dass das vom Land Berlin betriebene Bad zeitweise nur von Menschen mit bestimmter Hautfarbe zu nutzen sei.

    • Gunnar Hinck , Autor des Artikels,

      @Herma Huhn:

      Na ja. Die Volksbühne hat dem Verein das Schwimmbad überlassen. Ohne diesen bewussten Schritt des "Hausherrn" wäre die Aktion ja nicht möglich gewesen, insofern standen am Anfang schon Intendant Lilienthal und seine Leute von der Volksbühne. Das meinte ich mit Paternalismus. Übrigens wurde das mit der geschlossenen Veranstaltung vom Theater am Anfang nicht so kommuniziert. MfG Gunnar Hinck aus der taz

      • Volker Maerz

        @Gunnar Hinck:

        Dann hätte man diesen einen Verein ablehnen sollen? Ich bitte um eine wohlüberlegte Begründung. Danke!

        • Deep South

          @Volker Maerz:

          Dafür brauchs gar keine Begündung, weil deie Schlussfolgerung einfach falsch ist. Warum hätte man denn den Verein ablehnen sollen? Die Zeit war für den EOTO e.V. reserviert und keiner hätte sich dran gestört. Der Eklat ist dadurch entstanden, dass die Theaterbühne der Meinung war, diesen Termin als exklusiv für "die schwarze Community" anzukündigen und damit diesen "Safe Space" zu einem öffentlich Akt des Kulturkampfes auf der Theaterbühne zu machen. Der rechte Shitstorm war so häßlich wie vorhersehbar, vor allem für einen Theaterintendanten, der das Projekt Volksbad als "Labor zum Ausprobieren urbanen Lebensraums" bezeichnet.

      • hedele

        @Gunnar Hinck:

        Es wird doch umgekehrt ein Schuh daraus. Niemand hätte sich aufgeregt, wenn das Bad "paternalistisch" für zwei Stunden der Seniorensängerschar Lichtenfelde überlassen worden wäre. Aber bei Each One Teaches One wird es plötzlich zum Riesenproblem. WARUM?

        • Suryo

          @hedele:

          Niemand hätte eine geschlossene Veranstaltung für Senioren irgendwie groß bekanntgegeben und verkündet, damit einen Safe Space einzurichten

        • Maja Kero

          @hedele:

          Weil die ursprüngliche Ankündigung auf der Website der Volksbühne hieß, dass nur Mitglieder der schwarzen Community Zutritt haben.

          Somit handelte es sich nicht nur um Vereinsmitglieder. Dass dies nachträglich geändert wurde, ändert nichts an dem Fakt, dass die Aktion ursprünglich so geplant war.

    • Müller Christian

      @Herma Huhn:

      Na ja, wenn weiße Menschen was für weiße Menschen organisieren, was ist das denn dann? Darf, oder besser, muss man das mit Sorge betrachten. Ich kann die Schei.. nicht mehr hören. Können wir nicht mal alle was zusammen machen, anstatt zu selektieren? Das wäre mein Traum.

      • Andreas J

        @Müller Christian:

        Die meisten Veranstaltungen sind für alle. Aber Rassismus ist nun mal Teil unserer Gesellschaft und er nimmt besorgniserregend zu. Was spricht dagegen schwarzen Kindern und Jugendlichen für sechs Stunden einen geschützten Raum zu bieten? Jene die nun schreien, instrumentalisieren das ganze nur um ihren eigenen Rassismus zu relativieren.

        • Müller Christian

          @Andreas J:

          Was dagegen spricht ist offensichtlich. Die Aktion hat niemanden geholfen, polarisiert und nun wirklich nichts positives gebracht. Aber gehen wir vom Gegenteil aus: die Aktion wäre unbemerkt von der Öffentlichkeit durchgeführt worden. Die Kinder hätten ein Badetag gehabt, und das wars. Schön für die Kids, aber null Impact. Wenn man bösartig sein möchte, kann man auch sagen, dass der Verein für die Profilierung der Volksbühne bzw. des Indentaten geopfert wurde. Denn der Verein hatte nun gar nix davon. Zumindest ist mir nix bekannt.

  • Nesliyah Love

    Debatt - ja bitte. Aber sich dann auch die Mühe machen, zu recherchieren, was geplant war. Geplant war mitnichten, dass "(w)eiße, akademisch geprägte Theaterleute" die wissen "vermeintlich am besten" wissen, "was für Minderheiten gut ist", irgendwelchen "Schwarze(n) Familien" anboten, das Bad exklusiv zu nutzen.



    "Die Kinder- und Jugendabteilung von Each One Teach One (EOTO) e. V. wurde von der Berliner Volksbühne eingeladen, am morgigen Freitag, 14.8. von 12-18 Uhr das »Volksbad« für eine geschlossene Veranstaltung zu nutzen, was im Einklang mit dem Volksbühnen Gesamtkonzept des Volksbad steht, und so im Vorfeld auch öffentlich als positive Maßnahme für die diverse Berliner Stadtgesellschaft kommuniziert worden war." (eoto-archiv.de/).

    • Mendou

      @Nesliyah Love:

      In der Ankündigung der Volksbühne stand ursprünglich „In diesem Zeitraum ist das Volksbad exklusiv für schwarze Communitys geöffnet.“ Anmeldungen über Eota. Das wurde erst nach der Kritik zu „Das Volksbad ist heute für Each One Teach One (EOTO) e. V. reserviert.“ geändert und damit zur Vereinsveranstaltung.

    • Gunnar Hinck , Autor des Artikels,

      @Nesliyah Love:

      Hallo, siehe oben meine Antwort an Herma Huhn. MfG Gunnar Hinck

  • KnorkeM

    So wie ich das verstanden habe, war an dem Tag dort eine Veranstaltung von einem Verein und man konnte sich auf der Vereinsseite dazu anmelden.



    Der Verein setzt sich für die "Interessen Schwarzer, afrikanischer und afrodiasporischer Menschen" ein.



    Das nichtschwarze Menschen explizit ausgeschlossen wurden, scheint eine leere Behauptung zu sein.

    Darüber hinaus ist der Autor mit seinem Halbwissen über Inklusion auf dem Holzweg. Siehe Link:

    www.inklusion-onli...d/413/317?inline=1

    • gyakusou

      @KnorkeM:

      Das ist keine leere Behauptung. Das hat das Theater am Anfang genauso kommuniziert, dass in diesem Zeitraum das Volksbad exklusiv für schwarze Communities geöffnet. "Wir bitten diese kollektive Selbstbezeichung (...) zu respektieren."

  • DiMa

    Weshalb sollte die Kritik daneben gewesen sein. Das Land Berlin ist Träger des Volksbades. Es gilt unmittelbar das Grundgesetz und danach sind Differenzierungen nach der Hautfarbe halt unzulässig. So auch vollkommen zu Recht der amtierende Kultursenator.

    Besondere Vorteile sind nach dem GG halt nur für Frauen zulässig. Nicht mehr und nicht weniger.

    • Herma Huhn

      @DiMa:

      Die besonderen Vorteile nach Hautfarbe hat die Bildzeitung erfunden.



      Es ist ein Verein, der sich für schwarze menschen einsetzt, der übrigens auch überwiegend von schwarzen menschen geführt wird, der hier eine geschlossene Veranstaltung für die eigenen Mitglieder anbieten wollte. Dass es sich dabei nur um schwarze Menschen handelt, hat nie jemand nachgeprüft und liegt wenn, dann nicht an deren Satzung, sondern daran, dass die Interessensgebiete des Vereins wohl nur von denen geteilt werden, die aufgrund ihrer Hautfarbe entsprechende Einblicke in echte Diskriminierung haben.

      • DiMa

        @Herma Huhn:

        Die besonderen Vorteile nach der Hautfarbe hat nicht die Bild erfunden, sondern gehen zurück auf eine Pressemitteilung des Theaters, welches vom Land betrieben wird. Dabei hat das landesbetriebene Theater nicht darauf geachtet, ob der Verein auf die Hautfarbe achtet oder nicht.

        Bedauerlicherweise hat sich die Intendanz für die ursprüngliche Darstellung nie entschuldigt und somit den Verein so richtig ins mediale Kreuzfeuer gestellt.

        Gut gemeint ist halt nicht gut gemacht.

  • Offebacher

    Endlich wieder ein taz-Artikel zu einem kontroversen Thema, dem ich voll zustimmen kann.

  • Kriebs

    Wahnsinn ist, dass die linke ihren universalistischen Ansatz offenbar vollständig aufgegeben hat. Anders lässt sich wohl kaum erklären, dass es die linke ist, die flammende Plädoyers für die Rassentrennung hält.

    Denn auch unter dem schönen Begriff „Safe Spaces“ bleibt Rassentrennung nun mal Rassentrennung.

    Mit der Schaffung von ausgewiesenen „Schutzzonen“ für Blacks and Coloured (sog. „Homelands“) hat eben ausgerechnet das Apartheids-Regime die Rassentrennung begründet. Argumentativ befindet sich die Linke hier tatsächlich auf Südafrikas Spuren. Vom deutschen Hang zu beschönigenden Begriffen für Grausamkeiten Mail ganz abgesehen.

    • Ruhig bleiben

      @Kriebs:

      Bitte recherchieren, was ein Safespace ist und sich dann mit dem Konzept der Rassentrennung beschäftigen, bevor man solch unglaublicen Unsinn herausposaunt. Dankeschön.

    • Pflasterstrand

      @Kriebs:

      Dein Vergleich ist grotesk. Er würde nur Sinn machen, wenn Rassismus keine Geschichte hätte und sich Ursprünge, Ursachen, Wirkungen und Konsequenzen einfach beliebig austauschen ließen. Dann würden sich allerdings Sinnfragen als solche in Gänze erledigt haben.

      Eine genozidale Politik der Apartheid unter Verwendung bewusst irreführender und die wahren Motive verschleiernder Bezeichnungen ist einfach so ganz und gar etwas anderes, als ein 2-Stunden-Slot exklusiv für Schwarze Menschen im Freibecken, dass einem die Haare zu Berge stehen, wenn man so einen Quatsch liest. Wenn auch vermutlich ohne Absicht: Das stößt ins selbe Horn wie Alice Weidel und bedient ähnlich manichäische und einfältige Weltbilder…