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Abschaffung der DemokratieWas ist Faschismus?

Faschistische Bewegungen leben von einem Nebel unterschwelliger Einstellungen, einem Kult der Härte und einer Freude an der Gemeinheit.

Faschisten muss man nicht wörtlich, aber ernst nehmen: Protest gegen die Gründung des Berliner Jugendverbands der AfD am 07.02.2026 Foto: Florian Boillot

D ie USA, das Trump-Regime, ICE und die Maga-Irren – ist das schon Faschismus? Sind auch die rabiaten Rechtsparteien in Europa faschistisch, die sich jedenfalls teilweise vom Rechtspopulismus über den Rechtsextremismus immer weiter radikalisieren? Die Frage wird von immer mehr Forschern mit Ja beantwortet. Die flott und vorschnell vorgetragene Gegenmeinung lautet, dass Demokratie und Rechtsstaat ja nicht ausgeschaltet seien, noch nicht einmal in den USA und schon gar nicht in Europa, wo die meisten der beanstandeten Parteien ja in der Opposition oder irgendwelchen Koalitionen sind.

Das ist natürlich ein äußerst dünnes Argument, da alle Faschisten der Weltgeschichte in der Demokratie operierten, bis sie sie abgeschafft haben. Dass ein Faschist in der Opposition kein Faschist ist, wäre eine krause These.

Die Abschaffung von Demokratie, Pluralismus, Menschenrechten und Rechtsstaat geht auch nicht schlagartig vor sich, sondern war in allen historischen Phasen ein mehr oder weniger schleichender Prozess, sogar in Nazideutschland, für das der vertriebene Jurist Ernst Fraenkel in einer legendären Studie den Begriff des „Doppelstaates“ prägte. Noch weit in die späten dreißiger Jahre war der Rechtsstaat durch die Diktatur nicht vollends zertrümmert. Gesetzlosigkeit und Willkür und Rechtsstaat bestanden nebeneinander. Gerichtsentscheidungen, die den Nazis nicht passten, konnten bloß nicht mehr durchgesetzt werden. Denn die Richter haben keine Militärs, die sie losschicken können, die Macht dagegen hat ihre Gestapo, SA, SS, ICE usw.

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Es ist also zu billig, den Begriff des Faschismus nur für den totalitären Endausbau eines Terrorregimes zu gebrauchen, aber nicht für die Schritte, die zu ihm führen. Faschismus beginnt nicht mit Auschwitz, er endet damit.

Faschismus beginnt nicht mit Auschwitz, er endet damit

Nicht nur der Faschismus, auch die Faschisten selbst sind gar nicht so leicht zu definieren. Faschistische Bewegungen zeichnen sich durch eine Reihe von Charakteristika aus: Führerkult, paranoide Weltbilder, die permanent geschürt werden, ein absolutes Schwarz-Weiß-Denken, antagonistische Feindbilder, vor allem von Minderheiten, aber auch gegen innere Feinde. Aggression, die unablässig aufgepeitscht wird. Maximale negative Emotionalisierung, um eine Anhängerschaft in eine erregte und wütende Masse zu verwandeln. Die Anhängerschaft wird zur Bewegung erklärt und die Partei zur „Antipartei“, die gegen die „Systemparteien“ steht.

Ein Großteil dieser Charakteristika wird von den rechtsextremen Bewegungen in ihrer Spirale der Selbstradikalisierung zweifelsfrei erfüllt.

Über diese Charakteristika hinaus wird es schwierig, da der Faschismus keine eigene Doktrin hat, wenn man vom (Ethno-)Nationalismus absieht. Der Kollege Robert Pausch hat eben in der Zeit darauf hingewiesen: „Rechte können zugleich Antisemiten und Israelfreunde sein, zugleich Pazifisten und Militaristen, zugleich neoliberal und sozialistisch. Während die Linken permanent unter Scheinheiligkeitsverdacht stehen, hatten die Rechten dieses Problem bislang nicht. Eben weil Konsistenz für sie offenkundig keine Kategorie zu sein schien – und sie auch nie daran gemessen wurden.“

Gegenwärtig schlagen die Ultrarechten, weitgehend unbemerkt von der größeren Öffentlichkeit, wechselseitig aufeinander ein: Die einen sind plötzlich Amerika-Fans und träumen von einer imperialen „Großraumordnung“ im Sinne ihres Idols Carl Schmitt, die anderen können vom hergebrachten rechten Antiamerikanismus nicht so schnell desertieren und umschalten, und dass Deutschland außerdem ein kolonisierter Satrape irgendeiner Hegemoniemacht sein soll, bringen sie mit nationalistischer Gigantomanie auch nicht so leicht unter einen Hut.

Die krassen Inkonsistenzen des Faschismus sind aber gar nicht dessen Schwäche. Etwaige Empfehlungen, auf diese Widersprüche den Finger zu legen, gehen womöglich an der Sache vorbei.

Denn eines ist, sowohl historisch als auch gegenwärtig, das eigentlich Interessante: Dass Faschismus ohne klare Doktrin und ohne fixe Prinzipien auskommt, war immer die Stärke des Faschismus und erklärt teilweise sogar seinen Erfolg. Er operiert geschmeidig unter sich wandelnden Umständen und ist, wie das der US-Faschismusforscher Robert O. Paxton einmal in unübertroffener Eleganz formulierte, ein „Nebel von unterschwelligen Einstellungen“. Eine Stimmung, eine Haltung, die wiederum von Stimmungen genährt wird, die ihr günstig ist. Kult der Härte, Freude an der Gemeinheit und dem Fiesen, der Sadismus und das Herumgeopfer derer, die sich stets zu kurz gekommen fühlen, destruktive Fantasien und die Ausmalung allerlei Grausamkeiten, die man jenen antun möchte, die man für die eigene Unbill verantwortlich macht.

Das ist das Grundrauschen, über dem sich dann jede Meinung zu jedem beliebigen Problem erheben kann – oder auch die Gegenmeinung. Kein einziger Denker, so Paxton, hat je ein philosophisches System des Faschismus entwickelt. Er benötigt es nicht, weil er von „mobilisierenden Leidenschaften“ getragen ist.

Das Theatralische des Faschismus, das Posenhafte von Anführern und Agitatoren hat darin ihre Ursache: Sie können jede Meinung einnehmen, die gerade beim Publikum den größten Erfolg verspricht, solange sie diese mit der faschistischen Emotionalität zu verweben vermögen. Sie sind daher, mehr noch als normale Politiker, Schauspieler des Politischen. Sie können problemlos heute dies, morgen das Gegenteil sagen, und grinsen dabei noch höhnisch ob ihrer altväterlichen Gegner, für die innere Konsistenz wichtiger ist als für sie.

Deswegen auch die Dichte der exzentrischen Showmänner im faschistischen Führungspersonal von Geschichte und Gegenwart. Noch der verbreitete Irrtum, die Faschisten zu unterschätzen, mag darin seine Ursache haben, da man ihnen ansieht, dass sie das, was sie sagen, ja oft nicht ernst nehmen und selbst wissen, dass es haarsträubender Unsinn ist. Aber das ist ein gefährlicher Fehler, denn die Bösartigkeit ist echt, nur die Opfer sind austauschbar, je nachdem, wer gerade am besten passt. Man muss sie ernst, aber nicht wörtlich nehmen.

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Robert Misik
Geboren 1966, lebt und arbeitet in Wien. Journalist, Sachbuchautor, Ausstellungskurator, Theatermacher, Universaldilettant. taz-Kolumnist am Wochenende ("Der rote Faden"), als loser Autor der taz schon irgendwie ein Urgestein. Schreibt seit 1992 immer wieder für das Blatt. Buchveröffentlichungen wie "Genial dagegen", "Marx für Eilige" usw. Jüngste Veröffentlichungen: "Liebe in Zeiten des Kapitalismus" (2018) und zuletzt "Herrschaft der Niedertracht" (2019). Österreichischer Staatspreis für Kulturpublizistik 2009, Preis der John Maynard Keynes Gesellschaft für Wirtschaftspublizistik 2019.
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147 Kommentare

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  • "Rechte können zugleich [...] Israelfreunde [...] Pazifisten [...] und sozialistisch."

    Mir stellen sich da ein paar Fragen. Was macht das rechtsextreme oder rechtspopulistische in diesem "Linkssein" aus? Wodurch unterscheidet sich Linkspopulismus von Rechtspopulismus? Können Rechtspopulisten auf die Vorarbeit von Linkspopulisten aufbauen? Wie macht sich Linkspopulismus mitschuldig am Aufstieg des Rechtspopulismus..

    • @Prinz Leonce vom Königreiche Popo:

      Sie können beweisen, dass es in Deutschland Linkspopulismus gibt?

    • @Prinz Leonce vom Königreiche Popo:

      Um diese Fragen beantworten zu können, muß man überhaupt erstmal "Links" und "Rechts" und "Populismus" definieren. Das Problem: Es gibt zwar diverse Definitionen, aber keine ist allgemeinverbindlich anerkannt.

  • Zweiter Beitrag:

    Es ist verständlich, dass die geeinten Demokraten einen Begriff für ihren Gegner suchen, den sie teilen und skandalisieren. Ob "Faschismus" das erreicht wird sich zeigen. Ich finde ihn wegen seiner Gehaltvollheit die ja auch im Artikel herausgearbeitet wird sowohl geeignet als auch ungeeignet. Man wird sehen ob diese Initiative Erfolg hat.

    In den letzten Wochen wird oft hervorgehoben, dass die Rechte alles andere als geeint ist, aber durch die Fremdzuschreibung z.B. hier "FAschismus" als geeinter Block dargestellt wird. Das ist für die Rechte aber nicht nur nachteilig und die Widerständer müssen die vielen Richtungen ind en jeweiligen Ländern on the ground besser verstehen. Das ist nicht alles das Gleiche, genau wie meine Beispiele aus der Historie alle das gleiche waren. Und das sehe ich als erforderlich an: Das zu benennen was ist wo es ist - nur aus so einer Analyse kann argumentatives und sonstiges gezieltes Handeln entstehen! Nur "Faschismus" zu sagen ist genau wie "Nazi" oder "böse" zu sagen. Das ist weder präzise, es nutzt sich ab und es ist noch kein gutes Stück Politik!

  • Es ist relevant, die Wirklichkeit als das zu bezeichnen, was sie ist. Unbestritten. Begriffe wie Faschismus aber sind kompliziert wegen ihrer vielen Sinngehalte, da hat Misik Recht.

    Man kann historisch auf den Namensgeber schauen in Italien, das ist die Vollform.



    Der Nazismus dann war kein klarer Faschismus, er war "mehr" als das denn der Nazismus hatte zweifellos sehr harte Ideologie und er hat Dinge in einer Radikalität betrieben wie weder Mussolini noch einige andere die gemeinhin dem Faschismus zugeordnet werden.

    Franco hingegen war wohl kein Faschist, das habe ich aus der Literatur zum spanischen Bürgerkrieg mehrfach erklärt bekommen. Gut war er deswegen nicht. Er war sehr autoritär und bis in die 40er hinein brutal.

    Die Kommunisten der 30er haben überall Faschismus gesehen: Bei den Sozialdemokraten z.B. Die waren freigiebig, dort war es ein Kampfbegriff. Der Stalinismus hat - da kann man Arendt mal zur Hand nehmen - hingegen einiges mit dem Nazismus gemein. Da reden wir vom tatsächlichen Kommunismus und Hitlerismus.

    Den Begriff wieder aufzurichten und willkürlich anzuheften, hilft genausowenig wie die "Nazi"-Benennung half.

    Übertreibung des IST + Verharmlosuung des WAR.

  • Sehr treffende, wissenschaftlich abgestützte und hilfreiche Analyse, danke!

  • "Faschist" ist heutzutage in aller erster Linie ein politischer Kampfbegriff.



    .



    Das Problem ist, das die Begrifflichkeit (wie auch im Artikel erwähnt) vielschichtig ist. Ich würde z.B. die AfD nicht als faschistische Partei bezeichnen. Einfach, weil wichtige Merkmale des Faschismus nicht auf sie zutreffen. Unsachliche Zuweisungen und Pauschalisierungen helfen in der politischen Außeinandersetzung nicht weiter und führen nur zur weiteren Polarisierung der Gesellschaft.



    .



    Aber auch ohne Zuordnung des Begriffes faschistisch halte ich diese Partei für gefährlich. Man sollte sie nie unterschätzen und beobachten, wohin sie sich entwickelt.

    • @Black & White:

      Faschist war immer auch ein Kampfbegriff, spätestens seit 1945, aber im Stalinismus schon deutlich vorher.



      Das hat nichts mit der wissenschaftlichen Begriffsverwendung zu tun. Dass Bewegungen und Bewegungsparteien wie MAGA oder AfD eine klassisch faschistische Dynamik entfalten, ist sehr offensichtlich, so sehr, dass es sogar von vielen intuitiv wahrgenommen und dann oft etwas unbeholfen artikuliert wird, sodass es den Anhängern leicht fällt, dies als "Kampfbegriff" abzutun. Das ist aber nicht sachgerecht.



      Die unsubstanziierte Behauptung, "wichtige Merkmale des Faschismus" träfen hier nicht zu, ist haltlos. Es treffen sicherlich nicht immer alle klassischen Merkmale zu, wichtige Merkmale (wie sie der Artikel auch benennt) tun das aber durchaus. Und bezeichnend ist eben auch, dass Paxton, der die Frage, ob Donald Trump ein Faschist sei, lange verneint hat, seine Meinung darüber 2025 änderte. Er muss es ja wohl wissen.

  • Dann ist vieles kein Faschismus, was von vielen als Faschismus bezeichnet wurde

    • @Marcelo:

      Stimmt, es ist in der Regel Totalitarismus.

  • Stimmt wohl alles, aber der Beitrag lässt zu viel aus, indem er sich zu stark auf die emotionale Komponente des Faschismus konzentriert. Schon die schlauen marxistischen Beobachter der Zwischenkriegszeit (Otto Bauer "Zwischen zwei Weltkriegen"?) sahen mehr: die Verselbständigung der Exekutive angesichts des Gleichgewichts der Klassenkräfte (heute gut als gesellschaftliche Polarisierung zu übersetzen - Trump und seine Dekrete!), dazu den Kapitalismus als System, der Menschen in Groß- und Kleinbürgertum hervorbringt, die, vor die Wahl gestellt, ob sie lieber ihre politischen Rechte aufgeben oder ihre Profite, sich für die Aufgabe demokratischer Rechte entscheiden.

    • @My Sharona:

      Es ist aber wichtig, diese emotionale Komponente des Faschismus mit in den Blick zu nehmen,, um zu verstehen, wie Faschismus in der Gegenwart funktioniert.



      Die klassischen (auch marxistischen) Theorien über den historischen Faschismus greifen heute zu kurz und das wissen natürlich auch die Vordenker der Neuen Rechten, die im öffentlichen Diskurs bewusst Nebelkerzen zünden, um den autoritären, undemokratischen, letztlich faschistischen Charakter dieser rechten Parteien zu verschleiern.



      Man schaue sich nur die fast wohlwollende Berichterstattung über Meloni in Italien an, der autoritäre Kurs Orbans in Ungarn ruft hierzulande nur noch ein Achselzucken hervor und dann muss man sich nicht wundern, wenn auch die AfD als das neue Normal erscheint.



      Die Faschisierung unserer liberalen Gesellschaften verläuft schleichend (sie wird leider auch von vielen Demokraten nicht erkannt oder relativiert und von den Neoliberalen noch befördert, ob willentlich oder unbewusst) und sie beginnt als Anpassung an die in zeitgemäße Gewänder gekleidete faschistische Ideologie in den Köpfen.



      Von daher leistet die Sozialpsychologie schon einen wesentlichen Beitrag, um das Phänomen Faschismus zu erklären..

  • „Faschismus“ oder „Demokratie“



    Begriffe wie „Faschismus“ oder „Demokratie“ erklären zu wollen, führt beim Verständnis gesellschaftlicher Dilemma nicht weiter. Ebenso wenig helfen Bezeichnungen wie „gesichert rechtsradikal“ oder andere Begriffe des Verfassungsschutzes, um gesellschaftliche Probleme wirklich zu verstehen.

    Rechte können Antisemiten und zugleich Israelfreunde sein. Linke können Israelfreunde und Palästinenserfreunde zugleich sein. Solche Beispiele zeigen: Die Welt ausschließlich mit Begriffen wie Kapitalismus oder Faschismus zu erklären, ist heute kaum noch möglich.

    Selbst nach der Theorie von Marx müssten Kapital und Produktion völlig neu definiert werden. Die heutige Weltordnung wird von einem imperialistischen Kapitalismus geprägt, den im Wesentlichen einige superreiche weiße Männer beherrschen – das ist die neue Herausforderung.

    Um jedoch die aktuellen gesellschaftlichen Phänomene zu verstehen, sollte man weiter zurückgehen – bis zur Sklaverei, zum Kolonialismus und seinem postkolonialen Erbe.



    Im Kern geht es darum, Entmenschlichung zu begreifen – denn dort liegt der eigentliche Schlüssel, um all die Ungerechtigkeit zu verstehen.

    • @Okay:

      "nach der Theorie von Marx müssten Kapital und Produktion völlig neu definiert werden"

      Kapital und Produktion sind schon weitgehend neu definiert. Vor 40 Jahren etwa lieferte bereits eine Hanauer Vakuum-Technologie-Spezialfabrik eine Produktionsstraße für CDs nach Japan. Das 50 Meter lange Monstrum wurde in eine Halle gequetscht und dort von einem Mann allein bedient.

      Vor fünf Jahren erfuhr ich von einem erfahrenen Industrie-Maschinenbediener, der einen neuen Job brauchte, er habe einen gefunden und sofort angenommen, bei der er allein 37 Maschinen bedienen muss.

      Das eigentliche Humankapital ist aber nur noch abstrakt im Markt: Unser aller Daten!!!!

  • Schade, das ser Artikel nicht Kurt Schumacher's Bemerkung zitiert "Die ganze nationalsozialistische Agitation ist ein dauernder Appell an den inneren Schweinehund im Menschen", gesagt vor fast 100 Jahren.

  • Was ist Faschismus? Wer nach der Frage glaubt, mit dem Artikel einen Leitfaden durch den Wirrwarr der Faschismusdefinitionen zu bekommen, sieht sich getäuscht. Faschismus ist, was jedeR sich darunter vorstellt.

    Äußerst dünn ist die These, dass „alle Faschisten der Weltgeschichte in der Demokratie operierten“. Angesichts des eklatanten Mangels an echten Demokratien in der Weltgeschichte trifft wohl eher folgende These zu:

    Elitäre Wahlrepubliken bieten einen guten Boden für noch autoritärere und noch repressivere Herrschaft, lassen hingegen wenig Spielraum für eine Demokratisierung. Die liberale Freiheitsideologie des Wettbewerbs verbietet geradezu einer egalitären Gesellschaftsordnung des Mit- und Füreinanders. Nur im Kampf gegen Dritte, wird Solidarität der Arbeiterschaft, StaatsbürgerInnen usw. mit Unternhemen, Wirtschaft, Nation usw. eingefordert. In der liberalen Republik gilt die Methode der elitären Auslese: Nur wer das Indivdualrecht der Stärkeren walten lässt, kann als Kooletktiv das Recht des Stärkeren nutzen.

    • @DemokratischeZelleEins:

      Die liberale Freiheitsideologie des Wettbewerbs ermöglichte allerdings erst eine egalitäre Gesellschaftsordnung des Mit- und Füreinanders. Diese "Freiheitsideologie" ist das Fundament des Bürgertums und somit auch der Demokratie. Die Arbeitslager über deren Toren die zynischen und mörderischen Freiheitsslogans "Arbeit macht frei" oder Laogai prangerten, sind nicht die Folgen liberaler Republiken.

      • @Jutta57:

        Ehrenwert, dass Sie hier eine Lanze für die Rehabilitierung des politischen Liberalismus brechen..



        Liberale Freiheitsideologie - bleiben wir ruhig bei diesem Begriff - ist zunächst auch nichts anderes als Ideologie, obwohl deren Protagonisten stets behaupten, sie wären die einzigen mit realistischer/pragmatischer Sicht auf die Welt, wohingegen alle anderen (Linke, Konservafive, Faschos usw..) ausschließlich ideologiegetrieben und daher realitätsfern sind.



        Nun, dass der Liberalismus (leider noch nicht der Neoliberalismus als dessen pervertierte Form!) politisch an sein Ende gekommen ist, pfeifen die Spatzen von den Dächern - und ich meine damit nicht nur den Niedergang der FDP als parteigewordene Trägerin der liberalen Idee.



        Wenn wir heute einen Wiederaufstieg des Faschismus erleben, dann auch deshalb, weil das Freiheitsversprechen des Liberalismus nicht (als universeller Gedanke, die Menschheit als Ganzes betreffend) eingelöst wurde und sich immer mehr Menschen deshalb den autoritären Ideen zuwenden.

    • @DemokratischeZelleEins:

      In vielem möchte ich Ihrem Kommentar zustimmen. Nur zum Ende hin sei eingeworfen: Egalitäre Ordnungen waren immer nur ein kurzfristiges Übergangsphänomen. Die Menschheitsgeschichte ist leider bis dato eine Geschichte von Ungleichheit und Ausbeutung. Und vermeintliche äußere Feinde mussten immer zur Herstellung einer inneren Gefolgschaft, zur jeweiligen Herrschaftssicherung dienen.

      Doch nicht immer führt das zu solch innerem Staatsterrorismus, wie er für den Faschismus typisch ist. Da sollte man schon unterscheiden und die Frage stellen: Unter welchen Umständen kann das so entgleisen?

  • Faschismus lebt auch davon, daß das Faschismusproblem kaschiert und nicht benannt wird. Als Beispiel ein typischer Satz in der taz "Die Reaktion der Partei verrät viel über ihre Pläne für das Bundesland." Dieser Satz ist falsch. Richtig ist, die Reaktion verrät viel über die Pläne der Wähler für ihr Bundesland.

    • @Alberta Cuon:

      "Richtig ist, die Reaktion verrät viel über die Pläne der Wähler für ihr Bundesland."



      Nein, das tut es eben nicht. Damit unterstellen Sie, dass alle Wähler genau über das Parteiprogramm Bescheid wissen; das ist unrealistisch. Ich behaupte, die wenigsten haben die Parteiprogramme tatsächlich genau gelesen.



      Was Sie allenfalls mit einer gewissen Berechtigung behaupten können, ist was ein großer Teil der Wähler dieser Partei in Kauf zu nehmen bereit ist, um die Dinge zu ändern. Und auch da ist offen, wie groß dieser Teil tatsächlich ist.

      • @Encantado:

        "Damit unterstellen Sie, dass alle Wähler genau über das Parteiprogramm Bescheid wissen; das ist unrealistisch."

        Gibt es tatsächlich Leute, die von einer Partei erwarten, dass das Parteiprogramm umgesetzt wird? Ich kanns mir fast nicht vorstellen.

        • @Kaboom:

          "Gibt es tatsächlich Leute, die von einer Partei erwarten, dass das Parteiprogramm umgesetzt wird?"



          Das kommt noch dazu. Guter Punkt.

  • Faschismus ist eine Angst-Reaktion. Und zwar gegenüber anderen Menschen, nicht etwa dem Klimawandel oder so. Faschisten sind innerlich schwach und fühlen sich (deshalb) durch andere ständig diffus bedroht. Eine leichte angstlösende Droge im Trinkwasser oder eine glückliche freie Kindheit für alle, und das Problem ist gelöst.

    • @miri:

      Eine glückliche freie Kindheit für alle ist extrem wünschenswert, aber die Umsetzung erfordert genau die Abwehr der Machtübernahme der im Artikel beschriebenen Strömungen.

    • @miri:

      Der Kommunist kommt. Oder der Ausländer. Oder wieder der ####, naja, da sagt man doch lieber: der Mosslemm kommt.



      Da muss man doch sofort "stark" sein.



      Mag sein.



      Aber ich fürchte, dass Wohlfühlmüll wie Privatfernsehen und modernere Mediennutzung eher faschoförderlich ist.

      • @Janix:

        Ihr Kommentar erinnert mich irgendwie an die Verfechter des Volksempfängers.

      • @Janix:

        Richtig, mit dem Volksempfänger fing es an, mit TikTok endet es noch nicht.

        • @Erfahrungssammler:

          Der Volksempfänger war nicht für den Empfang von privaten Sendern gedacht. Private Sender gab es nicht im Nationalsozialismus und das Hören und Verbreiten der Inhalte von Sendern aus dem Ausland war verboten.



          Insofern passt es ganz und gar nicht Privatsender mit Rechts zu assoziieren.

          • @Prinz Leonce vom Königreiche Popo:

            Gehirnwäsche lehne ich grundsätzlich ab, ob von privat oder von staatlicher Seite.

    • @miri:

      Linke und Progressive fühlen sich von Rechten permanent bedroht...🤷



      Demnach wäre Antifaschismus dann auch eine Angstreaktion?



      Unter Faschisten gibt es genau so gefestigte und volatile Persönlichkeiten wie unter allen anderen politischen Anhängern auch.



      Die Idee, dass Faschisten anders seien, ist selbst faschistisch🫨



      Denn sie unterstellt Faschisten eine Andersartigkeit.



      Das ist aber nicht so. Faschisten sind auch 'nur' Menschen.



      Die Idee das Faschisten anders wären, hatten die Faschisten selbst schon - was sonst ist die Idee der Herrenrasse...



      'Nachgewiesen' wurde das damals schon ausschließen durch pseudowissenschaftlichen Humbug.



      Die Nürnberger Prozesse haben das Überbleibsel der Nazielite vor einem Weltpublikum präsentiert. Dabei ging es wohl weniger um den Nachweis der Verbrechen, als um die Demaskierung und den Bruch des Mythos der Herrenrasse. Die 'Übermenschen' ängstlich, klein und auf Pervitinentzug auf der Anklagebank.



      Faschisten sind ganz normale Menschen wie du und ich. Ein Querschnitt durch die Masse.



      Ihre Einstellung ist es was sie gefährlich macht.

      • @Antje1971:

        Und der noch “ Die Nürnberger Prozesse haben das Überbleibsel der Nazielite vor einem Weltpublikum präsentiert. Dabei ging es wohl weniger um den Nachweis der Verbrechen, als um die Demaskierung und den Bruch des Mythos der Herrenrasse. Die 'Übermenschen' ängstlich, klein und auf Pervitinentzug auf der Anklagebank.““…“



        Sie wissen zufällig nicht wer Robert Kempner der Chefankläger in Nürnberg war? Offensichtlich nicht



        & was aufgrund dieser Prozesse zB Völkerrecht wurde:



        🤖 Die Nürnberger Prozesse (1945–1949) gelten als Geburtsstunde des modernen Völkerstrafrechts und haben das internationale Recht grundlegend und nachhaltig weiterentwickelt. Sie beendeten die Ära, in der staatliche Souveränität absolute Straffreiheit für Regierungsmitglieder bedeutete.



        Die wesentlichen Rechtsfortentwicklungen umfassen:



        Individuelle strafrechtliche Verantwortlichkeit: Die Prozesse etablierten den Grundsatz, dass nicht nur Staaten, sondern individuelle Personen (insbesondere Staatsführer und hohe Beamte) für Verstöße gegen das Völkerrecht zur Rechenschaft gezogen werden können.



        Festschreibung der Nürnberger Prinzipien: Die UN-Generalversammlung bestätigte 1946 die in Nürnberg angewandten Prinzipien…f

    • @miri:

      "Eine leichte angstlösende Droge im Trinkwasser (...), und das Problem ist gelöst."



      Verbreiten Sie keine rechtsextremen Narrative, nicht mal im Scherz.

      • @Encantado:

        Panzerschokolade war in Nazideutschland weit verbreitet, hat die Mentalität tatsächlich nicht verbessert. Doofes totes Addilein hat mit Eukodal-Spritzen nur seine Luftschlösser länger gesehen.

        • @aujau:

          @ aujau



          Sprechen Sie mit



          " Panzerschokolade " im II Weltkrieg, die D-IX Tabletten mit Kokain. Eukodal & Pervitin an, oder Pervitin pur, mit dem unsere Soldaten gefüttet wurden ?

  • In 20,30er Jahren wurde nach 1. Weltkrieg unmittelbarer verhandelt was Faschisten antreibt, die Angst vor dem Aufstand der Massen wie in russischer Oktoberevoltution 1917, Novemberrevolution 1918 im Deutschen Kaiserreich Hinwegfegen absolutistscher Kaiser, Sultan, Zar, Fürsten, ungeordneter Auflösung von Vielvölkerstaaten in anonyme Massen unklarer Zugehörigkeit, die im Kriegsausnahmezustand noch berrschbar schienen. Was tun mit eigener Angst vorm Aufstand dieser Massen, wie es Josè Ortega y Gasset (1883-1955) in gleichnamigem Buch adressierte, das war nicht nur die Agenda von Faschisten sondern bis in demokratische Parteien, Parlamente. Patendlösung waren damals gefragt, wie heute angesichts Bedeutung Social Media globaler Reichweite nicht demkratisch international verfassten unterm Dach der UNO, Lösungen zu organisieren, sondern uneingestanden eigene Angst vor Aufstand der Massen, Auftauchen von Schwarzen Schwänen an Weltfinanzmärkten durch medialeTruppenbetreuung Entertainmaint zu bändigen mit Breaking News Daumen reflexartig Hoch und Runter. Statt auf Gesetze zu schauen die sich aus Despotien, Kriegen in Demokratien gerettet hatten, an die Faschisten legitimiert andockten

    • @Joachim Petrick:

      @ Joachim Petrick



      Truppen ?



      Werden eigentlich die AfD Sympathisanten im Wehrdienstalter von unserem Wehrdienst in Deutschland ausgeschlossen, oder beabsichtigt unsere aktuelle Regierung, diese AfD Sympathisanten an der Waffe auszubilden und zu bewaffnen ?

      • @Alex_der_Wunderer:

        Wie der heimliche Führer der Neubraunen vor nicht allzu langer Zeit anmerkte, ist es dieses Deutschland nicht wert, verteidigt zu werden.



        Und wie der Co-Vorsitzende der Neubraunen vor einer knappen Woche durchblicken ließ, ändert sich das erst nach der Machtergreifung 2.0.

      • @Alex_der_Wunderer:

        Ich wusste gar nicht das bei der Musterung die Rekruten nach ihrer parteipolitischen Präferenz befragt werden.

        • @Tom Tailor:

          "Ich wusste gar nicht das bei der Musterung die Rekruten nach ihrer parteipolitischen Präferenz befragt werden."



          Werden sie auch nicht. Also, früher jedenfalls. Was der Mitforist anregt, ist ebendas.



          Gibt oder gab es nicht eine entsprechende Prüfung bei Aufnahme in den Beamtenstatus? Ist ja eigentlich nicht viel anders.

        • @Tom Tailor:

          @Tom Tailer



          Zeit für uns - einmal darüber Nachzudenken...

          • @Alex_der_Wunderer:

            Geht so. Zum einen würde ich nicht damit rechnen das immer wahrheitsgemäß geantwortet wird, und selbst wenn: die AfD ist keine verbotene Partei also dürfte eine damit verbundene Begründung für einen Wehrdienst-Ausschluss verfassungswidrig sein.

            • @Tom Tailor:

              @ Tom Tailer



              Wenn der zu musternde junge Mensch, bei der Musterung verlauten lässt, also die Aussage trifft, er/sie/es sei voller Überzeugung Rechtsextremist, also da sollte schon ein " P " bezüglich der Eignung zum Wehrdienst gemacht werden.

      • @Alex_der_Wunderer:

        "...beabsichtigt unsere aktuelle Regierung, diese AfD Sympathisanten an der Waffe auszubilden und zu bewaffnen?"



        Da im ersten Schritt der Wehrdienst auf Freiwilligkeit beruhen soll, und erwiesenermaßen rechte Wähler eine größere Affinität zu derartigen hierarchischen Strukturen aufweisen... raten Sie mal.

        • @Encantado:

          @ Encantada



          ...hmmm ???



          ...tap tap tap



          Das kann hier ja heiter werden, dagegen is Silvester wohl nur ein Vorspiel....

          • @Alex_der_Wunderer:

            "Das kann hier ja heiter werden..."



            Leider sehr symptomatisch für unsere hohen Leuchten. An Symptomen rumdoktern, nicht bis zu Ende denken, und Probleme solange ignorieren oder schönreden, bis sie hochakut werden, um dann panisch auf die Schnelle... siehe Anfang.

            Hör ich mich desillusioniert an? Ich doch nicht.

  • Was ist faschistisch was ist Faschismus? Da brauchen wir nur bei google gucken und landen bei Benito Mussolini oder heute: Bei Giorgia Meloni. Was sagt uns das? Es geht dabei immer nur um " Wir gegen Die", um den Zusammenschluß von gewaltbereiten, zu allem entschloßenen Menschen, die gegen DIE zu Felde ziehen, um Jagdgebiete für sich zu erobern, Land, Schätze, Frauen. Das ist so seit der Steinzeit und organisiert sich heute eben zeitgemäß. Die deutsche Variante unter Hitler mit seinem Antisemitismus und der durchorganisierten Tötungsmaschinerie ist eine extrem pathologische Ausformung, die fast das gesamte deutsche Volk befallen hatte und auch noch heute befällt, siehe AFD und die gesamte Rechtsextreme. Volkswahnsinn! Den gibt es auch heute noch und wieder, z.B. in Amerika. So haben wir also aneignende Gewalt, die grundsätzlich abzulehnen ist, und abwehrende Gewalt, die plausibel notwendig und hinzunehmen ist. Die RAF berief sich immer auf die Legitimität der abwehrenden Gewalt, und auch heute wird das gerne von bestimmten Gruppen angeführt, aber Abwehr ist erst, wenn es richtig losgeht, siehe Ukraine. Ist das aber nicht nicht soweit, ist Gewalt gegen Gegner nur unverhältnismäßig.

    • @shitstormcowboy:

      Landen Sie da wirklich bei Meloni? Sitzen da politisch Verfolgte in den Gefängnissen? Sind Wahlen abgeschafft? Seenotrettungsorganisationen wie Sea Watch, die den Anspruch haben, die im Mittelmeer Geretteten in einen sicheren Hafen zu bringen, laufen jedenfalls auch Jahre nach dem Amtsantritt Melonis 2022 weiterhin (auch) Italien an (s. z. B. hier: www.tagesschau.de/...otrettung-100.html ).

  • Nicht meiner Meinung sein = Faschist.

    Das war ja einfach. Aber ich bin auch damit zufrieden:



    Gegen Menschenrechte sein = Faschist.

    Wenn wir anfangen herumzudiskutieren WAS Faschismus ist anstatt ihn simpel zu definieren, werden wir schnell Menschenfeindlichkeit übersehen, was nicht unter die Definition fällt.

    • @Troll Eulenspiegel:

      Mit der Anmerkung konnte ich etwas anfangen.



      Zwei Sachen helfen wohl: Sein Verständnis von Faschismus jeweils zu erläutern ("nominalistisch" wohl besser dabei statt "realistisch").



      Ich halte das bei dem Begriff für schwer.



      Ungleichheit, "Willen" und "Macht" ideologisch als hoher Wert, Ablehnung der Demokratie und universaler Rechte, Gewalt und Regelbruch. Solidarität auf mystisch und nebulös überhöhtes "Volk" umleiten und Arbeiter unterdrücken. Ausgrenzung bis Ermordung von "anderen" ...

      Jemand darf anderer Meinung als ich oder Liese Maier sein (Volksverhetzung o.ä. ausgenommen) und ist kein Fascho.



      Wer Menschenrechte grundsätzlich ablehnt, wird wohl leichter zum Fascho als wer sie als Grundlage nimmt. Jedenfalls, wenn nicht im Namen der angeblichen Freiheit die Menschlichkeit geschlachtet wird.



      Faschos sind i.d.R. menschenfeindlich, aber nicht jeder Misanthrop oder einfache Gewalttäter ist bereits ein Fascho.

  • Interessante Frage, die für mich eher eine Frage bleibt als beantwortet zu werden. Die weiter unten stehenden skeptischen Kommentare von @Eureka und @Emmo finde ich recht bedenkenswert. Und möchte den Gedanken anfügen, dass der historische Faschismus trotz seiner Variationsbreite immer auch ein Merkmal hatte: Er stand von Beginn an in Konkurrenz zu einer mehr oder weniger starken traditionellen Arbeiterbewegung oder teilweise marxistischen, sozialrevolutionären gesellschaftlichen Linken. Und an die Macht gekommen, wandte er sich zunächst gewaltsam repressiv gegen diese. - Die sozialökonomischen und ideologischen Kontexte der "neurechten" Phänomene sind heute dagegen andere.

    • @Kohlrabi:

      Was früher die „Linken“ waren, sind eben heute die „Woken“ und die „Grünen“.

      Mal davon abgesehen, dass der Rechtsextremismus heutzutage natürlich immer noch den Hass auf die Linken schürt - nur, dass für den AfDler mittlerweile schon die CDU, das Grundgesetz und die katholische Kirche „links“ sind.



      Ein Kennzeichen des Faschismus ist auch, dass er sich mitunter - gerade am Anfang - als besonders modern, jung und energisch gibt, im Gegensatz zu den Konservativen, die als morsch und gefühlsduselig charakterisiert werden. Rechtsextremismus und Faschismus sind keineswegs extreme Formen des Konservatismus. Und deswegen kam es dann eben auch immer mal wieder zur Querfront mit Linken, die ebenfalls das alte System zerstören wollten. Siehe Thälmann und die Charakterisierung der SPD als Hauptfeind.

      • @Suryo:

        " nur, dass für den AfDler mittlerweile schon die CDU, das Grundgesetz und die katholische Kirche „links“ sind."

        Und - nicht zu vergessen - Meloni und Le Pen. Seit die sich weigerten, mit der AfD in einer Fraktion im EP zu sitzen.

      • @Suryo:

        Mein Argument ging dahin, dass der klassische Faschismus immer auch eine Reaktion war auf ein linkes systemtransformierendes Projekt, das die Herrschaft der ökonomischen Eliten bedrohte. Der Faschismus hat das utopische Moment der Arbeiterbewegung aufgegriffen und national-regressiv umgedeutet. In dieser Rolle war er für die Besitzenden eine Ultima Ratio des Machterhalts. Teils hat er sich erst mühsam in diese Rolle hineingefunden (Hitler vs. Strasser). Anderswo aber war die Niederschlagung einer sozialrevolutionären Möglichkeit von Beginn an sein Seinszweck (Franco, Pinochet).

        Nichts davon ist heute zutreffend. Es gibt das linke Gegenprojekt als reale Alternative nicht mehr, noch nicht einmal in der Linkspartei. Die heutige Rechte hat gänzlich andere Motive als die einer Abwehr des roten Umsturzes. In Deutschland ist "AfD vs. Grün" (in Anlehnung an Lukas Haffert) vor allem ein Gegensatz zwischen Peripherie und Zentrum, sozusagen zwischen altem und neuem Kleinbürgertum. In den USA dagegen gibt es offenbar den Versuch des Großkapitals, unmittelbar die politische Macht zu übernehmen. Das ist alles recht weit weg von der Entstehung und den Motiven des historischen Faschismus.

      • @Suryo:

        Nein, Faschismus ist keine extreme Forme des Konservatismus, da würde ich Ihnen zustimmen.



        Viel interessanter (aus politikwissenschaftlicher und soziologischer Perspektive) ist es jedoch, auf den „Graubereich“ zwischen den Ideologien zu schauen.



        Und da erleben wir eine Renaissance der Konservativen Revolution, deren heutige Vertreter allerdings (geradezu spielerisch) mit ideologischen Versatzstücken aus Libertarismus, Faschismus und Konservatismus spielen und so ihre Gegner irritieren, die (immer noch) vergeblich versuchen, das Phänomen Faschismus für die Gegenwart zu definieren.



        Ich denke, dieses Verwirrspiel macht sich auch die AfD zunutze, um sich hinsichtlich eines Parteiverbotes unangreifbar zu machen. Ihr Profil nehme ich als durchaus janusköpfig wahr, je nachdem, an welches Publikum sie ihre Botschaften adressiert: als klassisch (national)konservativ auf der einen, als völkisch-nationalistisch auf der anderen Seite.



        Die völkische Ideologie wird dabei als das neue „Normal“ gezeichnet, aber alles im öffentlichen Auftritt soll verschleiern, dass es sich um Faschismus in Reinkultur handelt. Dabei wurde hier ziemlich genau definiert, was Faschismus eigentlich ist.

      • @Suryo:

        "Ein Kennzeichen des Faschismus ist auch, dass er sich mitunter - gerade am Anfang - als besonders modern, jung und energisch gibt, im Gegensatz zu den Konservativen, die als morsch und gefühlsduselig charakterisiert werden."

        Ein Kennzeichen des historischen Faschismus...bei der AfD sehe ich davon nichts. "Modern" ist längst ein rechter Kampfbegriff geworden - ein Synonym für "woke"

        • @Chris McZott:

          Ich glaube, dass woke bei den Rechten ein Synonym für modern ist.

        • @Chris McZott:

          Wenn Sie die Debatte aufmerksam verfolgen, werden Sie feststellen, dass in den Sozialwissenschaften schon Versuche unternommen werden, den Faschismus-Begriff neu zu definieren. Die Forschung dazu ist noch in der „Suchbewegung“ ?so nenne ich das mal), es zeichnet sich jedoch schon ab, dass man mit der bloßen Beschreibung des historischen Faschismus allein nicht weiterkommt.



          Dass es auf der Theorieebene nur schwer gelingt, die AfD als eindeutig faschistisch zu markieren (prinzipiell gilt das für fast alle neurechten europäischen Parteien sowie die MAGA-Bewegung in den USA), macht sich die Partei natürlich feixend zunutze, um einem Verbot zu entgehen und weiter erfolgreich auf Stimmenfang zu gehen. Sie gilt ja als „normal“ (und „modern“, wie Sie richtigerweise feststellen), nicht nur in den Augen Ihrer eigenen Anhänger.



          Obwohl: das Faschismus-Etikett schreckt diese Wähler auch nicht mehr ab.

        • @Chris McZott:

          Die AfD ist absolute Vorreiterin auf den sozialen Medien und bei Jugendlichen. Junge Rechtsextremisten schwärmen vom „Vibe Shift“ - es ist für viele Jugendliche cool, rechtsextrem zu sein.



          Das sind nicht mehr die Opas von den Republikanern oder die Dorfdeppen von der NPD.

  • Perfekt sortiert, danke Robert Misik! Mit diesem Text können wir uns Seminare und AG's zu Faschismustheorien komplett sparen. Es gilt nur noch, die genaue Grenze zwischen (problematischem) inflationärem und notwendigem Faschismusvorwurf (zb gegenüber MAGA, Putinismus oder AfD) zu finden.

  • Nebenpunkt zuerst. Dieser zitierte Satz hätte beim Linke-Bashing-Artikel hier vor kurzem angefügt gehört: „Rechte können zugleich Antisemiten und Israelfreunde sein, zugleich Pazifisten und Militaristen, zugleich neoliberal und sozialistisch. Während die Linken permanent unter Scheinheiligkeitsverdacht stehen, hatten die Rechten dieses Problem bislang nicht. Eben weil Konsistenz für sie offenkundig keine Kategorie zu sein schien – und sie auch nie daran gemessen wurden.“

    Doch vor allem ein Danke für einen wieder einmal nachdenkenswerten Artikel Robert Misiks selbst.

    • @Janix:

      Ich lese Misik auch immer wieder mit Wissensgewinn.

  • Der Begriff "Faschismus" stammt von den italienischen Faschisten unter Mussolini, die sich selbst Faschisten nannten. Das Wort ist abgeleitet von fascio, was "Bund" bedeutet und für sich allein keine politische Richtung anzeigt. Die Regimes, die allgemein als "faschistisch" bezeichnet werden, waren vor allem gekennzeichnet durch eine offen terroristische und diktatorische Herrschaftsform, und das ist auch der Hauptgrund dafür, dass der Faschismus diskreditiert ist und sich praktisch kein Faschist heutzutage noch als Faschist bezeichnet. Der Nationalsozialismus war im Übrigen von Beginn an eine Diktatur, die ihre Macht mit staatsterroristischen Mitteln sicherte; die Reichstagswahl im März 1933 ändert daran nichts, zumal die hierbei gewählten kommunistischen Abgeordneten ihr Mandat nicht antreten durften.

    Es gibt noch weitere für den Faschismus typische Merkmale, z. B. Nationalismus, Personenkult um den Parteichef, Feindmarkierungen, populistische Emotionalisierung etc. Aber diese Elemente gibt es auch in nichtfaschistischen Regimes und Parteien. Das Hauptmerkmal des Faschismus ist die Diktatur. Wer die Demokratie nicht abschaffen will, ist kein Faschist.

    • @Budzylein:

      Der verkannt Deutsche Professor, ach, Heine hätte seine Freude, aber man muss ja die anderen aufklären.

    • @Budzylein:

      "Das Hauptmerkmal des Faschismus ist die Diktatur. Wer die Demokratie nicht abschaffen will, ist kein Faschist."

      Ah ja, und was sind dann Faschisten vor der erfolgreichen Errichtung der Diktatur? Und was ist, wenn die einfach leugnen, die Demokratie abschaffen und eine Diktatur starten zu wollen? Darf man die erst Faschisten nennen, wenn sie ihre Ziele erfolgreich umgesetzt haben? Ironischerweise sind eigentlich alle Faschistischen Diktatoren in der Geschichte zunächst durch demokratische Prozesse an die Macht gekommen, zT mit Unterstützung der demokratischen Kräfte, die einfach nichts allzu schlimmes vor sich gesehen haben. Aber vorher waren sie ja auch deiner Ansicht nach keine Faschisten.

      Gut zu wissen, dass wir uns also keinerlei Sorgen zu machen brauchen. Antifaschist*innen sind demnach einfach ein bisschen paranoid und voreilig. Da reg ich ich am besten erst mal ab und vertraue darauf, dass nicht sein kann, was nicht sein darf.

      • @Systemknecht:

        Vor der erfolgreichen Errichtung der Diktatur sind Faschisten selbstverständlich auch schon Faschisten. Sie wollen die Demokratie abschaffen. Eine Ideologie ist unabhängig davon zu bewerten, ob ihre Vertreter es schaffen, die Macht zu übernehmen. Dass faschistische Diktatoren oft (nicht immer) durch demokratische Prozesse an die Macht gekommen sind, bedeutet ja nicht, dass sie Demokraten waren. Sie haben nur deren Mittel ausgenutzt und die einmal eroberte Macht gerade nicht mehr durch freie Wahlen zur Disposition gestellt. Auch die Menschenrechte werden von denen, die sie abschaffen wollen, ausgiebig genutzt, solange sie nicht an der Macht sind. Es nutzt z. B. jeder, der, wenn er an die Macht kommt, die Meinungsfreiheit abschaffen will, selbst die Meinungsfreiheit, um seine Propaganda unters Volk zu bringen.

        Und wenn Sie schreiben "Aber vorher waren sie ja auch deiner Ansicht nach keine Faschisten.", ist das nicht nur falsch, sondern meinem Kommentar nicht andeutungsweise zu entnehmen. Ich habe auch nicht geschrieben, dass "wir" uns keinerlei Sorgen machen müssten, sondern mich auf das Thema beschränkt, was Faschisten sind und was nicht.

    • @Budzylein:

      "Das Hauptmerkmal des Faschismus ist die Diktatur. Wer die Demokratie nicht abschaffen will, ist kein Faschist."

      Es gibt ein IMO sehr interessantes Buch von Amlinger und Nachtwey, in dem sie den aktuellen rechten Rand als "demokratischen Faschismus" bezeichnen.

      de.wikipedia.org/w...tischen_Faschismus

      sehr lesenswert IMO

      • @Kaboom:

        Ich habe das gelesen und bleibe dabei: Es gibt keinen "demokratischen Faschismus". Die Autoren beschreiben die Anhänger dessen, was sie mit dem Begriff bezeichnen, als Personen, die anstreben, mit autoritären Mitteln ihre Ziele durchzusetzen bzw, von einem "Führer" durchsetzen zu lassen. Diese Leute bezeichnen sich als "Demokraten", sind aber keine. Wenn die sich durchsetzen, werden sie die Macht nicht wieder freiwillig abgeben.

        Der "rechte Rand" ist im Übrigen ein Begriff, der schon seit längerer Zeit Rechtsextremisten bezeichnet, die die Demokratie abschaffen und durch eine Gewaltherrschaft ersetzen wollen. Das antifaschistische Magazin "der rechte rand" wirft dem "rechten Rand" dementsprechend hauptsächlich vor, die "Abwicklung" der Demokratie anzustreben (s. hier: www.der-rechte-rand.de/ ).

        • @Budzylein:

          Wenn man die Demokratie "passend" macht, so wie Orban in Ungarn es versucht, oder Trump in den USA, kann man vermutlich ohne Probleme alle paar Jahre die Leute irgendwo ein Kreuzchen machen lassen.



          Es muss nur vorgesorgt werden, falls doch mal was schiefgeht. Auch das macht Trump gerade in den USA, es werden gerade über 150 große Immobilien (Hallen, Lager u.ä.) aufgekauft, damit für den Fall, dass die Midterms schiefgehen, genug Platz für die von Trumps GeStaPo dann festzusetzenden US-Bürger ist.

  • Nun ja, Inkonsistenz ist ja leider kein Alleinstellungsmerkmal des Faschismus. Wer sich politisch engagiert, trifft dauernd auf Politiken, die demokratische Teilhabe erschweren oder unmöglich machen, von genau den Leuten, die eben noch die Vorzüge und Überlegenheit unserer Demokratie beschworen haben. Da geht es um Wahlrecht und Auszählungsverfahren (gerade hier in Hessen), da geht es um Unterschriftenhürden für kleinere Parteien und Volksbegehren oder aktuell sogar um den Umgang mit Petitionen: www.mehr-demokrati...blockiert-petition

    Von unserem "Sozialstaat" gar nicht erst zu reden, der schon heute dysfunktionial ist und weder das Gebot von der Menschenwürde, noch vom Recht auf Leben wirklich in praktische Politik umsetzt. Und der jetzt noch weiter geschleift werden soll.



    Insofern ist dann auch Grausamkeit kein Alleinstellungsmerkmal des Faschismus (Papst Franziskus: "Diese Wirtschaft tötet.").

    • @Eric Manneschmidt:

      Merken Sie gar nicht was sie da eigentlich aussagen? Wenn die heutige Realität wirklich so grausam ist, wäre der Übergang in den (echten) Faschismus gar nicht so schlimm...

      Papst Franziskus: "Diese Wirtschaft tötet." - Welche Wirtschaft tötet denn nicht?

      • @Chris McZott:

        Das Problem ist: Es gibt genug Leute, für die ist die heutige Realität eben so grausam, dass sie den "echten" Faschismus gar nicht so schlimm finden - oder sogar herbeisehnen.



        Zum Thema "wer was merkt oder nicht merkt" empfehle ich den aktuellen Artikel von Wolf Lotter: Brain fog over Germany - taz.de/Land-in-ein...lation/!vn6153522/

        Und natürlich ist eine Wirtschaft problemlos möglich, die nicht tötet. Dazu "Eine Ökonomie der Geburtlichkeit" (Ina Praetorius) raussuchen.

        • @Eric Manneschmidt:

          "für die ist die heutige Realität eben so grausam, dass sie den "echten" Faschismus gar nicht so schlimm finden"

          Dann frage ich mich wann das mal besser war. Wann waren die politischen Partizipationsmöglichkeiten, der Rechts- und Sozialstaat mal besser ausgebaut? Wann war die dt. Gesellschaft friedliebender?

          • @Chris McZott:

            Aha. Leider ist das die falsche Frage.



            Sie sollten sich lieber fragen: a) was muss passieren, damit es besser wird? und b) was kann ich selbst konkret dazu beitragen?

            Außerdem ist es natürlich Unsinn, dabei nur auf die "deutsche Gesellschaft" zu schauen. Man könnte ja vielleicht auch was von anderen lernen, oder?

            • @Eric Manneschmidt:

              Richtig. Ich habe aber viel aus meinem Geburtsland DDR gelernt. Vor allem dass Menschen egoistisch und opportunistisch sind und und dass gesellschaftliche Systeme nur den Rahmen bilden in dem die Menschen sich dann genauso verhalten wie im Kapitalismus auch.

              Oder dass Sozialismus und generell politischer Idealismus schnell totalitäre System umschlagen.

              Oder dass Machtstreben, Korruption und Menschenfeindlichkeit völlig systemunabhängig sind...

              • @Chris McZott:

                Ich empfehle "Im Grunde gut" von Rutger Bregman.



                Es ist immer fragwürdig, aus persönlichen Erfahrungen allgemeingültige Leitsätze abzuleiten. Es ist auch nicht so, dass ich keine schlimmen Erfahrungen mit Menschen gemacht hätte.

                Mit Sozialismus habe ich nix am Hut. Es ist richtig, dass Idealismus umschlagen kann, weshalb ich auch diesen Begriff (und die Idee dahinter) kritisch sehe.



                Andererseits ist die Haltung, dass alles immer so sein müsste wie es gerade ist, dass man gar nichts machen könnte und deshalb auch gar nichts machen bzw. versuchen müsste, ja irgendwie auch ziemlich zweifelhaft, oder?

                Die interessante Frage ist doch immer: Wie können wir Bedingungen schaffen, unter denen Menschen möglichst kooperativ und gemeinwohlorientiert agieren können (und wollen)? Der heute weithin propagierte Kampf aller gegen alle um das Existenzminimum ist da sicherlich der falsche Ansatz.

            • @Eric Manneschmidt:

              Welche andere Gesellschaft haben Sie im Auge?

              • @Oma:

                Das hier könnte eine vielversprechende Richtung sein:



                Die Care Society – Sociedad del Cuidado. Was Europa von Lateinamerika lernen kann



                wirtschaft-ist-car...erika-lernen-kann/

                Ich hatte weiter oben auch schon auf "Die Ökonomie der Geburtlichkeit" von Ina Praetorius verwiesen.

                • @Eric Manneschmidt:

                  Auf Werbung für einen Vortrag oder Workshop bin ich nicht scharf, ein konkreter Staat, der aus Ihrer Sicht vorbildlich funktioniert, wäre viel interessanter gewesen.

  • Globale Ordnung und Faschismus



    Die politischen Umstände sind heute so fragil wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Die Richtung, in die sich der globale Kapitalismus bewegt, war seit Jahren spürbar, doch seit der Corona-Krise nehmen soziale Ungleichheit und Populismus deutlich zu. Während rechtsradikale Parteien und Gruppierungen immer mehr gesellschaftlichen Raum einnehmen, lügen wir uns mit Begriffen wie „Meinungsfreiheit“ und „Demokratie“ in die Tasche – und verdrängen die Ernsthaftigkeit der Lage.



    Eine Partei mit klaren neonazistischen Tendenzen erreicht über 30 Prozent Zustimmung, während nur einzelne Mitglieder als Extremisten gelten. Diskriminierende und rassistische Sprache ist längst gesellschaftsfähig geworden. Gleichzeitig verschärfen führende Politiker mit sozial- und ausländerfeindlichen Aussagen den Diskurs – angeblich, um Stimmen von der extremen Rechten zurückzugewinnen.



    Was ist von einer Politik zu erwarten, die international als völkermordverdächtig geltende Personen hofiert, Kriege mitfinanziert, Armut moralisiert und Reichtum belohnt? Internationale Absprachen – etwa im Fall Afghanistan – werden gebrochen und dadurch Menschenleben gefährdet. Das ist der pol

  • Wir in Deutschland unterscheiden oft genug nicht sauber zwischen Faschismus und Nationalsozialismus, weshalb Faschismus nur als das maximal Böse gedacht wird. Von daher finde ich die Sentenz des Autors, dass Faschismus nicht mit Auschwitz beginne, sondern damit ende, nicht unbedingt zutreffend. Faschismus *kann* mit Vernichtungslagern enden, muss es aber nicht zwingend. An dieser Stelle hätte ich mir eine genauere Differenzierung gewünscht.

    »Faschismus kann definiert werden als eine Form politischen Verhaltens, die durch eine obsessive Beschäftigung mit dem Niedergang, der Demütigung oder der Opferrolle der Gemeinschaft und durch kompensatorische Kulte der Einheit, Energie und Reinheit gekennzeichnet ist, in denen eine massenbasierte Partei engagierter nationalistischer Militanter, die in einer schwierigen, aber effektiven Zusammenarbeit mit traditionellen Eliten steht, demokratische Freiheiten aufgibt und mit erlösender Gewalt und ohne ethische oder rechtliche Beschränkungen Ziele der inneren Säuberung und äußeren Expansion verfolgt.« Robert Paxton

    Zitiert aus: Strobl, Was ist Faschismus



    www.der-rechte-ran...as-ist-faschismus/

  • Ein Problem ist ja, dass der Rechtsstaat in den USA auch lange vor Trump sehr fragwürdig war.



    .



    Ein funktionierender Rechtsstaat setzt zum Bsp. voraus, dass man sich wirksam gegen staatliche Willkür wehren kann und dass es klare und einheitliche Regeln für Entschädigungen gibt.



    .



    Davino Watson war 3 1/2 Jahre im Gefängnis von ICE. Man glaubte ihm nicht, dass er US‑Bürger ist. Hätte er Geld für einen Anwalt gehabt, wäre es nicht so weit gekommen. Er sollte eigentlich 82.500$ Entschädigung erhalten. Er hat jedoch keinen Rechtsanspruch darauf, weil er länger als 2 Jahre festgehalten wurde.



    .



    Brian Bukle hingegen bekam 2025 ganze 150.000$ für 1 Monat Haft, Carlos Rios 125.000$ für 7 Tage.



    .



    2007 wurden 693 Amerikaner:innen in lokalen Gefängnissen auf Anweisung der Immigrationsbehörde und 818 direkt im Abschiebeknast festgehalten.



    .



    Seamus Culleton ist ein gutes Bsp., dass auch Geld + Anwalt nicht immer helfen. 20 Jahre im Land, erf. Geschäftsmann, US-Ehefrau, legaler Aufenthaltsstatus, 4000$ Kaution gezahlt und trotzdem seit bald 5 Monaten in Haft.

    Miese Hygiene, Mangel an Essen, Mangel an Freigang Verweigerung medizinischer Behandlung.



    Kurz: Folter.

    Rechtsstaat?

  • Ich denke, die Gefahr, in den Faschismus abzugleichen würde erst dann bestehen, wenn die wirtschaftlichen Schwierigkeiten größer würden, die Zahl der "Zukurzgekommenen" also immer größer würde.

    • @Il_Leopardo:

      Daran wird ja fleißig gearbeitet.

    • @Il_Leopardo:

      Na, da werden Merz und CDU ja für sorgen.



      Bitte sagen Sie das denen doch mal. Denn die haben das noch nicht kapiert, dass das ewige Rumtrampeln auf denen, die sowieso schon zu wenig haben, nur dazu führt, dass noch mehr Personen die AfD wählen.

      • @EchteDemokratieWäreSoSchön:

        Ich hoffe, dass die eklatante Vetternwirtschaft, die jetzt zutage tritt, dazu führt, dass die AfD z.B. in Sachsen-Anhalt doch nicht den Erfolg haben wird, der sich seit einiger Zeit abzeichnet.



        Ansonsten bin ich ganz auf Ihrer Seite, die CDU, vorneweg Merz, tun alles dafür, dass die AfD immer mehr Zulauf haben wird. Sind die eigentlich auf dem rechten Auge blind?

        • @Il_Leopardo:

          Ich hoffe auch, dass die sich noch selbst ein Bein stellen.

          Was Merz betrifft, so kapiert er das glaube ich einfach nicht. Er glaubt, er müsse nur die Migration einschränken und dann würden die Menschen die AfD nicht mehr wählen.



          Er kapiert nicht, dass manche CDU und SPD deshalb nicht mehr wählen, weil sie sich von denen im Stich gelassen fühlen (z.B. in Punkto zu hohe Mieten, Lebensmittelpreise, Energiepreise und zu niedrige Löhne und Renten) und die AfD denen erzählt, dass das alles an den Migranten liegt. Aber solange nicht alle Probleme spürbar besser werden, wird die AfD immer mehr Wähler bekommen.



          s.a. demokratieingefahr...rechts-oder-wohin/

          • @EchteDemokratieWäreSoSchön:

            Der Link bietet eine gute Zusammenfassung der derzeitigen Situation. Ich habe die Befürchtung, dass wir im Herbst in Sachsen-Anhalt eine Koalition zwischen CDU und AfD erleben werden.

            • @Il_Leopardo:

              Ich befürchte auch. Aber das wird die Stimmen für die AdD weiter nach oben treiben und für die CDU nach unten.

        • @Il_Leopardo:

          @II Leopardo



          In Sachsen zerlegt sich die AfD nun schon selbst, sehr gut !



          Zu den CDU / CSU Unionsparteien, die wollen sicher mit ihrer asozialen Politik, die humanistische Linke stärken und so die AfD schwächen.



          Nennt sich Strategie....

  • "Faschismus beginnt nicht mit Auschwitz, er endet damit."

    Der Musterfaschist Europas war Franco. Der wusste sogar selbst wie doof Faschismus eigentlich ist und verfügte daher, dass sein Nachfolger wieder ein König sein darf. Das Ende des lupenreinen Faschismusses Spaniens war also nicht ein Auschwitz! Sondern Monarchie. Und der Monarch pro Demokratie, die heute noch in Spanien lebendig ist.

    Die Faschisten Deutschlands entschlossen sich ab Ende 1929 endgültig, sich der Ideologie des Nationalsozialismus zu unterwerfen! Als WählerInnen. Als Mitmarschierer. Als Regierungskoalitionspartner. Und von wegen die Philosophie hätte nichts mit solchen Entwicklungen zu tun, mensch erinnere sich an einen in SA-Uniform mitmarschierenden angeblich großen Denker namens Heidegger, der auch nicht wirklich selber denken konnte, sondern Philosophie eines jüdischen Italieners in neue Worte gekleidet als die seine recycelte.

    Im faschistischen Russland von heute spielt auch ein Philosoph eine Rolle: Dugin. Die Ideologie heißt Putinismus-Duginismus. Es kommen in Russland auch dem Regime unliebsame Menschen in Lagern um. Kein Holocaust, aber typisch Faschismus: Opposition rücksichtslos wegsperren!

    • @Uwe Kulick:

      Zu einem Nebenpunkt: Die Eta bombte Francos bürgerlichen Nachfolger weg, sonst wäre das anders gelaufen.



      Franco war von seinem System so überzeugt, dass er den Bürgerkrieg noch etwas in die Länge zog, um auch möglichst viele Gegner am Ende getötet zu haben.

    • @Uwe Kulick:

      Die Moderation: Kommentar entfernt, bitte halten Sie sich an die Netiquette. 

      • @Volgger Kauder:

        "Welche Opposition wird denn in Russland weggesperrt?"



        Da kann ich Ihnen aber direkt einige Namen aus meinem privaten Umfeld dort nennen. Die vielleicht noch nicht mal politisch aktiv waren, sondern online oder in Gesprächen nur den Völkermord in der Ukraine als Krieg bezeichnet haben, oder den eigenen Kindern die Teilnahme an der Junarmia (Jugendarmee) untersagten. das reichte für eine Vorladung und Verurteilung

      • @Volgger Kauder:

        Herzlichen Glückwunmsch zum allerersten Leserkommentar.

        Allerdings ist das hier die Taz und nicht die Berlinskaja Prawda.

        Gewöhnen Sie sich besser daran, dass Sie bis auf zwei, drei bekannte Leser hier niemanden finden werden, der schwachsinnige rhetorische Fragen wie die, "welche Opposition denn in Russland eingesperrt" werde, goutiert und unwidersprochen lässt.

      • @Volgger Kauder:

        "Welche Opposition wird denn in Russland weggesperrt?"

        Ernsthaft jetzt?

      • @Volgger Kauder:

        Was sie hier schreiben, ist eine erbärmlichen Rechtfertigung des Faschismus oder wie man auch immer rechtsautoritäre Regime bezeichnen will.



        Es ist schlichtweg eine Unverschämtheit die Inhaftierung von Nawalny mit der von Ballweg gleichzusetzen. Was sie als 'Seniorenputschisten' verniedlichen, (ich gehe davon aus, dass sie damit wohl die Reichsbürger meinen), sind überzeugte Rechtsextremisten, die nichts anderes als die Aushöhlung und Abschaffung des Rechtsstaates und der Demokratie anstreben. Wie sie darauf kommen, dass der Prozess gegen sie quasi zerfallen sei erschließt sich mir nicht, da ist sicherlich der Wunsch Vater des Gedankens. Alles in allem strotzt dieser Kommentar nur so von Überheblichkeit, Unverfrohrenheit, Falschbehauptungen und rechten Narrativen, der durch nichts zu rechtfertigen ist.

      • @Volgger Kauder:

        Absurd.

        Ist das hier die Berliner Zeitung?

      • @Volgger Kauder:

        Kabarettisten haben es heute schwer, doch bei Ihrem Text konnte ich mal wieder schmunzeln. Sie haben den bei einigen vorherrschenden Putinismus so gut hinbekommen.



        Die Lebenserwartung von Soldaten ist ja nicht so hoch - wie Sie diese Umschreibe-RT-lerei imitierten, war großes Druschbakino.

  • Der Text beantwortet eine andere Frage, als er vorgibt. Er fragt angeblich „Ist das schon Faschismus?“, beantwortet aber „Faschismus beginnt früher, als ihr denkt.“ Das ist rhetorisch clever – aber logisch unbefriedigend. Denn die eigentliche offene Frage bleibt unbeantwortet: Ab welchem Punkt ist der Begriff analytisch sinnvoll – und ab welchem Punkt wird er politisch inflationär?

    „Alle Faschisten operierten zunächst in Demokratien“ das stimmt – aber es ist eine triviale Wahrheit. Jede Machtübernahme beginnt irgendwo VOR der Machtübernahme. Daraus folgt aber nicht, dass jede autoritäre, populistische oder brutale Politik bereits faschistisch ist. Sonst wäre De Gaulle faschistisch, Thatcher faschistisch, und Teile der frühen Grünen wären – mit umgekehrtem Vorzeichen – strukturell ähnlich.

    Autoritäre Politikstile, Enthemmte Sprache, Freude an Grausamkeit, Verachtung von Minderheiten, Theatralische Führungsfiguren, bewusste Provokation statt Argument - das alles existiert – in den USA, in Europa, auch jenseits der extremen Rechten. Daraus wird hier eine Frühwarnbeschreibung. Das Problem ist nur: Frühwarnsysteme, die immer anschlagen, stumpfen ab.

    • @Eureka:

      Den Faschismus erkennt man an seinen Zielen. Diese Lektion ist schwierig im Vorfeld zu handhaben.

    • @Eureka:

      Schließe mich an.

  • Danke. Ich wiederhole mich - wo



    Robert Misik draufsteht ist auch Robert Misik drin



    tazelwurm.de/

    Yes! “Sie sind daher, mehr noch als normale Politiker, Schauspieler des Politischen. Sie können problemlos heute dies, morgen das Gegenteil sagen, und grinsen dabei noch höhnisch ob ihrer altväterlichen Gegner, für die innere Konsistenz wichtiger ist als für sie.“

    Genau Genau - Quintessenz - “Wer Jude ist.



    Bestimme ich!“ & das in allen Varianten •

    unterm——



    Nicht nur er. Aber er besonders - älterer Kollege - Waldheim-& Workuta-Häftling als Junge bei meiner Vorstellungsrunde - insistierte in den Lagern von älteren Mithäftlingen verschiedener Nationalitäten habe er gelernt: zwischen Fasischmus & Nazis/Nationalsozialismus zu unterscheiden!



    Und nach Canale Mussolini & Scurattis - M M - hab ich den Eindruck da is was dran:



    “Alle Nazis sind Faschisten aber nicht alle Faschisten sind Nazis.“

    • @Lowandorder:

      “Alle Nazis sind Faschisten aber nicht alle Faschisten sind Nazis.“ Der Satz ist richtig. Der Nationalsozialismus war nicht "nur" faschistisch. Er unterschied sich von anderen faschistischen Systemen durch weitere wesentliche Merkmale, insbesondere den Genozid an den Juden, Roma und Sinti, den Eroberungs- und Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion und die Versklavung und massenhafte Ermordung von Slawen, die als "Untermenschen" tituliert und auch entsprechend behandelt wurden.

      • @Budzylein:

        Kann frauman nehmen. But

        Vielfach - insbesondere in anderen Ländern wird nicht so fein differenziert! Gelle



        Und passend findet sich beim klugen



        Robert Misik keine Silbe.



        Und könnte auch seiiner Nationalität geschuldet sein.



        Dazu hat mal Robert Menssse angemerkt “In meinem Land zählen die Faschisten zu den Widerstandskämpfern!“ 🙀



        🍫Volkers 🫦 “Ja wie? Wir Nazis?!



        Niemals! Globo & die Deutschen! Ja die! Das waren Nazis! Aber wir doch nicht!“ 🤞🤞🤞🤞🤞 Wie‘s kommt?!



        ♦️einfach!



        Noch vor!! Ende des WK II - newahr -



        Karl Renner (Freund🦊 Adeauer;) Vorweg gründete das breite österreichische Bündnis / genau



        Die 2. Republik Österreich! Däh



        Die Allierten waren platt!



        🤖 säähr milde, aber Hallo



        “ Die Gründung erfolgte unter schwierigen Bedingungen in der Endphase des Krieges und führte von einer provisorischen Verwaltung hin zu einem souveränen, demokratischen Staat, der sich durch ein ausgeprägtes Konsensdenken der großen Parteien (Proporzsystem) auszeichnete.“



        de.wikipedia.org/w...ngigkeitserklärung



        “… mit welcher der „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich vom 13. März 1938 für null und nichtig erklärt wurde.“

        So geht das - “Nazis wir nicht •

        • @Lowandorder:

          "Vielfach - insbesondere in anderen Ländern wird nicht so fein differenziert!"

          Oh je!

          So mögen das die Österreicher wohl gerne auffassen, sonst wohl kaum einer.

          Der Unterschied zwischen den zwei Brüdern im Geiste ist die Volksgemeinschafts Ideologie der Nationalsozialisten. Die radikale Umgestaltung zu einer ethnisch homogenen Volksgemeinschaft war der Grundstein für die Politik von den Nürnberger Rassengesetzen bis zum Holocaust.

          Diese Komponente ist dem Faschismus und zwar in jedweder Prägung völlig fremd.

          Zur Auffrischung sei kurz angemerkt, das es sich beim Faschismus um eine Bewegung handelt, bei der der Staat im Mittelpunkt steht. Beim Nationalsozialismus ist es das Volk. Der organische Staat im Sinne des Korporatismus ist das Ziel faschistischer Bewegungen in der Geschichte gewesen. Den Nationalsozialisten ging es hingegen um den totalen Staat in Verbindung mit der Volksgemeinschafts Ideologie. Faschismus ist hingegen befreit von Ideologien. Wie Misik richtig erkannt hat, ist er daher nicht greifbar, da er bei Bedarf dieses oder jenes verkündet.

          Der deutsche Faschismus hat daher ein Alleinstellungsmerkmal in der Geschichte und eine Gleichsetzung verbietet sich

          • @Sam Spade:

            Wie unterscheiden sich eigentlich NS-Volksgemeinschaft und skandinavisches Volksheim? Letzteres setzte bekanntlich noch bis in die 70er auf Eugenik.

          • @Sam Spade:

            Hola - da gehen aber dem Privatbullen beim Malteser 🍸seine Falken flöten - wa.

            “Den Nationalsozialisten ging es hingegen um den totalen Staat in Verbindung mit der Volksgemeinschafts Ideologie. Faschismus ist hingegen befreit von Ideologien. Wie Misik richtig erkannt hat, ist er daher nicht greifbar, da er bei Bedarf dieses oder jenes verkündet.“



            Dieser Umkehrschluß - nicht greifbar also keine Ideogie?!



            Halt ich für n steile mE kaum rettbare These! Gelle



            Ideologie = falsches Bewusstsein - bildet sich auch ganz prima mittels Fleckerln Geklautem Unverdauten Inkonsistenz Unvereinbarkeiten & was so der frei drehenden 🧠 Aberwitze mehr sind •



            Ansonsten Kölle Alaaf 🥳

            • @Lowandorder:

              Das die verschiedenen Facetten des Faschismus als eine Ideologieanschauung betrachtet werden, ist etwas anderes als das der Faschismus befreit ist von ideologischen Komponenten.

              Die politische Ideologie des Faschismus zielt rein auf die Machtverhältnisse ab und im Gegensatz zum Nationalsozialismus können sich auch verschiedene Weltanschauungen im Faschismus nicht nur wiederfinden sondern auch koexistieren. Auch unterschiedliche Gesinnungen und Werte innerhalb einer Gruppe sind mit dem Faschismus vereinbar.

              Das unterscheidet ihn von den vier anderen wichtigen Ideologien des 20 Jahrhunderts.

              Das wandelbare Phänomen des Faschismus hat Umberto Eco in seinem Essay sehr gut porträtiert. Es wird daraus auch ersichtlich, das die verschiedenen Spielarten des Faschismus für den Betrachter nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen sind.

              • @Sam Spade:

                Danke. Die widersprechen sich selbst ja so derart grandios - wa



                Daß ich ehna einen der Lieblingswitze unserer alten Dame*04 - nach 2 WK II allen Ideologien einschließlich Dunkeldeutschland ehrenhalber überreiche:“Jung - geh ins Bett!



                Nenn besseren Witz machste heut nichtmehr!“

                unterm—



                Btw - Es sei nicht verschwiegen - daß ich “Streithammel von Natur!“(uns Ohl) häufiger Träger dieser Auszeichnung war!

      • @Budzylein:

        Aber mit dem fabrikmäßigen Mord an Minderheiten hat der NS doch nur ausgeführt, was der faschistischen Ideologie zutiefst zueigen ist. Das Feindbild ist natürlich auswechselbar, es muss nicht (wie im NS) der Antisemitismus sein.



        Der NS unterscheidet sich von anderen Formen des historischen Faschismus jedoch darin, dass er seine Vernichtungsabsicht bis zur letzten Konsequenz auszuführen versuchte.



        War der italienische Faschismus (oder der ungarische, um ein weiteres faschistisches Regime an der Macht zu nennen) letztlich nur skrupulöser als der deutsche NS?



        Der Hass gegen die politischen Gegner, insbesondere gegen die kommunistische Arbeiterbewegung, war (angereichert durch einen ausgeprägten Gewaltkult) genau so fanatisch und entschlossen wie der der Nazis.



        Was aber waren die Faktoren, die in Deutschland zu dem barbarischen Zivilisationsbruch des Holocaust führten, und nicht im faschistischen Italien (oder anderswo)?

        • @Abdurchdiemitte:

          Weswegen der Holocaust von Deutschland begangen wurde, lässt sich kaum rational erklären, weil der Holocaust selbst keinerlei rationale Zwecke (wie z. B. die Eroberung und Ausbeutung fremder Länder und deren Bevölkerung, was dem verbrecherischen, aber durchaus rationalen Zweck dient, sich zu bereichern) hatte. In Deutschland war vor der Nazizeit der Antisemitismus nicht stärker ausgeprägt als in anderen Ländern. Eine wesentliche Ursache war sicherlich der eliminatorische Antisemitismus Hitlers, der praktisch unbeschränkte Macht hatte und ohne oder gegen dessen Willen es den Holocaust nicht gegeben hätte. Aber das erklärt nicht, warum es in Deutschland und auch bei Kollaborateuren im Ausland zahllose Personen gab, die die Vernichtungspläne bereitwillig und eifrig umsetzten.

          Der italienische Faschismus war sicher nicht "skrupulöser", aber hatte eben andere Ziele. Und Ungarn: Als die Pfeilkreuzler dort 1944 an die Macht kamen, wurden auch die ungarischen Juden ermordet.







          Der eliminatorische Antisemitismus ist seitdem nicht verschwunden, im Gegenteil. Man muss unbedingt denen, die offen verkünden, dass sie so viele Juden töten wollen wie möglich, glauben, was sie sagen.

  • Ein wichtiger Aspekt. Menschen können ohne Gefühl nicht entscheiden. Ist dieses Gefühl aber von Niedertracht beherrscht, folgen unmenschliche Entscheidungen.

  • Spannender Artikel!



    Aber die Charakteristika "Führerkult, paranoide Weltbilder, die permanent geschürt werden, ein absolutes Schwarz-Weiß-Denken, antagonistische Feindbilder, vor allem von Minderheiten, aber auch gegen innere Feinde. Aggression, die unablässig aufgepeitscht wird"



    weisen auch andere Gruppierungen auf, die sich teils als dezidiert antifaschistisch verstehen.



    Das soll keine Relativierung des Übels des Faschismus sein, sondern lediglich der Hinweis darauf, dass nach dieser Beschreibung Faschismus nicht zwingend nur am rechten Rand des pol. Spektrums zu verorten sein muss.

  • Es gab unterschiedliche theoretische Definitionen, sicherlich kennen viele die Totalitarismustheorie, also das würde dann bedeuten, die Bewegungen, die einen totalen Staat mit massiver Repression schaffen wollen oder müsse, sind faschistisch. Ich möchte an dieser Stelle mal an Rheinhard Kühnl Formen bürgerlicher Herrschaft. Liberalismus, Faschismus. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1971, erinnern. Für Kühnl liegen Faschismus und Liberalismus nicht so weit auseinander und das passt ja in diese Sphären mit AfD, Trump und anderen formal liberalen Bewegungen, die aber auf ein faschistisches System hinauslaufen. Bei Kühnl ist der Faschismus eine Abwehrreaktion des Kapitalismus auf mögliche Veränderungen. Die faschistische Repression ist in diesem Sinne eine Reaktion auf die Möglichkeit zur radikalen Reform oder Revolution. Die bürgerlichen Klassen machen aber eben auch selber Revolutionen, gegen den Adel und Klerus, wenn das ihrer Lage entspricht...



    Ansonsten hat die NSDAP den modernen Wahlkampf erfunden und viel Propaganda erdacht, die selten wirklich gestimmt oder logisch gewesen ist, aber die Gefühle, die haben sie sehr gut erreicht.

    • @Andreas_2020:

      "Bei Kühnl ist der Faschismus eine Abwehrreaktion des Kapitalismus auf mögliche Veränderungen."



      Das halte ich für einen Blick durch eine sehr antikapitalistische Brille und völlig weltfremd. Einziger Zweck dieser Analyse ist es, alles Böse dieser Welt dem Kapitalismus anzudichten. Naja 1971...es sei ihm verziehen

      • @Chris McZott:

        AFD-Klientel hoffnungslos überaltert? Die Statistiken zum Wahlverhalten zeigen ein ganz anderes Bild.

        Am meisten ist die SPD durch den Tod ihrer überalterten Wähler bedroht. Bei der CDU ist das auch abzusehen, wird sich aber noch etwas länger hinziehen.

        Junge Wähler zieht es stark zu AFD und Linke. Beide Parteien beherrschen den Wahlkampf mit Social Media besser als die alten Parteien.

        Interessant ist auch die Verteilung nach Geschlecht: die Mädels präferieren Linke und Grüne, die Jungs AFD. Blöde Assoziation, aber ich muss gerade an die Suppenkasper der jüngeren Generation denken: die jungen Damen essen nur noch vegan, die männlichen Sportfreaks wollen alle Paläo, soll heißen Fleisch. Paßt irgendwie dazu.

        • @Oma:

          Sie sprechen von den Anteilen unter jungen Wählen. Diese machen unter den Wählern aber einen geringen Anteil aus.

          Gewaltpolitik kann man nicht mit Frauen Ende 40 machen (das ist der statistische Deutsche). Dazu brauchen sie junge Männer auf der Straße. Gerade diese Kohorten sind aber stark migrantisch geprägt...

      • @Chris McZott:

        Seltsamerweise haben Kapitalisten und Faschisten immer gut zusammengearbeitet. Bei der chilenischen Version (und diversen anderen faschistischen Diktaturen in Südamerika) waren Berater der Fakultät Milton Friedmans an der Uni Chicago vor Ort, und berieten die Faschos. Man nennt die gemeinhin die "Chicago Boys".



        Hitler verbot nach der Machtergreifung als eine der ersten Maßnahmen Gewerkschaften. Mit dem "netten" Nebeneffekt, dass es keine Lohnerhöhungen mehr gab.



        etc. pp.



        Oder anders gesagt: Für mich hört sich das absolut stringent an.

        • @Kaboom:

          Kühnl hat damals schon eine stringente und logische Argumentation vorgetragen. Bei aller Kritik die es an dem Buch gab, gibt es einfach sehr starke Hinweise, dass bürgerliche Liberale zum Faschismus tendieren, wenn ihnen echte, radikale soziale Veränderungen angedroht werden. Und die AfD war dezidiert neoliberal, bevor sie rechtsextrem wurde, das bedeutet, sie hatte bereits ein durch und durch ökonomisiertes Bild von Menschen und sozialen Klassen. Die AfD hat sich in ihrer Anfangszeit den Unternehmern und Kapitalbesitzern als radikalere und deswegen bessere CDU/CSU angeboten. Die AfD schon ihrer Anfangszeit eine sehr negative Sicht auf Gewerkschaften und Arbeitnehmerrechte, sie hatte schon damals eine eingeschränkte, ökonomisierte Demokratie im Blick. Insofern finde ich Kühnl sehr diskussionswürdig. Auch Trump kommt ja nicht mit einer NSDAP und SA daher, sondern er kam als Unternehmer, als Ultraliberaler, als amerikanischer Patriot daher. Inzwischen trägt seine Herrschaft schon extreme autoritäre und rassische Merkmale. Insofern: Kühnl lesen ...

        • @Kaboom:

          Hitler musste für sein Bündnis mit Konservativen und Großkapital aber erst den "linken", revolutionären Flügel der NSDAP ausschalten.

          Faschismus (generell Autoritarismus) geht häufig mit mafiakapitalistischen / kleptokratischen Strukturen einher, mit denen ich das klassische Großkapitel (Kartelle) vielleicht noch arrangieren kann, wenn die Bonzen am Raubzug beteiligt werden - siehe Putins Russland.

          Eine freie Marktwirtschaft ist ihnen dagegen ein Grauen, da dies einen Rechtsstaat oder zumindest faire Wettbewerbsbedingungen voraussetzt. Auch ist (im Gegensatz zu linker Folklore) Frieden und Stabilität immer besser fürs Geschäft als Krieg.

          Die AfD ist gegen die EU und Freihandel. Ist das etwa im Interesse des deutschen Großkapitals?

          • @Chris McZott:

            Die Düsseldorfer Rede Hitlers war 1932, Thyssen unterstützte Hitler schon seit 1926. Der immer gern genommene "linke" Flügel der NSDAP war nur Agitprop, damit die Braunen für (ehemalige) Rote wählbar wurden.

            "Eine freie Marktwirtschaft ist ihnen dagegen ein Grauen, da dies einen Rechtsstaat oder zumindest faire Wettbewerbsbedingungen voraussetzt."

            Nuja, in Chile hat es die Neoliberalen nicht gestört, dass Pinochet die unter Allende verstaatlichten Kupferminen in ein Staatsunternehmen überführte (und nicht privatisierte). Chile wäre sonst dank der irren Ideologie der Chicago Boys pleite gegangen, die "kleine" Regelverletzung, zur Aufrechterhaltung der Illusion, dass Neoliberalismus einen Sinn macht, wurde gerne in Kauf genommen.



            Und einen funktionierenden Rechtsstaat gab es in keiner der braunen Diktaturen Südamerikas, in denen die Neoliberalen tätig waren.

            "Die AfD ist gegen die EU und Freihandel. Ist das etwa im Interesse des deutschen Großkapitals?"

            Die AfD ist aktuell nicht an der Macht und kann Wirrköpfe mit allem zuschütten, was die Wirrköpfe gerne hören wollen.

            • @Kaboom:

              …anschließe mich



              btw unser Zotti🐻 hat’s verschärft mit dem Rosinenpicken & nichtzuendedenlen! Woll



              Da mähtste nix!



              Normal

  • Guter Artikel, aber das beste Beispiel eines gegenwärtig faschistischen Staates wird nicht erwähnt: Russland.

    "Führerkult, paranoide Weltbilder, die permanent geschürt werden, ein absolutes Schwarz-Weiß-Denken, antagonistische Feindbilder, vor allem von Minderheiten, aber auch gegen innere Feinde. Aggression, die unablässig aufgepeitscht wird. Maximale negative Emotionalisierung, um eine Anhängerschaft in eine erregte und wütende Masse zu verwandeln."

    All das ist eindeutig in Russland gegeben.

    Umso erschreckender, dass es (angebliche) Linke gibt, die diesem Staat gegenüber Verständnis zeigen und sich für die "Nachbarschaft" mit Russland aussprechen. Wer nicht antifaschistisch ist, der kann sich nicht als links bezeichnen. Deswegen ist z.B. Sahra Wagenknecht keine Linke, ist Holger Friedrich kein Linker, ist Oskar Lafontaine keine Linker.



    Während die früheren "nützlichen Idioten" der UdSSR ja "wenigstens" für einen linksextremen totalitären Staat eintraten, so treten die heutigen nützlichen Idioten der Russischen Föderation für den Faschismus, also mithin den Rechtsextremismus ein. Insofern ist die rechtsextreme AfD immerhin konsequenter und, wenn man so will, ehrlicher.

    • @Suryo:

      Völlig einverstanden.

  • "Faschismus beginnt nicht mit Auschwitz, er endet damit."

    Naja ganz so einfach ist das nicht. Was war mit Franco oder Salazar? Oder eigentlich jeder 08/15-Militärdiktatur. Da gibt es keine Zwangsläufigkeit hin zum industriellen Völkermord.



    Und sobald man eine schnöde Diktatur (pseudo)sozialistisch, monarchisch oder religiös einrahmt, ist ganz schnell das Urteil "faschistisch" weg, obwohl Demokratie, Pluralismus, Menschenrechte und Rechtsstaat genauso verschwunden bzw. nie da waren - siehe DDR, in der große Teile der völkischen Vorstellungen faktisch umgesetzt waren. Die Abgrenzung ist da schwierig.

    Die AfD ist für mich eine rechtsextreme Partei mit faschistischen Inhalten aber (noch) keine klassische faschistische Bewegungspartei. Ein großes Glück ist nämlich, dass die AfD und ihr Klientel genau wie Deutschland insgesamt hoffnungslos überaltert sind.



    Daher fehlt der ausgeprägte Jugend- und Gewaltmassenkult. Das revolutionäre Element wird zwar im völkischen-esoterischen Rand der AfD beschworen aber im größeren Teil ist es eine "Früher war alles besser Partei" ohne Dynamik.

    Gefährlich aber zu Krieg und Völkermord fehlt dem deutschen Rentnervolk schlicht die Kraft...zum Glück.

    • @Chris McZott:

      Meiner Meinung nach ist die AfD in Ostdeutschland deutlich faschistoider. Wenn aufgepeitschte Massen „Ost-, Ost-, Ostdeutschland“ skandieren und rechtsextreme Ossis in den sozialen Medien davon fantasieren, das „kranke bundesrepublikanische System“ hinwegzufegen, wenn Höcke erklärt, dass dieses Deutschland es nicht wert sei, verteidigt zu werden, dann ist das zumindest in den Anfängen faschistoid. Das ist ja alles überhaupt nicht konservativ, sondern es geht ja klar darum, dass verhasste demokratische System zu vernichten. Darum ja auch die Liebe zu Russland. Insbesondere ostdeutsche AfDler (aber auch Leute wie Frohnmaier) geben fast schon offen zu, dass sie im Falle eines russischen Angriffes Deutschland verraten würden, und immerhin debattierte schon der Bundestag über die verdächtigen Anfragen der AfD zur kritischen Infrastruktur. Die Logik hinter der Russlandliebe der AfD ist, dass man es begrüßen würde, wenn ein klar faschistischer Staat Deutschland bzw. die Deutschen beherrschte. Nach dem Motto



      „Lieber Sklaven im Faschismus als freie Bürger in der Demokratie.“

      • @Suryo:

        Für die Entwicklung “Dunkeldeutschland” bis heute!



        Ist zum näheren Verständnis immermoch ”Rotlakierte Faschisten“



        Von Kurt Schumacher hilfreich! Newahr - Normal

  • Das, was der Autor sagt, ist zum großen Teil richtig. Faschismus zeichnet sich nicht durch eine konsistente Theorie aus, sondern eher durch das radikale Verhalten, die Rücksichtslosigkeit gegenüber anderen und auch die Theatralik, der mobilisierenden Leidenschaft.

    Aber dieser Autor macht wie die meisten, die sich mit Rechtsextremismus beschäftigen, den Fehler, sich vor allem mit den rechtextremistischen Politikern und Parteien zu beschäftigen. Auch er beschäftigt sich in diesem Artikel nicht mit den Wählern, den Gründen dafür, warum immer mehr Wähler solche Politiker und Parteien wählen. Kurz und vereinfacht gesagt, weil sich diese Wähler von den etablierten Parteien jahre- und oft jahrzehntelang im Stich gelassen fühlen. Und irgendwann sind sie dann wo wütend, dass sie dann auf Politiker und Parteien anspringen, die ihrer Wut entsprechend alles bestehende kaputt machen wollen. Als letzte Hoffnung, dass daraus dann vielleicht etwas Besseres entspringen möge. Auf diesem Blog ist das noch im Detail ausgeführt: demokratieingefahr.de

    • @EchteDemokratieWäreSoSchön:

      Der Artikel beschreibt sehr präzise, was faschistische Dynamiken ausmacht. Diese Analyse deckt sich mit meinen Erfahrungen aus Gesprächen mit AfD-Wähler*innen: Die auffällige Unverrückbarkeit vieler Positionen verweist auf einen hohen Emotionalisierungsgrad. Politische Argumente bewegen sich dabei weniger im rationalen als im affektiven Raum. Zentral ist das Gefühl, in den eigenen Interessen und in der eigenen Identität nicht wahrgenommen zu werden.

      Zu kurz greift jedoch, die Verantwortung ausschließlich bei den Parteien zu verorten. Demokratie lebt auch von der Urteilsfähigkeit der Wählenden. Wer seine größte Sorge im drohenden Wohlstandsverlust sieht – nicht selten Ergebnis jahrelanger Konditionierung –, entscheidet sich folgerichtig für Parteien, die den eigenen „Stand“ schützen, nicht jene, die am Gemeinwohl orientiert sind.

      Kritisch wird es dort, wo Standesinteressen über Medienmacht und Lobbyismus verfügen. Einfluss wird nicht mehr ausgehandelt, sondern einseitig produziert.



      Die eigentliche Frage ist daher nicht, wer zuerst da war – Henne oder Ei –, sondern wer das Umfeld kontrolliert.



      Und dies im Nebelfeld der Verschwörungstheorien, die die Wahrnehmung weiter verzerren.

  • "Rechte können zugleich Antisemiten und Israelfreunde sein, zugleich Pazifisten und Militaristen, zugleich neoliberal und sozialistisch." Und so weiter. Die Quintessenz des ganzen Beitrags ist, dass "Rechts" und "Faschist" mittlerweile Diffamierungsbegriffe ohne wirkliche Substanz sind, die je nach Bedarf jeder beliebigen Person angehängt werden können. So wird ja von manchen "Linken" sogar Sahra Wagenknecht als "Rechts" angesehen.

    • @XXX:

      Siehe oben: Sahra Wagenknecht verteidigt einen klar faschistischen, zutiefst rechtsextremen Staat.

      Seit wann müssen Menschen, die den Faschismus unterstützen, sich das nicht mehr zurechnen lassen?

    • @XXX:

      "Die Quintessenz des ganzen Beitrags ist, dass "Rechts" und "Faschist" mittlerweile Diffamierungsbegriffe ohne wirkliche Substanz sind, die je nach Bedarf jeder beliebigen Person angehängt werden können"

      Nö. Auch wenn gemeinsame ideologische Zielvorgaben fehlen, gibt es, und das findet sich im Artikel, Kriterien, um Faschismus zu identifizieren.

      "So wird ja von manchen "Linken" sogar Sahra Wagenknecht als "Rechts" angesehen."

      Sarah Wagenknecht selbst sieht sich nicht mehr als Linke. Das Parteiprogramm Ihres Vereins ist Sozialstaat + konservative Wirtschaftspolitik + rechtspopulistische Haltungen im Kontext Zuwanderung & Asyl. Was auch immer das ist, links ist das jedenfalls nicht.

      • @Kaboom:

        @Kaboom

        Es gibt ja auch Wähler, die sprechen sich öffentlich gegen Kindesmisshandlung & Kindesmissbrauch durch die Kirchen aus, oder gegen Gewalt in der Familie und wählen dennoch immer wieder die CDU / CSU Unionsparteien.



        Soll es echt geben.

      • @Kaboom:

        Das ist linkskonservativ, wie die SPD unter Schmidt. Seit die SPD nach Schröder nach links gerückt ist, ist an der Stelle ein Vakuum entstanden. Das hat Frau Wagenknecht erkannt, und sie füllt diese Lücke.

        Sie (diese Lücke, nicht Frau Wagenknecht...) ist aber nicht mehr so attraktiv wie damals. Konservative wählen CDU, Autofreunde und Migrationskritische die AfD, und linke die Linkspartei oder evtl. SPD oder Grüne. Links und konservativ wird heute als Widerspruch empfunden, seit der linke Wertekanon neu definiert wurde.

        • @Debaser:

          Nennen Sie mal zwei oder drei inhaltliche Gemeinsamkeiten zwischen der SPD während der Kanzlerschaft Helmut Schmidt und der kruden Gemengelage in Wagenknechts Verein. Da bin ich jetzt mal richtig gespannt.



          Und ich hätte auch gern einen Beleg für ihre - IMO abstruse - Behauptung, die SPD sei nach der Gerd-Show nach links gerückt.



          Achja, eine passendere Bezeichnung dessen, was Sie linkskonservativ nennen (was ich ebenfalls für eine abstruse Wortschöpfung halte), ist IMO sozialnationalistisch.

          • @Kaboom:

            Ich bin bei Ihnen, wenn Sie sagen, daß es kaum Gemeinsamkeiten zw. SPD unter Schmidt und dem BSW gibt. Das liegt aber eher daran, daß SW die linkskonservative Lücke so schlecht und dilletantisch ausfüllt, bzw an ihrer Rußlandnähe.

            Tatsächlich belegte die SPD damals einige Positionen, die heute als rechts gelten - bspw. eine restriktive Migrationspolitik, ein damals schon antiquiertes Familienbild oder eine autozentrierte Verkehrspolitik. Gleichzeitig stand sie für soziale Sicherheit, Umverteilung und Wohlstand für die abhängig Beschäftigten. Das schloß sich damals nicht aus. Deswegen linkskonservativ. Die CDU war rechtskonservativ.

            Das Attribut "links" wurde dann irgendwann neu definiert - offene Grenzen, Zurückdrängung des Autos (zunächst für die Umwelt, dann fürs Klima), Diversität, lockere Migrationspolitik, Klimaschutz usw. als Ideal. Soziale Gerechtigkeit verlor an Gewicht. Diesem neuen "links", das durch die Grünen forciert wurde, verschrieb sich die SPD immer stärker. Allerdings gab es da schon das jeweilige Original, nämlich die Grünen und die Linkspartei. Von der anderen Seite kam die nach links driftende Union. So wird sie langsam zerrieben.

            • @Debaser:

              @Debaster



              ...." von der anderen Seite kam die nach links driftende Union "



              Also hier wäre mal ganz fein von Ihnen, Sie würden explizit einmal darlegen, durch was genau driftete Ihrer Empfindung nach, die Union nach links ? Ein, zwei politische Entscheidungen würden vielleicht zum Verständnis beitragen, zu verstehen, was Sie als links bei der Union verordnen. Dankeschön.

            • @Debaser:

              Umweltschutz als links zu bezeichnen, halte ich für – gelinde gesagt – abenteuerlich. Es als neu für die SPD zu bezeichnen ist ebenfalls abenteuerlich, schon Willy Brandt machte mit dem "blauen Himmel über der Ruhr" Wahlkampf.



              Klimaschutz ist ein neues Thema, der Sinn erschließt sich jedem, der sich ein wenig mit der dazugehörigen Wissenschaft beschäftigt. Das ist nicht links, das ist ganz schlicht notwendig.



              Die offenen Grenzen sind früher Konsens gewesen, 1984 zog Helmut Kohl mit dem Slogan "Mit uns für offene Grenzen in Europa" in den Europa-Wahlkampf. Da gibts sicher im Archiv der KAS noch ein schönes Bild von dem Wahlkampf-Plakat.



              Das soziale Gerechtigkeit an Gewicht bei der SPD verlor, ist ein Zeichen für einen Rechtsruck, nicht für einen Linksruck. Die Ära Gerd Schröders ist dadurch gekennzeichnet, dass sich die SPD komplett den neoliberalen Ubooten wie Clement ergab.



              Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen, im Wahlkampf 2009, als im Osten in Friseursalons unter 5 € /h Lohn gezahlt wurde, war die SPD gegen einen Mindestlohn. Links ist das wohl eher nicht.

              • @Kaboom:

                @ Kaboom



                Ich kann Ihren Ausführungen nur zustimmen.



                Es kommt ja immer wieder vor, dass sich rechts der Mitte oder der Mitte zu ordnende Mitbürger irritiert fühlen, wenn sich links verordnete Mitbürger größe Häuser, mehrere teure Wagen leisten können, als die



                " Mittelmäßigen " , da kommen diese Leutz oftmals nicht klar drauf, dabei geht es um Humanismus, aber Humanität ist bei Mittelmässigen und vorallem den " christlichen " Mittelmäßigen ein Fremdwort 😉

        • @Debaser:

          @ Debaser



          Obwohl ja heutzutage die humanistischen Linken Wähler eher konservativ, sich für den Erhalt und Ausbau unseres Sozialstaats einsetzen, während die sich vormals an konservativen Werten orientieren CDU / CSU Unionsparteien Wähler, sich ja nun zur Zeit elementaren Veränderungen, durch die Unionsparteien, bezüglich des Sozialabbau, Renten, KV, Arbeitnehmerrechte pp. ausgesetzt sehen. Also alles andere als Konservativ, im Sinne von Werte erhalten.



          Zudem die vormals Konservativen AfD Wähler ja gleich unser ganzes Sozialsystem und den kompletten Staat vernichten wollen.



          So is halt die Entwicklung, da gibt's nix schön zu reden.



          Konservativ, humanistisch is somit jetzt nur noch die Linke zu sehen.

        • @Debaser:

          Hola -

          “… Das ist linkskonservativ, wie die SPD unter Schmidt. Seit die SPD nach Schröder nach links gerückt ist,…“

          Wie kommense denn & gleich doppelt 🙀🥳 auf das schmale Brett!



          Helmut “hamse gedient?“ Schmitt Schnauze - war nie links. Ein unausrottbares Mißverständnis.



          & cum grano salis



          Gilt das für GazPromGerd schon allein wg Agenda 2010 & Arm-in-Arm mit Puff-Reisen Peter Hartz & in Folge Stöpsel-Liz verbertelsmannt weit einschneidend klassenverräterischer •

          • @Lowandorder:

            "Helmut “hamse gedient?“ Schmitt Schnauze - war nie links. Ein unausrottbares Mißverständnis."

            Das stimmt. Aber während seiner ersten Amtsperiode gab es noch Reste der Politik Willy Brandts. Das hat Schmidt während der ersten 4 Jahre so gründlich eliminiert, dass bis heute der linke Flügel der SPD (abgesehen von ein par Nischen) keine relevante Rolle mehr spielt.

            • @Kaboom:

              Das für mich el classico FOTTO 🙀

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              Der rote Jochen aka Kuddl Schnööf



              &



              “Keine Denkverbote“ Helmut Schmidt

              unterm——



              50. Abi “Ah Herr Ministerialdirigent!“



              “Ministerialrat bitte! Herr Vorsitzender!“ (beide nie befördert;))



              “Aber schau! Hab dir Kuddl Schnööfs achtersinnige Gedankens und Meinungens von die sozeale Revolutschon und annere wichtige Sachens. Mit wat vornwech von Siegfried Lenz. Hoffmann und Campe mit gebracht!



              Ja. Für dich! Ein CDU-Parteimitglied wollte es partou nicht haben! Versteh einer Wellt!“



              ps “Wieso kommt ihr beiden eigentlich so gut miteinander zu recht?!“



              Hei “Na das ist doch ganz einfach.



              Er ist links - ich bin rechts.



              Das paßt schon!“

              • @Lowandorder:

                @ Lowandorder



                Cooles Fotto 📸 thx für diesen - wieder wahrlich königlichen 👑 Beitrag von Ihnen. Was wäre dat Tazi ohne Sie....



                Ein Schlübber 🩲 ohne Salz, wat sach ich - ohne Paprika Scharf in der Supp - tatsächlich ..schmunzel 😉

              • @Lowandorder:

                Lieber Lowandorder, Sie sind mit mit Sicherheit ein freundlicher, angenehmer, kluger Mensch, wahrscheinlich auch ein Feingeist. Aber die Kommentarspalte der taz wäre ohne Ihr Kauderwelsch ein besserer Ort.

                Mir geht es so, daß ich meistens drüberweglese (außer, wenn ich direkt angesprochen werde, wie ein Stück weiter oben) - ich denke, ich werde nicht der einzige sein. Wenn Sie wollen, daß Ihre Meinung gehört wird, formulieren Sie doch ganz normal und führen Sie Ihre Gedanken stringent aus, wie es die meisten hier machen. Damit würden Sie nicht nur Gehör finden, sondern vielen einen großen Gefallen tun. Ist nicht böse gemeint.

                • @Debaser:

                  Naja - Wiiwerfassenacht un



                  „Du bes noch nit lans Schmitz-Backes“ 🙀🧐🥳



                  &



                  Wie stand/steht es an meinem Weg zu Penne:(gefiel auch Thomas Mann)



                  “Allen zu gefallen ist unmöglich“



                  share.google/S7SMHH0D0yTxEfiRm

                  kurz - Die einen sagen so - die anderen sagen so. Newahr



                  Normal