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NSDAP-Vergleich von Charlotte Knobloch Die AfD ist nicht die NSDAP

Kommentar von

Klaus Hillenbrand

Ja, es gibt Ähnlichkeiten zwischen der AfD und der frühen NSDAP. Aber Nazi-Vergleiche helfen nicht weiter – nicht mehr.

D as Programm legt sich fest: „Jede weitere Einwanderung Nicht-Deutscher ist zu verhindern“, steht dort, aber auch: „Wir fordern einen großzügigen Ausbau der Alters-Versorgung.“ Wer nun meint, solche Sätze entstammten dem AfD-Programm, irrt. Die Sätze finden sich im Programm der NSDAP von 1920. Da ist von der Vernichtung der Juden oder der Abschaffung der Demokratie nicht die Rede. Die Partei gab sich pflegeleicht wie eine Kuscheldecke.

Charlotte Knobloch, die Grande Dame der deutschen Juden, hat die NSDAP mit der AfD verglichen. Sie sehe „in vielen Bereichen keinen Unterschied mehr zur NSDAP, bevor diese an die Macht gekommen ist“, sagte sie. Sie verhängt damit das denkbar stärkste Urteil über die AfD.

Doch ob dieser Vergleich weiterhilft, ist fraglich. Die Tabuisierung der Rechtsextremen hat lange funktioniert, es gelang keiner Partei, in der Nachkriegsdemokratie Fuß zu fassen. Doch heute ist „Nazi“ in manchen Kreisen kein Schimpfwort mehr. 80 Jahre nach Kriegsende umgibt ein Schleier des Vergessens das Verbrecherregime. Mit einer Tabuisierung lässt sich der Faschismus der 2020er-Jahre nicht mehr bekämpfen.

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Vor allem aber: Der Vergleich funktioniert nicht richtig. Knobloch hat über die Frühzeit der NSDAP gesprochen, und dort hat sie nur teilweise recht. Die AfD steht weder auf den Uniform-Fetischismus der Alt-Nazis noch huldigt sie dem Führerprinzip. Ja, es gibt auch Ähnlichkeiten, an erster Stelle das völkische Denken. Doch hängen bleibt nur der Vergleich AfD und NSDAP. Und der ist falsch. Es wäre eine Verharmlosung der NS-Herrschaft, unterstellte man der AfD eine ähnliche Politik wie Adolf Hitler ab 1933. Das hat Knobloch nicht getan. Aber so bleibt es hängen.

Nazi-Vergleiche helfen bei der Bekämpfung der AfD nicht weiter. Sie helfen überhaupt nicht weiter. Denn was die Nazis getan haben, bleibt ein unvergleichliches Verbrechen.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Klaus Hillenbrand taz-Autor

Jahrgang 1957, ist Mitarbeiter der taz und Buchautor. Seine Themenschwerpunkte sind Zeitgeschichte und der Nahe Osten. Hillenbrand ist Autor mehrerer Bücher zur NS-Geschichte und Judenverfolgung. Zuletzt erschien von ihm: "Die geschützte Insel. Das jüdische Auerbach'sche Waisenhaus in Berlin", Hentrich & Hentrich 2024
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71 Kommentare

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  • R.L.

    Die NS Traditionen kommen uns ja leicht abgeändert der Welle durch Trumps Einfluss+ die autoritäre Sehnsucht zu Gehorchen des Merz +Reiches Gehorsam verändert zurück.Dass da auch Querverbindun-gen sind zeigt die Doku zur US Historie der Euthanasie von PBS=Public Broadcasting System: die- schnell noch vor Kürzung der staatlichen Subventionen durch Trumps Befehle zur Geschichtsklitterung gemacht-, zeigt diese Doku, wie in den USA Anfang des 20 Jahrhunderts & bis in die 30ger hinein populistische rechte Diskurse Rassismus&Abelismus schührten,die auch dort zu breiten Gefolgschaft für KKK und "uns Adolf "führten. Dass mit Delano Roosewelt ein Millionär Präsident sich für soziale Gerechtigkeit, Kartellrecht +gegen Nazis einsetzte, auch durch Jüdische Frau an der Seite:dies Erbe will Trump abreissen & tat es auch schon mit dem Ostflügel des Weissen Hauses.Die US Kräfte, die uns von den Nazis befreiten, will er vergessen machen.Merz mit seinem SS Opa ist da kein demokratisch starker Antipode, sondern eher kulkturell verwandt auch als ex BlackRock CEO.Diesmal ist es eine terrestrische Antifa, bzw. Demokratie in die Ökonomie! Donut Ökonomie, die wir brauchen! Erd Demokratie #debt4climate

  • Jost Peter

    Ja, sachlich alles richtig. Aber nötig herauszustellen? Ist es nicht vielmehr hinderlich anderen Antifaschist*innen zu erzählen, dass ihre Einwände "nicht weiter helfen"? Brauche ich jetzt als erstes Strategiedebatten mit etwas Mansplaining gewürzt? Ein breites Bündnis und Gegenseitige Unterstützung ist nach meinem Dafürhalten deutlich wichtiger. Vor allem hinein in bürgerliche Kreise und erst recht zu Verfolgten des Naziregimes - auch wenn ich Argumente nicht teile oder bewusst nicht anführe.



    Jost Peter, Essen

  • Abdurchdiemitte

    Wer einen Vergleich des historischen Faschismus (auch des NS) mit dem neuen oder ‚demokratischen‘ Faschismus unserer Zeit nicht zulassen will, ignoriert auch die neuere Forschung zu diesem Thema. Und normalisiert damit die AfD.



    Und selbst, wenn jemand der Meinung ist, die AfD sei in ihrer Gesamtheit keine faschistische Partei - und deshalb ein Vergleich mit der NSDAP unstatthaft -, sollte er/sie doch zur Kenntnis nehmen, dass die AfD Faschisten/Nazis in ihren Reihen duldet, wie die NSDAP einem ethnonationalistischen Weltbild frönt und ständig durch öffentliche geschichtsrevionistische Äußerungen ihrer Vertreter auffällt.



    Woher bloß kommt der Reflex, die AfD vor NS-Vergleichen in Schutz nehmen zu wollen, während Antifaschisten pauschal als Gewalttäter, Antidemokraten und Linksextremisten angeprangert werden? (Siehe dazu auch den heutigen Beitrag von Jörg Uthoff hier in der taz.)

    • Wanderin

      @Abdurchdiemitte:

      "Woher bloß kommt der Reflex, die AfD vor NS-Vergleichen in Schutz nehmen zu wollen, während Antifaschisten pauschal als Gewalttäter (..) angeprangert werden?"-



      .



      Ja, instinktive, reflexhafte Solidarisierung mit der Täterseite.



      Tut man das von links, winkt ausserdem die Gelegenheit, sich als Volks- Versteher zu profilieren..



      .



      Zum anderen ist zu bedenken, dass viele im letzten Jahrzehnt vielleicht schon so oft im Bekanntenkreis bei bestimmten Stammtischparolen bewusst weggehört, normalisiert und weggeschaut haben, dass konsequentes Weiter-Verharmlosen der einzige mögliche Fluchtweg vor dem Eingestehen der eigenen Feigheit ist.



      .



      Jeder ist den AfD-lern schon begegnet! Das macht das Thema, wie man gesellschaftlich mit der AfD umgeht, zu einem sehr persönlichen und keinem rein theoretischen. Spielt man das Problem konsequent herunter, hat man bequemerweise auch keine Verantwortung. Weder für versäumtes Handeln noch für zukünftiges.

  • Joachim Petrick

    Charlotte Knobloch macht Punkt bei Vergleich AfD mit NSDAP 1920 vor Hitler/Ludendorff Putsch 9.11.1923 Marsch auf die Feldherrenhalle München. Quelle: Hansjörg Wiesel 1980: “Der Schriftsteller Oskar Maria Graf erinnerte sich an Hitler wahlweise als „Wotan­deutschen“ oder „Spitzel“, der in den Künstler­ateliers und Kaffeehäusern im Schwabing der 1920er Jahre herumschnüffelte, die Leute ungefragt mit seiner Ideologie belästigte und dabei geiferte wie „ein totaler Hysteriker, der seinen Tenor nicht halten kann“. Man hätte Hitler damals leicht aufhalten können" Text will wohl Punkt machen, dass die nach Hitlers Entlassung aus der Festungshaft Landsberg mit Hess 1925 neugegründet eine andere war, die sich auf Parlamentsweg begab, bei der verfassungskonformen Macht Übergabe an die NSDAP mit einer Wette auf Unwägbarkeiten der Hefe des Volkes unterwegs war, schon am 20 Juni 1926 strauchelte, indem NSDAP nicht Goebbels, Strasser sondern Hitler folgte, sich mehrheitlich von der Hefe des Volkes beschlossenem Fürstenenteignungsvolksentscheid entgegenzustellen zugunsten Fürsten Adels, Ruhr-und Rheinstahl Baronen. Die Hefe des Volkes ruhte still nach Hindenburgs Machübergabe an NSDAP 30.1.1933

  • Apfelesser

    Erstaunlich, wie die Aussagen von Frau Knobloch kritisiert werden. Einer Frau, die aus erster Hand weiß wovor sie warnt.

  • StefTack

    Lieber Herr Hillenbrand,

    mit Ihrer These, "was die Nazis getan haben, bleibt ein unvergleichliches Verbrechen", tappen leider auch Sie in jene Falle, die Justus Bender in seinem gestern erschienenen Buch "Deutschland 2033" u.a. auf Seite 12 wie folgt kommentiert: "Doch weil wir so geduldig sind in der über Jahrzehnte gewachsenen



    Souveränität unseres Geschichtsverständnisses, hätten



    wir eine ruhig formulierte Antwort parat: Wir können unsere



    Rede von der Singularität der Jahre 1933 bis 1945 nicht durchhalten,



    wenn wir irgendetwas aus der Geschichte lernen wollen."

    Wir lernen eben nichts (!) aus unserer Geschichte, wenn wir uns immer weiter bequem auf irgendwelchen (behaupteten) Singularitäten ausruhen. Wir dürfen diese Singularitäten schlicht nicht weiter als argumentative Monstranz vor uns hertragen, weil dadurch nicht nur fast jeder kritische Diskurs von vorneherein abgewürgt wird, sondern auch, weil wir uns dadurch gewissermaßen selbst blind machen bzw. in unserem Wahrnehmen-WOLLEN beschneiden, bis es wirklich zu spät ist.

    Schon in seiner Einleitung dekliniert Bender durch, warum "Nie wieder" nur noch eine leere Phrase ist und warum es mittlerweile mehr als das braucht!

  • amigo

    Vergleichen heißt nicht Gleichsetzen – wer die AfD reflexhaft als bloße „NSDAP 2.0“ abtut, macht es sich historisch und politisch zu einfach. Dennoch offenbart der Blick auf die Strukturen erschreckende Parallelen und entscheidende Unterschiede.



    ​Die Parallelen: Beide Parteien speisen sich aus der völkischen Ideologie, dem schamlosen Schüren von Ängsten und der Verächtlichmachung der parlamentarischen Demokratie. Wie einst die NSDAP nutzt die AfD die Instrumente der Republik, um sie von innen heraus zu untergraben. Begrifflichkeiten wie „Remigration“ fungieren als moderne Tarnsprache für altbekannte Vertreibungsfantasien, während parlamentarische Institutionen als Vorfeld der Machtübernahme missbraucht werden.



    ​Die Unterschiede: Die NSDAP war eine offen paramilitärisch organisierte Bewegung mit SA-Terror auf den Straßen, getragen von Massenarmut und den Trümmern der Weimarer Republik. Die AfD dagegen agiert aus einer satten Wohlstandsgesellschaft heraus als digital aufragender TikTok-Populismus und völkische Parlamentsfraktion.



    ​Die Lektion der Geschichte lautet: Eine Bedrohung muss nicht erst im Gleichschritt marschieren, um die Demokratie zu vernichten.

  • RenitenterBoomie

    Richtig. Charlotte Knobloch ist manches Mal nicht so auf den Punkt. Weiss nicht ob Sie Ihr Gefühl inzwischen überwunden hat, mit den "Stolpersteinen" trete man die Opfer der Verbrechen mit Füßen.

    Hier scheint mir das Problem aber etwas anderes zu sein.



    Es handelt sich um den reflexhaften Reflex des Affektes, der unmittelbar in einen Wettbewerb, eine Challenge, also den allgegenwärtigen "Markt" eintritt. Der bekanntlich alles regele.



    Während nicht mehr präsent ist, wohin das Marktförmige Ökonomisierte was wohin regelt.

    Der Bezug zur NSDAP ist richtig, nicht weil die AfD "genauso" oder "schlimmer" oder "weniger schlimm" ist.



    Sondern weil es die kollektive und zu kollektivierende (historische) konkrete Erfahrung, Geschichte der Gesellschaft Deutschlands ist.



    Das nächste -eigentlich inzwischen immer falsch eingesetzte- Argument lautet: Es handele sich um ein "Verharmlosung der Verbrechen der Nazis" So als sei es das Recht, der späte Sieg des deutschen Faschismus die Messlatte gesetzt zu haben. Unterhalb derer Dies-Das -Achtung: Challenge! - weniger schlimm sei.

  • Andreas_2020

    Natürlich ist die AfD nicht die NSDAP. Die eine Partei ist als neoliberale, rechts-konservative Partei gegen die CDU entstanden, die andere Partei aus der Deutschen Arbeiter Partei hervorgegangen, im Grunde genommen, als eine Waffe gegen die Arbeiterbewegung, die 1918/19 die Macht in Deutschland übernehmen konnte. Später lebte die NSDAP von einer Demokratie, die nicht wehrfähig war und keinen Kompass für Extreme hatte. Das ist heute anders, die AfD ist inzwischen eine völkisch-rassistische, immer noch neoliberale Partei, die aber wie die NSDAP auch den Systembruch anstrebt. Anders als die NSDAP hat die AfD noch interne Demokratie, die allerdings zusehends von rechtsextremen gesteuert wird. Ich würde die Parteien nicht gleichsetzen, auch wenn es sehr überzeugende Gemeinsamkeiten gibt, so fordert die AfD Dinge, die sich gar nicht miteinander verbinden lassen, verspricht Wohlstand, will aber Ausländer und vor allem ausländische Arbeitskräfte deportieren. Die NSDAP hat sofort alle Institutionen gleichgeschaltet, die AfD will den staatlichen Rundfunkt reduzieren und praktisch unbrauchbar machen, um aber private ihr genehme Medien zu etablieren. Insofern sollte man die nicht gleichsetzen

  • TaAl

    „Die AfD steht weder auf den Uniform-Fetischismus der Alt-Nazis noch huldigt sie dem Führerprinzip.“

    Noch nicht. Muss ja nicht so bleiben.

    Ich finde diesen Debatten-Text ein bisschen zu kurz und zu unspezifisch als das mich dieser Artikel beruhigen würde.



    Ja, der geschichtliche Rahmen ist heute etwas anders. Und ich glaube auch nicht, dass sich Geschichte 1:1 wiederholt oder wiederholen kann. Aber der Nukleus allem Nazi- oder NSDAP-haften besteht in der Ausländerfeindlichkeit, Frauenfeindlichkeit, Behindertenfeindlichkeit und in der Geld- und Machtgier.

    Nazis wollen vor allem anderen nur unser Bestes: Unser Geld!



    Damals wie heute.

    • Marcelo

      @TaAl:

      Aber eine Partei was unterstellen, das sie das machen könnten sollte man auch nicht.

      • Der olle Onn

        @Marcelo:

        TaAI unterstellt nichts. Da steht lediglich, dass die Entwicklung in der Zukunft noch offen ist...



        Und was das Geld betrifft, das über Posten und Pöstchen zu erlangen ist - da brauchen wir wohl nicht weiter drüber zu diskutieren.

        • Marcelo

          @Der olle Onn:

          Das lese ich anders

  • Zippism

    Dem Artikel kann ich tatsächlich nur zustimmen. Der zwanghafte NSDAP-AfD-Vergleich ist historisch wie politisch ziemlich absurd. Natürlich kann und soll man die AfD für konkrete rassistische, völkische oder demokratiefeindliche Positionen kritisieren. Dafür braucht es aber nicht ständig den Umweg über Hitler und die NSDAP.

    Geradezu grotesk wird es, wenn aus jedem Unterschied zwischen AfD und NSDAP ein „Aber damals war es 1928 auch noch nicht so weit!“ konstruiert wird. Damit wird Geschichte nicht analysiert, sondern eine Vergleichsmaschine gebaut, die am Ende immer beim gleichen Ergebnis landet: AfD = Vorstufe 1933.

    Die NSDAP war eine singuläre historische Erscheinung mit einer konkreten Ideologie, einem konkreten historischen Kontext und letztlich beispiellosen Verbrechen. Wer diese Geschichte ernst nimmt, sollte sie nicht zur politischen Universalkeule degradieren, mit der jede unliebsame rechte Partei zwangsläufig zum nächsten Hitler erklärt wird.

    Man kann die AfD scharf bekämpfen, ohne sie zur NSDAP 2.0 zu fantasieren. Und vielleicht ist gerade das die angemessenere Form, aus der Geschichte zu lernen.

    • RenitenterBoomie

      @Zippism:

      "Die NSDAP war eine singuläre historische Erscheinung mit einer konkreten Ideologie, einem konkreten historischen Kontext und letztlich beispiellosen Verbrechen. "

      Das ist nahezu vollumfänglich und absolut falsch.

      Aber offenbar weit verbreitet. Nehme an, es dient allein dem Selbstgefühl, Selbstkonzeption, mit solch scheinbar kompakt-radikaler Erkenntnishaltung, ein für alle mal alles Leugnen, alles Relativieren zu eliminieren.



      Das ist mehr Psychologie des kollektiven Traumas, das der bürgerliche NSDAP-Faschismus im bürgerlichen Gemüt hinterliess. Zudem immer mit einem unangenehmen Nachgeschmack: Selbst beim Verbrechen unangefochten Sieger, Einzigartig, Unvergleichlich zu sein.

      Fraglos sprengt die Shoa in jeder Hinsicht - schon aufgrund ihrer organisatorisch-industriellen-zeitlichen Kompaktheit alle Grenzen.

      Aber für die Indigenen Nord-Südamerikas, ist ihre kollektive Erfahrung des dort jeweils ganz konkreten, einzigartigen, singulären Völkermordes, sowenig im Wettbewerb mit der Shoa, wie sich Armenier, Tutsis, Palästinenser, Kurden,(...) hinten anzustellen haben. Wird in Deutschland -letztlich- einmal mehr die Weltspitze beansprucht. Um Völkermord nicht Völkermord zu nennen.

    • Andreas_2020

      @Zippism:

      Die AfD trifft auf eine wehrhafte Demokratie und entstand aus einer rechtskonservativen Partei. Das macht einen großen Unterschied aus.

  • Petzi Worpelt

    "Doch heute ist „Nazi“ in manchen Kreisen kein Schimpfwort mehr. 80 Jahre nach Kriegsende umgibt ein Schleier des Vergessens das Verbrecherregime."

    Dass "Nazi" kein Schimpfwort mehr ist, liegt auch daran, dass 90% der Bevölkerung schon mal als Nazi betitelt wurden. Weil sie gegen ein Windrad demonstriert haben, Kölndomplatte schlimm fanden, Corona-Maßnahmen überzogen fanden, gegen Habeck demonstriert haben, Fleisch essen, usw.. Das war komplett überzogen, hat aber immer noch keiner draus gelernt, alle machen munter weiter.. Und jetzt ists den Leuten schlichtweg egal.

    Demnächst ist auch jeder zweite Faschist. Was kommt danach?

  • Anna Bell

    Ich behaupte mal, dass der Autor den Unterschied zwischen “vergleichen” und “gleichsetzen” nicht verstanden hat. Zumindest drängt sich mir das mit dem Aussagen im vorletzten Absatz auf.

    • rero

      @Anna Bell:

      Ihre Behauptung stimmt offensichtlich nicht. Er hat es verstanden.

      „in vielen Bereichen keinen Unterschied mehr zur NSDAP, bevor diese an die Macht gekommen ist“

      Das ist ein Gleichsetzen.

      Auch im letzten Absatz geht es um beides.

      Weil die politischen Akteure immer beim Vergleichen das Gleiche herausstellen und alarmieren wollen.

      Der Vergleich der AfD mit den Nazis mündet quasi immer in eine Fleichsetzung.

      Wenigstens in Teilen.

      Oder wieviele Linken-Politiker haben Sie in Erinnerung, die sagten:“Ok, die AfDler sind schlimm, aber im Vergleich zur NSDAP ist sie harmlos.“?

  • Martin Rees

    Erst aus d(ies)er Matrix konnte das Monster werden, das alte mitigierende Muster der frühen und fortgesetzten Verkennung einer im Wesen ihrer Arme, u.a. der bereits entsprechend apostrophierten Landesverbände, antidemokratisch geführten "Bewegung", die sich zum Ziel gesetzt hat, die alten führenden Parteien der Bundesrepublik Deutschland zu zerstören.



    Wehret...(Ovid)



    thecolumnists.org/...ret-den-anfaengen/



    Hier spricht der eingefügte Text von Michel Friedman für sich!

  • Encantado

    "Der Vergleich funktioniert nicht richtig."



    If it walks like a duck and talks like a duck, it probably is one.

    • Saile

      @Encantado:

      Den infantilen Spruch konnte ich noch nie leiden, jedes schlaue Kind kontert dann: „Aber vielleicht ist es ja auch nur ne besonders kleine Gans!“

      • Altbayer

        @Saile:

        Und um Muttern ganz auf die Palme zu bringen: Was war zuerst da: Die Henne oder das Ei?

  • Profilbild

    Viele verstehen den historischen Vergleich nicht richtig. Wenn die NSDAP als Vergleich herangezogen wird, dann bezieht sich das auf die Phase zwischen etwa 1927 und 1933 – also jene Jahre, in denen die NSDAP erstarkte, aber ihre rassenideologischen Ziele noch nicht offen im Parteiprogramm deklarierte.

    In dieser Hinsicht ist die NSDAP eine Blaupause für die AfD; Björn Höcke macht dies besonders deutlich.

    In jener frühen Phase war weder von der Vernichtung der Juden noch von der Abschaffung der Demokratie die Rede. Dass heute keine Gaskammern mehr errichtet werden, dürfte klar sein. Dennoch hat Höcke unmissverständlich gemacht, dass die AfD eine wohltemperierte, aber systematische Grausamkeit gegenüber anderen ethnischen Gruppen anstrebt.

    Und wer könnte sie daran hindern, wenn die AfD erst einmal in der Regierung sitzt, Besetzungen am Bundesverfassungsgericht beeinflusst und ihre Wähler dies unterstützen? Diese Frage sollten sich alle stellen, die die Gefährlichkeit der AfD verharmlosen.

    • Andreas_2020

      @Profilbild :

      Der Kreis um Björn Höcke könnte auch ganz aussteigen und mit Gewalt sich an die Macht bringen, von den Zahlen und den Anhängern wäre das jetzt bereits möglich. Man sollte die AfD so wie sie jetzt ist ernst nehmen. Ich glaube zwar, dass dann eine Art Bürgerkrieg ausbricht, aber das vielleicht auch nur in Berlin, Hamburg, Bremen und Köln. In einigen Städten und Gebieten könnten die Menschen das einfach schlucken. Die NSDAP konnte auch putschen, aber das brauchten sie am Ende nicht. Die AfD hat m.M. deutlich andere Ideen als die NSDAP. Aber beide Parteien lehnen eine liberale Demokratie ab und lehnen auch eine Presse- und Meinungsfreiheit ab. Dazu kommt noch ein krudes, selektives Bild vom Menschen, das auf Feind- und Freundbilder hinausläuft.

    • Zippism

      @Profilbild :

      Die „Blaupause“ ist schon deshalb ein ziemlich gewagtes Argument, weil man sich die Geschichte hier passend zurechtstutzt: Man nimmt die NSDAP von 1927–1933, blendet ihre damals längst offen erkennbare antisemitische, rassistische und antidemokratische Ideologie aus und erklärt anschließend, genau diese zurechtgeschnittene Version sei das entscheidende Vergleichsmodell für die AfD.

      Besonders interessant ist der Satz, damals sei „weder von der Vernichtung der Juden noch von der Abschaffung der Demokratie die Rede“ gewesen. Das ist historisch schlicht falsch. Die NSDAP hatte bereits lange vor 1933 einen offen antisemitischen Parteiprogrammpunkt und bekannte sich keineswegs heimlich zur Demokratie. Man muss die späteren Vernichtungspläne nicht rückprojizieren – aber man sollte auch nicht so tun, als sei die NSDAP bis 1933 eine harmlose Protestpartei gewesen, die erst nach der Machtübernahme plötzlich ihre wahre Natur entdeckte.

    • Fairchild670

      @Profilbild :

      Ich vermisse den historischen Kontext bei diesen Vergleichen. Sie schreiben von 1927. Damals war die Demokratie in Deutschland nicht mal 10 Jahre alt und alles andere als gefestigt - um nur einen der vielen historischen Unterschiede aufzugreifen. Natürlich sind auch die heutige Bundesrepublik und ihr Volk nicht immun gegen Nationalismus und völkisches Denken, aber sie haben ein deutlich an stärkeres Immunsystem. Und damit meine ich nicht irgendwelche Parteiverbote, sondern dass die meisten Menschen nichts anderes als Demokratie am eigenen Leib erfahren haben. Und im Westen gilt das oft sogar für deren Eltern.

    • Goodfella

      @Profilbild :

      Als wenn alle anderen Parteien nicht die Besetzung am Bundesverfassungsgericht zu beeinflussen versuchten.

  • Land of plenty

    Hierzu zur Diskussion gestellt:



    Dagmar Herzogs schmales Büchlein "Der neue faschistische Körper" 2025 behandelt die Behindertenfeindlichkeit und die eugenischen Vernichtungsfantasien und -taten der historischen biologistischen Ausmerze-Bewegung und vergleicht sie mit heutigen abilistischen Plakaten und Botschaften der Afd.



    NSDAP 1920?



    Die Bewegung gegen das Leben von Behinderten / Eingeschränkten beginnt ca. 1895 mit Arthur Ploetz Traktat "Die Tüchtigkeit unsrer Rasse und der Schutz der Schwachen." Eine Menge akademische Anhänger sammelten sich: von Gerhard Hauptmann bis K.L. Binding und A.E.Hoche "Die Freigabe der Vernichtung lebensunwerten Lebens" 1920.



    Die Afd-Bewegung orientiert auf: Nichtfühlen und affektive Abstumpfung. Empathie, Solidarität und Sensibilität für Verletzlichkeit systematisch demobilisiert. vgl. www.sfb-affective-...5-22-boettger.html



    Rassismus werde mit Sexualität aufgeladen, ästhetisiert, sexy.



    Die Libertarian-Forderung die Schulpflicht aufzuheben zielt auf das Nicht-mehr-zusammenleben-Müssen mit den abgelehnten Anderen.



    Die CDU kürzt bei Eingliederungshilfen und Schulassistenz - beide sind laut gegen Inklusion.

    • Zippism

      @Land of plenty:

      Das ist schon eine bemerkenswerte Eskalation der Argumentation: Von Kritik an der Inklusionspolitik der CDU geht es über ein paar Schlagworte direkt zur historischen „Aktion T4“. Wenn man Kürzungen bei Eingliederungshilfen und Schulassistenz ernsthaft in eine gedankliche Linie mit der systematischen Ermordung von Menschen mit Behinderungen im Nationalsozialismus stellt, sollte man vielleicht irgendwann erklären, wo genau die Grenze zwischen politischer Kritik und historischem Gleichsetzungsfetisch verläuft.

  • Wanderin

    Dieser Text ist ein Beispiel für eine Erinnerungskultur, die ad absurdum geführt wird: "Ich sehe vor meinem Fenster keinen Zeppelin, auf dem "Hindenburg" steht und Uniformen seh ich auch keine - Ergo, ist es kein Faschismus. Und Frau Knobloch, Sie als Holocaust- Überlebende tragen zur Verwässerung des Holocausts bei! Das erkläre ich Ihnen!"

    Es ist absurd, die Erinnerungskultur als Scheuklappe anzuwenden, mit der 1. alles ausgeblendet wird, was nicht exakt dem selben Schema entspricht wie damals und 2. alles Leiden ignoriert wird wenn es noch nicht das Niveau von Gaskammern erreicht hat. 2023 fand eine Tagung mit AfD Mitgliedern statt, bei der ein Masterplan zur Remigration vorgestellt wurde.



    .



    Warum ist man mehr damit beschäftigt, den Holocaust als Gedenkheiligtum vor inkorrekter Semantik zu beschützen als Menschen im Hier und Jetzt?

    • Wanderin

      @Wanderin:

      Mit inkorrekter Semantik meine ich das Wort "Nazi". Korrekt heisst es "Neo- Nazi".

  • Cornelia Gliem

    Hm. Ok, die Nsdap ist nicht afd. Aber die afd sind Faschisten. Da gibt es keinen Zweifel mehr. Ja, nazi und Faschist wird oft falsch als Begriff verwendet. Das gilt aber auch für zb links oder auch "psycho" etc.



    Dennoch kann man weiterhin als Experte oder von der Definition her korrekt diese Begriffe nutzen.



    Ja, "zu sagen, was ist" stellt sogar einen wichtigen Aspekt dar für Erwachsene im politischen oder philosophischen Gespräch.

    Ja man kann afd-programm und afd-äußerungen/Handlungen unterscheiden und je gesondert vergleichen mit zb den nazis der Hitlerzeit.



    Letztendlich aber entscheiden die Taten.

    • Marcelo

      @Cornelia Gliem:

      Was ist für Sie ein Faschist und woran machen Sie das fest das die AFD es ist! Das würde mich mal interessieren, da gefühlt jeder Faschismus anders definiert

    • Uwe Kulick

      @Cornelia Gliem:

      "Letztendlich aber entscheiden die Taten."



      Was zu vermeiden wäre. Sellner und seine "Remigration" stehen hoch im Kurs in der AfD. Die konsequente radikale Umsetzung wäre definitiv extremistische Politik, die zu Arbeitskräftemangel aka mindestens 4 Jahre Rezession dank AfD-politik führen würde! Die AfD ist die wahre antideutsche Partei!

  • Andreas Flaig

    "Sie helfen überhaupt nicht weiter, denn was die Nazis getan haben, bleibt ein unvergleichliches Verbrechen."Absoluter Zuspruch.

    Das diese Verbrechen in der deutschen Seele, als tiefschwarzer Punkt, von immer mehr Menschen als entschuldbar aufflackert und dass jetzt gleichzeitig diese Partei, scheinbar offenkundig, sich neben das "Konzept" der NSDAP stellt, sollte zu denken geben.Die AfD verheimlicht diese Ansätze nicht mal.



    Alleine schon die Vorstellung, ein Konzept wie dieses zu akzeptieren und als verbesserungswürdig zu deklarieren, hat schon eine enorme Tragweite.



    Natürlich ist die AfD nicht gleichzusetzen mit der NSDAP, aber sie liebt das Konzept dahinter und möchte es nach ihrer Vorstellung (wie immer sie auch ist) umsetzen. Sie spielt mit den Opfern des Holocost- wir versprechen eine "humane" Lösung.



    Das ist Infame daran.

  • Worgt Michael

    Die Nazis , also die NSDAP gaben sich auch



    bürgerlich bzw.w. arbeiternah je nach Belieben , und wurden überschätzt, selbst noch nach 1933.



    Sollte man nicht aus der Geschichte lernen ?



    1926 nahm die NSDP niemand für voll.



    1933 war es zu spät.



    Was wird 2033 sein ?

    • Marcelo

      @Worgt Michael:

      Man hat aus der Gesichte gelernt, Was 2033 passiert wissen wir nicht und bis dahin kann noch so viel passieren. Da die AFD anders ist als die NSDAP müssen wir abwarten was passiert

    • rero

      @Worgt Michael:

      Sehen Sie, da fängt es schon an mit der Unsicherheit im Vergleich.

      Die Natis wollten die Klassenschranken aufheben.

      Das haben sie auch umgesetzt.

      Zum Narrativ der Nazis gehört die klassenlose Gesellschaft. Was zählt, ist nur noch die Volkszugehörigkeit.

      Die Natis waren unter anderem so erfolgreich, weil sie vielen den sozialen Aufstieg ermöglichten.

  • -martin-

    Herr Hillenbrand hat richtig erkannt, dass Frau Knobloch nicht behauptet hat, dass die AfD mit der NSDAP nach 1933 vergleichbar wäre. Trotzdem schreibt er, dass sie falsch läge.

    Man muss schon sorgfältig betrachten, was sie gesagt hat.

    Wir können nicht wissen, was die AfD nach einer Machtübernahme tun würde, aber wir wissen recht genau, was die NSDAP vor der Machtergreifung getan hat. Dadurch ist genau diese Zeit vergleichbar.

    Die AfD ist von der NSDAP vor 1930 nicht mehr zu unterscheiden. Frau Knoblich hat völlig recht.

    Das muss so gesagt werden können, denn es ist absolut richtig.

    Die AfD kann heute noch verboten und bekämpft werden. Die NSDAP konnte man nach 1933 nicht mehr wirksam bekämpfen.

    Wir brauchen dringend ein Verbotsverfahren, bevor es zu spät ist.

    • Encantado

      @-martin-:

      "Die AfD ist von der NSDAP vor 1930 nicht mehr zu unterscheiden."



      Kommt drauf an, wie sehr man ins Detail geht. Unterschiede lassen sich immer finden.



      Wer mehr daran interessiert ist, solche Unterschiede zu finden, sollte sich vielleicht fragen wieso.

  • Aurego

    Es gibt zu viele rechtsradikale, rassistische und völkisch denkende Mitglieder und MitläuferInnen der AfD. Einfach zu sagen, die AfD sei nicht die NSDAP, mag zwar in Details stimmen, ist aber eine reichlich billige Argumentation. Ich habe eine ebenfalls über 90-jährige Bekannte, die mich oft vor der Wiederkehr des "Hitlerismus" warnt. Insofern habe ich volles Vertrauen in das sicherlich durchdachte und fundierte Urteil von Frau Knobloch.



    Wir sollten endlich aufhören, die Gedankenwelt, die in der AfD-Basis grassiert, zu verharmlosen und den Schutz unserer sozialen und demokratischen Verfasstheit endlich ernster nehmen.

    • Marcelo

      @Aurego:

      Man sollte aber auch nicht übertreiben

      • Aurego

        @Marcelo:

        Man sollte aber auch nicht unsere Geschichte vergessen.

  • Uwe Kulick

    Also bitte: Am Ende bleibt nur der Vergleich AfD mit NSDAP, und der stimmt soweit! Wenn Frau Knobloch schon damit kommt, vertraut ihr.



    Auf europäischer Ebene hegen Rechtsaußenparteien anderer Länder Vorbehalte gegen den sehr extremen Extremismus der AfD! Deutschland hat kein Faschismus-Problem, es hat ein Nazi-Problem!



    Unter Nazis gibt es viele die feige Holocaust und die anderen Massenmord-NSDAP-Verbrechen z.B. an sowjetischen Kriegsgefangenen, Queers, Behinderten etc. leugnen. Diese Leugnung allein ist ein Verbrechen.



    Parteiobere, die "gemäßigte AfDler" sein wollten sind reihenweise gescheitert - z.B. hat selbst Meuthen nationalistisch rückwärtsgewandte Sätze rausgehauen solange er Vorsitzender war. Mittlerweile ist er bei der Werteunion. Petry war noch schlimmer, weil sie das "Völkische" wieder zur erlaubten Diskurvokabel proklamierte. Sie scheiterte mittlerweile mit ihrer "Blauen Partei". Aber das Völkische feiert dank Österreicher Sellner wieder "fröhliche Urständ" in AfD und Umfeld: "Remigration" rufen die AfDler nun - statt "Sieg Heil".

    Unvergleichbarkeit der Naziverbrechen bis 1945? IMHO durch Hutu und Rote Khmer teilrelativiert: Rassismus und Vernichtungsdeologien morden.

  • Axel Schäfer

    Geht es jetzt nur um den Begriff? Dann von mir aus Neonazis oder Faschisten. Muss man bei diesem Destillat aus rechtem Gerätzel der Vergangenheit (NPD, WSG, Kühnen, Schönhuber und was schon alles geritten und gefahren kam) jetzt über jede Nuance der Abstufung des Rassimus der Menschenverachtung und der Demokratieverachtung diskutieren und zu irgendwas in Relation setzen? Wenn man sich ja auch mal die Einzeläußerungen die von der GFF dokumentiert wurden ansieht, ist die Vergleichsgröße "Nazi", die AgD und ihre Vorfeldorganisationen hat jetzt noch nicht die Macht die feuchten Träume ihrer Gefolgschaft umzusetzen, ähnlich wie die Nazis vor 1933, was nach einer möglichen Machtübernahme erfolgen könnte ist spekulativ, aber die AgD ignoriert ja bewusst Lehren, die man auf der Nazizeit gezogen haben sollte und möchte so gerne in eine ferne Vergangenheit zurück, die einen vielleicht eher in Richtung 1933ff. die im Osten vielleicht auch mehr Richtung DDR 1949ff. auf jeden Fall antidemokratisch.

  • Sonnenhaus

    "Denn was die Nazis getan haben, bleibt ein unvergleichliches Verbrechen". Ist das nicht ebenfalls verharmlosend? Gerade wenn die Verbrechen der Nazis nicht mit anderen Verbrechen immer wieder in Relation gesetzt werden, kann sich eine Sonderstellung der Unvergleichbarkeit entwickeln, die ein Wiederaufkommen neuer brauner Bewegungen nicht erkennen lässt. Nur die Auseinandersetzung mit neuen Nazibewegungen mit deren historischen Vorbildern lässt uns frühzeitig erkennen, wie weit die verbrecherische Entwicklung bereits vorangekommen ist, und welche akute Gefahr besteht.



    Es ist eine unschätzbare Bewertung von Frau Knobloch, die sie als Zeitzeugin veröffentlicht hat.



    Aus verschiedenen vergleichenden Tatsachen lässt sich sehr wohl eine parteilich historische Strategie der AfD erkennen, welche durch einzelne Parteimitglieder über Jahre hinweg entwickelt und dem Parteiprogramm strategisch implementiert haben.



    Wehret den Anfängen, bevor es zu spät ist!

    • Encantado

      @Sonnenhaus:

      "Wehret den Anfängen..."



      Das ist ja genau der Punkt: über die Anfänge sind wir bereits hinaus.

      • Zippism

        @Encantado:

        „Wehret den Anfängen …“

        Ja, und genau deshalb wäre ein Blick auf die tatsächlichen Anfänge der NSDAP vielleicht ganz hilfreich. Die waren nämlich nicht einfach eine Partei mit „falschen Ansichten“, sondern geprägt von politischen Morden, brutalen Saalschlachten, paramilitärischen Verbänden und gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen SA und kommunistischen bzw. sozialistischen Kampfbünden.

        Wenn man schon historische Vergleiche bemüht, sollte man vielleicht auch die historischen Maßstäbe ernst nehmen. Sonst bedeutet „Wir sind über die Anfänge hinaus“ irgendwann nur noch: Die AfD gefällt mir politisch nicht, also sind wir jetzt ungefähr 1932.

        Das macht den Nationalsozialismus nicht weniger schlimm – es macht nur den Vergleich zunehmend beliebig. Und wenn jeder zugespitzte Wahlkampf, jede migrationspolitische Forderung oder jede rechte Provokation bereits als „über die Anfänge hinaus“ gilt, stellt sich irgendwann die ziemlich unangenehme Frage, was man eigentlich noch als echten Anfang des Nationalsozialismus bezeichnen will.

  • Bürger L.

    Mit dem Kommentar von Herrn Hillenbrand stimme ich voll und ganz überein. Meines Erachtens ist die AFD eine rechts-nationale und rassistische Partei. Allerdings scheint ja selbst ein eindeutiger Nachweis der Demokratie- oder Verfassungsfeindlichkeit nicht so einfach zu sein, sonst wäre die Partei vermutlich längst verboten.

    Um nicht missverstanden zu werden: mein Herz schlägt seit jeher links. Von daher liegt mir nichts ferner, als das Wirken der Rechtsnationalen zu verharmlosen.



    Den schon länger festzustellenden leichtfertigen und inflationären Gebrauch der Bezeichnungen Nazis oder Faschisten halte ich auch für problematisch. Wie Hillenbrand schreibt, kann das zur Verharmlosung der tatsächlichen Gräueltaten von Nationalsozialisten und Faschisten beitragen.



    Zudem haben inzwischen "Fascho oder Nazi", z.B. durch die sozialen Medien, zunehmend Eingang in die Alltagssprache junger bis "mittelalter" Menschen gefunden. Ich sehe da durchaus die Gefahr der Gewöhnung und Normalisierung der Begriffe, die der tatsächlichen Gefahr durch rechtsnationale Entwicklung nicht gerecht wird.

    • Encantado

      @Bürger L.:

      "Allerdings scheint ja selbst ein eindeutiger Nachweis der Demokratie- oder Verfassungsfeindlichkeit nicht so einfach zu sein..."



      Diese Schlussfolgerung daraus abzuleiten, dass bestimmte Kreise sich weigern einen Antrag zu stellen, hat allerdings keine wirkliche Grundlage.



      Aber genau das passiert, wenn man keinen Antrag stellt aus Angst er käme nicht durch.

    • Martin Sauer

      @Bürger L.:

      Rechte You Tuber Zb. sagen "Ich werde immer wieder Nazi genannt, ich bin kein Nazi, aber inzwischen sehe ich das als Orden an." Und so denken leider viele junge Leute. Ja, da haben sie Recht, das Wort verliert langsam seinen Schrecken und normalisiert sich.

      • Uwe Kulick

        @Martin Sauer:

        Meine Mutter hat die Nazizeit bis zum 12 Lebensjahr erlebt. Sie erzählte genau das: Es gab Menschen, die schimpften die Nationalsozialisten "Nazis", die Beschimpften aber hatten längst das Schimpfwort als stolze Selbstbezeichnung für sich selbst entdeckt.

        Es wiederholt sich offenbar. Den Anfängen wehren? Heute, wie schon bei den Nachwendepogromen, sehen wir, ist Auswüchsen längst erfolgter Anfänge zu wehren. Und der Mut zu Konsequenzen, zu denen wir durch den "Nie wieder"-Schwur unserer Vorfahren verpflichtet sind (Parteiverbot), den Mut bringt keiner auf ... :-(

        Dan ist nicht die "danger"

    • Ingo Bernable

      @Bürger L.:

      Ist es wirklich "nicht so einfach" zu sagen welche Positionen mit Demokratie und Grundgesetz vereinbar sind und welche nicht? Ist es wirklich eine annähernd unüberwindbare intellektuelle Hürde zu benennen was Faschismus ist (es gibt da übrigens wissenschaftlich anerkannte Definitionen)? Und soll man wirklich erst dann von Faschismus reden wenn Gaskammern und Krematorien in Betrieb sind (im italienischen und spanischen Faschismus gab es zwar Konzentrations- aber keine Vernichtungslager)? Und was genau wären die Punkte die die NSDAP von 1932 zu Nazis machte, etwa ihr Uniformfetisch (das Führerprinzip kam nämlich erst ´33 mit dem Ermächtigungsgesetz)? Oder ist man mit einer Argumentation die das Offensichtliche zu einem diffus Unbestimmbaren verklärt nicht längst der Diskursverschiebung der Rechten auf den Leim gegangen?

      • Klabauta

        @Ingo Bernable:

        Sehe ich genauso. Hierzulande werden Nationalsozialismus und Faschismus gerne gleichgesetzt. Der Nationalsozialismus ist eine speziell deutsche Ausprägung des Faschismus. Vielleicht kann man die AfD also nicht als nazistisch bezeichnen, als faschistisch hingegen schon.



        Was daraus werden könnte, lässt man sie gewähren, steht auf einem anderen Blatt.

  • EchteDemokratieWäreSoSchön

    Ja, Nazi-Vergleiche und Verteufelungen helfen nicht, die Stimmenanzahlen der AfD nach unten zu bringen.

    Was helfen würde, wäre eine Politik, mit der weniger Menschen unzufrieden und mehr zufrieden wären. Im Augenblick wird aber das genau Gegenteil gemacht . 80% der Bevölkerung findet, dass die Rente nach 45 Beitragsjahren beibehalten werden sollte. Aber CDU und SPD haben vereinbart sie abzuschaffen.

    Und 80% der Menschen sind der Meinung, dass Milliardäre und Superreiche (>100 Mio. €) höher besteuert werden sollten. Aber das macht die Politik nicht, obwohl damit eine Politik gemacht werden könnte, mit der wesentlich weniger Menschen unzufrieden sind.

    Daher muss sich niemand wundern, dass die CDU von 28 % auf 20% gefallen ist, die SPD von 16 % auf 12% gefallen und die AfD von 20 % auf 28% gestiegen ist.

    Im Gegenteil. Wenn weiter eine solche Politik gemacht wird, wird es nicht mehr lange dauern, bis die CDU unter 20% gefallen ist, die SPD einstellig und die AfD über 30% gestiegen ist.

    Dazu muss man kein Hellseher sein. Das ist einfach logisch.

    • Marcelo

      @EchteDemokratieWäreSoSchön:

      Wenn 80 % der Bevölkerung wirklich für eine Reichensteuer sind warum wählen dann so wenig die Linke? Ich glaube nicht das 80 % der Bevölkerung dafür sind genauso wenig nicht das 80 % der Bevölkerung für die Rente nach 45 Beitragsjahren ist

      • Der olle Onn

        @Marcelo:

        "...warum wählen dann so wenig die Linke?"



        Vielleicht weil die Linke insbesondere in altbundesdeutschen Landesteilen noch immer mit "den Kommunisten, die uns armen Bürgern alles wegnehmen wollen" gleichgesetzt wird?

    • fly

      @EchteDemokratieWäreSoSchön:

      Mit „x% der Bevölkerung möchte..“ kann man nicht die Politik kritisieren.



      Fast 100% der Bevölkerung möchte viel weniger Steuern zahlen - geht aber nur in begrenztem Umfang.



      In der Lokalpolitik, mehr als 60% möchte mehr Parkplätze und weniger Ausgaben für Grundsicherung - geht aber auch nicht.



      Nein, Politik muss Ziele vorgeben, auch mal für unpopuläre Massnahmen, die für die Gemeinschaft insgesamt doch notwendig sind.

    • Encantado

      @EchteDemokratieWäreSoSchön:

      "Was helfen würde, wäre eine Politik, mit der weniger Menschen unzufrieden und mehr zufrieden wären. Im Augenblick wird aber das genau Gegenteil gemacht . 80% der Bevölkerung findet, dass die Rente nach 45 Beitragsjahren beibehalten werden sollte. Aber CDU und SPD haben vereinbart sie abzuschaffen.



      Und 80% der Menschen sind der Meinung, dass Milliardäre und Superreiche (>100 Mio. €) höher besteuert werden sollten."



      Ich irre mich wahrscheinlich, aber ich würde behaupten, dass die AfD ebenfalls nichts dergleichen in ihrem Wahlprogramm hat.



      "Wenn weiter eine solche Politik gemacht wird, wird es nicht mehr lange dauern, bis die CDU unter 20% gefallen ist, die SPD einstellig und die AfD über 30% gestiegen ist.



      Dazu muss man kein Hellseher sein. Das ist einfach logisch."



      Eben nicht. Das ist offensichtlich durch die linke Brille gedacht. Sonst wäre nämlich nicht die AfD, sondern die Linke bei bald 40%.

      • Zippism

        @Encantado:

        Womöglich liegt es ja auch daran, dass manche Menschen bei der Linken nicht einfach nur „Milliardäre höher besteuern“ hören, sondern Vermögensteuer. Und dann vielleicht überlegen, was das für Menschen mit einem größeren Eigenheim, angespartem Vermögen oder einem gutverdienenden Haushalt bedeutet. Die Linke hat zwar einen Freibetrag von einer Million Euro Nettovermögen pro Person vorgesehen – aber darüber beginnt ihre Vermögensteuer bei 1 Prozent und steigt bis auf 5 Prozent ab 50 Millionen Euro; für Milliardenvermögen sind 12 Prozent vorgesehen.

        Das kann man politisch völlig legitim finden. Aber daraus folgt eben nicht, dass jeder, der höhere Steuern für Milliardäre befürwortet, automatisch Die Linke wählen müsste.

        Vielleicht ist die Welt doch etwas komplizierter als „Die Menschen wollen Superreiche höher besteuern, also müssten sie eigentlich links wählen“.

  • Ruhig bleiben

    Entmenschlichung von Queers und trans*Personen, geistig behinderte Kinder werden als Störfaktor für "normale" angesehen, Muslim*innen im Wahlprogramm aktiv ausgegrenzt usw.

    Doch, der Vergleich mit dem Programm ist durchaus angebracht.

  • Sabine Hofmann-Stadtländer

    Ich tue mich immens schwer mit diesem Artikel. Verfolgten des Naziregimes zu unterstellen, dass - ich drücke es mal ein wenig drastisch aus - ihre "Vergleichsfähigkeit" etwas getrübt sei, finde ich sehr vermessen! Überlebende wie z. B. Frau Knobloch oder Dr. Leon Weintraub nehme ich in ihren Erinnerungen und Befürchtungen sehr ernst (Dr. Weintraub spricht sich z. B. für ein AfD-Verbot aus). Und wenn diese Menschen sich bezüglich des Auftretens der AfD an die Anfänge der NS-Zeit erinnert fühlen, dann steht es mir nicht zu, dies anzuzweifeln. Wenn man dann noch hergeht und schreibt, dass diese Vergleiche nicht (mehr) weiterhelfen, finde ich es schon fast eine Geringschätzung gegenüber den Verfolgten. Als - ich wiederhole meinen Hinweis - Tochter eines ehemaligen KZ- Häftlings reagiere ich auf solche Artikel äußerst empfindlich.

  • guzman

    Seltsame Logik, die NS Schergen haben die „unvergleichlichen Verbrechen“ ja nicht 1920 begangen, sondern erst nach der Machtübernahme.

  • Ingo Bernable

    "Ja, es gibt auch Ähnlichkeiten, an erster Stelle das völkische Denken."



    Und das ist eben der Kernpunkt dieser Ideologie der Ungleichheit, die Gewissheit der Überlegenheit der eigenen Gruppe, egal ob man dabei nun von "Rasse" oder Kultur spricht und doch dasselbe meint. Genau dieser Wahn der eigenen Überlegenheit war es doch der Begründung und Rechtfertigung für die Vernichtung von Juden, Kommunisten, Homosexuellen, Roma und Sinti, "Asozialen", ... und allen anderen Gruppen war die man innerhalb des völkisch-rassisch definierten Weltbildes für schädlich hielt. Genau diese Distinktion zwischen "dem [homogenen] Volk" und jenen 'Anderen' die man für schädlich und in ihrem Dasein für illegal erklärt findet sich exakt so auch in der Argumentation der heutigen Nicht-Nazis. Menschenrechte werden bereits heute regelmäßig auch von demokratischen Akteuren gebrochen, Menschen bewusst und gewollt tausendfach ohne Rettung dem Tod überlassen und eine Mehrheit goutiert das.



    Was also spricht für die Annahme, dass aktiver Mord eine absolute Grenze bleiben wird, auch dann wenn die AfD feststellen wird, dass die "millionenfache Remigration" sich als praktisch undurchführbar erweist?

  • Il_Leopardo

    Stimmt - es gab damals die "Schmach von Versailles" und die Weltwirtschaftskrise. Die Probleme heutzutage sind gemessen daran "Peanuts".



    Aber: Warten wir es mal ab, wie die Entwicklung weitergeht. Im Moment geht es nur um Bundesländer. Was aber ist, wenn die ganze Republik immer narzisstischer wird.



    Erst werden die Schlagbäume an den Grenzen geschlossen und die Fahnen an den Schulen hochgezogen. Dann wartet die Partei ab, wie das so ankommt.



    Na, und dann kann man die nächste Dosis, wird die nächste Pille verabreicht. Vielleicht das Migrationsrecht verschärfen und alle Moslems, die noch nicht deutsche Staatsbürger sind, nach Hause schicken, so mit ein wenig Nachdruck.



    Dann wird wieder gewartet. Mal sehen, wie das Volk darauf reagiert. Schön, es hält still. Wir können weitermachen.



    Ich sage, wehret den Anfängen. Vielleicht hat Frau Knobloch eine ähnliche Denke.

    • Encantado

      @Il_Leopardo:

      "Was aber ist, wenn die ganze Republik immer narzisstischer wird."



      Meinen Sie jetzt tatsächlich narzisstisch oder doch nazistisch?

      • Il_Leopardo

        @Encantado:

        Ich ziehe mich elegant aus der Affäre: narzisstische Persönlichkeitsstruktur als Basis für Nazismus!

        Sie haben natürlich recht: ich habe mich da etwas vergaloppiert.

  • Markus Wendt

    „Denn was die Nazis getan haben, bleibt ein unvergleichliches Verbrechen.“ Völlig richtig. Aber wollen wir ernsthaft das Risiko eingehen, dass eines Tages doch ein Vergleich angestellt werden muss?

    • Zippism

      @Markus Wendt:

      Was für eine putzige Fragestellung: „Wollen wir ernsthaft das Risiko eingehen, dass eines Tages doch ein Vergleich angestellt werden muss?“ Als gäbe es nur zwei Möglichkeiten: NSDAP-Vergleich – oder sorgloses Zuschauen. Vielleicht könnte man politische Entwicklungen auch einfach kritisieren, ohne reflexartig die NSDAP als universellen Maßstab aus dem Hut zu ziehen. Nicht jede fragwürdige politische Entwicklung wird automatisch zur Vorstufe von 1933.