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Nius-Werbung in der Berliner U-BahnAuf dem falschen Gleis

Ann-Kathrin Leclère

Kommentar von

Ann-Kathrin Leclère

Das rechte Portal „Nius“ darf bei den Berliner Verkehrsbetrieben präsent sein. Die sagen, es sei nur Werbung. Doch damit macht es sich das Unternehmen zu leicht.

Auch schon ohne „Nius“ häufig die Hölle: U-Bahn der BVG Foto: Sebastian Gollnow/dpa

T äglich sind rund 3,1 Millionen Menschen mit den Berliner Verkehrsbetrieben unterwegs. Für viele Ber­li­ne­r*in­nen gehören U-Bahn oder Bus zu den wenigen Orten, die sie täglich sehen – neben Wohnung oder Büro. Gerade deshalb trägt die BVG eine besondere Verantwortung dafür, welche Botschaften sie auf ihren Werbeflächen sichtbar machen. Dass dort nun Werbung für das rechtspopulistische Portal „Nius“ läuft, ist ein Problem.

Denn „Nius“ hat sich seit seiner Gründung 2023 einen zweifelhaften Ruf erarbeitet. Es fällt regelmäßig durch Desinformation, rechtspopulistische Zuspitzungen und menschenfeindliche Stimmungsmache auf. Und dieses Portal kann jetzt sehr präsent in vielen U-Bahnen schreiben: „Morgens um 6 schon wissen, was einem abends um 8 verschwiegen wird“. Dieser Satz spielt auf die Tagesschau an und suggeriert, dass öffentlich-rechtliche Medien die Bevölkerung bewusst belügen würden. Dabei ist „Nius“ wirtschaftlich keineswegs die Erfolgsgeschichte, als die es sich inszeniert. Das Portal steckt tief im Minus. Die groß angelegte Werbekampagne wirkt wie ein verzweifelter Versuch gegenzusteuern.

Die BVG weist die Verantwortung übrigens von sich. Werbung würde von externen Partnern vermarktet, heißt es. Mit den Grundwerten der BVG dürften „Nius“-Inhalte auch nicht übereinstimmen. „Wir stehen öffentlich und aus Überzeugung für Offenheit, Respekt und ein demokratisches Miteinander ein.“ Aber es gelte: Werbung sei „nicht gleichzusetzen mit der Haltung der BVG“.

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Aber wer täglich Millionen Menschen befördert, kann sich nicht aus der Verantwortung ziehen. Werbung schafft Sichtbarkeit und normalisiert deren Inhalte im öffentlichen Raum. Die BVG entscheidet darüber, welchen Ak­teu­r*in­nen sie diese Bühne bietet. Und wenn „Nius“ okay war, was folgt dann als Nächstes? Werbung für den Dritten Weg, für einschlägige rechtsradikale Onlineshops? Wenn sich die BVG ernsthaft für ein demokratisches Miteinander einsetzt, sollten rechte Hetzportale wie „Nius“ nicht mehr mitfahren dürfen.

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Ann-Kathrin Leclère
Aus Kassel, lange Zeit in Erfurt gelebt und Kommunikationswissenschaft studiert. Dort hat sie ein Lokalmagazin gegründet. Danach Masterstudium Journalismus in Leipzig. Bis Oktober 2023 Volontärin bei der taz. Jetzt Redakteurin für Medien (& manchmal Witziges).
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31 Kommentare

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  • Ich denke die Autorin zielt auf die Vertragsfreiheit ab, die besagt, dass Privatpersonen und Unternehmen frei entscheiden können, ob und mit wem sie Verträge schließen.



    Und dann gebietet es die Moral, keine Verträge mit NIUS zu machen.



    So denke ich war der Gedankengang.



    Die Frage ist, vermietet die BVG ihre Werbeflächen selbst?



    Das glaube ich nämlich nicht.



    Gerade Unternehmen die knapp bei Kasse oder verschuldet sind (hallo BVG) wollen (und brauchen für ihre Gläubiger) Planungssicherheit.



    Die sourcen die Werbeflächen an Agenturen aus, die ihnen vorab einen Fixbetrag bezahlen



    = schnelles flüssiges Geld



    Es ist dann das Risiko der Agentur, für die Flächen mehr zu erwirtschaften, als sie im Paket dem Unternehmen im Voraus gezahlt haben.

  • Eine seltsame Position, man sei nicht für die Werbung verantwortlich, weil man einen externen Partner beauftragt hat.

  • In Magdeburg dasselbe hässliche Bild aktuell. Hintergrund ist hier sicher, dass die Landeshauptstadt ihre Werbefläche an private Dienstleister verkauft hat und dann wirklich keinen Einfluss hat und stattdessen ihre diese Flächen bei Bedarf teuer mieten muss. So kommt es dann auch, dass ein großes Technikmuseum in der Pfalz direkt an der Außenwand des eigenen Technikmuseums beworben wird. Man kann nur mit dem Kopf schütteln.

  • Natürlich muss an dieser Stelle Niuuss gecancelt werden. Wenn die agd an die Macht kommt, werden sie das gleiche tun. Die Übernahme aller Massenmedien ist Programm rechter und faschistoider Bewegungen. Nisus ist keine Werbung, denn, für welches Produkt werben sie? Sie ist auch kein journalistischer Verein, denn sie verstößt regelmäßig gegen jede journalistische Regel. Sie ist ein Propaganda-Organ einer rechten verfassungswidrigen Gesinnung und sollte daher aus öffentlichen Räumen ausgeschlossen werden.

  • Wie wäre es denn mit dem Hinweis: "Die hier platzierte Werbung gibt nicht zwingend die Meinung der BVG/DB oder sonstwem wieder"?

  • Die S-Bahn in Berlin (also auch der Hauptbahnhof) wird doch von der Deutschen Bahn betrieben, nicht von der BVG – darf Niuhz da also auch werben?

  • Ich weiß, dass es sich bei dem Beitrag um einen Kommentar handelt. Allerdings kann ich die Ansichten, die hinter dem Kommentar stehen, nicht teilen. Wessen Meinung einem nicht passt, der darf auch nicht dafür werben? Was ist das für ein Weltbild?



    Nius hat u.a. deshalb wirtschaftliche Probleme, weil es vielen Menschen zu radikal ist. Die Gefahr, dass sie durch die Werbung jetzt neue Abos verkaufen, ist recht gering. Wenn sie allerdings gecancelt werden (und nichts anderes fordert der Kommentar), gäbe es mit SIcherheit Solidarisierungseffekte.

  • Nicht dass ich mit Nius irgendetwas anfangen kann, aber die Stoßrichtung dieses Artikels hier ist gefährlich.

    Nehmen wir an, die AfD kommt an die Macht.



    Die argumentiert dann: "Die linke Online Zeitung TAZ darf bei den Berliner Verkehrsbetrieben präsent sein. Die sagen, es sei nur Werbung. Doch damit macht es sich das Unternehmen zu leicht."

    Und weiter:



    "Denn die TAZ hat sich seit ihrer Gründung einen zweifelhaften Ruf erarbeitet. Sie fällt regelmäßig durch linkspopulistische Zuspitzungen und Polizei- und Regierungsfeindliche Stimmungsmache auf."

    Wenn man sich dagegen wappnen will, ist die richtige Forderung, dass die Berliner Verkehrsbetriebe für jedes legale Unternehmen Werbung machen darf und zwar ohne dass sich die Politik einmischt.

    Damit nämlich in Zukunft die Verkehrsbetriebe noch Werbung für die TAZ schalten dürfen.

  • Det taz als linker Gegenentwurf könnte auch dort werben. Das wäre ein freier Weg und nicht das ewige Rufen nach Verboten. Schon mal darüber nachgedacht?

    • @Flocke:

      Die taz ist kein linker Gegenentwurf zu Nius. Die taz hält sich an journalistische Grundsätze, wovon Nius als rechtes Propagandamedium sehr weit entfernt ist. Den relativierenden Blödsinn hat schon die Klöckner abgelassen.

  • Linke Portale machen Werbung. Rechte Portale machen Werbung. Unterhaltungsportale machen Werbung. Kaufportale machen Werbung.



    Alle vier belügen ihre Kundschaft auf die eine oder andere Art. Kein Grund für ein Verbot im öffentlichen Raum.

    "Eine Zensur findet nicht statt."

    • @F. Tee:

      Zensur? Wenn man faschistisches Gedankengut propagiert, die Demokratie abschaffen will, rassistischen Hass verbreitet, dann ist es keineswegs Zensur, wenn man sich dagegen zur Wehr setzt, das gebietet schon das GG.

    • @F. Tee:

      Welche linken Portale schalten teure Werbung auf öffentlichen Werbeflächen?

    • @F. Tee:

      Fake News Portale machen Werbung.



      Definitiv ein Grund für ein Verbot im öffentlichen Raum.

  • "Freie Fahrt für freie Bürger?" Wahrscheinlich lohnt sich die Werbung finanziell. Der freie Markt wird das regeln, mögen die rechten Freigeister rufen. "Freiheit für alle!"



    Wenn es mal so schön einfach wäre.

  • Nius und der Dritten Weg in einem Satz…das ist einfach nur undifferenzierte pauschalisierende Gleichsetzung.

  • Alles verbieten was einem nicht passt. So einfach ist es hoffentlich nicht. Und wird hoffentlich auch so bleiben.

    • @Klaus Schwarzmüller:

      Korrektur: Das Verfahren gegen Reichelt wurde (leider) eingestellt. Ändert aber nichts an seiner menschenfeindlichen Einstellung.

    • @Klaus Schwarzmüller:

      Wie Sie ja aus dem Artikel entnommen haben, handelt es sich um eine Werbung für ein rechtspopulistisches Portal. Gegen den Chefredakteur Reichelt wird gerade wegen Volksverhetzung ermittelt.

      "So einfach ist es hoffentlich nicht. Und wird hoffentlich auch so bleiben."

      Wenn die AfD, auch mit Hilfe von "Nius" irgendwann mal in der Regierung sitzen sollte (Gott bewahre), dann können Sie sich ihre Hoffnungen komplett abschreiben.

      • @Andreas Flaig:

        Darüber weiß ich nichts. Ich weiß nur, dass ein Verfahren letzten Jahres eingestellt wurde, weil sich der Anfangsverdacht nicht erhärtete. Wenn sie dieses Verfahren meinen, verbreiten Sie Fakenews.

        • @Klaus Schwarzmüller:

          "Wenn sie dieses Verfahren meinen, verbreiten Sie Fakenews."

          schauen Sie bei Andreas Flaig



          heute 9:36 vorbei.

          Wie gesagt, sie werden sich noch wundern, was alles verboten wird, wenn die Rechtsradikalen am Ruder sind.

    • @Klaus Schwarzmüller:

      Immer und immer wieder müssen wir diesen Milliardären hinterherwischen, die unsere Gesellschaft zerstören wollen. Die Hass, Zwietracht und Unwahrheit säen und verbreiten. Dabei haben sie ihren Reichtum mit und durch uns bekommen ("verdient " wäre wirklich das falsche Wort). Wie konnte es nur soweit kommen? Und wie kriegen wir das wieder weg?

    • @Klaus Schwarzmüller:

      Na, bei Ihnen ist alles erlaubt, auch wenn es Ihnen nicht passt?

      • @CarlaPhilippa:

        Das sollte doch selbstverständlich sein, oder in was für einem System wollen Sie leben? Überzeugen Sie Ihre Positionen durch Argumente, nicht Verbote.

      • @CarlaPhilippa:

        Ja ist es, das nennt sich Meinungsfreiheit und das ist eines der ganz wichtigen Dinge in unserer Gesellschaft

        • @Klaus Schwarzmüller:

          Sie plädieren hier für Meinungsfreiheit, werfen anderen aber Fake News vor (und das zu unrecht beim Kommentar von Andreas Flaig).



          Das gerade Nius selbst immer wieder Fake News produziert übersehen sie aber offensichtlich.

          • @Barnie:

            Andreas Flaig hat selber korrigiert, dass das Verfahren eingestellt wurde, sein Post war falsch, es läuft aktuell kein Verfahren.

            • @Klaus Schwarzmüller:

              Sie sind ja gar nicht auf meine Korrektur eingegangen, sondern haben direkt was von Fake News geschwafelt!



              (Danke Barnie!)

  • Ich habe schon so viel Werbung gesehen, die mir inhaltlich nicht gefällt. Das halte ich aus und ignoriere das. Ich muss nicht vor Werbung geschützt werden, weder von rechts noch von links oder der Mitte, so lange das rechtlich alles in Ordnung ist.



    Bis auf ein paar Berliner hätten diese Werbeaktion die meisten einfach ignoriert, aber durch die Diskussion und den Versuch die BVG hier an den Pranger zu stellen und moralisch unter Druck zu setzen, wird der Erfolg der Werbekampagne verstärkt.

    • @Thomas2023:

      Und wieder schlägt der Streisand-Effekt zu. :))

  • Das dachten seiner Zeit auch sehr viele Anbieter bei der NSDAP. Das Wirkergebnis kennen die meisten von uns.



    Wie doch Geldgier undGleichgültigkeit noch immer die Welt verändern. Unfassbar.