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Demografie und WohlstandGehet hin und mehret euch

Mit vielen Kindern die alternde Gesellschaft vor Armut zu retten, ist ein Mythos. Nicht die Zahl der Kinder ist entscheidend, sondern ihre Bildung.

Illustration: Katja Gendikova

D ie alternde Gesellschaft ist das bequemste Schreckgespenst der Neuzeit. Mit ihr lässt sich alles erklären und nichts verantworten. Steigen die Beiträge, fehlt Personal oder schließt die Dorfkneipe, ist die Demografie schuld. Sie ist anonym, gesichtslos, schicksalhaft. Doch die Angst vor Alter und Niedergang ist vor allem eine Erzählung, die regelmäßig politisch aufgeladen wird, eine Leinwand für Verteilungskonflikte, Abstiegsängste und der Sehnsucht nach einfachen Antworten.

Schon der Ökonom Julius Wolf schrieb vor fast 100 Jahren, dass die Bevölkerungsfrage von heute in ihrem tiefsten Grund „eine Frage der Ordnung der Welt ist“. Das gilt bis heute. Demografischer Wandel ist nicht neu. Er begleitet die Moderne seit Beginn der Industrialisierung, und stets sagten Stimmen, dass mit dem Volk etwas nicht stimmen würde. Mal waren es zu viele Menschen, mal zu wenige, mal bekamen Reiche zu wenige Kinder, mal Arme und Fremde zu viele.

Den Anfang der modernen Katastrophenlyrik machte Thomas Malthus. 1798 erklärte der Pfarrer und Ökonom in seinem „Bevölkerungsgesetz“, es gebe zu viele Menschen. Er sah sie in einem ungleichen Wettlauf, denn die Nahrungsmittel würden langsamer wachsen, als die Zahl der Menschen. Ein Naturgesetz, glaubte er. Unabänderlich. Mehr Wohlstand, mehr Hilfe für die Armen führe nur zu mehr Kindern. Ein Kreislauf des Elends.

Andreas Hoffmann

ist diplomierter Volkswirt und profilierter Wirtschaftsjournalist. Fast noch druckfrisch: „Die erfundene Bedrohung“, erschienen im Goldegg Verlag.

Nur: Das Naturgesetz gab es nicht. Als Malthus seinen Essay schrieb, lebten auf der Erde etwa 1 Milliarde Menschen, heute gut 8 Milliarden. Damals litten 85 Prozent an extremer Armut, heute etwa 9 Prozent. Damals bekam eine Frau im globalen Durchschnitt 6 Kinder, heute – dank besserer Bildung und mehr Frauenrechten – etwa 2,2. Mehr Wohlstand erzeugt nicht mehr Kinder, sondern weniger. Er stabilisiert Gesellschaften.

Aber Malthus war nützlich. Er entlastete die Herrschenden. Gilt Armut als Naturgesetz, fragt keiner, wem das Land gehört, warum die Löhne niedrig sind oder wer an der Macht ist. Als in den 1840er Jahren in Irland wegen einer schlechten Kartoffelernte über eine Million Iren starben, lobte ein britisches Regierungsmitglied die Katastrophe als ein „effektives Instrument gegen die Überbevölkerung“.

Mit Zahlen Angst schüren

Armut wurde dank Malthus privatisiert. Ein Gedanke, der auch heute in der Debatte um den Sozialstaat mitschwingt. Soziale Probleme werden zu Bevölkerungsfragen umgeschrieben und sind so augenscheinlich keine Folgen von Verteilungspolitik und Machtverhältnissen. Malthus war einer der Ersten, der Angst schürte und dafür Zahlen nutzte. Das war neu, im 18. Jahrhundert rechnete kaum jemand. Erst im 19. Jahrhundert begannen Wissenschaftler zu ermitteln. Menschen, Tote, Geburtenraten.

Zahlen machten Soziales sichtbar, aber sie machten auch Angst. Apokalyptiker mögen Zahlen, denn nichts ist besser als eine Angst, die sich auf die Kommastelle berechnen lässt. Später im 19. Jahrhundert, als Rassismus und Nationalismus aufstiegen, wurden Zahlen zum politischen Instrument. Es wurde klassifiziert und sortiert, nach guten und schlechten Genen. Wer zum Volk gehört, wer nicht, war entscheidend geworden. Das erinnert an die Gegenwart und den Kulturkampf, den Rechtspopulisten inszenieren.

Die Armen waren erneut schuld, diesmal, weil ihre angeblich schlechten Gene die Nation dahinsiechen lassen würden. Und der entstehende Sozialstaat, weil er die natürliche Auslese verhindern würde. Nicht viel anders als heute, wo nicht wenige den Staat für marode halten, weil sich zu viele in die „soziale Hängematte“ legen würden. Der Sozialstaat als teurer Ballast.

Nicht die Menge macht´s, sondern der Konsum

Nach dem Zweiten Weltkrieg verlagerte sich die Angst. Die reichen Nordländer fürchteten den erstarkenden Süden. Der Planet könne nicht alle Menschen aushalten, hieß es, und schuld waren erneut die Armen, und zwar jene, die im Süden lebten und mit ihren vielen Kindern das Überleben des Homo sapiens gefährdeten. Dieser Gedanke taucht heute in der Klimadebatte auf, wie vor einiger Zeit die frühere Entwicklungsministerin Svenja Schulze bewies, meinte sie doch „damit eine nachhaltige Entwicklung möglich wird, muss das Wachstum der Bevölkerung abgeschwächt werden“.

Doch die Welt hat kein Bevölkerungsproblem, die Welt hat ein Lifestyle-Problem. Nicht die vielen Afrikanerinnen lassen den Planeten schwitzen, sondern der Lebensstil reicher Nationen. Deutschland kommt auf 8 Tonnen Kohlendioxid pro Kopf und Jahr, Burundi, wo jede Frau im Durchschnitt fünf Zöglinge zur Welt bringt, im gleichen Zeitraum auf 0,07 Tonnen Kohlendioxid. Nicht zu viele Kinder schaden der Zukunft, sondern zu viel Konsum.

Die Demografie war in diesen Debatten nie eine neutrale Dienstleisterin. Sie saß meist an der Seite der Macht. Mit Zahlen lässt sich leicht regieren, sie waren und sind, wie der Historiker Jürgen Osterhammel sagt, „eine Redeweise politischer Rhetorik“. Statistiken werden zu Machtinstrumenten, sind äußert praktisch, weil sie objektiv wirken.

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Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten, linken Meinungsspektrums.

Besonders Frauen bekamen das zu spüren. Wenn sie für ihre Rechte kämpften, tauchten stets Männer auf, die für den Staat Kinder forderten und Geburtenkontrolle untersagten. Wer Anfang des 20. Jahrhunderts in den Niederlanden oder Italien Verhütungsmittel verkaufen wollte, wurde bestraft. „Demografische Debatten waren immer schon verdeckte Debatten über die Rolle der Frau“, sagte einmal Alice Schwarzer.

Der Frauenkörper als Staatsangelegenheit

Daran hat sich erstaunlich wenig geändert. Wenn ein FAZ-Autor vor einiger Zeit die Nachwuchsfrage als Kernproblem der Gesellschaft bezeichnete, weil davon der „zukünftige Aufstieg oder Niedergang dieses Landes abhängen“ würde, klingt das wie ein Echo aus der Kaiserzeit. 1912 sah der Mediziner Carl Tönniges den Geburtenrückgang als „eine Krankheit des deutschen Staatsorganismus“. Damals sollten Frauen das Vaterland retten. Heute mindestens das Renten-, Pflege- und Gesundheitssystem sanieren, plus den Fachkräftemangel beheben und für Wachstum sorgen. Der Frauenkörper wird zur Staatsangelegenheit.

Doch nicht die Zahl der Kinder entscheidet über die Zukunft, sondern ihre Bildung. Wären Geburtenraten der Schlüssel zum Glück, müsste in Staaten wie Afghanistan, Nigeria oder Mali das Paradies herrschen. Frauen bekommen dort im Durchschnitt vier, fünf oder mehr Zöglinge. Aber mir ist kein Experte begegnet, der je von der afghanischen Rente geschwärmt hätte.

Überhaupt die Rente. Ihr Untergang gehört seit bald 100 Jahren zum festen Spielplan der Republik. Begonnen hat der Politiker Gustav Hartz, der bereits 1932 vor der „immer größer werdenden Zahl von Alten„ warnte, seitdem beschwört ein Heer von Schwarzsehern regelmäßig ihr Ende, aber die Rentenversicherung lebt weiter. Und sie lebt nicht schlecht. Wie unverschämt. Die Arbeitnehmer ächzen nämlich nicht unter mehr, sondern weniger Rentenlasten.

Der Rentenbeitrag fiel von 20,3 Prozent des Bruttolohns im Jahr 1999 auf 18,6 Prozent im Jahr 2025, und das, obwohl wir seit der Jahrtausendwende drei Millionen mehr Ruheständler haben, die fast fünf Jahre länger leben. Es zahlen auch nicht weniger Menschen in die Rentenkasse ein, sondern mehr. Zuletzt lag die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten bei 35 Millionen Menschen. Das ist Rekord. Das Verhältnis zwischen Beitragszahlern und Rentnern liegt bei zwei zu eins, weitgehend stabil seit bald 30 Jahren.

Die Mythen entzaubern

Und der Staat? Zahlt auch nicht mehr. Relativ gesehen. Der Bundesfinanzminister überwies um die Jahrtausendwende ähnlich wie heute etwa ein Viertel seines Etats an die Rentenkasse. Mehr Rentner, die länger leben und ein niedrigerer Beitrag. Deutschland kann altern, ohne dass das Land kollabiert. Wir sind produktiver geworden, haben mehr Migranten, die arbeiten. Die Zuwanderung stabilisiert den Sozialstaat. Eine Erfolgsgeschichte. Eigentlich. Aber sie will keiner hören. Sie passt nicht zur Untergangs-Saga.

Warum die Mythen der Demografie so hartnäckig sind? Weil sie so oft erzählt worden sind, dass sie als gefühlte Wahrheiten gelten. Weil sie disziplinieren und sich vermarkten lassen. Wer will nicht vorsorgen, wenn ihm ständig eingeredet wird, dass er im Alter unter Brücken schläft? Die Erfolgsbilanz von Banken und Versicherern ist allerdings überschaubar. Überschaubar schlecht. Seit der Jahrtausendwende hatten wir drei Reformen: Riester-Rente, Rürup-Rente, Pflege-Bahr.

Alle drei waren Flops, die einzige Gewinnerin hieß Finanzindustrie. Oder man denke an die Berliner Zahnärzte, deren Pensionskasse vermutlich eine Milliarde Euro für die Alterssicherung verzockte. Darüber wird leiser geredet, dafür mehr über die bösen Boomer, und dass wir alle länger arbeiten sollen. Doch die Rente mit 67 hat der Rentenkasse wenig gebracht, genau genommen 3,2 Milliarden Euro – acht Jahre nach der Einführung. Da die Rentenkasse etwa 1 Milliarde Euro pro Tag ausgibt, reicht das Geld für eine halbe Woche. Reine Symbolpolitik. Keine Stütze für die Zukunft.

Nein, die alternde Gesellschaft meistern wir nur, wenn die Mythen der Demografie entzaubern. Die Rente ist nicht so schlecht wie sie Ökonomie-Professorinnen reden, und die Nöte von Kranken- und Pflegeversicherung liegen vor allem am politischen Management, nicht daran, dass die Alten die Kliniken und Wartezimmer stürmen. Die Prognosen waren von jeher schlecht. Seit 100 Jahren soll Deutschland schrumpfen und ist gewachsen, trotz Millionen Toter im Zweiten Weltkrieg.

Der Rentenbeitrag sollte heute bei 27, 28 Prozent liegen, waren sich die „Experten“ um die Jahrtausendwende sicher. Er liegt bei 18,6 Prozent. Den demografischen Wandel schaffen wir nicht mit mehr Zumutungen und weniger Staat. Sondern nur mit einem besseren Staat. Einem Staat, der sich um Arbeitsmarkt und Bildung kümmert, und so das Fundament unseres Sozialwesens sichert. Einem Staat, der Hürden abbaut, damit mehr Migranten, Frauen und Ältere arbeiten.

Einem Staat, der die Schulen reformiert, damit weniger Bildungsverlierer zurückbleiben. Und mit Gelassenheit gegenüber der apokalyptischen Zahlenmystik. Die alternde Gesellschaft ist kein Schicksal. Sie ist eine Ausrede. Und Ausreden haben immer einen Zweck.

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93 Kommentare

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  • Was für ein geiler Text! Alles drin, was nötig ist. Vielen Dank!

  • Immer wieder die selbe Leier...



    Es gibt nicht zu wenig Kinder. Warum müssten sonst einige verhungern?



    Wer von deutschen Kindern spricht verkappt damit nur rechtes Gedankengut.



    Es gibt mehr als genug Menschen, daher kann es nur ein Problem der Unfähigkeit zur Verteilung sein.



    Wie kann man jemanden Ernst nehmen der von zu wenig jungen Menschen spricht aber gleichzeitig Migration ausbremst und den paar die es schaffen möglichst viele Steine in den Weg zu Lohn und Unterkunft legt?



    Vermutlich auf die selbe Art und Weise wie die Union seit Jahrzehnten ihre Stimmen einfährt.



    Solange wir Pensionären Summen zahlen die 100 oder mehr Durchschnittsrenten entsprechen ist auch ein Problem der Rente für mich absurd.

    • @Das B:

      @ Das B



      Sorry, welche Pensionen sind denn 100 mal höher als eine Durchschnittsrente ?

  • Alles von Malthus bis Merkel in einen Topf werfen und dann kommt dabei raus, dass wir bessere Schulen brauchen.



    Ja, vielen Dank auch.

    • @nihilist:

      Ist doch wahr. Also war es auch vorm Topf schon.



      Ich empfand unser "Bildungssystem" (ich weiß, Einbildung ist auch Bildung...) schon immer als höchst fragwürdig.



      Es wurde und wird nicht gelehrt sondern geleert - der Kopf der Schüler. Von so überflüssigen Ballast wie Mitdenken, alternative Lösungen finden, kreativ Handeln, auf Augenhöhe diskutieren, neugieriges Entdecken...



      Dafür wurden die Köpfe dann mit Autoritätsgehorsam, Auswendig lernen und stupiden Leerplaninhalten gefüllt.



      Ich fand das Ergebnis wenig berauschend aber mit Anfang 20 stehen einen ja genug andere berauschende Erfahrungen zur Verfügung 😉



      Selbst im Berufsleben habe ich meine Jobs beim Arbeiten gelernt - die Berufsschule war für unnützes Hintergrundwissen ( so hat mans damals gemacht - ist halt blöd wenn der Lehrplan von Anno dazumal ist, wozu genau haben wir ein Kultusministerium? ).

  • Wenn die Fertilität dauerhaft bei 1,5 Geburten pro Frau liegt, stirbt man irgendwann aus, trotz Bildung und höherer Lebenserwartung. So einfach ist die Mathematik.

    • @Aurego:

      Hat halt nichts mit der Realität zu tun.



      So ist das mit Theorie.



      Warum nicht laufen lassen? Wenn es nur noch halb so viele Menschen gibt kann man da immernoch schauen, denn es wären nach wie vor zu viele für den Planeten.

    • @Aurego:

      Einfach die Zahl der Frauen relativ erhöhen. Wir sind nicht in der Algebra, sondern in der Welt ;)



      Menschen sind ansonsten Menschen, und da gibt es mutmaßlich genug, zumal wenn manche die Erde recht unverhohlen abaasen.

      • @Janix:

        Das "operational sex-ratio" ist bei vielen Tierarten nahe 1. Da scheint etwas dran zu sein.



        Aber ok, angenommen, beim Menschen könnten wir es zugunsten der Frauen verändern. Dann würden Männer eine größere Chance auf Fortpflanzung erhalten. Möchte man das, wenn man daran denkt, wer jetzt schon mehr als 1,5 Kinder hat?

        • @fly:

          Zwei Gruppen haben viele Kinder: Sozialhilfeempfänger und Oberärzte/Nabobs.



          Es werden die einen dafür eher abschätzig, die anderen eher lobend bedacht. Sinnierenswert.

          Da es weniger die Gene, sondern die Hormone sind, kann man die "größere" Chance erst recht vernachlässigen - Menschen haben halbe-halbe, so oder so.



          Herstellen ließe es sich durch In-Vitro, die kommende künstliche Gebärmutter oder Invers-indisch mit gezielter Abtreibung. Alles nicht meine Idealwelt.



          Vielleicht machen wir doch einfach mal die Grenzen ein wenig offener, womöglich gezielt.

  • Deutschland benötigt eher externe Zuwanderung, als das es durch mehr (eigene) Kinder weiter kommt.



    Sieht man sich die Scheidungsquoten an, steigende Unterhaltszahlungen dann spricht das nicht gerade dafür, dass deutsche Frauen und Männer, das Problem lösen können.



    Die Regierung kann aber für Kinder und Familien etwas tun. Natürlich würden die Verantwortlichen sagen, das sie das doch ganz genau schon täten.



    Aber viele Kinder leben in Armut (SGB II), es waren über Jahre 1,5 Mio., inzwischen geht man von 1,8 Mio. aus.



    Das zeigt schon sehr unschön auf, wo Deutschland familienpolitisch wirklich steht: Es gibt eine starke bittere Spaltung in sehr arme und normale Familien, ein paar wenige sind extrem Reich.



    Zwar gleichen Bildungseinrichtungen und Jobcenter durchaus aus, aber nach meiner Sicht nicht ausreichend.



    Und viele Männer und Frauen zahlen viel Unterhalt an Ex-Partner, Lust auf noch mehr Kinder kommt da nicht auf. Zumal Trennungen oftmals konfliktreich werden.



    Da bleibt nur eine Zuwanderung von Menschen, die entweder stark motiviert sind oder eben Bildung und Qualifikationen mitbringen. Darum bemühen sich viele Betriebe und Branchen - das ist m.M. sehr gut.

  • "Nicht die Zahl der Kinder ist entscheidend, sondern ihre Bildung."



    Mit diesem Aussage wird ein Gegensatz aufgebaut, der so nicht existiert. Wir brauchen beides, Kinder in vernünftiger Anzahl und eine gute Bildung. Nur so können wir unseren Wohlstand sichern. Wenn die Lasten der älter werdenden Gesellschaft auf allzu wenige Schultern verteilt werden, dann verlieren diese schnell die Lust daran, sich solidarisch zu zeigen. Das zahlenmässige Übergewicht der älteren Generation bei Wahlen ist schon jetzt ein Problem.

    • @Franz Hofer:

      Wohlstand kann übrigens auch heißen, auf Exzesse weniger zu verzichten und solidarisch weniger "Zeugs" zu brauchen.

      Früher war die Zahl der Kinder und die Bildungs-Intensität tatsächlich ein Widerspruch. 10 Kinder aufs Gymnasium war nicht. Heute haben wir andere Zahlen.

      Bildung ist ansonsten für sich toll und viel ressourcenschonender als 'Bedürfnis'befriedigung durch Malle-diven & Co.



      Sie garantiert dabei keine hohe BWL-Wertschöpfung. Sie löst auch nicht die Umweltthematik mal eben.



      Eigentlich haben die zukünftigen Generationen und deren Klimaprobleme ein unendliches Übergewicht, eben nur nicht bei den Wahlen jetzt.

  • "Den demografischen Wandel schaffen wir nicht mit mehr Zumutungen und weniger Staat. Sondern nur mit einem besseren Staat. Einem Staat, der sich um Arbeitsmarkt und Bildung kümmert, und so das Fundament unseres Sozialwesens sichert." - Wahre Worte!

    • @My Sharona:

      Ja, sehe ich auch so, aber wie viele Parteien wollen den Staat und staatliche Möglichkeiten reduzieren? Das sagen wirklich einige, darunter CDU, CSU, FDP; AfD ...

      • @Andreas_2020:

        Ja und die meisten davon sind nicht gerade dafür bekannt Wort zu halten... Und werden trotzdem gewählt 🤷‍♂️



        Soll heißen, was diese Parteien sagen ist irrelevant - schauen wir mal was sie TUN.

  • Für alles gibt es Gegenargumente. Wie immer geht es um das rechte Maß. Nicht so viele Kinder wie möglich aber genug um die Funktionalität von Staat und Gesellschaft aufrechtzuerhalten.

    Überalterte Gesellschaften müssen erhebliche Anteile ihrer Ressourcen für die Pflege der Vergangenheit aufbringen statt diese für die Zukunft einsetzen zu können. Überalterte Gesellschaften sind nicht wehrhaft und jeglicher Hinsicht nicht dynamisch und vor allem kulturell wie intellektuell erstarrt. Man schaue sich nur an, wie rückwärtsgewandt die ganzen Debatten hier oder anderswo geführt werden...

    "Die Zuwanderung stabilisiert den Sozialstaat." Unter günstigen Bedingungen ja aber nicht per se. Neben dem Aspekt der individuellen Kosten/Nutzen-Abwägung muss man dazu auch eine Inklusion, wenn nicht sogar Assimilation, der Einwanderer anstreben um politische Konflikte zu vermeiden.



    Inweit war z.B. die Auswanderung der Europäer ein Vorteil für die indigenen Gesellschaften?

    Familiäre Prägung hat einen enormen Einfluss auf die Bildung der Persönlichkeit und der politischen Orientierung. Daher finde ich es kurios dass gerade die besonders reflektierten Menschen die Zukunft anderen überlassen wollen....

    • @Chris McZott:

      "...muss man dazu auch eine Inklusion, wenn nicht sogar Assimilation, der Einwanderer anstreben um politische Konflikte zu vermeiden." - Anstreben muss man auch, dass Menschen ohne einen erst kurz zurückliegenden Migrationshintergrund, politisch konstruktiv agieren und nicht politische Konflikte schüren.



      Auch eine interessante Frage: Inwiefern war z.B. die Einwanderung der Ruhrpolen ein Nachteil für die indigene [also "unsere"] Gesellschaft?



      Es macht wirklich viel aus, ob man auf kulturkämpferisches Geschwafel reinfällt oder nicht.

      • @My Sharona:

        Schlechtes Beispiel denn die Ruhrpolen wurden ja vollständig assimiliert. Oder gab es im September 1939 einen Aufstand der Polnischstämmigen? Und ich müsste es wissen, denn ich selber trage einen polnischen Familiennamen - und identifiziere mich zu 0% als Pole.

        Dass Sie hier von "kulturkämpferisches Geschwafel" reden zeigt dass Sie die Herausforderung nicht ernstnehmen. Es geht um Ethnizität als harten politischen Machtfaktor, nicht um Oberflächlichkeiten ("Stadtbild" etc.).

    • @Chris McZott:

      Ich ergänze mit einer Prise Marx & Co.: Wenn eine Gesellschaft es nicht mal mehr schafft, die nächste Generation Arbeitskraft zu reproduzieren, ist das unter normalen Umständen ein Alarmzeichen. Dann sind die Arbeitsbedingungen zu schlecht und müssen besser. Wenn ein Paar Vollzeit plus arbeiten (müssen), womöglich noch mit langer Pendelei dazu, während manche von ihren Dividendenscheinen den täglichen Koks ziehen, dann stimmt etwas nicht und ist vielleicht auch die Lust auf Kinder deutlich verringert.



      Darf ich einhaken: Koloniale Attacken mit der Armee sind etwas anderes als Einwanderung. Letztgenanntes ist der historische Normalfall bei Unterschieden in Lebenschancen, da geht es dann darum, z.B. Sprachkurse wieder effektiv und sinnvoll zu machen (ich kenne eine Lehrkraft und höre da diverse Geschichten) und allgemein zugänglich.



      Ich habe wie vielleicht alle hier im Forum eine hohe Meinung von mir selbst ; ) , doch nicht so hoch, dass ich Kindern anderer nicht auch etwas zutraue, mit guter Bildung etc.

  • Ein beeindruckender Artikel,



    viele Zahlen verdecken allerdings auch viele Ungenauigkeiten.



    Natürlich gab es nach dem ersten Weltkrieg viele Alte, die Jungen waren ja im Feld geblieben.



    Natürlich wuchs die Gesellschaft auch nach dem 2. Weltkrieg, Deutschland verkleinerte sich und Flüchtlinge aus den ehemaligen Ostgebieten kamen hinzu.



    Menschen flüchteten von der DDR in die BRD, Gastarbeiter kamen hinzu, Kohl sorgte für "deutschen" Zuzug aus Russland und Rumänien. Eine Geschichte der Zuwanderung.



    Das gilt natürlich nicht nur für Deutschland, auch die oben genannten Iren wanderten in die USA aus, um bessere Lebensbedingungen zu finden.



    Entgegen Dumpfbacken wie Dobrint ist Zuwanderung Motor unserer Entwicklung. Die Trump light Haltung von Merz und Konsorten reicht noch nicht einmal um Wahlen zu gewinnen.



    Für eine zukunftsfähige Gesellschaft und Wirtschaft ist sie völlig ungeeignet.



    Die Abschaffung von Deutschkursen und Fortbildung für Geringqualifizierte ist kontraproduktiv.



    Die SPD hat mit Ihrem Weiterbildungsprojekt Generationen geprägt.



    Nun kommen neue Reformen. Es gilt hier Unterstützung zu bieten.



    Was genau hat die Linke und die Grünen nochmal an Reformen erarbeitet?

    • @Philippo1000:

      Die Grünen z. B. das - gerade wieder geschleifte - reformierte Gebäudeeneriegesetz...

      • @Grenzgänger:

        Interessant!



        da es sich beim Artikel um einen historischen Abriss handelt, ist Ihr Einwurf interessant, da er dich auf einen Umstand bezieht, def nur wenige Jahre zurück liegt.



        Das als "Heizungsgesetz" in die Geschichte eingegangene Gebäudeenergiegesetz war eine gemeinsame Gesetzesinitiative des Wirtschaftsministers (Grüne) und der Bundesbauministerin ( SPD).



        Wie schnell die Zeit vergeht und wie schnell neue Geschichten Geschichte ersetzt...

        • @Philippo1000:

          Nein, Habeck und Gleiwitz haben eine Reform des bestehenden Gesetzes der Regierung Merkel von 2020 vorgenommen wie @Thomas Böttcher richtig erwähnt...

          Wie schnell die Leute der BLÖD-Zeitung auf den Leim gehen...

        • @Philippo1000:

          Es wurde 2020 vom Kabinett Merkel IV entworfen und im Bundestag verabschiedet, um die nationalen Klimaschutzziele im Gebäudesektor zu erreichen.

          • @Thomas Böttcher:

            Danke! 🙏🏻

  • "Die Demografie" kann gar nicht schuld an irgendwelchen Entwicklungen sein (jedenfalls wenn wir eine aufgeklärte Gesellschaft sein wollen). "Demografie" ist "Bevölkerungswissenschaft" (bpb) bzw. "Wissenschaft der Populationen" (MaxPlanckGesellschaft). "Demografischer Wandel" ist ein Schwachsinnsbegriff von Leuten, die Begriffe verwenden, die sie nicht kennen. Der Wandel ist nicht "demografisch", und der Demografie als lebendiger Wissenschaft ist der Wandel inhärent, weil sich Bevölkerungen nun mal weiterentwickeln (in Anzahl, Zusammensetzung, Verhalten).



    Ich bin nicht vom Fach, glaube aber gerne, daß es einen Wandel der Demografie gibt - schließlich ließ schon König Herodes Demografie betreiben, und die Methoden werden sich sicherlich weiterentwickelt und damit gewandelt haben.



    Ja, ich spalte gerne Haare ...

    • @Evi Holtendorp:

      So ist es. Sehr haarspalterisch. Und einer vernünftigen Diskussion abträglich. Daher Eintrag ins Klassenbuch.

  • Gibt es grundsätzlich zu wenige Menschen? Nein, höchstens heißen sie nicht Lea oder Max und sind nicht stumpfblond.



    Verbrauchen manche deutlich mehr als andere? Ja, Lesers hier inbegriffen und andere noch viel mehr - da beginnen!



    Können wir inzwischen länger bezahlt arbeiten? Oft durchaus, doch bitte nicht für noch mehr Geld fürs Kapital dabei!

  • Die Diskussion hier lässt zwei wichtige Aspekte aus: zum einen kann Politik die Geburtenrate gar nicht groß beeinflussen, wie auch? Begrenzen vielleicht (siehe Chinas Ein-Kind-Politik), aber steigern? Parolen irgendwelcher Talkshowgäste haben ja keinen Einfluss auf die Geburtenrate.

    Zum anderen ist der Drops gelutscht, wir müssen da jetzt durch. Wenn wir in den kommenden Jahren substantiell mehr Kinder bekommen würden, würden deren Eltern in großer Zahl auf dem Arbeitsmarkt fehlen bzw. nur teilweise zur Verfügung stehen, irgendjemand muss sich um die Kinder ja kümmern. Das Problem würde also dauerhaft (= 20 Jahre) erst einmal schlimmer.

    Fazit: der Autor hat schon recht mit der Bildung, am besten in Form von Kindergärten, und eher nicht die nächste „Exzellenzinitiative“.

    • @derzwerg:

      Welch Irrweg. Natürlich hat die Politik direkten Einfluss auf die Geburtenraten. Man nehme nur an das Kindergeld würde verfünffacht, dann würden sich sicherlich mehr Personen für das Abenteuer Kinder entscheiden.

      Und welcher Drops ist gelutscht? So wie die Lage beschrieben wird, scheint weiterhin nur leere Panikmache aktiv zu sein, während alle Zahlen in die richtige Richtung fließen.

      • @Tankens inerti:

        Ok, nehmen wir „Kindergeld verfünffachen“ zu den Maßnahmen hinzu, die die Geburtenrate erhöhen könnten. Wann kommen diese neu gezeugten Kinder auf den Arbeitsmarkt? Frühestens 2050. wie viele werden das sein? So viele, wie die aktuell 20–30jährigen vielleicht kriegen würden. Das sind nicht viele Leute, siehe Bevölkerungspyramide. Insofern: Drops gelutscht

        In der Lage der Nation wurde das mal ausführlich erklärt lagedernation.org/...-soziologe-teil-1/

  • Es geht um die Nächstenliebe gegen Egoismus. Danach richten sich Scheidungen, Ehen, Anzahl der Kinder, Bereitschaft zum Verzicht, geringere Neigungen zu Steuerhinterziehung oder Gestaltung bei Steuern und Sozialabgaben.



    Auch Rassismus oder Ablehnung von Ausländern ist eine Teilmenge des Egoismus.



    Und je mehr Nächstenliebe jemand aufbringt, desto eher gewinnen die Kinder in Krisensituationen.

    • @Christoph Strebel:

      Und daraus folgt jetzt genau was? ___

      • @derzwerg:

        Die wichtigste Frage ist die nach der spirituelle Grundlage der Gesellschaft. Wenn Egoismus dominiert, kann man keine Ausländer integrieren oder Flüchtlinge versorgen und die Bestandsbewohner bekommen zu wenig Kinder. Das Gleiche gilt für ein stark Autonomie- bestimmtes Verständnis von "Freiheit".



        Wenn dagegen jeder ein gesundes Maß an Nächstenliebe aufbringt, funktioniert beides. Dazu muss man auch "Freiheit" immer denken als "Freiheit FÜR".

        • @Christoph Strebel:

          Wo Sie Recht haben, haben Sie Recht.

  • Fantastischer Artikel. Ausschneiden und als Argumentationshilfe in der Tasche haben.

    • @PeterArt:

      Das ging mir auch durch den Kopf.

  • "Der Rentenbeitrag sollte heute bei 27, 28 Prozent liegen, waren sich die „Experten“ um die Jahrtausendwende sicher. Er liegt bei 18,6 Prozent. "



    Was auch daran liegt, dass die Rente heute in damals ungeahntem Ausmaß aus Steuermitteln quersubventioniert wird. Das erklärt nicht den gesamten Unterschied, der ist natürlich multifaktoriell, aber einen nicht unerheblichen Teil davon.

    "Seit 100 Jahren soll Deutschland schrumpfen und ist gewachsen, trotz Millionen Toter im Zweiten Weltkrieg."



    2025 ist die deutsche Bevölkerung leicht geschrumpft. Dass dies nicht schon 10 Jahre vorher passierte, liegt im Wesentlichen an einem vorher ungeahnten Ausmaß an Migration.

    Mich stört zudem der Grundtenor des Artikels: Es sollen "Mythen" entzaubert werden, es wird zu Gelassenheit geraten - doch die vermeintlichen Lösungen sind im Endeffekt derart allgemein, dass man etwas ratlos zurückbleibt. Man soll für "bessere Bildung sorgen" - wenn es weiter nichts ist, dann höre ich auf, eine schlechtere Bildung zu wollen. Konkrete Probleme (zum Beispiel der in der Bevölkerung real vorhandene Überschuss der Babyboomer, von denen die meisten noch gar nicht in Rente sind) werden mit Allgemeinplätzen verdrängt

    • @Agarack:

      Warum nach Gründen suchen die irgendwie erklären warum die Experten rein theoretisch doch Recht hätten haben können, wenn de Facto die Prognosen falsch waren.

      Dieselbe Panik wie vor 100 Jahren aufrecht erhalten. Vielleicht sinkt der Rentenanteil ja weiter, trotz BabyBoomer Panik, wegen unvorhersehbaren Grund X.

      • @Tankens inerti:

        Ist das Ihr Ernst? Sie sagen im Endeffekt: "Die Experten hatten Unrecht, also sollte man nicht analysieren, warum sie Unrecht hatten, sondern einfach erklären, dass das alles Quatsch sei". Das ist keine Problemanalyse, das ist Denkfaulheit. Damit bekommt man keinerlei Probleme gelöst.

    • @Agarack:

      „Was auch daran liegt, dass die Rente heute im ungeahntem Ausmaß aus Steuermitteln quersubventioniert wird."

      Das stimmt so nicht ganz.

      Mit den Bundeszuschüssen wird nicht etwa die Rentenversicherung subventioniert; vielmehr wird ihr ein Großteil der Kosten sogenannter nicht beitragsgedeckter Leistungen erstattet. Diese erbringt sie für den Bund, ohne hierfür Beiträge erhalten zu haben.

  • Dieser Text ist auch nur halb richtig und sinnvoll. Ach so, der CO2 Abdruck von "Jäger und Sammler" Dörfern ist geringer als von voll Industriellen Gesellschaften... Ach wirklich? Sollen wir deshalb jetzt alle 8 Milliarden zu Kleinbauern wieder werden? Das wird ja ganz sicher funktionieren. Ist das so eine degrowth Phantasie?



    Ich stimme ja zu. Bildung ist extrem wichtig. Aber das allein wird es auch nicht richten.



    Und wer soll die ganzen alten pflegen? Ein Roll Roboter?

    • @Duplozug:

      Abgesehen davon, dass Jäger und Sammler nun etwas ganz anderes als sesshafte Bauern sind, hat der Autor ganz sicher nicht im Sinn, dass wir nun alle auf diesem Globus wieder zu früheren Lebens- und Wirtschaftsformen zurück finden. Er hat doch lediglich daran erinnert, dass der Carbon footage der Menschen in den Industrienationen viel zu hoch ist.

    • @Duplozug:

      Pflegeroboter sind in der Tat dringend nötig, und würden einen enormen Gewinn bringen: zum einen bzgl der Pflegekosten und zum andern können die Leute dann anderswo tätig sein, wo es ebenfalls wichtig ist, zB bei der Kinderbetreuung.

    • @Duplozug:

      Lesen Sie doch nochmal.



      Die Unterschiede beim CO2-Abdruck sollen erklären, warum Bevölkerungswachstum nicht der alles entscheidende Faktor für ökologische Probleme ist. Es geht in dem Text überhaupt nicht darum, wie man seinen CO2-Abdruck senken kann/soll.



      Zu Pflege bzw. arbeitender Bevölkerung allgemein steht im Text: "Einem Staat, der Hürden abbaut, damit mehr Migranten, Frauen und Ältere arbeiten."



      Bitte schön.

  • Tatsaächlich ist das Problem der Finanzierung des Sozialstaates das Beamtentum, buw. die enormen finaziellen Privilegien und die mangelnde Einzahlung der Beamten in die Sozialen Sicherungssystem Kranken und Rentenversicherung. Dass sogar die CDU Jungen das jetzt anmahnen zu ändern , was die Sozen schon längst hätten zur Kampagne machen müssen, ist ein Treppenwitz der Geschichte. Natürlich muss auch sonst die Denokratie in die Ökonomie erst eingeführt werden, denn derzeit erleben wir, wie der Kapitalismus ansonsten die Demokratie abschafft. Demokratie würde erst bei einem Spitzensteuersatz von mindestens 50-70 % beginnen, je nachdem ob auch die anderen Reichensteuern angehoben werden: Vermögens bzw. Luxuskonsumsteuer und Erbschaftssteuer. Insgesamt ist Demokratie eine Frage der Verhältnisse, wenn die Reichen 30 % mehr Steuern zahlen müssten, könnten sozial-ökologische Transformation und Kreislaufwirtschaft uns allen eine bessere Zukunft bringen. Mehr Sozialismus = mehr Demokratie wagen! ist immer noch ein Motto, das gültig ist. Auch die Gewalt-Revolutionsromantik ist bei -CO2 Last und Klimakatastrophe eher nicht so die realistische Option für regenerative und Care Revolution!

    • @R.L.:

      Da Beamte auch nichts aus der Rentenversicherung kriegen, spielen Sie für die Kasse keine Rolle.

      Jemand, der nichts kriegt, kann nicht das Hauptproblem sein.

      Ist bei der Krankenversicherung ähnlich.

      Ein Privileg ist es vor allem für die Arbeitgeber.

      Deshalb ändern ja auch Linke und SPD quasi nie was, wenn sie regieren.

      Ein Witz ist da nicht.

    • @R.L.:

      "Einzahlung der Beamten in die Sozialen Sicherungssystem Kranken und Rentenversicherung"



      Dass das eine finanzielle Verbesserung bringen könnte ist eine Illusion.



      Da die Rentenversicherung massive Steuersubventionen erhält, zahlen Beamte darüber schon jetzt ein. Bekommen aber nichts raus. Beiträge in die Rentenkasse müsste auch wieder der Staat als Arbeitgeber tragen, linke Tasche rechte Tasche. Oder man mutet den BeamtInnen hohe Reallohnverluste zu. Müsste man halt ausprobieren, ob sich dann noch ausreichend qualifiziertes Personal finden lässt. Eine Polizeimeisterin würde dann bei knapp über 2000 Euro netto liegen. BeamtInnen wären übrigens "schlechte" RentnerInnen: Die durchschn. Lebenserwartung und damit Rentenbezugsdauer liegt über dem Schnitt.



      Und KV: Ich kenne mehrere BeamtInnen, die liebend gerne in die GKV wechseln würden: Ehepartner und Kinder, alle zum gleichen Preis mit inklusive. Der eine hatte eine Vorerkrankung. Für die KGV wäre das egal, seine PKV verlangt einen kräftigen Aufschlag. Jeden Monat. Für immer.



      Also auch hier: Einfach ausprobieren und GKV für alle öffnen. Viele würden bestimmt freiwillig in die PKV wechseln.

      • @Desdur Nahe:

        Die GKV IST für die meisten Beamten offen. Jeder, der Beamter wird und vorher in der GKV war, kann sich zu Beginn seines Berufslebens für eine freiwillige (Weiter-)Versicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung entscheiden (§ 9 Absatz 1 Satz 1 Nr. 1 SGB V). Was nicht geht, ist das unsolidarische Rosinenpicken, indem man sich als junger Beamter günstiger in der PKV versichert und im Alter, wenn die Beiträge der PKV steigen, in die GKV wechseln will.

  • Die niedrigeren Rentenbeiträge wurden allerdings erkauft durch ein deutlich gesunkenes Rentenniveau (von ~55% auf ~48% des Nettoeinkommens). Auch der Gesamtsozialversicherungsbeitrag steigt seit 22 an und wird dies auch die nächsten Jahre tun, was dann eben doch etwas mit dem bekannten Bauch in der demografischen Entwicklung zu tun hat.

  • "Angst schüren" funktioniert mit Demographie noch schlechter als mit dem Klimawandel, weil es um ähnlich lange Zeiträume und abstrakte Zahlen geht.



    Tatsache ist, dass Deutschland statt mit 80 Millionen gut mit 40 oder 120 existieren könnte. Das erschließt sich einfach durch einen Blick in die Welt oder in die Geschichte.



    Und auch der Weg in die eine oder andere Richtung ist gut gangbar. Was jedoch Schwierigkeiten bereitet, sind, wie an vielen Stellen, zu schnelle Änderungen. Eine "Bevölkerungsexplosion" (die global gesehen nicht mehr droht) ist für einzelne Staaten immer noch ein Problem - genauso wie zu schnelle Einschnürung der Bevölkerungspyramide wie in China. Und natürlich bringen Massenein- wie -auswanderung negative Folgen mit sich.



    Was in Deutschland und manchen anderen europäischen Ländern hinzukommt, ist der über Jahrzehnte fortgesetzte Trend zu immer weniger Kindern. Das Problem ist nicht, dass die Geburtenziffer unter zwei liegt; auch vielleicht nicht so sehr, dass sie das dauerhaft tut.



    Sondern vielmehr, dass sie nach Jahrzehnten in der Nähe von 1,5 seit einigen Jahren nun wieder im freien Fall ist (bei aktuell 1,35). Das wird nicht nur bei der Rente schief gehen.

    • @Frauke Z:

      Diese Geschichte ist aber mit einer anderen Demographie. Damit ist dieser Vergleich absolut nix sagend. Als Deutschland 40 Millionen Einwohner hatte, war die Pyramide eine andere. Deswegen ist das komplett sinnlos was sie sagen.

  • "Nicht die Zahl der Kinder ist entscheidend, sondern ihre Bildung"



    Das ist schlicht falsch.



    Die Kombination ist notwendig. Viel ungebildeter Nachwuchs bringt wirtschaftlich genauso wenig wie hoch gebildeter Nachwuchs, der kaum vorhanden ist.



    Wobei Bildung nur die Vorstufe ist. Entscheidend ist der dann folgende, produktive Einsatz. Was nützen der Gesellschaft z.B. viele gut ausgebildete Altenpflegende, wenn keiner von denen im Job arbeiten möchte.



    Bildung ist also eine wichtige Säule, aber nur die Berücksichtigung aller Säulen führt zu Zukunftssicherheit. Mit einer Einschränkung:



    Was gerade jetzt in "kriegerischen Zeiten" sichtbar wird: Neben der Technik ist auch die schlichte Anzahl an Menschen (SoldatInnen) ein Machtfaktor. Eine ständig schrumpfende Gesellschaft hat irgendwann nicht mehr die Option, sich gegen Angriffe zu verteidigen. Als Beispiel dient ja geradezu exemplarisch Deutschland: Riesige Wirtschaftskraft, militärisch ein Zwerg. Erschwerend kommt hinzu: Ein Land wird als Angriffsziel umso attraktiver, je stärker die Wirtschaft und je schwächer die militärische Kraft ist.



    Nicht ohne Grund versuchen RU und CN gerade verzweifelt, den Bevölkerungsschwund zu stoppen.

    • @Desdur Nahe:

      Jetzt haben Sie aber ganz vergessen, die anderen Säulen, von denen Sie schreiben, zu benennen.

  • Irgendwie sind viele Gedanken nicht konsequent zu Ende gedacht.

    Ich lese daraus (natürlich überspitzt) , dass wir alle wie in Burundi leben sollten, damit wir einen niedrigen CO2 Fußabdruck haben.

    Dave wird auch verkannt, dass diese Länder aktuell Probleme haben die aktuelle Bevölkerung zu ernähren und rapide weiter wachsen.

    Und eine Pflegekraft, so gut ausgebildet er sie sein mag, mit Studium und Doktortitel, kann am Ende nicht 50 Senioren versorgen. Als geht’s doch wieder um Anzahl .

    Genauso wie:



    Wie viele Rentner soll ein Arbeitnehmer finanziere und dazu noch in der Lage sein, eine eigene Familie zu gründen?

    Demographie als reines Machtinstrument zu bezeichnen , ist schon mutig in Anbetracht der Probleme einer kippenden Demographie.

  • Gerade das Beispiel Burundi ist kein gutes: Das Land leidet – gerade wegen seiner Armut und Subsistenzwirtschaft – unter extremem ökologischem Raubbau, Abholzung seiner Wälder und dem schnellen Schwinden der natürlichen Ressourcen. Nachhaltigkeit darf nicht nur am CO2-Ausstoß pro Person gemessen werden.

    Bislang gibt es noch kein einziges gutes Argument oder realistisches Szenario, wie eine Weltbevölkerung von 8 bis 10 Milliarden Menschen echte ökologische Nachhaltigkeit bzw. Zirkularität erreichen kann. Auch bei Themen wie erneuerbaren Energien und ökologischer Landwirtschaft geht es lediglich darum, die Beschädigung des Planeten zu reduzieren.

    • @fcr:

      Der Autor meinte nicht den CO2-Ausstoß der einzelnen Frau, sondern den durchschnittlichen Ausstoß des gesamten Landes wurde gemessen und durch die Anzahl der Einwohner des Landes geteilt.

  • Die Rentenbeiträge sind recht konstant geblieben, aber das Rentenniveau ist gesunken.



    Und dass eine extrem niedrige Geburtenrate wie in Südkorea nicht durchgehalten werden kann, wenn nicht Roboter vieles übernehmen, sollte selbstverständlich sein.



    Eine (gesteuerte!) Migration kann die demographischen Probleme abfedern. Allerdings gibt es außerhalb Afrikas kaum noch Länder, in denen die Geburtenrate über 2 liegt, selbst Indien ist da schon angekommen. Irgendwann reicht es nicht mehr für alle.



    Wenn z. B. rumänische Ärzte zu uns kommen, wer behandelt dann die Rumänen? Ist das solidarisch?

    • @Markus B.:

      Es gehen auch Menschen, die hier eine fundierte Ausbildung erhalten haben, in andere Länder. Wollen Sie das etwa auch untersagen?

  • Vielleicht sollte man auch sagen, warum der Rentenbeitrag gefallen ist. Ursache sind Reformen wie die Anhebung des Rentenalters, die Riester-Treppe, der Nachhaltigkeitsfaktor.... Diese Reformen werden regelmäßig in der taz verteufelt. Ihren Effekt dann als Beweis zu verkaufen, dass die Rentenversicherung stabil ist, könnte man als heuchlerisch deuten.

    • @Nisse:

      Finde solche Aussagen immer spannend. Die Annahme, dass alle Mitarbeiter bei einem Verlag zu 100% durchgehend dieselben Meinungen und Ansichten vertreten sollen, ist nicht nur kontraproduktiv, sondern auch total unrealistisch.

  • Ach schade! So stark angefangen, nur um dann doch den Zahlen auf den Leim zugehen:



    Nein, die Frau aus Burundi mit ihren 5 Kindern verursacht eben nicht nur 0,07 Tonnen Kohlendioxid im Jahr (davon ab dass niemand so leben will, auch die Menschen in Burundi nicht). Nicht nur weil es in Burundi gar keine belastbaren Zahlen zu den Thema gibt, sondern auch weil jeder Mensch im Durchschnitt 2 Tonnen CO2 nur durchs Atmen erzeugt. Die Dame kommt also mit Kindern auf 12 Tonnen, zuzüglich einer unbekannten Menge durch Essen, Heizen etc. Die dramatische Überbevölkerung ist genauso ein Problem für das Klima wie die Massentierhaltung oder der westliche Lebensstandard.

    • @Samvim:

      In Burundi heizt niemand und die Menschen essen vor allem lokale Produkte. Ich war noch nie in Burundi, aber in einigen westafrikanischen Ländern. CO2-Intensiven Konsum können sich die meisten gar nicht leisten. Bei der jungen Generation ändert sich auch vieles. Die wollen nicht mehr so viele Kinder.

      • @Andreas J:

        Natürlich wird auch in Burundi geheizt, auch da gibt es sowas wie Nachtfrost. Aber nicht wie bei uns mit Heizung im gedämmten Haus, sondern als offenes Feuer unter freiem Himmel, wobei da so ziemlich alles reinfliegt was gerade da ist und nicht mehr gebraucht wird. Damit wird es auch nicht statistisch erfasst

    • @Samvim:

      Der Autor kann die 2 Tonnen CO2 durchs Atmen auch ganz einfach weggelassen haben, weil menschliche, nicht abschaltbare Bedürfnisse einfach nicht mit einbezogen werden.

      Stattdessen CO2 durch Konsum, Konsum, Kapitalismus, Konsum und all die negativen Folgen für die Umwelt. Dann ist eine Frau mit 5 Kindern aus Burundi Spitzenreiter.

      • @Troll Eulenspiegel:

        Nur schade, dass es dem Klima völlig wurscht ist, ob das CO2 aus Luxus oder menschlichen Bedürfnissen entstanden ist. Die Rechnung ist Selbstbetrug und führt z.B. die CO2-Budgetierung ad absurdum. Das Atmen (und furzen) von Nutztieren wird übrigens voll eingerechnet.



        Davon ab: Ein Lebensstandard wie in Burundi ist keine Option. Für niemanden, auch nicht für die Menschen in Burundi

        • @Samvim:

          Wohlstandsproblem, keiner will nur einmal die Woche duschen, in 20 Jahren alten Klamotten rumlaufen oder auf täglich Fleisch verzichten.

          Ist aber trotzdem der einzige Weg, um 8 Milliarden und in Zukunft 10-15 Milliarden Menschen durchzufüttern. Wenn jeder Mensch auf dem Planeten den Lebensstandard von Burundi hat, ist jeder "gleich arm" und das Geld besser umverteilt. Keine Elend Musks mehr, keine Donald Trumps. Situation derzeit: Hunger und Elend in der Dritten Welt, weil Reiche, weiß gelesene Menschen das Land ausbeuten.

  • Bildung, Bildung, Bildung.



    Gerade der größte Wirtschaftsbereich moderner Gesellschaften, nämlich der Dienstleistungssektor, kann seine Rolle als Treibriemen und Garant für Stabilität der deutschen Wirtschaft dauerhaft nur ausbauen, wenn genügend gut ausgebildete Fachkräfte vorhanden sind.

  • Ja, guter Artikel, wird in meiner Wahrnehmung qualitativ geschmälert durch oft springende Logiken:



    Was hat eine Frau aus Burundi mit 12 Kindern und CO2 Ausstoß im Vergleich zu deutschen 8t/a und Rententhema zu tun. Wieso wird behauptet seit 100 Jahren ginge es um darum dass die Bevölkerung schrumpfen solle, aber es doch im Thema derzeit darum geht, dass es mehr Kinder braucht.... es sind einige so recht willkürliche Gedanken/Behauptungen enthalten um die eigene Aussage zu stärken.... tut das aber nicht.



    Bildung bringt viel, Erkenntnisse gewinnen bringt mehr. Leider liegt letztlich jedem das eigene Hemd näher als des anderen Hose. Und die Erkenntnis, wenn es jedem gut geht wenn es allen gut ein hohles Lippenbekenntnis. Sozialverhalten in Gruppen, Kommunikation und Verantwortliches Handeln lernen als Schulfach wäre hilfreich.

    • @Tom Farmer:

      "Seit 100 Jahren soll Deutschland schrumpfen und ist gewachsen, trotz Millionen Toter im Zweiten Weltkrieg."



      Mit diesem Satz wollte der Autor nicht sagen, dass die Gesellschaft schrumpfen sollte, sondern vielmehr, dass seit 100 Jahren behauptet wird, dass die Gesellschaft schrumpfen würde.

  • „Nicht die Zahl der Kinder ist entscheidend, sondern ihre Bildung“ trifft das nur zum Teil. Ausschlaggebender ist eher das Lohnniveau. Weil Bildung fast immer mit höherem Einkommen korreliert, wird hier leicht Bildung selbst als Ursache behandelt, obwohl sie häufig nur die sichtbare Ausprägung eines anderen Zusammenhangs ist. Der grundlegende Mechanismus verläuft eher über höhere Löhne und die damit verbundenen ökonomischen Bedingungen als über Bildung an sich.

    • @nutzer:

      "Ausschlaggebender ist eher das Lohnniveau." So? Wer sagt denn, dass die Rentenhöhe immer mit der sozialversicherungspflichtig verdienten Lohnsumme korrelieren muss? Ist das ein Naturgesetz? Die Rentnergeneration wird (unter jedem Rentensystem!) stets aus einem Anteil des BIP alimentiert und das BIP und der davon für Renten aufgewandte Prozentsatz ist der einzige bestimmende Faktor für das Rentenniveau. Der Rest ist Ausgestaltung der Details.

      • @PeterArt:

        aktuell ist es aber so.

    • @nutzer:

      Nein, so ist das nicht. Bildung fängt global gedehen bereits beim Thema Alphabetisierung an. Mädchen die schreiben und lesen können bekommen weniger Kinder. Eine Graswurzelentwicklung die in Sukzessionsstufen zu verstehen ist. Gehalt ist dann immer relativ.

      • @Tom Farmer:

        nein, die Rente in D wird per Umlage aus den aktuellen Löhnen gezahlt. Im aktuellen System bedeutet das je höher die Löhne, desto besser die Deckung der Renten.



        Kleine Nebengedanke: Wenn Bildung zu weniger Geburten führt, könnte man ja auf den Gedanken kommen, dass Bildung die Rente gefährdet.... :) (Das ist natürlich selbstredend Blödsinn.)

    • @nutzer:

      Sie sagen völlig richtig, dass Bildung und Einkommen korrelieren. Eine statistische Korrelation sagt jedoch erstmal nichts über die Kausalität aus, ein sehr gebräuchlicher Fehlschluss (cum hoc, ergo propter hoc).



      Falls es einen kausalen Zusammenhang gibt, dürfte er eher umgekehrt sein. Je höher der Bildungsabschluss, desto bessere Chancen hat man am Arbeitsmarkt. Bildungspolitik sollte dafür sorgen, dass auch Kinder aus einem bildungsfernen Elternhaus eine Chance haben, ihr Potential auszuschöpfen.



      Meine Eltern hatten sehr wenig Geld, ich war immer das ärmste Kind in der Klasse. Aber Bücher gab es genug, zu meinem Glück. Abitur und Studium kein Problem.

      • @Oma:

        Ich sage, das Lohnniveau entscheidet über die Finanzierbarkeit von Rentenzahlung, nicht so sehr die Demografie.



        Mit besserer Bildung weiter Teile der Bevölkerung steigen die Chancen auf eine breitere Basis zur Finanzierung der Rente.



        Und da haben Sie Recht, Bildung ist keine Garantie auf bessere Löhne und schon gar nicht auf eine Anstellung, es ist die Wirtschaftsdynamik, die darüber entscheidet.

      • @Oma:

        "Falls es einen kausalen Zusammenhang gibt, dürfte er eher umgekehrt sein. Je höher der Bildungsabschluss, desto bessere Chancen hat man am Arbeitsmarkt." Und inwiefern ist das "umgekehrt"? Genau das sagt doch der Autor.

    • @nutzer:

      Hohe Löhne gibt es auch nicht automatisch mit einer hohen Bildung.

      Es geht darum, für den Arbeitgeber interessant zu sein. Wer knapp am Markt ist, kann entsprechende Preise verlange.

      Das kann zB heißen:



      -Bereitschaft zu Schichtarbeit, Dreck, Hitze,Lärm. Dafür gibt’s Zulagen, und auch Jobs für ungelernte, die recht gut bezahlt sind



      -gesuchte Studiengänge



      -gesuchte Spezialisierungen

    • @nutzer:

      Da muss ich aber leider den Liberalisten beispringen und erwähnen, dass höhere Löhne auch erwirtschaftet werden müssen.



      Das erreicht man eher über höhere Ausbildung als über reine Lohnerhöhung, sonst haben wir kein höheren Einkommensniveau, sondern Inflation.



      Natürlich muss die Politik Lohndumping verhindern, wobei der Mindestlohn gute Dienste leistet. Damit ist ihre Arbeit aber noch nicht erledigt. Nächstes Ziel wäre, möglichst wenig Leute in Mindestlohnjobs zu haben.

      • @Herma Huhn:

        Sie werden ja erwirtschaftet. Das ist das neoliberale Märchen, das nicht genug da wäre, Wenn die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt, beklagt es gäbe kein Geld, dann stimmt etwas nicht...



        Der Punkt ist, dieses Geld verschwindet woanders....

      • @Herma Huhn:

        Höhere Löhne müssen nicht erwirtschaftet werden. Wenn die Löhne zu hoch sind, steigt die Inflation. Solange die Inflationsrate nicht steigt, kann das Lohnwachstum nicht zu hoch sein. Das gilt auch für die häufig erwähnten Lohnnebenkosten.

        Es gibt eine Gleichung in der Volkswirtschaft, die besagt, dass die Lohnstückkosten (gesamte Lohnkosten geteilt durch die Produktivität) und der Arbeitgeberaufschlag die Preise bestimmen. Wachsen Löhne stärker als die Produktivität, kommt es zur Inflation.

        Wenn es zu keinen Preischocks von außen kommt, hat normalerweise Deutschland eine sehr geringe Inflation. Die Löhne können nicht zu hoch liegen.

    • @nutzer:

      Höhere Bildung = Höherer Lohn!

      Das ist eine ganz simple Gleichung!

      • Akademiker vs. Berufsausbildung: Ein Studium zahlt sich oft aus. Akademiker verdienen im Laufe ihres Arbeitslebens im Schnitt deutlich mehr (ca. 1,45 Mio. Euro) als Menschen mit Berufsausbildung (ca. 1,2 Mio. Euro). Das Einstiegsgehalt von Hochschulabsolventen liegt in Deutschland bei durchschnittlich rund 45.000 Euro, während es ohne Studium bei etwa 34.500 Euro liegt.

      • Meister/Fachwirt: Auch eine berufliche Weiterbildung lohnt sich stark. Meister oder Fachwirte verdienen oft deutlich mehr als ausgelernte Fachkräfte – ein Plus von jährlich über 8.000 Euro ist keine Seltenheit.

      • Höherer Schulabschluss = Mehr Gehalt: Daten der Bundesbank zeigen, dass ein höherer Schulabschluss (Abitur vs. Hauptschulabschluss) im Median mit einem höheren Bruttogehalt einhergeht.

      • @taz.manien:

        da stellen sich mir ein paar Fragen,



        •Woher kommen die Mitarbeiter, die den Akademikern zuarbeiten?



        •Woher kommen die Gesellen, wenn alle Meister sind.



        •Wenn alle Abitur machen, woher kommen dann die Handwerker?



        Es ist zweifelsfrei richtig, dass eine höhere Ausbildung meist mehr Lohn bedeutet, nur lässt sich dies nicht universell auf alle erweitern. Das ist wie das amerikanische Versprechen, vom Tellerwäscher zum Millionär, es funktioniert nur individuell, nicht universell.

    • @nutzer:

      Wenn wir einfach nur die Löhne verdoppeln, sind die Preise auch bald doppelt so hoch.



      Was haben wir damit gewonnen?

      • @Carsten S.:

        da müssen Sie sich einmal mit der VWL beschäftigen. Die von ihnen aufgestellte Gleichung ist natürlich Unfug.

      • @Carsten S.:

        Beliebtes Argument, um die unteren Einkommensgruppen niedrig zu halten, aus Angst um den eigenen Lebensstandard. Das Lohnniveau muss angeglichen werden. Ansonsten sind Kinder aus einkommensschwachen Familien weiterhin bei der Bildung benachteiligt.

        • @Andreas J:

          Glauben Sie wirklich, dass mehr Geld das Problem löst?



          Der wichtigste Faktor ist immer noch die Bildung der Eltern. Selbst bei gleichem Einkommen studieren Kinder aus Akademikerhaushalten drei bis vierfach so oft.



          Es hat auch ein signifikanten Einfluss, ob Bücher im Haus sind und Bücher gelesen werden.

          Das Thema lösen wir nicht, in dem wir den Eltern einfach mehr Geld geben. Diese Kinder brauchen gelebte Vorbilder und Unterstützung, es würde also mehr helfen, in der Schule mehr betreute Hausaufgaben, Nachhilfe oder LesePaten anzubieten.

          Und Bücher gibts gratis in der Bib. Es gibt Bücherschränke , Flohmärkte etc.



          Es liegt wie so oft am wollen ….

          Es ist erschreckend, wie viele Kinder zuhause nicht vorgelesen bekommen! Und das kann jeder, sich die 15 Minuten Zeit nehmen.

          • @Lio:

            Können alle Menschen Akademiker sein und schon haben alle ausreichend hohen Lohn?



            Bildung ist essenziell aber kein Garant für hohe Löhne, das ist aktuell nur so. eine darbende Wirtschaft hat ach keine hohen Löhne für mehr Akademiker zu bieten. Die Wirtschaftsdynamik ist der entscheidende Faktor.

            • @nutzer:

              In dem obigen Teil ging’s um die Bildung der Kinder, nicht um den Zusammenhang von Lohn und Bildung.



              Hoher Lohn hat der, der am Markt gesucht ist mit seinen Qualifikationen bzw bereit ist sich Anforderungen im Job einzulassen. Ich arbeite in einer lauten, warme, dreckigen Branche. Daher ists schwer, Personal zu finden und die Gehälter entsprechend nach oben angepasst.

              Meine beste Freundin und ihr Mann (Ausbildung, Schicht, spezielle und kleine Branche) verdiene mehr als mein Mann( Akademiker)

              Mein Mann hat ein sozialen Studiengang studiert. Der Bereich ist nicht bekannt für seine astronomischen Gehälter…

              Du hast vollkommen recht. Ein Studium garantiert kein gutes Gehalt. Genauso kann man mit einer entsprechenden Ausbildung auch sehr gut verdienen

          • @Lio:

            Irreführender Vergleich. Die unteren Einkommensgruppen und Akademiker haben kein gleiches Einkommen. Der Klassismus in unserem Bildungssystem, ist hinlänglich bewiesen.

            • @Andreas J:

              Geld ist nicht die Lösung. Durch Geld fangen die meisten Eltern nicht an plötzlich vorzulesen.

              Geld hat den Einfluss, dass Stress aus der Familie genommen wird, häufiger eine gute Schule besucht und Nachhilfe finanziert werden kann. Vorausgesetzt die Eltern legen Wert darauf.

              Wenn Bildung , Lesen, Wissen aber in der Familie keinen Stellenwert haben, wird das Kind immer einen Nachteil haben.



              Lernen wird nichts schönes sondern eine Pflicht sein.

              Es ist interessant , dass hier immer aufs Geld gegangen wird. Einfach, simple.



              Und die Eltern sind aus der Verantwortung. Dabei sind die es, die als Vorbild fungieren und den Grundstein legen. Aber da anzusetzen ist unangenehm.

              Fragt ma alleine rum:



              Wer geht in Museen? Die sind oft genug gratis.



              Meine Kids finden das toll und fordern das ein! Mit 5!

              Wie oft wird vorgelesen?

              Wie viele Kids mit Handy/tablet stillgestellt, und das schon als Kleinkind?



              Und was konsumieren die Kinder an Medien? Paw patrol und Peppa pig oder sendung mit der Maus und checker Tobi?