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Fünf Jahre nach dem Afghanistan-Abzug Lieber nicht mehr dran denken

Cem-Odos Güler

Kommentar von

Cem-Odos Güler

Der Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan war eine unmögliche Mission. Und doch machten Union und SPD über Jahre mehr Gelder dafür locker.

E s sind harte Worte, die einer der ehemals ranghöchsten deutschen Soldaten wählt, wenn er über das Ende des Afghanistaneinsatzes vor fünf Jahren spricht. „Ich schäme mich heute noch“, schreibt Ex-General Andreas Hoppe dieser Tage in einem Gastbeitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Es geht ihm um das Ausbleiben einer Geste: Als die Soldaten aus dem nordafghanischen Masar-i-Scharif Ende Juni im niedersächsischen Fliegerhorst Wunstorf landen, steht dort außer Bundeswehrangehörigen niemand, um sie in Empfang zu nehmen.

Nicht Bundeskanzlerin Angela Merkel, die den mit Abstand blutigsten und teuersten Auslandseinsatz der Bundeswehr ihre gesamte Amtszeit lang mitverantwortete. Nicht Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer, die als Verteidigungsministerin für den Truppenabzug zuständig war. Auch ein Beisein von Abgeordneten, die das Afghanistanmandat Jahr für Jahr im Bundestag verlängert hatten, ist nicht überliefert.

Obwohl längst klar war, dass die politischen Ziele mit Waffengewalt nicht zu erreichen waren, flossen immer mehr Gelder in die militärische Absicherung der Afghanistanmission. Von alldem wollte man in Berlin nichts wissen, schließlich standen im Herbst 2021 Wahlen an. Afghanistan war für die Union und die SPD ein Verliererthema, nur mit Abschiebungen und Entwicklungshilfe hoffte man noch auf ein paar Pünktchen. Ansonsten sollten die Ministerien und die Sol­da­t*in­nen den Einsatz doch bitteschön einfach abwickeln.

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Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Die 20-jährige Intervention der internationalen Koalition unter der Führung der USA, bei der nach Berechnungen der Brown-Universität zwischen 176.000 und 243.000 Menschen getötet und Millionen Menschen zur Flucht getrieben wurden, endete aus deutscher Sicht im niedersächsischen Hinterland. Der fehlende Empfang für die Sol­da­t*in­nen bei ihrer Rückkehr Ende Juni warf seinen Schatten voraus auf den katastrophalen Epilog, der sich dann wenige Wochen später in Kabul abspielte.

Denn während die Bundesregierung alle Entwicklungen in Afghanistan im wahrsten Wortsinne als Nebenkriegsschauplatz abtat, brachten die Taliban weite Landesteile wieder unter ihre Kontrolle. Als am 15. August 2021 dann auch Kabul an die Islamisten fiel, waren einige in Berlin tatsächlich überrascht. So musste die Bundeswehr noch mal ran, um Entwicklungshelfer*innen, europäische Staatsbürger und zumindest einige Ortskräfte aus Afghanistan zu retten, die durch die Ignoranz der Regierung den Taliban ausgeliefert wurden.

Heute sitzen Union und SPD wieder in der Regierung. Wenn sie über die Bundeswehr sprechen, wählen sie salbungsvolle Worte. Den gescheiterten Afghanistaneinsatz möchten sie so wie ihre Vor­gän­ge­r*in­nen vergessen machen. Der verweigerte Handschlag in Wunstorf darf auch das eigene Selbstbild nicht stören – dafür sind die Erwartungen, die man heute wieder an die Bundeswehr richtet, schlicht zu groß.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Cem-Odos Güler

Cem-Odos Güler Redakteur

Berichtet seit 2023 als Korrespondent im Parlamentsbüro der taz über Verteidigungsthemen und die SPD. Studium der Sozialwissenschaften und Volkswirtschaftslehre in Köln, Moskau und London.
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38 Kommentare

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  • Land of plenty

    Das ist völlig falsch andere Akteure für landeseigene Fehlentwicklungen zu beschuldigen. Das ist Ursachendelegation.



    Die ISAF hätten niemals abziehen dürfen.



    Anfang des Jahres 2021 wurde im Abkommen von Doha Afghanistan den Taliban übergeben.



    In Afghanistan warteten die Taliban 20 Jahre auf diesen Moment der Machtwiederübernahme.



    Wie kamen sie denn 1996 an die Macht?



    Die Taliban kommen aus der Sekte der Lehren von Deoband, einer Koranschule in Uttar Pradesh, die 1866 gegründet wurde.



    de.wikipedia.org/w...ar_ul-Ulum_Deoband



    Statt ein Buch aus dem Westendverlag zu lesen, empfehle ich zuerst diesen Artikel de.wikipedia.org/wiki/Taliban



    und sodann das Buch von



    Conrad Schetter und Jörgen Klußmann Hrsg., 2011 Der Taliban-Komplex. Zwischen Aufstandsbewegung und Militäreinsatz. Frankfurt/M, Campusverlag



    Die meiste Zeit waren die ISAF mit Beaufsichtigen beschäftigt.



    Eine Schilderung des Afghanistaneinsatzes gibt es von Johannes Clair: 17min. kurz: phoenix persönlich mit Afghanistan-Veteran Johannes Clair www.youtube.com/watch?v=kLL5-v_xtpo



    und 1h41min lang: www.youtube.com/watch?v=SjfuyKMgI7s



    Für die Menschen- und Bürgerrechte weltweit!



    Für die Aufnahme!

  • Martin L.

    Erst nach Abzug der Bundeswehr wurd Afn zu 100% ein Sklavinnenhalter-Staat. Eine Unrechts-Diktatur, die auf Gewaltherrschaft fusst. Das sollte auch linken zu denken geben.

  • zartbitter

    Nach 9/11waren Bündnisverpflichtungen der NATO, UN-Resolutionen die Auslöser für den Bundeswehreinsatz. Die Bundesrepublik unterstützte den Bündnispartner USA um den internationalen Terrorismus zu bekämpfen und beim Wiederaufbau zu helfen.



    =



    Die NATO rief am 12. 9. zum ersten Mal in der Geschichte den Bündnisfall nach Artikel 5 aus, Der Nordatlantikrat stellte fest, dass die Angriffe von außerhalb der USA gesteuert wurden.



    =



    Von 2001/2021 gab die Bundesrepublik n17,3 Milliarden Euro an zusätzlichen Kosten aus. Rund 12,3 Milliarden Euro – entfiel auf das Verteidigungsministerium und der Bundeswehr, während der Rest für Diplomatie, Wiederaufbau und Hilfe eingesetzt wurde.



    =



    Ohne Bundeswehr wäre Wiederaufbau & Hilfe nicht nöglich gewesen. Rund 2,48 Milliarden Euro wurden für projektbezogene Sach- und Personalkosten, Krisenbewältigung und diplomatische Aktivitäten ausgegeben - das BMZ gab 2,46 Milliarden Euro für die zivile Wiederaufbauhilfe, Förderung von Bildung, Stärkung von Infrastrukturprojekten aus. Das Landwirtschaftsministerium untersützte mit 33 Millionen Euro die lokale Landwirtschaft.



    =



    Was wäre die Alternative gewesen ? Keine zivilen Hilfen ?

  • T-Rom

    Hoffentlich erinnert man sich daran, wenn es jetzt wieder Diskussionen über Aufrüstung und Wehrpflicht gibt.



    Es gibt ja haufenweise ähnlich Beispiele: Irakkrieg, Lybien, oder aktuell der Irankrieg. Einen positiven Effekt haben diese Militäreinsätze kaum, und es wird viel Geld dafür verschwendet und - wichtiger - Menschenleben aufs Spiel gesetzt.

  • Astrid Sehnefeld

    Uralte Kriegsweisheit: wenn du irgendwo reingehst, musst du bereit sein, den Gegner komplett zu vernichten.



    Wann immer ein Krieg halbherzig geführt wurde, ging er verloren.



    Mit dem Iran wird das nicht anders laufen - mit ein paar Luftangriffen und markigen Worten erreichst du gar nichts, auch nicht für die Zivilbevölkerung.



    In Afghanistan sind heute Frauen im speziellen, aber auch die Bürger generell schlechter dran als vorher - und auch im Iran haben sich bereits alle blauäugigen Hoffnungen zerschlagen, dass die Bevölkerung von der gezielten Ausschaltung des Führungszirkels profitieren wird oder gar das Regime überwerfen kann - im Gegenteil, die Mullahs sitzen selbstbewusster und fester im Sattel denn je.

  • Filou

    Dem Artikel konnte ich nicht entnehmen, dass die Grünen 2001 bis 2005 als Regierungspartei den Afghanistaneinsatz mitbeschlossen und mitgetragen haben.



    Auch sie sind an dem Desaster mitschuldig.



    Dass unsere Soldaten zwar vom jeweiligen Parlament in einen lebensgefährlichen Eisatz geschickt, aber keine öffentliche Anerkennung erhalten haben war lange Zeit üblich, eine Schande.

    • warum_denkt_keiner_nach?

      @Filou:

      "Auch ein Beisein von Abgeordneten, die das Afghanistanmandat Jahr für Jahr im Bundestag verlängert hatten, ist nicht überliefert."

      Da sind die Grünen wohl mit gemeint.

      • zartbitter

        @warum_denkt_keiner_nach?:

        ""Sie argumentieren gegen UN Mandate ?""



        ==



        2002 gab es mehrere Resolutionen des UN-Sicherheitsrates, welche das MILITÄRISCHE Mandat der ISAF verlängerten und den zivilen Wiederaufbau organisierten.



        ==



        Die militärische Basis wurde kurz zuvor am 20. 12.2001 mit der wegweisenden Resolution 1386 geschaffen, welche die Aufstellung der International Security Assistance Force (ISAF) autorisierte. Im Jahr 2002 folgten darauf aufbauend die zentralen UN-Resolutionen.

  • warum_denkt_keiner_nach?

    Was hat der Herr General eigentlich gedacht? Dass er mit seiner Truppe nach einer Niederlage gefeiert wird?

    Es stimmt zwar, dass die Politik die Hauptverantwortung trägt. Aber Seinesgleichen hat durch Lageeinschätzungen dazu beigetragen, dass ein verlorener Krieg noch 10 Jahre hingeschleppt wurde. Mit sehr vielen Opfern. Vor allem Afghanen.

    • rero

      @warum_denkt_keiner_nach?:

      Wenn Leute bereit sind, im Interesse unserer Gesellschaft den Kopf hinzuhalten, und ihr Leben zu riskieren, hat das Respekt seitens der Gesellschaft und insbesondere deren Repräsentanten verdient.

      Dies gilt auch, wenn das demokratisch gewählte Parlament die Menschen in ein völlig aussichtsloses Unterfangen schickt, von dem man vorher wissen konnte, dass die Bundeswehr damit überfordert sein wird,

      Deshalb hat „der Herr General“ voll recht.

      Soviel menschlichen Respekt sollte eine Gesellschaft aufbringen.

      Auch der linke Teil der heutigen Gesellschaft.

      Ist ja nicht so, dass Linke nie ihre Armee wertgeschätzt hätten.

      Jetzt ist sie immerhin demokratisch.

      • warum_denkt_keiner_nach?

        @rero:

        "Wenn Leute bereit sind, im Interesse unserer Gesellschaft den Kopf hinzuhalten, und ihr Leben zu riskieren, hat das Respekt seitens der Gesellschaft und insbesondere deren Repräsentanten verdient."

        Der Einsatz erfolgte aber nicht im Interesse unserer Gesellschaft. Er Einsatz erfolgte, weil sich große Teile der Politik darüber freuten, dass D endlich wieder bei den großen Jungs mitspielen darf. Irgend ein Nutzen für die deutsche Gesellschaft war nicht vorhanden. Im Gegenteil. Es wurde Geld verbrannt. Das triff übrigens auf die meisten Auslandseinsätze der BW zu.

        Wer diesen Unfug mitmacht, verdient keinerlei Anerkennung.

        • zartbitter

          @warum_denkt_keiner_nach?:

          ""Der Einsatz erfolgte aber nicht im Interesse unserer Gesellschaft.""



          ==



          Momentan mehren sich die Berichte über Gewalt der Taliban gegen die afghanische Gesellschaft - insbesondere Berichte über die totale Entrechtung von Frauen.



          =



          Sind sie sicher das die Einhaltung von Menschenrechten in Afganistan nicht zu den Interessen der Deutschen in der Bundesrepublik gehören?



          =



          Nach den fast 3.000 Toten nach 9/11 als Ausgangspunkt



          für militärische Einsätze in Afghanistan gehörte richtigerweise die Solidarität der Deutschen den Amerikanern.



          =



          Wo hat sich denn Ihre Solidarirät gegen Terror versteckt?

          • warum_denkt_keiner_nach?

            @zartbitter:

            "Sind sie sicher das die Einhaltung von Menschenrechten in Afganistan nicht zu den Interessen der Deutschen in der Bundesrepublik gehören?"

            Wir sind tatsächlich nicht für die Einhaltung der Menschenrechte in anderen Ländern zuständig. Besonders nicht militärisch. Wäre das der Fall, müsste die BW in die meisten Länder einmarschieren.



            Der Einsatz erfolgte damals, weil man meinte, dort strategische Interessen zu haben. Und natürlich, weil man endlich wieder dabei sein wollte. Menschrechte spielten nur eine Nebenrolle. Als Pflaster für die Öffentlichkeit.

            • zartbitter

              @warum_denkt_keiner_nach?:

              ""Wir sind tatsächlich nicht für die Einhaltung der Menschenrechte........""



              ==



              1...Wer ist wir?



              2... Scheint für sie nicht so wichtig zu sein .... aber alle 193 UN-Mitgliedstaaten sind rechtlich für die Einhaltung und den Schutz der Menschenrechte zuständig.



              =



              Die UN-Charta verpflichtet alle Mitglieder - dazu gehört die Bundesrepublik zur Wahrung der Menschenrechte.



              =



              Ansonsten - 9/11 war der Bündnisfall sich gemeinsam vor Terror zu schützen. Wenn sie sich nicht gegen Terror schützen wollen ist ein ""Wir"" unangebracht und ist Ihre persönliche Angelegenheit.

              • warum_denkt_keiner_nach?

                @zartbitter:

                Die angebliche Verpflichtung, Menschenrechte in anderen Ländern militärisch zu verteidigen, kommt nicht von der UN. Sie ist selbst gewählt. Und wird vorgeschoben, wenn es zu den eigenen Machtambitionen passt.

                Und natürlich sind die vielen Jahre in Afghanistan nicht mit 9/11 begründbar. Das war schon nach kurzer Zeit erledigt.

                PS: Mit wir sind die Bundesrepublik und ihre Verbündeten gemeint.

  • Il_Leopardo

    „Unsere Freiheit wird auch am Hindukusch verteidigt.“



    Bundesverteidigungsminister Peter Struck (SPD) 2002

    20 Jahre und Kosten von mehr als 17,3 Milliarden Euro.

    Ergebnis:



    Die heutige Regierung verhandelt mit den Taliban über die Abschiebung von (auch nicht straffällig gewordenen) afghanischen Migranten.

    • Astrid Sehnefeld

      @Il_Leopardo:

      Vor allem sitzen die Taliban heute fester im Sattel als vor dem 20 jährigen Intermezzo - UND durch die zurückgelassenen Waffen stiegen sie über Nacht zu einer gut ausgerüsteten Armee auf...



      Bloß gut, dass den Taliban fähiges Personal und taktische Ausbildung fehlt, um mit dem Equipment schlagkräftig umzugehen.

      • warum_denkt_keiner_nach?

        @Astrid Sehnefeld:

        "Bloß gut, dass den Taliban fähiges Personal und taktische Ausbildung fehlt, um mit dem Equipment schlagkräftig umzugehen."

        Wie kommt man darauf? In Afghanistan ist praktisch seit 1979 Krieg. Da sammelt man deutlich mehr Erfahrung, als auf noch so hübschen Truppenübungsplätzen.

        • Astrid Sehnefeld

          @warum_denkt_keiner_nach?:

          Die Verlustquote der Taliban war enorm hoch. Dauerhaft Krieg heißt nicht Erfahrung im Sinne von taktischer Ausbildung

          • warum_denkt_keiner_nach?

            @Astrid Sehnefeld:

            Wer hat gewonnen?

        • Il_Leopardo

          @warum_denkt_keiner_nach?:

          Die fundamentalistischen Taliban traten aber erst Mitte der Neunziger in der südlichen Stadt Kandahar in Erscheinung.



          Früher waren es eher die Mudschahedin.

          • warum_denkt_keiner_nach?

            @Il_Leopardo:

            Und aus wem sind die Taliban hervorgegangen? Die sind doch nicht vom Himmel gefallen.

            • Il_Leopardo

              @warum_denkt_keiner_nach?:

              Ich denke, den Unterschied kann man nur verstehen, wenn man untersucht, welche Länder die Mudschahedin und welche die Taliban unterstützt haben.



              Ein kleiner, aber feiner Unterschied ist sicher auch, dass die Mudschahedin aus vielen miteinander konkurrierenden Gruppierungen war, die viel fundamentalistischeren Taliban dagegen insgesamt straffer organisiert waren.



              Sie haben aber natürlich recht, dass die Taliban auch aus Mudschahin bestanden - aber zum großen Teil auch Menschen, die sich in pakistanischen Flüchtlingslagern immer mehr radikalisiert hatten.

              www.bpb.de/themen/...von-fluechtlingen/

              • warum_denkt_keiner_nach?

                @Il_Leopardo:

                Man kann es auch direkter sagen. Die Taliban sind aus dem extremen Flügel der Mudschahin entstanden.



                Man sollte also immer genau schauen, wem man alles unterstützt...

  • Sole Mio

    Feigheit der Poilitk!



    Mag man zu Ihnen stehen, wie man will, aber das hätte es bei Schmidt, Brandt und Kohl nicht gegeben.

  • Okay

    Wenn Ex-General Andreas Hoppe nach einer solchen Pleiteaktion auch noch am liebsten von der Bundeskanzlerin in Empfang genommen werden möchte, wirkt das ziemlich eingebildet und auch peinlich.



    Außer fast 250.000 Toten hat diese militärische Operation wenig gebracht. Geschweige denn für die afghanischen Helferinnen und Helfer, denen nach langen Verfahren die Einreise nach Deutschland garantiert worden war – und die nun ebenfalls im Stich gelassen wurden.



    Kurz nachdem die Sowjets in Afghanistan gescheitert waren, haben auch die westlichen Länder dort versagt.



    Ohnehin ist mir keine militärische Intervention bekannt, die nachhaltig etwas gebracht hätte, außer noch mehr Chaos, Hunger und Flüchtlinge zu erzeugen.



    Ähnliche Szenarien erleben wir heute u.a. im Nahen Osten, wo sich der Gaza-Konflikt geografisch immer weiter ausbreitet.



    Fazit: Der „Globale Süden“ ist und bleibt ein Spielball der postkolonialen Mächte.

    • rero

      @Okay:

      Hoppe sprach nicht von sich.

      Er sprach von seiner Truppe.

      Mir fällt nicht ein, was an einer Einforderung von Respekt für diejenigen, die ihr Leben riskiert haben, von denjen, die sie dort hingeschickt haben, arrogant oder peinlich wäre.

      Die Peinlichkeit sehe ich bei der Regierung, deren Vertreter ihre Auftragausführenden im Stich gelassen haben, damit sie als Politiker nicht mit dem verlorenen Krieg in Verbindung gebracht werden.

      Gilt für die Soldaten ebenso wie für die afghanischen Helfer.

    • 655321

      @Okay:

      "Ohnehin ist mir keine militärische Intervention bekannt, die nachhaltig etwas gebracht hätte, außer noch mehr Chaos, Hunger und Flüchtlinge zu erzeugen."



      Wie stehen Sie in dem Zusammenhang zur Landung der Alliierten in der Normandie 1944?

    • 7G
      753902 (Profil gelöscht)

      @Okay:

      Es geht nicht darum, ob man den Einsatz per se für richtig hält. Es geht doch darum, das Politiker per Bundestagsbeschluss, Soldaten in den Einsatz schickt und diese bei Rückkehr, nicht mal mehr mit dem Arsch anschaut, wie man so schön sagt.



      Man kann wohl sagen, das nicht die Soldaten die Verantwortung für den Fehlschlag des Einsatzes zu tragen haben.

  • David Lejdar

    Einer der Gründe, warum man mich nicht dazu bewegt hätte, bei Bundeswehr zu dienen. Denn, kein wirklicher Plan einfach nur paar Militärs irgendwohin zu entsenden, wo proaktive Politik gefragt ist, womit General nicht bedienlich sein kann oder darf, wenn es um Themen wie soziale Absicherung geht, was z.B. auch in Mali relevant war bzw. noch ist.

    Ich gebe mich da aber nicht geschlagen, mit Support für Diaspora, sich da modern aufzustellen, statt erneut in Arme von Taliban getrieben.

    Und allgemein halt auch mit Nachbarschaftsversammlung aller hier lebenden Nationalitäten, um gemeinsam über paar Themen zu reden, wie z.B. ob Muslime aus anderen Ländern sagen, dass deren Söhne eine Frau heiraten würden, die nicht mal lesen kann, obwohl im Quran auch Frauen Gelehrte, und z.B. Fātima al-Fihrīya die Universität al-Qarawīyīn gegründet hatte, womit dem Islam doch viel eher gehuldigt wurde, als wenn irgendwelche Steine geschmissen werden.

    • test_name

      @David Lejdar:

      >Denn, kein wirklicher Plan<



      .



      Einen Plan gab es schon - nur die Mission ist gescheitert. Der Plan war, den dummen Einheimischen westliche - christliche - Werte beizubringen.



      .



      Ein moderner Kreuzzug. Die Taliban haben gewonnen. Wertebasierte Politik siegte über westliche Korruption - Kaufen von Entscheidungsträgern.



      .



      Alles in Ordnung. Sofern man für sich nicht in Anspruch nimmt, Entscheidungen über religiöse Ansichten der Afghanen zu treffen, muss man mit der Entscheidung der Afghanen leben.

      • Oma

        @test_name:

        Pech halt für die afghanischen Frauen, die nichts mehr zu melden haben.

  • Reinhardt Gutsche

    Missionarismus manu militari

    Zitat: „Der Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan war eine unmögliche Mission.“

    Das dürfte für alle übrigen BW-Missionen in Vergangenheit und Zukunft gelten…

  • Todesfister

    Für krieg war immer Geld da



    Nur für die armen hat's nichts

  • 7G
    753902 (Profil gelöscht)

    Das ist wirklich sehr beschämend, wie sich hier gegenüber den Rückkehrern verhalten wurde. Es gibt meines Wissens nun einen Veteranen-Tag und hoffe das dieser zukünftig in einer Form statt findet der dem Dienst, unter Einsatz des eigenen Lebens gerecht wird. Für die meisten in der Zivil-Gesellschaft ist der Einsatz in Afghanistan wohl abgeschlossen. Für die meisten der Veteranen hat das wohl dauerhaft lebensverändernde Auswirkungen.

    • warum_denkt_keiner_nach?

      @753902 (Profil gelöscht):

      Das letzte was gebraucht wird, ist dass die "Veteranen" auch noch für die Mitwirkung an einem dummen, neokolonialen Abenteuer geehrt werden.

      • rero

        @warum_denkt_keiner_nach?:

        Menschen, die ihr Leben für unsere Gesellschaft und unseren Staat einsetzen, verdienen mehr Respekt als Sie bereit sind, es ihnen zu zollen.

        Ganz unabhängig davon, ob Sie den Einsatz befürworten oder kritisieren.

  • Lieselotte Schellong

    Nur eine Buchempfehlung : Marc Hinzmann " Leben und Sterben lassen"



    Die letzten Tage der Bundeswehr in Afghanistan



    Ein ganz persönlicher Bericht von einem, der plötzlich und unvorbereitet vor einer sehr schwierigen Aufgabe steht.



    Hat mich beeindruckt !