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Klimaanpassung in die Verfassung Eine Grundgesetzänderung reicht nicht

Jonas Waack

Kommentar von

Jonas Waack

Der Umweltminister will Klimaanpassung ins Grundgesetz schreiben. Das ist richtig, schützt aber nicht vor Klimafolgen. Es braucht eine radikale Lösung.

U mweltminister Carsten Schneider von der SPD will Klimaanpassung als Gemeinschaftsaufgabe ins Grundgesetz schreiben. Das heißt: Der Bund soll Ländern und Kommunen finanziell unter die Arme greifen dürfen bei Hitze-, Hochwasser- und Naturschutz. Das ist überfällig.

Klimaanpassung ist Katastrophenschutz, und Katastrophenschutz ist laut Grundgesetz Ländersache. Nur erhitzen wir die Erde durch das Verbrennen fossiler Brennstoffe, das Roden von Wäldern und das Trockenlegen von Mooren immer weiter. Das macht viele Naturkatastrophen wie Hitzewellen, Starkregen, Niedrigwasser und Stürme wahrscheinlicher und heftiger. Und das macht Katastrophenschutz sündhaft teuer.

Bisher darf der Bund Länder und Kommunen dabei nur bei Leuchtturmprojekten unterstützen. Entsteht der Anschein langfristiger Förderung, schimpft der Bundesrechnungshof. Schneiders Vorstoß ist deshalb wichtig. Aber eine Grundgesetzänderung wird nicht reichen.

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Nur Worte auf Papier

Denn dass die Bundesregierung Geld für Klimaanpassung ausgeben darf, heißt nicht, dass sie das auch tut. Der schwarz-rote Sparhaushalt kürzt bei vielen Bereichen der Daseinsvorsorge. Warum sollten da plötzlich Milliarden Euro freiwerden, nur weil das Grundgesetz geändert wird?

Und Milliarden Euro wären nötig: Der Städte- und Gemeindebund hält 40 Milliarden Euro jährlich allein für die Instandsetzung der Trinkwasserversorgung für realistisch. Die Krankenhauslobby will insgesamt 31 Milliarden Euro für hitzebeständige und klimaschützende Krankenhäuser. Dazu kommen Kosten für Pflegeheime, Stadtbäume, natürliche Wasserspeicher und Klimaanlagen in Wohnungen.

Nur gerecht wäre es deswegen, wenn diejenigen Katastrophenvorsorge bezahlen, die sie erst nötig machen: fossile Konzerne und Überreiche. Durch ihr Geschäftsmodell und ihren Lobbyismus heizen Öl-, Gas- und Kohlekonzerne den Klimawandel an, Überreiche durch ihren Konsum. Eine einmalige Klimasolidaritätsabgabe könnte direkt an Länder und Kommunen gehen. Das ist radikaler als eine Grundgesetzänderung. Aber im Gegensatz zu Worten auf Papier kann Geld tatsächlich Leben retten.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Jonas Waack

Jonas Waack Klima-Redakteur

Jahrgang 1999, zuständig für Klima-Themen im Ressort Wirtschaft und Umwelt. Stadtkind aus Mecklenburg, möchte auch sonst Widersprüche vereinbaren. Bittet um Warnung per Mail, falls er zu sehr wie ein Hippie klingt.
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3 Kommentare

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  • David Lejdar

    Aber selbst wenn, damit ist nicht geklärt, wenn z.B. Stadt ständig Gewinn von Stadtwerken abschöpft, und dann Mittel für Instandhaltung fehlen.

    Ich selbst sehe da allgemein Bedarf sich etwas anders aufzustellen, mit je Landkreis-Werken, die bei sich die technischen kommunalen Dinge unter einem Dach haben, um gewissen Synergie-Effekt zu nutzen, wie z.B. statt zwei Server für Kundenportal bei Wasser und Müllabfuhr (und doppelt Kundenverzeichnisse mit Datenschutzdingen), dies auf einem Server.

    Damit ist es dann auch einfacher bei "Raumordnung" auf dem Land etwas mehr ins Detail zu gehen, wie "Wassernetz für Landkreis", bzw. auch Themen wie neue Gewerbegebiete idealerweise an Bahnstrecken zu legen, um vorhandene Infrastruktur zu nutzen.

    Dazu sowieso je Landkreis Berufsfeuerwehr, mit nationaler Zentrale wo man sich auch Dinge ansieht, wie z.B. das Ding was es gibt um Wärme in einem Großzelt zu machen, dies mobil auch für Kälte vorhanden, und halt etwas organisiert an die Sachen.

  • XXX

    Ein weiteres Mal: Der größte Klimakiller ist Krieg. Und da haben wir nicht die geringste Initiative seitens unserer Bundesregierung gesehen, den in der Ukraine zu stoppen. Warum wird das hier nicht erwähnt?

  • Axel Schäfer

    "... Kann die Grundgesetzänderung auch den Rhein wieder Normalwasser führen lassen? ..." Für dieses Wunder ist doch der neue Zauberlehrling Bilger zuständig, der möchte das doch mit rituellen Baggerungen im trockenen Flussbett herbeiführen.

    "... Und Milliarden Euro wären nötig: Der Städte- und Gemeindebund hält 40 Milliarden Euro jährlich allein für die Instandsetzung der Trinkwasserversorgung für realistisch. ..."



    Bislang wird ja die Instandsetzung der Netze satzungsgemäß über die Wassergebühren finanziert das musste bisher funktionieren. Wenn man jetzt nicht Instandsetzen sondern im großen Stil Umbauen möchte, sollte man eine Sozialklausel einführen und die Umbaukosten nur auf den Verbrauch über ein nicht beaufschlagtes Grundkontingent hinaus umlegen.