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Reform der Nachrichtendienste Keine neue Gestapo

Christian Rath

Kommentar von

Christian Rath

Die geplante Reform für den Verfassungsschutz wird überschätzt. Wichtig ist, die neuen aktiven Befugnisse der Geheimdienste zu kontrollieren.

A us den deutschen Nachrichtendiensten sollen echte handlungsfähige Geheimdienste werden, verspricht Innenminister Alexander Dobrindt (CSU). Dagegen erinnern Kritiker an die Lehren aus dem Faschismus mit der Geheimen Staatspolizei, der Gestapo. Vermutlich wird sich in der Praxis aber weniger ändern als versprochen oder befürchtet.

Diese Woche beschloss die Bundesregierung einen dicken Gesetzentwurf. Er soll dem Bundesnachrichtendienst (BND) und dem Bundesamt für Verfassungsschutz neue Aufgaben und neue Befugnisse geben. Neben der Beschaffung und Auswertung von Informationen sollen BND und Verfassungsschutz erstmals auch aktive Operationen ausführen. Relevant ist das vor allem für den BND, den deutschen Auslandsgeheimdienst. Er soll Bedrohungen gegen Deutschland nicht mehr nur prognostizieren, sondern auch bekämpfen. So soll er die Geräte feindlicher Hacker und die Fabriken feindlicher Drohnenbauer zerstören dürfen. Ob das dann klappt und die hybride Bedrohungslage spürbar entschärft, ist eine ganz andere Frage.

Die Gestapo-Assoziationen betreffen aber vor allem den Verfassungsschutz als deutschen Inlandsgeheimdienst. Auch er soll künftig aktive „Schutzmaßnahmen“ ergreifen dürfen, etwa die Funktionen potenzieller „Tatmittel“ wie Drohnen zu beeinträchtigen oder Angreifer durch falsche Informationen zu verwirren.

Diese neuen aktiven Befugnisse werden beim Verfassungsschutz in der Praxis aber wohl deutlich seltener zum Einsatz kommen als beim BND. Denn der Verfassungsschutz soll nur dann „operativ“ eingreifen dürfen, wenn dies der Polizei nicht möglich ist. Es handelt sich also um eine Art Reservekompetenz. Dass es darüber so viel Aufregung gibt, erstaunt etwas. Aber letztlich hat sich Minister Dobrindt das mit seinen vollmundigen Ankündigungen von der „Revolution“ und der „Zeitenwende“ selbst zuzuschreiben.

Verhaftungen bleiben Sache der Polizei

In diesem Zusammenhang von Gestapo zu reden, ist eine Verharmlosung des Faschismus. Die Gestapo steckte Regimegegner ins KZ, folterte sie und brachte sie um. Auch die schärfsten Kritiker des heutigen Verfassungsschutzes befürchten derzeit keine Wiederkehr der Gestapo. Die Kritik zielt auf eine fortgesetzte Trennung von Polizei und Verfassungsschutz. Und die ist auch bei der geplanten Reform gewährleistet. Der Verfassungsschutz darf auch weiterhin niemanden verhaften. Er darf keine Waffen tragen, und er darf keine Wohnungen „durchsuchen“. Neu ist nur, dass er künftig in Wohnungen einbrechen können soll, um zum Beispiel Computer zu manipulieren.

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Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Wer eine Geheimpolizei verhindern will, sollte eher die Polizei selbst in den Blick nehmen, denn sie hat in den letzten Jahrzehnten immer mehr geheimdienstähnliche Befugnisse erhalten. Die Polizei darf heimlich Telefone abhören und in Computer eindringen. Sie darf V-Leute und verdeckte Ermittler einsetzen. Und zugleich darf die Polizei Leute festnehmen, Waffen tragen und Wohnungen durchsuchen.

Wichtig ist aber auf jeden Fall, dass die neuen aktiven Befugnisse von BND und Verfassungsschutz wirksam kontrolliert werden, damit sie nicht aus dem Ruder laufen. So müssen die aktiven Maßnahmen laut Gesetzentwurf künftig vorab vom Unabhängigen Kontrollrat (UKR) genehmigt werden, der zum neuen zentralen Gremium der Geheimdienstkontrolle werden soll. Der UKR ist zwar kein normales Gericht, aber er arbeitet „gerichtsähnlich“. Sieben von neun UKR-Mitgliedern müssen vorher Bun­des­rich­te­r:in gewesen sein. Die Entscheidungen des UKR sind zwar zunächst geheim. Doch geheim ist auch eine Entscheidung des Ermittlungsrichters, wenn er vorab die Telefonüberwachung durch die Polizei genehmigt.

In der Diskussion um die Geheimdienstreform, die angesichts der hybriden Bedrohung insbesondere aus Russland eine gewisse Plausibilität hat, geht es jetzt darum, mögliche Fehlentwicklungen zu verhindern. So müsste deutlicher als bisher festgeschrieben werden, dass die neuen aktiven Befugnisse der Geheimdienste nur gegen Terror und ausländische Angriffe eingesetzt werden dürfen und nicht gegen die innenpolitische linke und rechte Opposition. Der BND sollte ausdrücklich auf Maßnahmen im Ausland beschränkt werden. Dem Verfassungsschutz sollten Einbrüche in Wohnungen generell verboten werden.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Christian Rath

Christian Rath Rechtspolitischer Korrespondent

Geboren 1965, Studium in Berlin und Freiburg, promovierter Jurist, Mitglied der Justizpressekonferenz Karlsruhe seit 1996 (zZt Vorstandsmitglied), Veröffentlichung: „Der Schiedsrichterstaat. Die Macht des Bundesverfassungsgerichts“ (2013).
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38 Kommentare

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  • David Lejdar

    Den Gestapo-Vergleich kann ich da auch nicht nachvollziehen. Aber so ein Hack-Back löst nichts daran, dass IT in Teilen mit wie Ramsch aufgestellt wurde, was wie in Fußball wenn Team mit 10 Stürmern, während der eigene Torwart schauen soll, wie klarkommt. Und dazu noch mit KI, das ist Menge an Strom, die gebraucht um die wie virtuellen Cyberschlachten gegen andere KI zu führen. Und ständig hinterherzurennen wegen paar Burschen, die über X oder Tiktok von ISIS usw. radikalisiert, bescheuert.

    Bzw., wenn ich es aufstelle, Verfassungsschutz unter Staatsoberhaupt und nur für Nachrichtensammlung (inkl. zu schauen, welcher Politiker groß empört ist, wenn "Migrant" was tat, und dann aber schweigt, wenn wie in Michigan Massenmord durch 'Weißen'). Wie BND für ausländische Nachrichtensammlung (mit z.B. was dort im TV denn so gesagt wird). Und ggf. Hack-Back, das beim Militär. Und bei Polizei Sonderabteilung für verdeckte Ermittlung, statt aus Polizeiwachen wie Überwachungsbüros zu machen.

  • Klabauta

    „Wichtig ist, die neuen aktiven Befugnisse der Geheimdienste zu kontrollieren.“

    Und was die Kontrolle angeht, müssen die Bürger*innen auf diesen PKR vertrauen. In dem ebenfalls von Christian Rath verfassten und hier verlinkten Artikel schreibt der Autor:

    „Auf den Vorwurf, dass der UKR zu BND-freundlich agiere, sagte dessen Vorsitzender Josef Hoch, schon die bloße Existenz der Kontrollbehörde führe zu Präzision und Beschränkung beim BND, sodass kaum Anträge abgelehnt werden müssen.“

    Finde ich allerliebst.

    Den Bürger*innen wird an anderer Stelle durch die Quasi-Abschaffung des IFG die Möglichkeit genommen, den Staat wenigstens ein bisschen zu kontrollieren.

    Für mich gehören diese „Reformen“ zusammen und zu dem, was Arme Semsrott „autoritären Staatsumbau“ nennt.

  • Meister Petz

    „ Auch die schärfsten Kritiker des heutigen Verfassungsschutzes befürchten derzeit keine Wiederkehr der Gestapo.“

    Die Assoziation ist doch nicht neu, „früher war es die Gestapo, heute ist es das BKA“ hieß es bei WIZO schon 1995.

  • Leo Onlin

    Den Gestapo-Vergleich habe ich hier zum ersten Mal gelesen, wirkt eher wie ein argumentativer Strohmann.

    Aber: den Unterschied zwischen Polizei und Innlandsgeheimdienst sollte man deutlich benennen. Die Polizei agiert bei Straftaten (und hat sicher recht viele Befugnisse und Möglichkeiten zusammen mit Staatsanwälten und Gerichten). Der Verfassungsschutz jedoch ermittelt gegen (eigene) bis dato unbescholtene Bürger, quasi auf Verdacht und damit potentiell gegen jeden. Während die Polizei also nur in meine Wohnung darf, wenn mir etwas vorgeworfen wird, kann (und darf) es der Verfassungsschutz demnächst jederzeit. Und das ist dann doch eine bedrohliche Veränderung.

    Manchmal hat es den Anschein, dass wir wahlweise auf eine linke oder rechte Diktatur zulaufen. Die notwendigen Instrumente werden jedenfalls installiert, und zwar von den aktuell Regierenden. Demokratie und Freiheit sterben leise.

  • Mondschaf26

    „Neu ist nur, dass er [Verfassungsschutz] künftig in Wohnungen einbrechen können soll, um zum Beispiel Computer zu manipulieren."



    Kleiner Tipp für Minister Drohbrindt: Es gibt viele Menschen, die nutzen als Computer nur noch ein Smartphone. Und das haben die immer bei sich. Das nehmen die sogar mit ins Bett. Vor dem Manipulieren erst mal sedieren? Soll das erlaubt werden?

  • Al.martini

    Danke, Herr Rath, für diesen ausgewogenen und klaren Artikel!

  • AugenhöheStattTribalismus

    Vielen Dank für diesen wenig aufgescheuchten Artikel. In meinem Bekanntenkreis finden sich jetzt schon Aufgeregte die in dieser Umstellung tatsächlich davon ausgehen dass die CDU der AfD zuarbeitet und dann am Ende in baldiger Zukunft eine "neue Gestapo" entsteht.

    Hier findet sich ein noch detaillierter Artikel über die neuen Befugnisse und Änderungen:

    steady.page/de/u-m...-a1e0-d5f1cf639efe

    • warum_denkt_keiner_nach?

      @AugenhöheStattTribalismus:

      Absicht würde ich der CDU nicht unterstellen...

  • Hans Dampf

    „Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren“ angeblich Benjamin Franklin

    Die Forderung nach mehr Sicherheit und gleichzeitig vollen Schutz der Privatsphäre verhalten sie diametral, es geht einfach nicht.



    Die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte, doch wer soll bestimmen wo das ist?



    Wir sollten uns mal Gedanken machen, warum der US Geheimdienst alles weiß und den deutschen Behörden dauernd Tipps geben kann. Scheinbar sind wir für die schon sehr gläsern.

    • Kühlbox

      @Hans Dampf:

      Genau deshalb halte ich eine Aufwertung der Nachrichtendienste grundsätzlich für sinnvoll.



      Wir können nicht davon ausgehen, dass die USA uns dauerhaft mit allen relevanten Erkenntnissen versorgen. Gerade bei hybriden Bedrohungen braucht Europa eigene Fähigkeiten zur Aufklärung und Attribution.



      Der Fall Ceuta zeigt, wie komplex solche Lagen sind:



      Laut Guardian wurden marokkanische Sicherheitskräfte an der Grenze massiv zurückgezogen.



      Gleichzeitig verbreitete sich über soziale Medien die falsche Behauptung, ein spanisches Gerichtsurteil ermögliche die Aufnahme von Migranten, die Ceuta über den Seeweg erreichen.



      Die Erklärung allein mit „Schleusern“ greift daher zu kurz. (Es hat 76 Menschen, vor allem Kindern das Leben gekostet.)

      Auch Russland hat ein Interesse an einer geschwächten und gespaltenen EU.



      Ob ein konkreter Vorgang tatsächlich gesteuert wurde, muss aber anhand belastbarer Erkenntnisse geklärt werden.



      Genau dafür brauchen wir leistungsfähige Dienste:



      um solche Vorgänge zu erkennen, einzuordnen und zuzuordnen.



      Mehr Fähigkeiten ja, aber mit klaren Grenzen und unabhängiger Kontrolle.

      Freiheit ohne Sicherheit, scheint bedeutungslos. - Vogelfreiheit, ist die schlimmste Form.

  • Bolzkopf

    Ein Vergleich mit der Gestapo finde ich wirklich überzogen. aber mal zu schauen was da jetzt so an Stasi-Werkzeugen auf unseren Tisch landet finde ich nicht verkehrt.

    Und an anderer Stelle lese ich gar "Experten schlagen Alarm"



    taz.de/Kritik-an-G...streform/!6196285/

    • Martin Rees

      @Bolzkopf:

      Expert:innen, die sich und uns mit Fachkenntnissen juristisch vertreten können und wollen:



      "Wir setzen uns juristisch dafür ein, dass staatliche Überwachung auf das Notwendige und Verhältnismäßige begrenzt bleibt – sei es beim Einsatz von Staatstrojanern, bei der strategischen Fernmeldeüberwachung oder bei der massenhaften Erfassung von Bewegungsdaten. Eine freiheitliche Gesellschaft braucht Sicherheit – aber ohne Massenüberwachung. Wenn Polizei oder Geheimdienste unverhältnismäßig stark in die Privatsphäre von Menschen eingreifen, bedroht das die Grundrechte aller und schafft ein Klima der Einschüchterung."



      Quelle:



      freiheitsrechte.or...-und-geheimdienste



      Die Szene der Künstler:innen und Literat:innen wird sicher noch einen Beitrag leisten.



      2014 bei boell.de



      "Wenn uns jemand etwas über die Herrschaftsverhältnisse im Jahr 2013 gelehrt hat, war es Edward Snowden. Er enthüllte, dass einige westliche Regierungen bereit und durch ihre Überwachungstechnologien auch in der Lage sind, auf fast jede Lebensäußerung zuzugreifen, die ihre Bürger/innen online, über Festnetz- oder Mobiltelefon tätigen – und dies ohne..."🤔😳

  • T-Rom

    Wenn man betrachtet, in welchen Bereichen in den letzten Jahren Geheimdienstinformationen wirklich benötigt wurden, um konkrete Gefahren abzuwehren waren dies: Terrorismus / geplante Anschläge, Pädophilie und organisierte (Internet-)Kriminalität (von ausländischen, staatsnahen Akteuren, zb aus Russland oder China).



    In nahezu allen diesen Fällen kamen die relvanten Informationen von ausländischen Geheimdiensten. Unsere eigenen Dienste sind da offenbar blank. Eine Reform müsste also vor allem diese Lücken schliessen.

    • warum_denkt_keiner_nach?

      @T-Rom:

      "Pädophilie und organisierte (Internet-)Kriminalität"

      Sind Sache der Polizei. Also muss man diese gezielt in diesen Bereichen stärken...

  • warum_denkt_keiner_nach?

    Klingt sehr nach Verharmlosung. Wenn man sich etwas damit beschäftigt hat, wie Göring 1933 mühelos aus der preußischen politischen Polizei die Gestapo formte, kann man angesichts der aktuelle "Reformen" Angst bekommen.

    Na klar können die Geheimdienste jetzt nicht einfach losgehen und Bürger jagen. Aber angesichts der historischen Erfahrungen ist es extrem leichtsinnig, die Befugnisse der Geheimdienste auszuweiten, wenn die Nazis wieder ans Kanzleramt klopfen. Man macht es ihnen genau wie 1933 leicht. Damals konnten die Nazis auch auf Vorarbeit aufbauen...

    • Lowandorder

      @warum_denkt_keiner_nach?:

      …anschließe mich

    • Tutmerwe

      @warum_denkt_keiner_nach?:

      Was Ihr historisches Beispiel angeht: Göring konnte 1933 auf die Vorarbeiten seit Mitte 1932 aufbauen, als die preußische Polizei einem Reichskommissar unterstellt und bereits hier in wichtigen Bereichen "gesäubert" wurde (Operation "Preußenschlag").



      Allgemein denke ich, daß die Gefahren für eine Demokratie durch Geheimdienste weniger davon ausgehen, WAS für Kompetenzen sie haben, sondern vielmehr WER ihnen die Anweisungen gibt, WIE und gegen WEN sie sie einzusetzen haben.



      Natürlich spielt auch die Einstellung der Geheimdienstler selbst eine Rolle. -Aber da sind wir wieder beim leidigen Thema, daß Geheimdienste wie alle anderen Sicherheitsbehörden von links eingestellten Personen eher weniger als potentieller eigener Beruf(ung) angesehen werden.

  • Flix

    Gerade beim Verfassungsschutz sind Zweifel angebracht, die Rolle im Zusammenhang mit dem NSU ist keineswegs aufgeklärt, die klandestinen Treffen Maaßens mit der AfD-Spitze oder weiter zurückschauend das Celler Loch. In meinen Augen rechtfertigt dies keinen weiteren Vertrauensvorschuss, wie ihn das neue Gesetz vorsieht.



    Und ob der vorgesehene UKR den Anforderungen des Artikels 13 des GGs genügt, wird sicherlich vom Bundesverfassungsgericht geklärt werden müssen.

  • Jalella

    Ich würde sagen, dass sich "am jetzigen Vorgehen nicht viel ändert" liegt vor allem daran, dass es schon übel zugeht. Kaum ein Land hat so etwas wie einen solche Inlandsgeheimdienst wie wir den Verfassungsschutz - nicht mal die USA. Selbst die würden den Kopf schütteln über so manche Bürgerbespitzelungsaktionen.



    Und selbst die eigentlich intendierte Trennung von Verfassungsschutz und Polizei/Regierung ist ja hinfällig wenn man z.B. Weimers Bespitzelung der Buchhandlungen sieht.



    Ich glaube nicht, dass das harmlos ist, wenn das nun auch noch weiter ausgeweitet wird.



    Und man muss sich ja ansehen, in welche Hände solche Werkzeuge dann fallen. Kann sich jemand vorstellen, dass ein AfD-Innenminister noch schlimmer gegen die Bevölkerung und das Grundgesetz agieren würde als der jetzige? Ich nicht. Geradezu pervers, dass sich das dann auch noch "Vefassungs"schutz nennt. Da müssten sie ja vor allem cdU/csU und besonders Dobrindt überwachen.

    • Francesco

      @Jalella:

      »Kaum ein Land hat so etwas wie einen solche Inlandsgeheimdienst wie wir den Verfassungsschutz - nicht mal die USA«



      Das liegt vielleicht daran, dass dort schon die Polizei (bspw. das FBI) solche Kompetenzen hat.

  • hedele

    Nein, dies3 Reform ist nicht harmlos. Meine Arbeit als Anwalt fängt immer mit der Akteneinsicht an. Manchmal ist man entsetzt, was man dem Mandanten berichten muss, manchmal amüsiert, manchmal erleichtert.



    Aber gar keine Akte zu haben bedeutet für den Bürger blind und taub zu sein. Das kann ein Kontrollgremium in Berlin niemals reparieren.

    • Kühlbox

      @hedele:

      Genau deshalb ist die unabhängige Kontrolle entscheidend.



      Wenn Betroffene zunächst gar nicht wissen, dass in ihre Rechte eingegriffen wurde, kann auch ein Anwalt keine normale Akteneinsicht verlangen.

      Dann ist es wichtig dass die Kontrolle an anderer Stelle greifen und auch nachvollzogen werden muss. Eine aushöhlen der Grundrechte, sollte deshalb nur durch ganz fein abgesteckte Befugnisse erfolgen und Eingriffe, immer nur zum Schutz der Bevölkerung.

      Gleichzeitig halte ich stärkere Nachrichtendienste für notwendig:

      Bei hybriden Angriffen,

      Desinformation und

      ausländischer Einflussnahme

      braucht der Staat eigene Fähigkeiten zur Aufklärung und Attribution.

      Ein Dienst, der nur Erkenntnisse sammelt, aber erkannte Angriffe nicht wirksam abwehren kann, bleibt teilweise zahnlos.

      Mehr operative Befugnisse sind deshalb nachvollziehbar, aber gerade dann müssen Zweckbindung, Eingriffsschwellen und unabhängige Kontrolle besonders streng sein.

      Es wird keine leichte Aufgabe, für den Agenten, der sich auf einem schmalen Grad des verfassungsrechtlichen Grundsatzes bewegt.

  • Sonnenhaus

    Trotz der verharmlosenden Worte - Wehret den Anfängen.



    Die Ghostwriter der Reform verfolgen mit ihrer Gallionsfigur des Innenministers ganz klare undemokratische Ziele. Warum sollten wir einem Innenminister trauen, der mit Terroristen gemeinsame Ziele verfolgt.

    • Jalella

      @Sonnenhaus:

      Erinnert sich noch jemand an die 80er Jahre? Als es einen großen Aufschrei und Boykotte der Bevölkerung gab gegen die Volkszählung? Die war geradezu demokratisch gegen das, was jetzt hier passiert. Orwell hatte eine harmlosere Dystopie in 1984 weil er die technischen Möglichkeiten nicht kannte.

      Filme wie "Das Leben der anderen" haben uns Wessis nochmal gezeigt, wie solche "Hausbesuche" des Staatsschutzes aussehen können.

      Und wo ist jetzt der Aufschrei? Keine Demo, natürlich kein Aufschrei in den Medien, auch im Parlament hört man natürlich außer von Linken und ein bisschen von den Grünen nichts. Das Gesetz wird einfach so durchgepeitscht.

      Wenn es gut laufen würden, müsste das Bundesverfassungsgericht eigentlich Tag und Nacht arbeiten bei den vielen Vefassungsbeschwerden, die einlaufen müssten. Die Union bringt lauter mehr oder weniger direkt verfassungswidrige Gesetze ein. Z.B. das geplante Vergesellschaftungsverbot für Immobilienmafiaunternehmen (super subtil), das exakt Artikel 15 widerspricht.

      Wo ist der Widerstand gegen die 50% (cdU/csU/AFD) Demokratiezerstörer im Parlament?

      Es ist zum Verzweifeln!

      • Flix

        @Jalella:

        Demos, Aufschrei und Widerstand würden sich erst zeigen, wenn die „Freiheit“ des grenzenlosen Rasens auf den Autobahnen durch ein Tempolimit eingeschränkt würde. Das hätte sogar unmittelbaren Einfluss auf die durch Gewalteinwirkung zu Tode gekommenen Menschen in Deutschland und wäre auch ökologisch sinnvoll. Das bedeutet, mit der Union in der Regierung wird es nicht kommen, denn das zur Einführung erforderliche Quäntchen an Vernunft scheint mir dort nicht vorhanden zu sein.



        Manche Gruppen propagieren schon eine sehr merkwürdige Vorstellung von Freiheit.

  • Blutsbruder WinnePuh

    Ach ja das weitere Schreddern von Grundrechten (Unverletzlichkeit der Wohnung, Postgeheimnis) ist kein großes Ding. Erstens ist es ein Armutszeugnis, das unsere Geheimdienste physisch in eine Wohnung eindringen müssen um den Bundestrojaner aufzuspielen und wer glaubt, das wenn sie einmal in der Wohnung sind sie sich darauf beschränken ist mehr als naiv. Und wie sollen bitte die 9 Mitglieder des PKG 10000 Geheimdienstler kontrollieren???

    • Lowandorder

      @Blutsbruder WinnePuh:

      …anschließe mich •

      Grau mein Freund ist alle Theoreti! Woll



      Nehm mal dess:



      “Der Verfassungsschutz darf auch weiterhin niemanden verhaften. Er darf keine Waffen tragen, und er darf keine Wohnungen „durchsuchen“. Neu ist nur, dass er künftig in Wohnungen einbrechen können soll, um zum Beispiel Computer zu manipulieren…“



      Wie schön.



      Ist hier irgendwer ernsthaft der Auffassung - daß die Schlapphüte es en passant unterlassen - disperates Zeugs btw zu scannen klandestin mitgehen zu lassen und schlimmstenfalls jeglichen Eid zu schwören:



      Sie hätten nicht durchsucht, die Schübe seien sperrangelweit offen gewesen.



      Das dämmert denn scheint’s auch Herrn Christian Rath - Ach was! Loriot -



      “Dem Verfassungsschutz sollten Einbrüche in Wohnungen generell verboten werden.“



      & hinzukommt generell für diese Staatsdiener:



      zB - remember die weißen Bälle von Meckenheim -



      Damit wurde jahrelang illegal Abgehört! Gell



      Auf Patty der Neue von der Kapitänin



      LKA-Mann: “Klar! Und das Dickste! Wenn du denen gesagt hast! Hört mal Ihr greift da rechtswidrig in die Grundrechte von Bürgern ein!



      Dann sagen die "Wieso denn?‘ ich darf das!



      Ich bin doch Polizist“

      So geht dad ©️ Kurt Vonnegut



      “Bibliothekare later…

  • Martin Rees

    "Die Gestapo-Assoziationen betreffen aber vor allem den Verfassungsschutz als deutschen Inlandsgeheimdienst. Auch er soll künftig aktive „Schutzmaßnahmen“ ergreifen dürfen, etwa die Funktionen..."



    Nur z. historischen Entwicklung: die GESTAPO war ja keine Urzeugung u. Neuentwicklung ohne Vorlagen u. Blaupausen.



    Naheliegend hier Schnittmenge mit Stapo und Aktion Preußenschlag, aber bis ins Kaiserreich lassen sich die Wurzeln dann doch verfolgen:



    duepublico2.uni-du..._Vollzugsorgan.pdf



    Lesenswert!



    Wenn die Rechten und Radikalen die Machtbefugnisse haben, können sie historisch rekurrieren, agieren sollten sie nicht können, denn das Werkzeug zur Machtergreifung hat auch 1932 bereits eine Demokratie im Rechtsruck bereitgestellt.



    Augen auf bei der Ausgestaltung!



    "Es hat Tradition, Nachrichtendienste als politische Geheimpolizei zu denken. Die Ursprünge hierfür liegen bereits im Kaiserreich; als politische Geheimpolizeien erreichten Nachrichtendienste in den beiden deutschen Diktaturen unrühmliche Machthöhepunkte - was für die demokratischen Nachrichtendienste Verantwortung und ein schweres Erbe bedeutet."



    bpb.de

  • IsoLaLunga

    Nun ja, Dobrindt sprach mal davon, dass es in Deutschland eine konservative Revolution braucht.

    • Marco Dorn

      @IsoLaLunga:

      “Die einzige erfolgreiche Revolution, in Deutschland, war 1933.”

      Heiner Mueller

    • AugenhöheStattTribalismus

      @IsoLaLunga:

      Eine "konservative Revolution" ist kein Faschismus. Wie immer verwechselt die "gesammelte Linke" (Gibt es sowas überhaupt) "rechts" mit Faschismus.

      Der Unterschied schnell erklärt: Mit einer wertkonservativen Person (Ehemals "rechts") kannst Du ein Bier trinken gehen und über Politik diskutieren, mit einem Faschisten oder einem RAF-Fan, nicht.

      "Omas gegen Rechts" fand ich schon immer bedenklich. Es sollte "Omas gegen Faschos" heißen. Das knallt auch mehr rein.

      Disclaimer:



      Ich persönlich bin wahrscheinlich "links" und würde die Grünen, Volt oder die Humanisten wählen, wenn ich dürfte.

      • Klabauta

        @AugenhöheStattTribalismus:

        Ich finde Ihre Definition des Begriffs arg verharmlosend. Er hat seinen Ursprung in der Weimarer Republik und trug klar antidemokratische bis faschistische (nicht nationalsozialistische) Zūge. Sollte Dobrindt diesen Begriff verwendet haben, zeugt das entweder von bedenklicher Geschichtsvergessenheit, oder es zeigt, wessen Geistes Kind er ist, was wir nicht hoffen wollen.

      • rabu

        @AugenhöheStattTribalismus:

        Aus der deutschsprachigen Wikipedia:

        „Konservative Revolution ist ein Sammelbegriff für politische Strömungen, die sich in der Weimarer Republik entwickelten. Gemeinsam waren diesen Strömungen entschieden antiliberale, antidemokratische, antiegalitäre und ultranationalistische Züge. Ihre Ideologien werden von Historikern der vergleichenden Faschismusforschung vollständig oder zumindest teilweise einem eigenständigen, vom Nationalsozialismus abzugrenzenden „deutschen Faschismus“ zugeordnet. […] Die Konservative Revolution wird in der Geschichtswissenschaft als Wegbereiter für den Nationalsozialismus behandelt.“

      • Francesco

        @AugenhöheStattTribalismus:

        Das sagt mir dazu die Google-KI:



        »Als Konservative Revolution wird eine geistig-politische Strömung in der Weimarer Republik (1918–1932) bezeichnet. Sie lehnte die liberale Demokratie, den Parlamentarismus und den Egalitarismus ab und forderte stattdessen einen autoritären, hierarchisch gegliederten Staat.«

    • Martin Rees

      @IsoLaLunga:

      "konservative Revolution"



      Das weckt Assoziationen:



      "Beim Regierungsantritt 1982 verkündete Helmut Kohl die "geistig-moralische Wende", doch in Erinnerung blieben andere Ereignisse"



      www.sueddeutsche.d...aenderten-1.339671



      "andere Ereignisse: die Wiedervereinigung, die Flick-Affäre - und eine krachende Wahlniederlage"...

    • Jalella

      @IsoLaLunga:

      Dieser AfD-Innenminister mit csU-Parteibuch ist ja auch sowieso untragbar. Eine "konservative Revolution" gibt es nicht, das ist ein Oxymoron (und zumindest das Wort "moron" liegt ja nahe). Was er meint ist die "konservative Revolution" die die NSDAP im Sinn hatte und dann auch durchgeführt hat. Oder die, die die AfD plant.

      • Martin Rees

        @Jalella:

        Oxymoron ist gut gewählt.



        /



        "Durch eine Rede Hugo von Hofmannsthals im Jahre 1927 wurde die paradoxe Wortkombination zum politischen Schlagwort. Die Ideen der Konservativen Revolution bildeten keine politische "Lehre" oder geschlossene Weltanschauung, sondern sie waren geprägt durch unterschiedlichste Strömungen. Gemeinsam war ihnen die Kritik am Liberalismus, Parlamentarismus und am Weimarer Parteienstaat, der mit der deutschen Kultur nicht in Einklang zu bringen und dem Deutschen Reich nach dessen Niederlage im Ersten Weltkrieg aufgezwungen worden wäre. Die Konservative Revolution versuchte demgegenüber einen eigenständigen "deutschen Weg" aufzuzeigen. Eine harmonische Volksgemeinschaft sollte an die Stelle des konfliktbeladenen Parteienstaats und der modernen, in verschiedene Klassen gespaltenen Gesellschaft treten, geführt von einer allen Parteieneinflüssen unabhängigen, freien Staatsspitze."



        Quelle:



        www.dhm.de/lemo/ka...rvative-revolution