Christian Lindner findet sich selbst: Endlich Gebrauchtwagenhändler
Der Ex-Finanzminister wird Vizevorsitzender der Autoland AG. Das klingt fast wie Vizekanzler. Ist aber viel ehrenvoller für einen gestürzten FDP-Fürsten.
W enn das mal keine Nachricht ist. „Deutschlands frechster Arbeitsloser“ (taz) findet einen neuen Job. Nur etwas mehr als ein Jahr nach seiner Entlassung durch den damaligen Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD; immer noch Berufspolitiker) hat der Ex-Finanzminister und Ex-FDP-Chef einen neuen Zeitvertreib gefunden, der zudem gar nicht angemessener sein könnte: Er wird Gebrauchtwagenhändler!
Genauer gesagt: Er wird stellvertretender Vorsitzender der Autoland AG, wie Lindner mit einem Post bei Instagram verkündete. In der Autorepublik Deutschland klingt das fast so mächtig wie Vizekanzler – was Lindner nicht mal in der Ampel geworden war. Einige Medien preisen den Neuberufenen daher sogar als „Automanager“ (SZ) bei „Deutschlands größte[m] Autodiscounter“.
Gegründet in Hannover, wurde die Autoland AG nach der Wende groß, als sie die Rostmodelle aus dem Westen in den Osten der frisch wiedervereinten Republik verschob, um der Trabbi-geplagten Bevölkerung die abgestandenen Golfs und Polos und Opels der West-Brüder als Symbol der Freiheit anzudrehen. Ach was waren das noch für Zeiten, als an jeder zweiten Ecke der blühenden Landschaft unter windigen Wimpelgirlanden frische Rostlauben vertickt wurden.
Aber auch wenn es heute weniger Girlanden gibt, am Geschäftsmodell hat sich offenbar bis heute wenig geändert. „Für mich ist individuelle Mobilität eine Frage der Freiheit“, brummt Lindner gleich am ersten Arbeitstag. Und wird dafür von seinem neuen Chef gleich überschwänglich als einer der „profiliertesten Verfechter der individuellen Mobilität“ gelobhudelt.
Was Lindner selbst über Lindner sagt
Lindner hat nicht nur den Schritt in die Langzeitarbeitslosigkeit vermieden, er hat es als junger Vater direkt aus der Elternzeit zurück in höchste Kreise geschafft.
Das ist nun kein Anlass für Spott. Immerhin ist es ihm gelungen, einen Weg aus der Politik zu finden, ohne sich seine alten Seilschaften von der Rüstungsindustrie vergolden zu lassen und auch ohne sich als Taxi fahrender Weltbürger in New York zu inszenieren.
Stattdessen kämpft er darum – er ist halt doch ein weithin verkannter Sozialpolitiker –, dass Autos nicht zum Luxusgut für wenige werden, sondern für viele Menschen bezahlbar bleiben. Es gilt also: Auto statt Hedgefonds, Sandersdorf-Brehna statt New York.
Das sagt zumindest Lindner selbst über Lindner. Womit zumindest bewiesen wäre: Als Vermarkter von Gebrauchtwaren ist er ein Meister.
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