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Antworten auf Wirtschaftskrise Bin-nen-nach-fra-ge!

Simon Poelchau

Kommentar von

Simon Poelchau

Sozialkürzungen und Stellenabbau sollen die deutsche Wirtschaft retten. Besser wäre es, vom „New Deal“ Franklin D. Roosevelts zu lernen.

F riedrich Merz und seine Parteikollegin und Wirtschaftsministerin Katherina Reiche sollten mal nach Washington fliegen. Sie sollten dabei die Chefetagen der gesamten Industrie, insbesondere der großen deutschen Autokonzerne, mitnehmen – für einen ausgedehnten Spaziergang durch die US-Hauptstadt. Denn etwas abseits am Rand der berühmten National Mall befindet sich auch ein Denkmal für Franklin D. Roosevelt.

Kein anderer Politiker des 20. Jahrhunderts steht mehr für erfolgreiche Wirtschaftspolitik. Mit seinem New Deal überwand er nicht nur die Great Depression, die schwerste und längste Wirtschaftskrise des 20. Jahrhunderts. Roosevelt legte damit auch den Grundstein für lang andauernde Prosperität. Kein Wunder also, dass Po­li­ti­ke­r*in­nen auch heutzutage noch einen New Deal fordern, wenn sie einen großen Wurf wollen, um die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen. Vor allem aber tat Roosevelt ziemlich genau das Gegenteil von dem, was die Bundesregierung derzeit macht.

Roosevelt kurbelte nicht nur mit Infrastrukturprojekten die Konjunktur an. Er regulierte auch das Finanzwesen, förderte den öffentlichen Wohnungsbau, stärkte die Gewerkschaften und führte einen Mindestlohn sowie die ersten US-weiten Sozialversicherungen ein. Roosevelt schaffte damit nicht den Kapitalismus ab. Er rettete die kapitalistische Produktionsweise vor sich selbst, indem er dafür sorgte, dass es den Menschen im Land besser geht. Denn ein durchaus positiver, nicht zu unterschätzender Nebeneffekt fürs Kapital ist es, wenn die Bevölkerung ein gutes und stabiles Einkommen hat, das sie ausgeben kann. Sie kann damit all die Waren kaufen, die sie selber in kapitalistischen Betrieben produziert und garantiert damit Unternehmensgewinne.

Dieses Prinzip erkannte bereits der Industrielle Henry Ford, als er zur Einsicht kam, dass sich seine Arbeiter auch die von ihnen produzierten Autos selbst leisten können sollten. Dabei war Ford wahrlich kein Linker. Er schuf aus reinem Eigennutz mit dem Ford T ein für weite Teile der Bevölkerung erschwingliches Auto. Im Nachkriegsdeutschland sollte diese Funktion dem VW-Käfer zukommen.

Das Versprechen des Wirtschaftswunders

Auch der Käfer war bekanntlich kein linkes Projekt; er wurde noch in der NS-Zeit auf Betreiben Hitlers entwickelt. Trotzdem stand der Käfer in der Nachkriegszeit für das Versprechen des Wirtschaftswunders, dass es allen gut geht, wenn die Wirtschaft brummt.

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Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Von dieser Maxime haben sich offenbar die Chefetagen der deutschen Autokonzerne verabschiedet. Sie meinen, mehr Wettbewerbsfähigkeit und höhere Profitabilität können nur durch Kostensenkungen zu Lasten der Beschäftigten hergestellt werden. VW-Chef Oliver Blume will der Absatzkrise durch Werksschließungen sowie massivem Stellenabbau begegnen. Mercedes-Chef Ola Källenius will die Kosten senken, indem die Beschäftigten für das gleiche Geld länger arbeiten sollen. Auch bei BMW soll gespart werden.

Die deutschen Autobauer kündigen einfach so die Sozialpartnerschaft zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern auf

Damit kündigen die deutschen Autobauer en passant die Sozialpartnerschaft zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern auf, wie sie seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges besteht. Denn ihre Krise und wie sie mit ihr umgehen, stehen sinnbildlich für die gesamte Industrie des Landes.

Kanzler Merz und die Marktradikalen seiner Partei blasen ins selbe Horn. Sie wollen, dass wir krank zur Arbeit und später in Rente gehen, sie sägen am Achtstundentag und kürzen überall am Sozialstaat herum. Der DGB ruft deswegen auch schon zu einem Aktionstag für einen starken Sozialstaat und den Schutz vor Arbeitnehmerrechten im September auf. Und das, obwohl DGB-Chefin Yasmin Fahimi mal Generalsekretärin der mitregierenden SPD war.

Dabei ist es ein Fehlschluss, in Zeiten internationaler Handelskonflikte und wachsender chinesischer Konkurrenz auf den Märkten der Welt zu meinen, die Krise überwinden zu können, indem man mit Kostensenkungen die eigene internationale Wettbewerbsfähigkeit steigert. Erstens wird dafür das Lohnniveau nicht ausreichend abgesenkt werden können. Zweitens kommt es zumindest bei den Nobelkarossen von BMW, Mercedes, Audi und Porsche nicht auf den Preis an.

Menschen als Kostenfaktor

Stattdessen sollten die Autobauer lieber auf die heimischen Straßen schauen. Denn dort sieht es gar nicht so schlecht aus. VW, BMW und Mercedes dominieren immer noch den heimischen Markt, nicht nur bei den Verbrennern. Zwar ist ein Tesla derzeit das meistverkaufte E-Auto. In den Top Ten der Neuzulassungen vom Juni kommen danach nur Modelle deutscher Autohersteller. Die Transformation muss die heimische Industrie also nicht in den Untergang treiben, sie kann durchaus noch zu einer Erfolgsstory werden.

Dafür reichen Förderprogramme wie das Sozial-Leasing nicht aus, mit dem Haushalte mit niedrigen und mittleren Einkommen einen Zuschuss für ein neues E-Auto bekommen können. Sie werden so lange bloße Kosmetik auf einer falschen Wirtschaftspolitik sein, wie es nicht zu einem grundlegenden Umdenken in Politik und Wirtschaft kommt.

Merz und seine Bündnispartner sollten die Bevölkerung nicht mehr als lästigen Kostenfaktor sehen, den es zu senken gilt. Denn es sind die Menschen, die ganz normalen Beschäftigten, die den gesellschaftlichen Reichtum produzieren. Und sie müssen zumindest an diesem Reichtum teilhaben können, soll die Wirtschaft nicht vor die Wand fahren.

Dies hat Roosevelt vor fast 100 Jahren erkannt, als er mit dem New Deal die Grundlagen für anhaltende Prosperität schuf. Vor allem aber verhinderte er, dass in den USA – im Gegensatz zu europäischen Staaten wie Deutschland, Italien und Spanien – Faschisten die Macht übernahmen.

Das allein sollte Grund genug für die deutsche Politik sein zu prüfen, was sie von ihm lernen kann. Insofern könnte sich für Merz und die Autokonzern-Chefs eine Reise nach Washington gleich zweifach lohnen. Sie könnten Wirtschaft und Demokratie gleichzeitig retten. Die Frage ist, ob sie sich in der Frage überhaupt weiterbilden wollen.

Transparenzhinweis: In einer früheren Version des Artikels war das Foto falsch beschriftet: Nicht Franklin Roosevelt, sondern seine Ehefrau Anna Eleanor ist darauf zu sehen.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Simon Poelchau

Simon Poelchau Redakteur

ist für Ökonomie im taz-Ressort Wirtschaft und Umwelt zuständig.
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51 Kommentare

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  • Haben die Menschen mehr Geld geben sie es für Zeug von Temu und Amazon aus, Holen sich vielleicht einen bessern Netflix account, kaufen sich ein neues Iphone oder fliegen in den Urlaub. Der Deutschen Wirtschaft nutzt das nicht.

    Wie andere schon geschrieben haben der New Deal scheiterte, es war der Krieg der die US Wirtschaft ankurbelte.

    Wir leben in einer globalisierten Welt, selbst auf der Ebene der EU kann man da kein nachhaltiges Wirtschaftswachstum erzeugen wenn man einen Haufen Geld ausgibt. Was man braucht sind Investitionen in Industrien die dann gut exportieren können. Das waren früher Chemie, Auto und Maschinenbauer jetzt sind Lohnkosten und Energiekosten hoch und Deutschland hat Innovation verschlafen. Jetzt auf Binnennachfrage zu setzen bringt genau null.

  • Mal davon angesehen, dass er lange nicht so gut funktioniert hat, wie das heute verklärt wird: Die Ankurblung der Binnenmärkte im New Deal basierte neben staatlichen Hilfen für die Kaufkraft der eigenen Bevölkerung auf einer Abschottung der so geschaffenen Nachfragemacht von der ausländischen Konkurrenz: Zölle, Zölle, Zölle. Sonst geht das Geld nämlich nicht wieder zurück in die eigene Wirtschaft sondern ins angebotsorientiert wirtschaftende Ausland.



    Letztlich plädiert dieser Artikel also für eine Trumpsche Wirtschaftspolitik. Deren Nutzen ist für die immer schon binnenlastige Wirtschaft der USA bereits zweifelhaft. Aber für eine Exportwirtschaft wie unsere, die umgekehrt Rohstoffe weitgehend importieren muss, wäre sie fatal.

  • Wenn die Regierung nicht die Nachfrage stärkt, brechen viele Arbeitskräfte und Industrien weg. Dann sinken die Einnahmen und steigen die Ausgaben. In Zeiten der Schuldenbremse führt das zu einer tiefen Krise. Aber Merz hat ein Wirtschaftsverständnis aus den 1980ern. Der kann nichts dazu lernen.

    • @Andreas_2020:

      Ich weiß jetzt nicht, ob das abschätzige "Wirtschaftsverständnis aus den 1980ern" jetzt so ein starkes Argument dafür ist, ein Wirtschaftsmodell aus den 1930ern zu promoten. die einzige Frage ist, welches Wirtschaftsverständnis hier den längerern Bart hat. Darüberhinaus handelt es sich um ein Modell, das seinerzeit ganz woanders umgesetzt wurde, wo die Voraussetzungen dafür deutlich besser waren ls im heutigen Deutschland, und auch da ohne den Zusatzeffekt von Kriegswirtschaft nicht einmal durchschlagend erfolgreich war.

  • Götterdämmerung in der taz!



    Erst Peter Unfrieds Essay "Mit Anti kommen wir nicht weiter", wo ein notwendiger kultureller Paradigmenwechsel hin zur (provokant gesagt) 'Vaterlandsliebe' zu Deutschland skizziert wird, um "liberale Demokratie, Grundgesetz und die verhältnismäßig entwickelte liberale, soziale und emanzipatorische Gesellschaftsform in diesem Land" zu retten.



    Und nun Simon Poelchaus Kommentar, der zur Verrhinderung der Machtübernahme der Faschisten eine Notwendigkeit zu anhaltendem wirtschaftlichen Aufschwung erkennt, damit "die ganz normalen Beschäftigten, die den gesellschaftlichen Reichtum produzieren (...) an diesem Reichtum teilhaben können".



    Beides sehr spannende Artikel. Beiden stimme ich zu.



    Auffällig ist dennoch, wie man aus Angst vor der Machtübernahme der AfD sämtliche linken Grundpositionen abräumt - von der generellen Antihaltung bis hin zur elementaren Forderung nach degrowth und Kreislaufwirtschaft.



    Zack, einfach weg. Binnen weniger Tage.



    'Hirn vor Herz' könnte man auch sagen.



    Ob diese Einsichten noch rechtzeitig kamen, ist allerdings ob der Umfragewerte fraglich.



    Und ob das linke Lager in Gänze diese Erkenntnisse teilt, ebenfalls.



    Zu wünschen wäre es.

  • Nach der Weltwirtschaftskrise Ende der 20er Jahre gab es viel aufzuräumen, was den Aufschwung beförderte.Außerdem konnte die US-Regierung auf genügend Rohstoffe zurückgreifen, die Europa heute teuer einkaufen muß (wo die Kohlevorräte Z.B. des Ruhrgebiets aufgebraucht sind) und die Industrialisierung war noch nicht so weit fortgeschritten, die Märkte waren noch nicht so global organisiert wie heute. Nicht zu vergessen: Die Investitionen in eine Kriegswirtschaft, die erst den Sieg über das Hitler-Regime möglich machte. Wenn es keine Exportmärkte gibt, die ja in Verbindung mit dem Bildungssystem Mitteleuropas den ungeheuren Aufschwung bewirken konnte, fehlt die Grundlage für einen Binnenmarkt, der in China aufgrund der hohen Automatisierung ja auch nicht funktioniert. Und das ganze System beruht auf der Erwartung, dass KREDITIERTE -Aktien etc.- Investitionen sich einmal auszahlen könnten: Das wird nie erreicht werden können, weil werbefinanzierte Portale auf schwächer werdende Nachfrager ohne Jobs stossen. Wer nicht mehr durch Arbeit und Einkommen beteiligt wird, fragt auch nicht mehr nach.

  • Natürlich muss letzendlich die Binnennachfrage wiedergestellt werden, aber leider ist diese Regierung ja nicht einmal in der Lage zu erkennen, dass so ziemlich alles, was sie tut und duldet, letztendlich der deutschen Wirtschaft schadet. Wenn sie überhaupt lernfähig wäre, dann sollte sie sich eher an Konzepten orientieren, die auch in einer globalisierten Umgebung tragfähig und zukunftsfähig sind. Leider sind praktische Beispiele dafür noch wenig verfügbar, und wissenschaftliche Ergebnisse weisen eher in die Richtung, dass es Zeit ist, wesentliche Dinge ganz neu zu denken, und zwar so schnell wie möglich. Wenn sie aber statt dessen fest daran glaubt, dass Menschen der größte Kostenfaktor in einer Volkswirtschaft sind, ist sie einfach mal in am Ende der Sackgasse allen Verständnisses von Wirtschaft angekommen, denn die logische Schlussfolgerung wäre, Menschen weitestgehend abzuschaffen. Vorher muss man dann nur noch vergessen, dass Wirtschaft nur durch den Menschen als Struktur seiner Existenz existiert und ansonsten ncht notwendig ist, und das war. glaube ich, auch Roosevelt in gewisser Weise klar.

    • @Christine_Winterabend:

      Diese Lobbypolitik wird der deutschen Wirtschaft insgesamt schaden, jedoch sind Ausnahmen vorgesehen: die fossile Wirtschaft kommt vor lauter Freude kaum aus dem Feiern heraus. Das dicke Ende kommt in ein paar Jahren, nämlich dann, wenn unsere Wirtschaft weit abgeschlagen hinter die verantwortungsbewusstere Politik aus konkurrierenden Ländern zurückgefallen ist, denn die bauen mit aller Kraft auf EE, machen sich unabhängig und nutzen kostenlose Energiequellen. Doch wenn diese Situation eintritt, sind die derzeitigen Akteure in Rente und die Nachfolger*innen müssen sich mit den Problemen befassen - das interessiert heute weder die Politik noch die Chefetagen der Wirtschaft.

    • @Christine_Winterabend:

      Ich fürchte die wissen das alles. Aber man will die Spenden und die gut bezahlten Jobs ohne große Gegenleistung im Anschluss an die Karriere. Alles andere kann denen egal sein und ist es auch. Leider.

  • Vergessen wird oft der Start des improvisierten Programms mit Unilateralismus und unorthodoxem Vorgehen.



    Der Begriff "New Deal" wurde damals von den Medien hochgepusht.



    Der schlussendlich eigentliche "finale Gamechanger" war die angekurbelte Rüstungsindustrie mit der zugrunde liegenden Sonderkonjunktur, das war hier im Forum schon erwähnt worden.

  • Naja. Mal davon ab, dass Roosevelt mit seinem New Deal tatsächlich nicht besonders erfolgreich war - die Rezession in den USA wurde erst durch den 2. Weltkrieg beendet - wurde er doch unter völlig anderen Bedingungen eingeführt als wir sie heute haben. Soetwas wie Soziale Absicherung gab es damals in den USA überhaupt nicht, während der Sozialetat Deutschlands in 2025 auf 1,4 Billionen Euro, einem Drittel der kompletten Wirtschaftsleistung, gestiegen ist. "Mehr des Gleichen" ist keine Lösung, im Gegenteil, es ist wohl eher wie mit der Medizin: Die Menge macht das Gift.

    • @Samvim:

      Stichwort Staatsquote?



      Das Problem der Vergleichbarkeit



      "Staatsquote



      Im Vergleich mit den übrigen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union (EU) lag die Staatsquote in Deutschland zuletzt im Mittelfeld. Der EU-Durchschnitt betrug im vergangenen Jahr 49,2 Prozent (Deutschland: 49,5 Prozent). Am höchsten war die Quote nach Angaben der europäischen Statistikbehörde Eurostat in Finnland mit 57,6 Prozent, gefolgt von Frankreich (57,1 Prozent) und Österreich (56,3 Prozent)."



      Bei tagesschau.de '25



      "Bei Gesamtausgaben fürs Soziale liegen die USA knapp vor Deutschland



      Zweiter möglicher Einwand: Zwar sind die BIP-Anteile für staatliche Sozialleistungen in den meisten Vergleichsländern ähnlich hoch oder größer als in Deutschland. Auf den ersten Blick fallen aber die Schweiz, die Niederlande und die USA ins Auge, wo die Statistik spürbar weniger für öffentliche Sozialleistungen ausweist – die Quoten liegen zwischen 17 und gut 18 Prozent. Diese Zahlen sind aber ein statistisches Artefakt – und ein gutes Beispiel dafür, was man bei solchen Vergleichen berücksichtigen muss."



      www.boeckler.de/de...en-staat-57403.htm



      🤔

      • @Martin Rees:

        "Ja, das ist richtig, wenn man private und verpflichtende Zusatzleistungen einbezieht: Bei den Netto-Gesamtausgaben für Soziales (inklusive verpflichtender privater Absicherungen wie im US-Gesundheitssystem) liegen die USA laut OECD-Ländervergleich mit rund 29,4 Prozent des BIP knapp vor Deutschland mit rund 25,4 Prozent. Betrachtet man hingegen nur den reinen staatlichen Anteil am Bruttoinlandsprodukt, liegt Deutschland (26,7 %) vor den USA (22,7 %)."

        www.boeckler.de/de...ialstaat-57956.htm

      • @Martin Rees:

        Staatsquote und Sozialetat sind zwei völlig unterschiedliche Dinge. Hier geht es um Sozialleistungen im Umfang von 1,4 Billionen Euro, einem Drittel der gesamten Wirtschaftsleistung. Kein vergleichbares Land hat mehr. Von einem "zu Wenig" sind wir maximal Weit entfernt

  • Die Binnennachfrage anzukurbeln ist sicherlich schon mal ein guter Ansatz, aber wird die grundsätzliche Problematik der deutschen Wirtschaft nicht lösen können. Ob ich nun ein bisschen mehr oder weniger Geld für Konsum in der Tasche habe, wird für die großen auf Export ausgerichteten Firmen keine Unterschied machen. Ich werde auch bei doppelten Gehalt keine chemischen Grundstoffe, Medikamente, Stahl, Medizinprodukte oder Baumaschinen kaufen. Und auch kein zweites oder drittes Auto und keinen Panzer.







    Es ist tatsächlich das Hintertreffen im internationalen Wettbewerb, in das sich Deutschland hineinmanövriert hat. Da ist das hohe Lohnniveau mit den Lohnnebenkosten allerdings nicht das einzige Problem. Es ist vor allen Dingen die Weigerung, Altes zu verlassen.

    Es gibt keine nennenswerten Weltmarktanteile an den neuen "Produkten". Nokia hatte sich vom Gummistiefelhersteller zum weltweit größten Handyhersteller gewandelt. Samsung kommt ursprünglich aus dem Lebensmittelhandel und hat jetzt mit Kommunikationselektronik einen fast doppelt so hohen Jahresumsatz wie Mercedes.







    Und Deutschland verschlief auch noch die größte Veränderung der Autoindustrie, seiner umsatzstärksten Branche.

    • @Sisone:

      "Und Deutschland verschlief auch noch die größte Veränderung der Autoindustrie, seiner umsatzstärksten Branche.":

      Nicht "Deutschland" hat das verschlafen, sondern die Autoindustrie selbst, und zwar ganz alleine in ihrer arroganten Überheblichkeit. Die Fotoindustrie hat das in den 1960er/70er Jahren genauso gemacht, indem sie die aufblühenden japanischen Firmen nicht ernst genommen hat. Damals waren Leica, Rollei, Zeiss Ikon usw. weltweit -auch stückzahlmäßig und wirtschaftlich- führend. Danach dominierten Nikon, Canon, Minolta usw. Davon hätten die Autobosse lernen können.

      Offenbar waren deren Lenker aber hauptberuflich mit der Mehring des eigenen, persönlichen Vermögens beschäftigt. Und das geht in Zeiten, in denen Bonuszahlungen mehr als das eigentliche Gehalt ausmachen, so: Erhöhung des Gewinns. Und da sich die Einnahmen nicht ohne weiteres steigern lassen müssen die Kosten gesenkt werden. Entlassungen sind verpönt, weil sie dem Ansehen der Firma schaden. Also spart man bei der Entwicklung.

      Mit dieser Methode hat es General Motors schon vor Jahrzehnten geschafft, die Marke Opel technisch veralten zu lassen. Dann war Opel so gut wie weg vom Fenster. Ein Menetekel?

      • @Josef 123:

        Was heißt "verschlafen"? Der Tanker ist schlicht nicht so einfach herumzureißen.



        Man kann mit Elektroautos - zumal, wenn sie "bezahlbar" sein sollen - einfach nicht so viel Geld verdienen wie mit luxuriösen Verbrennern. Deutsche Autos sind stark in mechanischer Qualität und Variantenreichtum. Bei E-Autos zählen Rohstoffe (haben wir nicht so), Elektronik (völlig anderes Skillset als das, worin deutsche Produktion brilliert) und möglichst kosteneffiziente Produktion in Standardqualität (heißt u. a.: niedrige Löhne), um konkurrenzfähig bauen zu können. Der Margenverlust ist größer als die Umsatzrendite der Autohersteller, insbesondere jener, die überhaupt noch für das "Brot-und-Butter-Segment" produzieren.



        "Dann sollen sie doch Stromer bauen!" ist da ein wenig die Umkehr des Marie-Antoinette-Spruches mit dem Kuchen: Wir sind, was Industrieproduktion betrifft, ein Volk von Patissiers, die mit wenigen Rohstoffen und viel Können teuren Schmecklecker-Luxus fabrizieren. Man _kann_ von Pralinen und Kuchen auf Brot umschalten, aber dann konkurriert man eben auch nicht mehr mit Sprüngli oder Lenôtre sondern mit einem ganzen Heer an (deutlich schlechter bezahlenden) Kamps und Harrys...

      • @Josef 123:

        "...Nicht "Deutschland" hat das verschlafen, sondern die Autoindustrie selbst, und zwar ganz alleine..."







        Autoindustrie, Fotoindustrie, Kommunikationsindustrie (Handys / Smartphones), Digitalisierung von Verwaltungen / Behörden (Stichwort Fax), flächendeckender Netzempfang (Standard selbst in ehemaligen "Ostblock"-Staaten), Finanzverhalten (Sparbuch als Goldstandard), Rüstungsausgaben, die uns auf einen 1. Weltkrieg vorbereiten könnten (Panzer? Ernsthaft?), alles old-fashioned.







        Wo ist Deutschland noch führend oder wenigstens up to date? Pünktlich wie die Deutsche Bahn? Da lachen selbst die als liebenswert chaotisch belächelten Italiener drüber. Ist Estland bekommt man per Geburt eine digitale Identität und kann mit dieser online so ziemlich alles erledigen ohne Papierkram auf dem Postweg; von online-Wahlen über Beantragung von Elterngeld, Gründung eines Unternehmens in Minuten und alles, was hier ein Bürgerämter braucht.



        Währenddessen wird in Deutschland seit Jahrzehnten in Wahlkämpfen Bürokratieabbau versprochen, der nie kommt. Baustellen über Monate und Jahre ohne erkennbaren Fortschritt, am Ende immer doppelt so lange und teuer.







        Es geht nicht nur um die Autoindustrie!

        • @Sisone:

          Sie haben die Autoindustrie beispielhaft genannt, deshalb habe ich mich mehr oder weniger darauf beschränkt.

  • Diese allein ideologisch handelnde Regierung will nicht lernen. Die bleiben bei ihren festzementierten Auffassungen. Die Wirtschaftsbosse sind davon nicht weit entfernt: alles was auch nur entfernt nach sozialem Verhalten aussieht ist des Teufels. - hier schließt sich der Kreis mit Hardcore Ideologen wie Reiche, Merz und anderen Granden in der csdU.

    • @Perkele:

      Manchmal frage ich mich, ob das eine Frage des Wollens ist. Oder des Könnens.

  • Autos sind kein Wohlstand, sondern eine gesellschaftliche Fehlentwicklung. Der Kapitalismus ist am Ende immer ein System ohne Grenze, dass zu uferlosem Konsum und endloser Akkumulation antreibt. Unser ökologisches System ist aber begrenzt. Dieser Widerspruch drängt zur Auflösung, und wir müssen uns entscheiden ob wir diese Auflösung mit so wenig Schäden wie möglich über die Bühne bringen wollen, oder im größtmöglichen Verteilungskrieg.

  • Joh Joh, das ist schon Alles richtig so.



    Einzig der Verweis auf die SPD geht fehl, da die die Position des Autors teilt. Im Gegensatz zur Nerz*CDU, die die Rückkehr des freien globalen Marktes herbei wünscht, werben die Sozialdemokraten für mehr Binnennachfrage im Euroraum.

    (* ein Tippfehler enthält manchmal mehr Wahrheit, als seine Korrektur...)

  • Welche heimisch produzierten Produkte sollten den bitte gekauft werden? Sobald ein Euro zu viel in der Tasche ist, wird das bei Amazon oder Temu verkonsumiert.

    • @DiMa:

      Man kann auch bei OTTO kaufen. Ist auch nicht teurer.



      Allerdings kommen eben viele der Produkte nicht mehr aus D.

      • @warum_denkt_keiner_nach?:

        Eben. Binnennachfrage ist wichtig - für den heute viel größeren Dienstleistungssektor, den Handel und natürlich auch für den Teil der produzierenden Wertschöpfung, der noch hierzulande stattfindet. Aber ein wesentlicher Teil des Geldes, mit dem Binnennachfrage geschaffen werden kann, stammt hierzulande - anders als in den USA der 1930er aus dem Export, und das Geld wird - auf Konsumentenebene - auch zu einem größeren Teil für ausländische Wertschöpfung - Produkte, Urlaube etc. ausgegeben. Keynsianische Wirtschaftspolitik aber basiert auf der Prämisse, dass das alles ziemlich fest geschlossene Kreisläufe sind. Das funktioniert im heutigen Deutschland nicht. Es zahlt niemand das Geld z. B. für einen Fernseher, das er kosten müsste, wenn er unter deutschen Produktionsbedingungen hergestellt würde, solange es auch die günstigste Alternative aus Fernost gibt.

  • Man muss sich doch nur mal anschauen wo die Top-Führungskräfte in den Chefetagen herkommen.



    Und das hat nichts mit Ethnie oder so zu tun sondern mit sozialer Prägung.



    Managern, die in Deutschland sozialisiert wurden, traut man offenbar nicht zu, große Konzerne zu führen.



    Wie das wohl kommt ?

    Ein Umdenken der Wirtschaft wird es nicht geben denn Geld stinkt nicht.



    Ein Umdenken der Politik wird es auch nicht geben denn in Ermangelung eigener kognitiver Fähigkeiten zappeln die PolitikerInnen an den Fäden der Wirtschaftsbosse.

  • Vor hundert Jahren hätten ja die deutschen Kapitalisten das gleiche Projekt wie Roosevelt anstoßen / in Auftrag geben können.



    Haben Sie aber nicht, denn in ihrer Gier wollten sie einfach noch viel, viel mehr Profit mit der Ausbeutung fremder Arbeitskraft machen. Da hatten sie sich erstmal übel verrechnet, aber am Ende doch noch ganz unverdient gut überlebt.



    Wir stehen aktuell wohl auch an einem kapitalistischen Scheideweg und dürfen zuschauen - und erdulden/-leiden - welche Kapitalistenfraktion diesmal gewinnt.



    Ein Merz oder eine Reiche haben dabei recht wenig mitzureden.

  • Es wird nicht genügen,da dem Kapitalismus die nachhaltige Zähmung fehlt, die er sofort bräuchte:Wie kommen wir zur Donut Ökonomie, die Kreisförmige Produktion nachhaltig macht&sozial-ökologisch ? Bevor alles abbrennt& die Neo Faschos uns in endlose Kriege gegeneinander hetzen? Könnte VW etwa im Osten das Thema für eine Erweiterung auf nachhltigen Mobilität für alle ermöglichen: Moore vernässen von Meerwasser Entsalzen, aus dem Natrium Na-Ionen Speicher bauen, die als Netz die Bürgerenergie Einspeisung der nachhaltige Energie Spitzen aufnehmen, regionale Kreisläufe statt Börse: damit die Fläche mit ÖPNV-W mobil + Barrierefrei services bespielen &die eingesparten CO2 Tonnen anschreiben, um weitere Donut Kreisläufe dazu zu schaffen: den in der Ökonomie zuvorderst! Wir sind soweit in der Selbstzerstörungs-dynamik, daß regenerative Vermeidung von durch Zerstörung zu erwartende Kosten als CO2 Reduktions Kredit geltend gemacht werden können muss, für verschiedne Bereiche:Agrar Ökologie, integrierte Medizin etc. Speer hat uns mit der Bürgerenergie Wende tools an die Hand gegeben, die ausgebaut gehören, statt das wir der destructativen Börse gehorchen!End fossil warconomy&corporate rule!

    • @R.L.:

      Natrium aus Meerwasserentsalzung??



      Ich bin ja auch eine Vertreterin massiven Halbwissens, aber die Salzlagerstätten Norddeutschlands bieten Salz im Überfluss und dieses kann (doppelt wirkungsvoll) beim Auslaugen von H2-Gasspeicherkavernen gewonnen werden.



      Meerwasserentsalzung ist in Deutschland ökonomischer Unsinn und würde grünen Strom verbrauchen, den wir besser zur Defossilierung benötigen..



      just saying..

  • Nun ja. Binnennachfrage ist schon der richtige Ansatzpunkt.

    Aber "mehr Autos verkaufen" funktioniert schon aus ökologischen Gründen nicht. Und es gibt eine Menge mehr Arbeit als nur Erwerbsarbeit.



    Weiterbilden oder nicht, das ist in der Tat hier die Frage.

    Ich empfehle von Prof. Guy Standing:



    The idea that could fix the economy overnight



    basicincome.org/ne...ding-video-on-ubi/

    • @Eric Manneschmidt:

      Ja, aber nur Handwerker und Industriearbeiter erschaffen was! Der Rest konsumiert.

      • @Donni:

        Die meisten Handwerker montieren ja nur, was andere produzieren.

      • @Donni:

        Ein Taxifahrer erschafft eine Ortsveränderung, eine Professorin einen Lernerfolg, eine Zahnärztin eine verbesserte Kauleiste und ein Bibliothekar einen ruhigen Ort zum lesen.

      • @Donni:

        Die Handwerker des hiesigen Wasser/Abwasserzweckverbandes ham mir vor zwei Wochen nen Wasserschaden vorm Haus halbrepariert, weil die Kollegen in der Vergangenheit keine Lust hatten, ihre Arbeit fachgerecht zu erledigen. Sowas fließt auch ins BIP u.ä. mit ein, hat aber nix neues geschaffen und kostet mich vierstellig. Schon allein deshalb ist des mit den Produzenten und "Schmarotzern" schwierig. Meiner Meinung nach solte mensch die ganzen Bullshitjobs wegrationalisieren und die "gescheite Arbeit" gerecht verteilen. Da ist des mit dem (hier im Osten) 40h-Woche-Standard Geschichte*lol*.

      • @Donni:

        Oha, das ist aber erstaunlich kurz gedacht.

  • Jaja, früher war es besser. Da kamen die Klamotten, Radios und fast alle Autos noch aus Deutschland.



    Die Industrie steht im Wettbewerb mit dem Rest der Welt. Und somit auch die deutschen Arbeitnehmer.



    Und mit unseren Kaufentscheidungen sichern wir oder vertreiben wir die Arbeitsplätze in Deutschland.

    • @Bernd Simon:

      Wir sichern in Deutschland als Staat und Zivilgesellschaft einen wesentlichen Forschungsstandort, der auch profitabel ist über seine umsetzbaren Ergebnisse, bis hin zu weit voraus gedachten Projekten im Geo-Engineering, in der Raumfahrt usw - u.a. über zahlreiche wertvolle Patente.



      /



      www.capital.de/wir...cher-34555150.html

    • @Bernd Simon:

      Ich hatte mich vor 3,5 Jahren für ein Elektroauto entschieden. Zu diesem Zeitpunkt gab es Tesla, Hyundai/Kia und sonst fast gar nichts ernstzunehmendes. An deutschen Modellen gab es neben ein paar Autos ohne Reichweite den katastrophalen ID3 und unbezahlbare Audi e-Tron / Porsche Taycan.







      Zu diesem Zeitpunkt bestand meine "Vertreibung von Arbeitsplätzen" schon in der Entscheidung für ein Elektroauto, weil die deutsche Autoindustrie zwar e-Autos schon lange konnte, sich aber nur ums Luxussegment wirklich kümmerte und sich für Massenproduktion erschwinglicher und trotzdem tauglicher e-Autos wohl zu schade war.







      Ich konnte meine Kaufentscheidung nicht pro Deutschland stellen. Die Weigerung von VW und Co, bei disruptiven Veränderung nicht zu spät zu kommen, hat dies verhindert.



      Es wurde letztlich Tesla (1/23, wer hätte es geahnt).







      Und welches deutsche Smartphone soll mein uraltes Samsung ersetzen? Fast jeder Mensch auf der Welt hat eins und fast kein Mensch auf der Welt hat ein deutsches. Wer hat einen deutschen Laptop/PC? Deutsches "Instagram"?







      Es sind die kurzsichtigen quartalsgetriebenen Fehlentscheidungen der Wirtschaft, die Deutschland ins Hintertreffen getrieben haben!

  • taz: *Sozialkürzungen und Stellenabbau sollen die deutsche Wirtschaft retten.*

    Das hat sich doch mal wieder BlackRock-Merz ausgedacht, der auf Kosten der kleinen Bürger seine reichen Freunde noch reicher machen möchte.

    Wenn Du aber möchtest, dass Friedrich Merz auch 'dein Kanzler' ist - und ein funktionierender Sozialstaat (Art. 20 GG) dich nicht besonders interessiert und der kleine Arbeitnehmer für dich nur ein unnötiger Kostenfaktor ist - dann kaufe BlackRock Aktien. Die BlackRock Aktie liegt momentan bei rund 951,40 Euro (Stand: Juli 2026).

    Außerdem freut sich dann auch der mächtigste Mann der 'Wall Street', Larry Fink, der ja mal Arbeitgeber von Friedrich Merz war.

    [Laurence „Larry“ Douglas Fink ist ein US-amerikanischer Unternehmer und Milliardär. Fink ist Gründer, Aufsichtsratsvorsitzender und Vorstandsvorsitzender der weltgrößten Vermögensverwaltung BlackRock]

  • Welche Absatzkrise? Die Unternehmensbilanzen geben das nicht her. Wir haben eine Margenkrise. Zugegeben, der europäische Absatz an Neufahrzeugen ist geringer als vor Corona. Aber das wird auch ein deutscher Finanzminister nicht ändern können. Es ist nun mal ein Fakt dass insbesondere durch die chinesischen Autobauer Überkapazitäten im globalen Markt vorhanden sind. Und sie expandieren auch in europäische Standorte. Der Autor scheint zu glauben dass diese Überkapazitäten nur temporär sind und man das Problem mit einer Geldspritze überwinden kann. Das Management glaubt das nicht. Die USA werden weder mit ihrer Zollpolitik aufhören noch wird China seinen Leistungsbilanzüberschuss einhegen.

    Im Grunde passiert doch im Moment das was die Linke immer gefordert hatte. Ein Ende der Lohnzurückhaltung, Schluss mit dem Niedriglohnsektor. Aber das geht natürlich auf Kosten der industriellen Kapazitäten und zu Gunsten des Dienstleistungssektors. Deswegen steht nun das zweitgrößte (das größte steht in China) Autowerk von Mercedes in Ungarn und nicht mehr in Deutschland.

    • @Nordlicht12:

      "Es ist nun mal ein Fakt dass insbesondere durch die chinesischen Autobauer Überkapazitäten im globalen Markt vorhanden sind."

      Bei solchen Aussagen muss ich immer schmunzeln. Was sind denn die deutschen Exportkapazitäten? Auch nichts Anderes. Man beklagt sich also, dass China so agiert wie D Jahrzehnte lang.

  • Wenn man das Zweit- und Drittauto für „gesellschaftlichen Reichtum“ hält, kann man das natürlich so fordern. Tatsächlich ist derartiger Konsum kontraproduktiv und zerstörerisch: Die Dinge, die Wohlstand wirklich ausmachen, werden so vernachlässigt bzw. gehen gleich den Bach runter.



    Es wird höchste Zeit, dass die Automobilindustrie (ihren eh’ übertriebenen dargestellten) Stellenwert einbüst. Dann können Grips und Arbeitskraft in Dinge investiert werden, die der großen Mehrheit tatsächlich nützen.

  • Roosevelt hatte bei Amtsantritt eine Staatsquote von 10% in den USA. Mit dem New Deal hat er die Quote dann auf 20% hochgefahren. Wir dagegen stehen aktuell schon bei 50%. Spielräume sind eigentlich keine vorhanden ohne vorher an die Pfründe einiger Gruppen zu gehen und da habe ich inzwischen keine Hoffnung mehr bei keiner der aktuellen Parteien.

  • Hinkt etwas, da wir Gewerkschaften, Mindestlohn und Sozialabsicherung schon haben. Gerade die genannten Autofirmen zahlen weit über den Durchschnitt hinaus. Vielleicht sogar zu weit. Gleichzeitig gibt es keine Supernachfrage nach günstigsten Autos, sonst müsste Stellantis oder auch der Dacia Spring durch die Decke gehen. Es wir ja immer beklagt, dass nur die SUV Nachfrage so groß ist. Da fällt die Alleinerziehende mit dem 20 Jahre alten Corsa schon mal hinten herunter. Also, was machen? Keine Ahnung, aber einfache Rezepte werden nicht funktionieren.

    • @fly:

      Natürlich gibt es eine Nachfrage nach günstigen Autos. Die bedienen u.a. Japan, Stellantis (zu denen Dacia gehört) und vor allem der Gebrauchtwagenmarkt.



      Deutsche Autobauer produzieren für den Dienstwagenmarkt und fürs Luxus-Segment.

    • @fly:

      Die Nachfrage nach (günstigeren) Autos aus China ist da. Die Nachfrage nach hiesigen Kleinwagen eher gering, da der Preis sehr hoch ist. Zu Dacia: 73.644 Neuzulassungen – das vierte Rekordjahr in Folge.



      Zuwachs von 3,1 Prozent, während der Gesamtmarkt nur um 1,4 Prozent wuchs.



      Marktanteil stieg auf 2,6 Prozent – ebenfalls ein Rekord.



      Und Dacia erreichte seine Spitzenposition in Deutschland, ohne einem deutschen Konzern anzugehören oder eine lokale Produktion, Design- oder Entwicklungsstätte zu haben.

  • Der Vergleich hinkt gewaltig.



    Der sozialstaatliche Anteil des New Deals im Vergleich zum deutschen Sozialstaat dürfte gelinde gesagt fast zu vernachlässigen sein.



    Also nicht vergleichbar, vor allem da die USA kein wirkliches Sozialnetz hatten und haben.

    Der Punkt mit der Binnennachfrage ist nicht ganz falsch, und es ist definitiv ein Fehler der deutschen Hersteller nur auf Premium zu setzen. Aber die Frage ist halt ob man wirklich auf dem Massenmarkt mit deutschen ig Metall Löhnen mit China konkurrieren kann. Die Konkurrenz kann man nicht weg zaubern.

    Und zuletzt, der new Deal hat nicht die USA gerettet. Es war die Mobilmachung und Umstellung auf Kriegswirtschaft im zweiten Weltkrieg der dazu führte, dass ein gewaltiges "Konjunktur Programm" am laufen war wo alle Arbeitskräfte gebraucht wurden.

  • Friedrich Merz Regierung setzt auf Austerität wie in Deutschland Kanzler Brüning zur Zeit Roosevelts und der Weimarer Republik.

    Offensichtlich ist Keynesianismus - Kreditaufnahme und Wirtschaftsstimuli in schlechten Zeiten und Aufbau von Reserven in guten - ein bewährtes Mittel, den Kapitalismus zu stabilisieren und seine inhärenten Krisen abzufedern.

    Da wir mit der Europäischen Union den größten Binnenmarkt der haben, hätten wir heute eigentlich viel mehr Möglichkeiten als früher.

    Ebenso, was vorausschauende und langfristig orientierte Industriepolitik sowie ein ausgewogenes Verhältnis von Angebots- und Nachfragepolitik im europäischen Rahmen anbelangt.

    Die Politik der Bundesregierung wird Deutschland wirtschaftlich schwächen und die große Chance, in Europa eine vorbildliche Weltregion zu schaffen - wofür alle Voraussetzungen vorliegen - erstmal verpassen.

    • @Stavros:

      Aber es werden doch massiv neue Schulden gemacht und das geliehene Geid ausgegeben: Für Waffen!

      • @EffeJoSiebenZwo:

        Es gibt auch ein massives schuldenmachen für die Infrastruktur