Alkoholverbot an Bahnhöfen : Nicht mein Bier
Die Bahn plant ein Alkoholverbot an Bahnhöfen, um die Kriminalität zu senken. Das verlagert die Probleme nur und könnte sogar das Gegenteil bewirken.
E in Alkoholverbot an Bahnhöfen ist aus Sicht der Deutschen Bahn durchaus sinnvoll. Das zeigen die Erfahrungen an den Stationen, an denen Rauschtrinken bereits untersagt ist, etwa in Frankfurt, Hamburg oder München. Die Vorteile liegen auf der Hand: Es kommt zu weniger unangenehmen Begleiterscheinungen wie Belästigungen der Fahrgäste und des Personals oder den unschönen Hinterlassenschaften der Trinker.
Aus Sicht des Unternehmens ist der Schritt also verständlich, soll die Bahn doch sicherer und sauberer werden. Das Problem mit dem öffentlichen Alkoholkonsum wird dadurch allerdings nur auf Räume verlagert, die nicht zur Bahn gehören. So schiebt Bahnchefin Evelyn Palla es anderen zu: den Kommunen, den Anwohnern und der örtlichen Polizei.
Zweifelhaft erscheint zudem der Effekt auf die Sicherheit des Zugpersonals. Die Attacke eines alkoholisierten Fahrgastes auf einen Kontrolleur am vergangenen Freitag und der tödliche Angriff auf einen Zugbegleiter im Februar sind die Auslöser des Verbots. Derlei Gewaltexzesse wird das Trinkverbot an den Stationen jedoch nicht verhindern können, zumal es lediglich auf den öffentlich zugänglichen Raum rund um die Gleise beschränkt ist. Bei einer konsequenten Durchsetzung könnte sogar ein gegenteiliger Effekt eintreten, etwa wenn Fußballfans sich gegen Alkoholkontrollen und Platzverweise handgreiflich zur Wehr setzen.
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Aggressive und gewaltbereite Reisende wird es wohl immer geben. Die Gefahr für das Bahnpersonal und Mitreisende lässt sich allerdings vermindern. So sind doppelt besetzte Kontrollgänge und Bodycams eine wirksame Abschreckung potenzieller Täter. Am Personal wird jedoch trotz Aufstockung noch immer zu sehr gespart.
Auch die Strafverfolgung kann abschrecken. Es muss jedem potenziellen Gewalttäter klar sein, dass ein Tritt oder Schlag gegen Andere im Zug Folgen hat. Der Vorschlag der Allianz pro Schiene, Bahnbeschäftigte wie Feuerwehrleute oder Polizisten einzuordnen und so eine härtere Bestrafung bei Übergriffen zu ermöglichen, ist eine Möglichkeit. Am Ende muss aber die Gesellschaft abrüsten und Gewalt konsequent ächten.
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