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Zentralrat bejubelt IrankriegEinfach mal die Klappe halten

Susanne Knaul

Kommentar von

Susanne Knaul

Der Zentralrat der Juden bejubelt den amerikanisch-israelischen Krieg gegen Iran. Seine Stellungnahme hätte er dem israelischen Botschafter überlassen sollen.

Josef Schuster, Präsident des zentralrats der Juden in Deutschland Foto: Emmanuela Contini/imago

A usgerechnet Josef Schuster preist öffentlich und in seiner Funktion als Präsident des Zentralrats der Juden die Angriffe auf das iranische Regime. Musste das sein, fragen sich nun vermutlich vor allem die, die selbst dem Judentum angehören. Niemand nimmt Schuster das Recht, die Angriffe zu befürworten. Ob öffentlich oder im Privaten werden die meisten Menschen in Deutschland darauf hoffen, dass das Terrorregime in Teheran bald ein Ende haben wird.

Sei es aus Sorge vor dem Atomforschungsprogramm und eine potenzielle Bombe, die in den Händen der Islamisten jeden vernünftigen Menschen beunruhigen müsste. Sei es aus Solidarität mit dem israelischen Staat und den dort lebenden Menschen, denen Iran wiederholt mit kompletter Zerstörung droht, wie nicht zuletzt die „Israel-Restzeituhr“ auf dem zentralen Teheraner Palästinaplatz demonstriert, wo der Countdown zum Untergang des zionistischen Staates läuft. Im Jahr 2040 soll es so weit sein.

Und natürlich kann man sich gemeinsam mit den IranerInnen, ob im Exil oder daheim, über den Kampf gegen die Ajatollahs freuen. Die mutigen Menschen, die, wie besonders in den vergangenen Wochen, ihren Kopf hinhalten, die Gefängnis, Folter und Tod riskieren, um in ihrer Heimat endlich in Freiheit leben zu können, sind die Helden von heute. Schusters Haltung ist also nur zu verständlich.

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Nur hätte er sich in seiner Funktion zurückhalten und Stellungnahmen dieser Art besser dem israelischen Botschafter überlassen müssen. Es ist auch nicht das erste Mal, dass sich der Präsident des Zentralrats der Juden zu weit aus dem Fenster hängt. So kritisierte er Bundeskanzler Friedrich Merz für den teilweisen Lieferstopp von Waffen an Israel. Und das zu einem Zeitpunkt, als im Gazastreifen schon weit über 60.000 Menschen getötet worden waren. Wie viel besser hätte er daran getan, zur israelischen Kriegsführung auf Abstand zu gehen und gleichzeitig den Dialog mit in Deutschland lebenden Palästinensern zu suchen.

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Susanne Knaul
Redakteurin Meinung
1961 in Berlin geboren und seit 2020 Redakteurin der Meinungsredaktion. Von 1999 bis 2019 taz-Nahostkorrespondentin in Israel und Palästina.
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