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Zahl der Todesopfer in GazaLeugnen, bis es nicht mehr geht

Daniel Bax

Kommentar von

Daniel Bax

Die israelische Armee räumt nun die Zahl 70.000 Getöteter in Gaza ein. Die Kommunikationsstrategie der IDF folgt einer Propagandalogik.

Maysara Adwan (l.) hält während der Beisetzung weinend den Leichnam ihres elfjährigen Sohnes Qais – eines von 70.000 Opfern Foto: Abdel Kareem Hana/ap/dpa

J ahrelang haben viele deutsche Medien die Opferzahlen aus dem Gazastreifen unter Vorbehalt gestellt. Das Gesundheitsministerium werde „von der Hamas kontrolliert“, die Zahlen könne man nicht unabhängig überprüfen, hieß es. Dabei hielten viele Experten, auch die UN, die Zahlen für plausibel. Denn das Gesundheitsministerium in Gaza listet die Toten mit Namen, Identifikationsnummer, Alter und Geschlecht auf. Das lässt sich gut überprüfen, doch gerade in Deutschland wollten das viele nicht wahrhaben.

Jetzt hat die israelische Armee bestätigt, dass rund 70.000 Menschen im Gazastreifen getötet wurden. Das folgt der Propagandalogik: Zahlen leugnen und Quellen in Zweifel ziehen – und Verbrechen erst dann einräumen, wenn die Indizien erdrückend sind oder weil sich die Aufmerksamkeit längst verlagert hat. Die tatsächliche Zahl könnte noch höher liegen: Forscher des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung gehen von über 100.000 Getöteten aus. Nicht einberechnet sind dabei die Vermissten, die unter Trümmern begraben liegen, und jene, die an den indirekten Folgen des Krieges gestorben sind – an Mangelernährung und Krankheiten, die unter anderen Umständen nicht tödlich sein müssen.

Hinzu kommen laut UN über 170.000 Verletzte, meistens durch Bomben. Sie treffen häufig Kinder: Unicef geht davon aus, dass im Gazastreifen in den vergangenen zwei Jahren mehr als 50.000 Kinder getötet oder verletzt wurden. Der Gazastreifen weist zudem, gemessen an seiner Bevölkerung von 2,1 Millionen, die höchste Zahl an Kindern mit amputierten Gliedmaßen auf.

Nahost-Konflikt

Nach dem Überfall der Hamas am 7. Oktober 2023 startete das israelische Militär eine Offensive in Gaza, 2024 folgte der Vorstoß gegen die Hisbollah im Libanon. Der Konflikt um die Region Palästina begann Anfang des 20. Jahrhunderts.

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Doch das Grauen hört nicht auf: Noch immer bombardiert die israelische Armee den zerstörten Küstenstreifen, wann immer es ihr passt. Seit Beginn des „Waffenstillstands“ hat sie dort über 500 Menschen getötet. Am Samstag starben dort 30 Menschen, darunter wieder Frauen und Kinder. Haben Israel-Apologeten nicht immer gesagt, die Hamas könne den Krieg sofort beenden, wenn sie die letzten Geiseln freiließe? Noch eine Propagandabehauptung, die sich als Lüge entpuppt.

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Daniel Bax
Redakteur
Daniel Bax ist Themenchef im Regieressort der taz. Er schreibt über Politik, Kultur und Gesellschaft in Deutschland und hat bisher zwei Bücher veröffentlicht: “Angst ums Abendland” (2015) über antimuslimischen Rassismus und “Die Volksverführer“ (2018) über den Trend zum Rechtspopulismus. Sein neues Buch "Die neue Lust auf Links" über das Comeback der Linkspartei ist gerade im Goldmann Verlag erschienen.
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120 Kommentare

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  • Welchem Zweck dient das Zählen der Toten?

  • Vermutlich sollte man keinen Krieg beginnen, wenn man nicht bereit ist die Konsequenzen zu tragen.

    • @Hank999:

      Wirklich übel ist immer, dass diejenigen, die den Krieg begonnen haben, die Konsequenzen eben nicht tragen, sondern das Anderen aufbürden.

  • Frauen, Kinder und alte Menschen machen rund 53 % der Getöteten aus (30 % Kinder + 16 % Frauen + 7 % Alte)



    Das war kein Krieg gegen die Hamas, das waren Kriegsverbrechen.

  • ""Doch das Grauen hört nicht auf: Noch immer bombardiert die israelische Armee den zerstörten Küstenstreifen, wann immer es ihr passt."

    Meiner Meinung nach nicht "wann immer es ihr passt", sondern in Folge von Angriffen der gazanischen Kriegspartei auf israelische Soldaten hinter der gelben Linie. Ich finde es einseitig, dass die Angriffe der gazanischen Kriegspartei trotz Waffenstillstand so selten oder gar nicht thematisiert werden.

    "Haben Israel-Apologeten nicht immer gesagt, die Hamas könne den Krieg sofort beenden, wenn sie die letzten Geiseln freiließe?"

    Für mich war das ("selbstverständlich", deshalb nicht explizit erwähnt) immer damit verknüpft, dass die gazanischen Kämpfer und ihre Unterstützer damit auch ihre Kampfhandlungen einstellen, was sie nicht tun. Wenn die gazanische Kriegspartei den Krieg fortführt, indem sie trotz Waffenstillstand weiterhin israelische Soldaten hinter der gelben Linie angreift, reagiert die gegnerische Kriegspartei. So einfach wie am 07.10.23 wird man es der gazanischen Kriegspartei hoffentlich nie wieder machen.

    Und ja, die Anzahl der getöteten Menschen auf beiden Seiten ist furchtbar, deshalb sollte kein Krieg begonnen werden.

    • @*Sabine*:

      "sondern in Folge von Angriffen der gazanischen Kriegspartei auf israelische Soldaten hinter der gelben Linie. "



      .



      Es gab Angriffe durch Palästinenser, das ist korrekt. Nicht jeder Angriff Israels ist jedoch eine Reaktion auf einen Angriff der Gegenseite. Es ist nicht ganz klar, ob es sich nicht um eine Splittergruppe handelt, die sich Anweisungen der Hamas Führung widersetzt.



      .



      Nehmen wir zum Beispiel den Angriff von letztem Sa.



      .



      Laut Israel war der Grund, dass 8 Terroristen am Freitag im von Israel kontrollieren Gebiet, beim Verlassen eines Tunnels gesichtet wurden. In der Nähe, aber nicht hinter der "gelben Linie".



      .



      Daraufhin griff Israel gleich mehrere Ziele am Sa. an. Offiziell galt der Angriff 4 Kommandanten + weiteren Terroristen, 2 Abschussrampen und 1 Waffenlager.



      .



      Mindestens 32 Menschen wurden getötet, darunter laut Gesundheitsbehörde eine 7 köpfige Familie in ihrem Zelt. 2 Wohnungen und eine Polizeistation wurden zerstört, Flüchtlingslager attackiert.



      .



      Der heftigste Angriff seit vereinbarten Waffenstillstand. "Überreaktion" ist noch stark untertrieben.

    • @*Sabine*:

      Und was glauben sie wäre dann die Berechtigung der palästinesischen Seite in den illegal von der israelischen Kriegspartei besetzen Gebieten? Im Angesicht der steten Angriffe, Tötungen der israelischen Kriegspartei, sowie der illegalen Landnahme durch Verbündete der israelischen Kriegspartei.



      Was machen wir denn da, wo das doch in ihrer Logik zu bewaffneter Gegenwehr berechtigt?



      ????????????????

    • @*Sabine*:

      SPIEGEL: "Die islamistische Hamas lehnt eine Niederlegung ihrer Waffen entschieden ab, solange kein unabhängiger palästinensischer Staat gegründet wird. Der bewaffnete Widerstand könne nur aufgegeben werden, wenn die Rechte der Palästinenser vollständig verwirklicht seien, insbesondere die Errichtung eines unabhängigen und vollständig souveränen palästinensischen Staates mit Jerusalem als Hauptstadt, heißt es in einer Erklärung der islamistischen Terrororganisation.

      Die Hamas beansprucht das gesamte historische Palästina – also einschließlich des heutigen Staatsgebietes Israels."

      Palästina ist übrigens eine Wortschöpfung Kaiser Hadrians vor knapp 2000 Jahren als er Judäa den Juden wegnahm.

      Was sollen die Hamas-Terroristen auch machen wenn Friede herrscht? Die Schippe in die Hand nehmen und helfen Gaza wieder aufzubauen?

      Es geht nicht um Gaza, es geht nicht um Palästina, es geht um das Ego der Hamas-Terroristen. Die haben nichts anderes außer dem Geld was sie den Palästiner:innen abgenommen haben.

      www.spiegel.de/aus...-b4a4-ed421eced4d7

  • Ob die Menschen in Gaza, die am 7. Oktober feierten und Gott priesen, sich das so gedacht hatten?

    • @Suryo:

      Antisemitische Pogrome waren und sind kein Befreiungsinstrument. Geschichtsunterricht anstatt Nationalismus hätten vielleicht geholfen.

    • @Suryo:

      Na jedenfalls kommt Israel jeden Tag den Zielen näher, die von den Herren Smotrich und Ben Gvir mehrfach geäußert wurden.

      • @Kaboom:

        Auch diese Ziele werden keine Befreiung bringen.

        • @aujau:

          Sie wissen ansatzweise, wovon ich schreibe?

    • @Suryo:

      Ja, die üblen Reaktionen Bilder gab es. Aber es gab die selben Bilder auch auf derGegenseite wo man Israelis an der Grenze dabei zuschauen konnte, wie diese ein Volksfest feierten und jedem Raketeneinschlag zujubelten.

      Was wollen Sie also mit ihrer Frage rechtfertigen? Welche Kriegsverbrechen dürfen Gegner aus solchen Reaktionen ableiten? Ich habe den hoffentlich falschen Eindruck, dass Sie denken, solche Reaktionen rechtfertigen Kriegsverbrechen.

      • @Prinz Leonce vom Königreiche Popo:

        "Ich habe den hoffentlich falschen Eindruck, dass Sie denken, solche Reaktionen rechtfertigen Kriegsverbrechen." - Ich denke, Sie haben den richtigen Eindruck. Es gibt einige hier im Forum, die die beschriebenen Reaktionen in Gaza für alle Palästinenser*innen/Araber*innen/Muslime verallgemeinern und sie mal eben für authentisch und den Palästinenser*innen/Araber*innen/Muslimen wesenhaft erklären, also rassistisch argumentieren. Als könnte man nicht einfach, z.B. um sich nicht verdächtig zu machen, mit den Wölfen heulen - das ist nur EINE Möglichkeit von vielen, oder punktuell mitgerissen werden: sich einmal nicht mehr machtlos und unterlegen fühlen. Aber schon diese Möglichkeit einzuräumen, würde ja darauf hinauslaufen, Palästinenser*innen/Araber*innen/Muslime als vollwertige Menschen anzuerkennen.



        Im Übrigen legitimiert keine emotionale Reaktion und auch keine ideologische Ausrichtung dazu, fundamentale Menschenrechte einfach für null und nichtig zu erklären. Was die IDF im Zuge ihrer Kriegsführung jedoch tat/tut(?).

    • @Suryo:

      Sicherlich alle fest im Glauben und freudig zum Martyrium bereit. Die haben dann doch ihren Willen bekommen und sind eventuell dort wo sie hin wollten. Mein Bedauern gilt all denen die diesen Wahnsinn nicht teilen und von den Irren als Menschenopfer für Ihren Propagandakrieg missbraucht wurden.

  • Wenn man sich die gesamte Übrrsterblichkeit anguckt könnte es laut vieen Forschern bis zu 300.000 Tote geben Aufgrund der Ernährungs und Hygiene Situation.

    • @Kaninchen sind keine Nagetiere:

      Auf die Forscher pfeif ich. Ich rechne selber.

      Hat Israel den Hamas im vorletzten Herbst nicht fünf Millionen Dollar für jede freigelassene Geisel geboten? Damals lebten noch etwa 100 Geiseln. Wären rund 500 Millionen Dollar geworden. Beim damaligen Weltmarktweizenpreis von knapp 200 Dollar für eine Tonne Weizen etwa 2.500.000 Tonnen Weizen. Rund eine Tonne Weizen pro Palästinenser:in. Genug für Jahre.

      www.tagesschau.de/...u-geiseln-102.html

      www.finanzen.net/rohstoffe/weizenpreis

  • Interessant, was so an Ausreden gebracht wird, weil nicht sein kann, was nicht sein darf.

  • Die IDF haben nichts "eingeräumt", was sie vorher bestritten haben, sondern nach längerer Prüfung die Zahl der Toten während des Gaza-Krieges mit ca. 70.000 angegeben, darunter auch natürliche Todesfälle, Tote durch fehlgegangene Raketen von Hamas und Palästinensischem Islamischem Jihad und Tote durch Hinrichtungen der Hamas, und schätzen die Zahl der getöteten Terroristen auf 17.000 bis 25.000. Bei der Civilian-to-Combatant-Ratio ist das, verglichen mit anderen Kriegen, kein "Verbrechen".

    Die vom Max-Planck-Institut in die Welt gesetzte Zahl beruht nach eigenen Angaben (s. Link im Artikel) auf Folgendem: "... stützten ihre Schätzungen auf Daten aus mehreren öffentlichen Quellen, darunter das Gaza Ministry of Health (GMoH), das Israeli Information Center for Human Rights in the Occupied Territories (B'Tselem), das Büro der United Nations Office for the Coordination of Humanitarian Affairs (OCHA), die United Nations Inter-Agency Group for Child Mortality Estimation (UN-IGME) und das Palestinian Central Bureau of Statistics (PCBS). Kein Wunder also.

    Und es ist eine unbestreitbare Tatsache, dass das Gesundheitsministerium in Gaza von der Hamas kontrolliert wird. Von wem denn sonst?

    • @Budzylein:

      Es wäre gut, eine neutrale Berichterstattung zu haben. Dies wurde von beiden Kriegsparteien verhindert. Ca. 200 Journalist*innen fanden den Tod. Wer neutrale Berichterstattung verhindert, sollte nicht klagen, dass Zahlen der einen Seite verwendet werden.

    • @Budzylein:

      "Und es ist eine unbestreitbare Tatsache, dass das Gesundheitsministerium in Gaza von der Hamas kontrolliert wird. "

      Relevant ist, ob die Zahlen korrekt sind. Sonst nichts.

      • @Kaboom:

        Richtig. Aber im Artikel wird suggeriert, es sei nur eine Behauptung, dass das Gesundheitsministerium in Gaza von der Hamas kontrolliert wird.

        • @Budzylein:

          Vielleicht noch mal nachlesen, es würde durch diverse Berichterstatter suggeriert, daß die Zahlen nicht stimmen könnten, weil sie von der (in diesem Fall zivilen) Gesundheitsbehörde der Hamas stammen. Es gibt sogar im Netz eine Liste der Opfer mit Namen, ID, Alter etc. Nicht erfasst sind diejenigen, die nicht in einem Hospital/Krankenhaus eingeliefert wurden, außerdem gibt es Erfassungslücken, weil das Gesundheitssystem in Gaza gezielt zerstört wurde durch die IDF.

        • @Budzylein:

          Nein. Es wird suggeriert, dass die angegebene Zahl wiederholt in Zweifel gezogen wurde, weil das Gesundheitsministerium von der Hamas kontrolliert wird.



          .



          Die 70.000 sie zudem noch zu gering. Die Aufräumarbeiten müssen noch abgeschlossen, alle Leichen geborgen und die über-Sterblichkeit für den Zeitraum insgesamt ermittelt werden.



          .



          Zumindest was Tonnen an Bomben pro km2 angeht ist der Krieg beispiellos. Rund 200.000 Tonnen Bomben vergleichbar mit rund 6 Hiroshima Bomben.Und das auf einer Fläche halb so groß wie London.

        • @Budzylein:

          In Gaza wird alles von der Hamas kontrolliert.



          Solche Trivialität jedesmal runterzubeten oder gar in Überschritten auf „Hamas“ zu verkürzen, aber die Glaubwürdigkeit der Zahlen nur jedes 12. Mal zu erwähnen, hinterlässt ein zionistisches Geschmäckle.

        • @Budzylein:

          Nein, es geht im Artikel um die Behauptung, dass die Hamas die Zahlen, die das Gesundheitsaministerium herausgibt, vorher kontrolliert. Die Angaben des Gesundheitsministeriums sind aber aufgrund der gemachten Angaben offenbar von Dritten überprüfbar.

        • @Budzylein:

          Nee. Von der rechtsradikalen Regierung Israels und deren Propaganda-Tröten wurde und wird suggeriert, dass alle Äußerungen, die von der Hamas publiziert werden, Lügen sind. Was nun die IDF widerlegt hat.

  • Das entspricht ungefähr dem Planungskorridor wie Yaha Sinwar ihn sich für seinen Angriff gegen Israel vorstellte.

    Sinwar verbüsste in der Negevwüste viermal «lebenslänglich» für die Hinrichtung von palästinensischen Landsleuten, denen man Kontakte zu den Israeli nachsagte. Er liess kochendes Öl auf Köpfe tropfen, um ein Geständnis zu erzwingen. Schnitt ihnen die Köpfe ab.

    Und schien immer damit zu rechnen bald rauszukommen. Der übliche Deal halt. Die Hamas nimmt israelische Geiseln und Israel muss sie austauschen.

    Über die Jahre verbrachte Bitton, sein Gefängniszahnarzt, zig Stunden im Gespräch mit Sinwar; dieser schien wenig Interesse daran zu haben, seine Absichten für die Zukunft zu verbergen. Als Bitton ihn fragte, ob es das Leben vieler unschuldiger Menschen, Israeli und Palästinenser, wert sei, seine Ziele zu erreichen, habe Sinwar geantwortet: «Wir sind bereit, zwanzigtausend, dreissigtausend, hunderttausend zu opfern.»

    Als Schilde um die Hamas zu schützen. Kalkül: je höher die Todeszahlen desto empörter die Weltöffentlichkeit desto höher die globale Antisemitismuswelle.

    www.nzz.ch/gesells...er-welt-ld.1853438

    • @shantivanille:

      Ist es dann nicht umso bitterer, dass Israels Politik und Militär sich zum willigen Erfüllungsgehilfen dieses Fanatikers gemacht haben?

      • @Anders Heister:

        Das ist genau die Frage.

        Warum läuft Israel in diese Falle, habe ich mich oft gefragt.

        Auch in Israel gilt der Gaza-Krieg als sehr, sehr schlechte Lösung.

        Niemand jedoch, niemand, weiß eine bessere.

        Ein Nebeneinander von Hamas und Israel ist nach dem 07.10.23 nicht mehr möglich.

        Wenn Sie eine bessere Alternative haben, lassen Sie hören.

      • @Anders Heister:

        Bitte nicht Ursache und Wirkung vermischen.

        • @Müller Christian:

          Bei dem Konflikt ist es längst mehr Henne und Ei als Ursache und Wirkung.

          Auf beiden Seiten profitieren die Hardliner von einander.

          Israel sah den Aufstieg der Hamas, als Gegengewicht zur Fatah. Netanjahu und andere Hardliner sehen die Terroristen als wirksames Werkzeug einen autonomen palästinensischen Staat zu verhindern. Und die Hamas profitiert von der erbarmungslosen Härte Israel, der Annektion, der Isolation, der Siedlergewalt. Der entstehende Hass und die Perspektivlosigkeit sorgt unentwegt für neue Rekruten.

        • @Müller Christian:

          Ha!

  • Nur eine Nachfrage, wann und wie hat Israel die Zahlen den bestätigt? Ich weiß nur von einem Dementi der IDF

  • Wo hat die IDF diese Zahlen bestätigt? Eine Quelle ist in dem Kommentar nicht angegeben.



    Unter den hier pauschal als "Getöteten" angegebenen sind nach anderen Angaben auch die seit dem 7. Oktober 2023 eines natürlichen Todes Gestorbenen, 4000 Personen, die durch Palästinenser getötet wurden, sowie am 7.10.2023 in Israel getötete 1600 Angreifer.



    Die IDF gibt die Zahl der in Gaza getöteten Terroristen und Kombattanten mit mindestens 25.0000 an.



    Man sollte auch die Zahlen mit dem Verhältnis von toten Zivilisten und Kämpfern mit Schlachten in Städten wie Mossul (IS) oder Schlachten um Städte wie Berlin im 2. Weltkrieg vergleichen.

    • @Kai Ayadi:

      Jaja, Israel konnte die Anzahl getöteter Zivilisten nicht benennen, aber die Anzahl getöteter Terroristen kennt man. Was unter Berücksichtigung der schlichten Tatsache, dass Israel immer betont, die Hamas-Terroristen würden Zivilkleidung tragen, ganz gewiss äußerst glaubwürdig ist.

    • @Kai Ayadi:

      >Zahlen ... vergleichen.<

      Man sollte gar nicht vergleichen. Das führt nur zum Vorwurf des Antisemitismus.

      Die Kriegsverbrechen der IDF - unterstützt durch deutsche Politiker aller Coleur - sind Verbrechen eigener Art.

      • @A. Müllermilch:

        Genau, "Verbrechen eigener Art", denn nur so wird auch die Forderung nach Auslöschung eines jüdischen Staates legitim. Kennt man schon

    • @Kai Ayadi:

      Spiegel am 29.01.2026:



      "...Israels Armee bestätigt Zahl von 70.000 Kriegstoten in Gaza. Lange hatte Israel die Zahl der Opfer in Gaza dementiert, die das von der Hamas kontrollierte Gesundheitsministerium veröffentlichte. Jetzt hat die Armee erstmals die Angaben akzeptiert..."







      Reicht Ihnen das erst mal als Bestätigung? Ändert das irgendwie Ihre Meinung? Oder bleiben Sie dabei, dass das ja nicht so wild ist, weil es bei anderen Kriegen ja noch mehr Tote gab?







      Von Israel und Hamas unabhängige Einrichtungen (z.B. Max-Planck-Institut) kommen übrigens auf weit höhere Zahlen, so dass Sie davon ausgehen können, dass wenn Israel 70.000 nicht mehr wie bisher leugnen kann, die Realität noch schlimmer aussieht.

    • @Kai Ayadi:

      Das Verhältnis in Gaza ist deutlich ärger als bei Deutschland im Zweiten Weltkrieg (38 % Zivilisten), und das wurde fast komplett erobert und hatte selbst in Polen und weiter östlich gewütet wie ein tollwütiges Wildschwein.



      Wie viel bleibt übrig, wenn man von 70.000 ein paar Tausend abzieht? Rhetorik eher?



      Warum ist noch kein Frieden, sondern Krieg, Vertreibung, Zerstörung?

    • @Kai Ayadi:

      Wie groß war denn der Anteil der getöteten Zivilisten bei der Schlacht um Berlin?

      • @Francesco:

        Wikipedia spricht von "zehntausenden Toten" (innerhalb von zwei Wochen). Zugegeben, der Anteil der toten Soldaten, die von beiden Seiten regelrecht verheizt wurden, war wesentlich höher. In Mossul betrug der Anteil Zivilisten zu Kämpfern 17:1.

    • @Kai Ayadi:

      Oder wie wäre es mit dem Verhältnis von Toten Zivilisten und Kämpfern vom 7. Oktober?

    • @Kai Ayadi:

      "oder Schlachten um Städte wie Berlin im 2. Weltkrieg vergleichen."

      Blödsinn. Warum nicht gleich mit Hiroshima?

      • @Schleicher:

        Weil Kampf im urbanen Gebieten die Zivilbevölkerung nunmal sehr in Mitleidenschaft zieht. In Mariupol sind auch Zehntausende Zivilisten gestorben, in Falluja, Mosul bei Kämpfen auch und da gab es Evakuierungen und Massenflucht vorher.

        • @Machiavelli:

          "Weil Kampf im urbanen Gebieten die Zivilbevölkerung nunmal sehr in Mitleidenschaft zieht."

          Klingt wie ein Freibrief. Bezüglich Mariupol haben Sie die zivilen Opfer aber sicher als Kriegsverbrechen der Russen verstanden. Zurecht. In Gaza zieht man schnell den Vergleich mit Dresden im zweiten Weltkrieg (sic) und schon ist das Gewissen rein.

          Es gab wieder und wieder Berichte über die Art und Weise, wie die Tötung von Zivilisten in Gaza billigend in Kauf genommen wird. Angefangen beim Einsatz von KI bei der Zielsuche bis hin zu den "Death zones", in denen einfach jeder als "Kombatant" erschossen wird, der sich dort bewegt. Egal ob Kind, Oma oder Hamas Kämpfer.



          Es gibt auch unzählige Berichte von Whistleblowern aus der IDF, die deutlich zeigen, dass ein palestinensisches Leben keinen Pfifferling wert ist.

          Wird unter Taz Lesern komplett ignoriert.

          • @Schleicher:

            Nein, wird nicht "komplett" ignoriert. Räusper.

            Le monde diplomatique eben auch lesen hilft da. Aber auch in der taz kommen immer wieder auch Informationen durch. Danke.



            Das ist auch leider nicht auf den Gaza-Einmarsch begrenzt (und ja, auch nicht auf Israel). Nach den Geiseln ausschauen ist das eine, Menschen schikanieren, vertreiben, töten, nicht mehr als grundsätzlich gleichwertige Mitmenschen ansehen das andere. "Sparta" mit heutigen Waffen ist eine Dystopie.

  • Danke Herr Bax, auf Ihre Berichterstattung zu diesem Thema ist immer Verlass. Traurig, dass das Thema Gaza innerhalb der deutschen Linken so ein spaltendes Thema ist und viele die israelische/westliche Propaganda blind reproduzieren.

    • @Jszala:

      Ich kann Ihnen nur zustimmen. Wenn es um einseitige Berichterstattung zum Thema Gaza und Hamas geht, dann ist auf Herrn Bax und seine antiisraelische Position immer Verlass.

    • @Jszala:

      So unterschiedlich kann Wahrnehmung sein. Vorab: Ich lese ja ausschließlich taz und DIE ZEIT (in Ausnahmefällen folge ich den Empfehlungen anderer Kommentatoren), die TV-Berichterstattung verfolge ich gar nicht und tummle mich auch nicht in sozialen Medien.

      Ich sehe es vollständig anders als Sie, nämlich, dass die Gaza-Hamas-Iran-Huthi-Hizbollah-u.a.-Kriegspartei in für mich unverständlichem Maße romantisiert und idealisiert wird (Beispiele lasse ich weg, Sie kennen sie vermutlich), während der gegnerischen Kriegspartei, die den Krieg nicht einmal begonnen hat, jegliches Unrecht unterstellt wird.

      Persönlich finde ich es gut, dass es auch unter Linken Menschen gibt, wenn auch nur wenige, die die Gaza-Hamas-Iran-Huthi-Hizbollah-u.a.-Kriegspartei incl. der Täter des 07.10.23 und ihrer Unterstützer nicht als "Freiheitskämpfer" o.ä. betrachten.

      Es würde mich interessieren, ob die Spaltung der Linken darauf beruht, dass sich ältere Linke noch eher für die 6.000.000 Millionen von uns ermordeten, jüdischen, unschuldigen Menschen verantwortlich fühlen und dies für die jüngeren Linken schon "zu lange her" ist.

      • @*Sabine*:

        Die älteren DDR-Linken hielten Israel schon in den 60ern für ein kapitalistisch-imperialistisches Gebilde. Gleichzeitig schob die DDR die Verantwortung an der Schoah quasi vollständig Westdeutschland zu. Man selbst hatte sich nichts vorzuwerfen, hatte ja quasi den Krieg mitgewonnen und war frei von jeder Schuld und Verantwortung gegenüber den Juden.

      • @*Sabine*:

        Die Spaltung der Linken beruht darauf, dass es einmal die verkopften Linken gibt, verloren in Ideologien, die keine Probleme mit Stalin, Mao und seinen zig Millionen Toten in China plus der 1,5-Millionen-Genozid an den Tibetern, Pol Poth, dem Islamo-Faschismus im Iran etc., haben. Keine Probleme mit patriarchalischen Systemen.



        ........



        Auf der anderen Seite die soften, herzorientierten eher femininen Linken, die sich um die schwächeren Teile der Gesellschaft kümmern und für die eine liberale soziale Marktwirtschaft interessant ist. Eher verantwortungsethisch orientiert, d. h. mit den verfügbaren Mitteln möglichst viel Leid und Not hierzulande und international zu verhindern.

        Die Lost-in-Ideology-Linke dominiert hier und global.

    • @Jszala:

      Ob das jetzt schlechter ist als die Hamas Propaganda blind zu reproduzieren?

      • @charly_paganini:

        Sagt doch niemand.



        Vielleicht einfach außerhalb der Propaganda argumentieren.



        Give it a try.

      • @charly_paganini:

        Was ja niemand tut, Sie nicht, ich nicht, Hr. Bax nicht.

        Machen wir einfach beides nicht. Es scheinen mehr Menschen, so mein Eindruck, auf die Profipropaganda der IDF zu gehen, wie es der Artikel hier auflistet.

  • In Gaza gibt es auch eine Zivilbevölkerung, die nicht an der Seite der Hamas steht.



    Das werden wir „Deutschen” genauso wenig verstehen wie die Tatsache, dass noch kurz vor dem Attentat der Hamas zigtausend Israelis gegen die Regierung Netanjahu demonstriert haben.



    Ich stehe fest an der Seite der israelischen Opposition und der Zivilbevölkerung in Gaza

    • @Ratio:

      Ich stehe ebenso fest an der Seite der israelischen Opposition und gleichzeitig zum Recht des Israelischen Staates, seine Existenz gegen faschistischen Terror zu verteidigen. Der Zivilbevölkerung in Gaza ist die Befreiung von ihren terroristischen Repräsentanten dringlichst zu wünschen, die für sie keine andere Perspektive als Krieg, Elend und Unterdrückung vorsehen.

      • @dites-mois:

        Sie meinen damit hoffentlich auch den faschistischen Terror, den Personen wie diese verbreiten: Smotrich und Levin vertreten Positionen, die in Deutschland als rechtsradikal zu bezeichnen wären.

    • @Ratio:

      Der Teil der Zivilbevölkerung in Gaza, der nicht an der Seite der Hamas stand, war aber während des Gaza-Krieges ziemlich klein. Es ist kein Fall bekannt, in dem ein Zivilist einer Geisel geholfen hat, dafür aber zahlreiche Fälle, in denen Angehörige der Zivilbevölkerung bei den Massakern des 07.10.2023 und beim Quälen der Geiseln eifrig mitgemacht haben.

      Und in den Kibbuzim, deren Bewohner am 07.10.2023 abgeschlachtet wurden, dürfte der Anteil der Netanjahu-Anhänger sehr gering gewesen sein; nicht wenige von ihnen waren Friedensaktivisten und haben Gazanern geholfen. Das hat die Hamas und ihre Komplizen aber nicht interessiert; die haben auch israelische Muslime sowie Arbeitsmigranten aus Thailand und Nepal und einen Studenten aus Tansania ermordet.

      Den Israel- und Judenfeinden war es im Übrigen immer egal, wer gerade in Israel regiert. Die erste vom Likud geführte Regierung gab es in Israel erst 1977. Vorher wurde Israel von netten Sozialdemokraten regiert, und da wollten arabische Staaten und palästinensische "Befreiungs"organisationen sowie ihre deutschen Freunde von ganz rechts und ganz links Israel auch schon vernichten.

      • @Budzylein:

        Wussten Sie, dass zahlreiche Gazaner in Gaza gegen die Hamas demonstriert haben?



        Und das unter sehr schwierigen und gefährlichen Bedingungen.



        Genau wie im Iran kann Protest in Gaza den Tod bedeuten.



        Aus dieser Tatsache eine kleine Zahl der Protestwilligen konstruieren zu wollen, ist genauso unverschämt, wie der Versuch, meine Person in die ganz linke oder rechte Ecke stellen zu wollen.

        Richtig ist, dass es unter den Opfern von 2023 einen hohen Anteil gab, die für Versöhnung, Dialog und eine Zweistaatenlösung standen.

        • @Ratio:

          Vielleicht sollten Sie meinen Kommentar noch mal lesen. Ich habe mitnichten versucht, Sie in eine Ecke zu stellen, und ich habe Ihnen auch nicht unterstellt zu den deutschen Freunden der arabischen Staaten und palästinensischen Organisationen zu gehören, die Israel seit jeher vernichten wollen.

          Und selbverständlich weiß ich, dass es in Gaza auch Hamas-Gegner gibt und dass es lebensgefährlich ist, gegen die Hamas zu protestieren. Das bedeutet aber nicht, dass der Bevölkerungsanteil der Hamas-Gegner an der Zivilbevölkerung groß ist. Die Hamas hat immerhin die letzten palästinensischen Wahlen gewonnen. Und auf propalästinensischen Demonstrationen außerhalb Gazas, z. B. in Deutschland, ist von Protest gegen die Hamas wenig zu hören, dafür ständig Aufrufe zur "Intifada".

    • @Ratio:

      Für die Toten des 2.WK war Deutschland verantwortlich, für die Toten im jetzigen Konflikt die Hamas. Was gibt es daran zu Zweifeln?

      • @Donni:

        "Für die Toten des 2.WK war Deutschland verantwortlich.."

        Hat Deutschland die Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki abgeworfen?

        Wäre mir neu, also bleibt Raum für erhebliche Zweifel an ihrer Aussage.

      • @Donni:

        Für einen Toten ist erstmal verantwortlich wer tötet.



        Sonst können wir uns alle darauf berufen, dass Eva damals vom Ampfel genascht hat.

        • @Schleicher:

          Im Einzelfall haben Sie recht, bei Kriegen nicht! In beiden Fällen, 3.Reich und Gazastreifen, standen/stehen die überwiegende Anzahl der Menschen hinter den Tätern.

          • @Donni:

            "Gazastreifen, standen/stehen die überwiegende Anzahl der Menschen hinter den Tätern."

            Sie meinen mit Tätern nun den IDF oder die Hamas?



            Trifft wahrscheinlich auf beide zu.

  • Diese 70.000 in knapp zweieinhalb Jahren sind übrigens etwas mehr als doppelt so viel, wie laut Guardian im Iran alleine in diesem Monat im Zusammenhang mit den dortigen Protesten getötet wurden.

    • @Agarack:

      Und in Summe wesentlich mehr getötete Kinder, als bei Putins Terrorüberfall auf die Ukraine.

    • @Agarack:

      Des Deutschen liebstes Gut sind Zahlen und Statistiken, um seinen Mangel an Empathie auszugleichen und seine Unsicherheit zu überdecken.

      In beiden Fällen sind es Morde aus Machtsucht und Menschenverachtung. Bei den Israelis muss man schon auch den Kontext sehen, dass das Kabinett von Netanjahu Personen beinhaltet, die sehr weit rechts steht. Auch wenn die palästinensische Seite ebenso menschenverachtende Positionen vertritt, hätten zumindest die Einschränkungen bei der humanitären Hilfe nicht sein müssen. So hat man sich auf das selbe Niveau begeben. Dass Europa fleißig Rüstungsgüter an Israel und Überwachungstechnik an den Iran liefert ist bezüglich der heuchlerischen Sonntagsreden zumindest bemerkenswert.

      • @TOM1976:

        Man könnte auch die schlimmen Verbrechen der "Siedlerbewegung" noch hinzunehmen, die im Westjordanland heftig und ungehemmt wütet. Verbrechen passieren da zahlreiche, und das anzumerken, ist durchaus legitim. Nur der pathetische Ton der Marke: "Schweigen, bis es nicht mehr geht", ist wieder mal völlig unangemessen, insbesondere, wenn auffällig ist, dass Verbrechen einer bestimmten Gruppe für Herrn Bax grundsätzlich interessanter zu sein scheinen als Verbrechen anderer Gruppen in der Region.

    • @Agarack:

      Sehr schön - Mullahs böse - Netanjahu halb so schlimm.

      • @A. Müllermilch:

        Wenn man Verbrecher unbedingt vergleichen muss, dann kann man das tatsächlich etwa so zusammenfassen. Netanjahu hat bei den (zahlreichen) Demos gegen seine Regierung schließlich nicht tausende Menschen niedermetzeln lassen.

      • @A. Müllermilch:

        Ja, kann man ungefähr so sehen. Klerikal-autoritäre Faschisten und Mörder versus zumindest irgendwann mal auf dem Papier demokratisch legitimierte Faschisten und Mörder. Aber bei ersteren schaut die Linke ja gern mal weg, solange es gegen USA, Westen und Israel geht

    • @Agarack:

      Bei der Übersterblichkeit bedingt durch Hygiene und Ernährungssituation Situation in Gaza handelt es sich um nochmal potentiell

    • @Agarack:

      Was hat das Damit zu tun ?

    • @Agarack:

      Was sagt uns das im Kontext?

      • @Martin Rees:

        Ich finde es eben vor allem interessant, wie die Aufmerksamkeitsökonomie teilweise funktioniert. Herr Bax ist Islamwissenschaftler und Nahostexperte - aber sein einziger Meinungsbeitrag zu den Iranprotesten war, sich gegen einen militärischen Regime Change von außen auszusprechen - zu Gaza hingegen könnte ich mit seinen ausgedruckten Kommentaren vermutlich meine halbe Wohnung tapezieren. Gleichzeitig ist die Todeszahl im Sudan im vergleichbaren Zeitraum geschätzt über doppelt so hoch, aber zu diesem Konflikt gibt es weder Demos noch wiederholte, wütende Kommentare darüber, dass nur völlig empathielose Menschen dazu weiter schweigen könnten.

  • Wieso Konjunktiv? Das Gaza-Gesundheitsministerium WIRD von das Hamas kontrolliert.



    Bei einer statistischen jährlichen Sterberate von ca 5.000 Menschen sind es somit um die 10.000 Toten seit dem 7. Oktober 2023, die die Hamas (und ihre Unterstützer) mitrechnen, wenn sie ihre Zahlen präsentieren und interpretieren.



    Dazu kommen die wissentlich abgeschossenen, defekten Hamas-Raketen, die auf die Zivilbevölkerung niedergehen und die Hinrichtungen von Zivilisten durch die Hamas.



    Aber für wen der Autor Sympathien hat und für wen nicht, zeigt ein Blick in seine anderen Artikel. Dort wird den Israelis selbst am Gedenktag des 7. Oktober die Trauer nicht gegönnt.

    • @Süßgras:

      Immerhin rechnet niemand die Opferzahlen des 7. Oktober schön, so wie du es hier mit den den palästinensischen Opfern machst.

    • @Süßgras:

      Der Konjunktiv bezieht sich auf die Aussage, dass die angegebenen Zahlen lange als nicht überprüfbar gewertet wurden, weil die Hamas das Gesundheitsministerium kontrolliert. Wenn man will, kann man das auch verstehen. Oder glauben Sie, Herr Bax will uns erzählen, dass jemand anderes als die Hamas das Gesundheitsministerium kontrolliert?

      Sympathien des Autors, defekte Raketen und natürliche Sterberate hin oder her: Fakt bleibt, dass zigtausende Zivilisten vom israelischen Militär getötet und verstümmelt wurden. Ihre ganzen Rechenspiele und Hinweise auf alles mögliche klingen irgendwie nach "alles nicht so schlimm".







      Nehmen Sie doch mal ganz kurz an, dass die Zahlen stimmen, egal ob nun 40.000, 70.000 oder 100.000 vom israelischen Militär getötete und sagen Sie mir, ob das für Sie in Ordnung geht. Schön wäre mal eine Antwort ohne den notorischen Hinweis, dass die Hamas böse ist; da sind sich nämlich alle inklusive des Autors einig. In diesem Artikel geht es um die Handlungen einer demokratisch gewählten und von Deutschland immer unterstützten Regierung aus "unserer Wertegemeinschaft" und nicht um die Selbstverständlichkeit, dass Terroristen das Letzte sind.

      • @Sisone:

        Der Hinweis auf die durchgängig menschenverachtende Hamas ist immer nötig, denn sehr oft wird die aktive Rolle der Hamas und anderer palästinensischen Akteure nicht erwähnt oder einfach unterschlagen. In diesem Artikel geht es um die hohen Opferzahlen, deren Darstellung und die Verantwortung für diese. Der Autor hat dazu eine eindeutige, einseitige Meinung. Der Propagandavorwurf, auch der der Lüge, gilt hier einzig Israel und das ist nicht nachvollziehbar, da die Hamas ja eine -in Ihren Worten- böse Organisation ist und Propaganda eben zu ihrem Markenkern gehört.

        • @Nakam:

          "Der Hinweis auf die durchgängig menschenverachtende Hamas ist immer nötig, denn sehr oft wird die aktive Rolle der Hamas und anderer palästinensischen Akteure nicht erwähnt oder einfach unterschlagen."

          Es wird auch nur selten darauf hingewiesen, dass die gazanische Regierung und ihre Kämpfer/Hamas und Unterstützer, die gegnerische Kriegspartei hinter der gelben Linie immer noch angreifen.

    • @Süßgras:

      Nein, Menschen, die eines natürlichen Todes gestorben sind, werden nicht mitgerechnet.

  • Beschwerden bitte an die Hamas richten.

    • @PeterArt:

      Oder deren Unterstützer Bibi.

  • Die entscheidende Angabe, um das alles auch in Relation zu setzen, fehlt natürlich: Wieviele der Getöteten gehörten zur Hamas und den Al-Quds-Brigaden?

    • @Schalamow:

      Wer meint getötete Menschen nach Gruppenangehörigkeit in Relation setzen zu müssen, dem sei ein Grundkurs in Sachen Ethik dringends empfohlen.

      Gilt auch für die Jasager unter den Mitforisten @egil und @fisherman.



      Wären die Alliierten seinerzeit eurer Auffassung gefolgt und wären mit den Angehörigen der deutschen Wehrmacht ähnlich verfahren, wäre Deutschland heute ziemlich entvölkert.

      Einfach einmal darüber nachdenken, wen man mit welchem Recht so alles umbringen "darf".

    • @Schalamow:

      Warum? Ist es etwa legitim, jemanden zu töten, nur weil er der Hamas angehört?

      • @Francesco:

        Kann man diskutieren , aber tendenziell ja, natürlich

      • @Francesco:

        Meinen Sie die Frage wirklich ernst?



        Selbstverständlich ist es in einem Krieg völlig legitim, feindliche Kombattanten zu töten.

      • @Francesco:

        Und nochmal: Ja!!!

      • @Francesco:

        Ja!

        • @Egil:

          Nein, keineswegs: eine bloße Mitgliedschaft in Hamas (die ja auch eine politische und soziale Organisation ist) macht niemand zum Kombattanten; wer einen Verwaltungsbeamten oder eine Krankenschwester allein aufgrund ihrer Hamas-Mitgliedschaft tötet, begeht ein Kriegsverbrechen. Das wurde allerdings oft genug erklärt.

        • @Egil:

          So viel zum demokratisch, christlichen Wertekanon, den die deutsche Bevölkerung so in den Vordergrund stellt und sich daher als erhaben und zivilisiert ansieht.

          • @TOM1976:

            "Töten und leben lassen, beides ist manchmal gut, manchmal schlecht" (Lao-Tse, sinngemäß aus der Erinnerung.. )



            Bin kein Christ und halte deren Werte auch nicht für der Weisheit letzten Schluß. Denke aber das wir trotzdem miteinander auskommen können sollten...

    • @Schalamow:

      Könnten Sie das auch bitte für die Erklärung der "zivilen Opfer" verständlich spezifizieren?



      Mir wäre schon daran gelegen, dass hier Fakten dominieren.



      Vielleicht haben Sie nähere Informationen.

      • @Martin Rees:

        "Mir wäre schon daran gelegen, dass hier Fakten dominieren."



        Mir auch! Anders als nämlich Kommentar und Bild nahlegen, handelt es sich eben nicht nur um zivile Opfer. Letztere sind in jedem Fall schrecklich, in einem Krieg aber leider unvermeidlich und insoweit auch vom Völkerrecht gedeckt. Allerdings ist das eine Frage der Verhältnismäßigkeit, insofern ist natürlich auch relevant, wieviel der Getöteten Kombattanten von Hamas/Al-Quds waren. Denn anderes als es das Genozid-Gerede unterstellt, sind diese natürlich Ziel der israelischen Angriffe. Beide Organisationen verfügten vor dem Krieg über mehrere Zehntausend Kämpfer (die Zahlen beruhen auf teilweise weit abweichenden Schätzungen), von denen Israel nach eigenen Angaben vom Okt. letzten Jahres etwa 17.000-23.000 getötet haben will www.dw.com/de/wie-...gaza-v4/a-74229158

  • Dieser Massenmord, so muss man das ob der hohen Opferzahlen wohl nennen, hätte auf jeden Fall verhindert werden können, wenn auch nur eine Seite das wirklich gewollt hätte. Die Hamas plante das Massaker vom 7.Oktober über Jahre, ohne irgendwelche Schutzmaßnahmen für die eigene Zivilbevölkerung zu organisieren, weil hohe Opferzahlen ihr nutzen. Sie bauten über Jahre Tunnel, die den Gazastreifen noch zusätzlich destabilisierten und diese nur militärisch nutzten, das Baumaterial dazu zweigten sie von Hilfslieferungen für die Infrastruktur über Jahre ab. Die Kritik des Autors an Israel ist berechtigt, in der Wortwahl allerdings einseitig und es fehlt jeder Hinweis auf die aktive Rolle der Hamas und anderer Terrorgruppen. Der Islamische Djihad war beispielsweise für mehrere Raketenschläge selbst verantwortlich, wusste von den technischen Problemen der eigenen Waffen und nahm die Opfer des "friendly fires" in Kauf. Gehören diese wenigen Beispielen von vielen nicht auch zum Gesamtbild? Ist nur die völlig enthemmte israelische Kriegsführung verantwortlich für die hohen Opferzahlen?

    • @Nakam:

      "... ohne irgendwelche Schutzmaßnahmen für die eigene Zivilbevölkerung zu organisieren, ..."

      Ich weiß nicht, wie umfangreich das Tunnelsystem unter Gaza ist, aber die Anzahl nicht-kämpfender Opfer hätte reduziert werden können, wenn Frauen, Kinder, Greise in die Tunnel gedurft hätten und die Kämpfer m/w/d und/oder Kampfgewillten an der Oberfläche den Krieg ausgefochten hätten, den sie führen wollten.

      Stattdessen wird erneut die israelische Kriegspartei dafür verantwortlich gemacht und nicht diejenigen, die den Krieg nicht nur begonnen haben, sondern durch ihre Kriegsführung und Militärstrategie auch vorgegeben haben, dass zivile Opfer in dieser Anzahl zu beklagen sind.

      • @*Sabine*:

        Können wir uns wenigstens darauf einigen, dass beide Kriegsparteien, für die hohe Zahl an toten Zivilisten verantwortlich sind?

        Israel das 200.000 Tonnen Bomben abgeworfen hat auf eine Fläche halb so groß wie London, Hilfslieferungen verhindert, Agrarland verwüstet, Krankenhäuser zerstört (und keine Alternativen geschaffen), Sanitäter bombardiert, ....

        UND die Hamas, die keine Zuflucht gewährt haben und die Menschen als Schutzschild sowie zu Propaganda Zwecken missbraucht und scheinbar sogar Babynahrung gehortet haben, um die Hungersnot zu verschärfen.

  • doch gerade in Deutschland wollten das viele nicht wahrhaben...

    Nun ja, in Deutschland können sie jemand umbringen, die Waffe in der Hand, zehn Augenzeugen und ein Videoband und trotzdem wird immer nur von "mutmaßlich" geredet.



    Festlegen ist sowas von 1970iger.

  • Da haben es "... viele deutsche Medien..." doch richtig gemacht, wenn sie die Zahlen der Hamas-Gesundheitsbehörde als nicht überprüfbar und somit nicht valide bezeichnet hat. Offenbar ist ja bis jetzt nicht klar, wie viele Todesopfer es gab, wenn jetzt schon von 100.000 Getöteten gesprochen wird.

    • @Bommel:

      Von 100.000 Getöteten wird deswegen gesprochen, weil das Max-Planck-Institut die Zahlen, gestützt auf israelfeindliche Quellen, nach oben "modelliert" hat, bis eine pressetaugliche sechsstellige Zahl erreicht war. Die wird zwar nicht einmal von der Hamas behauptet, aber in deutschen Medien eifrig verbreitet, und irgendetwas bleibt eben immer hängen.

      • @Budzylein:

        Ist es wirklich wichtig, ob 50.000, 60.000, 100.000 oder 120.000 in Gaza lebende Menschen getötet wurden? Was ändert das? 50.000 Tote sind okay, aber 100.000 Tote nicht?

      • @Budzylein:

        In der realen Welt sind SELBSTVERSTÄNDLICH weitere tausende Opfer zu erwarten, die unter den Trümmern der weitestgehend zerbombten Städte und Ortschaften liegen. Und genau das stellt die Studie des Max-Planck-Instituts dar. Die Schätzungen sind IMO sehr niedrig angesetzt, nach Ihren - ich sag mal ziemlich "putzigen" - Kriterien nennt man das wohl "israelfreundlich".

      • @Budzylein:

        "das Max-Planck-Institut die Zahlen, gestützt auf israelfeindliche Quellen, nach oben "modelliert"

        Wissenschaftsfeindlich und ideologiesiert wie die AFD, so klingen sie.

        Frage mich nach wie vor, weshalb die Taz Moderation diese Art von Kommentaren immer und immer wieder zulässt, sodass das ganze Forum davon dominiert wird.

        • @Schleicher:

          Sie möchten also Budzyleins Zweifel an den - bislang weder bestätigten noch widerlegten - Zahlen des Max-Planck-Instituts nicht lesen, weil sie "wissenschaftsfeindlich und ideologiesiert wie die AFD" klingen und rufen nach Zensur "diese(r) Art von Kommentaren" durch die Moderation? Sie sollten noch einmal über Sinn und Zweck der Kommentarfunktion nachdenken. Es wäre zwar schön und wünschenswert, wenn alle Kommentare hier Hand und Fuß inklusive belastbare Belege hätten, aber Bedingung für die Freischaltung ist es nicht. Solange ein Kommentar nicht Beleidigungen, Drohungen, Volksverhetzung, grobe Diskriminierung, üble Nachrede o. ä. enthält, wobei auch hier einiges durchaus dehnbar ist, sehe ich keinen Grund für eine Zensur, ggf. aber für Widerspruch.

        • @Schleicher:

          "... ideologiesiert ..."

          Das sind hier sicherlich die meisten. Und ja, es wäre harmonischer und angenehmer, wenn nur die Apologeten einer der beiden Kriegsparteien zu Wort kämen. Aber das entspricht vermutlich nicht dem Anspruch der taz.

          Da ich nicht die Linie von Herrn Bax (und vieler Linker) vertrete, bin ich auch tatsächlich dankbar dafür, dass manche meiner Kommentare trotzdem veröffentlicht werden. Nicht weil ich jemanden überzeugen kann/will, sondern weil hier vielleicht auch jüdische und/oder israelische Menschen mitlesen und ich unter allen Umständen vermeiden möchte, dass sie denken, wir würden "alle" auf der Seite der Gaza-Hamas-Iran-Huthi-Hizbollah-u.a.-Kriegspartei stehen.

        • @Schleicher:

          Ihr Tonfall ("wie die AFD", "Blödsinn") ist auch nicht gerade "nettiquette".

          • @Kai Ayadi:

            Es sind beides Meinungsäußerungen, ohne persönliche Beleidigung.

            "Wissenschaftsfeindlich wie die AFD" ist ja keine vollständige Gleichsetzung mit der rechtsradikalen Partei.

            Und "Blödsinn" bezieht sich auf eine Aussage, nicht die Kommentator:in.

            Man kann sich auch diplomatischer und weniger konfrontativ ausdrücken.

            Aber wir sind hier bei einem sehr emotionalen Thema, bei dem einige Kommentare auch ganz schön menschenfeindlich sind.

            Da fällt Besonnenheit schwer.

          • @Kai Ayadi:

            "nettiquette" hat nichts mit "nett" zu tun.



            Verteidiger der israelischen Kriegsführung stellen internationale Beobachter wie Ärzte ohne Grenzen oder Reporter ohne Grenzen oder die UN ins Abseits.

            Whisteblower innerhalb des IDF werden konsequent ignoriert.

            Ganz im Stil der AFD oder Trump.

            Sobald diese Institutionen auch die Kriegsverbrechen der "Guten" (=irgendwie Westen = irgendwie Israel = irgendwie "Wir") offenlegen sind das natürlich "israelfeindliche Quellen".

            Damit offenbart sich auch woher der Wind weht. Eben aus Richtung der rechtsextremen Regierung Israels und nicht der Opposition innerhalb Israels, die derzeit verzweifelt versucht die dortige Demokratie vor den Faschos zu bewahren.

            Von "Modellierung" der Opferzahlen zu sprechen ist einfach AFD Sprech und erinnert stark an die allgegenwärtigen Versuche der Rechten gute wissenschaftliche Praxis zu diskreditieren.