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Interne E-Mails öffentlichAfD blamiert sich mit Datenleak

Bei der AfD kommt es zu einem E-Mail-Datenleak: Zehntausende interne Mails gelangen auf eine öffentliche Website.

Es sind gut 421.000 interne AfD-Mails, die jetzt online herunterladbar sind. Mails, die sich mit rassistischen Ausfällen von Parteimitgliedern beschäftigen, mit juristischen Streitigkeiten, mit dem Umgang von Parteispenden. Am Montag tauchte der Datensatz, 281 Gigabyte groß, auf einer anonym betriebenen Internetseite auf. Die Mails datieren von diesem Herbst bis zurück ins Jahr 2014 und stammen unter anderem von Parteichefin Alice Weidel, Parteivize Beatrix von Storch sowie den früheren AfD-Vorsitzenden Jörg Meuthen und Alexander Gauland.

Rund 39.000 der Mails wurden auf der Website, offenbar mithilfe von KI, zusammengefasst. 611 dieser Nachrichten werden mit „kritischen“ Inhalten bewertet, das heißt, sie dokumentieren möglicherweise Straftaten. Weitere 10.450 Mails werden mit „hoher“ Relevanz eingruppiert, die „schweres Fehlverhalten“ zeigen sollen.

Wer für die Aktion verantwortlich ist, blieb vorerst offen. Die Website-Betreiber antworteten auf eine taz-Anfrage zunächst nicht. Auf der Seite heißt es nur: „Das Archiv ermöglicht Journalistinnen, Forschenden und der Öffentlichkeit, Primärmaterial direkt zu prüfen, statt sich auf Zusammenfassungen aus zweiter Hand zu verlassen.“ Die Journalistin und IT-Spezialistin Lilith Wittmann erklärte nach erster Sichtung, sie halte die Daten für echt.

Die Webseite hinter dem Leak

Das Datenleak der AfD-Emails ist auf der Webseite hexane.cc zu finden. Die Seite bezeichnet sich als Archiv, das für Jour­na­lis­t:in­nen gedacht ist, und zur Recherche und öffentlichen Rechenschaft dienen soll.

In einer Nachricht an das Onlineportal „International Cyber Digest“ erklärten die vermeintlich Verantwortlichen, sie hätten die Server zerstören können. Ihr Ziel aber sei gewesen, die „Degeneriertheit und Scheinheiligkeit“ der AfD offenzulegen. Angeblich sei ihnen auch von einem Unbekannten eine hohe Geldsumme geboten worden, um die Website wieder offline zu nehmen – was man abgelehnt habe.

Die AfD erklärte auf taz-Anfrage, dass es im September 2026 einen „Hackerangriff“ auf einen Hosting-Dienstleister der Partei gegeben habe, bei dem „Teile einiger weniger“ Mail-Postfächer widerrechtlich kopiert worden seien. Die meisten Konten seien aber „seit Jahren nicht mehr genutzt“ worden. „Dieser Angriff wurde rasch erkannt sowie beendet“, so ein Parteisprecher. Aktuelle Mail-Postfächer des AfD-Bundesverbands seien nicht betroffen.

Antisemitismus auf Telegram, Drogen am Infostand

Nach taz-Informationen wurde parteiintern schon im September vor einer Phishing-Mail gewarnt. Tatsächlich datieren die geleakten Mails laut Website bis in den September dieses Jahres hin.

In den Zusammenfassungen der als „kritisch“ eingestuften Mails geht es zum Beispiel um eine AfD-Landtagsabgeordnete aus Mecklenburg-Vorpommern, bei der sich parteiintern beraten wird, wie man mit einem Bericht über antisemitische Beiträge auf ihrem Telegram-Kanal umgehen solle. Um ein internes „Dossier“ über problematische Äußerungen des AfD-Bundestagsabgeordneten und Parteiradikalen Matthias Helferich.

Um ein Parteiausschlussverfahren gegen einen AfD-Kreisvorstand, der sich holocaustleugnend und Hitler verherrlichend geäußert haben soll. Um einen Ortschef, der zurücktreten musste wegen einer „Heil Hitler“-Weihnachtskarte, oder auch um ein Mitglied, das über „Muselmanen“ und das „dreckige Monster Merkel“ geschrieben haben soll. Ein anderer dokumentierter Mailbetreff lautet: „Verkauf von Hakenkreuzfahnen und Drogen am Infostand in Bottrop durch Kreisvorstandsmitglied – Maßnahmen erforderlich.“

In einer anderen Mail wurde offenbar eine Liste von 2.000 Namen und Adressen vermeintlicher An­ti­fa­schis­t*in­nen verschickt. Ein Mitarbeiter der Berliner AfD-Zentrale soll in einer Nachricht vorgeschlagen haben, einen linken Fotografen zu einer Veranstaltung zu locken und dann gewaltsam hinauszuwerfen.

AfD-Chefin Alice Weidel soll wiederum von einem AfD-Bundestagsabgeordneten empfohlen worden sein, eine Spende aus der Schweiz als Darlehen zu verbuchen, um so die Offenlegungspflicht zu umgehen. Der bezeichnende Betreff: „Juristischer Umweg / buchhalterische Gestaltung Spendenaffäre“. In einem anderen Fall ging es um Umbuchungen von mehreren tausend Euro aus der Bundesgeschäftsstelle: Eine Referentin soll Weidel gebeten haben, die Summe lieber privat zu überweisen. Ein anderer Abgeordneter soll Weidel wiederum vor „U-Booten“ aus dem Identitären-Umfeld in der Bundestagsfraktion gewarnt haben.

Der frühere AfD-Chef Alexander Gauland soll in einer E‑Mail wiederum über eine „Hitler-Wallfahrt“ geschrieben haben, bei der Mitglieder mit einer Hakenkreuz-Flagge fotografiert worden seien. Von Ex-Parteichefin Frauke Petry ist eine Mail zu einer Reise nach Moskau dokumentiert.

Material für ein AfD-Verbot?

Die Linken-Fraktionsvize Clara Bünger sagte der taz: „Die Mails bestätigen, was wir lange wissen: Die AfD schadet der Mehrheit in diesem Land. Wer hier arbeitet, Miete zahlt und für seine Familie sorgt, hat von dieser Partei nichts zu erwarten.“

Ob die Mails auch Material für ein AfD-Verbotsverfahren bieten, blieb zunächst offen. Valentina Chiofalo von der Gesellschaft für Freiheitsrechte, die zuletzt ein umfangreiches AfD-Gutachten vorlegten, sagte der taz, sollten sich die Mails als authentisch erweisen, müsste der Fundus zunächst wissenschaftlich auf Belege untersucht werden, die sich gegen die Verfassung richten.

Gäbe es solche Belege, stelle sich die Frage der Verwertbarkeit vor Gericht – schließlich seien die Mails wohl durch einen unrechtmäßigen Hack geleakt. „Unsere vorläufige Einschätzung: Das Bundesverfassungsgericht würde bei relevanten Belegen die gegenseitigen Interessen abwägen, die Verwertbarkeit aufgrund der großen Bedeutung vermutlich aber bejahen“, so Chiofalo. Die journalistische Aufarbeitung der Mails sei aber zulässig.

„Mit Mails oder ohne bleiben wir bei unserer Einschätzung“, so Chiafalo. „Die AfD ist verfassungswidrig und ein Parteiverbotsverfahren wäre wahrscheinlich erfolgreich.“ Die geleakten Mails könnten aber einen weiteren Beitrag leisten, einen möglichen Verbotsantrag „noch wasserdichter“ zu machen.

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18 Kommentare

  • rero

    Mensch, ich hätte gar nicht gedacht, dass die AfD gegen Holocaustleugner und Hitlerverherrlicher in ihren Reihen vorgeht.

  • Sonntagssegler

    Verkauf von Hakenkreuzfahnen und Drogen am selben Stand.



    Wenn's nicht so traurig wäre, könnte man drüber lachen.

  • Andreas Flaig

    Den ganzen widerwärtigen Bullshit kannte man ja schon teilweise, allerdings nicht in einer solch extremen Vielfalt.



    Interessant wäre jetzt allerdings, ob der Verfassungsschutz eindeutige Beweise sicher stellen lässt, die zu einem endgültigen Verbot dieser Faschisten Bande führen könnte.



    Aus der FR



    "Besonders drastisch wirken die Zusammenfassungen zu Nachrichten, in denen der Holocaust geleugnet oder die nationalsozialistischen Verbrechen infrage gestellt worden sein sollen. Es seien Texte verbreitet worden, die die Existenz von Gaskammern anzweifelten, den Holocaust als angebliche Erfindung bezeichneten oder eine Einstellung der Strafverfolgung wegen Volksverhetzung forderten.

    Eine weitere Zusammenfassung beschreibt eine Nachricht, die an den AfD-Bundesvorstand gegangen sein soll und den früheren AfD-Politiker Wolfgang Gedeon verteidigt habe. Dabei sollen ebenfalls Zweifel an den Gaskammern und am Holocaust geäußert worden sein. Gedeon, zwischen 2016 und 2021 Landtagsabgeordneter in Baden-Württemberg, war mit antisemitischen Äußerungen sowie Verschwörungstheorien und den daraus resultierenden parteiinternen Machtkampf in der AfD bekannt geworden."

  • FtznFrtz

    Die Opfererzählung der AfD ist um ein Kapitel reicher, wobei viele der Herrschaften auch reichlich Tätererfahrung gesammelt haben, wie es scheint.

  • Rufus

    Schade dass bei den meisten/allen Nachrichten die Meldung „ (source text not published for this record)“ erscheint. Ich hätte gerne mal in ein paar dieser braunen Gehirne hineingeschaut. Aber vielleicht ist es besser für meine Seele, dass nicht …

  • JMarius

    Bei dieser riesigen Menge sind die zentralen Punkte, die zu Tage kommen, dass die AfD bei parteiinternen Verfehlungen handelt und Ausschlussverfahren anstrebt? Etwas dünn, da hätte ich mit mehr gerechnet und die Hacker vermutlich auch.

  • Suryo

    Wir hoffen auf viele peinliche Enthüllungen, gerne auch mit Verbotsrelevanz.

  • Opossum

    Wir bekommen sicher erneut die Bestätigung dass die AFD rechtsextrem rassistisch und demokratiefeindlich ist.



    Wann kommt endlich das Verbotsverfahren ?

  • Astrid Sehnefeld

    Die spannende Frage wird sein, ob die durch diesen Hack widerrechtlich erlangten Informationen in einem hypothetischen Parteiverbotsverfahren verwendet werden dürften.



    Generell gilt ja in Deutschland im Grundsatz kein automatisches Verwertungsverbot für rechtswidrig erlangte Beweismittel, anders als beispielsweise die strikte „Fruit of the poisonous tree“-Doktrin in den USA.



    Zwar dürfte die Erlangung der Daten gegen das Fernmeldegeheimnis und das Recht auf informationelle Selbstbestimmung der Betroffenen verstoßen und überdies gilt der Grundsatz des fairen Verfahrens, dennoch könnten Mails, Verträge, Absprachen oder Strategiepapiere, die sich mit verfassungsfeindlichen Aktivitäten, Organisatorischem oder politischer Planung befassen, sofern kein staatlicher Akteur an dem Hack beteiligt war, verwertbar sein. Hier könnte das Interesse des Staates an der Aufklärung überwiegen.



    Daten die den unantastbaren Kernbereich der privaten Lebensgestaltung betreffen, also bspw rein private Unterhaltungen, unterliegen hingegen einem strikten Verwertungsverbot.



    Bin gespannt wie das erlangte Material von Juristen diesbezüglich eingeschätzt werden wird.

  • A.S.

    Da steht bestimmt nichts schlimmes drin. Ist doch eine saubere Partei.

  • Land of plenty

    „Verkauf von Hakenkreuzfahnen und Drogen am Infostand in Bottrop durch Kreisvorstandsmitglied – Maßnahmen erforderlich.“



    Stimmt! Da sind Maßnahmen erforderlich!

  • RenitenterBoomie

    Hier dokumentierter link auf die Webseite der Veröffentlicher wird vom Anti-Virenprogramm "Avast" in der kostenlosen Version als gefährliche Bedrohung blockiert.

    Ist das den auch schon mal gegengecheckt, oben es sich um keine "Honigtopffalle" zur Sammlung von Daten Interessierter ist?

  • Il_Leopardo

    Nicht gerade die feine englische Art - ich könnt' mehr Verständnis aufbringen, wenn man etwas Brisantes gefunden hätte - aber so, wie's ausschaut, ging es doch nur um Petitessen, um deren Klärung sich die Partei selbst bemühte.

  • Whying_Dutchman

    Ah, wie schön wäre es, wenn man endlich Material finden würde, welches ein Verbot der AfD forcieren könnte!!!

    Ich hatte das Vergnügen, Lilith Wittmann kennenzulernen, und eins ist klar: wenn sie sich erst mal festbeißt, lässt sie nicht mehr los! Das gibt Hoffnung.



    Sie macht viele coole Dinge, aber ein AfD Verbot wäre sozusagen die Krönung ihres Wirkens!

    Ich drück ihr ganz fest die Daumen - wie immer....

  • Minderleister

    Mit anderen Worten: In den Mails steht genau das, was man von der AfD auch erwartet hätte. Deren Wähler werden daran nichts Verwerfliches finden.

  • Martin Ziegler

    Leider wird nur das eine oder andere Strafverfahren auslösen. Die AgD wird wegen dieser „Meinungen“ gewählt, nicht trotz!

  • HAHABerlin

    Da mind. 60% der Wähler die Partei eh nicht für ganz verfassungstreu hält, eigentlich ein gutes Ergebnis.

  • Stefan L.

    Mein Mitleid mit den Gehackten hält sich in Grenzen.