Studie zu Kosten von Fleischkonsum: (K)Ein Steak an jedem Werktag
Rindfleisch müsste um bis zu 56 Prozent teurer werden, um seine ökologischen Kosten abzudecken. Das passt zu den Plänen des Agrarministers Özdemir.
Es war zum großen Unglück seiner Eltern, dass der damals 17-jährige Cem Özdemir Mitte der achtziger Jahre aufhörte, Fleisch zu essen. So erzählt der Grünen-Politiker es jedenfalls selbst. Laut der Anekdote war die tiertodlose Ernährung eine Verschrobenheit zu viel für die Erziehungsberechtigten, neben der gerissenen Hose und dem Berufswunsch Erzieher.
Aber nach dem Knatsch kam die Akzeptanz – und vier Jahrzehnte später ist der Filius (erster vegetarischer) Bundeslandwirtschaftsminister. Özdemir muss diesen mit seiner Biografie verbundenen Streit also nun quasi von Amts wegen weiterführen – und zwar mit dem ganzen Land.
Die massenhafte Haltung von Nutztieren macht schließlich Tierwohl, Wälder und Böden kaputt, Wiederkäuer pupsen zu allem Überfluss auch noch erderhitzende Gase aus. Der Konsum von Fleisch muss deshalb zumindest sinken.
Die ökologischen Kosten dafür müssten sich im Fleischpreis niederschlagen, meinen auch Forscher:innen der Uni Oxford, des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung und der Technischen Universität Berlin. Je nach Produktionsablauf müsste Rindfleisch laut ihrer Studie in Industrieländern um 35 bis 56 Prozent teurer sein, Lamm- und Schweinefleisch um 19 Prozent und Geflügel um 25 Prozent. Fazit: Eine Fleischsteuer muss her.
57 Kilo Fleisch pro Kopf
Durchschnittlich isst Deutschland pro Kopf aktuell 57 Kilo Fleisch im Jahr, also ungefähr ein Steak an jedem Werktag. Das ist bereits das Ergebnis eines leichten Rückgangs. Bei vielen Menschen dürfte es deutlich mehr sein, weil andere gar kein Fleisch essen, und zwar gar nicht mehr so wenige. Ein Elftel ernährt sich aktuell laut der Allensbacher Markt- und Werbeträger-Analyse vegetarisch.
Die wissenschaftliche Untermauerung für eine Fleischsteuer dürfte Özdemir gut in den Kram passen, der sich eh für höhere Lebensmittelpreise ausspricht, um Landwirt:innen mehr Nachhaltigkeit und ein besseres Auskommen zu ermöglichen. Fehlt allerdings noch ein Plan, wie das Verbraucher:innen mit wenig Geld schultern sollen.
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