piwik no script img

Norwegische VikingsKollektive Wahnvorstellung

Der Wikingerjubel der norwegischen Fans entspringt einem popkulturell verzerrten falschen Geschichtsbild – was prima zur Fifa-WM passt.

Auf der Suche nach Originalität produzieren Nationen den größten Kitsch, da ist Norwegen keine Ausnahme. Im Ansinnen, einen unverwechselbaren Jubel zu kreieren, haben die norwegischen Fans den sogenannten Wikingerjubel, das Viking Rowing, adaptiert. Ein Abklatsch des Viking Clap, das isländische Fans bei der EM 2016 popularisierten.

Während deren „Huh!“ aber überall als authentischer Ausdruck lustiger Fankultur gesehen wurde, sind die Reaktionen auf das Rowing gemischt: Die schwedischen Spieler Gustaf Lagerbielke und Elliot Stroud haben sich darüber lustig gemacht, der dänische Journalist Johnny Wojciech Kokborg sprach von „nordischem Erwachsenenbullying“. In Norwegen selbst nannte es die Kolumnistin Janne Stigen Drangsholt „ungesund männlich“ mit einem „toxischen, fast machistischem Vibe“.

Am bizarrsten ist, dass diese Art Jubel in England erfunden wurde: Alternde Metal-Fans, denen der Moshpit zu anstrengend geworden ist, setzen sich 2009 beim Bloodstock Open Airs in Derbyshire in eine Reihe, um so zu tun, als würde es vorwärtsgehen. Auf der Bühne spielte eine schwedische Band, Amon Amarth.

WM-taz-Logo
Die taz bei der Fußball-WM

Der Ball ist rund und die taz ist ihm dicht auf den Fersen. Unsere Reporterin Alina Schwermer ist auf einem Roadtrip (meist) per Bus und berichtet in Reportagen und in ihrem Blog – manchmal auch aus den Stadien, aber noch viel öfter über alles drumherum. Alle Spiele werden von ausgeschlafenen tazler:innen für Sie hier in „Alle Spiele“ kurz zusammengefasst. Dann gibt es das ganz geheime Tagebuch von Fifa-Dingsbums Gianni Infantino. Und alles andere rund um die WM finden Sie hier.

Für den Fußball übernommen hat das dann ein norwegischer Fan, Ole Frøystad, Spitzname: Mr Row Row. Es passte perfekt ins seit 2023 laufende Rebranding der norwegischen Nationalmannschaft als Abkömmlinge der Wikinger.

Ein reines Schreckensbild

Es ist also zuerst ein Marketinggag, denn Wikinger gab es gar nicht, sie sind nur ein Schreckensbild, in dem die Ängste und Nöte der englischen und nordfranzösischen Küstenbevölkerung geronnen sind. Und jetzt streiten sich die Dänen, Schweden und Norweger darum, wer am authentischsten verkörpert, was nur auf ein popkulturell komplett verzerrtes Geschichtsbild verweist. Die Nation findet da als Produkt kollektiver Wahnvorstellung ihre letzte Vollendung. Insofern passt dieser Jubel ganz gut zu einer in den USA stattfindenden WM: Die Selbstdisneyfizierung ist in sich schon eine hübsche Pointe.

Aber vielleicht ist der ganze Jubel auch ein lang vorbereitetes Omen: Als letzter aller Wikinger wird regelmäßig Harald III. Hardråde bezeichnet, einst König von Norwegen. Er starb 1066 in der Schlacht an der Stamford Bridge, als ihn ein angelsächsischer Pfeil ins Auge traf. Sollte England im Viertelfinale Norwegen schlagen, steht also der nächste Trend zu befürchten: ein kollektiver Bogenschützenjubel. Das wäre jene Krönung, die Hardråde verwehrt geblieben ist.

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

66 Kommentare

 / 
  • Natürlich gab es Wikinger, schon im Jahr 879 wurden sie in englischen Chroniken so genannt. Aber natürlich sind Wikinger keine Volksgruppe, sondern es handelt sich eher um eine Art 'Berufsbezeichnung'. Quasi auf Kaperfahrt gehen. So wie auch hier schon geschrieben: nicht alle Norweger, Schweden oder Dänen waren im frühen Mittelalter Wikinger, aber alle Wikinger kamen aus diesen Ländern.

  • Nach dem Spiel Norwegen/England werden wir wissen, wer zurück rudern muss.

    • @Mondschaf26:

      Mondschaf ==> unschlagbar, ergo ==>



      WELTMEISTER!!!

  • Und sollte sein Team nicht siegreich aus dem Turnier hervorgehen, kehrt der rudernde Geselle frustiert u. angetrunken zurück in die Heimat u. haut mit der Ruderpinne seiner Angetrauten einen in die "Fr***e". Wenn er nicht umgehend vor Ort eine holde Maid bei den Haaren von der Straße zerrt u. an Ort und Stelle vernascht.



    Da hat Frédéric tief in den postkolonialen, feministischen Werkzeugkasten gegriffen u. sich ein eigenes kleines Kunstwerk gebastelt.

    • @Lunamae:

      Ja, hat ein bisschen was vom Chemiestudenten im ersten Semester, der am Frühstückstisch mit Kennermiene darum bittet, ihm das Natriumchlorid zu reichen.

  • Wie französische Quellen verraten, gab es Wikinger (vgl. den Fachband von Goscinny/Uderzo).



    Buhei und die vereinfachte einheitliche Sicht darauf, die mag mensch in Frage stellen.

  • Massenpsychose bei den Nachfahren von Volksgruppen, die es angeblich nicht gab? Ach was. Das Ganze ist doch wohl mehr ein friedlich kollektives Fantasy-Vergnügen. Ich gucke kein Fußball. Hat es bei den rudernden Nordmännern etwa Krawalle gegeben? Konnte nichts entdecken.



    Zu den historischen Hintergründen der Angelegenheit, werde ich mich noch mal dem Studium der Neunten Schriftrolle der *Asterixsienischen Schriften* in der gebundenen deutschen Ausgabe (Latein kann ich nicht) widmen: Asterix und die Normannen. Quellenstudium ist alles. Danach gibt es heute Abend Käse und Lachs. Aber á la creme.

    • @Moon:

      Zwei Leute eine Idee. Darauf ein Schädelchen in Ehren. Die Große Überfahrt/Grande Traversée ist aber mindestens genauso aufschlussreich.

      Die Schriften sind mündlich überliefert und waren also anfangs keltisch, das älteste bekannte neuere Manuskript ist auf Neogallisch mit v.a. romanischem und teils fränkischem Einschlag.

      • @Janix:

        Das mit den Schädeln basiert auf einer Fehlübersetzung. Gemeint mit den "Bergen der Schädel" waren Kuhhörner, eine durchaus blumige Metapher in der skaldischen Dichtung.

        • @Hymynameis:

          Ich staune wie sie hier in schöner Regelmäßigkeit in ihren Kommentaren meine Landeskultur verhunzen. Erst den historischen Pionieren der Gleichberechtigung toxische Männlichkeit unterstellen und jetzt "Kuhhörner". Da muss ich dann doch intervenieren.

          Bei ihrem "Berg der Schädel" handelt es sich um eine Kenning. In der skaldischen Dichtkunst steht Berg (fjall) für den Kopf und Schädel (hauss) für das Kopfhaar das ergibt dann fjalli svarðar und umschreibt den Kopf von dem das Haar herunterfällt.

          Berg steht in der nordischen Schöpfung für die Knochen des Riesen Ymir. In den Kennings der Skalden wurde daraus der Berg des eigenen Körpers.

          Ein Kenning mit einem Kuhhorn wird entweder physisch und als Waffe umschrieben oder separat z.B. als Trinkgefäß (das kann dann auch "blumig" umschrieben sein), aber nie in Verbindung mit einem Berg.

          Und was ihre "imaginären" Wikinger angeht. Informieren Sie sich einmal welche Frauenrechte diese schon im Frühmittelalter kannten. Da werden sie einiges finden.

      • @Janix:

        Many thanks. Ganz wertvolle Hinweise. Schriftrolle Nr. 22, "Die Große Überfahrt". Aus dem Dunkel der Geschichte mündlich überliefert, in getreuer Überlieferung aufgezeichnet und später in vielen Sprachen über die ganze Welt verbreitet.



        Ernsthafter: Auch wenn die Sache mit dem Rudern vielleicht "künstlich" verbreitet wurde, die Fans haben sich das doch in guter Weise zu Eigen gemacht.



        Und: Ich habe noch mal etwas gesucht. Auch wenn ganze Stadien vom rauhen Ruf der Nordmänner widerhallen - es sind keine hässlichen, gar chauvinistischen Ausschreitungen der norwegischen und skandinavischen Fans während dieser Faußball-WM bekannt geworden. Von daher sage ich: Rudert Leute, rudert.

  • Ich plädiere ja für das zukünftige Jubeln mit einer Trump-Perücke zu wedeln.

  • Wenn Wikinger ein Marketing-Gag sind, gibt es dann die Nationen Island, Norwegen, Schweden und Dänemark? Oder Apple, Microsoft, Google und Meta? Anfassen kann man die alle nicht, solche Entitäten sind nur imaginiert. Harari sagt, genau die Massenpsychose norwegischer Fans, sich also kollektiv in den Dienst frei erfundener Identitätsstifter zu stellen, mache uns Menschen aus.

    Guter Witz mit Wikipedia :D

  • Tut doch niemand weh, sollen die Leute doch Spaß haben. Geht auch ohne Stempel der historischen Fakultät.



    Authentischer Wikingerjubel im Fußball, wie soll der denn aussehen? Soll man ein nordfranzösisches Kloster brandschatzen?

    • @FtznFrtz:

      Man könnte traditionsgemäß mit Lindisfarne anfangen.

    • @FtznFrtz:

      Ich frag mich auch ob man aus allem und jedem ein Betroffenheitsthema machen muss und den Leuten den Spass nehmen muss, oder will. Lasst die Leut doch, sie tun doch niemand weh.

    • @FtznFrtz:

      "Authentischer Wikingerjubel im Fußball, wie soll der denn aussehen? "



      Ich finde das schon ziemlich authentisch mit dem Rudern, ihre Vorfahren sind vor 1000 Jahren auf dem Weg nach L’Anse aux Meadows mit Sicherhaeit auch immer mal gerudert, wenn der Wind nicht reichte.

      • @Barbara Falk:

        Gerudert wird überall, warum rudern die Fans der Frankfurter Eintracht nicht? Frankfurt liegt am Main, dort wird jedes Wochenende ausgiebig gerudert.

  • Diese Norweger...

    Wir Deutschen wissen natürlich besser, wie Fußballfreude auszusehen hat:

    "Nach ihrem Sieg gegen Argentinien bei der Fußball-WM 2014 ließ sich das deutsche Nationalteam in Berlin feiern. Auf den Youtube-Videos sieht man, wie die Spieler gebückt über die Bühne laufen und aus vollem Hals singen: „So gehn die Gauchos, die Gauchos, die gehen so!“ Dann, wieder aufgerichtet: „So gehn die Deutschen, die Deutschen, die gehen so!“ Das Publikum grölte begeistert mit."

    monde-diplomatique.de/artikel/!5944394

    • @Jim Hawkins:

      Danke & darf nicht fehlen



      Klaus Theweleit -



      Gaucho-Tanz auf der WM-Party



      Das war nicht die echte Mannschaft



      Wir sind betrogen worden auf der Fanmeile. Eine Polemik gegen die Inszenierung der Weltmeister – und einige Anmerkungen zur taz-Berichterstattung.



      taz.de/Gaucho-Tanz...WM-Party/!5037365/



      Pascht scho ⚽️

    • @Jim Hawkins:

      Jaha. Zu Gast bei Freunden...😊

  • Lasst sie rudern. Oder gibt es Rudern auch nicht und entspringt nur alten englischen Schmähschriften, die die Nordmänner als so dumm darstellen wollten, dass sie rückwärts paddeln?

    • @Anna Reihe:

      Liggers - rückwärts🚣 hat sich durchgesetzt



      Selbst Colani & Großes Bruderherz sind dran gescheitert - wa! 🤣

  • Vielleicht freuen sich die Norweger einfach über den Erfolg ihrer Fußballmannschaft und feiern das auf diese Art und Weise. Könnte ja sein. So, wie die Engländer Wonderwall von Oasis singen oder die Niederländer von links nach rechts hüpfen. Wobei das sicherlich einige politisch interpretieren.

    • @Ahnungsloser:

      Die Niederländer hüpfen sowohl nach links wie nach rechts, im Deutschen wie im Original der Snollebollekes (aus Best in Brabant, was in vielerlei Hinsicht nicht Holland wäre).



      (Politisch huppeln sie (aus meiner Sicht: leider) derzeit ebenso etwas nach rechts wie einige andere Länder auch.)



      Alles besser als "Ra-ra-ra Germania" (1958) oder die hier schon erwähnten "Gauchos".

  • Die Nordmänner, die mit ihren Booten Europa plünderten und verwüsteten, die waren meist im heutigen Dänemark zuhause und sogar in Teilen von Schleswir Holstein. Die Bevölkerung in Norwegen war sehr klein und die räuberischen Stämme aus dem heutigen Königreich mussten sich ihren 'dänischen' Brüdern unterordnen und waren oftmals in Ireland und in Schottland unterwegs.



    Es ist tatsächlich idiotisch, sich Norwegen als ein Land ehermaliger Wikinger vorzustellen. Aber für den Fußball muss immer etwas herhalten und da das so lange her ist, dass ein Mann in London oder Birmingham nur gähnt, geht das auch.



    Norwegen unterrichtet ein Schulfach, das sich dem Frieden widmet. Das finde ich sehr gut, anscheinend sind dafür ein paar Einheiten mittelalterliche Geschichte bei Flöten gegangen ...

  • Ach herjeh, was ein verschwurbelter Artikel, auch wenn die Geschichte von Erfindung des Ruder-Gags von Amon Amarth wohl stimmt.



    Aber selbstverständlich gab es Wikinger, im frühen Mittelalter war die Sitte der Plünderfahrt weit verbreitet, im Altnordischen nannte man das halt "auf viking fahren". Das machten aber beispielsweise auch viele slawisch sprechende Leute von der südlichen Ostseeküste. In den skandinavischen Ländern wird das frühe Mittelalter allgemein nach diesem Phänomen benannt, wobei wohl nur eine Minderheit der damaligen Skandinavier dieser Tätigkeit nachging.



    Interessant sind die modernen Referenzen auf diese Epoche auf jeden Fall, sagt aber mehr über die jeweiligen Referenten, als über historische Wirklichkeit aus.



    Eine fundierte Betrachtung des Phänomens durch die Direktorin des Museums für Archäologie in Stavanger findet sich hier:



    www.aftenposten.no...aatt-om-vikingtida

    • @Egil:

      Was an dem Artikel ist bitte "verschwurbelt"?

      Es geht im Kommentar von Frédéric Valin um die Projektionsleistung, mit der Nationen ihre Vergangenheit imaginieren, um so etwas wie nationale Einheit zu erschaffen. Gründungsmythen von Ländern. Historisch inakkurate Rückbezüge zB auf Karl den Großen, die Schlacht auf dem Amselfeld, das heilige römische Reich, die "Wikinger" usw., und was letzteres mit der FIFA-WM zu tun hat.

      Halte ich alles für klar verständlich und würde ähnlich in jedem seriösen, weil quellenkritischen Geschichtsbuch stehen.

      Ja, norwegische (und schwedische, dänische, möglicherweise auch finnische und nordslawische) Menschen nutzen "Wikinger" als Identifikationsfläche für den Fußball (und ihren Nationalstolz), aber die historisch nachweisbaren Realitäten halten dieser Betrachtung schlicht nicht stand.

      Und nichts anderes steht auch in dem von Ihnen verlinkten Artikel.

  • Wikinger gab es nicht und der letzte Wikinger starb 1066? Ich kann gerade nicht richtig folgen.

  • Und wenn es die Wikinger nicht gab: Woher soll dann bitte Wikipedia herkommen?

  • Ist ja nicht so, dass man an einer Fussball-WM nichts zu kritisieren finden könnte, speziell an dieser Korruptionsgala.



    Aber das? Ehrlich jetzt?



    Und dazu noch solche bei der letzten Vernissage aufgeschnappte Smalltalk-Weisheiten wie "Wikinger gab's gar nicht", vielen Dank. Noch ein kleiner Tipp: wer nun wirklich auf alles und jedes, bei dem in der Mehrzahl Y-chromosomal herausgeforderte menschliche Wesen teilnehmen, "toxische Männlichkeit" draufpappt, der macht den Begriff noch bedeutungsloser als er sowieso schon ist.

    • @Brobdignag:

      Wer keine Argumente hat fragt "Ehrlich jetzt?".

      Antiintellektualismus und Kulturfeindlichkeit ("bei der letzten Vernissage …") inklusive, Glückwunsch!

      Die imaginierten Wikinger und ihr Einfluss auf das (imaginierte) Germanentum sind in der historischen Forschung seit langem bekannt. Wenn ihnen entgeht, was (imaginierte) raubmordende Nordmannhorden mit toxischer Männlichkeit zu tun haben, dann sag ich: ja, schade, da wäre mehr möglich gewesen!

  • Natürlich bedient man sich des Mythos "Wikinger" und nicht der langweiligen (und ohnehin unzugänglichen) historischen Realität des Frühmittelalters.

    Es sind immer Mythen und Projektionen mit denen Menschen mobilisiert oder politisiert werden. Alle Menschen und politischen Gruppen tun das, von ganz links bis ganz rechts.

  • "Es ist also zuerst ein Marketinggag, denn Wikinger gab es gar nicht..."



    Dann waren die zig "Dokus" auf Phoenix, ZDFinfo etc. die ich geschaut habe also keine Dokus sondern Sci-Fi bzw. Abenteuerfilme.



    Schade ich fand sie ganz interessant und dachte was dazugelernt zuhaben. Hätten die Sender aber auch kennzeichnen können.



    Aber unterhaltsam waren sie immerhin:

    • @Furth im Wald:

      Die zig Dokus!!! Und die Stunden, die Sie sich mit "Wickie und die alte weißen Männer" um die Ohren geschlagen haben, nicht zu vergessen...

  • Man muss die taz wirklich bewundern. Millionen Menschen sehen ein paar Norweger, die nach einem Tor aus Spaß rudern. Die taz sieht dagegen Nationalismus, Disney, Kapitalismus, Identitätskonstruktion und wahrscheinlich kurz vor Redaktionsschluss noch die Klimakrise. Aus einer Jubelgeste wird eine kulturwissenschaftliche Krisensitzung.

    Das ist genau der Journalismus, der sich fragt, warum ihm die Leser davonlaufen. Wo normale Menschen einfach Unterhaltung sehen, wird zwanghaft eine ideologische Tiefenanalyse konstruiert. Der einzige Mythos, der hier wirklich gepflegt wird, ist der, dass hinter jedem Witz und jeder Fan-Choreografie ein gesellschaftliches Unterdrückungssystem stecken muss.

    Vielleicht rudern die Fans auch einfach nur, weil es Spaß macht. Aber das wäre vermutlich zu banal für eine Redaktion, die selbst in einer La-Ola-Welle noch strukturelle Machtverhältnisse entdeckt.

    • @Zippism:

      Nicht nur die taz sieht das so. Auch Betreiber und Besucher von Infoläden sehen das so. Die Bewohner der Rigaer und der Flora sehen das so. Linke Soziologiestudis sehen das so. Und generell jeder Antinationalist.

      Ist halt nicht die Mehrheit. Will ich auch garnicht argumentieren, weil sonst jemand die AfD auspackt mit Schwarzrotgold. Vielleicht sollte aber die große Mehrheit einfach einmal Gedanken machen, ob da nicht doch etwas dran ist?

      • @Troll Eulenspiegel:

        taz ist in der Liste noch der relevanteste Akteur. Und man sieht hier ja, dass man sich Gedanken gemacht hat und überweigend die These als Unfug einsortiert hat. Und hier ist nicht das Kommentariat eines Springer-Blattes...

      • @Troll Eulenspiegel:

        Dass ausgerechnet "die Bewohner der Rigaer", "die Flora", "linke Soziologiestudis" und "generell jeder Antinationalist" als Kronzeugen angeführt werden, ist eher unfreiwillig komisch als überzeugend.

        Eine kleine politische Szene, die sich in vielen gesellschaftlichen Fragen ohnehin deutlich von der Mehrheit abgrenzt, ist kein Maßstab dafür, wie ein Torjubel zu bewerten ist. Dass dort bestimmte Deutungen Konsens sind, macht sie weder plausibler noch allgemeingültiger. Es zeigt lediglich, dass sich Menschen mit ähnlichen weltanschaulichen Überzeugungen gegenseitig bestätigen.

        Entscheidend ist doch die Sache selbst: Ein Torjubel mit einer Ruderbewegung ist zunächst einmal genau das – ein Torjubel. Millionen Zuschauer sehen darin eine witzige Anspielung auf die norwegische Mannschaft. Nur ein vergleichsweise kleiner Kreis fühlt sich bemüßigt, daraus Nationalismus, Identitätskonstruktion oder gesellschaftliche Herrschaftsverhältnisse abzuleiten.

        Wer sich für diese Interpretation entscheidet, kann das natürlich tun. Daraus folgt aber nicht, dass alle anderen etwas übersehen. Manchmal sagt eine Interpretation mehr über die Perspektive des Betrachters aus als über den Gegenstand.

        • @Zippism:

          Wenden Sie Ihre Perspektivitätsthese auch auf die eigene Aussage an, oder ist die "ein Ding an sich", so ganz aus dem Bauch heraus, weil: sowas weiß man halt?

          " […] Ich habe hier unter den eingeschickten Bildern manche Arbeiten beobachtet, bei denen tatsächlich angenommen werden muß, daß gewissen Menschen das Auge die Dinge anders zeigt als sie sind, d. h. daß es wirklich Männer gibt, die die heutigen Gestalten unseres Volkes nur als verkommene Kretins sehen, die grundsätzlich Wiesen blau, Himmel grün, Wolken schwefelgelb usw. empfinden oder, wie sie vielleicht sagen, erleben. Ich will mich nicht in einen Streit darüber einlassen, ob diese Betreffenden das nun wirklich so sehen und empfinden oder nicht, sondern ich möchte im Namen des deutschen Volkes es nur verbieten, daß so bedauerliche Unglückliche, die ersichtlich am Sehvermögen leiden, die Ergebnisse ihrer Fehlbetrachtungen der Mitwelt mit Gewalt als Wirklichkeit aufzuschwätzen versuchen, oder ihr gar als „Kunst“ vorsetzen wollen."

          A.H., Eröffnungsrede zur Ausstellung "Entartete Kunst" am 18. Juli 1937.

          Können Sie gerne anders "sehen" (haha).

          Mit volksbeseeltem "zwinker zwinker" (noch ein Augenwitz, hihi)

        • @Zippism:

          Ich denke einfach mal, die Leute soll es zum Nachdenken anregen, ob ein als Torjubel getarnter Nationalismus nicht doch einen ernsten Hintergedanken hat.

          Warum zum Beispiel jubeln die Norweger nicht einfach? Warum dieses Alleinstellungsmerkmal "Rudern"? Diese Frage dürfen wir uns ruhig stellen, schließlich, so sehe ich das, sollen Linke Ideengeber und mit Philosophie die gemeine Masse zum Denken und zur Intelligenznutzung anregen, auch wenn manche Theorien in Sachen Verständnis harter Tobak sind. Ein simples "Das ist Unfug" sehe ich da als zu einfach und zu deutschtümelig an. Ob es zu den legendären Kalendersprüchen von Platon oder Voltaire reicht, die uns beim Anblick der kurzen, knackigen Phrasen in Erstaunen versetzen, wird die Zukunft zeigen.

          Ich selbst brauche den Torjubel nicht. Erst recht keine Fahnenschwenkerei. Möge doch der bessere gewinnen? Nicht nach Nationalität anfeuern, sondern nach sportlicher Leistung? Das sind doch schonmal richtige Schritte. Oder ist das etwa schonwieder zu kompliziert? Oder verletzt es gar den Nationalstolz?

  • Also erst gibt es keine Wikinger und dann gab es aber doch den letzten dieser Art? Interessante Sichtweise, zumal dieser Harold Hardrada auch nicht durch einen Pfeil ins Auge getötet wurde. Das war der andere Harald ein paar Wochen später. Schlampiger Research einfach.

  • Viking "rawing"? Wird da etwa kollektiv rohes Fleisch verzehrt?

  • Wie können sie es wagen einfach Spaß zu haben?!?

    Übrigens sind die meisten Skandinavier auf der Wies'n die,



    sehr wohl darauf achten, dass eine Frau von "besoffenen Fremden" nicht bedrängt wird.

    Aber dies passt natürlich nicht in das Winnetou-Verbots-Mantra, welches hoffentlich bald endgültig Geschichte ist.

    Übrigens: Ca. 300.000 Besucher jedes Jahr eignen sich die Lederhosn kulturell an, obwohl's weder die Wadln dazua ham,



    noch die Haxn generell, und Sneakers im Pferdeapfel halt auch nimmer sauber bleim!

    Beste Grüße in die ganze Welt!

  • Der Ruderbruder, dieses Luder! Wenn er schon aus demjenigen läuft ...



    Nett, dass sie weder Hey, Wickie singen, noch Priester erschlagen. Sollen sie einfach.

  • Wikinger als ethnische Gruppe gab es nicht, ebenso wenig wie Germanen. Es ist ein Sammelbegriff für die nordischen Stämme und dieser wurde auch erst im 19 Jahrhundert verwendet.

    Die Franzosen haben den Begriff im Mittelalter nicht gekannt. In Anlehnung an die Franken hat man von den Nordmännern gesprochen. Daraus leitet sich der Name Normandie ab.

    Und auch in England lautete der Sammelbegriff für die Völker aus dem Norden Northmen und nicht Vikings. Welches sich übrigens aus dem altenglischen Wicing ableitet und schlicht für Seeräuber steht und zwar ganz ohne geografische Ausrichtung. Die plündernden Nordmänner an den Küsten Englands wurden als Dene, also Dänen bezeichnet, unabhängig von ihrer Herkunft.

    Die norwegische Wikingerkultur ging zudem weit über das Plündern hinaus und war in vielen Bereichen ihrer Zeit voraus. Ehefrauen standen beim Erbrecht an erster Stelle, vor männlichen Söhnen, die Rechtssprechung stellte sexuelle Belästigung unter Strafe und die Frau hatte das Recht sich scheiden zu lassen.

    Nur einige Beispiele der Wikingerkultur, die weite Teile Europas geprägt hat und zurecht hier in Norwegen als kulturelles Erbe in vielen Bereichen präsent ist.

    • @Sam Spade:

      Es ist sogar noch differenzierter.

      "Wikinger" waren keine ethnische Gruppe (Stamm) sondern eine soziale (Männerbünde, "raiding parties") - diejenigen Skandinavier, die nicht mit auf Plünderfahrt gegangen sind, waren auch keine "Wikinger", selbst wenn sie aus dem selben Dorf stammten. Manchmal war der Vater "Wikinger", der Sohn aber nicht mehr.

      Daher ist es schwierig von einem speziell wikingischen Erbrecht oder Wikingerkultur zu sprechen, da es sich meist um norwegische, dänische etc. Kultur handelte.

      • @Chris McZott:

        Wenn sie jetzt in die Tiefe gehen möchten und es ganz genau wissen wollen, dann lautet die Bezeichnung für die Männer die auf Raubzug gegangen sind Vígmaðr.

        Das ist altnordisch und steht für Kämpfer oder Krieger.

        víg/Kampf und maðr/Mann

        Wikingerkultur ist nur ein Oberbegriff wie germanisches Brauchtum, um die Kultur zu umschreiben oder in der heutigen Zeit zu vermarkten.

        Einen entscheidenden Beitrag hat da übrigens Richard Wagner zu geleistet, der den Nordmännern nicht nur Helme mit Hörnern verpasst hat sondern auch so manches Klischee ersonnen hat, welches sich bis heute hartnäckig hält.

    • @Sam Spade:

      Dann aber kam die Christianisierung und nur wenig später waren diese Frauenrechte für einige Jahrhunderte gebannt. Oh, die Segnungen der Zivilisation!

      • @Comerade Aardvark:

        Man sollte die vorchristliche Zeit aber nicht zu sehr loben. Wir reden von Sklavenhaltergesellschaften!

  • Harald III., bekam einen Pfeil in den Hals, den Pfeil ins Auge bekam 1066 Harald II. Mannmannmann, kann man doch auf jedem Teppich nachlesen …

    • @Friedel Castrop:

      Und im Gegensatz zu der Sache mit dem Kerl mit den Schlangen in den Lodenhosen sind das sogar wahrscheinlich Fakten!

    • @Friedel Castrop:

      1066 haben wir im Englischunterricht durchgenommen - außerdem heißt es nicht "rawing", sondern "rowing". Schade, dass Redigieren vor Veröffentlichung inzwischen so 20. Jahrhundert ist...

    • @Friedel Castrop:

      Sehr richtig erkannt. Zudem war der gute Harald II oder besser Harold II auch noch König von England, was die Schlusspointe des Autors gründlich ruiniert.

  • Man muss schon einen besonderen Hang zu schlechter Laune haben, wenn man dieser harmlosen Choreo ungesunde Männlichkeit und "Selbstdisneyfizierung" vorwirft. Hätten die Norweger vorher ihre Frauenbeauftragte fragen und ein geschichtswissenschaftliches Gutachten einholen sollen?

    • @Jochen Laun:

      Vermutlich ist die Dame vorneweg gerudert, und war halt nicht im Bild erfasst -.-

  • ... denn Wikinger gab es gar nicht ....

    Bitte was? Der 1. April ist doch rum oder war das ernst gemeint? Kann ich mir nicht vorstellen.

    • @Donni:

      Schlag nach bei Sam Spade 🕵️‍♂️ - 🚣🚣🚣🚣 -



      Aber der mit Wikipedia - is echt gut 🤣

  • Wikinger gab es nicht? Das wäre mir doch sehr neu. Natürlich hatten die wenig mit dem heute gängigen Erscheinungsbild zu tun (das prägte Wagner), aber es gab sie. Zudem beschränkten die sich nicht nur auf Schlachtfahrten (Viking), sondern waren auch händlerisch sehr aktiv. Ich finde den Jubel auf jeden Fall ziemlich gelungen.

    • @Markus Schäfer:

      Welcher Wagner? Falls Sie Richard meinen: gibt es ein noch nicht allgemein bekanntes. Werk von ihm, in dem Wikinger vorkommen?



      Tristan, Parsifal, Lohengrin? Das sind keltische Stoffe, die durch die mittelalterliche französische Literatur in ganz Europa populär wurden (Artusepik). Tannhäuser, Meistersinger? Auch Fehlanzeige. Der fliegende Holländer segelt genauso wenig auf einem Wikingerboot. Und im Ring, der Figuren aus der altmodischen Mythologie verwendet, sind auch keine Wikinger unterwegs, sondern Götter, Halbgötter, Drachen, Zwerge und Rheintöchter.

  • "...denn Wikinger gab es gar nicht..." - Der Laie staunt und der Fachmann wundert sich! Ist schon wieder Paulanergarten? Von dem offensichtlichen Unsinn abgesehen: Den Norwegener ihre eigene Geschichte erklären zu wollen ist wohl die deutscheste Aktion des Monats. Und wir ham erst den 07.

  • Wikinger gab es gar nicht? Da hat sich aber jemand vom Wunsch nach «Debunking» gehörig aufs Glatteis führen lassen. Sie trugen allerdings keine Hörner.