Flucht nach Europa über Ceuta : Mächtige Feinde
Sánchez ist der letzte Linke an der Spitze eines großen EU-Landes. Ging es den Mächtigen beim Massenansturm auf Ceuta eher um ihn als um die Flüchtenden?
Foto: Antonio Sempere/AP/dpa
E twa 60.000 Menschen umschwimmen den Grenzzaun zwischen Marokko und der spanischen Exklave Ceuta, mindestens 57 sterben dabei. Zwei Fragen bleiben danach: Wie verzweifelt muss man sein, um sich auf dieses Unterfangen einzulassen? Und: Wie inhuman sind diejenigen, die eben diese Verzweiflung für Machtinteressen ausnutzen?
Die erste Frage ist schnell beantwortet: Nirgends in der Welt ist an einer Grenze das Wohlstandsgefälle so groß, wie zwischen Marokko und Spanien. Die Versuchung, den Weg ins vermeintliche Paradies zu suchen, ist groß. Wenn dann das Gerücht kursiert, Spanien würde niemanden abschieben, zieht das Zehntausende an.
Doch Marokko ist kein Ort, der für die Einhaltung von Menschenrechten bekannt ist. Deshalb schauen viele weg, wenn sich Tausende Menschen auf den Weg in Richtung Grenze nach Ceuta machen, während der allmächtige König Mohammed VI. nur 30 Kilometer entfernt sein Thronfest feiert.
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Eigentlich sind die diplomatischen Beziehungen zwischen Marokko und Spanien gerade gut. Die Regierung von Pedro Sánchez hat die Autonomielösung für die besetzte ehemalige spanische Kolonie Westsahara anerkannt und ist damit weit auf Mohammed VI. zugegangen. Warum lässt Marokko also nun der Massensturm auf Ceuta zu?
Ein politischer Gegner soll weg
Geht es um spanische Energiedeals mit dem Erzfeind Algerien? Wohl kaum, die sind nicht neu. Was neu ist: Sánchez – Vorsitzender der Sozialistischen Internationalen – ist für viele ein Politiker, dem es sich zu entledigen gilt.
Er ist der letzte Linke an der Spitze eines großen EU-Landes. US-Präsident Donald Trump und Benjamin Netanyahu hassen Sánchez. Er weigert sich, die US-Truppen von Basen in Spanien aus operieren zu lassen und spricht vom „illegalen Krieg gegen den Iran“.
Zudem verurteilte Sánchez die Entführung von Venezuelas Präsidenten Nicolás Maduro, wofür er Drohungen von Trump erntete. Ähnlich beliebt ist Sánchez bei Netanyahu, dem er Völkermord in Gaza vorwirft.
Sánchez hat sich zu einer linken Leitfigur über Spaniens Grenzen hinaus entwickelt – und wurde so zur Zielscheibe vieler. Auch rechtsextreme Regierungen in Italien und Finnland reagieren mit Grenzkontrollen, als läge Ceuta nicht außerhalb Schengens und auf einem anderen Kontinent, sondern gleich nebenan. Am Ende stellt sich daher eine andere Frage: Was, wenn der marokkanische Monarch nur ein Instrument der neofaschistischen, trumpistischen Internationalen ist?
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