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Flucht nach Europa über Ceuta Mächtige Feinde

Reiner Wandler

Kommentar von

Reiner Wandler

Sánchez ist der letzte Linke an der Spitze eines großen EU-Landes. Ging es den Mächtigen beim Massenansturm auf Ceuta eher um ihn als um die Flüchtenden?

E twa 60.000 Menschen umschwimmen den Grenzzaun zwischen Marokko und der spanischen Exklave Ceuta, mindestens 57 sterben dabei. Zwei Fragen bleiben danach: Wie verzweifelt muss man sein, um sich auf dieses Unterfangen einzulassen? Und: Wie inhuman sind diejenigen, die eben diese Verzweiflung für Machtinteressen ausnutzen?

Die erste Frage ist schnell beantwortet: Nirgends in der Welt ist an einer Grenze das Wohlstandsgefälle so groß, wie zwischen Marokko und Spanien. Die Versuchung, den Weg ins vermeintliche Paradies zu suchen, ist groß. Wenn dann das Gerücht kursiert, Spanien würde niemanden abschieben, zieht das Zehntausende an.

Doch Marokko ist kein Ort, der für die Einhaltung von Menschenrechten bekannt ist. Deshalb schauen viele weg, wenn sich Tausende Menschen auf den Weg in Richtung Grenze nach Ceuta machen, während der allmächtige König Mohammed VI. nur 30 Kilometer entfernt sein Thronfest feiert.

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Eigentlich sind die diplomatischen Beziehungen zwischen Marokko und Spanien gerade gut. Die Regierung von Pedro Sánchez hat die Autonomielösung für die besetzte ehemalige spanische Kolonie Westsahara anerkannt und ist damit weit auf Mohammed VI. zugegangen. Warum lässt Marokko also nun der Massensturm auf Ceuta zu?

Ein politischer Gegner soll weg

Geht es um spanische Energiedeals mit dem Erzfeind Algerien? Wohl kaum, die sind nicht neu. Was neu ist: Sánchez – Vorsitzender der Sozialistischen Internationalen – ist für viele ein Politiker, dem es sich zu entledigen gilt.

Er ist der letzte Linke an der Spitze eines großen EU-Landes. US-Präsident Donald Trump und Benjamin Netanyahu hassen Sánchez. Er weigert sich, die US-Truppen von Basen in Spanien aus operieren zu lassen und spricht vom „illegalen Krieg gegen den Iran“.

Zudem verurteilte Sánchez die Entführung von Venezuelas Präsidenten Nicolás Maduro, wofür er Drohungen von Trump erntete. Ähnlich beliebt ist Sánchez bei Netanyahu, dem er Völkermord in Gaza vorwirft.

Sánchez hat sich zu einer linken Leitfigur über Spaniens Grenzen hinaus entwickelt – und wurde so zur Zielscheibe vieler. Auch rechtsextreme Regierungen in Italien und Finnland reagieren mit Grenzkontrollen, als läge Ceuta nicht außerhalb Schengens und auf einem anderen Kontinent, sondern gleich nebenan. Am Ende stellt sich daher eine andere Frage: Was, wenn der marokkanische Monarch nur ein Instrument der neofaschistischen, trumpistischen Internationalen ist?

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Reiner Wandler

Reiner Wandler Auslandskorrespondent Spanien

Reiner Wandler wurde 1963 in Haueneberstein, einem Dorf, das heute zum "heilen Weltstädtchen" Baden-Baden gehört, geboren. Dort machte er während der Gymnasialzeit seine ersten Gehversuche im Journalismus als Redakteur einer alternativen Stadtzeitung, sowie als freier Autor verschiedener alternativen Publikationen. Nach dem Abitur zog es ihn in eine rauere aber auch ehrlichere Stadt, nach Mannheim. Hier machte er eine Lehre als Maschinenschlosser, bevor er ein Studium in Spanisch und Politikwissenschaften aufnahm. 1992 kam er mit einem Stipendium nach Madrid. Ein halbes Jahr später schickte er seinen ersten Korrespondentenbericht nach Berlin. 1996 weitete sich das Berichtsgebiet auf die Länder Nordafrikas sowie Richtung Portugal aus.
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9 Kommentare

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  • Soso, der marokkanische König als Marionette des Präsidenten des jüdischen Staates und dessen Buddy aus Washington, um dem Sozialisten Sanchez zu schaden. Klingt für mich zu sehr nach Verschwörungstheorie. Oder stecken die auch hinter der Entscheidung des spanischen Gerichts, die diesen Massenansturm mutmaßlich zumindest mitausgelöst hat?

  • Dieser mit Verlaub, mieser König Mohamed VI, lässt sein Volk hungern und feiert sein Dasein wie im Mittelalter.



    König Mohammed VI. von Marokko steht wegen des Kontrasts zwischen seinem extremen Reichtum und den anhaltenden sozialen Problemen im Land in der Kritik. Während der Monarch über ein Vermögen von mehreren Milliarden Dollar verfügt und traditionelle Hofzeremonien pflegt, kämpfen viele Menschen in Marokko mit Armut und Arbeitslosigkeit.



    "Was, wenn der marokkanische Monarch nur ein Instrument der neofaschistischen, trumpistischen Internationalen ist?"



    Daran gibt es wohl keinen Zweifel!

  • Naja, etwas zu viel Verschwörungstheorie für meinen Geschmack. Viel wahrscheinlicher: Spanien hat erst vor Kurzem angekündigt über eine Millionen illegale Einwanderer zu einem legalen Aufenhaltsstatus zu verhelfen. Die aktuelle Antragsfrist ist zwar abgelaufen, aber die Begehrlichkeiten sind geweckt.

  • Ich weiß nicht, ob man wirklich mit solchen Verschwörungstheorien anfangen und von einer neofaschistischen, trumpistischen Internationalen raunen sollte, solange es keine ernsthaften Hinweise dafür gibt.

    Der Artikel ignoriert vollkommen naheliegendere Faktoren: Das Urteil des spanischen Obersten Gerichtshofs zum Umgang mit Migranten hat sich sicher in Marokko verbreitet und Hoffnungen geweckt. Genauso könnte die Legalisierung von Hunderttausenden irregulären Migranten ein Pull-Faktor sein.

    Zudem hat Spanien nur zögerlich auf die immer weiter ansteigende Zahl von Migranten reagiert, weil man durch die Brände im Land abgelenkt war.

  • Also dafür, dass Sánchez "der letzte Linke an der Spitze eines großen EU-Landes" ist, hat er aber maximal rechts gehandelt🤷



    Spanien hat einfach alle Geschäfte in Ceuta geschlossen, so dass Migranten keine Lebensmittel und Wasser kaufen konnten. Unterkünfte wurden auch nicht gestellt und Fähren aufs spanische Festland wurden eingestellt - so sind die Migranten aus Mangel an Optionen einfach wieder nach Marokko zurückgewandert.



    Und einen Tag später hat Spanien nun eine schwimmende Barriere im Meer verankert, die 50cm über und 1 Meter tief unter Wasser ein zukünftiges durchschwimmen verhindert.



    Da frage ich: wo ist der Unterschied im Handeln von Sánchez im Gegensatz zu den im Artikel kritisierten Regierungen von Finnland oder Italien?



    Wäre Sánchez diese angeblich linke "Leitfigur über Spaniens Grenzen hinaus", hätte er anders handeln müssen, oder?

  • Die Finnische Regierung wird von Petteri Orpo geleitet, dem Vorsitzenden der liberalen und EU-freundlichen Sammlungspartei.



    Inwiefern ist diese "rechtsextrem"?

  • „US-Präsident Donald Trump und Benjamin Netanyahu hassen Sánchez."



    Und die Regierungen von 22 EU-Staaten schicken einen offenen Brief an Sánchez - Gewissermaßen als Ergebenheitsadresse an die beiden Vorgenannten. Irland, Frankreich, Luxemburg und Portugal haben nicht unterzeichnet.



    www.spiegel.de/aus...-9a76-e8e11f5bd90e

  • Statt Solidarität zu bekunden und Hilfe anzubieten wie Frankreich es gemacht hat, unterzeichnen 22 Staats- und Regierungschefs der EU einen offenen Brief, der Spanien mit erhobenem Zeigefinger kritisiert. Ja nee, schon klar: so sieht europäische Solidarität im 21. Jahrhundert aus. Zum Fremdschämen...

  • Wer links ist, sollte automatisch pro Asyl sein. Oder ist Sanchez etwa ein Stalinist? Oder gar ein harmloser Sozialdemokrat? Weil dann kann ich es ja noch verstehen, diese Ablehnung gegen Migranten.