Nach Attentat auf Zeugen Jehovas: Empörung über Trauerfeier
Die Stadt Hamburg unterstützt eine „überkonfessionelle“ Trauerfeier für die Opfer des Amoklaufs. Die betroffene Gemeinde wurde nicht gefragt.
Die Hamburger Landespressekonferenz neigte sich dem Ende zu, da verkündete Senatssprecher Marcel Schweitzer, am kommenden Sonntag werde es einen überkonfessionellen, zentralen Gedenkgottesdienst für die Opfer des Anschlags auf eine Gemeinde der Zeugen Jehovas geben. Ausgerichtet werde dieser von der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen, der Nordkirche und dem Erzbistum Hamburg. Punkt. Die Zeugen Jehovas würden „eingeladen“, so Schweitzer.
Michael Tsifidaris, der derzeit seine eigentliche Arbeit ruhen lässt, um als Gesicht und Ansprechpartner der Zeugen Jehovas da zu sein, war einfach nur fassungslos. „Ich erfahre davon hier, auf einer Pressekonferenz“, sagte er, nachdem er sich einen Moment gesammelt hatte. „Das ist wirklich unglaublich.“ Niemand habe mit seiner Gemeinschaft darüber gesprochen und auch „mit keinem einzigen“ der überlebenden Opfer oder ihrer Angehörigen.
Alle Todesopfer, bis auf das ungeborene Kind, sind Mitglieder der Winterhuder Gemeinde der Zeugen Jehovas. Dasselbe gilt für die zum Teil schwer Verletzten, von denen einer noch um sein Leben ringt.
Zeugen Jehovas haben im „Moment andere Sorgen“
Besonders empört Tsifidaris, dass es sich bei der vom Hamburger Senat unterstützten geplanten Gedenkfeier um einen Gottesdienst handelt, bei dem die Riten der Zeugen Jehovas keine Rolle spielen werden. Die Amtskirchen sind auf scharfem Konfrontationskurs gegen die Zeugen Jehovas, bezeichnen die Glaubensgemeinschaft häufig als Sekte. Man trifft sich regelmäßig vor Gericht.
Im Moment habe man andere Sorgen, müsse sich um die traumatisierten Opfer und Angehörigen kümmern, sagte Tsifidaris. „Aber seien Sie sicher, dass wir eine würdige, christliche Trauerfeier organisieren werden, offen für alle.“ Er erwarte auch dafür die Unterstützung der Stadt.
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