Debatte um das N-Wort: Woher kommt diese Obsession?
Satire oder Zitat werden oft als Entschuldigung für die Verwendung des N-Wortes genutzt. Doch warum wollen einige Worte nutzen, die andere verletzen?
Foto: Andreas Grabow/fStop Images/imago
E igentlich wollte ich über Liebe, Dates und Issa Raes Hochzeit schreiben, aber die Obsession nicht-Schwarzer Menschen, das N-Wort zu sagen, zwingt mich mal wieder, aus meiner Liebesblase herauszutreten.
Die Kanzlerkandidatin der Grünen, Annalena Baerbock, nutzte in einem Interview das rassistische „N-Wort“ und entschuldigte sich daraufhin auf Twitter. Direkt danach gingen die Diskussionen los. Ich als offizielle Vertreterin der Anna Dushimes, die in Berlin wohnen und eine taz Kolumne schreiben, möchte mich nun dazu äußern.
Baerbock wurde viel kritisiert und verteidigt. Ihre Verteidiger*innen sprachen über Kontext und Intention und betonten, dass sie das Wort nur zitiert habe. Ich finde es gut, dass sie sich entschuldigt hat, und finde auch, dass es absolut nicht das Gleiche ist, das Wort beleidigend jemandem entgegenzubrüllen und in einem Gespräch zu „zitieren“.
Die Frage, welche Gespräche ein solches Zitat brauchen, lass ich mal hier so im Raum stehen. Um mal eines unmissverständlich klar zu machen: Ich finde, dass weiße Menschen niemals das Wort nutzen sollten. Weder beim Zitieren noch bei einer mittelmäßigen WG-Party, weil das Lied n****s in Paris von Kanye West und Jay-Z läuft.
Oft die Zähne zusammengebissen
Viele Schwarze Menschen werden das kennen: Kontext, Satire, Zitat werden oft als Entschuldigung für die Verwendung des Wortes genutzt. Jede Schwarze Person, die ich kenne, zuckt zusammen, wenn sie das Wort aus dem Mund nicht-Schwarzer Menschen hört. Egal in welchem Zusammenhang. Ja, Luca auch dein Freund, der das angeblich witzig findet, hat sich entweder irgendwann damit arrangiert, weil er keine Lust hat, „Spielverderber“ zu sein, oder glaubt, dass das der Preis ist, um dazuzugehören.
Wie oft habe ich in der Schule als Elfjährige die Zähne zusammengebissen, wenn im Unterricht das Wort von Lehrer*innen und Schüler*innen verwendet wurde. Weil es in einem Text vorkam oder aus anderen Gründen im Unterricht Thema war. Was wollen denn die Verfechter*innen des Kontextarguments der elfjährigen Anna erklären, die traurig und wütend nach Hause kam, weil sie das Wort an dem Tag zehnmal gehört hat?
Und wenn ich oder meine Schwestern so beleidigt wurden und es der Vertrauenslehrerin sagten, die daraufhin das Wort ebenfalls mehrmals wiederholte? Dazu empfahl sie uns auch, die Jungs, die uns beleidigt hatten, doch mal Weißbrot zu nennen. Ich glaube inzwischen, dass das Satire war.
Das Wort schmerzt, und jedes Gespräch gepaart mit der Bitte, das nicht mehr zu verwenden, fühlt sich so an, als würden wir immer und immer wieder unsere Menschlichkeit verhandeln. Dabei ist es doch wirklich nicht so kompliziert: Wenn du nicht Schwarz bist, benutzt du das Wort nicht. Was ich gerne verstehen würde: Woher kommt diese Obsession mit dem N-Wort? Warum darauf beharren, ein Wort zu verwenden, das so vielen Menschen weh tut?
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