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Debatte um AfD-Verbotsverfahren Jetzt erst recht?

Lukas Wallraff

Kommentar von

Lukas Wallraff

Die Forderungen, die AfD verbieten zu lassen, hören nicht auf. Das könnte kurz vor den Wahlen nach hinten losgehen. Wie wäre es mit eigenen Angeboten?

J etzt fängt auch noch Cem Özdemir damit an, kurz vor den Landtagswahlen über seine Sympathie für ein AfD-Verbotsverfahren zu reden – so wie vor ihm schon SPD-Chef Lars Klingbeil und die Berliner Linkspartei auf ihren Wahlplakaten. Der Grüne, der Sozialdemokrat und die Berliner Linke bekommen für ihre Verbotsvorschläge zwar sicherlich viel Zustimmung – aber wohl nur bei Leuten in den eigenen Reihen, die ohnehin niemals AfD wählen.

Wäre es vor den Wahlen in Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern nicht viel wichtiger, wenigstens den Versuch zu unternehmen, die vielen Menschen dort anzusprechen, die mit der Regierungspolitik in Bund und Ländern unzufrieden sind und die deshalb mit dem Gedanken spielen, erstmals die AfD zu wählen, damit sich aus ihrer Sicht wirklich mal was ändert? Wer dieses wachsende Bedürfnis, das sich in den steigenden Umfragewerten der AfD ausdrückt, zu Recht für eine große Gefahr für die Demokratie hält, müsste sich gerade jetzt dringend bemühen, die Stimmberechtigten doch noch von der Wahl einer demokratischen Partei zu überzeugen. Das geht aber nur mit guten Argumenten und konkreten Angeboten.

Wie das funktionieren kann, hat die Linke Heidi Reichinnek vorgemacht, die im letzten Bundestagswahlkampf vor allem auf Sozialpolitik setzte. Auch in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern bemühen sich viele LandespolitikerInnen täglich, die AfD mit eigenen Ideen zu bekämpfen. Was ihnen dabei kaum helfen dürfte, sind autoritäre Zwischenrufe aus Berlin und Stuttgart.

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Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Ob das Verbot einer Partei, die in manchen Bundesländern auf mehr als 40 Prozent kommt, langfristig der richtige Weg sein kann, um die Demokratie zu retten, lässt sich ohnehin bezweifeln. Bei vielen Ostdeutschen, die sich sowieso schon viel zu oft vernachlässigt und belehrt fühlen, könnten die Drohungen aus dem Westen kurz vor der Wahl den letzten Ausschlag geben, um nun erst recht die AfD zu wählen.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Lukas Wallraff

Lukas Wallraff taz.eins- und Seite-1-Redakteur

seit 1999 bei der taz, zunächst im Inland und im Parlamentsbüro, jetzt in der Zentrale. Besondere Interessen: Politik, Fußball und andere tragikomische Aspekte des Weltgeschehens
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78 Kommentare

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  • JK83

    2 Punkte zur Erörterung:

    1 noch kein System existierte ewig.



    2 Marxistische Argumentationsgorm: In alternden Systemen nehmen Widersprüche, Konflikte z.b. (vor allem!) um Verteilung zu. Es bräuchte aber Brüche oder riesige kollektive Notlagen, um noch Änderungen herbeizuführen. Die Kraftbilanz Bewahrer vs. Zersetzer ist entscheidend und hier verschiebt sich etwas bei uns.

  • Andreas_2020

    Ich gehe über kurz oder lang von einem Verbotsverfahren und von einem Verbot aus.



    Das Problem beim AfD-Verbot ist eigentlich keins, die Partei war mal extrem-konservativ und neoliberal, aber auf dem Boden des Grundgesetzes, inzwischen vertritt sie völkisch-rassistische Ideen, missachtet in ihren Ideen Grund- und Menschenrecht, steht nicht zur Meinungsfreiheit und zur Pluralität von Medien und dem staatlichen Rundfunk.



    Kurz: Die AfD strebt ein autoritäres Regime an, ob sie das mit einer direkten Diktatur macht, ob sie eine eingeschränkte Pseudeo-Demokratie etabliert ...



    Die AfD will die Ordnung dieses Landes nicht. Sie will eine andere Ordnung und sie will auch politische und wirtschaftliche Konzepte, die auf die einseitige Kündigung von internationalen Verträgen hinauslaufen.



    Man könnte auch sagen, die AfD kann Meloni und Le Pen nicht folgen, sie verstehen diese Rechtsextremen nicht.



    Und so lief ja auch kürzlich der Parteitag ab, gesteuert wurde er von Rassisten und Völkischen, sie haben die Delegierten inzwischen unter Kontrolle.



    Dagegen hilft nur noch ein Verbot.



    (Und gute Sozialpolitik als 2. Schritt)

    • JK83

      @Andreas_2020:

      All das ist zu beweisen. Ablehnung bestimmter Werte und Ordnungen alleine genügt nicht, nicht mal Ablehnung des politischen Systems, es braucht nachweisbare Gefahr.

  • FtznFrtz

    Natürlich heißt es nicht das eine tun und das andere lassen.



    Das Verbotsverfahren beantragen heißt natürlich nicht, keine eigenen Politikangebote zu machen, im Gegenteil. Natürlich sind alle Parteien, vielleicht mit Ausnahme der Linken und der Grünen, massiv in der Krise. Das AfD-Klientel will ein rechtes Politikangebot, das sollte ihm die CDU machen. Die AfD-Klientel sind enttäuschte Arbeiter, hier muss die SPD einhaken.



    Und trotz allem: die AfD ist eine gesichert rechtsextreme Partei, die das Potential hat, der Demokratie und dem Rechtsstaat schweren Schaden zuzufügen, das Prüfverfahren muss sein.

  • Todesfister

    Wenn die Regierung die AFD nachhaltig zerstören will:



    1 Amtszeit gute Politik machen

  • test_name

    Was wäre die Folge eines afd-Verbots?



    .



    Schwarz/rot hat eine Zustimmung von 18% in der Wählerschaft. Zu recht denn ein nachvollziehbares Programm hat diese Koalion aus Sicht der meisten Wähler nicht. Mehr Schulden auf Kosten der hart-arbeitenden-Mitte um einen ausufernden Beamten- und Funktionärsstaat zu bedienen.



    .



    Was wäre die Alternative nach einem afd-Verbot?



    .



    Schwarz/rot oder schwarz/grün? Wegen des Anteils an schwarz nicht wirklich eine andere Politik.



    .



    Rot/rot/grün. Die hätten wirklich eine Mehrheit, wenn die afd verboten wird. Es gäbe mehr Zuwanderung zwecks Lösung des Demographie-Problems und diverser anderer Probleme. Mehr Geld für Demokratieförderprojekte.



    .



    Alles sehr sinnvoll. Aber diese Politik beruht auf Glaubenssätzen. Entsprechenden Glauben hat aber nur eine Minderheit in der Wählerschaft.

    • Linke Socke

      @test_name:

      "Rot/rot/grün. Die hätten wirklich eine Mehrheit, wenn die afd verboten wird."



      Wie groß wäre diese "Mehrheit" denn? Bei den letzten Sonntagsfragen zu Sachsen-Anhalt ergab sich Für Rot-Rot-Grün z. B.:



      Pollytix: SPD 7 %, Grüne 5 %, Linke 13 % - macht 25 %.



      Insa: 6 %; 4%; 13 % - Grüne nicht drin, also nur 19 %.



      Das ist doch mickrig, viel zu wenig für eine demokratische Legitimation dieser Koalition.

  • Black & White

    Alle sog. demokratischen Parteien sind sehr erfolgreich - sehr erfolgreich die Wähler zur AfD zu treiben. Die Migration, die Skandalisierung, die Brandmauer und die Herabwürdigung von AfD-Wählern und die eigene Politik sind einige wichtige Gründe.

    Wenn man als Wähler nicht gehört oder persönlich angegriffen wird, wird man sich Anderen zuwenden. In diesem Fall ist das die AfD. Das dies in gewaltigem Ausmaße passiert beweisen die aktuellen Umfragen. Je extremer die AfD und ihre Politik angegriffen wird (z.B."Nazi-Partei", Niedersachsen Ausschluss Kommunalwahl), umso mehr verschließen sich die Wähler.

    Ziel müßte sein, dass man die extremistischen Mitglieder aus der AfD entfernt. Dazu müßte man einen Grundkonsenz mit der AfD finden. Das bedeutet auch, dass man zusammen redet. Aber genau das wird abgelehnt. Wahrscheinlich ist es auch jetzt zu spät. Nachdem man die die Professorenpartei mit einem starken wirtschaftsliberalen Flügel und einem rel. kleinen rechtsextremen Bereich über die Jahre in die "Nazi-Ecke" gedrängt hat, haben immer mehr Moderate die Partei verlassen.

    Die Lösung: radikales Ändern der Strategie: De-Polarisierung der Politik. Immer mehr Kampf ist keine Lösung.

    • Nansen

      @Black & White:

      Faszinierend. "Man" hat die Professorenpartei also in die "Naziecke" gedrängt.



      Sind se also ma wieda die Opfa, wa?



      Wer ist "man"?

    • Suryo

      @Black & White:

      Komisch, alles, aber wirklich alles, nützt immer der AfD. Nichts schadet ihr, selbst die schlimmsten Skandale nicht.

      Und den Wähler der AfD darf man auf gar keinen Fall verantwortlich machen. Der wählt aus purer Not rechtsextrem. Wie ein Tier, rein instinktgetrieben. Aber andererseits muss man ihn unbedingt ernstnehmen. Was aber wiederum nur so aussehen kann, dass man AfD-Politik macht.

      Das ist ungefähr Ihre Argumentation.

      • John Travolta

        @Suryo:

        Der Wähler wählt nicht aus "purer Not" sondern in meiner Sicht aus einem Gefühl der Ohnmacht heraus ... Die Konsequenzen werden in ihrer Gesamtheit nicht gesehen

  • Suryo

    Da die neuesten Untersuchungen zeigen, dass das, was AfD-Wähler umtreibt, tatsächlich in erster Linie die Präsenz von Migranten ist, könnte man wohl leider nur so etwas "anbieten" wie die Sozialdemokraten in Dänemark.

    • Zippism

      @Suryo:

      Und genau das ist doch der Punkt: Das, was diese Wähler offenbar umtreibt, wird von den anderen Parteien eben gerade nicht oder nur widerwillig angeboten. Stattdessen erklärt man ihnen, ihre Sorgen seien wahlweise irrational, unmoralisch oder Ausdruck einer irgendwie pathologischen Gesinnung – und wundert sich anschließend über die Wahlergebnisse.

      Vielleicht sollte man tatsächlich einmal darüber nachdenken, warum eine Partei damit so erfolgreich ist, statt reflexhaft nur darüber zu reden, wie man ihre Wähler am besten beschimpft. Wenn ein erheblicher Teil der Wähler eine bestimmte politische Position will und sämtliche anderen Parteien diese Position demonstrativ meiden, ist das zumindest ein ziemlich deutlicher Hinweis darauf, dass hier eine politische Nachfrage existiert.

    • Nansen

      @Suryo:

      Und sie wollen Kernkraft statt Windräder. Sie wollen, dass niemand vom menschengemachten Klimawandel spricht. Sie wollen, dass niemand gendert, keine Queers (den Begriff allein lehnen sie ab), Simson statt Lastenrad uswusf. Die sind so ermüdend

      • JK83

        @Nansen:

        Ein guter Teil der von ihnen genannten Forderungen sind Trollerei. Die bei wütenden Wählern „zieht“. Die AFD hat nicht die Macht und den Wahnsinn, all diese Fragen nur ideologisch zu handhaben. Das sind eben auch Populisten.

  • Tyre Extinguisher

    Landtagswahlen gibt es praktisch jedes Jahr. Die Verbotsdebatte alle paar Monate auf Eis legen? Die PRÜF-Demos dann auch alle verbieten?

    Es ist echt phänomenal, welche Gründe für das Herumdrucksen immer wieder aus dem Hut gezaubert werden. "AfD zu unbedeutend", "AfD zu stark", "nicht während der Landtagswahlen", "nicht von Westdeutschen gefordert", "löst das Rassismusproblem auch nicht"..... wie viele von Rassismus und Queerfeindlichkeit bedrohte sind eigentlich ebenso kreativ beim Ausdenken von Ausreden, wenns um ein AfD-Verbot geht? Ich vermute keiner.

    Jeder Tag, an dem ein Politiker sich für eine Prüfung ausspricht, ist ein guter Tag. Ein Schritt nach vorne. Ein Ende der Verbotsforderungen wird es erst geben, wenn die Partei geprüft wurde vom Bundesverfassungsgericht.

    "Eigene Angebote" kann man parallel machen. Eine Verbotsprüfung zu fordern, dauert 3 Sekunden. Der Tag hat 24 Stunden, also genug Zeit, nebenbei noch gute Sozialpolitik zu machen.

  • Hans Dampf

    "Ob das Verbot einer Partei,....langfristig der richtige Weg sein kann, um die Demokratie zu retten, lässt sich ohnehin bezweifeln."



    Sehe ich auch so,



    1) Ich denke ein Verbot wird vor Gericht nicht durchkommen und es kommt zur gleichen Blamage wie damals bei der NPD.



    2) Selbst wenn es gelingen sollte, so sind da immer noch die Wähler, welche sich andere "Alternativen" (z.B. die Heimat, ehemals NPD) suchen werden.



    So mühsam es auch sein mag, wir müssen einen großen Teil der Wähler wieder zurück gewinnen, statt sie einfach nur als Nazis zu verdammen. Denn bei dem Gedanke eine Demokratie mit über 20% "Nazis" aufrecht erhalten zu wollen, graut es mir.

    • Alex_der_Wunderer

      @Hans Dampf:

      @ Hans Dampf



      Über 1.000 Rechtskundige Mitbürger haben sich kompetent mit dem schon längst überfällige Verbotsvefahren befasst und such für eine Einleitung des Verbotsvefahren ausgesprochen und stehen mit ihrem guten Namen dafür ein.



      Da die Befugnisse bezüglich der Einleitung eines Verbotsvefahren bei unseren Mitgliedern des Bundestags liegen, wissen wir doch woran es liegt..

    • Desdur Nahe

      @Hans Dampf:

      "wir müssen einen großen Teil der Wähler wieder zurück gewinnen"



      Das dürfte schwierig werden. Seit vielen Jahren glaubt man, dass die AfD von Benachteiligten und Abgehängten gewählt wird, die man unterschwellig dann auch noch gleich für ein bisschen "dumm" hält.. Der Sozialetat wächst und wächst, die Wählerschaft der AfD aber komischerweise auch. Dass an den getroffenen Vermutung also was faul sein muss, hätte klar sein können. Aber vielleicht wollte man es auch gar nicht so genau wissen. Auch hier im Forum werden viele Gründe genannt, und einer gerne ausgespart.



      Und nun ganz frisch: Die Studie der Universität des Saarlandes, veröffentlich bei „Plos One“. Und siehe da:



      Ganz oben steht Sorge um Migration als mit Abstand stärkstes Argument, die AfD zu wählen. Laut Erhebungen zwischen 2014 und 2024 lassen sich 90% (!) der AfD-Wahlentscheidungen darauf zurückführen.



      Wenn also für jemand weniger Migration möchte, welche "Alternative zur Alternative" hätte er denn?



      CDU/CSU könnten sich vielleicht noch in diese Richtung bewegen, bei allen anderen Parteien ist das schlicht unmöglich. Und die Frage ist ja auch, ob das wirklich wünschenswert wäre.

      • Nansen

        @Desdur Nahe:

        Pooh. Der Sozialetat also.



        Ja er wächst natürlich - absolut. So wie die Lebenshaltungskosten wachsen: Inflation.



        Zum Sozialetat gehören übrigens auch die Renten. Die dürften einigen AfD-Wählern auch nicht unwichtig sein.



        Aber wie hat sich der Sozialetat relativ zu anderen Etats in den letzten Jahren entwickelt? Vor 10 Jahren war er m.M. noch >40% und heute

      • sollndas

        @Desdur Nahe:

        "Der Sozialetat wächst und wächst, die Wählerschaft der AfD aber komischerweise auch."



        Das ist keineswegs komisch, sondern logisch:



        Der wachsende Sozialetat treibt diejenigen, die ihn bezahlen müssen, in die Arme der AfD.

        • Sole Mio

          @sollndas:

          Da haben sie meiner Meinung nach einen wunden Punkt angesprochen.

          Vielen wird es einfach zuviel.

          Wir müssen Arme und bedürftige unterstützen, sogar mehr als jetzt. Ich kenne niemanden der dessen widerspricht.

          Gleichzeitig müssen wir aber auch jene die nicht wollen, die unsere Gesetze nicht akzeptieren und unseren Sozialstaat ausnutzen drastisch sanktionieren.

  • tehabe

    Ein Verbot ist dennoch wichtig. Es richtet sich ja auch nicht an die AfD-Wähler'innen, denen ist das eh egal. Und es geht auch nicht, um die Ideologie die die AfD verbreitet. Bei einem Verbot der AfD geht es einzig und allein, darum Infrastruktur zu zerstören, die unsere Demokratie zerstören will. Und es geht auch darum zu zeigen, dass sich eine Demokratie wehren kann.

    • Astrid Sehnefeld

      @tehabe:

      In der Demokratie ist das Volk der Souverän.



      Dementsprechend müssen die Volksvertreter eine Politik vorantreiben, die die Wünsche der Wählenden im Regelfall befriedet.



      Ich schreibe "im Regelfall", weil Abgeordnete laut Grundgesetz nur ihrem Gewissen verpflichtet sind. Das heißt, sie genießen eine Entscheidungsfreiheit.



      Gleichzeitig steht auch im Grundgesetz - und zwar deutlich weiter vorne, also wichtiger: alle Macht geht vom Volke aus.



      Die AfD genießt einen horrenden Zuspruch, weil Politiker aller Parteien seit langem keine Lösungen mehr bieten.



      Egal ob Wirtschaft, Rente, Krankenversicherung, Wohnungsmangel, marode Schulen, Bürokratieirrsinn, oder oder oder - es zwickt an allen Enden.



      Gegner wollen die AfD verbieten, weil sie eine ausländerfeindliche Politik und Repressionen fürchten.



      Diese Argumente kann ich nachvollziehen, sie ignorieren aber völlig weshalb die AfD gewählt wird.



      Nachweislich wählen die wenigsten Wähler die AfD weil sie eine ausländerfeindliche Politik wünschen - siehe Umfragen.



      Die AfD wird gewählt, weil eine tiefgreifende Politikverdrossenheit im Land vorherrscht ob der unzulänglichen Politik.



      Diese Problematik löst kein Verbot.

      • tehabe

        @Astrid Sehnefeld:

        Die AfD ist keine demokratische Partei.

    • Abdurchdiemitte

      @tehabe:

      Völlig richtig. Man sollte nicht zu viele Erwartungen in ein AfD-Verbot projizieren.



      Zuvorderst geht es darum, der Partei die Infrastruktur zu nehmen, mit der sie ihre Hetze verbreiten kann.



      Dass das natürlich inhaltlich begründet sein muss, ist ja klar. Aber da sehe ich angesichts des vorliegenden Beweismaterials eigentlich kein Hindernis.

  • Ricky-13

    taz: *Ob das Verbot einer Partei, [...], langfristig der richtige Weg sein kann, um die Demokratie zu retten, lässt sich ohnehin bezweifeln.*

    Man kann natürlich auch abwarten was passiert, denn das hat vor knapp 100 Jahren in Deutschland ja auch so gut geklappt. 😈

    Mit einem AfD Verbot 'allein' ist es natürlich nicht getan, denn es muss auch endlich wieder eine soziale Politik her, die nicht mehr Millionen Bürger 'abhängt' und in die Arme einer rechten Partei treibt. Mit Merz und Söder ist das aber nicht machbar, besonders Merz macht nur noch Politik für die Reichen und Mächtigen in diesem Land. Der BlackRock-CDU-Mann hätte niemals Kanzler werden dürfen, denn er spaltet die Gesellschaft immer mehr, treibt die Armen mit seiner unsozialen Politik in die Fänge einer rechten Partei und gefährdet damit den sozialen Frieden in diesem Land.

    Der Sozialstaat wird aber schon seit Jahrzehnten von der CDU/CSU und auch der (S)PD ("Schröder lässt grüßen!") immer mehr abgebaut; und die Nutznießer waren/sind die Rechten. Aber das möchte wohl keiner wahrhaben.

    "Wer die AfD stoppen will, muss die (Merz)CDU/(Söder)CSU stoppen", lese und höre ich jetzt des Öfteren - und das wird wohl auch stimmen.

    • Katharina Reichenhall

      @Ricky-13:

      Tolle Idee. Und was wählen dann heutige AfD- und Unions-Wähler, wenn Sie sogar die Union stoppen, mithin verbieten wollen? Oder möchten Sie konservatives Denken per Gesetz verbieten?

      • Der olle Onn

        @Katharina Reichenhall:

        Ich glaube "Stoppen" ist nicht zwingend mit "Verbieten" gleich zu setzen...



        Zudem soll Konservativ ja irgendwo bewahrend sein - schaun Sie sich mal den Konservativen an, der von seinen anderen Konservativen aus der CDU rausgeschmissen werden will. Und ähnliche Leute gibt's dort in der Nähe viele. Bloß bisher noch keinen, der das so radikal öffentlich intoniert hat...

    • Life is Life

      @Ricky-13:

      Ja, genau so ist es.

  • Karl Theurer

    Ein Verbot der AfD beseitigt nicht den Nährboden, auf dem diese Partei gedeiht.Wirken würde eine Politik, die die Ungleichheit in Deutschland verringert, die dafür sorgt, dass die Einkommens- und Vermögensunterschiede sich massiv verringern. Die den Menschen Einkommen verschafft mit dem ein Auskommen möglich ist.

    Eine Politik, die auch den Niedriglöhnern eine Teilhabe am Leben ermöglicht, die die Vermögenden entsprechend deren Vermögen an den Gemeinkosten einer Gesellschaft beteiligt. Einer Gesellschaft, die ihnen ihr Vermögen erst ermöglicht hat.

    Eine Politik, die berücksichtigt, dass die kommenden Belastungen auch für die weniger Begüterten zu tragen sind.

    Eine Politik, die Chancengleichheit im Bildungssystem, im Gesundheitswesen, in der Altersversorgung etc. als oberstes Zeil anstrebt.

    Möglichkeiten gäbe es genügend, die da wären z.B. Bedingungsloses Grundeinkommen, Krankenversicherung und Altersversorgung an der sich alle entsprechend ihrer finanziellen Potenz beteiligen, nur als Beispiele genannt. Und sage keiner, es sei nicht genügend Geld vorhanden. Es müsste nur anders verteilt werden.

    Es fehlt zumindest der politische Wille, oder schlimmer noch, das Bewusstsein dafür.

    • Marcelo

      @Karl Theurer:

      Was ist mit Wirtschaft, Einwanderungspolitik, Innere Sicherheit und Reduzierung der Steuern und Sozialabgaben? Sowie das mehr Geld in deutsche Infrastruktur ausgegeben wird als in ausländische

      Das ist doch das was viele Menschen wollen

      • John Travolta

        @Marcelo:

        Die AfD reduziert keine Steuern und Sozialabgaben ... Geld ist genug da, es muss sinnvoll investiert werden zB weniger Rüstung

      • Life is Life

        @Marcelo:

        Wo bitte wird denn mehr Geld in ausländische Infrastruktur gegeben als in "deutsche"?

        • Marcelo

          @Life is Life:

          Sorry missverständlich ausgedrückt! Meine lieber das Geld ins deutsche Infrastruktur als ins ausländische Projekte

    • T-Rom

      @Karl Theurer:

      Bin nicht sicher, ob der Hauptgrund für die Popularität der AfD wirklich darin liegt, dass es keine / zu wenig linke Wirtschafts- und Finanzpolitik gibt.

      • Zippism

        @T-Rom:

        Die „linke Wirtschafts- und Finanzpolitik“ fehlt also? Das ist schon eine bemerkenswerte Diagnose bei einem Staat, dessen Sozialausgaben einen erheblichen Teil des Haushalts ausmachen und der Arbeit gleichzeitig massiv mit Steuern und Sozialabgaben belastet.

        Deutschland ist wohlgemerkt kein Niedrigabgabenland: 2025 lag der Steuer- und Abgabenkeil für einen alleinstehenden Durchschnittsverdiener bei 49,3 % der Arbeitskosten – einer der höchsten Werte der OECD.

        Und genau das könnte man bei der Analyse der AfD-Wählerschaft vielleicht ebenfalls berücksichtigen: Es gibt Menschen, die nicht noch mehr Umverteilung wollen, sondern schlicht das Gefühl haben, dass ihnen von ihrem erarbeiteten Einkommen immer mehr abgezogen wird, während der Staat immer mehr verteilt.

        Dass man solche Leute anschließend ausschließlich als Opfer fehlender „linker“ Politik betrachtet, ist jedenfalls eine ziemlich bequeme Erklärung. Vielleicht sollte man sich eher fragen, ob ein Teil der Wähler die AfD gerade wegen dieser Politik wählt – und nicht, weil sie ihnen angeblich nicht links genug ist.

        • Katharina Reichenhall

          @Zippism:

          T-Rom hat auf Herrn Theurer geantwortet und dessen Ausführungen gezielt hinterfragt, woraus hervorgeht, dass T-Rom ähnlich wie Sie und ich davon ausgeht, dass natürlich nicht eine vermeintlich fehlende „linke Wirtschafts- und Finanzpolitik“ das Hauptmotiv von AfD-Wählern ist.



          Eine Argumentation, AfD-Wählern würden AfD wählen, weil ihnen die Politik der anderen Parteien zu neoliberal und zu wenig links sei, ist offenkundig abwegig.

  • uwe

    100% Zustimmung

  • c. F

    Warum der Ost-West-Diskurs? Die Wiedervereinigung ist bald 40 Jahre her. Klar, Spaltung ist bequemer im Kopf als Vereinigung, aber wenn Spaltung zum Ritual (Reproduktion) wird, dann müssen wir von einer volkspsychologischen Verhaltensauffälligkeit sprechen, die zu einer Störung werden kann. Die AfD ist ein gesamtdeutsches Problem!



    All die Punkte, die sie aufzählen, sind erstens selbstverständlich, man nennt es Wahlkampf oder repräsentative Demokratie und zweitens ist alles bereits gemacht worden und hat leider eher das Gegenteil bewirkt: Die AfD wurde stärker! Ihr Gegenbeispiel ist eher unbedeutend (Reichinnek).



    Alle die AfD wählen, wählen nicht aus Protest, sondern aus Erpressung: Wenn du nicht das machst, was ich will, wähle ich die AfD. Das Problem: wenn man eine Partei wählt, dann ist man die Partei für die nächste Legislaturperiode. Man kann ein Kreuz nicht zurücknehmen. Das nennt man politische Selbstverantwortung. Wenn die Eigeninteressen wichtiger sind als die Mitverantwortung für die Macht einer undemokratischen Partei, dann ist ein Parteiverbot eher ein Schutz vor den Wählern, als vor der AfD. Und der Rechtsruck der Mitte könnte so gemildert werden.

  • EchteDemokratieWäreSoSchön

    Ja, das wäre richtig. Den Wählern, die mit der derzeitigen Politik unzufrieden sind, ein Angebot zu machen, die sie wieder von den etablierten Parteien überzeugt.



    Das haben ja die Ministerpräsidenten versucht, indem Sie die Rente mit 63 aufrechterhalten wollen. Das überzeugt aber niemanden. Denn solange die Ministerpräsidenten nicht sagen, woher die 10 Milliarden sonst kommen sollen, ist doch absehbar, worauf das hinauslaufen wird. Entweder nach den Wahlen heißt es dann, dass sich das leider doch nicht finanzieren lässt oder die 10 Milliarden wird irgendwoanders bei den selben Menschen geholt, bei denenman jetzt die 10 Milliarden holen will.



    Das Einzige, was Menschen wirklich überzeugen würde, wäre, wenn man sagen würde, dass man sich Geld dadurch beschaffen würde, indem man die Steuern für die 5000 Milliardäre und Superreichen (>100 Mio.$) erhöht. Die besitzen 3.400 Mrd. $. Schon 1,5-3,5% gäben 50-100 Mrd. €. Damit könnte man die Rente mit 63 und noch viele andere Dinge finanzieren (z.B. ein Deutschland Ticket für 9€, Senkung der Stromsteuer für alle Privatpersonen, Keine Streichungen im Gesundheitssystem und vieles mehr).

    Alles andere wäre unglaubwürdig.

    • John Travolta

      @EchteDemokratieWäreSoSchön:

      Die AfD verrät auch nicht woher das Geld für ihre Pläne herkommen soll

    • Marcelo

      @EchteDemokratieWäreSoSchön:

      Nur ihre Vorschläge wollen die Menschen nicht! Das fordern doch Parteien besonders die Linke aber sie gewinnt damit die Leute nicht!

      • EchteDemokratieWäreSoSchön

        @Marcelo:

        Da irren sie. 80% der Menschen wollen genau das.

        Dass die Menschen die Linke nicht wählen, hat eine ganze Menge Gründe. Erstens gelten die Linken bei vielen als inkompetent in Bezug auf die Wirtschaft. Beispielsweise weil die nicht 1,5-3,5% fordern, sondern 12%. Das ist Blödsinn und würde wirklich die Milliardäre und Superreichen sofort alle aus dem Land jagen. Die Linken wollen ja auch explizit, dass es gar keine Milliardäre mehr gibt. So radikal sind nur sehr wenige in Deutschland, vielleicht 10% und soviel wählen dann die Linken.

        Zweitens haben viele Arbeiter immer noch Angst davor, dass die Linken das wahrmachen, was lange bei ihnen ganz oben auf der Wunschliste stand - nämlich offene Grenzen, womit dann beliebig viele Migranten ins Land kämen. Und das wollen viele Arbeiter nicht, denn die sind dann Konkurrenz bei Jobs, Wohnungen etc.

        Also muss man sich nicht wundern, dass zwar 80% der Menschen diese höhere Besteuerung von Milliardären und Superreichen wollen, aber nur ca 12% die Linken wählen würden, wenn jetzt Wahl wäre.

        • Marcelo

          @EchteDemokratieWäreSoSchön:

          Woher haben Sie die Zahlen 80%?

          ich glaube Sie irren sich und ihr Argumentation macht keinen Sinn

      • Axel Schäfer

        @Marcelo:

        Solche Politik hat z.b. Eisenhower ziemlich erfolgreich gemacht und mit dem Geld die Infrastruktur mal wieder in Ordnung gebracht. Die Reichen sind auch nicht geflohen, sondern haben auch nur rumgejammert und sind einfach nur etwas langsamer weiter reicher geworden.

        • Marcelo

          @Axel Schäfer:

          Sie sollten sich das mit Eisenhower nochmal anschauen! Das passt nicht was sie da schreiben

        • Marcelo

          @Axel Schäfer:

          Nur Eisenhower ist USA und nicht Deutschland und war Präsident wo es einen großen Wirtschaftswachstum gab.

          Roosevelt hat die Reichensteuer eingeführt nicht Eisenhower

          Eisenhower hat die Autobahnen bzw Highways in den USA eingeführt

          Ich weiß nicht worauf sie hinaus wollen

    • Gerald Müller

      @EchteDemokratieWäreSoSchön:

      also erstmal wäre das ja eine Art Enteignung wenn man den Besitz besteuert. Ausserdem hängen bei vielen der Superreichen an diesem Besitz auch Arbeitsplätze weil es um produzierendes oder handelndes Gewerbe geht. Man würde also Arbeitsplätze vernichten um Geld woanders auszugeben, wahrscheinlich auch nicht sehr populär.



      Ausserdem würden die Superreichen ihre Kohle natürlich sofort ins Ausland bringen.

      Und, das Probel allein mit Geld lösen zu wollen ist schlicht Wunschdenken, es ist sehr viel vielschichtiger.

      Schließlich, was die Besteuerung der Superreichen angeht, da empfehle ich das Buch "Der Fuchs im Hühnerstall" von Ephraim Kishon wo gezeigt wird wo das alles hingeht.

      • John Travolta

        @Gerald Müller:

        An dem Besitz der Superreichen hängen keine Arbeitsplätze jedenfalls nicht so, dass bei höherer Besteuerung Arbeitsplätze verloren gingen. Die Arbeitswelt ändert sich, man kann auch mehr Gewinn mit weniger Arbeitsplätzen machen oder gerade auf diesem Wege ....

      • Life is Life

        @Gerald Müller:

        Besitz wird in Form einer Grundsteuer bereits ewig besteuert. Warum soll das für Geldbesitz nicht möglich sein?



        Hinsichtlich der von Ihnen aufgeführten vermuteten Effekte decken sich diese auffällig mit der Argumentation der Superreichen gegen eine Vermögenssteuer. Wieso glauben Sie denen so unbesehen, dass das dann auch so eintreten wird?

        • Zippism

          @Life is Life:

          „Das sagen die Superreichen selbst“ ist nun wirklich kein Gegenargument, wenn die behaupteten Folgen empirisch überprüfbar sind. Wenn Kapitalflucht droht, kann man das untersuchen. Wenn Arbeitsplätze gefährdet sind, ebenfalls. Und wenn eine Vermögenssteuer kaum Mehreinnahmen bringt, weil Gestaltung und Ausweichreaktionen zu groß sind, lässt sich auch das berechnen.

          Vor allem ist der Vergleich mit der Grundsteuer ziemlich schief: Bei einer Immobilie kann man schlecht „ins Ausland umziehen“, bei liquiden Finanzanlagen dagegen sehr wohl. Genau deshalb braucht eine seriöse Vermögensbesteuerung andere Mechanismen und internationale Abstimmung.

          Aber aus „die Reichen könnten dagegen sein“ folgt eben genauso wenig „die Steuer funktioniert“ wie aus „die Reichen warnen davor“ automatisch „sie funktioniert nicht“. Kishon ist Satire, keine volkswirtschaftliche Evidenz.

  • Sole Mio

    Was würde denn in der Wirtschaft unternommen werden, wenn einem Unternehmen die Kunden und damit die eigene Existenzbasis mehr und mehr weg bricht?

    A:Ein weiter so mit noch extremeren Bezug auf die bisherige Firmenpolitik

    B: Analysieren weshalb der Zuspruch sinkt und was der Markt (Wähler) für Bedürfnisse hat

    • Astrid Sehnefeld

      @Sole Mio:

      Ich verstehe ihr Argument.



      Ich stimme ihm größtenteils zu.



      Allerdings DARF ein Unternehmen sich nur auf seine Absatzgruppe konzentrieren, unser Staat MUSS sich hingegen um alle Gruppen kümmern, explizit auch um Minderheiten.



      Das ist aus meiner Sicht die schwächste Stelle in der Verteidigung der Demokratie, weil es sie dort unglaublich leicht angreifbar macht - für die betroffenen Minderheiten ist es hingegen freilich der größte Trumpf der Demokratie, fraglos.



      Das ist auch der entscheidende Punkt, weshalb man eine Demokratie nicht wie ein Unternehmen führen kann -



      und das ist auch der entscheidende Punkt, weshalb Merz bisher so kläglich an seiner Kanzlerschaft scheitert.

  • Philippo1000

    Hmja,



    es hilft, bei Wahlkampfstrategien Wahlanalysen zu lesen.



    Da wird z.B. deutlich, dass die soziale Sicherheit in den Ostdeutschen Ländern als gar nicht so wichtig erachtet wird.



    Statt dessen steht Zuwanderung an erster Stelle.



    Obwohl Dobrindt eine Asylpolitik macht, die sich wenig von der "afd" unterscheidet, bringt das der Union im Bundestrend nur weitere Verluste ein.



    Die "afd" gewinnt, laut Umfragen, deutlich an Zuspruch in der Arbeiterschaft. Dies geschieht, obwohl sie laut Programm sich für Arbeiterinteressen überhaupt nicht einsetzt.



    Wie soll also das "Angebot" an "afd" Wähler aussehen?



    Eine demokratische Partei wird ihr Programm kaum auf Remigration und Abbau der Demokratie umschreiben wollen.

    Es ist eben kompliziert.



    Und wenn Argumente nicht mehr helfen, sind Verbote letztlich ein Weg.



    Die Journalisten sollten sich fragen, ob "Fundamentalopposition"



    der richtige Weg ist, die Demokratie zu stützen.



    Es gibt viele Länder, in denen Journalismus lebensgefährlich ist.



    Hier ist das nicht so.



    Wäre es nicht an der Zeit, Verantwortung für die Demokratie zu übernehmen und demokratische Arbeit auch mal positiv darzustellen?



    Ich sehe meine Verantwortung jedenfalls genau da.

    • John Travolta

      @Philippo1000:

      Zuwanderung wird von AfD und Medien zum Thema Nummer 1 gemacht, man könnte auch andere Themen Bildung, Rente, Digitalisierung etc hervorheben

  • Axel Schäfer

    Was will man Menschen in einem der einkommenschwächsten Bundesländer anbieten, die daran glauben es geht ihnen besser, wenn man alle Ausländer rauswirft und wieder russisches Erdgas importiert?

    • Karl Heinz

      @Axel Schäfer:

      Man könnte ihnen anbieten, dass ihre Steuern vorrangig für die Instandsetzung der lokalen Infrastruktur (ÖPNV, Glasfaser), der Gesundheitsversorgung und Austattung der Schulen zu verwenden. Merkel meinte mal in einem anderen Zusammenhang: Wir schaffen das.

  • Markus Hohenfellner

    Ein Kommentar wie das Licht einer Kerze in einer tiefschwarzen Nacht.

  • Andreas J

    Ich kanns nicht mehr hören. Mit vielen kann man nicht mehr reden. Die sind für die Demokratie verloren. Die AfD muss verboten werden!

    • T-Rom

      @Andreas J:

      Politik gegen die Meinung von 40% der Bevölkerung, ohne dass diese eine Partei wählen kann, von der sie sich (zu Recht oder nicht) vertreten fühlen - das würde noch zu ganz anderen Problemen führen.

      • Andreas J

        @T-Rom:

        Wenn diese Meinung nicht mehr mit dem Grundgesetz vereinbar ist, dann gibt es halt kein Angebot für diese Menschen. Bundesweit liegt die AfD nicht bei 40%, sondern bei ca. 28%.

        • T-Rom

          @Andreas J:

          Bei aller Ablehnung der AfD wage ich trotzdem zu behaupten, dass einige der Forderungen vielleicht nicht komplett mit dem Grundgesetz unvereinbar sind. Soviel Pluralität sollten wir dann doch zulassen.

      • Axel Schäfer

        @T-Rom:

        Klar, Steuern zahlen möchte auch niemand und arbeiten eigentlich auch niemand da setzen sich Staat und Gesellschaft auch einfach über die gefühlte Mehrheitsmeinung hinweg. Das hier ist keine DDR, hier gibt es keine Ausreiseverbote, wer der Meinung ist Demokratie ist nichts für ihn, der kann sich ja was "besseres" suchen. Im GG steht nicht, dass es nur gilt bis 40% in einem Bundesland ihre Meinung ändern.

      • Life is Life

        @T-Rom:

        Was haben die denn für eine Meinung?



        Ausländer raus, Frauen an den Herd, harte Auslese bereits in der Schule, Abschaffung der Grundsicherung, Gas aus Russland etc.?



        Spätestens beim ersten Nachhaken zu den daraus resultierenden Konsequenzen fällt denen nichts mehr ein.



        Im allerbesten Fall (sehr selten) ein: Ach, da müsste ich mich noch einmal genauer mit beschäftigen, im schlechteren Fall Gepöbel .....

  • DiMa

    Jein. Der Hinweis auf die Linke bei der letzten Bubdestagswahl leuchtet nur im ersten Moment ein, den es wird übersehen, welches Ergebnis die AFD bei der gleichen Wahl erreicht hat.

    Insoweit sind eigene Angebote immer richtig, nur müssen diese halt auch Mehrheiten erzeugen können. Und daran hapert es momentan.

  • Šarru-kīnu

    Um diesen Wählern wieder Angebote zu machen, müssten selbstkritisch Leitsätze der Politik der letzten 20 Jahre auf den Prüfstand. Die Bereitschaft innerhalb der Funktionselite zuzugeben Fehler gemacht und die Bevölkerung belogen zu haben, sehe ich aber weiterhin nicht. Die denken immer noch es den Proleten nur besser erklären zu müssen.



    Um die AfD zu schlagen bräuchte es daher eine echte und seriöse Alternative zum derzeitigen StatusQuo. Wer strukturelle Veränderungen wünscht, hat ja keine Partei die überhaupt gewählt werden kann. Selbst die Linke macht ja inzwischen hauptsächlich auf Besitzstandswahrung.

  • Astrid Sehnefeld

    Vollste Zustimmung Herr Wallraff!



    "Wäre es vor den Wahlen (...) nicht viel wichtiger, wenigstens den Versuch zu unternehmen, die vielen Menschen dort anzusprechen" - ja, wäre es. Aber es kommt schon lange keiner mehr. Die AfD ist jedes Jahr mehrmals in meinem Dorf. Grillfest, Bürgersprechstunde, selbst zur Blutspende schaut die AfD vorbei. Andere Parteien? Fehlanzeige.



    SPD, Grüne, Union laden auf den Marktplatz in 21 Kliometern Entfernung - vor Wahlen. Sonst nicht.



    Zur letzten Bundestagswahl hingen nur noch AfD Plakate im Ort und eines von Die Linke - SPD, Grüne, Union waren im gesamten Ort NICHT zu sehen.



    Ihr Fazit Herr Wallraff trifft den Nagel auf den Kopf: "Bei vielen Ostdeutschen, die sich sowieso schon viel zu oft vernachlässigt und belehrt fühlen, könnten die Drohungen aus dem Westen kurz vor der Wahl den letzten Ausschlag geben, um nun erst recht die AfD zu wählen" - so sieht's aus, so wirds laufen.



    Wo sind Klingbeil, Özdemir oder die anderen Verbotsbefürworter?



    Kommt zu uns in die Dörfer, seid vor Ort, spart euch eure Weisheiten aus entfernten Metropolen - die AfD wurde hier Volkspartei weil sie die einzigen sind, die Anwesenheit und Interesse zeigen.



    Leider.

    • Klabauta

      @Astrid Sehnefeld:

      Auch in diesem Forum konnte mir immer noch Keine*r erklären, warum inzwischen ca. 42% der Leute es vorziehen, eine Partei zu wählen, die nach unten tritt.

      Was bleibt den Menschen in Sachsen-Anhalt, die keine AfD wollen? Wohl nur die Wahl zwischen auswandern und dem alten Slogan der DDR-Opposition "Bleib im Land und wehre dich täglich!" Viel Glück damit.

      • PeWi

        @Klabauta:

        Ihr Kommentar, mit dem Sie nicht auf die Punkte von Frau Sehnefeld eingehen, bestätigt doch nur ihre These, dass zu viele Politiker und Anhänger der "etablierten" Parteien lieber in ihrer eigenen Welt leben wollen - von der aus sie bequem "nach unten treten" können, nämlich auf die AfD-Wähler und sich über deren Ansichten und Dummheit mokieren.

        Vielleicht wählen ja viele, nicht nur "im Osten", die AfD, weil sie seit Jahren das Gefühl haben, nach ihnen werde nur getreten, wenn sie sagen, was sie bewegt.

    • Šarru-kīnu

      @Astrid Sehnefeld:

      So ist es auch bei uns. Die AfD steht als einzige Partei das ganze Jahr am Marktplatz. Für die anderen Parteien sind wir dagegen nur die Provinzler aus dem Tal der Ahnungslosen. Die Ergebnisse sind nun wirklich kein Wunder gemessen an der Verachtung, die uns relativ offen entgegengebracht wird.

  • Pico

    "Der Neid ist die aufrichtigste Form der Anerkennung", sagte schon Wilhelm Busch.



    Deswegen: Macht es besser als die AfD. Zumindest fangt mal an "was zu machen". Zeit und Mandate habt ihr doch.

  • Jalella

    Eigene Angebote wären super. Schon vor Jahren hätte man die machen sollen, statt das Gegenteil zu tun. Macht man aber nicht. Die neoliberale Front schlägt weiter in die Kerbe der Rechtsextremen und muss teilweise selbst als rechtsextrem bezeichnet werden. Oder was würde z.B. ein AfD-Innenminister anders machen als Dobrindt?

    Problemchen ist, dass es jetzt aber auch keiner mehr glauben würde. Wenn die sPD plötzlich in einem verstaubten Zeitungsartikel Sprüche ihrer Vorfahren-Partei findet, die sozial klingen, wer würde ihnen das nach 30 Jahren neoliberaler Politik abnehmen? Eine Arbeitsministerin, die "bis an die Grenze dessen geht, was das GG hergibt" um arme in Not geratene Menschen noch mehr in den Abgrund zu schubsen, statt "bis an die Grenze dessen zu gehen, was das GG hergibt" um Immobilienkonzerne zu vergesellschaften, hat ein Adjektiv mit dem Bestandteil "sozial" höchstens in Form von "antisozial" verdient.

    Und natürlich müsste man was gegen die Gründe tun, aber wenn der Zug wenige Meter vor der Mauer steht, zieht man eben die Notbremse. Und ein AfD-Verbot wäre eine Notbremse. Auch wenn der Zug dann erstmal auf der Strecke steht und die Passagier nicht an ihr Ziel kommen.

    • Zippism

      @Jalella:

      Die Notbremse-Metapher ist hübsch – nur sollte man vielleicht vorher klären, ob der Zug tatsächlich auf eine Mauer zufährt oder ob man gerade versucht, die Fahrgäste wegen der eigenen politischen Orientierungslosigkeit aus dem Zug zu werfen.

      Und dieses „Die anderen Parteien machen keine eigenen Angebote“ ist doch gerade der interessante Punkt: Wenn Millionen Menschen bestimmte Themen wichtig finden – Migration, innere Sicherheit, Sozialstaat, Energiepreise –, dann reicht es nicht, ihnen zu erklären, dass ihre Prioritäten moralisch minderwertig sind. Genau dieses Herablassen gegenüber den Wählern erlebt man seit Jahren. Und dann wundert man sich, dass die AfD stärker wird.

      Ein Parteiverbot ersetzt jedenfalls keine Politik. Es beseitigt weder die Ursachen der Unzufriedenheit noch die Wähler. Die stehen am nächsten Morgen immer noch da – nur ohne die Partei, die ihre Stimme bisher bekommen hat. Wer wirklich verhindern will, dass die AfD stärker wird, sollte vielleicht versuchen, diese Menschen politisch zurückzugewinnen, statt sie mit einer juristischen Notbremse aus dem Zug zu befördern.

    • Grenzgänger

      @Jalella:

      > AfD-Verbot wäre eine Notbremse







      Das heisst, Art. 21 GG kann ersatzlos gestrichen werden?

      • Jalella

        @Grenzgänger:

        Verstehe ich nicht. Genau darum geht es doch in Artikel 21: diese Partei zu verbieten. Nur, dass das natürlich politisch nicht das Einzige bleiben darf. Durch das Verbot ist die Ideologie ja noch nicht aus der Welt. Die Menschen haben ja einen - wie auch immer gearteten - Grund. Oft Enttäuschung von allen anderen Parteien, die ihnen die sozioökonomische Sicherheit und Zukunft stehlen mit ihrer neoliberalen Politik.

        • Grenzgänger

          @Jalella:

          Sicher ist durch ein Verbot die Ideologie nicht aus der Welt: sieht man ja an der AfD! Ehemalige NPD-Kader - heute nennen sie sich 'Heimat' - und andere rechte Hasardeure tauchen bei denen als "wissenschaftliche Mitarbeiter" auf und gehen im Bundestag ein und aus. Das wäre bei einem AfD-Verbot ja kaum anders: auch die Helferichs und Marcel G. würden ja nicht in der Versenkung verschwinden. Schon Brecht erkannte: "der Schoß ist fruchtbar noch aus dem das kroch!"

          Und wenn ein Verbot nicht das Einzige bleiben darf: welche Alternativen gibt es ausser die Staatsfinanzierung zu kappen?

  • Martin Rees

    "...Drohungen aus dem Westen kurz vor der Wahl den letzten Ausschlag geben"



    Gut möglich, sogar m.M.n. eher ziemlich wahrscheinlich nach der bekundeten und nachlesbaren Entwicklung zuletzt!