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Deutsch-russiches Treffen in New York Nicht satisfaktionsfähig

Kommentar von

Barbara Oertel

Das Gespräch zwischen Wadephul und Lawrow zeigt Russlands Desinteresse an Verhandlungen. Die Demütigung hätte der Außenminister sich ersparen können.

W ie heißt es in der Sprache der Di­plo­ma­t*in­nen so schön? Man dürfe den Gesprächsfaden nicht komplett abreißen lassen. Genau solch einen Versuch hat Bundesaußenminister Johann Wadephul unternommen, als er am Samstag am Rande der UN-Generaldebatte in New York das Gespräch mit seinem russischen Amtskollegen Sergei Lawrow suchte.

Immerhin: Es war der erste direkte Austausch zwischen den Chef­di­plo­ma­t*in­nen beider Länder seit Januar 2022. Da war bekanntermaßen noch die Grüne Annalena Baerbock im Amt, die für die russische Seite von Anfang an nicht satisfaktionsfähig war.

Das ist Wadephul auch nicht. Der CDU-Mann musste sich von Lawrow demütigen und vorführen lassen. Man habe von Berlin nichts Neues erfahren, ein Telefonat hätte es auch getan, lautete Lawrows boshafte Quintessenz des Treffens.

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Zumindest in diesem Punkt scheint es Gemeinsamkeiten zu geben. Aus Moskau ist seit dem Beginn seiner vollumfänglichen Invasion in die Ukraine am 24. Februar 2022 ebenfalls nichts Neues zu vernehmen. Deeskalation? Wieso? Mit den Drohnen auf dem Leipziger Flughafen habe Russland rein gar nichts zu tun. Stattdessen das altbekannte Credo: „Wir bomben weiter – verhandelt wird nur zu unseren Bedingungen.“

Und warum sollte Russland auch anders agieren? In den völkerrechtswidrig besetzten ukrainischen Gebieten werden die Be­woh­ne­r*in­nen an die Urnen gezwungen. Zwei russische Oligarchen werden von der EU-Sanktionsliste gestrichen, weil einigen EU-Staaten ihre Partikulatinteressen wichtiger sind als die Ukraine. Und als sei das noch nicht genug, ergeht an Wladimir Putin aus den USA auch noch eine Einladung, am G20-Gipfel in Miami teilzunehmen.

Aus der Sicht Moskaus jagt also eine Erfolgsmeldung die nächste. Warum Wadephul dennoch Chancen für Verhandlungen sieht, bleibt sein Geheimnis. Fest steht: So nachvollziehbar wie der jüngste Vorstoß auch sein mag, Lust auf mehr macht er wahrlich nicht.

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Barbara Oertel Ressortleiterin Ausland

Geboren 1964, ist seit 1995 Osteuropa-Redakteurin der taz und seit 2011 eine der beiden Chefs der Auslandsredaktion. Sie hat Slawistik und Politikwissenschaft in Hamburg, Paris und St. Petersburg sowie Medien und interkulturelle Kommunikation in Frankfurt/Oder und Sofia studiert. Sie schreibt hin und wieder für das Journal von amnesty international. Bislang meidet sie Facebook und Twitter und weiß auch warum.
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24 Kommentare

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  • Thomas Westhoff

    Ich hoffe sehr, dass Herr Pantisano diesen Artikel ebenfalls liest und sich dazu Gedanken macht. Eben in der Tagesschau war er noch ganz begeistert von der erneuten Aufwertung der russischen Invasoren.

  • Pico

    Jedes Gespräch ist wichtig und richtig. Wer erwartet, dass danach Russland den Krieg beendet, sollte weiter träumen. Aber nur mit Gesprächen und Verhandlungen ist dieser Krieg zu beenden.

  • Markus Schäfer

    Und wenn es auch nur innenpolitisch dazu dient, zu zeigen, dass man an Gesprächen interessiert ist und Russland eben nicht.

  • Michael Dietrich

    Mit Kriegsverbrecher verhandeln? Man kann wirklich alles übertreiben.

  • Gerald Müller

    Wenn ich mir den Artikel in der Welt über das Treffen und was Wadephul gesagt hat durchlese dann kann ich nur sagen dass das Ganze eher einer innenpoilitschen Motivation entsprungen ist als einem echten Wunsch zur Annäherung.



    "Wadephul habe außerdem „die anhaltende, immer zielgerichtetere russische Aggression gegen die ukrainische Zivilbevölkerung“ verurteilt und Russlands „untragbare Lage“ hervorgehoben: „Jeden Monat sterben zehntausende russische Soldaten in einem aussichtslosen Stellungskrieg, während die russische Wirtschaft immer weiter“ zusammenbreche"



    Was soll denn das? Lawrow weiss das alles selbst, und anderen zu sagen was bei ihnen falsch läuft ist selbst bei persöhnlichen Beziehungen sehr oft nicht hilfreich.



    Wadephul will durch vorgetäuschte Annäherung (die zum Ziel hat zu zeigen dass die Russen das nicht wollen) Wähler in Deutschland von der AfD zurückgewinnen und gleichzeitig auf der linken Seite punkten indem er den Russen sagt wo der Hammer hängt. Seufz. Diplomatisch geht anders. Sein Spitzname "whatafool" triffts ziemlich genau.

  • Bürger L.

    Ich teile nicht die Auffassung, dass so ein Gesprächsversuch sinnlos ist.



    Ich glaube nicht, dass unser Außenminister erwartet hat, dass sein Kollege sich dafür bedankt, dass ihm endlich mal jemand sagt, dass der Krieg gegen die Ukraine nicht in Ordnung sei und das mit der Drohne in Leipzig auch nicht.

    Ich bin kein Fan von Herrn Wadephul, aber dass er Gesicht gezeigt hat, um daran zu erinnern, dass es außer Herrn Trump und seinem Schwiegersohn noch andere gibt, die ein Interesse an der Beendigung des Krieges haben finde ich in Ordnung

    Es wäre naiv anzunehmen, dass Herr Lawrow plötzlich freundlich reagiert. So unangenehm das auch sein mag, wird man einen langen Atem und ein dickes Fell benötigen, um irgendwann an Gesprächen zur Beendigung des Krieges mit beteiligt zu sein.



    Dabei einen Fuß in die Tür zu bekommen ist auch im deutschen Interesse.



    So ein kurzer erster Kontakt nach vier Jahren Sendepause ist da zumindest ein richtiger erster Schritt. Herr Wadephul wird`s verkraften - geduldiges Dranbleiben ist da gefragt.

    • Lowandorder

      @Bürger L.:

      Indeed. Der Mann versteht sich als Nordfriese vun achtern Diik - nix Trallafitti…

    • Metallkopf

      @Bürger L.:

      Sehe ich genauso. Okay, man ist abgeblitzt, aber immerhin kann man dann Herrn Lawrow das nächste Mal entsprechend kommentieren, wenn er von "Augenhöhe" spricht.

      Man sieht sich immer mehrmals im Leben.

    • Kohlrabi

      @Bürger L.:

      Sehe ich auch so. Über kurz oder lang muss mit Russland verhandelt werden. Nach den französischen Präsidentschaftswahlen wird wahrscheinlich ohnehin Bewegung in die Sache kommen, unabhängig von ihrem Ausgang. Warum soll Deutschland da am längsten in der Schmollecke stehen? Ein Durchbruch war nach Jahren der Funkstille nicht zu erwarten, das gegenseitige Kennenlernen ist schon mal mehr als nichts.

    • Machiavelli

      @Bürger L.:

      Wird beim ersten Schritt bleiben, Russland zeigt keinerlei Kompromiss oder Friedensbereitschaft.

  • Kunoberti

    Einen Versuch wars wert, denk ich mir.

  • Kay Brockmann

    Demütigung? Sieht Wadephul ja selbst nicht so. Warum also diese „Kriegs“-Rhethorik im Kommentar? Führt zu nix .

  • Axel Schäfer

    Den Mut sich die absehbare Abfuhr vom Vertreter der Kriegsverbrecherregierung abzuholen muss man auch haben. Was sagen denn die AgD und die Wagenknechte dazu?

  • Encantado

    "Das Gespräch zwischen Wadephul und Lawrow zeigt Russlands Desinteresse an Verhandlungen. Die Demütigung hätte der Außenminister sich ersparen können. "



    Immerhin bringt es hoffentlich diejenigen ein wenig zur Zurückhaltung, die immer behaupten, man müsse ja nur mehr verhandeln.

  • Christoph

    Wenn ein Betonkopp zeigt, dass er nichts anderes ist, als eben ein Betonkopp, disqualifiziert es nur den Betonkopp, und demütigt nicht den, dem er bewiesen hat, dass er ein Betonkopp ist und nichts anderes!

  • Juhmandra

    Ich verstehe überhaupt nicht, warum versucht wird, mit denen zu verhandeln.



    Ich verhandele doch nicht mit demjenigen, der Schuld an dem Desaster hat.



    Ich habe den Eindruck, daß sich mit jedem Monat/Jahr, welchen der Krieg länger dauert, die Ursache immer mehr verwässert.



    Irgendwann glauben dann wohl die Ukrainer selbst daran, daß es kein Überfall war.

    • elektrozwerg

      @Juhmandra:

      "Ich verhandele doch nicht mit demjenigen, der Schuld an dem Desaster hat."

      Woher wollen Sie wissen, dass wir verhandeln? Vermutlich hat man sich gegenseitig die bekannten Maximalforderungen wiederholt und das wars.



      Mehr scheint nicht zu passieren.

    • Kay Brockmann

      @Juhmandra:

      … stand gerade in einem anderen TAZ-Artikel über die „Zeitenwende“:



      „ Demnach ist die Ukraine wohl nach mehr als vier Jahren Krieg inzwischen so weit, dass sie nicht mehr alle im Land hergestellte militärische Technik und Ausrüstung selbst braucht, um die russische Aggression zu bekämpfen – sie kann auch für den Export und damit gewinnbringend produzieren. „ Könnte man auch mal drüber nachdenken .

  • ja wirklich?

    Lawrows Taten und Nicht-Taten haben wir schon zu Genüge kennen gelernt. Nicht Neues also.

  • LichtDerWahrheit

    Solange weite Teile der Russischen Bevölkerung glauben, wir Westeuropäer wären verweichlicht und würden bei einem Angriff auf Nato Gebiet klein bei geben, wird Putin weiter eskalieren.

  • Il_Leopardo

    Ich hoffe, Sahra Wagenknecht ließt diesen Artikel. Vielleicht kapiert sie dann endlich, dass man mit Moskau nicht verhandeln kann.

  • Lowandorder

    Mr Njet 2.0



    🤖…Wie Gromyko gilt auch Lawrow als exzellenter Kenner des internationalen Rechts und als rhetorisch extrem harter, oft sarkastischer Verhandler.…



    zeigte sich dieser kompromisslose Kurs beim UN-Gipfel in New York, wo ein überraschendes bilaterales Treffen mit dem deutschen Außenminister Johann Wadephul keinerlei Annäherung brachte und Lawrow den Nutzen solcher Gespräche anschließend öffentlich bezweifelte.“

    Na Mahlzeit - Wadi hatte keine Chance -



    Aber er hat sie genutzt! 🙀

  • wheredallthegoodpeoplego

    Auch wenn das jetzt erstmal nach Pleite aussieht, ist dieser Versuch eines Gesprächs meines Erachtens aus mindestens zwei Gründen gut: Es ist weiterhin erkennbar wess Geistes Kind die russische Regierung ist, und diejenigen politischen Kräfte in Deutschland, die permanent davon salbadern, daß man ja nur mit den Russen verhandeln müsste, dann würde alles gut (für wenn außer der rR weiß man nicht, aber vernachlässigbar) haben jetzt erstmal wieder für eine Weile Pause, bzw können daran erinnert werden, daß die Verhandlungsbereitschaft auf russischer Seite genau null ist.

  • Thutmerwe

    Wenn der Gesprächsversuch von Wadephul auch sonst nichts gebracht haben sollte, kann man in Zukunft zumindest darauf verweisen, wenn aus den Reihen von Wagenknecht, Chrupalla oder anderer "Friedensfreunde" mal wieder verlangt wird, man dürfe Rußland nicht vor den Kopf stoßen sondern müsse verhandeln. - Nicht daß ich ernsthaft glaube, das würde bei diesem Personenkreis etwas bewirken.