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AfD-Wähler in Sachsen-Anhalt Eine verlorene Generation

Dana Müller

Kommentar von

Dana Müller

Die AfD in Sachsen-Anhalt startet ihren Wahlkampf und hat Zustimmungswerte von 40 Prozent. Kein Wunder, die einstigen Neonazis sind nie verschwunden.

W o kommen nur die vielen AfD-Fans her? In öffentlichen Debatten entsteht für mich oft der Eindruck, der rechtskonservative Backlash sei ganz plötzlich vom Himmel gefallen. Allein das Wort „Rechtsruck“ suggeriert eine unvorhersehbare Veränderung. Da wählen die sogenannten unbescholtenen Bür­ge­r:in­nen auf einmal eine Partei, die mit rechten und zum Teil menschenverachtenden Parolen auf Bäuerinnen-Fang geht.

So will die AfD in Sachsen-Anhalt, wo sie vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft wird, den Schwangerschaftsabbruch wieder kriminalisieren – ein Straftatbestand, der in der DDR bereits 1972 abgeschafft wurde. Behinderte Kinder sollen zukünftig „normal begabte Kinder“ nicht in Integrationsklassen beim Lernen stören und die Regenbogenfahne soll an Schulen verboten werden. Dafür plädieren sie für das tägliche Hissen der Deutschlandfahne an pädagogischen Einrichtungen und „das gemeinsame Singen der Nationalhymne im Kreise der gesamten Schüler- und Lehrerschaft“ bei Feierlichkeiten.

Außerdem will die AfD die Antifa zur Terrorvereinigung erklären, Gelder für „linksextreme Vereine“ streichen und „pervers-linke Agitation“ beenden. Das Grundrecht auf Asyl wollen sie gleich ganz abschaffen und in Sachsen-Anhalt aus sämtlichen Aufnahmeprogrammen austreten. Und mit genau diesen nationalistischen, frauenfeindlichen, ableistischen und rassistischen Wahlversprechen erhält die Partei Prognosewerte von rund 40 Prozent. Warum finden Wählende diese rückschrittlichen und menschenverachtenden Ziele unterstützenswert?

Dana Müller

ist freie Journalistin. Bei „L-Mag“ arbeitete sie erst als Redakteurin und war bis 2022 Chefredakteurin. Gemeinsam mit Steff Urgast veröffentlichte sie nun in der Reihe „in*sight/out*write“ im Querverlag das Buch „Feministisch im Job. Wir arbeiten dran“.

Auch wenn es gruselig ist, überrascht mich das wenig. Denn ich stamme aus einem beschaulichen Dorf in Sachsen-Anhalt, am Rande des Harzes. Vor über 15 Jahren verließ ich das Landleben für die Großstadt Berlin. Ganz hinter mir lassen kann ich aber weder meine Ostbiografie noch meine Erfahrungen. Trotz meiner queeren und linken Bubble finden sich in meinem erweiterten Bekanntenkreis heute unzählige Leute mit einem Faible für Rechtspopulist:innen.

Wetten, die Demokratie gewinnt? ​

Nach den Wahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern droht erstmals eine AfD-Regierung. Die taz berichtet, was auf dem Spiel steht – und wer jetzt die Demokratie verteidigt. Alle Texte zur Serie finden Sie hier.

Keine „unbescholtenen Bürger:innen“

Da ist zum Beispiel eine links denkende Freundin, deren alleinerziehende Mutter einst bei der SPD aktiv war und die in Rente plötzlich die gleichen vorurteilsbeladenen Parolen wie Rechte von sich gibt. Eine andere engagierte Freundin macht sich Sorgen, wo wohl ihre konservativen Brüder mit einer gewissen Nähe zur Bundeswehr ihr Kreuz setzen werden.

Das Logo der taz: Weißer Schriftzung t a z und weiße Tatze auf rotem Grund.
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Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Und dann sind da noch all die alten Klas­sen­ka­me­ra­d:in­nen von der Realschule, mit denen ich einst Schulbank und Freundschaften teilte und die irgendwann auf dem Weg ins Erwachsenenleben scharf rechts abbogen. Da wird heute groß „Ostfront“ und Hetze gegen Geflüchtete gepostet, Corona geleugnet und Diskussionen um Tempolimit, Heizungsgesetz und Klimawandel als Beschneidung der eigenen Freiheit empfunden. Die Liste meiner Facebook-Blockaden ist lang.

Für mich steht fest: Ein Großteil der AfD-Anhänger:innen war nie „unbescholten“. Nur haben sie es sich in den vergangenen Jahrzehnten bequem eingerichtet. Ich habe mich rechten Parolen widersetzt und die Gewalt der Baseballschlägerjahre erlebt. In meiner Gegend gab es Dörfer, die konnte und wollte ich nicht betreten, weil dort gewaltbereite Faschos die Mehrheit hatten.

Es gab Dorffeste, da wurden lauthals Nazi-Lieder gesungen, während die An­woh­ne­r:in­nen fröhlich mitschunkelten. Und vor einer Grufti-Disko lauerten regelmäßig Schlägerhorden den Feiernden auf. Was wurde wohl aus den Baseballschläger-Trupps dieser Zeit, die im Übrigen nicht nur aus Männern bestanden?

Die Schlägerbanden sind erwachsen geworden

Damals tat man das als jugendliche Subkultur ab, als ein unschönes Problem im Osten. Dabei nutzten rechte Kameradschaften und Parteien den Mauerfall blitzschnell, um ihre Propagandamaterialien an Jugendeinrichtungen und an Schulen zu verteilen. Und die desorientierten Teen­age­r:in­nen mit ihren arbeitslos gewordenen Eltern fielen darauf rein, während andere Erwachsene wegschauten.

Polizei, Gerichte, Medien, Politik und Eltern begriffen lange nicht das Ausmaß der Gewalt in Ost und West. Man denke nur an NSU und Rostock-Lichtenhagen. Heute sind die gewaltbereiten Neonazis von damals wie ich Ü40. Sie haben sich größtenteils in ihrem kleinbürgerlichen Alltag eingerichtet, Familien gegründet, Ausbildungen gemacht, Berufe ergriffen oder Unternehmen gegründet.

So wird der Webshop für die Kampagnen von Sachsen-Anhalts AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund von einem ausgewiesenen Rechtsextremisten betrieben. Torsten G. wird vom Verfassungsschutz als einer „der zentralen Akteure der rechtsextremen Szene“ eingeordnet. Er war bei der Jugendorganisation der NPD aktiv und wechselte später zur Identitären Bewegung (IB). Sein Unternehmen betreibt einen bekannten Szeneshop, der rechtsextreme Aufkleber und Bücher vertreibt.

Kein reines Ost-Problem

Und das ist nicht nur im Osten so. Walter Lübcke, Kassler CDU-Politiker, wurde 2019 von einem mehrfach vorbestraften Neonazi ermordet, der viele Jahre unauffällig in seinem Einfamilienhaus mit Frau und Kindern lebte. Aber im Osten wurden die sogenannten Wendejahre und der Biografiebruch vieler Ostdeutscher nie aufgearbeitet.

Gerade für meine Generation – die Kinder und Jugendlichen der 90er Jahre – bedeutete der Mauerfall eine Identitätssuche unter außergewöhnlichen Umständen. Wer damals früh intensive Kontakte mit rechter Gehirnwäsche bekam, legt dieses Mindset so schnell nicht wieder ab.

Wir müssen dringend die Zeit der Baseballschlägerjahre aufarbeiten, damit nicht noch eine Generation verloren geht

Ganz sicher sind die 40 Prozent Wählerschaft der AfD nicht alles ehemalige Schläger:innen. Aber sie finden hier eine lang ersehnte Heimat für ihr menschenverachtendes Weltbild. Und ist einmal eine kritische Masse erreicht, läuft das Schneeballprinzip unbegrenzt weiter, der gesellschaftliche Rechtsruck ist da keine Ausnahme. Deshalb müssen wir dringend die Zeit der „Baseballschlägerjahre“ aufarbeiten, damit nicht noch eine Generation verloren geht.

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92 Kommentare

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  • Danke Frau Müller für diesen sehr interessanten und persönlichen Einblick, der teilweise verständlich macht, warum Millionen Bürger im Osten rechtsextrem wählen.



    Zwei Drittel der Rentner in Mecklenburg-Vorpommern droht Armut, während die Bundesregierung das Wohngeld kürzt.



    Aufgrund der massiven Aufrüstung und Industriestagnation droht in den nächsten Jahren weiterer sozialer massiver Kahlschlag.

    Optimale Bedingungen für die Lügen der AFD, denn eine kritische Debatte darüber, dass die Rüstungsmilliarden zu massiven Kahlschlag im Sozialgefüge führt wird, wird politisch und medial nicht geführt. Stattdessen z. B. im Spiegel ein Bericht, dass grüne Politiker Praktika bei der Bundeswehr machen, um sich zu ertüchtigen. Die AFD kann punkten, wenn z. B. im Rüstungsbreich (digitaler Rundfunk) 2 Milliarden im Bürokratiemoloch der Bundeswehr versenkt werden, ohne das der Pistorius dafür Verantwortung trägt.

  • Wähler einer rechtsextremen Partei als rechtskonservativ zu bezeichnen, ist eine Verharmlosung. Rechtskonservativ ordne ich der CDU/CSU zu, aber nicht der AfD.

  • Das Problem ist das Deutschland, Politik und Medien, in den letzten 25 Jahren so weit nach links gerutscht sind das heute ein Schritt zur alten Mitte schon ein Schritt nach Rechts ist.

    • @Günter Witte:

      "...Politik und Medien, in den letzten 25 Jahren so weit nach links gerutscht sind..."



      Mit der Folge, dass es eine "alte Mitte", auf die man einen Schritt zugehen könnte, nicht mehr gibt.



      Das stellt Menschen vor die Wahl zwischen Pest und Ebola. Und da ist es dann reine Statistik, dass einige davon Ebola wählen.

    • @Günter Witte:

      Wenn sie mal Zeit haben können sie sich bei



      YouTube Aussagen von Lena Kotre anhören um nur



      mal eine zu nennen.



      Das was zum Teil von AfDler abgelassen wird hat aber mal so gar nichts mit der Mitte zu tun.

    • @Günter Witte:

      ***... das Deutschland, Politik und Medien, in den letzten 25 Jahren so weit nach links gerutscht ... ist.***

      Dieses Märchen erzählen die Konservativen - die sich immer mehr nach rechts bewegen - ja schon seit Jahren sehr gerne.

      Kanzler Merz erzählt ja auch immer, dass er mit einem Bankkonto von 12 Millionen Euro und einem Privatflugzeug zur Mittelschicht gehört. Weiter als 'bis zur Mitte' geht es wohl gedanklich nicht für Konservative, selbst wenn sie schon sehr weit rechts stehen.

      Die "linke Gefahr" muss man als Konservativer natürlich auch ständig erwähnen, denn dann kann man getrost den größer werdenden Rechtsruck in Deutschland als völlig normal und harmlos ansehen.

    • @Günter Witte:

      Die Dinge die hier im Artikel beschrieben werden, wie Hetze gegen Geflüchtete, Nazi-Lieder, Propaganda und Fake News bis hin zur Ermodung von humanitär engagierten Politikern waren auch 2001 nicht das was in der "alten Mitte" üblich war. Die NPD kam bei der Wahl 2002 auf gerade mal 0,4% der Zweitstimmen. Die Union führte damals einen Wirtschaftswahlkampf und warb mit Arbeitsmarkt- und Sozialreformen, ihre damaligen Forderungen zu Ausländerrecht und Zuwanderungen entspachen eher dem was inzwischen von der SPD vertreten wird.



      Heute versammelt sich ein knappes Drittel der Wähler hinter Positionen die am ehesten jenen der damaligen NPD entsprechen.



      Die Erzählung von der angeblich so weit nach links gerutschten Gesellschaft und der angeblichen Rückkehr zur "alten Mitte" (oder auch dem "Deutschland, aber normal." der AfD) ist nur eine billige, taktische Lüge mit der Rechtsextremen ihre "Selbstverharmlosung" (Kubitschek) betreiben.

      www.hss.de/fileadm...-09-22-kurz_01.pdf

    • @Günter Witte:

      Es gab keinen Linksruck. Der angebliche Linksruck ist nur die lahme Ausrede für den massiven Rechtsruck von Teilen der Gesellschaft. Vor 20 Jahren gab es niemand, der Millionen Leute deportieren wollte, es gab kaum jemand, der gleiche Rechte für alle in Frage stellte, es gab so gut wie niemand, der andere "Rassen" (im AfD-Sprech wird heute "Kulturen" benutzt, bedeutet aber exakt dasselbe) für minderwertig hielt. etc. pp

  • Dass die AfD ein vor allem ostdeutsches Problem sei, dass sich irgendwie aus Neonazistrukturen entwickelt habe, halte ich für eine steile These.

    Rein empirisch gibt es im Westen Deutschlands viel mehr AfD-Wähler. Deren Anteil bei den Bio-Deutschen dürfte ähnlich hoch sein, wie im Osten. Es gibt im Osten einfach noch immer weniger Migranten, die die Wahlen „verdünnen“.

    Die AfD ist eine gesamtdeutsche Partei, die konservative und national denkende Menschen abholt. Dazu braucht es keine kriminelle oder irgendwie komische Vergangenheit.

    • @Leo Onlin:

      Stramme Aussage sie Sie da machen. Von wegen "AfD konservativ denkende Menschen abholen" .



      Wir hoffen doch alle, dass dieses "abholen" sich nie wiederholt.

    • @Leo Onlin:

      Also nu mal Butter bei die Fische:



      - Wählen "Nicht-Bio-Deutsche" (wie meinten vermutlich das, was im 3. Reich unter "fremdvölkisch" firmierte) die AfD nicht?



      - Wie lange muss eine Familie inklusive Nachkommedn in Deutschland leben, um vom "Nicht-Bio-Deutschem" zum "Bio-Deutschem" zu werden?



      - Mit "Verdünnen" meinen Sie vermutlich das deutsche (der besser toitsche) Blut, vermute ich?



      - Sind Sie es, Herr Liebich?



      Fragen über Fragen.

    • @Leo Onlin:

      In dem Artikel geht es um Sachsen-Anhalt und wie es dazu kommen konnte, dass die AfD den Umfragen zufolge dort 40% erreicht.

      "Deren Anteil bei den Bio-Deutschen dürfte ähnlich hoch sein, wie im Osten. Es gibt im Osten einfach noch immer weniger Migranten, die die Wahlen „verdünnen“."

      Ehrlich gesagt finde ich diesen Satz und dessen Implikationen unterirdisch, weil er Wählende in "echte" und "unechte" Deutsche einteilt. Und in den ostdeutschen Bundesländern gibt es, so unterstellen Sie, eben mehr "echte" Deutsche, und die denken "konservativ und national".

      Und doch, man sollte auf die "irgendwie komische" Vergangenheit schauen, und zwar bis weit in die Geschichte der DDR zurück. Ich verweise auf den Wikipedia-Eintrag zu Rechtsextremismus in der DDR. Von Beginn an wurden Kontinuitäten aus der Nazizeit und existierender Rechtsextremismus tunlichst totgeschwiegen.



      Es wäre höchste Zeit für eine Bewegung, wie es sie 1968 im Westen gab, um all das endlich aufzuarbeiten.

    • @Leo Onlin:

      Die AfD ist rechtsradikal und nicht konservativ. Sie können das in den diversen Verfassungsschutzberichten nachlesen.

    • @Leo Onlin:

      Na, dann nennen Sie mir doch mal westdeutsche Bundesländer, in denen die Zustimmungswerte für die AfD bei 40% liegen.

      • @Il_Leopardo:

        Für Bundesländer reicht es glücklicherweise noch nicht - aber eine Nummer kleiner (Regionen und Wahlkreise) gibt es leider schon zur Genüge...

      • @Il_Leopardo:

        Wenn man 30-35% Menschen mit Migrantionshintergrund und Einwanderung in den letzte 30 Jahren abzieht und dann nach dem Anteil der AfD-Sympathisanten schaue, kommt man auf ähnlich hohe Quoten wie aktuell in Sachsen-Anhalt und M-V.

        Das hat nichts mit echten oder unechten Deutschen zu tun, sondern mit einer möglichen nazi-artigen Vergangenheit zu Anfang der 90er Jahre. Oder wie viele Rechtsradikale mit Migrationsgeschichte kennen Sie?

        Aber klar, der Osten ist etwas anders als der Westen, rechtsradikaler ist er meines Erachtens aber nicht.

  • Ich glaube tatsächlich nicht, dass sich die Mehrheit der aktuellen AFD Wähler*innen aus dem Kreis der Neonazi-Szene speist. Vielmehr glaube ich, dass das dies eine Folge der Unzufriedenheit breiter Wählergruppen mit der Politik von CDU / FDP und teilweise der SPD ist. Vor allem die CDU hat in der Vergangenheit massiv ihre Wahlversprechen gebrochen. Aus den versprochenen Entlastungen der Mittelschicht wurden am Ende Belastungen. Ich denke, dass viele nur die AFD wählen, um der CDU bzw. der SPD einen Denkzettel zu verpassen, damit die in Zukunft wieder Politik für ihre Stammwählerschaft machen. Man darf dabei auch nicht vergessen, dass es im Gegensatz zum linken Rand im konservativen Bereich auch keine wirklichen Alternativen mehr gibt, wenn jemand mit der CDU unzufrieden ist. Die FDP hatte sich ja bereits mit der Ampelkoalition disqualifiziert. O nun eine gute Idee ist, auf die Art eine Wahlentscheidung zutreffen, ist eine andere Frage. Aber ich glaube, dass viele Wähler*innen genau so handeln.

  • Das pflänzchen was die CDU so lange genährt und gehegt und gepflegt hat (Nationalismus lokalpatriotismus und eine nie ganz klare Abgrenzungen rechts) frisst sie nun auf frisst sie nun auf. Der linke Rest hatte im Osten sowieso nie eine Chance.

    • @rodriguez:

      Sehe ich anders Rodriguez. Es gab nicht wenige, die ausgerechnet bei der CDU (De Maiziere-Jahre) so manchen Stasi-Spitzel wieder entdeckten.

      Ein wunderbarer Einstieg, für so manchen enttäuschten Ost-Bürger, zu erkennen, dass bereits zum zweiten Mal die "Obrigkeit" zum Wendehals wurde.

      Und der "linke Rest" ruht nicht. ( Persönliches Beispiel erlebt! )



      Den linken Rest langweilt es halt nur, dass es scheinbar scheißegal ist, ob Braun / Rot oder Schwarz-Rot-Gold regiert wird, dass "wir immer nur verarscht werden".

      So gab es so manche "Protest-Wahl", auch in der DDR, mit unter 70%, die dann hinterher halt "zwangsweise beschönigt" wurde.

  • "Ganz sicher sind die 40 Prozent Wählerschaft der AfD nicht alles ehemalige Schläger:innen."



    Nein, ganz sicher nicht. Ansonsten müssten unter diesen "Baseballern" auch eine Menge Leute gewesen sein, die heute über sechzig Jahre alt sind - bedenkt man die Zahl von Wählern, die nötig sind um 40% zu rekrutieren.



    Auch wenn ich in der gleichen Gegend wohne, aus der die Autorin stammt, hatte ich persönlich nie Begegnungen mit solcher Klientel. Zum Glück. Und zugegeben: Ich hätte angenommen, dass ein Teil der damals "desorientierten" Jugendlichen inzwischen "normal erwachsen" geworden ist. Vermutlich ist das - zumindest gelegentlich - auch der Fall.



    Für mich greift diese Aufarbeitung indes viel zu kurz. Das Hauptproblem steckt in der Entfremdung und Enttäuschung vieler Bürger mit den Handelnden in der Politik. Die Affäre Spahn ist da das beste Beispiel.



    Wie "durchdacht" dabei dann eine Hinwendung zur AfD ist steht auf einem völlig anderen Blatt...

    • @Der olle Onn:

      Die heutigen 60er waren damals mitte/ende 20.



      So als Ossi, der dieses Jahr noch Fuffzich wird; wemmers genauer wissen wollte, müsste mensch so mal gucken, wie sich der Nazischeiß so in den Familien gehalten hat über Generationen und ned erst zum drölfunddrümpfzigsten Mal die zwote Hälfte der hier mehrheitlich und in Freiheit gewählten zwoten Hälfte der Kohl-Ära mit Pathos überschütten.

      • @Hugo:

        Ich glaube, die Schlägerschwinger waren in der Regel eher unter zwanzig Jahre alt und würden dementsprechend zumeist - wie die Autorin erwähnt - Ü40 sein.



        Im Übrigen meinte ich mit "über sechzig..." selbstverständlich nach oben offen. Bin gerade erst in dieser Woche an so einer Traditionsmontagsversammlung vorbei gekommen. Die Hälfte davon sah aus als wollten sie eigentlich den Kaiser Wilhelm wieder haben...

  • Dass bis weit ins bürgerliche Lager der rechte Mob anschlussfähig ist ist leider eine Binse. Die "guten Bürger" leben oft in einer sehr engen Welt, die oft angst- und hassbesetzt ist. Auch wer sonst Union oder die Sozis wählt ist kulturell und politisch oft gar nicht so weit von der AfD weg. Das macht die Nazis ja so gefährlich, sie gebärden sich als die neuen Bürgerlichen.



    Dass im Osten die Erschütterungen, die Perspektivlosigkeit, stellenweise krasser waren als im Westen heißt nicht dass dieses Phänomen im Westen nicht gibt. Auch wenn es stellenweise verdruckster ausgelebt wird.

    • @FtznFrtz:

      "Dass bis weit ins bürgerliche Lager der rechte Mob anschlussfähig ist ist leider eine Binse. "

      Also hier in der Region definitiv nicht. Viele Freunde bzw. Bekannte sind Konservative, und deren Ekel vor den Rechtsradikalen ist nicht weniger ausgeprägt als meiner. Ich denke, es wird zu viel von Konservativen irgendwo in Dunkeldeutschland auf den Rest des Landes geschlossen.

    • @FtznFrtz:

      Das Weltbild ist angenehm einfach: Wer links ist, ist Demokrat. Wer etwas weniger links ist, ist "anschlussfähig". Wer konservativ ist, ist fast schon Nazi. Praktisch – so spart man sich jede ernsthafte Auseinandersetzung mit den tatsächlichen Gründen, warum Menschen unterschiedlich wählen.

    • @FtznFrtz:

      Finden Sie Ihren Beitrag nicht etwas seltsam in einer Demokratie. Die meinsten Menschen in Deutschland wählen und wählten SPD und CDU, sie mögen Spießbürger sein, aber damit verlieren sie nicht das Recht, ihre politischen Vorstellungen bei Wahlen einzubringen.

      Meine Theorie - nicht auf meinem Mist gewachsen, aber gelesen und überzeugt worden - ist sogar im Gegenteil, dass die AfD so stark ist, weil die "bürgerlichen Parteien" viel zu sehr die Vorstellungen einer großstädtisch geprägten Moderne zur Leitinie gemacht haben und diese altmodischen Werte vernachlässigt oder sogar beschimpft haben. Nicht ohne Grund ist die AfD auf dem Land stärker und die Arrorganz, die auch bei Ihrem Beitrag etwas durchschimmert, hilft da eher nicht.

      • @Dr. McSchreck:

        Das ist nicht seltsam, das ist Ausdruck von Avantgardismus.

      • @Dr. McSchreck:

        Welche altmodische Werte meinen Sie ?

        • @Worgt Michael:

          Die im Beitrag von FtzFrtz als solche spießigen Werte, dass man Wert auf Ordnung und Sauberkeit legt, funkionierende Kriminaltitätsbekämpfung vor allem, man kann auch "stabile Verhältnisse" sagen.

          • @Dr. McSchreck:

            Die Kriminalitätsrate sinkt ja seit Jahrzehnten kontinuierlich.



            Das hindert die Menschen aber nicht daran sich zunehmend unsicherer zu fühlen.



            .



            Allein die "Stadtbild" Debatte zeigt das es auch im konservativen Milieu die weit verbreitete Angst vor "Überfremdung" gibt.



            .



            In meinen Augen sind die Hauptprobleme das Wohlstandsgefälle, der bröckelnde Mittelstand, die steigenden Lebenserhaltungskosten, wirtschaftliche Stagnation, ....



            .



            Frust über die eigene Situation, eine diffuse Wut gegen "die da Oben" und die allzu menschliche Suche nach Sündenböcken.



            .



            Das lässt sich auch in den USA oder in GB beobachten.

            • @sociajizzm:

              "Die Kriminalitätsrate sinkt ja seit Jahrzehnten kontinuierlich."

              Schön aber: Gewaltkriminalität (Körperverletzung, Raub, Vergewaltigung usw.) ist nach den Corona-Jahren wieder angestiegen und lag 2023/2024 auf einem vergleichsweise hohen Niveau. Sexualdelikte sind teilweise deutlich gestiegen, wobei Gesetzesänderungen (z. B. die Reform des Sexualstrafrechts 2016) und eine höhere Anzeigebereitschaft die Zahlen beeinflussen.



              Messerangriffe werden erst seit wenigen Jahren bundesweit gesondert erfasst; hier sind zuletzt Anstiege zu beobachten, ein Jahrzehntevergleich ist aber nicht möglich.

              Die Gesamtkriminalität ist langfristig tendenziell niedriger als vor 20 bis 30 Jahren. Das bedeutet aber nicht, dass alle Kriminalitätsformen zurückgehen. Insbesondere Gewaltkriminalität ist nach der Pandemie wieder deutlich gestiegen.

              • @Zippism:

                Aber eben alles nichts was auf eine fehlende funktionierende Strafverfolgung hindeutet.



                .



                Oder die zunehmende Unsicherheit und Angst rational begründet.



                .



                Natürlich sind die Zahlen nicht einfach zu vergleichen, weil es Unterschiede bei der Gesetzgebung, Anzeigen, Strafverfolgung gibt.



                .



                Möglich ist aber ein Vergleich bei den Zahlen zu Mordopfern pro 100k Einwohner:innen.

                1993: 6.35



                2023: 3.7



                2024: 2.7-3.4

  • Um nicht in völlige Weltuntergangsstimmung zu verfallen:



    In Sachsen Anhalt wohnen 2Millionen und in Mecklenburg 1,5 Millionen Bürger*Innen.



    Das sind zusammen noch weniger als im Land Berlin leben.



    Also: natürlich sind die Umfragen unschön. ABER wir stehen damit noch nicht kurz vor der Machtübernahme.



    Ich will damit keinesfalls die Lage beschönigen, jedoch realistisch betrachten.



    Die derzeitige Untergangsstimmung gibt der „afd“ nämlich zusätzlich Auftrieb.



    Anders gesagt: Alle Wähler*Innen in den beiden Bundesländern machen nicht einmal 5% im Bund aus.



    Das heißt aber auch, dass jede Stimme zählt!



    Mit einem guten Wahlkampf ist noch Vieles möglich.



    Es brauchen keine Millionen Menschen überzeugt werden, sondern nur Tausende.



    Wenn die einfach nur wählen gehen und NICHT „afd“ wählen, kann sich so Einiges ändern.



    Ich wünsche den Wahlkämpfer*Innen der demokratischen Parteien viel Kraft, schöne Erlebnisse und letztlich viel Erfolg!

    • @Philippo1000:

      Philippo, hier, in München, ist doch schon der Bayer "zu blöd", wenn er es wagt, gegen so bescheuerte Radwege, wie auf der Lindwurmstr., Protest zu erheben.

      Da selbst die Busse im Stau standen, wird bis zur Wiesn wieder zurückgebaut. Kostet halt nur ein paar Milliönchen...

      Persönlich langweilt mich einfach der Versuch aus München ein "Frankfurt II" zu machen. Da ich beide Städte erlebt habe.

      Wie man dann auch noch wagen kann, die Lederhosen, unseren bayrischen Dialekt, und überhaupt zu verteidigen.

      Und - hoppala! - genauso wird es in einigen "Ost-Regionen" sein.

      Immer "die Deppen", aber bei den Wahlen ist man dann plötzlich wichtig und entscheidend.

      Wer soll den Schmarrn denn glauben?!?

    • @Philippo1000:

      Mit viel Glück bleibt es nur bei Zustimmung aus welcher keine Wahlentscheidung wird.

  • Danke für diesen, durch persönliche Perspektive besonders wertvollen Artikel.



    Die genannten „Baseballschlägerjahre“



    Sind tatsächlich den damals neuen Bundesländern zuzuordnen.



    Im Westen waren Bürgerliche und Linke noch deutlich stärker vertreten.



    Wer Rechts war, ging in den Osten, wie für Klein- und Großkriminelle das „gelobte Land“.



    Ja, die Wiedervereinigung war mit Fehlern gepflastert.



    Zu Recht waren viele Neue Bundesbürger*Innen enttäuscht.



    Die Leistungen der DDR, einem wirtschaftlichen Vorzeigestaat des Ostblocks, wurden herabgewürdigt und somit auch die Lebensleistung der Arbeiter*Innen.



    Kohls Milliarden versanken in den Taschen von Betrügern und Westfirmen, die die unliebsame Konkurrenz für eine Mark aufkauften um die Angestellten in die Arbeitslosigkeit zu entlassen.



    Eine neue, gemeinsame Erzählung wurde nicht gesucht, es herrschte westliche Siegermentalität vor.



    Ich sage das übrigens als Wessi.



    Die Union versagte wirtschaftlich wie menschlich.



    Die DDR Bürger*Innen wählten allerdings auch nicht Lafontaine, der prophezeite,dass die Annäherung jahrzehntelang dauern würde.



    In einer derartigen Perspektivlosigkeit war entweder in den Westen gehen oder rechts werden naheliegend.

    • @Philippo1000:

      Die DDR war ein "wirtschaftlichen Vorzeigestaat des Ostblock"?



      Es herrschte "westliche Siegermentalität"?



      "Ich sage das übrigens als Wessi."



      Möglicherweise ist das das Problem.



      Sicherlich haben Sie durchaus einige Punkte in Ihrem Kommentar, die in Ordnung sind, aber bei einigen schimmert doch sehr viel Ideologie durch.

    • @Philippo1000:

      Ich bin Ossi, aus Ostberlin.



      Und freue und wunder mich über ihre Analyse, der ich zustimme.

      Ich wohne jetzt in Meck-Pomm und habe kein gutes Gefühl, dass zwei Drittel in meinem Dorf für die AFD sind.

      Aber das wird sich wieder ändern. Trump, Putin sterben vor mir ... Dann gibt es vielleicht weniger böse bots.

      Am Ende wird alles gut. und wenn es noch nicht gut ist, ist es nicht das Ende.

      Beste Grüße

    • @Philippo1000:

      Ihre Analyse ist für mich weit stimmiger als das isolierte Problem der Autorin...

  • Danke! Echt gut und wichtig. Wir alle neigen oft genug dazu, von "denen da" zu reden, als wären die von einem anderen Planeten. Das fand ich schon im Geschichtsbild zum dritten Reich immer fatal: dass so getan wird, als wäre das einmalig und als wären die Nazis und ihre MitläuferInnen damals quasi eine andere Spezies gewesen. Nein! Das sind leider oft sogar wörtlich "Menschen wie Du und ich". In Deutschland wird das ja quasi schon als Relativierung der Nazi-Verbrechen angesehen wenn man darauf hinweist, dass das absolut nicht einmalig war, sondern sozialpsychologisch erklärbar ist und immer wieder passieren kann.

    Die Umstände formen die Menschen allzuoft. Darum ist die belegte Tatsache, dass soziale Ungleichheit immer mit dem Erstarken des Rechtsextremismus einhergeht, so wichtig zu wissen. Der Motor des Kapitalismus, der gerade auf einen Kolbenfresser zuläuft, sorgt unter anderem für diese Ungleicheit. Und wer keine Sicherheit mehr im Leben hat (Job, Rente, Soziales Netz, Pflege, Gesundheit, soziale Teilhabe) für den ist oft die erfundene Identität als z.B. "Deutscher" und die Sehnsucht nach dem "Früher" der einzige Haltepunkt. Oder zumindest der naheliegende.

    • @Jalella:

      Das stimmt leider .



      Die AFD appelliert noch zusätzlich an die niedrigen Instinkte wie Neid und Hass .



      Das hat bei den Nazis auch gut funktioniert.



      Beide können keine Antworten geben , also



      bleibt ihnen auch nichts Anderes übrig.



      Hinzu kommt , dass CDU und SPD mit Ihrer



      Politik der AFD die beste und noch dazu kostenlose Wahlhilfe bieten .



      Auch daran wird sich nichts ändern .



      Ein starker Sozialstaat wäre die beste Waffe



      gegen die AFD , wobei ich befürchte Merz ist



      die AFD lieber als die " SPD " , als Regierungspartner .

    • @Jalella:

      Tatsächlich geht es den Menschen im Osten aber gar nicht so schlecht. Dies geht auch aus dem Artikel hervor. Die meisten haben offensichtlich Familie gegründet und sind einem ordentlichen Beruf nachgegangen.

      • @Il_Leopardo:

        Im Westen?!?

      • @Il_Leopardo:

        Aus dem Artikel geht hervor, was die Autorin zum Thema denkt.



        Gegründete Familien und ein ordentlicher Beruf allein tuns leider nicht. Schon die Familie sieht mancherorts nur von außen glücklich aus.



        Hatte mal nen an sich sehr ordentlichen Job, sogar hoch innovativ, mit Verfahren, die nicht nur im Osten, sondern in ganz Deutschland völlig neu waren.



        Nur dass die amerikanischen Shareholder meinten: Nee - über den Ostdurchschnitt bezahlt werden muss das nun wirklich nicht.



        Kann sein, dass die Autorin ihr Beruf allein schon sehr glücklich macht. Und das Berliner Umfeld sowieso. Das sei ihr wärmstens gegönnt. Viele Andere allerdings reiben sich leider an ganz anderen Dingen auf.

        • @Der olle Onn:

          Man muss aber für alle Wehwehchen, die einen im Leben so unterkommen nicht immer die Regierung verantwortlich machen, was diese Wählerschaft offensichtlich tut.



          Ich bin auch Ossi, hab 49 Jahre Malocht (Eisenbahn, Gleisbau).



          Ich hab nach der Wende 6x die Arbeitsstelle gewechselt, bis es endlich gepasst hat.



          Diese Leute wollen alle nur an die Hand genommen werden und verstehen die Demokratie nicht.

  • Die Erzählung der Autorin deckt sich mit Erfahrungen von Kollegen, die im Osten aufgewachsen sind. Neonazis aus dem Westen hatten nach der Wende bei der Ostjugend "missioniert". In einer Gesellschaft im Umbruch waren sie diejenigen, die sich um die Jugend "gekümmert" hatten. Diese Saat geht heute auf. Damit die Jugendlichen von damals heute nicht AFD wählen, muss man Ihnen aber etwas Anderes bieten als nur Ablehnung. Leute zu verstoßen, führt in der Regel nicht zur Änderung des Wahlverhaltens, sondern bewirkt das Gegenteil.



    Etwas schwer tue ich mich mit einigen Kriterien der Autorin für die Eingruppierung in "nicht unbescholten". Sie vermischt ganz normale Themen, die man inhaltlich diskutieren kann (und sollte) mit extremen Positionen. Eines der Hauptprobleme unserer Debattenkultur.

    • @Jens Köster:

      "deckt sich mit Erfahrungen von Kollegen, die im Osten aufgewachsen sind. Neonazis aus dem Westen hatten nach der Wende bei der Ostjugend "missioniert"."

      Tschuldigung, das ist Bullshit. Die Angriffe auf Ausländer im Osten begannen Ende der 70er. Das ist alles wohl dokumentiert.

    • @Jens Köster:

      Herzlichen Dank, sie sprechen so manchem Kontakt, aus den Wende-Jahrgängen aus der Seele. Dennoch ist es nachvollziehbar, dass es ernüchternd wirkt, wenn direkt nach der Ausbildung NUR "der goldene Westen" wartet, und die eigene Realschule dann gewertet wurde, wie Hauptschule!

  • "Die AfD in Sachsen-Anhalt startet ihren Wahlkampf und hat Zustimmungswerte von 40 Prozent. Kein Wunder, die einstigen Neonazis sind nie verschwunden."



    Vielleicht liegt dies auch daran, dass die "Nazizeit" nie aufgearbeitet wurde. Aus der Nazi-Diktatur direkt in die SED-Diktatur.

    • @Il_Leopardo:

      Ja, im "Westen" wurde "aufgearbeitet", auch in den Schulen. Zumindest die Schuljahre der 70er und 80er Jahre hatten da einiges im Lernprogramm. Danach hat es aber scheinbar nachgelassen, anders kann ich mir manche Unwissenheit nicht erklären. Richtig gebracht hat das aber auch nichts. Arbeitslosigkeit, Perspektivlosigkeit, Abstiegsängste, das Gefühl vom Isoliertsein im ländlichen Raum, das sind Dinge, die nach der Wende in den neuen Bundesländern sehr viele Menschen betrafen. Nun sind auch immer mehr Gegenden der alten Bundesrepublik im Abstieg begriffen. Und guck: plötzlich sehnt man sich auch da nach guten alten Zeiten und einfachen Antworten. Siehe z.B. Kaiserslautern und Gelsenkirchen. Überall findet man ihn jetzt wieder, den alten braunen Sumpf. Lauerte schon lange als Schwelbrand. War vorher nur zugedeckt von einer dünnen Firnis aus Wohlstand und Zuversicht.

  • Das Frankenstein Monster AfD haben die etablierten Parteien selbst geschaffen. Auch die Medien haben viele Fehler gemacht, die Lucke Partei, die gemäßigt national-liberal war, in die rechtsextreme Ecke geschoben, in der diese AfD jetzt steht. Auch ist das Thema Migration für viele Wähler der AfD nicht so wichtig, wenn man sich mit ihnen unterhält.



    GEZ Mahnterror, hohe Mieten, miese Behandlung beim Jobcenter kommen da meist noch vorher. Natürlich ist es absurd wegen der Mieten und der Agenda 2010 die AfD zu wählen, weil sie noch rigoroser ist als die "Altparteien". Viele wollen einfach nur Frust ablassen. Dabei gäbe es mit dem BSW eine bessere Alternative.

    • @Video2000:

      Ich denke, würde das BSW seine Haltung gegenüber Russland und Russlands Krieg gegen die Ukraine überdenken und anpassen, wäre es tatsächlich für viele eine wirkliche Alternative.

      • @Katharina Reichenhall:

        Die AFD hat doch in dem Bereich die selbe Position, wie BSW. 66 Prozent der AFD wähler lehnen die Sanktionen gegen Russland ab.



        .



        Das dürfte also nicht der Grund sein für die fehlenden Stimmen, eher ganz im Gegenteil.



        .



        BSW hat einfach nicht den Status des Hauptantagonisten der etablierten Parteien. Es fehlt zudem die rechtsradikale Komponente.



        .



        Rein objektiv betrachtet steht BSW sonst für Alles was sich klassische AFD Wähler wünschen. Aber Wahlen werden meist nicht auf Basis rationaler Entscheidungen getroffen.

    • @Video2000:

      Die Kaderpartei BSW ist die andere Seite der gleichen, autoritären Medallie

    • @Video2000:

      Miese Behandlung beim Jobcenter wird mit der AfD aber sicher nicht besser - allenfalls, weil man gar nicht mehr zum Jobcenter darf.

    • @Video2000:

      Die AfD war entgegen der versuchten Legendenbildung gewisser Kreise nie "gemäßigt national-liberal". Das kann man schon daran erkennen, dass Höcke Gründungsmitglied war.



      Henkel und Lucke haben naiverweise geglaubt, sie könnten den rechten Rand kontrollieren.

      • @Kaboom:

        Das ist ein fragwürdiges Argument. Nach derselben Logik wäre auch die Linke zwangsläufig extremistisch, weil sie aus der SED hervorgegangen ist. Die Herkunft allein entscheidet aber nicht über den Charakter einer Partei – sonst müsste man diesen Maßstab konsequent bei allen Parteien anwenden.

        • @Zippism:

          Nö, das zerlegt schlicht die Legende gewisser Kreise von der "gemäßigt national-liberalen" AfD. Höcke wurde 2014 Vorsitzender der AfD-Fraktion Thüringen, es gab also schon zu diesem Zeitpunkt eine massive Mehrheit der Abgeordneten der AfD in Thüringen, die seine rechtsradikale Ideologie teilten.



          2015 wurde der rechte Flügel der AfD institutionalisiert. Da war die Partei schon fest in der Hand der Rechtsradikalen.



          Das in Abrede zu stellen, dient allein der vorgenannten Legendenbildung. Und nicht selten entweder der Selbstrechtfertigung oder dem am rechten Rand unvermeidlichen Opfergehabe.

  • NPD, Republikaner oder DVU etc. hatten nie auch nur annnähernd die Prozentzahlen der AfD.



    Dann kam das Jahr 2015.

    • @Stechfliege:

      2015 ist in etlichen Gegenden im Westen nur noch die Kirsche auf der Torte. Wenn ich mir eine Infrastrukturmaßnahme im Nachbarkreis anschaue:



      Die gesamten 80er um Finanzierung der Planung gebettelt - Vorfinanzierung durch den Kreis (Die Kreisstadt stellt die Hälfte der Kreistagsabgeordneten): Fehlanzeige. "Die Städter behandeln uns als Menschen zweiter Klasse!"



      Planrecht hatte man dann 1992 - aber es gab kein Geld für den Bau. "Die haben Geld für die Ossis, aber nicht für uns!"



      Mitte der 00er hätte es dann Geld für den Bau gegeben, man brauchte aber wieder Geld für die Planung, weil sich die Vorschriften geändert hatten. "Diese verdammten Bürokraten bringen nichts auf die Reihe!"



      2008 war man wieder so weit, dass man hätte bauen können - aber es gab wieder kein Geld für den Bau. "Die haben Geld für die Griechen, aber nicht für uns!"



      Da waren bis 2015 drei Jahrzehnte ins Land gegangen, in denen nichts passiert ist - gebaut wurde auch bis heute nicht, man will das ja erst seit 50 Jahren. Unter Bürgermeistern, Landräten, Ministerpräsidenten etc mit allen möglichen Parteibüchern. Und diese Parteien wundern sich, dass sie als Teil eines dysfunktionalen Systems wahrgenommen werden.

      • @FriedrichHecker:

        alles richtig - jedoch gab es damals keine Partei, die diese Unzufriedenheit bedient hätte. Die "alte AfD" war dann ein solches Angebot, die völlig zu Recht die Griechenland-Hilfen in Frage stellte, wie es später auch der bestimmt nicht rechtslastige Varoufakis getan hat. Denn bei der Bevölkerung kam von den Hilfen wenig an.

        Als die seriöseren Mitglieder nach und nach die AfD verließen, insbesondere wegen Höckes steigendem Einfluss, sanken auch die Zahlen für diese Partei, die schnell unter 5 Prozent fiel. Und dann ....s.o.

        Silvester hat dann den ersten richtigen Push gegeben.

  • Wenn die eigentlich alle schon immer so waren, wie konnten die dann irgendwann scharf rechts abbiegen bzw. desorientiert auf rechte Propaganda reinfallen? Das die SPD zwischendurch mal recht stark war erklärt sich wie? Warum ist linke Identitätspolitik von den Desorientierten nicht angenommen worden?

    • @Mendou:

      wenn man weit genug links steht, kann man da so sehen. Aber wenn man alt genug ist, weiß man auch, was Strauß und Dregger erzählt haben, wie weit rechts man heute Helmut Schmidt einordnen würde usw.

      Das Problem ist daher weniger, dass viele Leute weit rechter sind als die Autorin wünscht. Sondern das Problem ist, dass diese Leute jetzt eine Partei wählen, die rechts der Republikaner ungefähr bei der DVU einsortieren müsste, um 2 Vorgänger zu nennen. Mit echten Rassisten in der Führung.

      Aber diese sich "Zivilgesellschaft" nennende Gruppe hat offenbar völlig unterschätzt, wie klein sie ist und wie wenige Menschen sie "mitnimmt".

      • @Dr. McSchreck:

        Das Problem ist ja, dass die Autorin alle, die sich außerhalb ihrer linken und queeren Bubble bewegen, gleich als AfD Wähler einordnet. Nein, wer konservativ ist und für die Bundeswehr, der ist nicht unbedingt ein AfD Anhänger. Und wenn man nicht mal mehr konservativ sein darf, dann wird's echt schwierig.

  • "Für mich steht fest: Ein Großteil der AfD-Anhänger:innen war nie „unbescholten“. Nur haben sie es sich in den vergangenen Jahrzehnten bequem eingerichtet."



    Wir hatten es uns alle bequem eingerichtet. Ost wie West.



    Und auch wenn die ersten Nachwendejahre mit schmerzhaftem Niedergang im Osten verbunden waren, ging es steil bergauf.



    Häuser saniert, Trabant und Wartburg gegen große bequeme Limousinen getauscht.



    Und Urlaube endlich auch abseits von Ostsee und Balaton und ohne Devisenlimit.



    Im Westen war schon vorher Reichtum und auch der wuchs stetig weiter.



    Alles gut, Kurve zeigt nach oben, Menschen zufrieden.



    Dann kam die Finanzkrise 2008, dann kam die Flüchtlingswelle 2015, dann kam Corona, dann Putin.



    Mittlerweile stehen wir bei 15 Jahren Krise am Stück. Leere Kassen. Überforderte Systeme. Kaputte Schulen. Und Reallohnverluste durch gallopierende Inflation.



    Wir haben nicht mehr zu viel. Von zu viel kann man gönnerhaft ein paar Krumen abgeben.



    Ich zuerst, der Asylant danach.



    Fremdenhass und rechte Gesinnung waren nie weg, sie ruhen nur wenn es einer Gesellschaft gut geht - denn wem es gut geht der ist in der Regel milde.



    Das beste Mittel gegen rechts ist ein funktionierender Staat.

    • @Astrid Sehnefeld:

      Das beste Mittel, gewählt zu werden, ist ein funktionierender Staat. Deshalb hat in Hamburg ein SPD-Bürgermeister gewonnen, in BaWü (knapp) ein Gründer und in anderen Bundesländern die CDU - wenn die Leute das Gefühl hatten, die Grundversorgung funktioniert.

      Die Extremisten werden stark, wenn der Staat seine eigentlichen Aufgaben vernachlässigt. Der Satz mit dem "ich zuerst" hat übrigens durchaus seine Berechtigung bei den vielen Leuten, von denen ich ihn schon gehört haben, nämlich anfangend mit "ich habe jahrelang in die Kassen eingezahlt und muss mich in der gleichen Reihe anstellen wie.... oder sogar noch dahinter" - und die ihn gesagt haben, waren eben nicht unbedingt Deutsche, sondern Leute, die arbeiten - egal welcher Herkunft)

    • @Astrid Sehnefeld:

      Wer - aus welchen Gründen auch immer - rechts wählt, nimmt zumindest billigend in Kauf, dass Politik zu Lasten der Schwachen gemacht, also nach unten getreten wird. Wäre das nicht so, würde er/sie links wählen.

      Durch Treten nach unten wird kein Zug pünktlicher kommen, keine Schule renoviert, keine bezahlbare Wohnung gebaut und kein Gesundheits- und Rentensystem gerechter, im Gegenteil.



      Ist den AfD-Wählenden aber offensichtlich egal. Und erzähle mir niemand, diese Leute wüssten das nicht.



      Stattdessen regieren Kleingeist und Missgunst, wo Solidarität und Empathie gefragt wären.

      • @Klabauta:

        "Wer - aus welchen Gründen auch immer - rechts wählt, nimmt zumindest billigend in Kauf, dass Politik zu Lasten der Schwachen gemacht"



        Da machen Sie es sich aus meiner Sicht zu einfach.



        EU Außenlager, Bezahlkarte, erste Abschiebung nach Afghanistan - alles beschlossen unter Mithilfe von SPD und Grüne in der Ampel.



        Mietpreiswahnsinn auch in Bremen, obwohl da seit langem ein linkes Bündnis regiert, auch in Hamburg trotz rot-grün, auch und vor allem in Berlin, trotz 19 Jahren rot-rot oder R2G seit der Wende...



        Die AfD im Westen mit am stärksten in Baden-Württemberg, obwohl gerade da seit langem die Grünen die Richtung vorgeben...



        All diese Beispiele beweisen für mich: weder handeln Regierungen mit linken Parteien in Deutschland nachweislich weniger zu Lasten von Schwachen, noch wirken linke Regierungen präventiv gegen Zulauf nach rechtsaußen.



        Es ist - leider - wie immer deutlich vielschichtiger.

        • @Astrid Sehnefeld:

          Haben Sie mal in das Parteiprogramm der AfD geschaut? Dagegen ist das, was die anderen Parteien in den letzten Jahren gemacht haben - und ich kritisiere vieles davon entschieden - noch harmlos.



          Die AfD ist eine menschenverachtende und höchst gefährliche Partei, und der Beifall, den sie von leider zu vielen Menschen in diesem Land bekommt, ist auf Ressentiment gebaut.



          Was ich mich frage, wenn ich Ihre Beiträge lese, ist - was würden Sie vorschlagen? Bis jetzt plädieren Sie vehement dafür, die AfD zu beteiligen, um sie zu entzaubern. Aber haben Sie auch eine positive Vision oder gehen Sie einfach nicht mehr wählen, was die logische Konsequenz aus dem von Ihnen Geschriebenen wäre?

          • @Klabauta:

            "Was ich mich frage, wenn ich Ihre Beiträge lese, ist - was würden Sie vorschlagen?"



            Ich beteilige mich örtlich - Gemeinderat, Feuerwehr, Kulturverein.



            Immerhin hatten wir zur letzten Wahl nur knapp 40% AfD, drumherum sinds eher 55-65%.



            Eine realistische Perspektive versprechen und dann auch umsetzen hilft - zum Beispiel Einnahmen für die Gemeinde durch 6 Windräder, das war ein jahrelanger Kampf...



            Auf Landes- oder Bundesebene fehlt mir tatsächlich seit geraumer Zeit die Phantasie bei 'großen' Parteien, die Partei meiner Wahl läuft unter Sonstige, aber nur aus Taktik eine große zu wählen, widerspricht meiner Überzeugung.



            Geliefert wie bestellt - wenn eine Mehrheit Fatalismus will, 'muss' man ihr ihn geben🤷



            Auf die Schnauze fallen gehört anscheinend unweigerlich zum Naturell des Menschen - aus der Geschichte lernen erschöpft sich nachweislich über die Generationen, leider.



            Es gibt de facto keine Zeitzeugen mehr die unter dem Faschismus lebten und auch die Generation, die noch die Unfreiheit unter der DDR am eigenen Leib gespürt hat, stirbt bereits langsam weg.



            Die 'Jugend' will (und muss) anscheinend ihre eigenen Erfahrungen mit derlei Gestalten sammeln.

      • @Klabauta:

        Trocken gekontert: Je mehr das Land "grün" wurde, desto mehr verschwand in München die sprichwörtliche Sicherheit. Auch wenn das S in CSU nicht für sozial stehen mag, stand es zumindest für Sicherheit!

        Und es ist nicht per se alles a Schmarrn, nur weil es bayrisch - in unserer Region.

        Der andauernde "Abbau" unserer Traditionen führt wohin zurück? Richtig, zur Tradition. Drogenräume unter der CSU? Gott bewahre!

        Das Kopftuch war den sehr hart arbeitenden Kriegswitwen vorbehalten z.B. - ich kann nicht immer "den Pulli auf links drehen", und erwarten, dass alles mitmarschiert (!) - Zitat eines Grünen.

        • @Altbayer:

          Ich wusste gar nicht, dass in Bayern die Grünen das Sagen haben. Muss mir entgangen sein...

          Meines Wissens regiert in Ihrem (?) Bundesland vor allem eine Politik des "Mir san mir" und "Bayern zuerst", vertreten durch die CSU..

      • @Klabauta:

        ".

        Durch Treten nach unten wird kein Zug pünktlicher kommen, keine Schule renoviert, keine bezahlbare Wohnung gebaut und kein Gesundheits- und Rentensystem gerechter, .."

        Ich glaube die Menschen von denen Sie hier reden, haben die Hoffnung, dass jemals auch nur eines der Dinge aus Ihrer Liste passiert längst aufgegeben. Ehe z.B. ein Zug pünktlich fährt, fährt gar kein Zug mehr. Die nicht ganz unlogische Schlussfolgerung ist, dass die Menschen nicht bezahlen wollen für Züge die nicht kommen, für Renten die nur leere Versprechungen sind, für Ärzte bei denen es eh keine Termine gibt, für Sozialwohnungen die nie gebaut werden....usw usf. Und da kommt das Wahlverhalten ins Spiel.

        • @OldFrank:

          "Und da kommt das Wahlverhalten ins Spiel."

          Meinen Sie, wenn ich keine Hoffnung mehr habe, dass sich irgendwas bessert, handle ich maximal destruktiv? Ist das nicht etwas kindisch, nach dem Motto zu handeln, "Dann mache ich eben alles kaputt!" ?

          • @Klabauta:

            "Dann mache ich eben alles kaputt!" ?

            Kann man so ausdrücken, hört sich aber für meinen Geschmack zu negativ an. Ich glaube die Intention ist eher: "Wenn die Qualität einer Leistung extrem schlecht ist, kann man sie streichen und dann auch kein Geld mehr dafür kassieren. Mit dem gesparten Geld kann dann jeder für sich selbst für Kompensation sorgen. " Das ist nicht gerade solidarisch, das gebe ich zu, aber könnte für einige gut funktionieren.

        • @OldFrank:

          Schön gesagt, es geht letztlich um das, wofür man bezahlt hat und bezahlen will und was man dann nicht bekommt. Weshalb es sehr hilfreich ist, wenn man sieht, dass man durchaus etwas bekommt.

          Ich würde nie AfD wählen, aber wenn ich Zug fahren oder manche Schule sehe, zahle ich auch nicht gerne für eine solche Vernachlässigung der Basis-Aufgaben des Staates. Von der Förderung von Kindern, die im Elternhaus wenig Bildung mitbekommen, gar nicht anzufangen...das wäre ja fast schon Luxus.

          • @Dr. McSchreck:

            Die Logik, daraus den Schluss zu ziehen, rechts zu wählen, die müssen Sie mir erklären. Wollen Sie wirklich den Teufel (Neoliberalismus der vergangenen Jahrzehnte) mit dem Beelzebub AfD austreiben?

            • @Klabauta:

              Wer "Neoliberalismus" als einzigen Grund für die Dysfunktionalität unserer Verwaltung ansieht, übersieht wesentliche Teile des Problems.

              Nämlich, dass vielfach die Verwaltung um die Politik kreist und vor allem sich selbst verwaltet...

              Wenn man dann so sinnvoll klingende Dezernate wie "Baurecht und Migration" kreiert - und mit genau diesem Briefkopf auf Pressemitteilung und Aushängen eine "überraschend" marode Brücke ohne Vorankündigung sperrt, klingt das für die Empfänger der Nachricht erst recht nicht nach Neoliberalismus...

  • Auch die Faschisten im Westen hatten ja ihre Vorläuferorganisationen, die manchmal als Parteien als auftraten und wieder verschwanden, aber immer ihre Anhängerschaft hatten. Das waren halt früher jugendliche Schläger und Arschlöcher, die einfach nur alt geworden sind und wahrscheinlich auch ihre Kinder indoktriniert haben.

  • Nicht nur die Zukurzgekommenen sind anfällig für rechtes Gedankengut. Neulich auf einer Parkbank in einem gutbürgerlichen Viertel nahm ein älteres Ehepaar neben mir Platz und lästerte über die Türken und Araber ab, die ihrer Meinung ja allesamt kriminell wären. Dann empörter der Mann sich der Mann darüber, dass jetzt noch mehr von "diesen Leuten" da aus Südosteuropa in die EU drängen usw. usf. Danach mokierte sich die Dame darüber, dass die NATO in den Krieg der Ukraine gegen Russland eingriffe. Jetzt platzte mir endgültig der Kragen und mit ein paar deutlichen Worten stellte ich einiges richtig. Den beiden klappten die Unterkiefer nach unten und sie schnappten nach Luft. Ich ging! Eine Diskussion erschien mir unsinnig.

  • Gut gesagt, stimmt genau! Wäre auch gut wenn die 3 Sozialdemokratischen Parteine sich konkrete Vielfalt & Struktur Projekte zumSchmieden von Wahlbündnissen bilden könnten, damit die Dynamik eine solidarische wird und so auch alle ins Parlament kommen, dann kann die AfD keine Mehrheit holen.

  • Ja, dumm gelaufen. Die verdammten Wähler wählen einfach nicht die Linke, wie sie sollten. Und jetzt? Einfach ignorienen ist keine Lösung. Hoffen, dass die einfach verschwinden einfach auch nicht. Den Arsch hochkriegen und verständliche, soziale Politik machen, wäre eine Lösung. Welche Partei ist dazu in der Lage?

    • @FraMa:

      "Den Arsch hochkriegen und verständliche, soziale Politik machen, wäre eine Lösung"

      AfD-Wähler wollen keine soziale Politik. Schließlich ist das das Gegenteil dessen, was die AfD vertritt. AfD-Wähler wollen, dass es anderen schlechter geht, wie ihnen selbst.

      • @Kaboom:

        AFD Wähler wollen eigentlich mehrheitlich sozialere Politik.



        .



        "Gegen die da Oben", "Gegen Fremde", "gegen Klimapolitik" dürften die Hauptmotive für die Wahl sein.



        .



        Es ist für viele eine Wahl aus angestautem Frust.

      • @Kaboom:

        Diese Arroganz ist genau das, was viele Menschen von linken Parteien und ihrem Umfeld wegtreibt. Millionen Wähler pauschal zu unterstellen, sie wollten nur, dass es anderen schlechter geht, ersetzt jede Auseinandersetzung durch moralische Abwertung. Wer so über Menschen spricht, muss sich nicht wundern, wenn diese sich erst recht nicht angesprochen fühlen. Man gewinnt Wähler nicht, indem man ihnen niedere Motive unterstellt, sondern indem man ihre tatsächlichen Sorgen ernst nimmt – auch wenn man ihre politischen Schlussfolgerungen ablehnt.

        • @Zippism:

          Ach wissen Sie, alles, was irgendjemand sagt und das dem rechten Rand potentiell nicht gefallen könnte, wird heute immer gerne als Grund genommen, warum die politische Linke sinkende Wahlergebnisse hat. Insbesondere dann, wenn es sich um die Wahrheit handelt.

          Darauf passt ein chinesisches Sprichwort:

          "Wer die Wahrheit spricht, braucht ein schnelles Pferd."

    • @FraMa:

      Wir haben doch eben erfahren, dass afD-Wähler keine soziale Politik wollen, sondern Rechtsextremismus bevorzugen.

      Dumm gelaufen, hm?

    • @FraMa:

      Exakt. Es ist etwas schwierig, angesichts der gesamten Lage, mit moralisch-demokratischen Argumenten zu arbeiten und von Demokratie zu sprechen, wenn - wie Georg Diez in seiner Kolumne erklärt (taz.de/Was-wenn-de...ove-war/!6197830/) mit Spahn als nächstem Kanzlerkandidaten zu rechnen ist.



      Ich hätte Schwierigkeiten, jemandem das parlamentarische System und seine Legitimation zu erklären. Spahn verbleibt im Bundestag mit sämtlichen Bezügen. Er sitzt dort - geht man nach den Grundsätzen unserer Demokratie - für einen Teil der Bevölkerung. Diese Gedanken werden sich AfD-Wähler nur bedingt machen, doch es ist ein Mosaikstein. Hinzu kommen die Alltagserfahrungen hoher Preise, nicht oder zu spät fahrender Züge, Ausfall der Busse, keine Ärzte, Ausfall von Unterricht in den Schulen. Die neuen Gesetze der Bundesregierung machen es nicht besser. Das macht die Menschen wütend und ängstlich. Und zur Zeit ist die AfD - wie ein Schüler mir sagte - unter Jugendlichen "Kult". Soziale Politik und Ehrlichkeit wären ein gutes Gegenmittel, denn die AfD ist definitiv keine Lösung und hat schon jetzt Korruptionsprobleme.

  • ... sehr gute Analyse.



    Gut geschrieben.



    Bitte mehr davon.

  • Der Text erklärt leider nicht, warum früher PDS und SPD sehr gute Ergebnisse hatten im Osten, und genau die gleichen Menschen jetzt afd wählen.

    • @Sybille Bergi:

      Bingo Frau Bergi! Evtl. hat einfach die Kinder-Generation aus den "Versprechungen", die "der Westen" Ihren Eltern gemacht hat, gelernt?!

      Die 13-jährige Schwester einer (Leipziger) Ex war normal.



      ( 10 Jahre jünger als meine Herzensdame )



      Mit 15 war sie Punk.



      Mit 17 Nazi. ( Vater war seit der Wende "überqualifiziert als Ingenör" = arbeitslos - die Mutter ernährte mit Putzen die Familie, Tante half etc. )



      Mit 19 im Zivildienst.



      Mit 21 fertig mit der Ausbildung.

      Wegen welcher Zeit soll ich die Dame gleich wieder verurteilen? Am besten, wegen gar keiner, oder?!?

      Wo ist die ganz normale "Selbstfindung" hingeraten?!?

    • @Sybille Bergi:

      Bei den politischen Hinterlassenschaften von PDS und SPD in Kombination mit dem jetzigen Auftreten von SPD und Die Linke wundert mich das nicht.