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Geburtenrückgang in Deutschland Keinen Bock mehr

Gastkommentar von

Ines Doleschal

Frauen bekommen immer weniger Kinder. Viele Frauen haben keine Lust mehr, sich über die Aufteilung von Familien- und Erwerbsarbeit zu streiten.

I mmer weniger Frauen hierzulande werden Mütter. Liegt das „nur“ an Zukunftsängsten, wirtschaftlicher Unsicherheit? Am Wunsch, sich zu individualisieren? Oder gibt es zu wenige progressive Männer, und Frauen haben immer weniger Lust, sich mit unverbesserlichen Anhängern des Patriarchats auseinanderzusetzen? Denn sie wissen mittlerweile, dass sie die horrenden systemischen Gender Gaps als Mitgift bei der Familienplanung mitbekommen.

Viele kluge Podcasts und Publikationen sorgen dafür, geschlechterbedingte Lücken aufzuzeigen: Autorinnen wie Jo Lücke, Mareice Kaiser, Leonie Schöler zeigen in Gesellschaftsanalysen messerscharf, weshalb wir heute immer noch keine Gleichberechtigung haben. Dafür reicht auch der Blick auf den Rentenbescheid: Frauen, die Care-Arbeit leisten, sind krass im Nachteil. Wenn eine Mutter dreier Kinder nach 25 Jahren Tätigkeit im frauentypischen Pflege- und Kulturbereich etwa 12 Entgeltpunkte erzielt, hat sie eine Rentenerwartung um die 450 €. Wie soll frau davon leben können? Nichtsorgende Menschen können sich dagegen entspannt zurücklehnen, ihr Durchschnittseinkommen von jährlich 51.000 Euro ergibt Jahr für Jahr einen vollen Rentenpunkt.

Ines Doleschal

ist bildende Künstlerin, Kuratorin, Museumspädagogin, Co-Gründerin von fair share!, einem Bündnis für die Sichtbarkeit von Künstler:innen.

Es gehört zum System, Frauen in monetärer Abhängigkeit zu halten, damit sie sich unbezahlt kümmern. Und die Männerwelt profitiert. Oder wie ist der seit Jahren stabile Gender Care Gap anders zu interpretieren? Frauen verrichten knapp drei Viertel mehr Sorgearbeit als Männer und schränken dadurch trotz Topausbildung ihre Erwerbstätigkeit ein. Das sorgt zwangsläufig für eklatante Einbußen beim Lebenserwerbseinkommen und der Altersabsicherung. Motiviert das, eine Familie zu gründen?

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Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Da ist es nur verständlich, dass sich junge Frauen reproduktiv verweigern. Wie wäre es, wenn Care-Arbeitende pro Jahr einen halben Renten-Entgeltpunkt extra für ihre Leistungen bekämen? Bis dahin könnte jeder Vater beherzt ein deutliches Mehr an Sorgearbeit leisten und damit proaktiv den Care Gap abbauen.

Nach dem Erfolg der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt bangen viele Menschen um die Zukunft, es droht die erste AfD-Regierung. Das wäre eine (weitere) Zäsur für Deutschland. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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57 Kommentare

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  • Land of plenty

    In dem arbeitermigrantischen Stadtteil, in dem ich seit langem lebe, haben türkischgeprägte und afrikanische Familien weiterhin 3-4 Kinder.

  • Ludowig

    Bekommen immer weniger Frauen ein Kind oder immer weniger Frauen ein zweites oder drittes Kind? Falls Zweiteres zutrifft, dann liegt der Grund auf der Hand. Die Lebenshaltungskosten sind regelrecht explodiert und ein zweites Kind muss man sich schlicht leisten können. Allein die kommenden Nachzahlungen für Öl und Gas, werden Familien, die zur Miete leben, vor eine Herausforderung stellen.

  • Silja Laus

    Warum wird in solchen Artikeln eigentlich nie der Versorgungsausgleich und die mitversicherung erwähnt?



    Ersterer sorgt inkl. Des Zugewinnausgleichs für eine Teilung von Vermögen und Altersversorgung zwischen den Partnern… sollte halt nicht durch Ehe so sein, sondern durch Kinder.



    Zweiteres ist die Unterstützung der Solidargemeinschaft für nicht arbeitende Familienmitglieder, also vornehmlich Mütter und Kinder.

    Ich habe mich ebenfalls gegen Kinder entschieden, und nichts des oben genannten hatte damit zu tun: erst kannte ich bis Ende 30 nicht den Vater meiner Kinder; dann kam das Helikoptern und ich wollte weder mitmachen, noch mein Kind in die Außenseiterrolle bringen; zusätzlich hatten wir beide endlich das leben, was jeden für sich glücklich macht, hätten das aber in unserem System nicht beide weiterführen können, z.B. mit der hierzulande restriktiven schulpräsenzpflicht, als beide regelmäßig beruflich unterwegs ohne familiäre Unterstützung in der Nähe.



    Ich konnte nicht garantieren, dass ich letzteres meinem Kind nicht irgendwann in einer Überforderungssituation vorwerfe , und das halte ich für unverantwortlich als Mutter.

    Carearbeit und Geld spielten keine Rolle.

  • Andreas J

    Eine Folge der Individualisierung durch den Kapitalismus. Mütter benötigen eine solidarische Gesellschaft, die sie entlastet.

    • Machiavelli

      @Andreas J:

      Sozialistische Staaten haben auch geringe Geburtenraten. Selbst in Bangladesh fällt die Geburtenrate.

      • Andreas J

        @Machiavelli:

        Hier geht es aber nicht um Sozialismus, sondern um gesellschaftliche Solidarität mit mit den Müttern. Da haben uns kollektiv geprägte Gesellschaften einiges voraus. Der Kapitalismus fördert Egozentrik und antisoziales Verhalten, besonders in den Reichen Ländern.

  • Land of plenty

    Wird die Kinderzeugungs- und Geburtenrate im "Land der Hoffnung" Sachsen-Anhalt dann ansteigen, wenn es dafür eine zusätzliche finanzielle Afd-Belohnung geben würde?



    Übrigens:



    der sozialwissenschaftlich stärkste gemessene Zusammenhang ist der zwischen Religiosität / Frömmigkeit und der Kinderzahl.



    Oder: Je säkularer oder atheistischer, desto weniger Kinder.



    Lebensentwürfe:



    Je nach Orientierung geben Haushalte und Paare / Familien sehr unterschiedlich viel Geld für einige Werte aus - bei gleichen Einkommen:



    - alles für Nullenergiehaus, kein Auto, nur Lastenfahrrad, und Lebensmittel und Spielzeug alles voll Öko.



    - jeden Sonntag in die Kirche gehen, mehrmals am Tag beten, im theozentrischen Weltbild (ständig an Gottes Wille und Präsenz denken) sind Luxusprodukte egal, dafür singt die eigene Kinderschar mit im Chor.



    - alles Geld in die musikalische Ausbildung und Entfaltung des einen Kindes stecken...



    - Es gibt auch Manager und Vielflieger, die vor lauter Arbeit so busy sind, dass sie außer one-night-stands noch keine Zeit hatten für Beziehungen. Viel mehr Geld, aber nie zu hause.

  • Klartext

    Ersetze Bock durch Geld.

  • Weiterdenken3

    Schrumpfen der Bevölkerung (weltweit) dürfte das einzige sein,



    um mit den begrenzten Resourcen der Erde langfristig auszukommen. Daher sollte man weniger Kinder nicht so negativ auffassen. Werden natürlich schwierige Zeiten. Werden sie aber sowiso.

  • aujau

    Bei der Diskussion über die Geburtenrate sind viele Interessen im Spiel. Aber kaum die der Kinder.



    Sollte man mal die Statistiken zur Situation der Kinder weltweit aufzählen...

  • So,so

    Herdprämie (Ehegattensplitting).



    Horrormieten/ Horrorhauspreise.



    Immer nur Projektanstellung/ temporäre Jobs.



    Klimazerstörung/ Gesellschaftliche Spaltung/ Steuerfreie Stände (=Superreiche und Multinationale Konzerne).



    Politik (nach Habeck) ohne



    positive Visionen.



    So wird das nix mit Kinder kriegen.

  • Mondschaf26

    Es geht um Fortpflanzung von Menschen... und das Wort „Klima" kommt im Artikel und den Kommentaren nicht vor. Und Krieg nur beim Kinder „kriegen"...

  • Eckhard Hanseat52

    Die ganzen Erklärungen haben eine geringe Halbwertzeit. Nur noch in 40 von so 160 Ländern der Welt gibt es einen Geburtenüberschuss. Ansonsten ist überall Schrumpfen angesagt. Schlüsselworte sind der Wunsch nach mehr Unabhängigkeit, berufliches Fortkommen, Unsicherheit bei der Partnerwahl etc. Ein Maelstream. Gesellschaften müssen halt nur mit den Konsequenzen umgehen können, auch den Unbequemen. Be den Linken wird das immer sein: mehr Steuern, mehr Umverteilung, beim Rest, jeder ist seines Glückes Schmied und muss notfalls mit Vereinsamung usw. selbst fertig werden.

    • Reinero66

      @Eckhard Hanseat52:

      Realität 1967 kamen weltweit 5 Kinder pro Familie auf die Welt 2017 waren es nur noch 2,5. Kein Alleinstellungsmerkmal in Deutschland.



      Die Welt ist in vielen Dingen weiter, als viele Menschen meinen!



      Gerade die sogenannte 1.Welt hinkt alten kolonialen Bildern hinterher, die so heute nicht mehr stimmen.

  • axiom

    Gehälter, von denen eine Familie leben kann und sich zwei Partner ausreichend versichern können, das wäre doch wohl



    die einzige Lösung.

    • rero

      @axiom:

      Das haben viele, die keine Kinder wollen.

      Im Gegenteil haben die weniger begüterten Schichten in den Statistiken oft mehr Kinder.

      Erinnern Sie sich noch an Sarrazin?

      Der hat das damals in seinem Buch angeprangert.

      Dürfte also nicht viel lösen.

  • warum_denkt_keiner_nach?

    Irgendwie scheint hinter dem Artikel ein merkwürdiges Frauenbild zu stecken. Viele modere Frauen sind weiter...

  • fly

    Ob es wirklich daran liegt? Jedenfalls reichen Begrüdnungen "Wenn eine Mutter dreier Kinder nach 25 Jahren Tätigkeit im frauentypischen Pflege- und Kulturbereich etwa 12 Entgeltpunkte erzielt, hat sie eine Rentenerwartung um die 450 €." nicht aus. Wieso 25 Jahre und nicht 45? Wieso Kulturbereich und nicht Managerin? Dann sieht es schon ganz anders aus.

    Anekdotisch stimmt auch das Statement nicht: "Bis dahin könnte jeder Vater beherzt ein deutliches Mehr an Sorgearbeit leisten... " Väter sind längst ganz anders drauf als in der vorherigen Generation. Aber da mag es auch kulturelle Unterschiede geben.

    PS: Da berichtet wurde, dass die jungen Leute so wenig küssen wie nie zuvor, liegt es vielleicht nicht nur an projizierten Zukunftsvisionen.

    • DerzuWirDuEs

      @fly:

      Weil das den Durchschnitt wieder gibt. Weil Frauen, die Care Arbeit leisten, eben nicht auf die 45 Jahre kommen werden..



      Und Väter sind im Großen und ganzen eben nicht anders drauf. Nicht mal nur, weil sie selbst es nicht wollen. Es ist, wie auch schon im Artikel erwähnt wurde, vom System gewollt.



      Frau arbeitet eben oft in Pflege- und Kulturbereich. Das ist ein Fakt. Dass sich einige Familien keine geteilte Care Arbeit leisten können, und der Vater weiter voll arbeiten gehen muss, ist auch einer.

    • Janix

      @fly:

      Warum nicht Managerin? Vielleicht weil Thomas Andreas und Max dafür einstellt und nicht Leonie und Lisa. Gleich und gleich ...



      Warum 25 Jahre? Weil die Pflege von jüngerer wie älterer Generation doch an der Frau hängenbleibt, vielleicht?



      Messen Sie wirklich nach bzw. schauen Sie auf Studien. Männer "helfen mit", räusper.







      Gewiss ist es aber wohl das Küssen.

  • Benzo

    So schwer ist das alles gar nicht einzuordnen:

    Erst ich, dann Konsum. Kinder stören da nur. Und für den Egoismus finden wir schon eine gesellschaftlich akzeptierte Begründung.

    • aujau

      @Benzo:

      Es gibt genug Leute, die Kinder aus egoistischen Gründen bekommen. Es gibt genug Gruppen, die Geburten aus egoistischen Gründen fordern. Mit Moral hat das nichts zu tun.

    • *Sabine*

      @Benzo:

      Ich halte Angst, es nicht zu schaffen und das Wissen der Überforderung, mangelnder Resilienz für denkbar. Neues Leben in die Welt zu setzen und dafür zu sorgen, dass diese Kinder ein glückliches Leben haben werden, sie zu beschützen und das vor dem Hintergrund, dass sich immer mehr Sachverhalte der eigenen Kontrolle entziehen, ist eine unglaubliche Verantwortung.

      Ich bin der Ansicht, dass sich weltweit viel zu wenige Menschen Gedanken darüber machen, ob sie dazu befähigt und dieser gewaltigen Aufgabe gewachsen sind. Ich persönlich finde, dass keine andere Aufgabe, kein anderer Job so anspruchsvoll ist, wenn man es ernst nimmt. Wen immer ich frage, und es gibt Menschen darunter, die herausragende Jobs haben/hatten, keine/r ist der Ansicht, dass die beruflichen Herausforderungen anspruchsvoller oder bedeutsamer wären, als diese eine Aufgabe, ein Kind ins Leben zu begleiten.

      (Ebenso wie Konsum können übrigens auch Kinder eine Ersatzbefriedigung sein; ebenso traurigerweise "Mittel zum Zweck".)

      • Jens Köster

        @*Sabine*:

        "Keine Aufgabe ist bedeutsamer" - ich stimme Ihnen zu. Aus Ihrem Text geht hervor, dass Sie sich die Aufgabe deshalb nicht zutrauen. Diesen Mut sollte man aufbringen. Wäre es nicht bitter, sich irgendwann selbst vorzuhalten, dass man die wichtigste Aufgabe im Leben nicht angepackt hat, weil man zu verzagt war?

    • rero

      @Benzo:

      Ich würde da gar nicht so plump den Konsum in den Vordergrund stellen.

      Wer in seinem Beruf aufgeht und sich dort selbstverwirklichen kann, den hindern Kinder daran, dieses Leben mit voller Hingabe fortzuführen.

      Wenn man ein Lebensmodell bevorzugt, in dem man abends viel weg ist, oder ein Aktivistenleben führen möchte, machen es Kinder wirklich nicht leichter.

      Manchen ist auch ein intensives Sexleben wichtig.

      Es gibt auch gute Gründe jenseits des Konsums, keine Kinder zu wollen.

    • Janix

      @Benzo:

      Kapitalistisch gibt es keinen Grund für Kinder, wenn die Angst vor Altersarmut, Stammhalterfantasmen etc. ausgetrieben sind. Ein Hund oder eine Katze ist sozial akzeptierter an der Autobahnraststätte angebunden als ein Kind. So kann der Mehrwert aus der Arbeitskraft und "Belastbarkeit" maximiert werden.



      Marx und andere hielten es noch für mittelfristig unmöglich, unter der Reproduktionsrate der Arbeit zu bleiben. Das wissen wir heute besser.

      NB: Manche Paare versuchen ein Kind zu bekommen, doch es gelingt nicht. Stress, Zufall, Biologie. Wir wissen auch daher doch nie, warum ein Paar Kinder hat und das andere keins.

  • AuchNeMeinung

    Aus unserem privaten und geschäftlichen Umfeld liegen die Gründe genau auf der anderen Seite. Die jungen Männer wollen keine Kinder mehr.



    Die Frauen, selbst zwei unserer Töchter hätten gerne eigene Kinder, jedoch wollen deren Partner auf keinen Fall nachwuchs.

    Die Begründung ist dann wieder die gleiche wie im Artikel, ich habe keine Lust mich um die Kinder und dann auch noch um eine schlecht gelaunte Mutti zu kümmern.

    Wenn man die Statistiken bemüht wird dieses Männer Verweigerungssyndrom auch deutlichst bestätigt.

    Aber, wenn man sich in seiner eigenen Bubble eingerichtet hat, dann sucht man sich auch seine Begründungen.

    • Starlight

      @AuchNeMeinung:

      Geben Sie Ihren Töchtern den Tip Single Mom by Choice.



      So bekommen sie auch nur ein Kind und müssen sich nicht noch um ein zweites, nominell erwachsenes, dazu kümmern.

    • Wabbel

      @AuchNeMeinung:

      Ernstgemeinte Frage: könnten sie mir sagen wo ich diese Statistiken finden kann. Ich dachte bisher es sei statistisch genau umgekehrt, habe mich aber nie intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt

  • Suryo

    Wie machen das eigentlich die Leute in Ländern, die zum Teil VIEL weniger Unterstützung vom Staat erhalten (USA), aber dennoch mehr Kinder kriegen?

    • sociajizzm

      @Suryo:

      Es sind viele Faktoren, die hier zusammenspielen.

      USA:

      Mehr Flexibilität bei der Arbeit (Home Office/ Arbeitszeit), deutlich geringerer Einfluss auf Karrierechancen, mehr Wohneigentum und mehr Migration (aus "kinderreichen" Kulturen).



      .



      Ich finde Deutschland sollte besser mit Ländern wie Schweden verglichen werden. Das ist kulturell und Strukturell deutlich ähnlicher.



      .



      Zum Erfolg hat hier geführt: mehr und länger Elterngeld (ohne maximales Limit), Abschaffung von Ehegattensplitting, gezielte Anreize für Väter den Vaterschaftsurlaub in Anspruch zu nehmen und bessere Betreuung von Kleinkindern (1Jahr+).

    • warum_denkt_keiner_nach?

      @Suryo:

      Mehr Frauen die ohne "Ernährer" keine Perspektive haben?

    • Janix

      @Suryo:

      Was spielt mit?



      Mehr Kinder durch:



      - entsprechende religiöse Prägung (dürfte in den USA deutlich sein),



      - niedrige Grund-/Mietkosten



      - fehlende Frauenrechte/Verhütungsmittel/Arbeitsmarktzugang von Frauen/ niedrige formale Bildung von Frauen.



      - kinderfeindliche Infrastruktur incl. anders blockierte Straßen, fehlende KiTa-Plätze

      Vereinfacht heißt es auch, dass Ärmere Kinder bekommen (macht auch nichts mehr aus, und mensch hilft sich aus) und Reiche (stolz ist der Unternehmer-Papa), die akademische Mitte eher weniger.

      Ich finde, hierzulande muss die bizarre Lage mal überdacht und zurechtgerückt werden, dass Kinder von Viel-Erhaltern mehr wert sind als die von anderen - Freibeträge, Elterngeld.

      • Jens Köster

        @Janix:

        Die Aussage "Kinder von Viel-Erhalten seien unserer Gesellschaft mehr wert" ist weird.



        Mal ganz abgesehen davon, dass sie vermutlich Viel-Leister meinten...



        Das Existenzminimum eines Menschen soll steuerfrei sein. Damit Familien nicht auf Rückzahlungen aus dem Lohnsteuerjahresausgleich warten müssen wird Kindergeld gezahlt. Die Gesellschaft verzichtet bei Wenig-Erhaltern darauf, zu viel gezahltes Steuergelder zurück zu fordern. Eine Anpassung des Freibetrages an das Existenzminimum findet auch statt, wird aber immer in Frage gestellt.



        BAföG gibt es nicht für Viel-Erhalter.



        Uswusw. Wie kommen Sie also zu Ihrer Ansicht?

  • Astrid Sehnefeld

    Seit Ewigkeiten bekannt - aber keiner tut etwas dagegen 🤷



    Wo sind da die SPD oder die Grünen?



    Seit 1966 ist die SPD nun glatte 40 Jahre an Bundesregierungen beteiligt gewesen, auch die Grünen waren schon 11 Jahre an Bundesregierungen beteiligt - geschehen ist in all den Jahren?



    Genau, null.



    Was lernen wir daraus?



    Entweder ist es denen auch egal oder sie bringen es nicht auf die Kette.



    Egal wie, vollkommen unbefriedigend.



    Ich habe meinen Töchtern deshalb von klein auf zum Staatsdienst oder zur Selbstständigkeit geraten - nur in diesen beiden Feldern herrscht eine Leistungs- und Gehaltsgerechtigkeit.

    • Land of plenty

      @Astrid Sehnefeld:

      Die Erziehungszeiten und Erziehungsgeld wurden eingeführt unter den Regierungen mit SPD- und Grünen-Beteiligung. Und einiges andere: Das einklagbare Recht auf einen Kita-Platz. Juristische Änderungen.



      Stimmt: selektive Erinnerung.

    • warum_denkt_keiner_nach?

      @Astrid Sehnefeld:

      SPD und Grüne könnten sicherlich mehr machen. Aber bevor die SPD an die Regierung kam, brauchten Frauen in der Bundesrepublik z.B. noch die Unterschrift ihres Mannes, um ein Konto zu eröffnen. Seit dem hat sich Vieles geändert. Auch durch SPD und Grüne. Nicht genug, aber niemand sollte so tun, als wäre nichts geschehen.

      PS: Warum soll die Union nichts tun?

      • Astrid Sehnefeld

        @warum_denkt_keiner_nach?:

        Die Union propagiert die klassische Familie als Ideal mit klarer Rollenverteilung.



        Wieso sollte sie gegen den Paygap vorgehen?



        In der idealisierten Welt der Union muss die Frau schließlich nicht arbeiten gehen...🤷



        Ich erachte die Position der Union diesbezüglich als komplett falsch, verstehe aber, warum sie daran nichts ändert.



        Aber sie haben schon recht, es ging bergauf die letzten Jahrzehnte.

        • warum_denkt_keiner_nach?

          @Astrid Sehnefeld:

          Gut. Aber warum hackt man dann vor allem auf SPD und Grünen rum? Die Union ist doch offensichtlich das größere Problem.

      • Janix

        @warum_denkt_keiner_nach?:

        Danke, warum.., für die offenbar nötige Gedächtnisstütze.

        Warum bei im Öffentlichen Dienst mit dem immer noch existierenden Positionen-Ersitzen- oder -Erschmeicheln-Prinzip mehr Gerechtigkeit herrschen soll, habe ich nicht begriffen. Und wie das mit dem Rest des Posts in Verbindung stand.

        • Mondschaf26

          @Janix:

          Vielleicht sollten wir einen „Astrid Sehnefeld Gedächtnispreis" ausloben. Mit der Spezialkategorie für selektiefes Erinnern. (Noch etwas Bioengineering und die Sache ist geritzt.)

  • *Sabine*

    "Frauen bekommen immer weniger Kinder."



    Somit Männer auch.Grundsätzlich finde ich das angesichts von ca. 8,31 Milliarden Menschen auf dieser Welt nicht negativ.Ich denke öfter darüber nach,dass das Leben für uns alle (auch Flora/Fauna) besser,friedlicher und angenehmer sein könnte,wenn wir nicht so viele Menschen wären.Auf Details gehe ich jetzt nicht ein,da dies zu weit vom Thema wegführen würde.

    "Viele Frauen haben keine Lust mehr,sich über die Aufteilung von Familien-und Erwerbsarbeit zu streiten."



    Einen großen Einfluss auf das Streitpotential in einer Beziehung oder Familie,nicht nur in Bezug auf die Verteilung der Aufgaben,hat die Partnerwahl.Ein Kind,denke ich,kann Mann/Frau mit fast jedem Partner m/w/d bekommen,ohne "karriere- u/o rententechnisch" auf Lebenszeit zurückgeworfen zu werden.Ab dem zweiten Kind,meine ich,wissen m/w/d üblicherweise,was mit dem/der gewählten Partner:in m/w/d möglich ist und was nicht

    "Da ist es ...verweigern"



    Kinder "konkurrieren" heutzutage mit einer ungeheuren Vielfalt an alternativen Lebensgestaltungsmöglichkeiten,die m/w/d offenstehen und ich meine,dass u.a. auch deshalb der Wille zum Kind nicht mehr so "unbedingt" ist wie in früheren Zeiten.

    • AndreasM

      @*Sabine*:

      Ja, genug Menschen gibt es sicher schon auf dieser Erde. Nur leider vermehren sich gerade in den Teilen der Welt die Menschen ungebrochen stark, wo die Infrastruktur es an sich nicht mehr zulässt, was dann wieder großen Migrationsdruck auslöst. Während hierzulande die Arbeitskräfte in einigen Jahren fehlen.

      • Janix

        @AndreasM:

        Dann müssen ein paar Menschen zu Wolof und Französisch noch Deutsch lernen, das werden sie wohl auch noch hinbekommen. Dass sie heimische Temperaturen in Deutschland vorfinden, daran arbeiten wir ja gerade eifrig.

  • Janix

    Universal Männern, Frauen und "Eichhörnchen" gleiche Rechte, auch faktisch. Nicht für mehr Kinder (unser Planet ist in Summe schon gut bestückt), sondern weil es gerecht ist.

    • *Sabine*

      @Janix:

      "Universal Männern, Frauen und "Eichhörnchen" gleiche Rechte, auch faktisch."

      Und Pflichten, finde ich wichtig. Keine Rosinenpickerei.

  • Grenzgänger

    Ich möchte noch auf zwei andere Krisen hinweisen, die sich in diesem Zusammenhang aktuell abspielen: viele Hebammen haben mittlerweile auch keinen Bock mehr! Nicht wenige haben seit dem 1.11.25, als der neue HebHilfeV gültig wurde, das Handtuch geschmissen, weil sie mit Verdiensteinbußen zwischen 30% und 40% schlicht von ihrer Arbeit nicht mehr auskömmlich leben können. Währenddessen regt man sich bei uns über die Absenkung der Vergütung für psychotherapeutische Leistungen um 4,5 Prozent auf, die inzwischen zumindest ausgesetzt wurde.







    Scheinbar möchte auch die Politik die Geburtenzahlen reduzieren, denn anders ist nicht zu erklären, dass durch das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz (BStG) zukünftig Schwangerenvorsorge in den Gynäkologenpraxen budgetiert werden soll. Das wird nach Ausssage von Gynäkologen die Schwangerschaftsvorsorge in den Praxen begrenzen.







    Nähere Infos dazu hier: www.ndr.de/nachric...rauenarzt-100.html

    • EffeJoSiebenZwo

      @Grenzgänger:

      Ich gebe zu, ich kann die einzelnen von Ihnen genannten Maßnahmen nicht wirklich beurteilen, aber man muss jedenfalls immer auch schauen, wie waren die Verhältnisse VOR diesen Veränderungen. Vielleicht geht es hier einfach auch um Besitzstandswahrung?

  • J. G.

    Natürlich kann man sich gegen Kinder entscheiden, aber bitte nicht die "gesellschaftlichen Verhältnisse" vorschieben.



    Ich frage mich wie meine Eltern mich groß gebracht haben.

    • nihilist

      @J. G.:

      Wenn sich aber alle gegen Kinder entscheiden, kann man durchaus die Frage stellen, ob das vielleicht was mit den Verhältnissen zu tun hat.

  • Teleshopper

    Oder liegt es an der allgemeinen Karriere- und Konsumgeilheit und Ich-bezogenheit von Männern und Frauen?



    Es gibt in den 20ern immer einen Grund keine Kinder zu bekommen: Urlaub, Ausbildung / Studium (gerne ein paar mal wechseln), Karriere , selfcare , was erleben usw...



    Dann muss eine Partner/Partnerin gefunden werden die das alles genauso mitmacht wie man es sich selber vorstellt, da Kompromissbereitschaft nicht nur in der Politik out ist.



    Und zack sind beide Ende 30 und das Kinderkriegen wird aus biologischen Gründen immer schwieriger.



    Von der finanziellen Not, dass beide Elternteile vollzieit arbeiten müssen und Frembbettreuung in den meisten Bundesländern ab 1 Jahr immernoch eine Farce ist mal ganz zu schweigen.

    • Sonderzeichen

      @Teleshopper:

      Ein gutes Stück wird schon auch daran hängen, dass es für vorherige Generationen einfach "normal" war Kinder zu kriegen.



      Man hat nicht darüber nachgedacht, das war einfach so wie man eben lebt. Mann/Frau suchen, Kinder kriegen, Häusle bauen, samstags den Rasen scheren, life's goal achieved.



      Ich hatte mit meiner Partnerin mal darüber nachgedacht, aber erst wollte Sie nicht, dann wollte ich nicht, dann wieder umgekehrt, und dann haben wir uns getrennt.



      Mittlerweile kenne ich auch viele Frauen die schlicht keine Lust haben auf Kinder. Einfach weil sie keine Lust haben. Kein spezieller Grund.



      Wozu einen Hund anschaffen wenn man keinen will?



      Wozu ein Kind kriegen wenn man keins will?



      Ist dann halt so.

  • Breitmaulfrosch

    Dieser Nachteil für Frauen existiert. Also muss er durch entsprechende gesetzliche Regelungen ausgeglichen werden. Z.B. dadurch, dass man Erziehungszeiten (Care Arbeit) für die Rente anrechnet. Das ist übrigens geschlechtsunabhängig und kann auch Männern helfen, ihre beruflichen Ziele mal eine Zeit lang zugunsten der Familie zurückzusenden.

    Ein weiterer Punkt wäre eine wirklich hart durchgesetzte Wiedereinstellungsgarantie nach einer Erziehungszeit, auf eine wenigstens gleich gut bezahlte Position. Ebenfalls natürlich geschlechtsunabhängig.

    Was gar nicht hilft, ist die Forderung nach mehr Kinderbetreunung. Niemand bekommt Kinder, um die dann 50 Stunden pro Woche in fremde Hände zu geben und nach einem harten Arbeitstag noch mit gestressten und extrem zuwendungsbedürftigen Kindern konfrontiert zu sein. So läuft das nicht, übrigens auch nicht in Frankreich oder Holland.

    • Oma

      @Breitmaulfrosch:

      Karriere machen derweil andere.

      • nihilist

        @Oma:

        Das kriegt man niemals aufgelöst. Entweder Andere machen die Karriere oder Andere ziehen die Kinder groß.

        • Oma

          @nihilist:

          Das alte CSU-Weltbild. Wer seine Kinder nicht höchstpersönlich selbst den ganzen Tag bekocht und betütelt, ist eine Rabenmutter. Diese Ideologie ist in den letzten Jahrzehnten fast noch heftiger geworden als in meiner Jugend. Damals gab es noch keine Helikoper-Eltern. Wir hatten Geschwister und Nachbarskinder und wurden höchstens mal am Wochenende von unseren Eltern bespasst. Was eher langweilig war. Seit Frauen gut ausgebildet sind und erst mit 30plus das erste und meist einzige Kind bekommen, dreht sich alles nur noch um den lang ersehnten Nachwuchs. Ob dem die übermäßige elterliche Fürsorge wirklich so gut tut?