Geburtenrückgang in Deutschland : Keinen Bock mehr
Frauen bekommen immer weniger Kinder. Viele Frauen haben keine Lust mehr, sich über die Aufteilung von Familien- und Erwerbsarbeit zu streiten.
Foto: Bodo Niemann/imagebroker/imago
I mmer weniger Frauen hierzulande werden Mütter. Liegt das „nur“ an Zukunftsängsten, wirtschaftlicher Unsicherheit? Am Wunsch, sich zu individualisieren? Oder gibt es zu wenige progressive Männer, und Frauen haben immer weniger Lust, sich mit unverbesserlichen Anhängern des Patriarchats auseinanderzusetzen? Denn sie wissen mittlerweile, dass sie die horrenden systemischen Gender Gaps als Mitgift bei der Familienplanung mitbekommen.
Viele kluge Podcasts und Publikationen sorgen dafür, geschlechterbedingte Lücken aufzuzeigen: Autorinnen wie Jo Lücke, Mareice Kaiser, Leonie Schöler zeigen in Gesellschaftsanalysen messerscharf, weshalb wir heute immer noch keine Gleichberechtigung haben. Dafür reicht auch der Blick auf den Rentenbescheid: Frauen, die Care-Arbeit leisten, sind krass im Nachteil. Wenn eine Mutter dreier Kinder nach 25 Jahren Tätigkeit im frauentypischen Pflege- und Kulturbereich etwa 12 Entgeltpunkte erzielt, hat sie eine Rentenerwartung um die 450 €. Wie soll frau davon leben können? Nichtsorgende Menschen können sich dagegen entspannt zurücklehnen, ihr Durchschnittseinkommen von jährlich 51.000 Euro ergibt Jahr für Jahr einen vollen Rentenpunkt.
Es gehört zum System, Frauen in monetärer Abhängigkeit zu halten, damit sie sich unbezahlt kümmern. Und die Männerwelt profitiert. Oder wie ist der seit Jahren stabile Gender Care Gap anders zu interpretieren? Frauen verrichten knapp drei Viertel mehr Sorgearbeit als Männer und schränken dadurch trotz Topausbildung ihre Erwerbstätigkeit ein. Das sorgt zwangsläufig für eklatante Einbußen beim Lebenserwerbseinkommen und der Altersabsicherung. Motiviert das, eine Familie zu gründen?
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Da ist es nur verständlich, dass sich junge Frauen reproduktiv verweigern. Wie wäre es, wenn Care-Arbeitende pro Jahr einen halben Renten-Entgeltpunkt extra für ihre Leistungen bekämen? Bis dahin könnte jeder Vater beherzt ein deutliches Mehr an Sorgearbeit leisten und damit proaktiv den Care Gap abbauen.
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