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Schaden durch Steuerhinterziehung100 Milliarden Euro, die uns fehlen

Essay von

Anne Brorhilker

Wirtschaftskriminalität wirksam zu bekämpfen, könnte den Fiskus massiv erleichtern. Um das zu ermöglichen, ist auch ein Umdenken notwendig.

D em Staat fehlt Geld. So weit, so bekannt. Doch während intensiv darüber diskutiert wird, wer steuerlich ent- und wer zumindest nicht weiter belastet werden darf, bleibt eine Gruppe fatalerweise völlig unbehelligt: diejenigen, die gar nicht erst in die Staatskasse einzahlen oder sich schlimmer noch illegal daraus bedienen. Allein durch Steuerhinterziehung entsteht Deutschland jährlich ein geschätzter Schaden von 100 Milliarden Euro. Hinzu kommen weitere rund 100 Milliarden durch Geldwäsche.

Die Debatten um den Haushalt und notwendige Reformen verliefen sicherlich ganz anders, stünde dieses Geld zur Verfügung. Trotzdem behandelt der Staat Wirtschaftskriminalität erstaunlich nachlässig. Statt die bereits gestohlenen Milliarden zurückzuholen und dafür zu sorgen, dass Wirtschaftskriminelle uns nicht weiter ausnehmen wie eine Weihnachtsgans, werden vor allem die vergleichsweise geringfügigen Vergehen von So­zi­al­hil­fe­emp­fän­ge­r:in­nen mit aller Härte geahndet. Der Eindruck drängt sich auf: Der Staat misst mit zweierlei Maß.

Besonders deutlich wird das bei sogenannten Tax Trades, zu denen CumEx- und CumCum-Geschäfte zählen. Ihre Profite stammen einzig aus Steuervorteilen zulasten der öffentlichen Hand. Bei CumEx-Geschäften lassen sich Akteure wie Banken und Investmentfonds Kapitalertragsteuer erstatten, die zuvor nie gezahlt wurde. Bei CumCum, dem großen Bruder von CumEx, wird die Steuerpflicht umgangen, indem rund um den Dividendenstichtag Aktien übertragen werden.

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Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Zusammengenommen haben beide Modelle bislang einen Schaden von schätzungsweise 40 Milliarden Euro verursacht. Während die Aufklärung von CumEx in den vergangenen Jahren zumindest punktuell vorangeschritten ist, kann davon bei CumCum kaum die Rede sein. Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums wurde bislang nicht einmal ein Prozent der entstandenen Schäden rechtskräftig zurückgefordert; und das trotz diverser Urteile, die verschiedene typische Varianten von CumCum-Geschäften ausdrücklich für illegal erklärt haben.

Die Ehrlichen sind die Dummen

Dieser laxe Umgang mit schwerwiegender Wirtschaftskriminalität schadet unserer Gesellschaft gleich mehrfach. Zunächst fehlen die Milliarden für dringende öffentliche Aufgaben. Die Folge sind kaputte Straßen und Brücken, überlastete Schienennetze, marode Schulen und löchrige Mobilfunkinfrastruktur. Eine entschlossene Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität könnte jährlich für Mehreinnahmen in Milliardenhöhe sorgen und den Haushalt nachhaltig entlasten.

Zudem verursacht Wirtschaftskriminalität massive ökonomische Schäden. Wer Steuern hinterzieht oder Schwarzarbeit in Auftrag gibt, verschafft sich unfaire Wettbewerbsvorteile. Wer sich ans Recht hält, wird bestraft, zwar nicht vom Staat, aber vom Markt. Die Ehrlichen sind schlicht nicht mehr konkurrenzfähig – und damit die Dummen. Vor allem aber leidet der Rechtsstaat selbst. Im öffentlichen Diskurs wird Sozialleistungsbetrug regelmäßig zum Symbol für den Missbrauch staatlicher Mittel stilisiert.

Anne Brorhilker

ist Juristin. Sie war Oberstaatsanwältin in Köln und Cum-Ex-Chefklägerin. Seit 2024 ist sie Geschäftsführerin der Bürgerbewegung Finanzwende.

Die Anklagequote ist hoch, die Strafen sind spürbar. Besonders gravierender Sozialleistungsbetrug ist gesetzlich zudem als „Verbrechen“ eingestuft, mit der Folge, dass diese Fälle nicht durch schnelle Deals „abgekürzt“ werden können. Zum Vergleich: Im Bereich der Wirtschaftskriminalität ist das Dunkelfeld enorm groß: Nur ein vergleichsweise kleiner Teil der Fälle wird überhaupt entdeckt und strafrechtlich verfolgt. Selbst wenn ermittelt wird, enden viele Verfahren mit Einstellungen.

Denn anders als beim (Sozialhilfe-)Betrug gilt selbst schwere Steuerhinterziehung rechtlich nicht als „Verbrechen“. Grundsätzlich können Verfahren daher gegen oft vergleichsweise geringe Geldbußen beendet werden. Von dieser „Möglichkeit“ wird im Bereich von Wirtschaftskriminalität besonders häufig Gebrauch gemacht. Das dürfte auch an dem erheblichen Ungleichgewicht der Ressourcen des Staates im Vergleich zur Tätergruppe liegen.

Ungleichbehandlung vor dem Gesetz

Die häufig wohlhabenden Tä­te­r:in­nen können sich ganze Teams hoch qualifizierter und beschwerdemächtiger An­wäl­t:in­nen leisten, während Behörden gerade im Bereich Wirtschaftskriminalität und Steuerhinterziehung häufig schwach aufgestellt sind. Wenn der Staat bei der Rechtsdurchsetzung gegenüber einkommensschwachen Tä­te­r:in­nen härter vorgeht als gegenüber finanziell gut aufgestellten Wirtschaftskriminellen, verstößt das gegen einen zentralen Grundsatz des Rechtsstaats: Artikel 3 Grundgesetz, „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.“

Der Journalist Ronen Steinke beschreibt in seinem Buch „Vor dem Gesetz sind nicht alle gleich“, welche Konsequenzen diese Ungleichbehandlung hat. Sein Fazit: Das Rechtssystem benachteilige systematisch ärmere Menschen. Die beschriebene Ungleichbehandlung kann man in einem Satz zusammenfassen: Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen. Das birgt eine enorme Gefahr.

Wenn Bür­ge­r:in­nen erleben, dass der Staat bei kleinen Verstößen entschlossen handelt, bei milliarden­schweren Wirtschafts­delikten dagegen zögerlich wirkt, wächst das Gefühl institutioneller Ungleichheit

Wenn Bür­ge­r:in­nen erleben, dass der Staat bei kleinen Verstößen entschlossen handelt, bei milliardenschweren Wirtschaftsdelikten dagegen zögerlich wirkt, wächst das Gefühl institutioneller Ungleichheit. Aus diesem Misstrauen nähren sich Erzählungen von „denen da oben“ und „uns hier unten“. Das schafft Raum für politische Kräfte, die Vertrauen gezielt weiter zerstören wollen. Gegensteuern ist dringend nötig – und auch möglich. Doch nicht etwa auf gesetzlicher Ebene, wie es etwa bei CumEx lange versucht wurde.

Stattdessen muss das Entdeckungsrisiko erhöht werden. Das Wesen von Kriminalität besteht nun einmal darin, sich über geltende Gesetze hinwegzusetzen. Ladendiebstahl ist schließlich auch seit Jahrzehnten verboten und findet trotzdem statt. Was tut man nun aber, wenn in einem Laden gestohlen wird? Man leuchtet die dunklen Ecken aus und installiert Kameras. Dasselbe Prinzip muss für Steuerbetrug gelten: Wer ihn wirksam bekämpfen will, muss dafür sorgen, dass die Verwaltung in der Lage ist, ihn zu entdecken und zu verfolgen.

Spezialisierte Einheiten von Zoll und Polizei

Derzeit sind Justiz, Polizei und Finanzverwaltung jedoch operativ zu schwach aufgestellt. Sie sind chronisch unterbesetzt, schlecht vernetzt und arbeiten mit rückständiger Technik. Will man schwerer Wirtschaftskriminalität wirklich etwas entgegensetzen, braucht es leistungsstarke Behörden mit ausreichend geschultem Personal, moderner Ausstattung und klaren Zuständigkeiten. Für die Verfolgung von Steuerhinterziehung wie CumEx und CumCum sowie von Geldwäsche wäre eine zentrale Ermittlungsstelle auf Bundesebene sinnvoll.

Schon eine kleine, spezialisierte und schlagkräftige Einheit aus Zoll, Steuerverwaltung und Polizei könnte international organisierte Wirtschaftskriminalität wirkungsvoller bekämpfen als die Vielzahl schlecht aufgestellter und unkoordinierter Landesbehörden. Mehr Aufmerksamkeit verdient auch der Einfluss finanzstarker Lobbygruppen. Die Finanzbranche verfügt über enorme Ressourcen, um mit oft irreführenden Argumenten Fi­nanz­po­li­ti­ke­r:in­nen und Gesetzgebungsprozesse zu beeinflussen.

Das Lobbyregister macht das mehr als deutlich: Seit seiner Einführung vor drei Jahren steht die Finanzlobby unangefochten an der Spitze. Im Jahr 2025 stammten zehn der hundert finanzstärksten Registereinträge von Banken, Versicherern und der Fondsindustrie – mit einem Budget von knapp 40 Millionen Euro und über 450 Lobbyist:innen. Dass die Finanzlobby den Ver­tre­te­r*in­nen der Zivilgesellschaft derart klar überlegen ist, führt zu einem gefährlichen Ungleichgewicht in der Interessenvertretung, dem mehr Transparenz und strengere Regeln entgegenzusetzen sind.

Schließlich ist eine Reform des Strafrechts überfällig. Steuerhinterziehung darf auch gesetzlich nicht länger milder behandelt werden als Sozialhilfebetrug. Gravierende Fälle sollten ebenfalls als Verbrechen eingestuft werden, mit der Folge, dass schnelle Deals nicht länger möglich sind. Nur das kann die systematische Ungleichbehandlung strukturell durchbrechen. All diese Änderungen sind machbar.

Kein Kavaliersdelikt

Zuständig dafür sind die Fach­mi­nis­te­r:in­nen für Inneres, Justiz und Finanzen auf Bundes- und Länderebene. Mi­nis­te­r:in­nen sind nicht bloß „Frühstücksdirektor:innen“; sie sind die Che­f:in­nen der Verwaltung, ausgestattet mit Dienst-, Rechts- und Fachaufsicht und damit erheblichem Gestaltungsspielraum. Diesen müssen sie nutzen. Doch auch wir als Gesellschaft tragen Verantwortung. Die kriminologische Forschung misst der gesellschaftlichen Haltung zu Wirtschaftskriminalität erhebliche Bedeutung bei.

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Aktuell gilt es aber häufig noch als „clever“, den Fiskus auszutricksen, Wirtschaftskriminalität wird gar als „Kavaliersdelikt“ entschuldigt und die massiven Folgen für die Gesellschaft werden verdrängt. Nötig ist eine kulturelle Wende: Wirtschaftskriminalität, Steuerhinterziehung und Geldwäsche sind Angriffe auf das Fundament unseres Zusammenlebens. Sie entziehen dem Staat die Mittel, Daseinsfürsorge zu gewährleisten, und vergiften den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Die Tatenlosigkeit der zuständigen Behörden und Politik tut ihr Übriges. Gleichheit vor dem Gesetz ist keine Selbstverständlichkeit. Wer sie nicht durchsetzt, zahlt einen Preis, der sich in keinem Haushalt aufführen lässt.

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71 Kommentare

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  • "Wenn Bür­ge­r:in­nen erleben, dass der Staat bei kleinen Verstößen entschlossen handelt, bei milliardenschweren Wirtschaftsdelikten dagegen zögerlich wirkt, wächst das Gefühl institutioneller Ungleichheit. Aus diesem Misstrauen nähren sich Erzählungen von „denen da oben“ und „uns hier unten“. "

    Na genau. Und wenn dann in Zeiten, wo die Politikverdrossenheit und der Zulauf zu den Populisten eh schon groß ist, einer Kanzler wird, unter dessen politischer Verantwort Cum Ex lief und der sich jetzt an die entscheidenden Details nicht erinnern kann, dann ist das Wasser auf die Mühlen von AfD und Co. Oder dass ein Dobrindt Innenminister werden kann, obwohl er als Initiator der PKW Maut den Staat einen Milliardenschaden zugefügt hat.



    An genau solchen Stellen liegt der Schlüssel, zu verantwortungsvoller Politik. Und genau daran kann man erkennen, wie weit weg die etablierte Politik von den Menschen ist. Mit so einer Ignoranz wird man die Rechten niemals kleinkriegen.

  • Einführung der Sozialbeitragsbindung auf leistungsloses Einkommen aus spekulativen Finanztransaktionen verändert Finanzarchitektur eines Währungsraums fundamental, indem sie systemische Anreize verschiebt, die Liquidität in virtuellen Märkten verringert und die Resilienz gegen Steuerbetrug (wie Cum-Ex/Cum-Cum) erhöht.Hier ist die detaillierte systemische, ökonomische und juristische Wirkung aufgeschlüsselt:



    1. Wirkung auf die Finanzarchitektur und Marktmechanismen



    Dämpfung virtueller Anlagesegmente: Die Belastung von Derivaten, Hebelwetten und Leerverkäufen mit Sozialabgaben wirkt wie eine erweiterte Finanztransaktionssteuer. Sie senkt die Netto-Rendite von Hochfrequenzhandel und rein spekulativen Geschäften drastisch.Erhöhung der Marktstabilität: Da hochgradig gehebelte Wetten und Devisenspekulationen (Forex-Trading) teurer werden, sinkt das Volumen rein virtueller Liquidität. Dies reduziert künstliche Marktvolatilität und das Risiko von Flash-Crashes. Eindämmung von Aktienrückkäufen: Die Verbeitragung von Gewinnen aus kurspflegenden Aktienrückkäufen mindert deren Attraktivität für Konzerne. Unternehmen werden dadurch motiviert, Kapital eher in produktive Bereiche zu investieren

  • Mehr Qualität in der Gesetzgebung



    Dass Superreiche legale Steuertricks anwenden, weil die Gesetze schlampig formuliert sind, mag moralisch total verwerflich sein, ist aber legal. Milliarden werden so völlig legal am Finanzamt vorbei geschleust, weil unsere Gesetzgeber schlampige Gesetze schreiben. Und wird ein Schlupfloch erkannt, so könnte man es zumindest sofort wieder schließen. Ich vermute, dass mehr Steuern der Superreichen legal als illegal am Finanzamt vorbei geschleust werden.

  • Schaden durch Steuerhinterziehung/Geldwäsche ist ja nur ein Teil des Übels, was ist mit den Schaden durch Steuerverschwendung ? Nicht nur die Milliarden die Politiker wie Scheuer, Spahn, Habeck/Günther durch ihre Inkompetenz versenkt haben sondern vor allem die totale Ineffizienz unserer gesamten Systeme. Deutschland wendet genauso viel Geld, teilweise auch viel mehr, als andere Länder für viele Projekte auf, nur kommt unter dem Strich viel weniger an. Es kann doch nicht sein das bei Sozialen Leistungen wie Grundsicherung, Job Center 40 % - 60 % in der Verwaltung verschwinden. Warum wird hier nichts geändert ? Es ist ja nicht nur die Schutzheilige aller Reformgegner, Bas, die kategorisch jegliche Reformen ablehnt, hier geht es um einen Sumpf durch Strukturen die in Jahrzehnten immer weiter aufgebläht wurden bis sie zu dem regungslosen Moloch geworden sind der heute unser Geld verschlingt.



    Oder warum gibt man äußerst unfähigen Politikern wie Pistorius 100de Milliarden ohne (fast) jegliche Kontrolle ? Ein Paradebeispiel wie man Geld vernichten kann. Hier könnte man noch unzählige Punkte von Steuergeld Verschwendung aufführen, nur wird sich halt nie was ändern.

    • @Günter Witte:

      Ganz toller und beeindruckender Kommentar, Danke.

  • Seit 1982/83 hat es keine nennenswerte Verbesserung in der Erhebung von Steuern gegeben. Würden Finanzämter mit den Gesetzen von 1981 Steuern eintreiben, wären Investitionen, Bildungsausgaben, Verteidigung, Wohnungsbau gar kein Problem.



    Würden dann Gesetze auf alle gleich angewendet, dann wäre Deutschland ein paradieses Land mit extrem leistungsfähigen Arbeitnehmern und einer unglaublichen Infrastruktur.



    Aber das will die Politik nicht.



    Evtl. sind Grüne und Linke noch bereit, eine grundsätzliche Verbesserung zu machen. Aber es läuft eigentlich immer in die gleiche Richtung wie seit Helmut Kohls Wende 1982.

  • Der Text ist bewundernswert und fanrastisch. Das ist so genau auf den Punkt gebracht, das kein Wort fehlt oder zu viel ist.



    Tatsächlich gibt es frei nach Aristoteles nur zwei Wirkmächte, die einer ausgewachsenen Demokratie gefährlich werden können: Demagogie einer neuen Aristokratie - und Korruption.



    Bei CumEx und CumCum kommt beides zusammen; verführerische Nonsensgutachten von Starjuristen und ein Staat, der dank Parteispenden und Bestechung sowie systematischer Einflussnahme auf MdBs und Staatssekretäre schließlich von höchster Stelle in der Politik erst entwaffnet und dann von Bankern an die Wand gedrückt wird.

  • Die Forderungen aus dem Artikel sind sowas von einem gesellschaftlichen Selbstläufer, auch sichtbar an den Kommentaren, nicht nur in dieser Zeitung, dass man sich fragt, warum das nicht längst mal ein großes Wahlversprechen ist.

    Aber ein wenig whataboutism. Wieviel Mrd müssen eigentlich aufgewendet werden um die Sauereien der Bürger, m, wieder zu beseitigen? Beschmierungen, Vandalismus, illegale Müllentsorgung oder einfach Hinterlassung, Unordnung und Krawall. Ja, man kann nicht jede menschliche Regung unterdrücken. Anscheinend wird immer danach gestrebt, den eigenen Vorteil zu vergrößern, egal ob in Finanzgebaren oder im sichtbaren Alltag. Und die Regeln, die es eingrenzen sollen, kommen immer zu spät.

    • @fly:

      Was wollen Sie damit jetzt ausdrücken, fly? Die von Ihnen beschriebenen "Sauereien der Bürger" werden wahrscheinlich entschlossener verfolgt als die oben beschriebenen Delikte der Steuerhinterziehung.

  • Bundesjustiz (oder Finanz-) ministerin in spe Brorhilker:



    100% Zustimmung.



    Wie immer.



    Was macht Herr Klingbeil eigtl. beruflich?



    Auch und gerade als Rest-spd Vorsitzender wäre die Implementierung der bestehender Steuergesetze doch DAS Gerechtigkeitsthema, das auf der Strasse liegt.



    Dass er dies nicht macht, zeigt wie tief im Abgrund die spd angekommen ist. Genau wie unter Scholz (sowohl als BFM als auch als BUKA) passiert NICHTS.



    Und mit der afd demnächst im Bundesrat tun sich noch tiefere Abgründe auf.



    All das sollte allen bewusst sein.

  • Es fehlt der politische Wille, den Reichen und Mächtigen auf die Füße zu treten und auch mit den Mitteln des Strafrechts Steuerehrlichkeit einzufordern.



    Hier gehen zig Milliarden flöten, was den "kleinen Mann" auf der Straße seltsamerweise kaum juckt, der allerdings am Rad dreht, wenn Asylbewerber das Existenzminimum erhalten sollen oder der Bürgergeldempfänger 4,50 EUR mehr erhalten soll.



    Offenbar funktioniert die Propagandamaschinerie der Großkopferten ausgezeichnet, dieser Missstand betoniert und vergrößert sogar noch die damit einhergehende Ungerechtigkeit.

  • Das ist ja nicht nur in Deutschland so, dass Wirtschaftsverbrecher den Staat, das Land und die Bevölkerung bestehlen, denn das ist schon seit Jahren in ganz Europa so. Eine im Auftrag der S&D-Fraktion des EU-Parlaments erstellte Untersuchung der University London ergab, dass jährlich den EU-Mitgliedstaaten schätzungsweise rund 825 Milliarden Euro durch Steuerhinterziehung entgehen. Deutschland liegt mit einem geschätzten jährlichen Verlust von etwa 125 Milliarden Euro EU-weit auf dem zweiten Platz hinter Italien.

    Nun ja, Deutschland ist immerhin auf dem zweiten Platz, und da kann man doch stolz sein – oder?

  • Sozialabgabenbindung leistungslosen Einkommens aus spekulativen Finanzgeschäften (Derivate, Hebelwetten, Krypto, Aktienrückkäufe) würde die Finanzarchitektur grundlegend stabilisieren.



    Marktregulierung: Die Abgabe wirkt wie eine Finanztransaktionssteuer. Sie senkt die Rendite von Hochfrequenzhandel und Leerverkäufen. Das entzieht virtuellen Märkten künstliche Liquidität und dämpft Volatilität. Unternehmen investieren Kapital seltener in kurspflegende Rückkäufe, sondern eher produktiv in die Realwirtschaft.



    Bekämpfung von Steuerbetrug: Konstrukte wie Cum-Ex oder Cum-Cum basieren auf der Erstattung nicht gezahlter Kapitalertragssteuern. Eine Kopplung an Sozialabgaben zieht die Sozialversicherungen als neue Prüfinstanz ein. Das erhöht das Entdeckungsrisiko drastisch und vernichtet die Gewinnmargen solcher Modelle. Da die steuerliche Asymmetrie zwischen Arbeit und Kapital schwindet, kollabieren aggressive Modelle zur Steueroptimierung an der juristischen Kante.



    Systemeffekt: Die Finanzierungsbasis der Sozialsysteme wird von der Demografie entkoppelt. Ohne Harmonisierung innerhalb eines Währungsverbund wie der Eurozone droht jedoch massive Kapitalflucht in unregulierte Währungsräume.

  • Härtere Strafen und mehr Kontrolle, so wie bei vielen Themen....

    • @Todesfister:

      Kommt nicht in Frage, hier würden die ernsten Fälle nicht die "Kleinen" betreffen.

      • @Erfahrungssammler:

        Steuergerechtigkeit muss für alle gleich gelten.



        Es muss ALLE betreffen, den kleinen Mann welcher ein paar km für die Fahrt Wohnung/Arbeitsstätte dazu mogelt, den Besserverdiener welcher sein Arbeitszimmer in der Steuererklärung "wachsen" lässt und den Spitzenverdiener, welcher sich illegaler Tricks zur Steuerersparnis bedient.

  • Das wichtigste an diesem Artikel ist, dass drüber geschrieben wurde. Gerade wenn man nicht aus der Branche ist, bleibt es wichtig Einzelheiten zu verstehen. Es wird ja nicht aufhören. Deswegen darf auch das Berichten nicht aufhören, auch wenn es "erst mal nichts nützt".

  • oje, wer war denn an CumEx beteiligt, konnte sich an nichts erinnern, ist ohne Gerichtsverfahren davongekommen, wurde von einer heutigen Regierungspartei und einer anderen Partei durch den Wirtschaftsminister gedeckt? Das waren Olaf und Robert. Wenn Steuerhinterziehung nicht nur wegen mangelndem Personal bei den Behörden nict verfolgt sondern durch höchste politische Mandatsträger gedeckt wird dann muss man doch von strukturellen Problemen sprechen die man nicht durch die Eunrichtung einer Behörde lösen kann. Und genau da müsste die Regierung ansetzen aber halt, der Bock ist ja der Gärtner..

    • @Gerald Müller:

      Inwiefern war Robert Habeck an CumEx beteiligt?

      • @Jesus:

        ich habe nicht gesagt dass Robert beteiligt war, sondern dass er Olaf gedeckt bzw nichts zur Aufklärung unternommen hat.

      • @Jesus:

        Die übliche Vorgehensweise: Einfach mal etwas Verwaschenes, nach vielen Seiten Offenes absondern und dann mal schauen, wer über welche Stöckchen springt.



        Rooobäärt kann nicht gemeint sein, der würde sich eher die Hand abhacken als einen Cent zu wenig zu zahlen.

      • @Jesus:

        Vielleicht ist eine anderer Robert gemeint? Aber wir sind das ja inzwischen gewöhnt, dass grundsätzlich die Grünen an allem Schuld sind, oder zumindest mit-Schuld.

  • Steuerbetrug im großen Cum Ex, Cum Cum Stil schwächt nicht nur Staatshaushalte, sondern verschärft die soziale Schieflage. Wenn Banken, Fonds, Anwalts- , Steuerberater Kanzleien Gewinne verschieben, tragen Beschäftigte die Last über höhere Abgaben und schlechtere öffentliche Leistungen. Gleichzeitig fließt überschüssiges Kapital in Aktien, Immobilien und Derivate und treibt Inflation, Vermögensblasen, während reale Arbeitseinkommen Kaufkraft sinkt . So wächst ein Finanzsystem, das sich von der Lebenswirklichkeit löst und Staaten in Neuverschuldung drängt, um Grundaufgaben, Daseinsvorsorge. Infrastruktur, innere, äußere Verteidigung zu sichern. Eine Finanztransaktionssteuer würde spekulative Hochfrequenzgeschäfte bremsen, eine Quellensteuer neben Arbeitseinkommen auf leistungsloses Einkommen Steuerflucht erschweren, auf Börsenhandel entschleunigend wirken, Kapital unmittelbarer an der Finanzierung des Gemeinwesens beteiligen. Beides zusammen könnte die Dynamik virtueller Vermögensblasen eindämmen, Märkte stabilisieren und die Balance von Arbeit und Kapital wieder annähern – damit Wohlstand nicht nur für Wenige an Börsen entsteht, sondern im Alltag der Mehrheit spürbar ankommt.

  • Die Regierung Merz und Ganoven vertritt doch



    die Intressen dießer Klientel, wie man immer



    wieder sieht .



    Bestes Beispiel - Scholz und Warburg .



    Es wird sich nichts ändern , es sei denn der



    Normalbürger wählt die Partei die seine Interessen vertritt und da fällt mir nur die Linkspartei ein , die eigentliche sozialdemokratische Partei .



    Also vor der wählen nachdenken !!!

    • @Worgt Michael:

      Die Steuerfahndung unterliegt den Fimamzministern der Länder. Da hat die Bundesregierung keinen Einfluss.

  • ... & irgendwie beißt sich irgendwann dann doch die 💩Katz' in den eigenen Schweif...🙀

  • Na, na, na wir wollen hier doch alle nicht aufmüpfig werden?



    Wir wissen doch alle das die Gefahr bei den Unteren der Gesellschaft



    liegt ihr sollt doch auf die Oberen nicht neidisch sein. Geht mehr arbeiten und Strengt euch an.



    Wer Sarkasmus findet darf ihn behalten.

    • @Captain Hornblower:

      Sarkasmus gegen den Zynismus derer, um die es hier geht - das bringt die höchstens zum hämischen Lachen.

    • @Captain Hornblower:

      ***Wir wissen doch alle das die Gefahr bei den Unteren der Gesellschaft liegt ...***

      Vollkommen richtig. Außerdem wollen die Wirtschaftsverbrecher uns Bürgern nur von der Sorge und dem Nachdenken befreien, was man mit zusätzlichen 100 bis 200 Milliarden Euro alles machen könnte. Und marode Schulen oder zu wenige Sozialwohnungen gibt es ja zum Glück auch nicht in diesem Land. Also sollte man solche 'Kleinigkeiten' wie 100 Milliarden Euro durch Steuerhinterziehung und weitere 100 Milliarden Euro durch Geldwäsche auch gar nicht erst juristisch verfolgen, sondern lieber weiterhin Armutsrentnern das Geld vom Sozialamt abziehen lassen, was sie "frecherweise" durch Pfandflaschen sammeln eingenommen haben.

      Es ist wirklich so, dass man diese ganze Idiotie nur noch mit Sarkasmus erträgt.

      • @Ricky-13:

        "Und marode Schulen oder zu wenige Sozialwohnungen gibt es ja zum Glück auch nicht in diesem Land."

        Was aber vor allem daran liegt, dass unser Staat inzwischen in diesen Bereichen (und auch in anderen) genau so dysfunktional ist wie beim Eintreiben von Steuern. Wenn der heute zum nötigen Geld käme, könnte er es gar nicht sinnvoll ausgeben - wahrscheinlich selbst mit gutem Willen nicht einmal in den nächsten 10 Jahren.



        Aber ein "Sondervermögen für Infrastruktur" auflegen - du kannst es dir nicht ausdenken...😎

      • @Ricky-13:

        @Ricky-13



        Ich vermute in der freien Wirtschaft wäre jeder Buchhalter schon geflogen, bei solchen veruntreuten hohen verschwundenen Summen...😇



        Das Finanzamt bleibt ein wech Zauberer, nur der Trick mit dem wiederholen klappt noch nicht.



        Ob dieses fehlende Steuergeld wenigsten bei uns im Land im Umlauf ist, wissen wir ja auch nicht so genau....

        • @Alex_der_Wunderer:

          "Nicht so genau..." - genau!!

        • @Alex_der_Wunderer:

          ***... bei solchen veruntreuten hohen verschwundenen Summen...***

          "Ist dies schon Wahnsinn, so hat es doch Methode." [Shakespeare, Hamlet]

          Man könnte ja z.B. die 100.000 Jobcentermitarbeiter – die ohnehin nur noch die Armut in diesem Land verwalten – umschulen, damit die sich mal um Steuerbetrüger kümmern. Aber arme Arbeitslose tyrannisieren ist wohl einfacher, als sich um Wirtschaftsverbrecher in diesem Land zu kümmern, die dem Staat (also uns Bürgern) jedes Jahr 100.000.000.000 bis 200.000.000.000 Euro aus der Tasche ziehen.

          Es wird aber nichts gemacht, sondern lieber weiterhin auf arme Menschen eingeprügelt. Da fragt man sich doch 'frei nach Shakespeare': Ist das nur Wahnsinn oder ist das tatsächlich schon Methode?

  • Eigentlich ist das ganz einfach. Welche Experten arbeiten denn für die Finanzverwaltung, wenn sie in der privaten Wirtschaft locker das dreifache verdienen können. Da stehen ein paar Verwaltungsexperten einer ganzen Heerschar von privaten Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern gegenüber, die sogar noch teilweise vom Staat bei dem Entwurf von Steuergesetzen befragt und gebucht werden.

    • @FraMa:

      Auch in Verwaltungen gibt es Menschen mit Sachkenntnis, die ihre Aufgabe ernst nehmen und sie gerne so gut wie möglich erfüllen würden.



      Aber die Knüppel zwischen die Beine werden immer dicker, und viele geben einfach auf, oft, nachdem sie sogar krank geworden sind.



      Ich hätte einige interessante Beispiele, aber gegen die Veröffentlichung haben die Siewissenschon Regelungen kreiert. Und einen Verstoß dagegen kann ich mir leider nicht leisten.

  • Fast ist es schon eine abgedroschene Feststellung: die, die spürbar Steuern hinterziehen und sonstwie auf dem Gebiet brillieren (Cum ex und Cum cum etc) das sind Leute, die Einfluß haben und lieber "Beraterverträge" im Parlament verteilen, extreme Lobbyarbeit finanzieren und satte Parteispenden geben, freilich nicht in Höhe ihrer Betrügereien. Mit denen verdirbt es sich eine csdU oder spD nicht. Lieber werden wieder mal die Kleinen gehängt, währen die Großen fröhlich herumlaufen. Es war vor hundert Jahren so und es wird in hundert Jahren auch so sein.

  • Was man könnte bestehendes Recht durchsetzen und illegale Geschäfte wie Geldwäsche unterbinden und damit noch dem organisierten Verbrechen schaden ?



    Am Ende sogar deutlich mehr Geld für Investitionen zur Verfügung haben ?



    Von solchen Vorstellungen schrecken Merz und co aus ihrem Schlaf der Selbstgerechten hoch

    • @Rabenbote:

      Ich vermute, die fühlen sich sicher wie in Abrahams Schoß. Wie sonst könnten z. B. gewisse Maskenhändler sich sogar noch vom Steuerzahler aushalten lassen?



      Unverhohlener obszöner Betrug am Volk wird in den USA sogar bewundert und gefeiert, und was in den USA für erstrebenswert gehalten wird, schlägt in immer kürzerer Zeit mit Sicherheit auch hier auf.

      • @Erfahrungssammler:

        Es geht auch anders. In Frankreich ermitteln Staatsanwälte ohne mit der Wimper zu zucken mit Verve gegen ehemalige Präsidenten wie Chirac und Sarkozy - und zuletzt Sakozy wurde dann auch zu hoher Geldstrafe verurteilt und saß sogar kurz im Gefängnis. Sowas hätte eigentlich auch mit Kohls Bestechlichkeit und Urkundenunterdrückung passieren müssen und mit Scholz' Strafvereitelung im Amt. Tut es hier aber nicht, weil wir keine Könige aufs Schafott schicken.

        • @hedele:

          Irrtum, Euer Ehren! Keiner von denen ist über einen «procureur de la République» gestolpert, aber über einen «juge d'instruction». Der genießt richterliche Unabhängigkeit und kann seine Ermittlungen grundsätzlich überall dort führen, wo er einen Anfangsverdacht für ein Verbrechen in seiner Zuständigkeit (er)finden kann. Mit allen Vor- und Nachteilen, die das hat; so können Sie den genauso schlecht zum Jagen tragen wie Sie ihn von einem persönlich oder sonstwie eher fragwürdig motivierten Feldzug abhalten können...

        • @hedele:

          Ja, in Frankreich geht es anders. Aber hier gilt nun mal die deutsche "Rechtsprechung".

  • Es müsste sich mal jemand mit großen Sachverstand daran machen, aufzulisten, welche steuer-, sozial- und wirtschaftsrechtliche Schwachstellen unser Staatsgebilde aufweist, um einen Eindruck davon zu bekommen, in welcher Schieflage sich unser Staat befindet. Frau Brorhilker weist zurecht darauf hin, dass bei den unterschiedlichen strafrechtlichen Vergehen der Eindruch nach dem Motto: "die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen", entsteht. Das führt zu Verdruß und Ungerechtigkeitsgefühl, welches von rechtsstaatlich fragwürdigen Parteien ausgenutzt wird, um unser Staatsgebilde zu unterminieren. Allein im Steuerrecht die Causa Frieda Springer/Mathias Döpfner, die im Ergebnis in Summe eine Mrd. Euro Vermögensübertragung steuerfrei stelle, macht deutlich, wie selbst auf legale Weise Ungerechtigkeit praktiziert werden kann, die einen wirklich erzürnt. Dieser Lobbyismus muss aufhören. Wenn alleine, wie von Frau Brorhilker dargestellt, jährlich bis zu 200 Mrd. Euro Schaden durch gezielte Gegenmaßnahmen erzielbar wäre, wo wäre unser Staat, hätte er diese Mittel zur Verfügung. Also ran an das Aufzeigen der Schlupflöcher in unserem Steuer-, Sozial- und Wirtschaftssystem. Dann handeln.

  • Mehr Steuerfander! Keine Sorge, das werden die Grünen schon zu verhindern wissen, oder wer hat den da seinen Zweiten Wohnsitz nicht richtig angegeben?

    Das Steuerrecht muss vereinfacht werden und dann aber auch konsequent durchgesetzt werden. Wir brauchen mehr Steuerfander, um Scheinauswanderungen von Influenzern, oder Promis auch mal nachzugehen.



    Werbeeinnahmen von Werbung die in Deutschland von Influenzern oder Promis betrieben wird muss auch in Deutschland versteuert werden. Steuerberater die wie in einigen Dokus gezeigt Ihren Mandanten zu einem Scheinwohnsitz z.B. in Dubai raten, gehören bestraft. Aber dazu braucht man halt Steuerfander! Oder man vereinfacht die Steuerklärung für nicht Selbstständige und nimmt dann dieses Personal um gegen komplexere Steuervergehen vorzugehen.

    • @Thomas Zwarkat:

      Ein Grüner = DIE Grünen - "Aha!" (Heinz Becker)

  • Hat jemand eine Antwort, eine Antwort auf, warum wir Verhalten unterschiedlich beurteilt? Warum ist das eine ein Verbrechen und das gleiche Andere ein cleveres Kavaliersdelikt?



    Gibt es sowas wie ein unterwürfiges Verhalten den Großen gegenüber, eine Art von Stockholm-Syndrom, eine Anbiederung den sogenannten Mächtigen gegenüber?



    Warum gibt es kein Widerstand, warum lassen wir alle das alles zu ?



    Jeder Einzelne muss sein eigenes Verhalten hinterfragen, nicht nur die so abstrakten Geschichten des Makrokosmos . Vielleicht findet der eine oder andere Parallelen.



    Wir könnten wenn wir den wollten anders sein, gleichzeitig existiert etwas in uns das genau ein anders sein untergräbt.



    Schuld ist der Apfel?

  • Solange sich Bayern weigert, mehr Steuerfahnder einzustellen, und Hessen ihre Steuerfahnder am liebsten in die Psychiatrie schickt, können wir uns die ganze Diskussion sparen.

    • @Aurego:

      Diese Praktiken sind Folge daraus, wie diese Diskussion geführt wird (bzw. unterbleibt).

    • @Aurego:

      Man wird a) nie genug Leute haben und b) nie die Besten. Deshalb sollte auch jede Bundesregierung sich auf die Fahnen schreiben auf EU-Ebene die Besteuerung zu harmonisieren und zu vereinfachen. Man sollte ebenso an die Rechnungslegung und das dicke Brett IFRS ran.

      • @FancyBeard:

        Gerade zur Bekämpfung der Steuerkriminalität gäbe es genügend sehr Gute. Well "man" das weiß, werden sie nicht eingestellt.

    • @Aurego:

      Oh ja, ich erinnere mich an den Skandal in Hessen. Die Zwangspensionierung der vier Steuerfahnder fiel in die Regierungszeit von Roland Koch (CDU) und den damaligen Finanzminister Karlheinz Weimar (CDU). Immerhin musste der fahrlässiger Gutachter eine hohe Strafe zahlen und es gab für die in Zwangspensionierung geschickten Beamten Entschädigungen. Einige wurden depressiv und nur einer hat die Kurve gekriegt und sich als Steuerberater selbständig gemacht.



      Niemand muss sich wundern, wenn die Wählerschaft das Vertrauen in die Politik bzw. deren Vertreter verliert.

  • Stimmt genau. Die Politik versäumt es sträflich die großen Fische im Steuerbetrug genauer zu prüfen. Der ganze Staatsapparat von Politiker und Beamten, der allein 400 Milliarden Euro in Bund-und Länderhaushalten für Personal ausgibt wächst ungebremst, wirkliche Kontrolle Fehlanzeige. Ein Gegenbeispiel: Frau Bärbel Bas, SPD ist eine mutige Politikerin, die sich auch an die heilige Kuh Beamte rantraut. Gut, dass sie fordert neue Beamte in die Rentenkasse zu integrieren. Das ganze Pensionsparadies muß mit der Rentenreform 2026 natürlich mit auf den Prüfstand. Es ist doch eine Frechheit. Was sich Politiker und Beamte alles so selbst genehmigt haben. Pensionen sind in Deutschland mittlerweile doppelt so hoch wie Renten. Politiker, geht's noch? Und Politiker sollten jetzt so langsam mal kapieren, dass sie auch in die Rentenkasse gehören. Das würde auch viel Steuergeld sparen.

  • Die Großen lässt man laufen, die Kleinen hängt man!



    Wegen einer längeren Erkrankung hatte ich vor Jahrzehnten meine Steuererklärung nicht gemacht und die Finanzverwaltung behandelte mich daraufhin wie einen "Schwerverbrecher". Eine Strafe konnte ich abwenden, die Schuld musste ich mit Zinsen (ein wahnsinnig hoher Zinssatz) zahlen. Wohlgemerkt, es ging nicht um Millionen, sondern um einen Betrag im niedrigen vierstelligen Bereich.

  • Würden wir alle Mitarbeiter der Arbeitsagenturen in die Steuerfahndung versetzen und abnehmen dass der Sozialbetrug dadurch auf das zehnfache angewachsen würde, hätten wir immernoch 97 Milliarden Gewinn netto PRO JAHR aus nicht mehr hinterzogener Steuer. Aber das geschieht nicht. Weil die Politik von Steuerhinterziehern nachhaltiger bezahlt wird.

  • Eigentlich sollte doch jeder amtierende Finanzminister zuerst einmal alle existierende Steuerschlupflöcher schließen und dann die abgezweigten Gelder auch wieder zurückholen.



    Aber was sieht der Wähler: alle Menschen sind gleich, aber einige sind anscheinend gleicher.



    Und so verschleudert der Staat Steuergelder an die, die sowieso schon genug haben. Aber wenn man den Hals nicht voll bekommt....



    Irgendwann werden auch diese Menschen merken, dass man Geld nicht essen kann.

  • Super Artikel und Thema, mehr davon. Die stetig wachsende Ungleichheit zwischen arm und reich macht der Welt viel mehr Probleme als manche vermuten. Die Ungleichheit "wächst" nicht, sie ist von den davon profitierenden Kreisen gewollt und wird von der Politik durchgesetzt. Dass der Staat so schwach aufgestellt ist, ist Absicht.

    Manche erinnern sich vielleicht noch an die Frankfurter Steuerfahndungsabteilung, die zu erfolgreich war und daher mit übelsten Tricks kaltgestellt wurde. Auch die Autorin wurde ausgebremst. Oder der Fall Zumwinkel, ähnlicher Ablauf.

  • Danke …anschließe mich

    unterm—- btw but not only



    Benjamin Limbach JuMi NRW -



    Entblödete sich nicht während iihrer Amtszeit als OberStA - als Aufpasserin eine Jugend!StA beizugeben! (Nach Gegenwind mußte er das revidieren!)! Woll



    Zeigt aber - wie die Exekutive tickt.



    Unvergessen die hessischen Finanzsherrifs von Ffm “ Sie wollten doch schon immer Finanzamtsleiter in …werden. Oder Sie unterschreiben hier Ihre Zustimmung zu einer psychiatrischen Untersuchung!“



    www.manager-magazi...-b566-9d78e8b6d6e6

    „So it goes“ Kurt Vonnegut

  • Statt mehr Geld für Personal und Überwachung könnten wir auch mal das Steuerrecht soweit aufräumen, dass nicht mehr betrogen werden kann zumindest bei Privatpersonen. Weg mit dem Dickicht an Regelungen und der ganzen Steuervermeidungsindustrie. War das nicht irgendwann mal sogar der große Aufhänger unseres aktuellen Kanzlers?

    • @Šarru-kīnu:

      Sie können das ja gerne einmal versuchen. Zuallererst befürworte ich eine Neufassung des Anlage 2 des Umsatzsteuergesetzes. Und wenn Sie jetzt - ohne Zuhilfenahme von Google oder KI - nicht wissen sollten, was Maulesel damit zu tun haben, dann fürchte ich, dass Sie sich so schlecht mit der deutschen Steuergesetzgebung auskennen, dass Ihre obige Einlassung vollkommen für die Katz ist.

      • @Aurego:

        Das ist ein strenges Urteil.



        Die Steuererklärung auf dem Bierdeckel ist ein Konzept, das von Friedrich Merz im Jahr 2003 vorgeschlagen wurde, um das Steuersystem zu vereinfachen.



        Der Kommentar von Sarru-kinu hebt doch lediglich auf dieses Konzept ab.

        • @Il_Leopardo:

          Ja, richtig! Der berühmte Bierdeckel!



          Ich wollte einen solchen ganz speziellen Bierdeckel einmal entwerfen, stellte dann aber erstaunt fest, dass er durch keine Tür passen würde ... ;)

      • @Aurego:

        Ziemlich passiv-aggressiv der Ton hier

        • @DerLurch:

          Wussten Sie etwa, was ich mit dem Maulesel meinte, ohne nachzuschauen?



          Falls nicht: Ich wollte damit auf sarkastisch-kabarettistische Art grob skizzieren, wo das Problem liegt, wenn Leute immer wieder solche wunderbaren Dinge fordern wie "Bürokratieabbau" oder "Steuerrecht aufräumen". Das sind nichts als Worthülsen, wenn wir sie nicht mit Leben erfüllen.



          Ich schlage also vor, wir vereinheitlichen zuerst die 16 Bauordnungen der Bundesländer und machen daraus eine einzige, die für alle Bundesländer gilt. Wenn wir damit durch sind, übernehmen wir die - sehr liberale - sächsische Gaststättenverordnung in allen Bundesländern. Können Sie noch folgen und wissen, worum es da geht? Glauben Sie, dass diese zwei Forderungen innerhalb eines Jahres umsetzbar wären?

    • @Šarru-kīnu:

      Warum "zumindest bei Privatpersonen"?



      Die großen Zahlen entstehen doch nicht im kleinen Rahmen, und die Höhe der Hinterziehung hängt wohl von der Qualität und dem Preis der Steuervermeidungsberater ab.



      Astrid Sehnefeld hat in ihrem Kommentar Recht: Ernsthaftes Interesse an effektiver Bekämpfung der Steuerhinterziehungskriminalität besteht wohl kaum, es deutet meiner Meinung nach eher auf Komplizentum hin.

      • @Erfahrungssammler:

        "Ernsthaftes Interesse an effektiver Bekämpfung der Steuerhinterziehungskriminalität besteht wohl kaum"

        Aber nicht nur in der Politik...



        Wenn man den Steuerdschungel wirklich lichten wollte, müsste man Ausnahmen abschaffen. Und dummerweise meint jeder, genau die Ausnahmen, von denen er profitiert wären notwendig.



        Dann wird auch von links ganz laut geheult - die Älteren unter uns erinnern sich noch an Paul Kirchhoff, der aufgrund seiner Ideen schon im Kreuzfeuer stand, bevor er überhaupt Minister werden konnte. Das war glaube ich der einzige, der es geschafft hatte, mit der gleichen Idee die Linke und die FDP gegen sich aufzubringen. 😁

  • "Die Tatenlosigkeit der zuständigen Behörden und Politik tut ihr Übriges"



    Wenn es denn nur Tatenlosigkeit wäre...



    Aktuelles Beispiel aus Thüringen:



    Da im Haushalt massiv Geld fehlt, wurde den Auszubildenden des mittleren Dienstes der Landesfinanzschule in Gotha nach ihrer letzten Klausur und keine 4 Wochen vor den Laufbahnprüfungen mitgeteilt, dass sie nunmehr 8 statt 7 Punkte im Schnitt erreichen müssen, um übernommen zu werden...



    Obwohl das Personal in den Finanzämtern in Thüringen überaltert ist und obendrein Stellen unbesetzt sind.



    Da kann sich jeder ausrechnen, dass die Überprüfungen durch die Finanzämter weiter heruntergefahren statt das der Druck erhöht wird.



    Und dass, obwohl jede Studie belegt, dass jeder Finanzbeamte dem Staat mehr einbringt als das er kostet...



    Das lässt für mich nur den Schluss zu, dass das mutwillig geschieht und politisch gewollt ist 🤷

    • @Astrid Sehnefeld:

      Selbstverständlich ist dass gewollt .



      Geld regiert die Welt ( sagte schon meine Oma) und solange das so bleibt , wird sich auch nichts ändern .

  • Vielen Dank, alles so wahr und richtig. Doch was nutzen diese Erkenntnis uns Normalsterblichen, wenn die Finanzlobby aus ihren Reihen sogar die Bundeskanzler ( Scholz, Merz) stellt?

    • @Martin Ziegler:

      Um wirklich was zu verändern müssen die Sozialabgaben bei allen rauf!

  • Chapeau Frau Brorhilker für Ihren kompetenten klaren und eindringlich Artikel!



    Neben der Beschreibung des desaströsen Istzustandes bieten Sie auch eine Strategie an für Politik und Gesellschaftgegen diesen Missstand/diese Verbrechen vorzugehen.



    Würden diese umgesetzt, gebe es vielen Bürgern ein Stück weit Vertrauen in die politischen Institutionen zurück. Hier könnte die Politik zeigen, wie Ernst ihr Demokratie ist und vor allem, was sie bereit ist, zu tun dafür.

  • Danke, Danke, Danke Frau Brorhilker für diesen Artikel. Ein solcher war schon seit Jahren überfällig. Nimmt man die wie auch immer verlorenen Milliarden der Spahn-Masken dazu, stünden wir strahlend da in Deutschland. Ohne Schulden aus dem sog, "Sondervermögen". Aber das wollen unsere Politiker (kein gender) offenbar nicht.