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Midterms-Ergebnis der US-Republikaner Riesenklatsche, unsichere Zukunft

Bernd Pickert

Kommentar von

Bernd Pickert

Bei den Midterms in den USA gewinnen die Demokraten beide Kammern des Kongresses zurück. Es ist ein deutliches Votum gegen die Politik Trumps – der nun noch gefährlicher wird.

D ie US-Amerikaner*innen haben Präsident Donald Trump und der von ihm dominierten Republikanischen Partei in den Zwischenwahlen eine derartige Klatsche verpasst, dass selbst die sonst so wortgewaltigen US-TV-Kommentatoren kaum Worte dafür fanden. Die Demokraten haben den Republikanern weitaus mehr Sitze im Repräsentantenhaus und im Senat abgenommen, als nötig gewesen wäre, um die Kontrolle über beide Kongresskammern zu übernehmen.

Selbst in tief republikanischen Staaten konnten die Demokraten gewinnen oder zumindest republikanische Amtsinhaber ins Wackeln bringen. Nur zwei Jahre nach Trumps überragendem Wahlsieg gegen Kamala Harris hat eine große Mehrheit der US-Amerikaner*innen von diesem Präsidenten die Nase gestrichen voll. Oder zumindest: Von den Ergebnissen seiner Politik. Nicht wenige, die Trump 2024 gewählt hatten, sagten Re­por­te­r*in­nen vor der Wahl in die Mikrophone, sie seien über Trumps gebrochene Versprechen enttäuscht: Die Senkung der Lebenshaltungskosten und die Absage an neue Kriege sind Trumps inflationstreibender Zollpolitik und dem benzinpreiserhöhenden Krieg gegen den Iran gewichen.

Und die Abschiebung „illegaler“ Mi­gran­t*in­nen fanden viele ebenfalls nur so lange erstrebenswert, bis vermummte Bewaffnete auftauchten, die Nachbarn verschleppten und der Wirtschaft die Arbeitskräfte wegnahmen. Die Wahlergebnisse dieser Nacht bedeuten auch, dass doch keine Mehrheit der US-Amerikaner*innen komplett gefühllos und verrückt geworden ist.

Markiert also diese Wahl tatsächlich das Ende des Trumpismus in den USA und in der Republikanischen Partei? Nicht bei einem wie Trump. Jeder andere Präsident würde bei so einem Ergebnis zur lahmsten aller lahmen Enten, würde sich vielleicht in ein paar außenpolitische Initiativen flüchten, bei denen der Kongress kaum Mitspracherecht hat und ansonsten aus dem Weißen Haus beobachten, wie in seiner Partei um die Nachfolgekandidatur gekämpft wird.

Das ist für Trump nur schwer vorstellbar – freiwillig wird er das Rampenlicht jedenfalls nicht verlassen. Es ist vielmehr zu vermuten, dass er, je enger ein demokratisch kontrollierter Kongress ihn einzuhegen versucht, auch den letzten Rest an Respekt für Regeln und Gesetze verliert und umso wilder und wütender um sich schlägt. Das kann im Übrigen auch Europa treffen, Kuba, den Nahen Osten, ganz sicher die Ukraine.

Es wird eine der großen Fragen werden, ob die Wahlklatsche jetzt endlich zu einem Aufwachen der Republikaner führt, um nicht als Partei mit Trump unterzugehen. Dazu braucht es aber Führungsfiguren, die den Widerspruch wagen. Der erzrechte Kulturkämpfer Ron DeSantis, abtretender Gouverneur von Florida, hat gerade erste Schritte in die Richtung gemacht, indem er sich traute, die hohen Benzinpreise Trumps Krieg im Iran anzulasten. Aber ob da noch mehr kommt, ist ungewiss.

Die Demokraten ihrerseits haben einerseits innerparteiliche Machtkämpfe vor sich, und nicht nur über die Frage der Präsidentschaftskandidatur 2028. Sie haben so umfassend gewonnen, dass sich daraus kaum ableiten lässt, ob nun linke, progressive oder doch eher zentristische Ansätze erfolgversprechender sind.

Und: Sie müssen sich sehr genau überlegen, was sie mit ihrer neuen Macht in Washington anstellen wollen. Es wird sehr schnell der Moment kommen, an dem Trumps Regelverstöße ein Ausmaß annehmen, dass eine demokratische Führung des Repräsentantenhauses glauben wird, kaum anders zu können, als ein weiteres Amtsenthebungsverfahren einzuleiten – eine zutiefst unpopuläre Maßnahme auch bei vielen, die jetzt demokratisch gewählt haben.

Trump hat alles daran gegeben, die Machtkompetenzen in Washington weiter Richtung Weißes Haus zu verschieben. Aufgabe der Demokraten muss es sein, zumindest wieder ein effektives Gegengewicht aufzubauen. Und Europa sollte angesichts dieses Wahlergebnisses nicht in Euphorie verfallen: Im transatlantischen Verhältnis wird erstmal nichts leichter, womöglich sogar vieles erst einmal noch viel dramatischer.

Bernd Pickert

Bernd Pickert Auslandsredakteur

Jahrgang 1965, seit 1994 in der taz-Auslandsredaktion. Spezialgebiete USA, Lateinamerika, Menschenrechte. 2000 bis 2012 Mitglied im Vorstand der taz-Genossenschaft, seit Juli 2023 im Moderationsteam des taz-Podcasts Bundestalk. Bluesky: @berndpickert.bsky.social In seiner Freizeit aktiv bei www.geschichte-hat-zukunft.org
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61 Kommentare

  • Agarack

    Ich habe heftig gejubelt und rate jedem, das auch zu tun. Man darf sich auch mal freuen, wenn die rechte Welle gebrochen wird.

  • fly

    Ihm ist das doch nur recht. Für das amerikanische Volk wollte er eh nicht regieren. Nun kann er alles darauf abschieben, dass der Kongress ihn ja nicht lassen würde. Er kann sich nun ganz um sich und seine Buddies kümmern und, nicht zu vergessen, seine güldenen Bauvorhaben. Er kann in aller Ausführlichkeit motzen und polarisieren, weil sie ihn ja nicht machen lassen würden. Gerade die zweite Amtszeit zeigt, ums Volk geht es ihm nicht und ums gesellschaftliche Gestalten schon gar nicht.

  • economista

    Dass Oppositionskandidaten bei den Midterms zulegen, ist in den USA der Normalfall. Die diesmal ungewöhnlich heftige Reaktion hängt mit Trumps wankelmütigem Regierungsstil zusammen. Vor allem aber wurde er für die überflüssige Eskalation des Konfliktes mit dem Iran abgestraft. Darin sehe ich ein sehr positives Signal für unsere Zukunft: Krieg ist nach wie vor unpopulär, selbst in der nationalkonservativen MAGA-Basis.

  • Barbara Falk

    Trump wird jetzt sicher noch dysfunktionaler agieren als bisher, aber „noch gefährlicher“? Da wüsste ich gern, was Herr Pickert befürchtet.



    Auf die Situation passt, frei nach Herbert Wehner: „Ich zerbrech mir nicht den Kopf der Republikanischen Partei“.



    Das bezieht sich durchaus auf ein mögliches Amtsenthebungsverfahren. Das zu initiieren ist ja kein Privileg der Opposition. Niemand muss Trump dringender loswerden als die Republikanische Partei, also sollen die mal machen.

    • Kaboom

      @Barbara Falk:

      "Trump wird jetzt sicher noch dysfunktionaler agieren als bisher, aber „noch gefährlicher“? Da wüsste ich gern, was Herr Pickert befürchtet."

      Am Golf ist gerade die größte US-Streitmacht seit dem Irak-Krieg zusammengezogen. Weitere Einheiten sind auf dem Weg.



      Es ist also in der Tat vollkommen unmöglich, zu mutmaßen, was Trump (der ja mehrfach seine geistigen Ergüsse über Angriffe auf den Iran zum Besten gegeben hat) wohl vorhaben könnte. Und von dieser Mutmaßung ausgehend zu mutmaßen, dass so eine Aktion gefährlicher sein könnte als der Irrsinn, den der Mann bisher produziert hat - völlig absurd.

    • Abdurchdiemitte

      @Barbara Falk:

      Was müsste denn passieren, dass ausgerechnet die Republikaner ein Impeachment-Verfahren gegen Trump anstreben? Die wahrscheinliche (?) Wiederaufnahme des Krieges gegen den Iran?



      Trump hält diesen Krieg doch schon die ganze Zeit über weiter am ‚Köcheln‘, ohne bisher die Eskalation so weit hochzufahren wie im Frühjahr.



      Warum sollte er das jetzt nach dieser krachenden innenpolitischen Niederlage tun?



      Normalerweise nutzen solche Potentaten kriegerische Konflikte gegen andere Staaten, um ihre sinkenden Popularitätswerte in der eigenen Bevölkerung wieder anzukurbeln - und/oder von innenpolitischen Problemen abzulenken.



      Das ist der Klassiker, siehe Thatchers Falkland-Krieg gegen Argentinien. Dessen Beendigung aber war überschau- und vorhersehbar.



      Trump kann es allerdings nur noch um Gesichtswahrung gehen und nicht darum, den Krieg mit unabsehbaren ökonomischen Folgen wieder eskalieren zu lassen. Jedem US-Republikaner müsste klar sein, dass der Konflikt mit dem Iran ihre Niederlage größer gemacht hat als im Frühjahr noch zu erwarten war.



      Hier hatte J.D. Vance ausnahmsweise mal recht. Jetzt muss er sich fragen lassen, warum er seinem POTUS nicht früher in die Speichen gefallen ist.

      • Barbara Falk

        @Abdurchdiemitte:

        „ Was müsste denn passieren, dass ausgerechnet die Republikaner ein Impeachment-Verfahren gegen Trump anstreben?“



        Dafür muss gar nichts mehr passieren. Trump ist amtsunfähig, das ist evident. Es ist der Job des Vizepräsidenten, dass formell festzustellen und ein Impeachment-Verfahren nach dem 25. Verfassungszusatz einzuleiten.



        en.wikipedia.org/w...tates_Constitution



        Vance muss sich also überlegen, ob er das macht oder nochmal zwei Jahre so tun will, als ob der Präsident normal wäre. Ich tippe auf letzteres. Aber auch das wird Folgen für die Republikanische Partei haben, das aktuelle Wahldebakel ist da nur der Anfang.



        Die für die Republikaner eleganteste (bzw. einzige) Lösung, zu der es wohl kaum kommen wird, wäre Trumps rascher freiwilliger Rücktritt, quasi das Nixon-Modell. Mit einem Wahlsieg wurde das damals auch nicht belohnt, half aber, den Schaden zu begrenzen.

        • Oma

          @Barbara Falk:

          Und wenn die Republikaner auf Häutung setzen? Den Opa noch ein gutes Jahr mit seinem Tanzsaal beschäftigen und dann erscheint jemand Unverbrauchtes und drängt Vance und Konsorten zur Seite?

    • Bambuspanda

      @Barbara Falk:

      >>>Trump wird jetzt sicher noch dysfunktionaler agieren als bisher, aber „noch gefährlicher“?">Niemand muss Trump dringender loswerden als die Republikanische Partei, also sollen die mal machen.

  • Pico

    Ein lachendes Auge: Die USA kann noch demokratisch wählen.



    Ein weinendes Auge: Trump sitzt immer noch auf dem Sessel und seine Politik und Postenbesetzung wird noch lange nachwirken.

  • Klaus Waldhans

    Der Analyse kann man nur zustimmen. Zum Glück haben sich die Wähler nicht davon leiten lassen, dass die Reaktion Trumps auf eine Niederlage schlimmer ausfallen könnte, als es bis dato der Fall war. Deshalb ist höchste Aufmerksamkeit gefragt: bei den Demokraten in den USA, aber auch in Europa und anderswo.



    Trumps erste Reaktion, dass er ja nicht zur Wahl stand und deshalb die Republikaner so eine Klatsche einstecken mussten, zeigt seine ganze Unverfrohrenheit und Verrotheit. Aber das weiss man ja

  • Hans Dampf

    "nicht in Euphorie verfallen"



    Innenpolitisch ist Trump jetzt eine "Lame Duck", außenpolitisch aber kann er sich noch austoben. Ich befürchte genau dies wird er tun und wird werden seine Wut noch deutlicher zu spüren bekommen. Er wird die Zölle erhöhen, er wird die Ukraine opfern, er wird Europa mit einem Rückzug aus der Nato drohen. Von seinen Aggressionen gegenüber Kanada, Grönland, Brasilien, etc. ganz zu schweigen. Und ich fürchte er wird wieder Krieg mit dem Iran beginnen und das ÖL und Gas wird Weltweit noch teurer.



    Nein, dieser Sieg ist kein Grund zur Euphorie.

    • nihilist

      @Hans Dampf:

      Wahlen sind selten ein Grund für Euphorie. Gleichzeitig lösen US-Wahlen, egal wie sie ausgehen, stets Untergangsängste aus. Vielleicht sollte man dort ansetzen?

  • Abdurchdiemitte

    Pickert schreibt, dass die demokratischen Wahlerfolge in den Staaten so groß sind, dass man daraus kaum ableiten kann, ob nun linke, progressive oder zentristische Ansätze erfolgversprechender sind.



    Also, wäre ich US-Wahlkampfberater, würde ich den Demokraten raten, sich jetzt bloß nicht auseinanderdividieren zu lassen. Die Midterms haben sie gemeinsam gewonnen.



    Es ist absehbar, dass die republikanische Strategie jetzt - und Trump ist ja noch Präsident - darauf hinauslaufen wird, den Spaltpilz in die Demokraten zu treiben, indem man noch schärfer gegen die Vertreter*innen des linken Flügels schiesst. Bei dem pathologischen Antikommunismus in der US-Gesellschaft leider immer noch ein probates Mittel - und die Zentristen bei den Democrats neigen bis in das progressiv-linksliberale Lager hinein dazu, sich davon blenden oder in Angst und Schrecken versetzen zu lassen.



    Andererseits muss die US-Linke einsehen, dass es ohne konservativ-gewerkschaftliche Demokraten, die die traditionelle weiße Industriearbeiterschaft im rost belt und den Appalachians an sich binden, auch nicht geht.



    Gerade diese haben Trump bei diesen Midterms eine Ohrfeige verpasst.

    • FriedrichHecker

      @Abdurchdiemitte:

      "sich jetzt bloß nicht auseinanderdividieren zu lassen."

      Das wird ganz von selbst passieren, wenn sie sich die Frage stellen (lassen) müssen, WOFÜR sie eigentlich stehen. Das einigende Moment ist schließlich nur, WOGEGEN sie stehen - nämlich Donald J Trump.

      Bei den Democratic Socialists of America gibt es schon heute genügend Leute, die ziemlich offen sagen, dass sie eigentlich eine eigene Partei wollten, wenn das politische System in den USA sie nicht in die Demokratische Partei "zwingen" würde, wenn sie an der Urne Erfolg haben wollen. Nur in der ersten Reihe fressen die Protagonisten momentan noch tonnenweise Kreide...

      • hornyunicorn

        @FriedrichHecker:

        Aus der einenden Position *gegen* Trump ergäbe sich ohne grosse gedankliche Umwege ein gewisser Kern an Dingen, *für* die die Demokraten stehen könnten:



        *Grunderneuerung der US-Demokratie



        *Beziehungs- und Werte-wahrende Aussenpolitik



        *KI-Regulierung und Bekämpfung von Falschinformationen und gesellschaftlicher Spaltung durch antidemokratische sog. Soziale Medien



        *Eine Sozialpolitik, die den Namen verdient

        Der springende Punkt ist allerdings wohl die Frage, wie ein bezahlbares Leben für alle drin liegen soll. Ich würde das mal als "Verteilungsfrage" abkürzen, es gibt aber auch bei den Demokraten, die diese Frage scheuen wie der Teufel das Weihwasser...

    • Sabine Hofmann-Stadtländer

      @Abdurchdiemitte:

      Ich kann die einzelnen Gewinner*innen der DEM nicht in Gänze beurteilen. Vielleicht wäre aber so jemand wie J. Talarico eine Persönlichkeit, die eher verbindet statt spaltet. Was ich bislang von ihm gehört oder gelesen habe, fand ich nicht schlecht. Wirtschaftspolitisch scheint er wohl eher links zu sein, aber mit seiner Religiosität spricht er möglicherweise Leute an, die denen aus dem "Bible Belt" ähneln. Ich könnte ihn mir gut als Präsidentschaftskandidaten vorstellen - vorausgesetzt er macht eine gute Politik im Senat.

      • Abdurchdiemitte

        @Sabine Hofmann-Stadtländer:

        Ja, Talarico ist mir auch sehr sympathisch, da teile ich Ihre Einschätzung. Hierzulande bedürfte es wahrscheinlich keines bekennenden Christen, um gute, fortschrittliche Politik zu machen, in den USA spielt Religiosität im politischen Geschäft natürlich eine viel größere Rolle.



        Gefallen hat mir an Talarico insbesondere, wie er im texanischen Senat die ganze Bigotterie der Evangelikalen rhetorisch brillant auseinandergenommen hat.



        Ich vermute, die ‚stille’ Mehrheit der gläubigen US-Amerikaner, die von den schrillen fundamentalistischen Exzessen der Evangelikalen und der politischen Instrumentalisierung ihres Glaubens durch die MAGA-Bewegung die Nase voll haben, wird das gefallen haben.

  • vieldenker

    Ob die Demokraten den innerparteilichen Spagat wirklich schaffen? Da darf man gespannt sein. Die Republikaner werden auf jeden Fall nicht mit konfrontativen Angeboten geizen.

  • Deutschfranzose

    Die Demokraten brauchen kein Amtsenthebungsverfahren gegen Trump anzustreben und das wäre, wenn auch vollkommen gerechtfertigt, strategisch kaum etwas nütze, denn sie würden dem Fizepräsidenten Vance so nur eine Wahlplattform für 2028 geben.

    Viel subtiler wäre es, ein paar Minister des Amtes zu entheben, inspesondere Hegseth und auch den Justizminister Todd Blanche. Gute Gründe sind in beiden Fällen zu finden und sicher würden auch Republikaner mitstimmen. Dann muß Trump Minister benennen, die konsensfähig sind, eine echte Untersuchung der Eppstein-Files zulassen und mit einem Verteidigungs- (nicht Kriegs-) Minister leben, der ohne Kongresszustimmung keine Kriege führt.

    Man darf ihm nicht erlauben, per Dekret zu regieren.

    Was Trump selbst angeht, wird er sich m.E. auf die architektonischen Projekte und Golfspielen konzentrieren. Der Schaden, den er da anrichtet, ist verkraftbar. Er ist müde, wie es scheint. Außenpolitik ist das letzte, was er jetzt noch anstrebt.

    • Blutsbruder WinnePuh

      @Deutschfranzose:

      Solange der Supreme Court die Executive Orders vor juristischen Angriffen schützt, kann auch der gesamte Congress nichts tun. Außer über die Budgethoheit, aber auch die Demokraten werden nicht das "department of war" defunden, da Budgets für Ministerien vegeben und nicht einzelne Posten bewilligt werden. ICE könnten sie zumindest reduzieren, indem sie die Zahlungen an das aufgeblähte DHS zusammenstreichen. Bleibt Gesetze um die Dekrete drumherum zu bauen, was aber Zeit zur Formulierung und Diskussion der Formulierungen, auch innerhalb der Demokraten, braucht. Bleibt eigentlich nur selber "gute" Gesetze zu erlassen, um das Momentum für 28 zu erhalten und dann können die Orders mit einem Federstrich des President, ausgelöscht werden. Was bleibt ist die eklatante Verschiebung der Macht zugunsten eines auf Lebenszeit ernannten Gremiums. Früher war der König auch Richter, heute sind die Richter fast Könige, sogar ohne ihre Entscheidungen rechtfertigen zu müssen.

      en.wikipedia.org/wiki/Shadow_docket

      Gibt angeblich Anleitungen wie Fälle formuliert und bei welchen Gerichten sie eingereicht werden müssen um dem SC Spielbälle zur Policygestaltung zu geben. Oh wunderbare thinktanks

      • Normalo

        @Blutsbruder WinnePuh:

        Die Budgethoheit geht schon etwas weiter, als einzelnen Ministerien einen Blankoscheck auszustellen. Im Gegenteil gilt das "Earmarking" von Budgetposten für besondere Herzensangelegenheiten mächtiger Kongressmitglieder - will sagen: Ihrer Wahlbezirke - neben dem "Gerrymandering" (=ergebnisorientierter Zuschnitt von Wahlbezirken) als eine der schlimmsten "leider legalen" Unarten Washingtons (die niemand anrührt, weil Alle sie gerne weiter für sich nutzen möchten).



        Man KÖNNTE diese Unart auch gegen Trumpsche Willkür nutzen. Die größte Herausforderung dürfte sein, wie das so hinzukommen, dass der Supreme Court Trump auch tatsächlich auf die Finger hauen würde, wenn er Earmarks ignoriert.

  • Perkele

    MAGA wird MAGER !

  • Ricky-13

    taz: *Es ist ein deutliches Votum gegen die Politik Trumps – der nun noch gefährlicher wird.*

    Der Kerl wird ohnehin immer verrückter und gefährlicher. Die tatsächliche Verrücktheit steckt aber in dem uralten Electoral College, das mit einem modernen direktdemokratischen Verständnisses, bei dem der absolute Mehrheitswille der Bevölkerung zählt, nichts mehr zu tun hat.

    Es gibt zwar das Argument, dass ohne das Electoral College Kandidaten den Wahlkampf ausschließlich nur in den bevölkerungsreichen Metropolregionen führen könnten, da ländliche Regionen und kleinere Staaten ansonsten dann politisch völlig an den Rand gedrängt und ignoriert werden, aber da könnte man sich ja auch mal etwas "nagelneues" ausdenken (z.B. Ranked-Choice Voting (Präferenzwahl)).

    Wenigstens hat man "King Donald" jetzt schon mal die Krone vom Haupt gerissen. Hoffentlich hört der trump'sche Spuk demnächst auch ganz auf.

  • Joba

    Weshalb ein weiteres Amtsenthebungsverfahren unter den gegebenen Umständen "eine zutiefst unpopuläre Maßnahme" sein soll, erschließt sich mir nicht. "Nur zwei Jahre nach Trumps überragendem Wahlsieg gegen Kamala Harris hat eine große Mehrheit der US-Amerikaner*innen von diesem Präsidenten die Nase gestrichen voll." Da müssten sie doch froh sein, wenn es ein Verfahren gibt, ihn loszuwerden. Um Regeln zu schützen steht das Impeachment ja in der Verfassung. Die Behauptung von der Unpopularität seiner Anwendung in der konkreten Lage bedarf der Erklärung.

    • Normalo

      @Joba:

      Man sollte das Impeachment vergleichbar mit dem Parteiverbotsverfahren in Deutschland betrachten: Es wird von Vielen unabhängig von der Person des aktuellen Amtsinhabers als eine ultima ratio betrachtet, deren Einsatz eher ein Armutszeugnis als eine Übung in Legitimität und legitimer Machtausübung ist. In den USA kommt noch dazu, dass das quasi-royale Präsidentenamt ähnlich unerschütterlich als Inkarnation der "Greatest Nation on Earth" verstanden wird und jeder Amerikaner, der das so sieht, sich unterbewusst ein Stück persönlich herabgesetzt fühlt, wenn jemand dieses erhabene Symbol so massiv zu erden versucht. Wer eines anstrengt, riskiert daher, eher als Brutus denn als Stauffenberg in die Analen einzugehen.

    • Blutsbruder WinnePuh

      @Joba:

      Schlichtweg, weil es keine Erfolgsaussicht hat. Die Republikaner werden sich bei aller Unzufriedenheit nicht entblößen Trump zu impeachen, einfach weil sie ihm zu tief in den Allerwertesten gekrochen sind, 2 oder 3 vielleicht, aber nicht genug für die 2/3 Mehrheit im Senat. Und dann kommt dasselbe Spiel wie 19/20 Trump wird überführt, aber nicht impeacht. Und die US-Medien, die zu Teilen im Besitz von Nutznießern Trumps Politik sind, bringen den üblichen Spin: den hasserfüllten Demokraten geht es nur um Rache am Märtyrer Donald. Ich hoffe die Demokraten lassen sich nicht hinreißen, denselben strategischen Fehler zu machen, auch wenn es moralisch und juristisch das absolut richtige wäre, ist es vergeudete Zeit und Energie. Besser Gesetze erlassen die nützen und für die sie jetzt auch gewählt worden:



      -Abtreibung gesetzlich absichern, nicht auf Roe vs Wade reinstatement hoffen



      -Medicare/aid absichern stärken



      -Iran-Krieg beenden? Wüsste leider nicht wie außer Haushalt verweigern, aber dann haste wieder Demokraten schuld an Shutdown oder Demokraten gefährden Amerikas Sicherheit. Der Spin, der Spin, wo dreht er hin?

      • Joba

        @Blutsbruder WinnePuh:

        und @Normalo

        Danke für Ihre Erläuterungen

  • zartbitter

    Trumps Niederlage -- inklusive Niederlage der Republikaner bedeutet mit Sicherheit keine Rückkehr zum alten transatlantischen Verhältniss.



    =



    In den USA gibt es parteiübergreifend die Auffassung, dass Europa mehr Verantwortung für seine eigene Verteidigung übernehmen muss. Die strategische Konzentration auf China und den indopazifischen Raum wird nicht verschwinden nur weil Trump aktuell extrem politisch geschwächt ist.



    =



    Wenn Europa seine Verteidigungsfähigkeit ausbaut, ohne die NATO infrage zu stellen.könnte im Idealfall daraus eine Partnerschaft entstehen, in der Europa nicht mehr ausschließlich auf amerikanische Unterstützung angewiesen ist.



    =



    Interessant ist in diesem Zusammenhang die heutige Erklärung des amerikanischen NATO-Botschafters Matthew Whitaker. Er betonte am 4. November, dass die US-Außenpolitik durch die Wahlniederlage nicht verändert werde und Washington weiterhin zu seinen Verpflichtungen aus dem NATO-Vertrag stehe.



    =



    Die amerikanische Politik gegenüber Russland und der Ukraine ist für Europa von existenzieller Bedeutung -am heutigen Mittwoch laufen wichtige Abstimmungen zwischen Deutschland, der Ukraine, den USA und weiteren europäischen Partnern.

    • Kaboom

      @zartbitter:

      "Wenn Europa seine Verteidigungsfähigkeit ausbaut, ohne die NATO infrage zu stellen.könnte im Idealfall daraus eine Partnerschaft entstehen, in der Europa nicht mehr ausschließlich auf amerikanische Unterstützung angewiesen ist."

      Wenn Europa sich selbst verteidigen kann, benötigt es keine US-Truppen und -Stützpunkte mehr in Europa. 🤷‍♂️

      • Normalo

        @Kaboom:

        Wenn es darum geht, Kriege durch demonstrative Wehrhaftigkeit zu verhindern, dann hilft Viel viel und Mehr mehr, würde ich sagen. Kriegstreiberei und Selbstüberschätzung sind erprobte Zellgenossen im globalpolitischen Panoptikum. Ergo kann man ihren Wirten gar nicht "genug" gewachsen sein. Wichtig ist freilich, den defensiven Charakter des Bündnisses zu wahren und zu leben.

        • Kaboom

          @Normalo:

          Man kann zumindest unter Trump ohnehin nicht davon ausgehen, dass die USA bei der Verteidigung Europas helfen. Es macht also keinen Unterschied, ob US-Truppen hier stationiert sind oder nicht. Wegen der US-Basen werden wir in Europa zum Ziel, wenn der verrückte König mal wieder schlecht schläft und "putzige" Ideen hat. Und auch nach Trump kann man sich auf die USA nicht mehr verlassen. Der nächste verrückte König könnte schon hinter der nächsten Ecke warten.

          Und offen gesagt: Bei der Folge von GOP-Präsidenten, nämlich Reagan – Bush – Trump, dürfte der nächste wohl sowas sein wie der Chef des KKK oder aber aus einem Irrenhaus direkt ins Weiße Haus ziehen.

      • zartbitter

        @Kaboom:

        So so. Russland verfügt laut dem SIPRI-Jahrbuch 2026 insgesamt über rund 5.400 Atomsprengköpfe - nach anderen Schätzungen wie Statista /Nuklearwaffen-Monitor ca. 4.309 bis 5.400 insgesamt, davon rund 1.500 bis 1.700 aktiv eingesetzt oder stationiert.



        Wieviel Atomraketen in Kaliningrad stationiert sind ist geheim - nicht geheim ist die Reisezeit der konventionellen ballistischen und atomar bewaffneten Raketen: ca. 4 Minuten von Kaliningrad bis Berlin.



        =



        Die Bundesrepublik besitzt weder die Aufklärungstechnik diese Raketen ab Abschuss zu verfolgen und auch keine (nada, nichts) Abwehrraketen um diese russischen Waffen abzuschiessen.



        =



        Die Gefährdung der Bundesrepublik und das Leben der Deutschen ist für sie offensichtlich keinen Pfifferling wert - ihr Hass gegen ein Verteidigungsbündnis indem man sich den Aufwand und Aufgaben teilt um sich zu verteidigen übertrifft bei Ihnen offensichtlich sämtliche roten Linien der Rationalität.

  • Sam Spade

    Wie hätte es auch anders sein können. Während im skandinavischen Blätterwald ausnahmslos der Wahlsieg der Demokraten bejubelt wird, warnen die Kommentare von Tagesspiegel bis taz vor einer ungewissen Zukunft, Gefahren für Europa und den Rest der Welt und einen völlig enthemmten Trump.

    Das ist schon hohe Kunst selbst aus positiven Ereignissen noch die negativen Aspekte in den Vordergrund zu stellen. Da sich mir früher dieser Wesenszug der deutschen Mentalität nie so recht erschlossen hat, blieb bei mir bei etlichen Ereignissen nur ein großes Fragezeichen zurück, bis mich ein deutscher Geschichtsprofessor darüber aufgeklärt hat, dass die Ursachen für diese Form von Katastrophismus ihren Ursprung im dreißigjährigen Krieg haben und die Spuren noch heute in der Denkweise der Deutschen zu finden sind. Musste ich mich gerade daran erinnern, als ich den Kommentar hier gelesen habe.

    Als Europäer könnte man sich auch einfach über die Erkenntnis freuen, dass man es bei Texanern & Co. anscheinend doch nicht nur mit verblendeten Fanatikern zu tun hat, sondern mit Menschen die, wie die Europäer auch, nur ein Leben führen wollen, welches bezahlbar ist und ihren Kindern eine Zukunft bietet.

    • Strolch

      @Sam Spade:

      Aber wenn Sie in die Kommentare sehen, sehen Sie zumindest, dass viele Leser das anders sehen. Zudem schlechte Nachrichten verkaufen sich halt besser. Mir fehlt schon immer, dass auf Seite 1 auch mal was Gutes steht.

    • Deep South

      @Sam Spade:

      Es ist eine herausragende deutsche Tugend, das Glas immer halbleer sehen zu können.

    • zartbitter

      @Sam Spade:

      Die einzige -- und dann noch Frau -- ist Frau Weidel von der Agentur gegen Deutschland -- die sich deutlich weiterhin hinter den mittlerweile Traurigen Clown stellt, indem sie fälschlicherweise erklärt, das der von Trump vom Zaun gebrochene Krieg gegen den Iran die Ursache für die Erdrutschniederlage Trumps und den Republikanern sei.



      =



      Die eigentlichen Motive für Trumps rasante Fahrt gegen die Wand war erstens die satte Verteuerung der amerikanischen Lebenshaltungskosten und zweitens der ungebremste Rassismus ausgedrückt durch die unmenschlichen und brutalen Verfolgungsaktionen im Stile der SA durch die ICE Behörde. Beides trieb zum Beispiel selbst die Farmer des mittleren Westens in die Arme der Demokraten - weil ihnen vom Feld die Farmhelfer verhaftet wurden.



      =



      Das europäische Problem - auch der Skandinavier - ist der Ukrainekrieg und die unzureichende Selbstständikeit im Bereich Verteidigung - siehe Sicherheitskonferenz und die Aussagen von Pistorius und siehe die heutigen Versuche der Absprachen zwischen Regierung & USA über den Ukrainekrieg.



      =



      Der Rechtsradikalpopulismus hat eine deutliche Niederlage



      erlitten - in Europa zwischen Baum & Borke hat sich nichts verändert

      • Abdurchdiemitte

        @zartbitter:

        Ich denke, bei der AfD ist jetzt v.a. Schadensbegrenzung angesagt.



        In ihrer Parteizentrale werden ab heute ordentlich die Köpfe rauchen, wie man vermeiden kann, dass diese Trump-Klatsche direkt auch auf sie abfärbt. Im Hinblick auf die Begeisterung für den MAGAismus hat man sich dort einfach zu weit aus dem Fenster gelehnt. Das wird der AfD bald gehörig aufs Bett fallen, hoffe ich.



        Dann die nur notdürftig verkleisterten Diskrepanzen mit den anderen (bedeutenden) europäischen Rechtsparteien. Meloni und MLP sehen die deutsche Nazis von der AfD jedenfalls nicht mit ihnen an einem Tisch bzw. in einer gemeinsamen europäischen Rechtsfraktion sitzend.



        Fehlt nur noch der sinkende ‚Stern‘ Putins, der den innenpolitischen AfD-Stern hierzulande auch noch zum Sinken bringen wird.



        ‚The fall of AfD’ wird somit von außen eingeleitet werden - besser wäre es, die deutsche Demokratie würde dafür von innen heraus die Kraft aufbringen.

      • Sam Spade

        @zartbitter:

        "Das europäische Problem - auch der Skandinavier - ist der Ukrainekrieg"

        Für uns Skandinavier ist der Ukrainekrieg eine Tragödie für die ukrainische Bevölkerung.

        Für Deutschland vielleicht ein Problem, weil kein Gas mehr aus Russland kommt und der Handel mit Russland brach liegt. Kann ich schlecht beurteilen.

        Für Norwegen lediglich eine Herausforderung hinsichtlich der Sicherheit in arktischen Gewässern und der Grenzsicherung.

        Wenn Deutschland von Europa spricht, so hat es die Erfahrung gelehrt, spricht es eigentlich von Deutschland. Gilt auch für die Sätze des Verteidigungsministers hinsichtlich "unzureichende Selbstständikeit im Bereich Verteidigung".

        Abhängigkeiten von den USA sind zwar vorhanden, betrifft aber für Norwegen hauptsächlich Software und Cloud Technologien.

        Norwegen hat mit den USA mehrere bilaterale Abkommen getroffen wie das Technology Safeguards Agreement (TSA) welches den US Satellitenstart über den norwegischen Weltraumbahnhof Andøya und den Datenzugriff regelt.

        Dazu kommt das für Norwegen mit Abstand wichtigste Abkommen, das Supplementary Defense Cooperation Agreement, (SDCA). Ein erweitertes Verteidigungsabkommen zwischen den USA und Norwegen.

        • zartbitter

          @Sam Spade:

          ""Für uns Skandinavier ist der Ukrainekrieg eine Tragödie für die ukrainische Bevölkerung.""



          =



          Das erklärt nicht den Eintritt in die Nato von Finnland und Schweden - und auch nicht die sicherheitspolitische Abhängigkeit Norwegens von der NATO die tief und existenziell in der Geopolitik des Landes verwurzelt ist. Da Norwegen kein Mitglied der EU ist, bildet das transatlantische Bündnis das einzige fundamentale Sicherheitsfundament des Landes - siehe den nuklearen Schutzschirm der NATO der zu 100% von den USA bereit gestellt wird.

          • Sam Spade

            @zartbitter:

            Gleich eine ganze Reihe von Fehleinschätzungen.

            Norwegen steht erstens unter dem nationalen atomaren Schutzschirm Frankreichs und hat zweitens seit 75 Jahren ein bilaterales Abkommen mit Großbritannien, welches militärischen und atomaren Schutz beinhaltet. Beide Abkommen haben weder etwas mit den USA noch der Nato zu tun.

            Zudem gehört Norwegen dem nordischen Bund an. In diesem gibt es, im Gegensatz zur EU, eine verpflichtende militärische Beistandspflicht.

            In Bezug auf die USA regelt das bereits erwähnte SDCA Verteidigungsabkommen die militärische Unterstützung Norwegens bei Konflikten in der Arktis Region. Das ist ein bilaterales Abkommen in dem die Nato nicht involviert ist.

            Die Schutzmächte Norwegens sind Großbritannien und die USA, traditionell seit den 50er Jahren. Neu hinzugekommen ist Frankreich.

            Die Nato ist für Norwegen auch weniger von Belang als umgekehrt. Da Norwegen im Falle eines kriegerischen Konfliktes Nato Aufmarschgebiet und Ankerplatz wäre u.a. für die Sicherung des russischen Zugriffs auf den Nordatlantik

            Von Norwegen aus können sie nämlich den gesamten Seeverkehr im Nordatlantik kontrollieren. Wusste schon Hitler für seine strategischen Ziele zu nutzen.

  • Ice-T

    Senator Al-Sayed, der nächste US Präsident?

  • sujall

    „Nur zwei Jahre nach Trumps überragendem Wahlsieg gegen Kamala Harris hat eine große Mehrheit der US-Amerikaner*innen von diesem Präsidenten die Nase gestrichen voll.“

    Überragender Wahlsieg? Geht man nach absoluten Stimmzahlen, dann war das Ergebnis denkbar knapp: 49,7 (Republikaner) gegen 48,2 (Demokraten).



    Nach dem Wahlmännersystem sieht es „überragend“ aus. Aber dieses System ist ja eher so mittelgut in seiner heutigen Form und gehört dringend reformiert.

    • Normalo

      @sujall:

      "Gehört reformiert" ist IHRE Meinung. Mit dem US-Föderalismus ist die aber nicht unbedingt kompatibel.



      Langversion: Die Existenz des "Electoral College" mag AUCH den verkehrstechnischen Möglichkeiten im ausgehenden 18. Jahrhundert geschuldet sein, aber seine Zusammensetzung ist gleichzeitig ein ganz wesentliches Element der "Checks and Balances" der US-Verfassung - hier im Verhältnis der kleinen zu den großen Bundesstaaten: Indem der Präsident effektiv nicht direkt von den Bürgern sondern von den Staaten gewählt wird (die wieder intern regeln können, wie sie ihre Stimmen verteilen), konnten die US-Gründerväter für die kleinen Staaten ein überproprtionales Stimmgewicht gegenüber den großen einbauen, die für die ein wesentlicher Grund war, überhaupt der Union beizutreten. Aus denselben Erwägungen wären sie heute ein überzeugender Grund für die allermeisten bevölkerungsärmeren Staaten, sich einer Erneuerung in Form eines reinen "one person, one vote"-Systems zu widersetzen. Und siehe da: Dank der ebenfalls in diese Kerbe schlagenden Stimmverteilung im Senat hätten sie auch kein Problem, eine entsprechende Verfassungsänderung zu blockieren.



      Ergo: Bis auf Weiteres keine Reform.

    • Abdurchdiemitte

      @sujall:

      Mensch, Erzählense das bloß nicht den Amis - die sind von der Überlegenheit ihres politischen Systems nämlich noch vollauf überzeugt.😉

    • zartbitter

      @sujall:

      Bei den US-Midterms-2026 gibt es kein offizielles nationales Gesamtergebnis des Popular Votes, da es sich um dezentrale Kongresswahlen (für das Repräsentantenhaus und den Senat) und nicht um eine Präsidentschaftswahl handelt. Die Stimmen werden von den einzelnen Bundesstaaten und Wahlkreisen separat ausgezählt.



      =



      Eine Gesamtrechnung ist momentan auch faktisch nicht möglich - die Wahlen laufen noch - das wird noch eine Weile dauern.

  • Mitch Miller

    Die Macht Trumps hängt aber auch mit der Angst vieler Gefolgsleute und Richter zusammen, die nun hoffentlich den Mut finden, sich gegen ihn zu stellen.



    Einschliesslich dem Militär.

    • Brückentechnik1058

      @Mitch Miller:

      Sowie der "New Yorker" es beschreibt und man es auch nicht anders erwarten konnte: They are eying the exits.

  • T-Rom

    Wieder einmal zeigt sich, dass die US-Demokratie weitaus agiler und robuster ist als viele das hierzulande schnell behaupten.



    Ich würde sogar sagen, wenn die Wähler Veränderungen möchten, können sie das in den USA effizienter durchsetzen als in Deutschland

    • Blutsbruder WinnePuh

      @T-Rom:

      Was wird sich denn ändern? Die schlimmsten Exzesse des ICE-Terrors werden vielleicht abgestellt, aber abgesehen von ein paar jungen Sozialdemokraten, die zugegebenermaßen recht populär sind, sind weite Teile des Demokratenestablishment genauso imperial und neoliberal eingestellt wie die Reps. *hust* Fetterman *räusper*

  • Sole Mio

    Selten hat sich jemand ein Klatsche so verdient wie „the orange one!

    Ich gratuliere von ganzem Herzen ♥️

  • Sabine Hofmann-Stadtländer

    In der Tat müssen die DEM sehr aufpassen, keine gravierenden Fehler zu machen, und versuchen, zumindest gegenüber Trump geschlossen aufzutreten. Vielleicht gelingt es ihnen auch, ein paar REP für die Durchsetzung ihrer Anliegen zu gewinnen, ohne die republikanische Grundhaltung einzunehmen.

    Ganz besonders wichtig ist nach meinem Dafürhalten ein geordneter Ablauf bei der Aufstellung der*des Präsidentschaftskandidat*in. Nichts wäre schlimmer als ein "Hauen und Stechen" bei den Kandidaturen; dies könnte das Ansehen und damit die Wahlchancen signifikant schwächen. Wahrscheinlich bleibt es ein Wunschtraum von mir, denn zwischen Leuten wie z B. Kamela Harris einerseits und denn "jungen demokratischen Wilden" andererseits liegen ideologisch Welten. Deshalb wird es noch spannend, wie sich die (neu) gewählten demokratischen Gouverneur*innen bzw. Kongressabgeordneten verhalten werden: wie erfolgreich - oder auch nicht.

  • Klaus Waldhans

    Der Analyse kann man nur zustimmen. Zum Glück haben sich die Wähler nicht davon leiten lassen, dass die Reaktion Trumps auf eine Niederlage schlimmer ausfallen könnte, als es bis dato der Fall war. Nichtsdestotrotz ist höchste Aufmerksamkeit gefragt: bei den Demokraten in den USA, aber auch in Europa und anderswo.



    Trumps erste Reaktion, dass er ja nicht zur Wahl stand und deshalb die Republikaner so eine Klatsche einstecken mussten, zeigt seine ganze Unverfrohrenheit und Verrohtheit. Auf die weitere Entwicklung darf man gespannt sein.

  • Uwe Kulick

    "Der erzrechte Kulturkämpfer Ron DeSantis, abtretender Gouverneur von Florida, hat gerade erste Schritte in die Richtung gemacht, indem er sich traute, die hohen Benzinpreise Trumps Krieg im Iran anzulasten."

    Andere Profiteure der Trumppolitik unter den Republikanern, ob abgewählt oder nicht, werden Trump drängen, ihre gewinnträchtigen Mauscheleien nachträglich noch zu legalisieren! Das könnte soviel sein, dass Trump bis Ende seiner Parlamentsmehrheit in 2 Monaten voll damit voll beschäftigt ist und derweil allenfalls noch weitere volksbelustigend kindische Reden hält. Den Irankrieg würde er derweil Hegseth überlassen, womit dort jede Eskalation noch möglich ist, es sei denn, dem Trump entglitte aus Versehen der Befehl, diesen Krieg zu beenden. Aber das ist unwahrscheinlich, damit die Republikaner den Demokraten ordentlich viel Chaos hinterlassen. Und die Demokraten müssten nach Neuformierung der Parlamente ihre Impeachment-Absichten wie bereits angedeutet auf Hegseth fokussieren. Trump bliebe also im Amt, stattdessen "eingepfirsicht" würde mühsam mitten in einem Krieg Hegseth. Wäre ja für die Welt auch schon eine Erlösung!

  • Joba

    Unter den gegebenen Umständen erschließt sich mir nicht, weshalb ein weiteres Amtsenthebungsverfahren "eine zutiefst unpopuläre Maßnahme" sein sollte. Da wäre zumindest für Außenstehende eine ausführlichere Begründung der amerikanischen Befindlichkeiten nötig. Denn für gravierende Regelverstöße ist ein Impeachment doch da. Und wenn die Leute Trumps Präsidentschaft satt haben, sollten sie froh sein über die Möglichkeit, ihn loszuwerden.

  • Strolch

    Das ist mir etwas zu pessimistisch. Das würde ja heißen: Besser wäre es gewesen, wenn die Republikaner gewonnen hätten. Ich glaube zwar auch nicht, dass Donald sich ändert, aber dass er es noch wilder treibt, glaube ich ebenfalls nicht. Geht ja auch kaum.

  • FtznFrtz

    Die Endphase des Trumpismus ist eingeläutet, der Irrwitz des mehr mehr durchdrehenden Verhaltensauffälligen im Weißen Haus erzwingt geradezu ein neues Impeachment, leider sind die Republikaner eine Ansammlung von Trump-Speichelleckern geworden. Das eigentlich Notwendige, Trump wird von der Bühne geführt und in eine gut geführte Einrichtung einquartiert, ist von leider von niemandem zu erwarten. Die Welt wird die Suppe, die ihr die Amis eingebrockt haben, bis zum Schluss auslöffeln müssen.

  • Sybille Bergi

    Alles was die Demokraten brauchen ist eine gute Kandidat*in. Also weder jemand wie Hillary, die zutiefst im establishment verankert war, noch jemand wie Harris, die sich auf identitätspolitische Fragen konzentriert. Weg vom Tribalismus und hin zu gemeinsamen Klasseninteressen. Da gibt es in den USA mehr als genug zu tun.

    • FtznFrtz

      @Sybille Bergi:

      Links genug, um sich klar von den Republikanern (nach Trump) deutlich abzugrenzen. Allerdings nicht so links, dass die Wähler der Mitte verschreckt werden.



      Und es wäre ganz gut, wenn man mit Leuten gut könnte, also kein amerikanischer Friedrich Merz. Da sollte es doch mal jemand geben, der gerne auch jünger als 75 Jahre ist.



      Tritt Vance für die Republikaner an ist es für die Demokraten ein Vorteil, einen verstickteren, opportunistischeren Wendehals hat diese Partei wohl noch nie gesehen. Und er bringt das Kunststück fertig, noch unsympathischer als Trump zu sein.

    • Blutsbruder WinnePuh

      @Sybille Bergi:

      Talarico? Hamilton? Wenn sie es in Texas und Kansas geschafft haben sollten sie eigentlich in jedem Bundesstaat gute Aussichten haben.

  • passthedutchie

    Mal wieder sehr gute und richtige Worte gefunden.

    Danke, taz.