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Linke und LuxusWas erlauben, Silvia Salis?

Simone Schmollack

Kommentar von

Simone Schmollack

Silvia Salis hat einen Lauf. Sie ist Bürgermeisterin von Genua, wird für Höheres gehandelt – und sie ist links. Nun redet ein Mann über ihre Schuhe.

Was für den Mann der Gartengrill: Manolo Blahniks auf der Londoner Fashion Week Foto: James Peltekian/camera press/laif

F rauen und Schuhe, das gehört zusammen wie Männer und Weber-Grills. Frauen in Deutschland besitzen durchschnittlich 13 bis 20 Paar Schuhe, für drei Meter Schuhregal muss auch in kleineren Wohnungen Platz sein.

In Italien haben Frauen noch mehr Schuhe, vor allem viele mit hohen Absätzen. Wenn High Heels, dann in Roma, Milano, Firenze, Bologna. Doch ausgerechnet in Italien ist jetzt eine Schuh-Debatte losgetreten worden.

Silvia Salis, die Bürgermeisterin von Genua, wird kritisiert, weil sie Manolo Blahniks trägt. Für alle Adidas- und Sneaker-Eigentümer:innen: Das sind Designerschuhe in wilden Farben, mit Metallverzierungen und 10-Zentimeter-Absätzen. Das deutsche Auge bekommt sofort einen grauen Star. Aber in Italien, dem Land der Premium- und Luxusschuhe mit Mut zum Außergewöhnlichen, gelten sie nicht als Extravaganz. Es sei denn, man ist – so wie Silvia Salis – eine linke Politikerin.

Denn Linke und teure Schuhe gehören nicht zusammen. Jedenfalls in den Augen von Francesco Zaffini, einem Senator der postfaschistischen Fratelli d'Italia. Der postete jüngst auf Facebook ein Foto der linken Bürgermeisterin, wie sie gut gelaunt telefoniert, neben ihr stehen blaue Manolo Blahniks. Zaffini kommentiert: „Wir werden auf die antifaschistischen und proletarischen Barrikaden steigen, in Manolo-Blahnik-Schuhen!“

Eine alte Debatte

Da hat der Mann recht, in Zeiten von Insta und Co. ist es schon besser, auch auf den Barrikaden ein gutes Bild abzugeben. Was der 71-Jährige offenbar noch nicht geschnallt hat, ist, dass die Debatte, ob linke Politikerinnen teure Schuhe, Kleider, Handtaschen haben dürfen, fast so alt ist wie er selbst. Sie löste die Frage ab, ob Feministinnen mit Lippenstift und kurzen Röcken zueinander passen. Um es kurz zu machen: selbstverständlich.

Die lila Latzhose als feministisches Symbol ist seit Jahrzehnten out, und High Heels, gern auch teurere, sind schon lange kein Symbol der Oberschicht mehr. Mittlerweile kaufen sich Studentinnen Luxusklamotten im Internet, wenn auch im Sale. Aber wie frau es auch macht, kann sie es falsch machen.

Als die einstige First Lady Michelle Obama, die man als Demokratin in der US-Perspektive durchaus als links bezeichnen darf, teure Kleider aus Nachhaltigkeitsgründen mehrfach trug, erntete sie einen Shitstorm. Ein Kleid zweimal in der Öffentlichkeit zu tragen, zieme sich für eine First Lady nicht, hieß es. Ließ sie schneidern, war das auch nicht richtig, weil zu elitär.

Annalena Baerbock, einst grüne Außenministerin der Ampel-Regierung, ließ solche Kritik gleich mal links liegen. Sie trug immer High Heels, in Weiß, Weinrot, Beige, Schwarz, ganz egal, wo sie war, selbst in der Wüste. Nur einmal zeigte sie nackte Füße, am Strand von Rock Island im Inselstaat Palau. Vermutlich ermüdeten sie Fragen nach Hackenschuhen und ihrer Selbstdefinition als linke Feministin und parierte einmal knapp: „Anders als vor 30 Jahren lassen wir uns dabei unsere feminine Freude, auch unsere High Heels, nicht mehr nehmen.“

Mehr als ein Hammer

Fratello Zaffini kommt mit seinem Blahnik-Establishment-Post nicht nur zu spät, er hat vermutlich auch nie „Sex and the City“ gesehen. In der US-Serie trug Hauptfigur Carrie Bradshaw Manolo-Schuhe so selbstverständlich wie andere Vans, und machte aus den Manolo Blahniks eine Schuhreligion. Feminismus und linke Politik kommen schon lange nicht mehr im selbstgestrickten Wollpullover daher, sondern können jeder Stilkritik standhalten. Michelle Obama war mehrfach das Vogue-Covergirl, die Linke Heidi Reichinnek ist mit ihrem knallroten Lippenstift schon länger eine Stilikone.

Die genuesische Bürgermeisterin Silvia Salis war übrigens mal Hammerwerferin, ein traditionell männlicher Sport. Darauf angesprochen, sagte sie: „Die Stärke von Frauen wurde immer als etwas Negatives angesehen, für mich hingegen ist sie pure Schönheit. Das Drama der vorgefertigten Stereotype ist ein typisch italienisches.“ Im Wurfkäfig trug Salis, was sonst, Sportschuhe – und wurde mehrfach italienische Meisterin.

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Simone Schmollack
Ressortleiterin Meinung
Ressortleiterin Meinung. Zuvor Ressortleiterin taz.de / Regie, Gender-Redakteurin der taz und stellvertretende Ressortleiterin taz-Inland. Dazwischen Chefredakteurin der Wochenzeitung "Der Freitag". Amtierende Vize-DDR-Meisterin im Rennrodeln der Sportjournalistinnen. Autorin zahlreicher Bücher, zuletzt: "Und er wird es wieder tun" über Partnerschaftsgewalt.
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