Linke, SPD und Grüne verlassen X : Der Rückzug in die Bubble ist ein strategischer Fehler
X ist eine der wenigen Plattformen, wo man Menschen jenseits des eigenen politischen Spektrums erreicht. Ein Boykott nutzt Linken nichts.
Foto: Noah Berger/ap
L inke, SPD und Grüne haben am Montag in einer gemeinsamen Aktion die Musk-Plattform X verlassen. Die Plattform sei in den vergangenen Jahren im Chaos versunken und fördere Desinformation, begründen die Parteien diesen Schritt. Diese Erklärung ist nicht nur wenig überzeugend – auch strategisch tun sich Rot, Rot und Grün mit dieser Entscheidung keinen Gefallen.
Natürlich ist es scheiße, dass ein rechter Milliardär eine Plattform mit einer solchen Meinungsmacht besitzt und kontrolliert. Nur ändert der Boykott zum einen nichts daran und zum anderen bedeutet er schlicht den Rückzug in die eigene Bubble. Denn was sind die Alternativen? Auf Bluesky tummeln sich ohnehin größtenteils User*innen, die eine der drei Parteien wählen. Und bei den Meta-Plattformen Instagram, Threads und Facebook versinkt man qua Algorithmus im Sumpf des eigenen Meinungsumfeldes. Ganz zu schweigen davon, dass das Unternehmen Meta und sein CEO Mark Zuckerberg nicht weniger schrecklich sind als X und Elon Musk – nur einfach nicht ganz so exzentrisch.
X ist zwar voll mit Rechten, Konservativen, Trolls und Bots, Desinformation und AI-Slop – wie andere Plattformen auch. Aber es ist eine der wenigen Plattformen, wo Austausch und Konfrontation über das eigene politische Spektrum hinweg stattfindet. Wer Meinungsmacht aufbauen will – und das haben Linke dringend nötig, wenn sie etwas bewirken wollen –, muss Andersdenkenden dort begegnen, wo sie sind. Muss wissen, wie sie argumentieren, ihnen Paroli bieten und sie von der eigenen Sache überzeugen.
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Klar, noch idealer wäre ein soziales Medium, das von einem breiten Spektrum an Menschen genutzt wird und in der Hand von Linken ist. In Sibylle Bergs utopischer Grime-Trilogie ist genau das einer der Schlüssel zur linken Revolution: Eine Gruppe revolutionärer Hacker*innen schafft eine Plattform, die alle benutzen, und baut dadurch linke Meinungsmacht auf. Bis das geschieht, bleibt Linken nichts anderes übrig, als mit den Plattformen zu arbeiten, die da sind. Auch wenn es nervt.
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